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Full text of "Die Frau als Hausärztin : ein ärztliches Nachschlagebuch der Gesundheitspflege und Heilkunde in der Familie, mit besonderer Berücksichtigung der Frauen- und Kinderkrankheiten, Geburtshilfe und Kinderpflege"

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Presented to the 

LIBRARY ofthe 

UNIVERSITY OF TORONTO 

by 
INGRID SCHMIDT 



Die Frau ds ßausärztin 



c;^i?c;^i? Ein ärztliches nadiFchlagebuch c^¥?c^s? 

der Selundheitspflege und Beilkunde in der Familie 
mit belonderer Berüdklichfigung der Frauen- und 
Kinderkrankheiten, Geburtshilfe und Kinderpflege 

Dn med flnna Fifcher-Dückelmann 

in Zürich promouierf 


















mit 485 Originahülluftrationen, 38 Cafeln und Kunftbeilagen 

In feinitem Farbendruck, dem Porträt der Verfaflerin und einem 

niodelUfllbum: ITlann und Weib. 



800,000 ^ubiläums'Busgabe 

800. bis 840. Cauiend 



Stuttgart 
Süddcutfchcs Tcrlags-3nTtitut 




Alle Rechte porbehalten. 
Copyright 1911, by Süddeutfehes Verlags'3nltitut Julius IllüIIer. 



Druck oon Decker & Bardt, Stuttgart. 



Dem Andenken meines Paters 



Dl med* Friedrich Dückelmann 

K. K. Oberltabsarzt 



dankbar gewidmet. 





er ^weä bes üorliegenben Budjes ift, eine SüHe oon 
praftijd^en Rat[d]Iägen, £ebensre9eln unö IDatnungen 
3ur (£rl)altung unö tüiebergeiDinnung öer !örperlid)en 
unö feelifd)en (5efunöf]eit öen ^^'auen auf i(]ren oft (o 
öornenpollen £ebensmeg mit3ugeben. lOir glaubten bies am bejten 
5U erreid)en, roenn toir ermübenbe tbeoreti(d)e Hbfjanblungen, 
unDer[tänbIid)e ober abfcf)redenbe Hbbilbungen ober (Erflärungen 
re(f)t feltener !ranhf)after Suftänbe, bie ben ftauen mcf)t ben 
gering|ten ITu^en bringen, niöglid][t uermeiben unb bafür IDort 
unb Bilb ben Hnforberungen bes £ebens, bas ja fo manmg= 
faltig ift, an3upa|fen fudjen. inöd)te uns bies gelungen fein! 
Dafe roir babei (Erüärungen unb !ur3e U3iffenfd]aftlid)e Be= 
grünbungen nid)t gan3 cermeiben fonnten, toirb jebem begreiflid] 
er(d)einen, ber |id) r>orf)äIt, ba^ ein Bud) wk biefes aud) belel)ren 
(oII unb ben Hnfprüd)en ber £efer r)erfd)iebener Bilbungsftufen 
genügen mu^. IDir bitten baf)er unfere £eferinnen im eigenen 
3ntere[fe, nid)ts 3U überfd)lagen, fonbern bie grunblegenben Kapitel 
bes erjten Teiles, namentlid) ben Hb[d)nitt über bie (Ernä{)rung, 



VI üortDort. 

mit befonöerer Hufmerffamfeit 3U lefen. (Erft bann fann 6er 
bxiih tEetI Jcinen Stcecf üolljtänöig erfüllen, nid)t minber öer 
3tDeite, ber 3tDar öen kleinften Umfang erl)telt, aber öen ITTüttern 
unentbe!)rlicf) ift. 

IDenn (Begner unferer Hi(i)fung uns ütelletdjt öen t)oru)urf 
madjen, öag roir in ber „^ausär3tin" im (Begenfa^ 3U anberen 
äl)nlid)en tOerfen 3U oiel „$elb(tl)irfe" gelef)rt f)aben unb 
babur^ eine angebli^ fd)äblid)e Beftrebung unferer 3eit unter= 
f tilgen, ober ba^ toir in unferen Bilbern 3U t)iel tla(ftf)eit 
bringen unb bal)er and) gefäl)rli(i) roirften — fo antworten 
n)ir: unfere 3eit l^ai bie Befreiung oon ber über Zebm unb 
(5efunbf)eit gebietenben Hutorität bes Hr3tes ber alten Hrt an= 
geba!)nt; bas Pol! ^at angefangen, fid) felbft Ijelfen 3U 
roollen, unb jeber einfiditsDolle Hr3t, ber für bie 3ntereffen 
ber HTenfd)l)eit tüirft unb nid)t nur für feine 3unft, roirb biefes 
Beftreben als einen glüdbringenben 5o^tfd)ritt freubig begrüben 
unb il)m alle feine Kräfte tDeil)en. Hud) ift es ein 3rrtum, 3U 
glauben, ber Hr3t fäge burd) biefe Unterftü^ung ben Hft felbft 
ah, auf bem er fi^t; es änbert fid) nur einerfeits bie Hrt feiner 
tEätigfeit, inbem er mel)r ein ^üter ber (Befunb^eit roirb, 
\iatt toie bisl)er ausf^lieglic^ aus bem (Elenb feiner franfen 
IHitmenfi^en ttu^en 3U 3iel)en; anberfeits ift ber roiffenfdjaftlid) 
unb pra!tif(^ ausgebilbete Hr3t unter ben heutigen traurigen 
(Befunb^eitsüer^ältniffen fo nottoenbig, bag er tro^ aller Selbft» 
^ilfe ber Caien nie gan3 entbel)rlid| roerben wiib. Um laienl)afte 
$elbftüberfd)ä^ung ber eigenen 5öl)ig!eiten 3U oerl)üten, liahe 
id) bal)er, roo es nottcenbig erfd)ien, immer auf bie (5efa!)r ber 
Selbftbe^anblung Ijingeroiefen unb ftets bie 3u3iel)ung bes fa^= 
gebilbeten Hr3tes betont. 

XDas ben ^voeiten Dorrourf anbelangt, fo l)abe id) es gerabe 
als eine ber Hufgaben eines fold)en Bud)es betrad)tet, angefid)ts 
ber im tliebergang begriffenen $d)önl)eit bes menfd)lic^en Körpers 
unb bes immer mangell)after wexbenben Ilaturfinnes auf gemiffe 
(Brunblagen 3urüd3ufül)ren, um auf bas nod) oon Kran!l)eit, Por- 



üortDort. VII 

urteilen unö llntDiffenl)eit umgebene rDeibIid)e (5e(d)led)t befreienö 
un6 erl)ebenb etn3UtDir!en. Diejenigen, öie unjer Bud] mit reinem 
Sinn un5 Dorurteilslofem (Beifte prüfen, roifjen aud), öafe man 
(5e(unöf}eit unb Sd)önl)eit nur an öer ^anb ber tiatur rDieöer= 
finben !ann, ba§ baf)er aud) ber nadte men|d)lid)e Körper nid]ts 
Hbfd)redenbes ober öerbotenes an (id) f)at, fonbern nur ettoas 
llngerDoI)ntes geworben ift. Don biefem Stanbpunfte aus prüfe 
man unfere Hbbilbungen unb erfreue fid) suerft an unferen nadten 
Kinbern, tr»eld)e ben Sinn für Ilatürlid)!eit am ra(d]e(ten 3U 
toeden geeignet finb. 

3m übrigen toollen toir I)elfen unb !)eilen unb 
nid)t blo^ intereffieren! 

lUöge nun bas lOer! für fid) felbft fpred)en unb bie Huf» 
gaben, bie roir uns geftellt f)aben, erfüllen. 

Dresden-IioFdiwiö, maieritr. is, 

in Zürich promoüiert. 

Vorwort 

zum fünften ßunderWaufend 

enige 3^^^^ "ö^ ^^^ (Erfd)e{nen unferes Bud)es finb 
roir fd)on beim fünften fjunbcrttaufenb angelangt. 3el]n 
frembfprad)ige Überfe^ungen liegen cor uns, bis in 
ferne IDeltteile lejen 5^auen bie „^ausär3tin" in il}rcr 
ITIutterfprad)e unö roerben angeregt, über l)t)gicni(d]c llTifebräud]e 
uad)3ubenlien, bie leibcr in l;eincm £anbe fel)len. 

Hbermals l)aben Dcrlag unb Hutorin keine Hnftrengungcn 
gefd)eut, Derbefjerungcn unb Derfd)önerungcn bcs IDcrhcs nad) 




vin 



üortDort," 



allen Htd)tungen Dor3uneI)nien. So entftanöen üiele (Ergän3ungen 
öes Cejtes, unb eine beöeutenöe Bercidjerung ^es Bucf)es an 
3IIuttrationen unb Kun|tbeilagcn, bie größtenteils bem £eben na6]= 
gebilbet jinb. praftifd) 3ufammengejtellte Kräutertafeln jinb bei= 
gefügt roorben, ber (5t}mnaftif für bas tDeibltd)e (5ef(f)Ied)t rourbe 
eingetjenbe Bead)tung gefdjenkt, fo ba^ mand)er !ränkli(f)en Ceferin 
bie ITTögtid)keit gegeben i[t, fid) aud) ol)ne Unterridjt bie fo 
tDol)Ilätige !örperlid]e Husarbeitung 3U fdjaffen. 

(Eine neue farbige Kunjttafel über ^aut!ran!f)eitenbefäf)igt jebe 
ernfte £eferin, in (Erferankungsfällen [id) felbft KIar!)eit 3U fd)affen, 
beüor ber Hr3t ge!)ott xDixb, unb bas Bilb „tEaulaufen" roirb 
mandje ITTutter unb Ijüterin ber (5efunbl)eitspflege anregen, 3ur 
Hbl)ärtung ber 3f)rigen es nad)3ua!)nien. Ungemein roarm unb 
bankbar rourbe bie ^ausär3tin con S^^oi^^^ ^^^ ITTännern aus 
allen Dolkskreifen aufgenommen, toas 3al]lreid)e 3ufd)riften be= 
roeifen, unb (otDol)l bie Preffe, roie bie är3tetDelt erfreuten uns 
burd) anerkennenbe Urteile. 

möd)te biefes fünfte ^unberttaufenb unferes „5i^auenbud)es" 
toeitere Kreife erobern, HufMärung unb üereblung ber Sitten, 
roo es nottut, anbaI]nGn l)elfen! 

5l^ im Berbtt .908. 
Stuttgart, 

üerfaflerin und üerlagshandlung. 



Begleitwort 




zur 750 000=3ublIäum5=Husgab3. 

icöerinn !)at öieI5ausär3tt!t il)ren (Ein3ug in neue (laufenbe 
Don 5cimil{en gel^altcn unö \\t in jtärferem Abjage als 
I je 3Uüor an i(]rem ^4 iniIlion=3ubiIäum angelangt. 
Hacf) roie Dor mar es öas Bemül)en öer Derfafjerin, 
(tatt einer unfrucl)tbaren Polemi! unö (tatt ber ^erüorl)ebung l^eute 
nod) oorl]anöener (Begenfä^e in ben Der(d)iebenen i}eilmetl)oben für 
bas ^aus nur praftifd) Derroenbbares unb burd) bie (Erfaf)rung 
Beir)äl)rtes 3U bringen. (Ermübenbe t!)eoretilcf)e Hbl]anblungen, 
für £aien abfto^enb u)ir!enbe Hbbilbungen aus ftreng u)i[jenid)aft= 
Iicf)en XDerfen entnommen, bie nur für bas Huge bes Hr3te5 
beftimmt jinb unb bei franfen £e(ern nur Unl)eil anricf)ten, blieben 
aus ber ^ausär3tin roie bisl)er ausgefd)lojfen. 3nsbefonbere gilt 
bies für bie Hbbilbungen ber (5ejcl)lecf]ts!ran!l)eiten, bie jid) in 
öer legten breiitej'ten nacf)al)mung unjeres IDerfes gan3 bejonbers 
breit madjen. Hud) l)ier [ei bal)er roieberljolt, ba^ bie f}ausär3tin, 
bie l)eute in 13 Kultur[prad]Gn ^unberttaufenöe oon 5ö^^^ili^^^ 
oernünftige (Dejunbl]eitspflege leiert, fein är3tlid)es £el)rbud) 
i|t, fonbern ein Jjausbud), bas ber 5^«uenroelt gab, inas 
il)r bisher oon tDeiblid)er 5ßöer fel]lte. Die öabei üon ein3elnen 
är3tlid)en (Begnern 3utagc getretenen Hufeinöungen !ann öie Der= 
fajjerin mit ebenjoüiel (tnt)d)iebenl}eit n)ie Rul)e 3urü(fn)eiien. Sic 
l)at bie Bemeife oor [id), roie oon rüdftäubigen, ben großen Reform^ 
bemcgungen ber 'neu3eit fcinblid) gefilmten Hr3i!rei(en gerabe unfcr 
Don biefer Seite gefd]inäl]tes IDer! als Dorlagc 3U uiilauterjtcn 
nad)al]mungen oon H^itel, Husjtattung unb 3nl]alt bciiüt3t rouröe. 
— (Eine gröjjere Blö^e formten [id] unjere ©cgiier nid]t geben! - 
Huf bie 3ule^t oerfloffenen Z^l]xc 3urüdblirfcnö [ei nod) 
era)äl]nt, öa^ bie fjausär3tin auf öen letzten l]i]gicni[d]en Hus» 



X DortDort. 

[tellungen 5ie f)öcf)ften Hus3eid)nungcn errang unb 3rDar in £eip3{g 
unb Berlin Diplome unö golbene lUebaillen, in Paris, in ber unter 
bem proteftorat bes fran3Öji(d)en Hrbeitsminifters ftattgel)abten 
l]i]gieni[d)en Husftellung ben (Branb prij, eine Hus3e{d)nung, bie 
DorI)er feinem beutjd)en Bucl]e 3uteil rourbe; biefelbe Hnerfennung 
burd) Perleii)ung bes (Branb Prij erlangte bas IDer! bei ber im 
X)orjai)r ftattgel)abten IDeltausJtellung in Brüf(el. Hud) in bie 
J)ausbibIiotl)e!en 5. XU. bes Deutfd)en Kaifers, 5. ITX. bes Kaifers 
von 0efterreicf) unb ber $taatsoberI)äupter faft aller anberen 
Kulturftaaten rourbe bas IDcr! aufgenommen. 

Um bie neue Huflage nocl) mel)r 3U üeroollfommnen, !)aben 
tüir md}i nur 3al)Ireid)e (Ergän3ungen I)in3ugefügt, fonbern aud) 
bie ^eilfräuterfunbe in überfid)tlid]er 5ornx bearbeitet unb neue 
tEafeln beigegeben. Das Kapitel „(Erfte Jjilfe bei Unglüdsfällen" 
ift bebeutenb erroeitert unb mit Hbbilbungen Derfef)en, tDeId)e bie 
Braud)bar!eit ber rDeibIid)en J}ilfs!räfte bartun. (Ein neues Hlbum 
mit 3erlegbaren anatomifd)en IKobellen nad) ben Hngaben ber 
Derfafferin pon einem ber erften Künftler auf anatomifd)em (5e= 
biete angefertigt, I)at bie Hufgabe, bie !örperlid)en Unterf(^iebe 
ron ITTann unb IDeib Ieid)tfa6Iid) bar3uftellen unb baburd) bie 
ein|d)Iägigen (Erläuterungen ber i)ausär3tin 3U ergän3en. 

So fd)iden roir bie ^ausär3tin in i()rer fdjönen tleugeftalt 
f)inaus in ber 3uüerfid)t, ba^ il]r au^ fernerl)in günftige Sterne 
fd)einen, unb mit bem II)unfd)e, ba^ bas (Bute in ii)r roirfen möge, 
roie es bis!)er 5um Segen Unge3äl}Iter geroirft liat 

Dresden, . ^ , 

=T-n — r im Februar 1911. 

Stuttgart, 

üerfalferin und üerlagshandlung. 



SnhaUS'Uberfich^ 

Das Baupf-Iladirdilageregilfer befindet [ich am SchluIIe des Buches. 

erffer Cell: ßefundheitspHege, 

Seite 

erftes Kapitel: Bau und £eben des men|d)l]d)en Körpers. ... 1 

Zujeites „ ünjere Gmäl^rung 47 

Drittes „ $onnenlid)t und Sonneniuärme 125 

Viertes „ Kleidung/ Bett und Wohnung 131 

fünftes „ Rübe und Bewegung 175 

$ed)[tes „ Pflege der Sd}önbelt 191 

Siebentes „ Das 6etd9led)tsleben . 223 

üd^tes „ £angleblgke]t — Cod 263 

Zweiter Ceil: Das Kind, 

$d)u;angcrtd)nTt 269 

über die Bestimmung des 6eld)led)ts 273 

Die Zeit der Sd9a)angerfd}aft . 277 

$d}u;anger|d}atts=Kalender 280 

Verbalten U)äbrend der $d)U)anger|d)ait 281 

£ebensregeln für die Zeit der Sd^mangerfd^aft 284 

Der rnutterkud)cn 295 

entftebung, Verbütung und Bebandlung der 5eblgeburt ... 297 

Wie es andere Völker mit der Sd^ujangerfd^aft balten .... 299 

ein Wink für Bräute und junge €befrauen 302 

Was bat man zu tun, um ünfrudjtbarkeit zu bekämpfen? . . 305 

Wie geu)innt man gefunde und fd;öne Kinder? 307 

Die normale Gntbindung 309 

Die er|d)U)erte entbindung 312 



XII 3nf)alts=über|id)t. 

Seite 

Die geburtsbiltlid}en Operationen 327 

Die nad}geburt 335 

Das VVod}enbett 339 

Das Klndbettfleber • .... 343 

Die Bebandlung der Brüfte 345 

Die Bebandlung des DammrlHes 353 

Die Geburtsbllfe bei anderen Völkern . 355 

erfte Pflege des Hengeborenen 355 

Die künftlldje €rnäbrung des Säuglings 3i5S 

Krankbafte Zuftände des Säuglings 375 

Das Zabnen 3S6 

Der Übergang des Säuglings zur geniijd^ten oder fcften Habrung 387 

Das Baden der Kinder 390 

Die Kleidung des Kindes 391 

Sollen u;ir unjere Kinder Impfen laffen? 397 

Das Spiel des Kindes 399 

Wie üerbütet man Verkrüppelungen der Kinder? 404 

Die ortbopädl|d)e Bebandlung der Verkrümmungen 411 

Die einfübrung unjerer beranreifenden Kinder In fexuelle JIn= 

gelegenbelten 418 

Die neruofltät unferer Kinder 420 

Drifter Ceil: Beilkunde. 

Rellkunde In alpbabetl|d}er Einordnung U5—S5S 

erfte Rllfe bei ünglüd<sf allen 858— 87 1 

ünfere Rellkräuter 872—892 

Veru^endung der Rellkräuter bei den üerfd}ledenen Krankbelten 893—896 

6efäbrlld)e Pflanzen 896 

Giftpflanzen ■ 896 






I 




erstes Kapitel. 



Bau und Ceben ae$ menscblicDen 
Körpers. 



„2 er befte STr^t tft bcr, 
ioetd)et fit^ überpüffig mac^t. 




m bie ^unftionen be§ ^örperS 511 becjrcifen, bie Urfadje, "bm 
2i§ feiner Grfranfungen, bie 5}tüg(id)feit feiner ^eihmg 511 
Derftetjen, nui| man über bie raid)tii]ften Organe unfere» ^örperg 
einigermafsen aufgef(ärt fein. Gl ift aber fcf)iüierig, bcm Caien, 
b. f). bem 9]id)tar5t, ber roeber Sfnatomie noc^ ^^f)gfioIogie 
nocE) 5^ranff)eity(ef)re ftubiert f)at fo r>ie(e flare 5?enntniffe bei5nbnngen, ba§ 
er fid) rcirfüd) jurecfjtjufinben oermag, üf)ne ermübct unb gclangroeilt ^n raerben. 
langatmige tf)eoretifcf)e (Srflärungen, forgfältige n)iffenfct)aftlic^e 2(bbilbungen 
oermögen biel nid)t ju erreid)en, jo fie fd)recfen fogar oiek an ftramme geiftigc 
2(rbeit nid)t gcraöljnte ^erfonen jnrücf. ''^n ben t)ö(}ercn ^Iititte(fcl)n(en wirb 
ber männlid)en roie ber roeib(i(i)en ^itflci^^ bereit! fo oiel Stnatomie nnb '^Mi^fio:- 
(ogie beigebrad)t, bafs bas 5Berftänbni§ für berlei 2Ibbi(bnngen nnb GrtUärnngen 
raefentlirf) erleid)tert ift; biejenigcn aber, bie nid)t ta^ ©lücf (jattcn, fü(d)e 
©d)u(en 5u befnd)en, ftc(jen cor nnge(öften 9Mtfctu nnb Ijabcn oon Süd)crn, 
bie il)rem 93erftänbnil nid)t angepaßt finb, feinen ^hiljen. Qn ben festeren 
gct(ört ber gröfjere Xdi ber fjentigen ^ranenmctt; e§ nuiB balicr ein 53nd), bal 
i()nen gemibmet ift, in ^"fjiift nnb 3prac{)e fo bcfdjaffen fein, bafj es i()ncu 
nid)t Sd)mierigteiten, foiibern reid)(icl)en 9]n^en unb 33ergnügen bereitet, .^in- 
fid}t(id) nnferel Stoffcx^ ber un5 im erften 5^apitet uorlicgt, lucrbcn mir bie3 
erreid)en, menn mir erften» nnr ba» SS>id)tigftc au» bcr grofjcn Älicngc be$ 
23iffen»roerten t)eröorfud)en unb biefel in überfidjtlidjcr, logifd) gcorbnctcr, 
baf)er (cid)t faf5(id)er ^yürm barftcüen, unb rocnn mir jmcitcnl aüc crmübcnbe 
33reite oermeiben unb oor^ug^^mcife bei jenen 3teücn etiua» au'^fü()rlid)cr merbcn, 
bie für ba§ 2c[m\ ber %xan oon ganj bcfüiibcrcr Sic^tigfcit finb. ^k fa 
gegebenen Grläutcrungen prägen fid) bem öcbäd)tniffe bann üiel bcffer ein, ja 
i)ie 93]ügUd)feit einer fofortigen ^hiljanmenbnng madjcn fie fogar unocrgcf5(idj. 

Sic 'Stau al§ .&au§ärjtin 1 



' ö r p e r b a u. 



SDaiojeuige ift ':)a§ reid)!)alttgfte, bo§ befte ^ud), ha§ \m§ bQ§ meifte 
für unfereu Sebeu§iüeg nuttjibt uub beffen ^nl)alt rair am fd)nelt[len u\§ 2^hm 
übertragen fi3nnen! 

Unb fo toolleu luir aucf) über ben ^au unb ha§ fieben be§ men[(^Iid)en 





S^tg. 1. eicUtt bc§ 9)kufcf)ctt. 



f^ig. 2. ©fcicft bc§ ©orilltt. 



Jlörpcrg nur ba§ SBe[entltcf)fte bringen unb nur ha§, na§ auf aagenicin be- 
fannte 33cr(jäftniffe SBejug Ijat, fo bafj unfere Seferinnen i^r eigenem 5lürper= 
leben rairflid) begreifen lernen, oljne i(jr ©eljirn mit unuerftünbeneu fingen 
on^ufütten unb barüber bie Ühitjanmcnbung äu oergeffen. 



S? 11 d) e 11 g e r ü [t. 



@e[uubl}eit muf3 aitd) ftcta bie 0nuib(at]e ber 2d)ün()eit bleiben; 
L)te§ Derftcl)en 511 (erneu, ba^u bieut imfer cv[te5 5iapite(. 5" einem fpäteren, 
ba§ bie Sd)ünl)eit bel)aube(t, rooKeu mix bie ^^ormen be§ men[d)(id)en 5iürper§ 
inib bie Scl)ün()eit5pf(e9e be[pvecl)cn, joiuie nteuicl3(ic!)e eutartuuQScqdjeiuungeu 
beleudjtcn. 

10 



Das m^ntchUche Ktioch^n^erütt. 

^a§ ^uocljengeriift beS 9}len|d)en bc[tcf)t aiu^ uiclen ffcinen unb grojien 
5lnodjen. G» Ijat feinen ^i^ccf, biefe einseht ju befdjreibeu unb ju benennen; 
c§ genügt für bie Se[erinuen, lucun fie if)ren 3ii[fii""tenf)ang unb itjre 2(uf= 
gaben erfenncn. Sie bieten bie (Btütje, bie Unterlage unb ba§ ©e[)äufe für 
bie SBei^teite be§ iiörperä, bie ha^ (Sfelett ausfleiben unb fütten unb feljr 
mannigfaltig finb. ^k§ fpringt oor aüem ins 2(uge an 5lopf, 53ru|tforb 
unb ^öeden, bie mir aud) in einjelnen ^bbilbungen briui-ien. 

%a§ Sfelett be§ menfd)enäf}nlid)en 3{ffen fteden mir neben ba^ menfd;= 
Iid)e, um einen intereffanten 9?^erg(eid) 5U ermöglid)en. Tiid)t nur ge[)t barau'2! 
bie tierifd)e SSerroanbtfdjaft be6 9}]enfd)en Ijerüor, fonbcru e» rcerben un§ aud) 
burd) bie ©egenüberftedung bie (Sigentüm(id)feiten bey men]d)(id)en 33aue§ erft 
gan§ ![ar. 9]or allem fällt un§ babci bie Sd)lan£(jeit be» menf(^ticl)en Sfeletty 
auf, bann. bie .^errfd)aft be^ 5^opfe§ über ha§ ©anse, beffen gemölbter £d)äbc( 
't)a§ gröf3ere ©ebirn anbeutet, enblid) ha§ oeränberte 93erljä[tni» ber oberen unb 
unteren ©liebma^en, meld)ey burd) ben aufredjten OJang entftanb. Tie fleineren 
33erfenfnod)en, ber fd)lanfere 53ruftfaften, ber fleinere 5uj3 mit nid)t melir 
abftel)enber grofjer 3ef)e rcie beim 2lffen finb rceitere 3eid)en ber 5lnpaffung, 
b. f). ber SSeränberungen, bie fid) allmä()lid) burd) eine anberc Jätigfcit unb 
Sebensroeife entmicfelten. ^m übrigen meifcn beibe Sfelette biefetben 5lnüd)en 
Don gleid)er ©runbform auf. 

•Ser ^opf be§ ^^llenfdjen ift ber Ijärtefte J^örpertcil, er entl)ält in ber 
(Sd)äbetl)ül)le baö (Seljirn, ba§ Crgan ber geiftigen 2:ätigf'eit, au» meldjem 
5al)lrei^e ^leroen entfpringcn, bie fid) am 5lüpf ausbreiten; aufserbcm entl)ä(t 
er bie Sinnesorgane mit il)ren auf ba§ feinfte auSgebilbeten einzelnen Jcilcn, 
(2prad)=, ^tmungS* unb 9la()rungSürgane, meld)e i()re ^ortfct^ung nad) bem 
Öiumpfe 5U finben. GS befinbet fid) in bem flcinen ^H'aum eine fold)e ^-ülle 
Don Organen, bafj ber menfd)lid)c (2d)äbe( allein jal)relangeS Stubium liefern 
fann, unb baf] mir in ftauncnbcr 93eiiiunbcrung oor einem .Uunftmerf ber 
D^atur fteljen, baS nad)')Ubilben gan^ unmöglid) märe. 

@inen gan^i anberen Gljarafter jeigt bie smeite .^öljle beS menfd)lid)cn 
Körpers, ber '-ürufttorb, ber fpangenartig burd) bie claftifd)en ^liippcu ge» 
bilbet roirb. ©r umfdjliejit bie :l:?ungen unb baS .^cvj mit iljren ^^lebcnorganeiL 



J? n d) e n g e r ü ft. 



(So feft uiib uuberaeglid) ber (Sdjäbel ift, fo lueid) uub nadjgiebig erfd)eint 
ber ^vuflforb uub sroar besljatb, raeil bie fid) füüeuben unb entleerenben 
Sunöcu feine ftarre äußere ^nll^ fjaben bürfen, oI)ne in i^rer Sätigfeit njejent=» 
licl) geljcmnit 511 fein. ®er „fefte "ipunÜ" für bie Stippen bilbet bie SBirbef* 
f jiu(e, lüo bie 9tippeu an f(eineven ©elenf'en feftfi^en. Sßäljvenb au ber oor> 




^natür. 



%\%. 3. 2«eitfdjU(^cr @tT)äbcT. 



F Stirnbein. 
Pr ©cf)eitelDein. 
O ©intev^auptbein. 
Z §od)beiu. 



E ©iebbein. 

L Stränenbein. 

Mx Dberfiefer. 

N 3'lafenbein. 



Md nuterücfer. 

T aöarseiifortfolj. 

S Keilbein. 
Tsp STeilbeingrubc. 



bereu ^örperfeite ba§ ^ruftbeiu ben Alling fd)(ie^t uub eine wiberftaub^^fäbigerc 
(Stelle fcljafft, fiubet bie Ijintcre (Seite burd) bie Sirbelfäule uub bie (Sd^ulter=' 
btätter it^re (Stüt3eu uub jiuar iu foId)em ©rabe, ba^ ber 9iücfeu al§ einer 
ber uueuipfiublid)fteu uub n)iberftaub§fäljigfteu Steile be§ uieufd)lic^cu 5lijrper§ 
gilt. (Seine ^Bauart befäljigt i^u, uid)t uubebeutenbe Saften §u tragen, unb 
bei eiutreteubeu @efal)ren fud)eu roir unbewußt ftetS bie weniger beberfte 
SSorbcrfeite uufere^ Körper!? ju fdjütjeu uub bieten '^zw 9iücfeu aller Unbiü 



S! n d) e u g e r ü ft. 



bar. S;ie ct(]entüm(id)e 53auart ber 2SirbeI[äu(e, bereu einsctne 2'ctle 511 eiit^» 
anbei' oevfcljicbbnr [inb, baä bic!e ^DlibofeKager, bie beiüenlirtjcu fladjcn (3c!)ulter=» 
blattet tragen ade mit ba3u bei, ben Siücfen [o brauct)bar ju gcftaltcn. 

®ie britte ^ö^te bilbet ba§ 33eden. @§ beftet)t au§ f(acl)en iinb fnv^cn 
ivnodjen unb rairb an ber tf)intcr[cite b.ivcl) bay Gnbftiic! ber 25irbc(iäute, 
ha§ 5Treu5= itub Steifsbcin, ab9e[d)(onen. ^}ln feinen bciben ä'nllcrcii Seiten 
befinben fiel) bie Getenfpfannen, in iüe[cf)en ber ©elenffopf be§ £d)enfeIfnod]en§ 
befeftigt ift. :^n ber ^ecfent}ö()(e liegen rooljleingefc^toffeu bie (Singeiueibe, 
bie .^arn= unb öc[cI)(ed)t§organe. 33eim SSeibe ift bicfer 9kum von gvöfjtct 
S3ebeutung, weit er ben grudjt- 
I)alter, bie Gebärmutter, euttjätt, 
in mc(d)em ba§ 25>ad)§tum ber 
Seibesfrud^t ftattfiubet. 2öir 
befprecl)eu ba'^er ba§ lüeibüdje 
93ecten nod) im befonbereu. >^mn 
ridjtigen 93erftänbni!8 ber Dor=^ 
liegenben 93cr(}ä[tniffe fei nur er- 
ftärt, ba|3 man unter „Sd).ilter* 
gürtet" ben fnöc!)ernen 9iing oer^ 
ftel)t, ben bie Sdjulterbtätter mit 
ben ©d)tüffelbeinen unb bem 
S3ruftbeine bi(ben. Gr liegt bc.u 
9iippen!ürb auf, ^ä(t bie 3(vme 
am Sd)utterge(enE unb oerleiljt 
bem fc^raa(^en S3ruftf'ürbe Sdjul) 
unb ^eftigfeit. ^mifcf)en ben 
(2d)ulterb(ättern ift ber 9iiug offen 
unb be§l)atb fo beweglid), raä()= 
renb ber „^edengürtel" einen 
tiollftänbig gcid)(offenen Svuodjen- 
ring barfteltt, unberoegtid) ift unb 
baburd) bem ganzen S3ecfen grofse 
SBiberftanbsfraft ücrlei()t. 

®ie langen 9RüI)ren!nc(^en 
rcegeu — bilben bie GTtvemitätcn, bie 3(rme unb 53eine. 

^ie £berfd)enfeIfnod)en finb bie Idngften unb ftärfften <^inod)eu beS 
mcnfd3lid)en ©fc(ett§; ^^üpe unb ^änbe finb üielfac^ gcgticbevt unb uerbanfen 
biefem Umftanb i()re gro^e 33enieglid)feit. 5lräftige ©etenfe fiuben mir an 
"özn Gübogcn unb i^nien, (id)u(tern unb Cbcrfdjenfeln („.Ruften"), an ben 
^üj3en unb Rauben. ®ie ©lieber beo 9,^]eufd)en finb im normalen i^uftanb 
mit !räftigen unb äal}(reid)en 93]u5fetn auSgeftattet, fo bafj 'OaS uacftc St'elctt 
faum it)re rairf(id)e Geftalt erfennen läfjt. ®er 9]ame „3fe(ett" fommt ron 




9ig. 4. 93iciif(^tt(]^cr »niftforti. 

1 Sdjlüifelbcin. 

2 3?riiftbein. 

3 ed)ultcrbtntt. 

4 <rm.irpligcv 2di ber Diippcn. 

5 Sinüd)crncr Seit ber Diippcu. 
G aSirbcIfäiile. 

7 Sdjultergclcut. 

fo benannt i()rer taugen ^Dlarfröbren 



J^nodjengerüft. 



bcni flried)i|cljeit „<BMo§", raomit man ben größten menfcE)tic{)en 5lnod)en, 
ha^ „(ScI)enfeI6etn", beäeic^uete. 

tiefer etienfo fonipUjierten roie anwerft §raerf'mä^igen Stuorbnung unb 
©e[taltinig ber einjelnen Steile be§ S!nod)engerü[te§, bie felbftrebenb nur bQ§ 
^robutt einer (augfanien 2(npaffung an immer neue oon au^en !^erantretenbe 
2Inforbevungen [inb, oerbanfen mir bie oielfeitigen forperlidjen ^ä{)ig!eiten, 
unfere ©emaubtljeit, ^eljervfcl)ung ber Umgebung ufiu. 

®ie ©efamtäatjl ber 5lnod)en be§ ®rroad)fenen beträgt famt 32 ^öljneu 
unb ben [ecf)§ ©el}ürfnö^erd)en 240. 

Um beftimmte 2irbeit §u (eiften, bebarf man in ber 9)led)ani! fefter 
(Stoffe: ©tein, ^otg, SJIetalt. ®ie 5?noct)en ber Stiere unb DJIenjc^en, roetdje 
nicljt§ anbercS fiub all .^ebet, bie mit Sf^oüen oerfcljen finb, unb roetcl)e Saften 
5U tragen unb ^emcgungen au§5ufül)ren Ijaben, entt)atten baljer aud) fefte 
(Stoffe, meldje im au^^gemncljfcnen ^i'ftonbe be§ DJienfdjen bebeutenbe .^ärte 
erreid)en. ®ie ^auptbeftanbteite ber ^noc^enfubftanj finb erbige (Stoffe, t3or 
allem pljoypljorfaurer 5lalf, raeld)er be§l)alb in ber menfd)Iid)en 9"ia{)rung immer 
rcicl)(id) oortjanben fein muf3. 3Siele £nod)ener!ran{ungen finb nur auf 3Ser» 
ormung an S^alf surücfjnfütjren. 

53eftänben bie 5?nod)en jebod) nur au§ ©rben, fo mären fie tot unb 
ftarr; e:§ finb ifjuen bat^er Seim gebenbe, atfo organifclje 93eftanbteile, bei^ 
gemengt in ^orm ber S^norpel, (Set)nen unb ^äute, meld)e fie elaftifd) machen. 
Stu^erbem werben fie üon 33Iutgefä^en burd)5ogen unb entljalten in il)ren 
IKötjren ^ettftoffe (Slnod)enmarf). 

2BefentIid)e nntcrfd)iebe jmifdjen bem männtidien unb roeib(id)en 5Tnodjcn=» 
gerüfte gibt e§ nid)t; mir fef)en bei ber ^-rau nur etmal fleinere unb fd)mäd)ere, 
bemgemä^ aud) etma§ leidjtere ^nod)en, unb bei 93etrad)tung ber beiben 
Sfelette a(§ befonbere§ 93]erfmal ben breiteren 6d)u(tergiirtel be§ 9}]anne3, 
ber burd) bie fräftigere 2(rbeit ber 2Irme oUmä^Iid) entftanb, unb ha§ fc^mälere 
S3erfen, rcä^renb fid) beim Söeibe burd) bie SO]utterfd)aft ba§ '^eätn ftärfer 
entmid'ette unb bemgemä^ an ber äußeren ©eftalt Ijeruortritt. ^Ijre ^^üft* 
breite ift alfo größer all bie bei 9}lannel, befonberl im 3>erl)ältnil §ur @ri)^e 
ber ganjen ©eftalt, roätjrenb il]r ©d)ultergürtel Heiner ift all ber bei SKannel. 
^al finb bie einzigen Unterfdjiebe am ^nod)engerüft ber 6)efd)ted)ter. (©ielje 
roeiblidie unb männlidje ^iZormalgeftalt nai^ 9Jlerlel.) 

33ei franfl)aften ®rfd)einungen in 'özn 5lnüd)en genügen bie oorftcljenben 
SIbbitbungen, um bie an ben betreffenben STörperftellen liegenben ^nodjen er* 
l'ennen unb aud) be5eid)nen ju tonnen, unb mcnn biel erreidjt ift, tjaben unfeve 
Slbbilbungen i^ren Qw^ct erfüdt. 



58 e cf e n. 



Das Becken. 



^cr 53e(fcnring rairb burcf) bie Scljambcine, bte bcibeit ^avnifdjnuferiT 
uub ba5 flveu^bein gebilbet. 2Bo bieje 5vUüd)cu ,5ui"aminentreffeu ift mir 
gonj geringe 93eiüeglid)fcit möglief), ba bie (Seleufe wenig au§gebi(bet finb. 
2)ie oorbanbeneu 2örf)er am 53crfeii bieneii jum 3{u5tritt ber ©efäpe unb 
SIeroen, bie oer[d)iebenen Rnüdjcnräuber jum 3(ufa^ 3a()(reid)er 91]it6fc(n. 
S)ie fogeuannte „'*|^[anne", b. i. bie G)e(enfgrube für beii ©etenffopf 
be» Cber[cf)cnfe(», ift anberä gebilbet als bie C3e(enfgriibe für beii 
^opf bes Cberarmes; infolgebeffen ift bie 'i3eii)eg(id)feit be» deines feine 
fo gro^e roie bie be5 2{rme§. Q3ei ruijiger 53ctrad)tung ber 9}erf)ä(tniffe 
ber 5^nocI)eu be» Sd)u(tergürtet§ unb be» ^ed'en^ roirb biefer llmftanb 
jsbem tiar. 



12 3 





(yig. 5. 9)lämiltff)c§ mib wcibli^cS SPctfcn. 



S[RännIicf)e§ SSccfcn uoit ooru. 

1 Sreir,bein. 2 (Serenfflncfic. 3 (scf)ambein. 

i l'fanne bc§ €rf)enfcIfopfc5. ö 6)etcntfläcf)e. 

C aiuätrittäöffiiunc! für Skroen unb @efä|e. 

7 etöbein. 



2öeiblid)eg S3ecfeii uoii ocrn. 

1 9Jorfpriiigenbe§ fircu^bcinfProinontorium), 

2 akrDenlödjer. 3 (Sc(enffläcf)c. 4 Darmbein. 
5 gjänber. 6 (Steifebein. 7 ©etcnfpfannc. 
8 Erfiambetn. 9 ©clcnffläc^e. lo Sitjtnorrcn. 



S!a ba§ S3ccfen beim Seibe größere 5(ufgaben I)at al§ beim ??ianne, 
fmb mir aud) berechtigt, nad) llnterfd^icben .^mifc^en männlid)cm unb lueib^- 
Iid)em Werfen §u fragen. (Sie finb oud) in feiner ©eftattung ju finben. 

2ay raeibüc^e Werfen ift flad)er, bie ^armfc^aufefn finb mc[)r nad) 
ou^cn gebogen, ber (Singang in bie 53ccfen()öl)Ie ift luciter unb frei'5förmiger, 
ber 2Binfe(, ben bie Sd)am^ unb Siljbeine bilben, beim 9J]anne fpit^er, beim 
Söeibe ftumpfer. ^m ganjen mad)t bas meiblid)e '-ücrf'en einen breiteren (iin» 
brucf, ba§ männlid)e einen tieferen unb fd)mäleren. 

^iefe 6efta(tung ift 5ur Grfüdung ber ^\1cutterfd)aft§aufgaben notiüenbig, 
benn in ber S8e(fenl)ö{)(e — bem 9?aum 5iüifd)en (2teif5=, (Bii},' unb Sd)nm= 
beinen — ift bie (Gebärmutter n)ot)tüerma(jrt eingebettet unb von ®armfd)(ingen 



SS e d e n. 




itub 93{aje umgeben, ^m \d)mano,^x^n ßuftanbe oergrö^ert fict) bie ©cbär- 
r.uitter in foId)cm ©rabe, ba|3 fte im Hciueu S3ec!enraum iiicljt mcljr ^lai^ 
Ijat, fie cvljebt ficE) baljer in 't)a§ „gro^e 53ec!en", jenen niel auöbeljnungS^ 
fä{)igeren Äiaum, ber burcf) bie SSirbelfäule unb bie S3auc^bec!en gjbilbet luivD, 
nnb ftetjt am Gnbe ber Scljroangerfdjaft, rcenn bie ©eburt \\a\]t, mit bem 
unteren fcl)mä(eren 3:cite, bcm fogenannten SRuttcrljalfe, fo, baf3 ber S^opf be§ 
^mbe§, ber bei normalen (Geburten ftet§ naci) unten liegt, über bcm ^jeifeus 
eingang fid) befinbet. ®er Umfang be§ SlopfeS mu^ gum 5vnod)cnriug be§ 
S3eäen§, ber nid)t nad)giebig ift, in rid)tigem 33erf)ältni[fe fteljen, b. l). er 

mufs Keiner fein ab3 ber Umfnng 
be§ Q3'e(ien§ ift, fonft bleibt ber 
5\opf im ^eifeueingang ftectcn 
unb bie ©eburt wirb unmöglid). 
33ei ber normal gebauten ^yrau 
I)at ba^ Werfen beftimmte DJlafse, 
bie fid) nid)t roefentlid) Derfd)ieben 
bürfen, raenn ber ®urd)tritt be§ 
finblid)en 5^örper§ Ieid)t fein folL 
®ie 9]ad)9iebigf'eit unb Sßeidjijeit 
ber fiublid)en ©d)äbeIfnod)en glei^ 
d)en bie (Starrheit be§ 93ec!en3 
einigermafsen au§ unb mad)cn oft 
and) bei unoerljäÜniSmäfBig gro^ 
fäem (5d)äbel beä £inbe§ eine 
natürlid)e ©eburt nod) mi)glid). 
S)ie 9Jlaf3e be§ ^^ec!'enein= 
gange§, biefer mid)tigften ©teile 
be§ 93ecfen§ für ben @ebnrt§= 
üorgang, beftimmt man, inbem man einen geraben, einen queren unb groei 
fd)röge ®urd)meffer burc^ benfelben 5iel)t. 9Jlittelft eine§ „Q3ecfcnmeffers" 
merben biefe DJIa^e öufserlid) am S3erfcn genommen unb beredjnet. ®er 
mic^tigfte ®urd)meffer ift ber, ben man jtdj üom (Sd)ambein gum 5lreu3bein 
gebogen beulen muf3 unb meld)er ber „gerabe" genannt wirb. SBenn er um 
2 cm weniger betrtägt alä ba§ 'Df^ormalma^, bann ift in ben meiften g-äden 
eine ©eburt unmöglid). (©ielje „%a§ ^inb", 11. Seil.) 

(S§ ift midjtig, baf3 bie grauen einiges Urteil über biefe 2SerI)ältniffe 
geroinnen, baljer fei auc^ nod) erHäi% rooburd) eine „^ecfenuerengung" fo 
oft entfte()t. 

S)kngcri)afte§ Slnod)enroad)§tum in ber 5linbl)eit eincrfcito, moburd) bei 
allgemeiner 8d)mäc^Ud)fcit fel)r leid)t SSerbiegungen ber 5lnod)en entftel)en, 
bie eine bleibcnbe 9Serfd)iebung beroirfen, unb Svnod)enerfranl'ungen anberfcitS, 
wie bie „englifd)e 5vranfl)eit" (9iljad)iti5), bciuirfen 33erfrüppelungen, iüclcl)e 



tyig. 6. aöBctbItd)c§ ^S'Cden «üb feine Seile. 

Söon oben gefct)en. 

1 SBtrbelfäute. 

2 ®arm[d)aufct. 

3 ^reuäbein mit ben ®urd)gang§Iüd)eru ber 

Sieroen. 

4 5ßen)CßIid)e§ ©teipein. 

5 2lnf)eftiiug§[tene ber aSünber. 
G SSecfcuI)ö[)(e. 

7 ©e(eu!f(ä(^e be§ ^xni^' imb ®armt)cinc3. 

8 (£d)aml)ein. 



SRuSfeln. 



im Sllter ber 9ici[e nie mcl)r oonftänbig 511 beljcben finb, rcenngleid^ man 
t)urd) ©ijmnaftif unb 9}]a[[age oft iiod) SefcntüdjcS 511 errcidjen oermag. 
2Im Ijäufigfteit ijat man e» mit 33cvbieguiu3en bei* 2^1>irbe([äu(e 511 tun, mo* 
burd) fd)ie[e (Sd)ultcrn, unglciclje ^ilften itfm. entftcf)en. Sie 93evbiegungen 
fönnen nac!^ ber Seite, nac!) Ijiuteu unb nad) oovue ftnttfinbcn. 5(uf ben 
(SeburtSoorgang Ijaben fie bcbcutenbcn Giiif(uf5, rcenn fie im unteren 2'ci(e 
ber SGBirbelfäute fitzen unb bQ§ i^reu^bein üor adeni nad) innen, al[ü nad) ber 
S3e(fen^öf)Ie ;^u, nuSbiegen, fo baf3 baburd) ber „gcrabe Surd)me[jer" cerh'irjt 
tüirb. ®ann cntftcl)en 6)röf5enüerljä(tniffe, roetdje jdjmcre ©ebnrten üernr|ad)cn 
ober and) jum „S^aiferfc^nitt" groingen, burc^ roeld)cn nid)t nur bie ?D]ntter, 
fonbern and) bo§ 5^inb gerettet werben fnnn. (Sielje „'^a§ 5Tinb", II. 2'ciL) 

2tuf3er T^erfurjung be§ geraben '3)nrd)mcfjer§ gibt e§ felbfircbcnb nod) 
anberc „^ccfenfe()(er", bie für bie ©eflalt ber ^rau ober il)re miitterlidjen 
5luf gaben oon S3ebeutung finb. (Sie treten jebod) oer{)ä(tni§mä^ig feiten auf. 

'3&a§ man jn tun unb ju ncrmeibcn f)at oom 93eginn bei 2\>ac!)§tnml 
€tne§ ^inbeg im DJIntterleib an bi» jur oodenbeten 9ieife, um normale Gut* 
roicfelung ber £nod)en §n erzielen, werben mir teil» in ber aügemeinen „@e= 
funbf)eit§pf(ege", teitS im gmeiten 2(bfd)nitt un[erc§ 33ud)c§, mc(d)er ba» 
^inb bet)anbe(t, nä()er aulfüljren unb aüfeitig bcgrnnbcn. Um jebod) ba§ 
üolle Sßerftänbnil für biefe SluSfüfjrungen finbcn 5U tonnen, ift e§ notroenbig, 
ba§ Kapitel über bQ§ 5?nod)engerüft aufmerffam ju (c[cn, meöljalb mir and) 
[päter immer roieber barauf snrüctfommen mcrbcn. 



IC 



DU flßuskeln d^s flöenfchen. 

Unter „?Jln?feIn" t)erftel)t man jene 2öcic^tei(e be» ticri[d)cn STiirpcry, 
welche bie Stnfgabe {)abcn, bie S3emegnng gu oermittetn; fie finb grofser 
3ufammen5ief)ung ftäfjig unb bitben ba-^jenige, roa§ man at§ „^-feifd)" bc- 
jeic^net. 2tnd) an 33hitge[äf5en unb ^Icrucn finb fie rcid) unb bcftol)cn au5 
aufeinanbergetegten Sofern, bie fid) jn ^ünbetn oereinigen. Snrd) 'i^ert'ür^ung 
ober @r[ctjlaffnng nätjern fie 5?nod)enteiIe ober entfernen fie ooneinanbcr, cr= 
roeitern ober ocrengcrn fie .ööljten be§ Slörpcrl. Siel ift ber ^-ali bei jcbcr 
S3eroegung, bie mir ausfütjren, 3. ö. beim (?rl)cben eine» 3(rmcl, bei ben 
ßufammenjieljungen be§ .^erjenS, bei ber 5:13erengerung unb Griueitcrung ber 
©efä^e ufm. 9}]it „93ht5fe{arbeit" finb alfo alte ^cbcnlfunftionen unferel 
DrganiSmnI oerbunben; i{)re ©rnntjrnng, iljre fräftige (i-nliuidlnng muffen 
batjer einen n)efentlid)en S3eftanbtei( unfcrer ^ürforgc bitben. 

®a§ meib(id)c C)cfct)led)t ift "Oa^i mnlfelid)ioad)e unb mnoFctarmc. 
Gl foü bamit nict)t gefugt fein, baf3 cl ctnm weniger 21hilfeln Ijätle 



10 



flRugfcIn. 



a.\§ ber 93]onn, ober ba§ bie[e nic^t ebenfo auSbiföungsfäfjig inären raie 
bei i()m, wolji aber, bafs fie beim S5>cibe nerfünimert finb infolge mangel* 
Ijafter Übung. 

^a§ ©tubenleben, bie 9Serroeid)(id)nng, bie fi^enbe Seben^roeife machen 
fräftige 93]u§ferentii)irf(ung unmöglii^. ®ie Diunbung ber roeiblidjen formen 
ift nid)t auj maffige 9}]u§feln äurüd'^ufüljren, fonbern auf ein gröf^ereä S^ett* 
polfter, iiaS au:§gleid)enb einwirft unb hin 9}cangel an 9)hi5felmaffe oerbirgt 



Zwe/Aop/: 
Ärmmus/ce/, 




Bie 

oierfläc/i/ic/ie/tMäsAe/n 
c/esMeäscIieii . 



Arj/iinusÄe/, 
yejrfrec/ct. 
(Ru/ieläj^e.) 



%\%. 7. 




§intcranfid)t. 



5öefanntticf) finb bie mef)r „fpringenben" formen am a}knue, ha^ „©cfige" 
an il)m, nic{)t nur bem gröberen ^nod)enbau, fonbern oor aKem htw ftärfer 
entroicfetten SJtusfelgruppen äuänfd)reiben, bie bei ftarfer Hnfponnung fc^orf 
Ijeroorfpringen. 

Saian unterfdieibet „roidfurliclje" unb „unmitIfurHcf)e" 9}lu§fe[n, b. I). 
folcljc, roeld)e luir je nad) uuferem SBiüen in 2:ätigfeit treten laffen 
können, roie bie an unferen ©liebmajjeu unb am Süimpfe, unb fütcf)e. 



& e r g. U 

iüe(d)e iinferem 3Biüen nid)t uuterüeflen. 2;ie 5al)(reid)en ^!Dhi5felii an 
unferem äuisevcn ^^orper finb a\i§ oovfteI)enben 3Ibbi(buiu^en cvurfjttid). 
Sie finb je nad) S^ätigfeit uub Sage iit ©nippen eingeteilt unb 5äl}(en 
gn ben iDinfur(id)en. 

^u ben nniui(Ifiir(ic^en9}luc^f"eln geljöven aüe bie unfere» inneren 5^ Örper?, 
roeldje bie 3:ätigfeit be§ 9)lagen'S, '3^arme§, ber 33(ai"e, ©ebävnuittcr, bes 
i^erjenS unb ber ©efäpe unterf)a(ten, ofjne oon unferem 9Bi(Ien beeinfhiBt 
gu roerben. Sie finb oon gröfster ^IBtcI)tigfeit für unl. 3'üei innere Crgane 
beftef)en fogar nonüiegenb nur au§ fräftigen ?Olu§fe(fafern; e§ finb muyfnlöfe 
^o{)(organe, bcbcutenber 3iifammen5ief}ung fä[)ig, ba§ eine in ber Q3rufi()üf)(c, 
ha§ anbere im 33ecfenraum liegenb. (S» ift ba§ -Öe^'S unb bie G)ebär' 
m u 1 1 e r. 

^ie anberen inneren Crgane I)aben me(jr ober minbcr biinne 9}hi5fet= 
fc[)icJ)ten, ^arm unb ©efäpe, fogenannte „9^ingmu5fe(n", raetdje foiüof)! bie 
^ortbeiuegiing be» Speifebreies luie bie ber Q3(utflüffigfeit bcmirfen unb unter= 
ftü^en, bei nerüöfcn Störungen aber frampfartige Srfjmerjen, Slocfungen 
ber inneren ^^unftionen ufra. i)erDorrufen, inbem fie fi^ I)eftiger 3ufammen= 
5ief)en unb baburd) aud) ©egenbemegungen erjeugen. iDian benfc an bas 
Grbredjen, an 'S^armfolif, an roel]enartige Sc^mcr^en in ber ©ebärmuttet 
u. a. mef)r; otjue 3}iu5fetn, bie einem Oieruenreise unterließen, roären biefe 
nid)t möglid). 



Das f)^r}* 

®ie STnorbnung ber SJlusf elf afern beä öerjenS ift eine netzartige: ba» 
burd) mu^ fid) ber ^nnenraum be» ^erjen^ oerfteinern, uub beffen :5nf)alt 
mu^ I)erau§gepre^t roerben, roenn biefe 9Jlu§fetfafern fid) ptötjlid) fräftig 
§ufammen5iel)en. ^a» ^^^utfieren be» -öerjcu'?, ber fogenannte .pergfdjlag, 
ift nid)t§ anbere§ a(>5 eine foId)e 3"l"Q"^"^£it5iß^""9 (lateinifd) contraction) 
bei ^erjmusfetl. ^iefe ^ufammcnyefjungen beroirfen ein Qu- unb 3Ibf(ief?cn 
be» 33(ute§, unb ^§ ift ucrftLänblid), ba^ iireietaufftijrungcn mit ilircn numnigs 
fad)en 53efd)n)erben entftet)eu muffen, roenn ber .^er.vuu'Sfel erfd)(afft ober 
oerfettet unb ben notroenbigen 'I^rucf nid)t metjr aulüben fann. 

^ie ©efunbcrtiattung bclfelben ift bemnad) eine roefent(id)e 'i^^bingung 
äur (Srljaltung unfever C>)efunb()cit im aügemeincn, unb fd)on bei 5{inbern 
unb jungen 9Jläbc^en muf? man bafür forgen, bafj feine Gntroirflungy» 
ftörungen eintreten. 

'©ir fetjen 5al)(reid)e Sd)Iäuc^e au§ bcm .s>er,^cn cmporroadjfcn; cl finb 
bie ^(ut 5ufüf)renben unb 53tut abfüt)renben ©efä^e, bie 3tbern, roeld)e fid) übet 
ben gau§eu 5türper oerbreitcn, inbem fie fid) nadj allen Seiten oerjrocigcn. Tic 



12 



§er3. 



giifütireiiben münben in bie jogenannten 25orI)öfe imb buvd) biefe, oou TUappen 

aiifgetialteu ober befövbevt, in bie ^eväfamiiiern. '^}a\\ teilt bal C^er^ iit ein 

-^ " red)te§ nnb Iinfe§, ba§ je eine 

5?annner unb einen 93orl)üf ^ot. 
Unter ben ©efä^en nnter= 
fcljeibet man SIrterien nnb 
^enen, ba§ fmb Sanerftoff §u> 
füljrenbe ©efäpe mit ftärferen 
SBanbungen nnb S^olifcnfänre ab' 
füljrenbe (Scfäpe mit biinneren 
Sßanbnngen. '3)a§ fül)(en[aure 
2}cnenb(nt fommt in bie Zungen, 
roo e» feinen gafigen ^nljalt ab- 
gibt nnb bnr^ bie eingeatmete 
Suft fid) mit frifd)em (Sanerftoff 
labet. ^iefe§ 2{b= nnb 3iiffi^&en, 
Stbtaben unb ^elaben rairb nn= 
nnterbrodjen, fo lange ber 93]enfd) 
tebt, burd) bie ^nmparbeit be§ 
|)cr5en§ beroirft. 93ci atigemeiner 
9J]n§feIfd)raäd)e ift baljer and) baS 
c^erj fd)raad), bei ftadjer 3Itmnng 
bie (Srneuerung be§ Shite» nn= 
genügenb, b. f). bie 3Iufna!)me 
non Sauerftoff ^u gering nnb 
eine g-otge baoon ßräfteoerminberung nnb langfamer i^erfall. ®a^er alfo: 
2}]u5felübung unb ©tärfnng be§ ^erjen^! kräftige Sttmung unb reine £uft! 




fyig. 8. ^a§ titeuic()Uc()c A^crj mit feinen 0efä§en 

1 t'infe Sd)lüffetbeinartcvie 

2 Siarott§ (fiopfpuIsaDcri. 



3 9}ed)te ectjlüffetbeinartevie, 

4 Jiavotl§. 

5 Cffene ©ci)nittflncf)e. 

6 Cbere ^oljloeue. 

7 aiorta. 



8 SRediteg öer5ot)r. 

9 9{eci)te öevifammcr. 

10 9Icu6ere'§ev5acfäpe. 

11 Stntc§ Ceviofjv. 

12 Sunpcnarterte. 

13 3ufül;renbe Sungenoenen. 



1 aiorta. 

2 t'iingeufdilogaber. 
o £'iiiigenücucn. 

4 öiiife ^^ovfainmer. 

5 $ei-"-5roanb. 

Öiufe ^ersfaminev. 

7 g-ürtfeljiing ber 3(orta. 

b Sdicibcroanb bcr^erä^ 
iauimer. 




9 Diedjte öev^fatnmer. 

10 Untere 5>ot)^üC"C- 

11 £)er5n)anb. 

12 9ied)te ^öorfammcr. 

13 Dtec^te ßungenncne. 

14 Obere ^-^oliiuene. 

15 d\ed)U Suiigeiifdjlag* 

ober. 



Sig. 9. fiänggfc^nitt butäf haS ^crj. 

^ie ©ebärmutter (loteinifd) uterus) roirb mit bem ©enitatapparat 
bef)anbelt; rcir gef)en ba^er jum S^eroenfijftem übst, ba^ bei ber mobernen 
■Jrauenmclt Iciber eine fo grofse 9iotIe fpielt. 



?^ e r D e n. 



13 



Die nerven des flßentchen. 

®Q0 SSort „Sfleroen" imb „iieroöe" ift {)eute in oder ?}iunbe. '2^ic§ 
fümmt bal^er, roeit man feine Diemen füljlen gelernt \)at, nnb lueil fie i"o 
l)än[ig oerfagen. ^a^ man fie fü(j(en gelernt, ift eine ?yolge aügemeiner 
Überreijung unb (Sd)roäd)e. "S^ie menigften 9}ienfd)en rciffen aber, maä fie 
fid) unter „DIeroen" eigent(id) vox-- 
guftetlen t)aben unb in roe(d)en Se- 
5iet)ungen ber ganje 9Jled)ani5muy 
be§ menfd)(id)en Drgani§mu§ §u hen 
Dleroen ftef)t. ®ot)er rooden mir 
eine furje unb Ieid)t oerftänblidje 
©rftärung berfelben geben. 

•S^ie ^lernen cermittetn unferc 
(Smpfinbung unb unferen 2Biüen; an 
i{)ren ^auptfnotenpunften, ooit rco fie 
über ben Körper I)in au§flraf)Ien, be-- 
finb:t fid) ber Si^ unferer geiftigcu 
gäljigfeiten unb unfere» (£mpfin= 
bung»oermögen§. ^iefe ^noten= 
punfte finb ba§ (Set)irn unb baä 
D^ücfenmarf. ^eibe fenben lange 
f^'aferu au§, bie fid) fomot)l unter 
ber .paut, mie in allen Organen oer- 
§raeigen, e§ finb bie eigentUd)en 
„Dleroen". Sie finb ^eftanbteile 
ber 9leroen§eIIen, bie fid) in 
rierfd)iebener 2tnorbnung im @el}irn 
unb 91ü(fenmarf befinben unb roerbcn 
al^ bereu „^ortfä^e" bejeidjuet. 
((Siet)e %iQ. 10 „9Rücfenmarfy= 
neroen".) 3Bid)tiger al§ ber anato=' 
mifd)e ^au ber Dleroenjelle ift für 
ben iOaien einige Henntni§ if)rer 
d)emifd)en ^itfammenfe^ung, bcnn 
fie mai^t i^m bie Slnforbernngen 

einer rid)tigen ©rnäljrung unb bie Urfadje mand)er ©rfranfung ucrftäubtid). 
3f)re I]auptfäd)(id)ften 33eftanbtei(e finb: ©imeifjf örpcr, ^-ettc unb 
fettä(jn(id)e Stoffe (ßerebrin, Se^itljin u. a. m.), nnb von anürganifd)cu 
Stoffen 5^ali unb befonber§ ^f)o§pt)orf äure. SSiete anberc d)cmifd)e 
Körper, in geringen "lOlengcn oor()anbcn, finb nid)t immer nad)mcicibar, bei 
ber {)of)en (£mpfinblid)feit ber Dlcrocnfubftanj genügen aber fdjon ftcine 




lyiq. 10. JRütfcnmarf'ottcrticit. 

1 G)roß{)ivn. 4 'Jlvmgcflcdit. 

2 JUeiuf){rn. 5 DiippciuicnuMi. 

3 Siücfenmavf. 6 .'oüftneru. 

Sind) $cii(c. 



li 



9ZeTüen. 




nuterjd)tebe, um (£inftuf3 t)iniid)tad) ber g-unftionen ber ^^lerceu 511 ersielen. 
^-rembftoffe, g. S. a\ä ^väiieigifte eingefül)rt, äufsern fid) oft in f)eftiger Steife 
burd) ilji-e SÖirhing auf ba§ Sfleroenfi^flem. ®ie einen erregen, bie anberen 
Iät)men ba§felbe. 3S>orin berjenige d)emifcl)e 3?ürgang be[tef)t, raelci)er fid) al§ 
„pfi)d)otogijd)er Dleruenreij" äußert, b. ^. ma§ ba^u gef)ürt, um eine natürlid)e 
©mpfinbung oon au|3en nad) bem ©etjirn gu leiten unb oon bort einen Sitlenä^ 
oft naä) einem fernabliegenben ajlu§!el, baä t[t nod) nid)t üollftänbig erf'annt. 
®ie I)ierüber aufgefteüten SSermutungen (^x)pot^e[en) getjören nid)t f)ierljer. 
(3id)er ift, ba^ ju bem ©trimmen innerf)otb ber 9leroen, ben eigentüm* 
Iid}en bli^artigen SSorgängen im @el)irne d)emifd)e (Stoffe unb üorübergelienbe 

3?erbinbungen notmenbig finb, bie nur am 
tebenben Drgani^muy 5U beobad)ten mären unb, 
raeil bie§ feitljer nid)t möglid) mar, borum aud) 
nid)t erforfd)t finb. 33efannt ift aud), 'i)a^ 8toff' 
roed)felftörungen in unferem i^örper fogenannte 
„Selbftgifte" erjeugen, bie in einem gefunben 
Drgani^mug bauernb nid)t üorf)anben finb, unb 
bafe biefe in erfter Sinie auf ba§ ^fceruen^ 
fr)ftem mirfen unb e§ ju oergiften oermögen. 
(S§ mu^ baf)er unfere ©orge fein, einerfeitg 
burd) rid)tige (5rnä()rung, genügenbe SO^usfel^ 
tätigfeit, flotte ^armtätigfeit bie 93itbung folc^er 
©elbftgifte ju oerljüten unb anberfeit^ un§ oor 
3(r§neiDergiftung gu bema!)ren, inbem mir in 
©rfranfungefäüen unb bei ftorenben ©d)roäd)e= 
äuftänben m\§ niemals oerleiten laffen — im guten alten ©tauben an bie 
Sßunberfraft ron ^^siüen, ©atben unb ^utoern — , burd) fd)äblid)e „SDIebijiu" 
nn§ 5u oergiften. Qu ben in Ijoljem ©vabe auf ba§ S^leroenfijftem roirffamen 
^rembftüffen geljört and) ber Sttfotjol, oon beffen nerDenIäf)menber @igen= 
fd)aft mir an anberen ©teilen raeiter fpred)en rcerben. 

9J]an oergteid)t bie Oleroenfäben gerne mit 3:e(egrapt)enfträngen, bie 
t)on ber -öauptflation it)re 2(ufträge nad) ber Dberf(äd)e besi i^örperS Der= 
mittetn unb oon biefer bie oon auJ3en fommenben ©inbrüd'e nact) ber i^aupt:= 
ftation — bem (Seljirne — beförbern, unb man unterfd)eibet be§I)atb 53 e= 
megnug§= unb (SnipfinbungSneroen. (Srfteve ge^en an bie 9Jlui§fetn, 
geben biefen jenen Ö^ei^, ber eine Bewegung auslöft; (entere fi^en in ber 
^aut unb in aikn inneren Organen unb leiten bie (Smpfinbungen bem ^e= 
mufstfeinsorgane, bem ©cljirne, ju. 31)^'^»^ Urfprunggorte nad) teilt man bie 
DIeroen ein in ©el)irn= unb ^iüdenmarfgneroen, il)rer ä>erteilung, 
il)rem inneren 33au unb if)rer ^unftion nad) in ©inne§ueroen, bie ^^uge, 
Ol)r, Ulafe ufro. oerforgen, unb in fi)mpatl)ifcl)e ^leroen, me(d)e in 
3etll)aufen läng§ ber 2Birbe(fäule liegen, mit ben 9iiiclenmarf§neroen in 



5ig. 11. 
Cbcrftüt^U^c So^fiicröcit. 

?lad) ©entc. 



^tut. 15 

93erbiubung fte(}eu uiib ade inneren Crcjane oerforc^en, and) m iljreni ^-üau 
fid) Don Den G)c()irn= nnb Diiicfenmarfsneruen unterjdjeiben. 

3n 3-ig. 10 [eljen roir ben 3n[ammenf)ang beg S^ücfenmarfeS mit bem 
(Seljirn, ben Silj be§ ©rü|> nnb 5t[cin{jirne§ nnb ben SIbgang ber Üieroen^ 
ftränge, in ^-ig. 11 bie '^erteilnng ber oberflädjtic^en Hopfnerüen. 

Steine 33en)cgnng eine^ g-ingerä ift möglid^, nid)t bie GnKeernng be3 
^}lageni§ ober hk 33ilbnng eine§ 3:one:§ in unfcrem ^eljlfopf, oI)ne bafj ein 
9\ei5 tjiejn ^nerft in nnferem @e()irn cntfteljt nnb bnrd) bie betreffenben 
Dhroenfciben bem Crgane, ba§ in ^ninftion treten fotl, angeleitet loirb. Sa3 
gefünbefte Crgan ift fontit unbraud)bar, luenn bie ^leruen plö^tidj oerfagen, 
nnb ber 25ed)i'el ber ^uftänbe bei ben 9]erüö]"en, bie Sc!)mer5en nnb Störnngen 
in allen Gden nnb Qnt)in be0 .^örperiS erflären fid) fofort, luenn man roeijj, 
bap ba§ 9lerDenfi)ftem erfran!t ift nnb feinen 3{nfgaben nid)t me^r gered)t 
an raerben üermag. „(55 ift ja nnr neroöy!" bebentct 5ng(eid) eine ^e^ 
rnl)ignng, jnglei^ eine ^öerlegnng be§ ^ranf()eit5l)erbeö nad) tm für aüey 
T3erantmort(id)en „^leroen", rca^ aber feinesmege immer eine Ieid)tere 
5^ranf()eit5forni bebentet. ©ine ^leruüfität, bie jafjrelang beftet)t, fd)äbigt 
enb(id) and) innere Crgane, inbem fie i()re natnrtid)e 2:äfigfeit befd)ränft. "^jie 
9Jkgenfd)mer5en ber 9cenraftl)enifd)en, bie p(ö^(id)e Stimmlofigfek .s3i)fterifd)er 
infolge Sä()mnng ber 5!el)tfüpfneroen, frampfartige ©djmerjen in ^ecfen^ 
urganen n. a. m. finb nid)t anf Grfranfnngen ber betreffenben Gleite ^nrncf=i 
änfüf)ren, fonbern nnr anf metft Oürnberge()enbe Störnngen ber ^Jfcruen» 
lätigfeit. 2Bir merben in fpäteren Kapiteln ()ören, mie man ber Gr» 
franfnng ber Oleroen o orbengen tann nnb may jeber in feinem i^rcife tnu 
fann, nm fc^on oorI)anbene ^6:)mää;)z nnb Sieijbarfeit jn befcitigen ober boc^ 
3u mitbern. 

^n %\Q. 12 ift ba§ @ef)irn be§ 9Jlenfd)en benttic^er bargeftetlt. 3öir 
fef)en bie 5af)(reid)en Sinbnngcn an feiner Cberfläc^e nnb ben Übergang in 
ba§ 9iücfenmarf nnb miffen au» bem Grgebniä forgfältigcr 5'^i'frf)H"gtMi/ ha]] 
e§ an§ 5at)Ireid)en fet)r Derfd)icbenen 3eüen jnfammengefeljt nnb bie 2Bert'= 
ftätte nnferer geiftigen 3:ätigfeit ift. 

Das Blut, 

®a§ 95(nt ift feine g(eid)artige ^(nffigfcit, mie e» ftd) bem nnberonff= 
■neten 2ütgc geigt, fonbern e§ befte^t auä bem ^(utjoaffer (ocrum), ben 
roten nnb roeifjen 53 (ntförp er d)en nnb bem ^^üitfaferftoff. Unter 
bem 5}]it'voffüpe lernt man bie 93tntt'örperd)cn a(y t'tcine ;]cl(cn crfcnncn. 
Sßenn ba§ ^hit gerinnt, entftc()t ber befannte „'iMntfnd)en", inbem ber 
<in§gefd)iebene (^-aferftoff bie 'ö(ntförpcrd)en nmfpannt nnb eine rote 
©äderte bilbet. ^m frifc^en nnb fliefjcnben ^nftanb ift uom ^aferftoff nid)t» 



16 



93Iut. 



nacljiueisbav; öÜ^^O^ 33e[tant)tei(e im 33Iute fönnen jebo^ jeberseit teitraeife 
©evinmiutj im lebeubeu Crgnui!^mu§ bemirfen. %a§ 93hit ift überall, an allen 
©teilen be§ ^örper^, ju fiuben, el ift in beftänbiger SBeroegung unb ift ber 
Srägev alter @rnäljruiig§= unb SlusfdjeibungSftoffe. (Sein |)auptbeftanbtcit 
ift ba§ ^Baffer, roouon ber (grroa(i)fene 83 %, ba§ Dleugeborene 85 7o enÜ^älty 
au^erbem fül^rt e§ (Siraei^ftoffe, ^ette, ^u^er, organifdje ©alje, ©afe unb- 
allerlei anbere (Stoffe oorübergel)enb mit fiel) unb unterl)ält ben (Stoff» 

roed)fel, b. i. bie ©in» 
nal)men unb 2Iulgabcn 
be§ Drgani§mu§, um 
feine 2lrbeit, mie S3eroc= 
gung, SÖßärmeergeugung 
ufro. beftreiten ju. 
!önnen. 

Unter alkn organi= 
fd)en 33eftanbteilen be§- 
33lute§ neljmen bie 
©iroei^ftoffe ^infidjttic^ 
iljrer SJtenge unb S3er= 
fd)iebenl)eit bie erfte 
(Stelle ein; n)ed)felnb in 
if)rer 9)]enge unb nur 
lofe gebunben finb bie- 
33lutgafe : ©auerftoff, 
^ol)lenfäure unb (Stidf» 
ftoff. Um Derftänbti(^ gu 
ma(i)en, roie fie m§ 93Iut 
Ijineinfommen, muffen 
mir ben S^organg ber 
2Itmung mit einigen 
SBorten erflären. ©ie 
beftet)t im ©injielien 
unb 2(u§fto^en ber un§- 
umgebenben Suft, meiere 
ein ©emifcl) oon (Sauerftoff unb (Sticfftoff barftellt. %k Sungenbläi^en raerben 
von ben flcinften ©efä^fcl)lingen umgeben unb finb oon bünnften SBanbungen 
umfdjlüffen, bie einen 3lu§tou|d) oon ©afen gcftatten, alfo Ijier : 51bgabe ber 
mitgcfütjrten ^oljlenfäure unb 2Iufnal)me be§ eingeatmeten Sauerftoffe§. 
2luf3erbem bilbet fiel) aucl) beftäubig SBaffcr, roelcl)c§ mit ber aui^geatmeten 
£uft auigeftof3en wirb. 

:öe nac^ bem ©cljalt an Sloljlenfäure unb Sauerftoff unterfcljeibet mon 
»enöfe^ uub arterielle^ ^lut. (Srftereä ift bunfler, leljtereä Ijeller unb 




JV 

%iQ. 12, 
C Söinbungen bc§ 

Cb Sltein!E)irn. 
MOb 58etlänserte§ ^axt. 
d ^irnf)äute. 



2)a§ &efftvn, 

G ßnöcf)erne ©djäbels 

bect'e. 
Sp 5)ornfortfä^e. 
B aBirbelförpcr. 
N S^ieruenftränge. 



53 I u t. 



17 




"^^J^^S 



rötlidjer iiub sroar luegeu be§ 9J]el)rgel)a(t!§ an Sauerftoff. ®ie BJ^eiißc bct 

5loI}(eiifäure, bie unter normalen 9Sert)ällni[jen im 33(ute ©efunbec üorl)anben 

i\i, bavf ßeiüifi'e G)vcn5en nidjt überfd) reiten, ba fonft U^ergiitung^crfc^cinungeu 

eintreten, juerft mannigfad)e aügemeine (Störungen, nerüöfe Grfcijeinungen, 

'3^ruc! im Rop] ufro., bei ^oc^grabigen unb plötjlicljen 93ergiftungeu 

aber, raie beim ^^M^""^'^"^'^ 

be5 öatfeä unb äf)nlict|em, btaue 

33erfärbung beä ©e[id)te», 036- 

finnung§(ofigfeit, 5^rämpfe, 3:ob. 

2Iu d)ronijd)er Hofjtenfäureucr- 

giftung leiben alle 9Dlenjd)en, bie 

\1}X ?eben in gefcf) (offenen ü\äu= 

men mit oerborbener £'uft 5u= 

bringen unb beren träger, oertang- 

[amter Stoffroec^fet bie 5(bful)r 

ber fid) bilbeuben ^o()(enfäuve 

nur in ungenügenbem ?}laf3e be= 

forgt. 9ieine, fauerftoffreid)e Suft, 

tüd)tige 9)lu5felberaegung unb 

fräftige 2Itmung finb ba(]er aüen 

nötig, um ftcf) cor fotdjen (Se= 

fahren ju beiuatjren. 

3m 9}lenfdjcnb[ute finbet mau 
nad) einem (Srperiment oon Set= 
[d^enoro 34°/o Sauerftoff, 2% 
etid'ftoff, 637o ^o^Ieufäure. 

2^ er Sauerftoff roirb oon ben 
roten ^^(utförperd)en angejogcn 
unb burd) ben 53tutftrom bcu 
Crgauen jugefütjrt. (£r Ijaftet 
an ber Oberfläche ber S(utförper= 

d)eu unb jraar an bem öämogtobin, bem roten 33hitfarbftoff, ber mx^» 
t)ältni5mäf3ig oict (Sifen ent(}ä(t. 9J]an nimmt an, baf3 biefer ©efjatt an 
(Sifcn bie roten S3(utförperd)cu met)r ober minber jur ^ufna()me beä Sauer» 
ftoffe» befät)ige unb baJ3 er fid) im 93(ute 93(eid)fiid)tiger roefcnttid) uerminbere. 
^aljQX bie (Sifen füren ber öfteren 3d}utmebi5in. 

SBcnn a(fo unfer 53(ut gefunb bleiben foÜ, io ift nidjt nuv ^i'fi'^)^ 
Don üiet reiner unb faucrftoffreid)er 2uft nötig, [onbcrn aud) eine 5ölut= 
bef(^affen()cit, raetd)e bie '-Binbung be§ eingeatmeten Sanerfioffo^ ermöglidjt. 
(5r ift ber „Sebenyfpenber", ber aüe Crganc in 2:ätigfcit cvl)ält, of)ne bcu 
fein fieben mogüd) ift. S5?äre biefe STatfa^e aüen 9Jieiifd)en bdou^t, fo 
roürben fie fid) nid)t fünft(id) in gefd)toffene Diänmc oerfe^en unb nur 

2te '5rau at§ .^ausärjtln. - 



t3-ig. 13. 9iotc uitb ttjci^c Sßfutfijrpcrt^cit. 

A SDIäniQ ueröi'iJüert; bie roten in ©elDvoIIenä 
foiin, bei aa jiuci lueiüe S3(utfi3rperdjen. 

B Starter Dcrßröjiert, uon uorn gefetien. 

C 5.^on ber Seite. 

D 91od) ftärfer ocrgröfsert. 

E (Sin rote§ S8rutlörperd;en, burc^ 2öafferauf» 
nalime gej'd)it)o(Icn. 

F u. G SBeipe 93Iutfürpcrd]en. 

K 2:c§al. mit Gffigfäiire bet)anbe(t, moburd) bcc 
Stern fidjlbar luirb. 

H H I 9iote i8Intförperd)en in S)?aulbeerform. 
'Slai) §ujlei). 



18 



58 r u t. 



üergiftete Suft einatmen. ®ie roten ^hitförperdjen finb atfo bte Sauer= 
ftüffträger bei Drgani§mu§, unb baljer tft i(}re 3at)t ntdjt gleichgültig 
für nnfere @e[nnbl)eit. d)lan l)at im 33(ute ber 9J^änner mel)r rote 
^lutfürperd)en nad)gemie[eu al§ bei grauen, bereu Stubeuteben nidjt oI)ue 

©inftu^ blieb. 

gig. 13 jeigt nu§ rote 
imb raei^e 53(utfürpercf)en 
in Deri"d)iebenen (Stellungen 
unb 33eränberungeu. ^f)re 
3at)t beträgt oiete 9)]i(Iio= 
neu. Um fie ficijtbar ju 
mad)en, bebarf ^§ bebeuten= 
ber SSergrö^erungen. 

llnfere 33(utmeuge be- 
trägt bagegeu nur Vi 3 
unferel 5^örpergeu)icl)ti3, ein 
mann oon 130 ^:pfb. ©e- 
raid)t mürbe 10 '>p[b. ober 
5 ^ilogr. Slut befitjeu. @§ 
bele!)ren biefe Qal)kn, in 
melcl)em $Berl)ä(tni^5 bie 
33(utmeuge gn anbereu Dr= 
ganen fte()t. jüngere ^n- 
biüibueu I)abeu im aiU 
gemeinen mel}r ^-ötut al^5 
ättere, feljr fette 9??eufd)eu 
Ijabeu weniger 93lut a(§ 
mu^fulüfe. ®ie 33(ulmenge 
ber g^rauen tft etmn^ ge= 
ringer al§ bte ber 93tänner, 
bod) Ijaben bie Ijäufigeu 
93(utoerlufte ber grauen bei 
übcrmäf5igen 'illicuftrnatio^ 
neu unb bei (Sntbiubuugeu 
einen eut[d)iebeneu G!:inf(uf3 
auf bie '-IMutbefdjaffeubeit 
berjetben unb auf frantljafte ^uftänbe, mcldje fic^ in erfter Siuie auf lkn'= 
armung bei ^tutel an miuera(ifcl)en 33eftaubtei(eu unb eifenljattigen 93Iut= 
türperd)en begrüubeu unb in uielen gälten 5ur ^ermäfferung bei $^lntel füt)ren. 
gig. 14 fül)rt unl bal (Sefäf3fi)ftem in feineu l)auptfäd)licl)fteu 3:cilen 
cor unb seigt uul ha^ •i)iebeneiuauber ber ^cmn unb Slrtevien. 

ÖD 




a Serj. 

b övoöe aiorta, 

auffteig. 3;cU. 
c ®ro6e 3lorta, 

abftetg. Seil. 
ci Sungenartevie 
e SRedjte §a[ä= 

arterte. 
t dledjti timerc 

.öalsuenc. 
g Öroftc 3lrm= 

artcvte. 
b ©rofjc 9lvm= 

reue. 



) Obeiftaditldie 
^(imueucn. 

' ^iuiUmntcrle. 
m inctcimcne. 
n (sUbaimuttcv. 
o ClHiTlnililirfie 

ininiuniu. 
p Dlicifdienfets 

aitcite 
q Cbeifd)cnfel= 

neue 
r ^ßcmartcne. 



3-tg. 14. 
03cfö§f»)ftcnt hc§ SKcnfdjc«. Gitterten «nb SBcncit. 



9ltmuiig. hj 



UnUr^ Htmungsorgane und der Vorgang der Htmung. 

2öi(l man ein ttaree ^^ilb düu bem Q3au imb ben roid)tigften ?yunftionen 
iinfereg Crganiemug geben unb begreiflid) nmd)en, roavnni roir anbere ^ov^ 
berungen an unfere ^eben^raeife nnb 5lronfenbef)anb(ung fteüen, ai§ bies 
bic4)er im aügemeinen üb(id) loar, fo mnf3 man and) ben 33organg bev 2Itnning 
erflären unb feine {)üt)e 53ebeutung jum '5erouf5ti"ein bringen. C()ne Suft 
fönnen roir nid)t einmal luenige ?[Rinuten leben, ofjne ^-löaffer faum roenige 
^age: bie 2(tmung ftef)t an Stc{)tigfeit a(fo in erfter ?)iei[)e, bie 3(iifiial)me 
üon Jliijfigfeit in ^meiter, Mnn erft fommt bie fefte 9la()rung in "^etrarf)!. 
"Siefer ^inroeis be(ef)rt uns am beften. 

^urd) bie i^erbinbung mit beut (Sauerftoff roerben alle jene Straft-- 
(eiftungen ^eroorgebradjr, meiere mir a(l Q3eiDeife bes 2eben>^ betrachten, 
^er (2aueri"toffanfna()me parallel (äurt bie 3Ibgabe ber 5^o()lcnfäure unb be§ 
•ißafferbampfes. Hinu) bie öaut be§ menirf)(id)en 5ti3rper5, bie mit 5lanä(en 
unb feinftem Q3(utgefäBne^ üerfe[)en ift, f)at eine 3Irt 3{tmung („.Oautatmung"), 
üon ber roir bei Q3cfd)reibung ber 6aut eingcl)enber jprerf)en roerben. (Sin^clne 
Stutoren fpred)en and) oon einer „?3lagenatmung", roeil mit l)m iicv[d)lucften 
3pei|en and) l'uft in ben 9?]agen fommt unb bie 3c^(eim()äute bes 'i^er= 
bauung5fanal5 etroas 5lof)(eni"äure abfonbern. )))}an unterfdjeibet eine „änf5ere 
2(tmung" — 'i^erfe^r be^ ^tuteH mit ber Stußenfuft — unb eine „innere 
5(tmung" — Ülnfualjme unb 9(bgabe oon 3(tmung»gafon feiten^ ber Cvgane 
unb Crganseden. ^ei ber inneren 3ttmung nimmt ta^ 'öhit JT^oljteniäure 
auf, bei ber äuf5eren Sauerftüff, e» ^at atfo oerid)iebene 5(ufgabcn. Cl)ne 
fauerftoffreidjes S3{ut fönnen bie 3eÜen uid)t leben. 

^a bie jungen alfo and) bie oon ben ^^ellen ausgcfdjicbenen, für i()r 
y^ortbefteljen unbraud)bar geroorbenen 3tof|e nac^ aujjen abführen muffen, 
fo bürfen bie l'nngen al§ „^lutreiuigung§orgone" be5eid)net roerben. ^ie= 
felbe 9lufgabc l)abeu .öaut unb klieren, bie fid) fogar in bcfonberem ^?1^if5e 
unterftü^en. "tSlan roirb banad) üerfteljen, roa^ es für einen Crganicimuä 
bebeutet, roenn eines biefer brei Crgane erfronft unb feine 3lufgaben nid)t 
mel)r ^u erfüllen oermag. Jatfäd)(id) ift ein gan.^cs .C>eer üon franfliaftoii 
;^uftänben entftanben, roeil bie .sjaut ,vil)lreid)er tlilcnfc^en infolge falidjcr 
'-Öefleibung nur nod) gauj mangelhaft funftioniert, ober roeil bie ""Jiieren in- 
folge 5U I)äufiger ^ieijungen bei ungefunber ($rnäl)rung uerfageu, ober roeil 
bei flad)er XHtmung foroie bei mangelljafter (Sntroicflung beo 'i^ruftfaftens, 
in nod) l)öl)erem ('»h'abc natürlid) bei fd)leid)enben Vungenfatarvl)en, bie "^MnU 
reiniguug nur unDoUfommeu uor fid) gef)en tann. '.^efonbers unter ber ^-rauen^ 
roelt l)errfd)t eine beflagensroerte Unflarlieit über biefe "-iHn-bällniffe; bie 
gri)^ere .^älfte berfclbcn fül)rt bei oertümmertem i^eibc ein fd)roäd)lid)es 
"S^aiein unb lernt oolle, fräftige Öebenofreube überl)aupt uii-^t teiincn. 



20 2ltniung. 

©rüublidjere SItmung, fauerftüffrei^ere Suft ift ba§ erfte ^JJiittel, um Die 
8eben§gei[ter gu raecEen, neue Seben§freube gu erzeugen. 9}]üd)teu biefe ^^i^eu 
öa§ 9Ser[tänbnt§ bafür unb ba§ SSertaugeu bauoi^ aud) bei 9JlutIo[en unb 
3Qgt)a[teu roieber f)erüorru[eu ! 

9tad)[te^enbe ^^orbentafel 9fr. 2 jeigt un§ t)a§ innere ber Sunge, bie 
äat)Ireic^en fleiuen Öuftröljreu unb ©eftä^e, bie teil§ in bie „Su[tri3I)re" qI§ 
^orlje^ung be^ ^e^I!opfe§, tei(§ in bie großen ^auptgefä^e beä -^erjenö 
münben unb un§ eine beutlii^e 23orftenung oon bem 9lebeneinanber ber 
„:Öuftröl)ren" unb „33Iutrü{)ren", it}rer au§taufd)enben ^ätigfeit unb iljrer 
Sage jum ^erjen geben. 

33e!anntlid) befteljt bie Sunge an§ fleinen ^(tvSd)eu, roeldje an bem 
@nbe ber fleinften 33rond)ien (fleine Suftröl)ven) fitjen unb fid) oermöge il)rer 
©laftijität erraeitern, raenn Su[t einbringt, unb sufanunenfaden, raenn bie Suft 
infolge äußeren ®vuc!e§ unb ber eto[üjd)en SBänbe luieber entn)eid)t. 'tSUcn 
be§eid)net biefe graei raidjtigen 3Sorgänge al§ ®in=^ unb 5Iu§atnuing. ®ie 
jarten, elaftifc^en SBnnbungen ber Sungenblä§d)en finb mit feinften ^^(utäberc^en 
(kapillaren) au§gef(eibet, meld)e fogar ein bid)te§ 9le^ nm fie bilben unb 
mit einjelnen (Sd)(ingen in il^n ^of)Iraum ber ^{äi^d)en Ijineinrageu. SBie 
gefagt finbet bort ber 3üu5tnufd) oon ©auerftoff unb ^oljlenfäure ftatt. 

®amit fid) bie Sunge frei au^beljuen fann, mufs fie nad) allen ©eitcn 
unbeljinbert fein; fie ift baljer nur an ber fogenanuten Sungenmur^el, an 
jenem ^eil ifjrer ^nnenftäd)c, burd) roeldjen fie mit ben 33rond)ien unb ben 
großen ^(utgefäfäen sufammeufjängt, angeheftet. ®a§ S3ruftfeH ift ein ^än-- 
tiger ©act, roeld)er bie Sunge unb l)m inneren Siippenraum bebecft. ©§ 
ftellt ben empfinblid)ften 3:eil ber Sttmung^organe bar unb oerurfadjt bei 
©ntjünbungen ober anberen (Srfranhuigen heftige ©djmer^en. 5(nfamm(ungen 
Don ©iter unb ^^-lüffigt'eit im Sruftfellfacfe I)emmen bie 3(u§beljnung§fä{)igf'eit 
ber Sungen unb finb be§t)alb für t)zn 33eftanb be§ Drgani^omu§ oon @efaf)r. 

®ie menfd)Iicf)e Sunge teilt fi^ in ben red)ten unb linfen e^-Iügel. %ix . 
red)te ^lügel ^at brei, ber linfe jmei Sappen. ®ie red)te Sunge ift be§(jalb 
ehva§ gröjier at§ bie linfe; bie ^arbe ber Sunge fd)ioanft je nad) ifjrem 
©e^alt an färbenben ^-rembftüffen («Staub, £oI)Ie) jroifdjen rot unb blanfd)marä. 

llnfere ^-arbcntafel Tix. 2 füljrt un§ biefe SSerljältniffe beutlid) oor. 

"Senfenbe Seferinnen werben fic^ geraifi au^ bie ^yrage ftetten: 2Bie 
fommt bie Sttemberaegung überljaupt guftanbe? 2ßa§ beförbert fie? 2öa§ 
(jemmt fie? ®ie Sungen traben wenig ^leroeu, an i)en Sungenbläödjen filjcn 
aud) feine 9Jiu§t'eIn, ©igenbemegung l)aben fie alfo nii^t; Die 2ltmung loirb 
ba^er in erfter Sinie burd) X)a§ {^merdjfell, in jraeiter burd) bie 9)lugfe(n 
be§ 33ruftforb§ au§gefiil)rt. %a§ ^i^erdjfeU teilt Q3ruft unb 53auc{) in jioci 
gefcnberte ^^{äume nub be|te()t an§ einem muöfulöfen unb einem feljuigeu 
Steile. @§ erljält feinen 58eraegung§rei3 burc^ einen langen 9tero, ber oom 
ßal^marf abget)t unb loie alle anberen 9'lerüen mit einem beftimmten ^unft 



^ant 21 

im G3e(jivn siifanmteutjängt. "J^er 23orgaug ber Sttmung bc|"tc()t nur in Suft- 
Dcvbünnung uub 'Srucfioirfung, inbem bei fuppelartiger SBölbung be§ ^m^xö:}' 
feüä nad) oben unb gleirf)3eitigem ©infen ber 9itppeu ber l'iiftinljalt ber 
:^ungenb(ä§d)en au§gcpreJ5t roirb (3lu§Qtmung) ; bei 3iifQi"i"cn5iel}ung unb 
Senfuug bey ^i^^-'i-'c^fen^ aber, foune baburd), bafs bie 9iippen buri^ ^Tätigfcit 
ber 2{tmung5mu§feln gef)üben werben, tritt eine 3>crgrüf5erung be^ 53ru[t= 
räumet ein, infolge lueldjer bie barin nod) oorijanbene Suft fi^ cerbünnt 
unb, ba bie 2uft ba§ 33eftreben t)at, ftd) übera(l(}in auSjubetjuen nnb 
g(eid)en ®icl)tigfeit5grab gu ev,^ielen, oon au^en in ben eriueiterten S3ruftraum 
Suft fräftig einftrömt. ^a§ ift bie Einatmung. 

Sßir Ijnben ali'o einen rein pl)t)fifalifd)en 93organg oor unl, ben man 
aud) mitte([t 2Ipparaten nad)a()men fann. 

33er[topiung ber Sungenb(ä§d)en, Slusfiitlung be§ SSruftfeüraumel, ner^ 
t)ü[e ©törungen, (Sd)melhingeu ber fleinen unb großen Suftröljren, mange(= 
(]a[te S:ätigfeit be§ 3^yer^[eü§ unb ber 53ru[tmu§fe[n ober fd)ted)te (Snt= 
micfelung be§ Diippenforbe» tonnen bie Sttmung bcmnad) bebeutenb ftören unb 
Ijemmen unb bie Speifung be§ Organismus mit (Sauerftoff in gefäf)rlid)]"ter 
Sßeife befd)ränfen; fräftige Übung ber 2{tnutngymu§fe(n, ©efunbert)attung 
ber 2u[trö(}ren forbern bagegen baS 2{tmung§gcfd)cäft mejentüd) unb muffen 
[d)on bei Der Gr^ieljung ber ^ugenb im 5(uge beljalten rccrben. 



iscf 



(Sin ©tieffinb unter allen Organen bei ^ulturmenfd)en ift bie ^aut. 
S}lan roeip ju menig üon i()ren 2(ufgaben, oon if)rem ^^nu, Dernad)Iäffigt unb 
mifsfjaubett fie burd) ^Ueibung unb 2Bof)nung unb roeifs in ßrfranfungSfäden 
nid)t§ 9Red)te§ mit if)r ansufangen. ^n ber ^eitfunbe ber ^ufunft rairb fie 
ober eine bisfjer ungcaljute Sfiolle fpieten, bei ber Pflege unb @r5ief)ung ber 
^ugenb bebeutenbe 2{ufmer£fam!eit finben. 

Um fo(d)c münfdjcnSmerte ?5ortfd)ritte anbat)nen ju t)elfen, muffen mir 
in unferen nädjften 5^aptte(n nid)t nur 33elel)rungen über 33äber, 5l(eiber ufro. 
liefern, fonbern mir muffen aud) über ben 53au unb bie ^^^unftioncn ber .paut, 
foraeit fie bisfjcr befannt gemorben finb, 2{uffd)(uf3 geben, ba fid) unfere 9(n= 
forberungen an eine reformierte SebenSroeife nur burd) biefe begrünben laffen. 
^mmer metjr brid)t fid) aud) in nid)tmiffenfc^aft(id)en .Qvcifcn bie CrfcnntniS 
S3a^n, bafj bie .^aut nid)t nur eine (2d)ul3bcde für unferen iiörper, nid)t nur 
ein „Sinnesorgan", mcIdjeS bie (Smpftnbung oermittelt, ift, fonbern aud) ein 
9lcinigung§organ, mie l'unge unb 9lieren, baS gefunb erl)a(ten merben unb 
fräftig tälig fein muf3, rocnn bie erftgenannten nic^t überlaftet merbcn foKcn, 



22 § ^ 1- 1- 

intern fte fteUuertvctenbe 3(vbeit (eiften. ®ie i]ai-)i ber d)vouifd}eu unb afiitcu 
^autfranfl)citen l)at fict) tu uuferer 3eit bebeuflicl) uerme(irt, unb bie Jäüe 
oon fdjtaffer, reaf"tioii'ouiifä()igec ^aut finb befoubeu» bei biutavnteu ^-rauen 
unenbüd) t)äitfig. 'Jlirf)! minber oft tritt Übcrempfinbli^feit ber A^aiituerüeu 
auf, bie gu oieleu 9^]if3bräuc{)en 2tn(n^ gibt, aber abgeljärteteu ?3cenfd)en ganj 
unbefaunt ift. @» ift batjer briugeub notiueubig, bie 33efd)affeuf)eit ber |)aut 
511 feunen unb fte rt(i)tig betjaitbeht 511 lerneit. 

^ie ^aut befteljt ait§ einer oberen (Sd)id)t, rae(c£)e au§ oerfiornten, nicl)t 
met)r lebensfätjigen Soften gebilbet rairb — baljer bie „3Ibfcf)uppung" ber 
^atit, bie Unentpfinb(id)feit biefer Dberl)aut (Epidermis), raeldie mait, ba 
fie loeber D^eroen noc^ ^^(utgefä^e ent()ä(t, aitrf) anfted)en fann, oI)ne (Sd^nterj 
§u erzeugen, — unb au§ einer b(ut=, neroen- unb brüienreid)en '3c^id)t, ber 
Seb erbaut, in n)cld)er fuS) roii^tige SSorgänge ooüjieljen. 

Uttter{)a{b biefer befinbet fid) bie ^•ettfd)id)t, bie bei bicfen 9-1]en]cf)en 
mäd)ttg entioid'elt ift unb unter normalen 5?ert)ältniffen bie (2cf)u^fraft ber 
^autbecfe oermeljrt. 

3f)re ©ntpfinbungsfäliigfeit ert)ä(t bie ipaut burd) 5al)(reid)e feine 9f erücn= 
fäben uitb bie oerbirften Üieroenenbeit, bie fogenannten Saftförperdjen, bie 
in uerfd)iebener "S^idjte in ber .^aut oerteiÜ finb unb bie (Sinbrücfe, bie fie 
oon ber ^it^enroelt empfangen — fei el ^i^e- ober üälUm^, (Sdjmerj ober 
®rud: — nad) bem ©eljirn ober 9?ücfenmarf meiterteiten. 

9Jlit bem ©efam.tbtut be§ Drgani§mti§ ftet)t bie .paut burd) jafilreidje 
(Sefäf3fd)Iingen in SSerbinbung, bie befottberg bie |)aittbrüfen umgeben, '^ei 
ftärferer ©rtji^ung uitb oerme[)rter 9)lu5fe(anftrengung füüen fid) biefe .^aitt= 
gefäfee fofort in t)öt)erem ©rabe mit ^-ölut unb geben an bie öautbrüfen mef)r 
oon i()rem ^nfjolt ab. ^Jlan empfiitbet biefen 5>organg burd) ?3'eud)tig!eit unb 
(Seru(j^. ^^x 3^ii(Iung§gratJ ift aber aud) ma^gebenb für ba§ ^®ärmegefüt)[ 
ber öaut. 2Bir befommett eine blaffe ^aut, inir fröfteln, menn fid) bie (5)e= 
fäf3mu5fe(d)en infolge ^JleroenreiseS snfammensieljen, bie (5)cfäf5ri)t)ren babuvd) 
oerengen uttb ben 53(ittint)alt berfelben üerminbern, uitb luir i)ab^n eine me(]r 
ober miitber rote ^^aut, Ijeifs unb feud)t, loenn eine Griueiterung ber 3tbern 
eintritt. @§ ift teid)t ju oerfteljen, bafi bie 3tbtül)lung einer I)eif3en glüffigfeit 
um fü rafd)er erfolgt, je mel)r le^tere in fleinere iKöljren oerteilt rairb, bie 
fid) nac^ allen 3\id)tungen I)in ausbreiten, ©ie ftra()(en babei t3iet 3Bärme 
aus uitb bringeit il)ren ^»fioft bebeuteitb abgefüf)(t an if)reit 5Iu§gangepunft 
roieber gurüdf. (Saits fo ge[d)ief)t e§ mit bem loarmen ^tut. '2ßenn burd) 
ben fogenonnten 93erbreitttung6üorgang (bie 33erbiitbung mit Sauerftoff unter 
Silbung oon S^ot)Ienfäure uitb 3öaffer) im Organi§mu§ itid)t immer oon neuem 
SBärme erjeugt mürbe, fo muffte unfer ^(ut infolge ber beftänbigen 2Särine= 
au6ftrat)luitg uuferer ^aut fel)r balb oollftänbig erfalten. 

'IC^irb biefe 35>ärineauSftral)lung oorübergcbcnb unterbrod)en, 3. 03. burd) 
5u bid)te ^efleibung ober im (^-roftftabium bei l)ol}em fyteber, bei roeld)em 



^ ci u t. 23 

mix trot; innerer p(ü£)enbcr .pii3e eine blaffe, fröftelnöe .paut i"e(]en, fo treten 
bebentenbe SlÜgenieinftörnngen auf: Grregung, 33enümmenljeit, .öerjftoiifen, 
3(ngftgefüf)le unb f(^lie|(id) '^efinnungstofigfett. "^^ie uns unentbef)rlid)e 
Sßärmeregulterung burd) bie .C^aut f)atte aufgef)ürt. 

2Iuf biefcr für bie ^jeilfunbe fü uiertooüen 2:atfacf)e ber 3Ibfü[i(ung Dc3 
58hite§ burd) bie .'ociut berut)t bie !©irfung ber Safferbebanblung bei ?yicber. 

"S^urd) geiüiffe ©ifte fonnen rair ferner fo erregenb auf bie ©efä^nerocn 
roirfen, bafs luir foiuolil l^erengung raie Grroeiterung ber Ö)efäf5rö()ren er>,icicn. 
^tee geid)tel3t cor allem burc^ 'i)^n 'idfotjol, ber baburc^ ein fa(fd)e§ QBärme= 
gefüf)( erzeugt baJ3 er burd) (äl)menbe Sßirfung auf bie ©efäßueroen eine 
ftärfere ^urd)bhitung ber -öaut bewirft. 

2)ie blaurote 6efid)t0färbung ber 3:rint"er entfteljt burd) eine bleibenbe 
©rroeiterung ber ©efä^e in ber ©efid)t5t)aut. Sßenn man biefe SBirfung bc» 
^2(lfo^ol§ fennt wirb man tas mitunter angene!;)me 2Öärmegefii[)( nad) 3((fot)o(= 
genuB mit anberen 'i(ugen betradjten. 

'Dlid)t nur 'iBörme be§ 58(ute§ gibt aber bie ^pciut ab, fonbern aud) 
faiffige unb gafige «Stoffe au§ bem Q3hit unb jmar burd) SSermitttung ber 
ipautbrüfen. ^ie menfd)(id)e -öaut bat fettliefernbe unb fd)meif5Üefernbe Prüfen; 
erftere finb bie Jalgbrüfen, ii)eld)e bie $)aut gefc^meibig cri)atteu unb in 
grauen S^orgeiten für unfere ftärfer bet)aarten 3}orfal}ren mot)l oon gröfserer 
'^ebeutung maren a(§ für un§; (etitere finb bie 3d)meif5brüfen, bereu 
normale Sätigfeit für unfere Q)efunb()eit oon großer ^ebeutung ift. Seiber 
bat ber burd) ungefunbe Sebensroeife entartete größere Jeit ber beutigen 
5^u(turmenfd)(}eit feine e(aftifd)e, gefunbe ^aut mebr, baber aud) feine natür= 
(id)e Sätigfeit ber 2d)n}eiJ3brüfen. 

;tie 9Jh'inbungen biefer Sd)n)ei^brüfen, n)eld)e fleinen Sd)Iäud)en uer= 
gieid)bar finb unb in einem ^näuet enben, ber oon 5at)treid)en ©efä^en um= 
fponncn roirb, bitben bie .öautporen, oon n:)e(d)en man fo oft fpred)en bort, 
obmo()( bie raenigften raiffcn, ma§ biefe cigent(id) finb. ^er 'Inilfegtaube fprid)t 
oon einer S(rt ^aut(öd)er, mo allerlei „beraus" unb „binein" fommt; oon 
einer '3^rüfentätigfeit mit fpe>ififd)eu ^rüi'eujellen ufm. lueifs er nid)t^. 
Unb boc^ banbelt e§ fid) bie^" um feine 25orgänge, bie nod) nid)t einmal oolI=^ 
ftänbig erforfd)t finb. "^^lan meiß nur beiläufig, bafs bie 5lörperoberfläd)e be» 
iVcenfd)en etraa 272 9Jlillionen 2d)roeif5brüfen befit3t, unb t)at burd) ücrfd)iebene 
33ered)nungen unb ^eobaditungen l)erau§gefunben, ban ber gefunbe l\''ienfd) 
ol)ne 3d)roeif5bilbung in 24 3tunben 500—800 (^irannn Saffer abgibt, alfo 
entfd)ieben mel)r al§ burc^ bie Sungenatmung. dagegen ift bie 3lbgabe ber 
.naut an 5iol)lenfäure bcbeutenb geringer aity bie ber iHtngcn unb beträgt 
faum 3 ©ramm in 24 3tunben. ^urd) ücrfd)iebene ?JIeffungeu luill man 
ferner nad)geiuiefen l)aben, baf? bie öaut aud) fleine ^^3lengen 3auerftoff auf* 
nimmt, fo ba^ mau alfo roirflid) — bei £obleufäure= unb 'Ii>afferabgabe — 
Don einer ßautatmung fpred)en barf. 3elbftocrftänblid) faun biefe aber 



24 



§ aut. 



nur im uubcfleibeteu ^uftauöe imdjroeisbar ftatt[tuben, bei normaler Griüär= 
r.umg, bei lebtjaftem etoffmedjiel. Sei 5Jleufd)en, bie fid) fürd)teu, mit eut= 
b(üi3tem ^-uj3 auf bie fielen 511 treten, bie fid) nid)t genug an SKeiberfdjidjten 
teilten föunen, bereu .^aut infolge f)äufiger Überljiljung fdjlaff, infolge 

ntangelf)after Übung 
gefdjmädjt ift, ift 
bie .^autatnutng faft 
gleid) 9lu(l. "S^urd) 
I)ö(jere Sl^emperatur, 
Iebl)aftere SIutberoe= 
gung mirb aud) bie 
■^auttätigfeit ftärfer; 
bie nacften SBilben 
I)aben eine üiel !räf* 
tigere .^autatmung, 
fc^eiben aud) üiel met)r 
Siiec^ftoffe ün§ al$ 
biebcf(cibeten5."9etf3en 
unb 5mar nid)t nur, 
lueil fie mef)r 93eme' 
gung I)aben, fonbern 
meil iljre ^aut nid)t 
üerfümmert unb ftet^ 
ber freien Suft aii§= 
gefegt ift. 

äöir t)aben bamit 
bie 53egrünbung ber 
Snftbäber gegeben, 
über iüe(d)e mir fpäter 
nod) fpredjen raerben. 
(S§ bleibt un§ nod) 
übrig, bie Sefd)affeu= 
Ijeit be§ (2d}meiJ3e§ 
mit einigen ^Sorten 
5U erörtern. ®r ift 
nicift fäuerüd) reagie- 
tenb, Don falsigem 
@ef(^mact unb gans 
t)erfd)iebenem ©erud), beftetjt I)auptfäd)(id) au§ Sßoffer, 5?od)fal5, fetten 
unb gettfäuren, foraie onberen S3(utfa(3en in geringen 3}]cngen; ^arnftoff, 
ebenfo anbere seitmeitige Seftaubteite be§ 33tute§ finb aud) im (5d)meif3 
SU finben. Start riecl)cnbe 33(utgafe unb ^-arbftoffe fiuben fic^ befouber§ 




3-ig. 15. 
^Tifcnburd^f^nttt bitrc^ bie §aiit mit ^aat unb S^afgbriifc. 

1— G Sd)id)ten um ba§ Ä^aar. 
p öaaranirjel auf ber ^a^ 



piüe aufi'Ujenb. 
A öaarmu?fet. 
C ?eberl}aut. 
a Untertjautfcttgeioebe. 
b C'>orn[d)id)t. 
d Sd)Ieinifrf)id)t. 



G Gefälle ber ^apiUen. 

V 2r)mpl)ßefäf3e ber Rapiden. 

k 55tiif5erc ^^üüe be§ §nare§. 

h Q)aax. 

i maxi. 

K Sdinicifjbrüfe. 

T Stalgbrüfe. 



C"! Q r 11 r g a n c. 25 

im <£cl}iueif3 fraiifer S'teiii'd)cii fe()r oft. 2aJ3 man au öeni SdjUHniV 
ßerud) ftarfe 2:riiifcr ober ?vi>^ilrf)cner erfeuueii fanu, ift befniuit; e§ beiucift 
t)k§, ba^ a(i"o aud) biird) bie ^aut sutage tritt, iüa§ oüvljer im gaujeii 
Crgani§muy fretfte, itnb ba^ iitd)t atlein ber SItem ober ber iparn abnorme 
^^orgäuge ncrrateu. 

2Bte midjtig bie ^ätigfeit ber öaut für ben Organiemuä ift, ge^t auc^ 
au§ bem llmftanb Ijcroor, baf] ein teihoeifer 3>er(iift ber öaut töblid) luirft, 
tiat)er fo oiele Slteiifd^en an 53ranbn}iiubeu sugrunbe geljen, bie lucbcr ii)rer 
Siefe nod) ber «cdimerjen toegeu, bie fie bereiteten, Ieben5gefä()r(id) erfd)ienen. 
(Sbenfo auffäüig erfdjien bie 2:atfad)e, bafs 5^amnd)en, bie man ganj über= 
firnißte, fo bafs jeglid)e |)autalmung ober 3SärmereguIierung aufget)oben war, 
in raeuigeu 9)linuten oerenbeten. 

%k§ genügt, um auf bie 'Dlotiuenbigfeit einer befoubcrcn .C^autpflege 
f)in5uit)eifen, mtnbeftenS uor ?3lif5(}anb(ung ber ^aut ju rcarncn. 

^n ber oorftetjenben SIbbilbung fe()en mir einen fd)ematii"ct)en fenfred)ten 
(Hd)uitt burc^ bie §aut, burd) rae(d)en (Sd)iuei^- unb 2;a(gbrnfen, ein SSoII- 
I)aar mit bem baran Ijängeuben 9)hi5fe(d)eu, meld)e§ beim |]ufammen5iel)en 
ha^ „(Sträuben ber öaare" bewirft, bie ^autljöc!erd)en (^^apillen), meld)e bei 
Hältereis bie ©änfe{)aut bilbeu, bie @efäf3fd)üugen, bie 2aftförperd)en unb 
fc^(ießlid) ba§ gettgeroebe üeranfd}auüd)t werben. Gs empfieljlt fid), bie 3eid)= 
nung red]t genau 5u betradjten unb mit unferen 2(u5füt)rungcn in (Sinffang 
ju bviiigeu. 



Die ^iirnoT^Ant» 

Tlan ml]], baJ3 ber gefunbe öarn getb, f(ar unb nid)t auffaücnb übel= 
ried)enb ift, aud) baf? feine 33efc^affeuf)eit burd) bie aufgenommene 9ial)rung 
beeinflußt wirb, b. f). baß ftarf ried)enbe ober fd)mec!enbe ©peifen bem ^arn 
befonbere (Sigenfd)aften oer(ei()en. 

®a mir aud) raiffen, bafj bie gur 2{uf(öfung get'ommenen 9kl)rung^ftoffc 
in ba§ ^lut gelangen, fo muffen mir bementfpred)enb annel)men, baß ber 
^^arn mie ber ©d)raeiß aii§ bem ^lute geliefert mirb. 2:atfäd)lid) gefd)icl)t 
bie§ aud) in bem ^arnbercitungsorgan, ber Üliere. 

^er ^arn beftel)t am bem für ben Drgani^nub^ überflüffig geworbenen 
SBaffer, überfd)üffigen ^kfjrungsbeftaubteilen (oor allem .^Uid)fal5) unb ben 
(öslii^en 5(u5wurfftoffen unfere§ 5^örper§. Unter normalen U.'erl)ältniifeu wirb 
ui^t mel)r al^ 1— 2 Siter $)axn in 24 Stunben aucH^cfd)iebeu. ^ie ^ii^ccnge 
üermel)rt fid), wenn wir fel)r oiel trinfen, unb ncrminbcrt fid), wenn wir uiel 
fd)wi^en. 93ht 9ied)t faun man fragen, wol)cr ba'3 oiele 'iCniffcr tomme, ba 
wir bo^, wie iinfere üorl)evgegangenen 3Iu5fül)ruugcn barlegtcn, fd)on burd) 



oß $1 am Organe. 

2mw 11»^ C^aiit beftäiibig 'iTviffer abgeben, ferner, müju e? in nnfercni 
Crgani^mue in fold)en DJIengen nötig fei. ^nrd] öie c^emifdjen Isorgänge in 
inifereni 5türper nnb ben .^in^utritt üon 3auer[toff roirb unanf{)örlid) Saffer 
nen gebilbet, anfserbeni beftefien and) nnfere ':)]af)rnng5mitte( gröBtenteils an5 
'iöaffcr, M§ lüieber an§gefc^ieben werben nuiB. 2er S^^^*^ '^^^ 'il>afier5 ift, 
a{§ „33et)ifc(" jn bienen, b. i. als Präger nnb Seitmittet ader jener Stoffe 
nnb iuirgänge, bie ü(]ne töfenbe ^(üffigfeit unbenfbar raären nnb ben fernit- 
(iegcnben Crganen gngefiilirt roerben foüen. 9iäd)ft ber Snft tonnen unr 
balier bas Saffer am fc^iuerften entbetjren, nnb e§ erträgt fic^ anrf) nid)t§ 
fctjinerer al§ längeres ^nrften. 

'S}ir brandjen atfo uiet Sß>affer in nnferem Körper, nnb e» ift nnter 
natürlid)en 23er(]ältniffen and) reid)lid) üort)anben. 

®ie überfd)nfftgen ^Intfalje, bie fid) immer im $)axn befinben, finb 3}er= 
binbnngen bei 5^atinm§, ^latrinms, J^aljinms nnb 9!l]agnefium5 (ber fogenannten 
Grben) mit '^^^f)05pl}ür, 3d)iüefet unb lUi{}(enftoff ats p{)ospt)orfanrer Äalf 
(.^atjinm), all fof)lenfanrer 5^alf, al§ fd)mefeli aurer ^al! unb pt)o§pf)orfaure 
?J]agnefia ufro. 2Bie biefe S^erbinbungen 5uftanbefonimen, ift nid)t teidjt 
jn erftären; bal ^l^erftänbnil für biefe fomplijierten a3orgänge fe^t üietmeljr 
Stenntniffe ber Si^emie noranl, wie fie nnr roenige befi^en. 3Bir rootlen un§ 
bal)er nid)t weiter bamit befdiäftigen; ber btoße öinmeil baranf letjrt ja, 
uic(d)e Stoffe im (ebenben Crganismul Dorrättg fein muffen, um bie 'inn-^ 
gänge bei „Öebenl", b. i. bie 3:ätigt'eit aller Crgane, ^n ert)a(ten, unb metdje 
bal)er aud) im ^arn nid)t fe{)len bürfen. 

•Sie ©runbbeftanbteite aller organifd)en Körper finb ^ot) (enftof f, 
Sauerftoff, Safferftoff nnb 6tid;ftoff; burd) ^injutritt oon 2auei = 
ftoff unb minera(ifd)en Stoffen fomie (Sifen entftet)en bie Derfd)iebenartigften 
neuen 9Serbinbungen. 2(üe (EimeiBoerbinbungen entt)alten Stidftoff, it)eld)er 
frei lüirb, raenu erfterel verfällt, ^n ^^erbinbung mit i^ot)(enftoff unb 'Gaffer* 
ftoff bilbet fid) anl bem freigeiüorbenen Stirfftoff ein ßerfadprobuft, öer 
^arnftoff, ber eine n)id)tige D^oUe im tierifd)en Crganilmul fpielt. 2ie anl* 
gcfd)iebene 3:age5menge fc^manft bei ©efnnben 5n)ifd)en 20—40 ©ramm nnb 
uermelirt fid) bebeutenb bei fet)r eiit)ei^reid)er 5toft (J-leif^), and) bei Derme()rtem 
Verfall bei 5^i)rpereiroeif3el (nid)t 9fiaf)rungleiroei^), menn äef)renbe ^ranf^eiten 
mitmirfen. 9lad) ber 5Jlenge h^§ ^arnftoffel rid)tet fid) bie öarnfäure, 
uield)e bei @id)t nnb gemiffen Stoffn)ed)felft5rungen in größeren 9.1]engen am-- 
gefd)ieben mirb ober aber im Hörper fi^ ablagert nnb bann bie Cueüe nagenber 
Sd)mersen ift. 21(1 t)arnfaurel ^Olatron finbet fie fid) befonberl reid)lid) im 
.•narn bei lieber, ferner naä) ftarfem Sd)n)i^en, roo fie fid) ai§ rotgefärbtel 
^iege(me[)(febiment 0-)lieberfd)tag) ablagert. 3:rüber .^arn, Sa^bilbung in 
bemfclben beroeift immer eine üorüberge()enbe Störung ber normaten d)emifd)en 
Tmrgänge im ^^inern nnfcrel iiorperl, inbem entroeber oon ben gebilbcten 
Salden jn oiet jur atusfctjeibnng gelangen, ober 5U oiet — gcmiffernmiäen 



S> a r n r g a n c. 



27 



auf fUiftcu be^o Cviviui^^mib^ — flebilbet luevbeii. ^af3 eine "i^eranmiiu-; an 
inirieraU[d)en Stoffen eintreten muf5, luenii luir tätjlirf) me()rere ©vanim bcr 
genannten Grben au^^fct)eiben, o()ne fie bnvd) bie 9ta()rnni-\ in entfpredjenben 
SRengen luieber auf5une(}nien, unb baf? fie mitunter bringenb nötig finb, lüenn 
fie 3ur '-i3tnbung 5u reirf)Iicl) entftanbener Säuren '"i^enüenbung finben, (iegt 
auf ber öanb. Sie geben unferen Rnocljen bie nötige ^eftigfeit unb beuia()rcu 
unfer 53(ut üor übermäfsiger Säurebilbung. 
©!§ ift ba()er luolil begrünbet, luenu man 
jetjt fo üiel üon 9lä(irfa(5eu fpric^t. ''Man 
t)erftef)t barunter (Srbeu, alfo ^aU, ^latron 
ufiü., bie mit einer Säure, 5. 33. mit 
^U}L>opt)ürfäure ober .parufäure, in 'i^er^ 
binbung treten. 

2(u§ bem freigeiuorbeuen Stictftoff 
entfteljen aucf) anbere '^^erbinbungcn, meldje 
eine giftige 333irfung im Drgani^5mu§ auo= 
iibtn unb besljalb nidjt jurürfgeljaden iüer= 
ben bürfen. (S5 finb bas: 5^reatiu, 
Creatinin, ^ippurfäure unb aubere 
in geringeren 9)]cngeu oorfommeube. Unter 
Stoffiüed)feIftörungen, 51>ergiftung burd) 
Selbftgifte, nerfteljt man bie ^urürfljaUung 
unb ^irfung eben biefer Stoffe, bie 
fdjiuere d)ronifd)e Störungen beriunTufen 
Bnnen. ^arum bie immer mieberfebrenbc 
(5rma()nung, für fräftigcu Stoffmcd)fe( 
Sorge §u tragen, für normale SluSfdjei- 
bungen burd) kliere, ^arm unb ,'^ani, 
bamit nid)ty 5urüctge()a(ten merbe, \mvS 
nid)t bleibenb in ben Crgani^^mu§ 
t)ineingel)ört. 

^^ei Grfraufung ber ÜJieren fällt jener Oietnigungv-oorgang, burd) n)eld)eu 
bie genannten Stoffe an§ bem 331ut in bie .öarnt'auäld)cn geraten, gau!, ober 
teilroeife meg; e§ fann bal)er eine bauernbe fd)n.iere (Jrfranfung ber Otieven 
nie lange ertragen merbcn unb fie äußert fiel) balb burd) iHUgemeinftörungen. 

51uf3er anberen Stoffen, bie l)ier uid)t luciter angeführt merben foUen, 
roeil mir un§ nur auf ba§ 3I?efentlid)fte befd)ränfen, ift c§ nod) ba^ .^üd)fah, 
bas fid) mie im Sd)nieif5 unb in ben Jränen and) rcid)lid) im -Oarn befinbet. 
®a ba5 .^UKl)fal5 Ijauptfäc^lid) burd) bie ^1ial}riing fünftlid) .yigefül)rt mirb, fo 
beutet biefer Umftanb an, baf} mir entfd)ieben ju uiel banon aufnelimcn unb 
unfere Crgane bamit alfo unnötigermeife belaften. '-Ihiu einem blonen Turd)» 
gel)en eines Jrembftoffeö burd] ben Hörper l)aben mir feinen Ohiljen, mol)l 




^-\c\. IG. .^toritorflniic. 
1 3i^^fi"d)fcü. 

;} ^JJicreiuicnc. 

4 ^ijicn\ 

5 3(ovta. 

6 9Jievcnartcvic. 

7 ,s>aviircitcv. 

8 «tafe. 

9 Seil be§ Skftbaring. 



28 



§ a r n r g a n e. 



aber oft Slei^ungen empfinblid)er Organe, ^ei ©eniip fdjarfer, gi[tigev ©toffc 
ftrengeii luir befonberg bie 9iieren an unb reijen t()re inneren 2:ei(e. Söoüen 
lüir bentnad) unfere Spieren gejunb er'^alten, fo I)aben wir luol)! §u überlegen, 
ma§ lüir if)nen sumuten bürfen unb na§ roir aI[o effen unb trinfen joden, 
^efanutlid) finb bie Silieren boljnenförmige Körper, n)etd)e bciberfcit^ 
üon ber Söirbelfänie in ber Senbengegenb liegen. 2(u§ i§nen füljren bie 
Harnleiter in bie im Sed'en liegeube ^arnblafe, unb au§ biefer (ettet 



1 9Jierenüene. 

2 ii}icvcn= 
avtcvie. 

3 §arnrciter, 
bev fidi nu§ 
bem cieLiffne= 
tcn 9Jtcren= 
becfen fort= 
fct3t. 

4 2:iircf)fd)ntt= 
tene 9heren= 
Dbci'tjaut. 

5 9}ievenober= 
fläd)e. 

6 Siiißere 
?Jinbc ber 
SJiere. g 

7 ein 9JJfitpt='l 
p[)ifcf)e§ fiör= 
perdjeu iiitt 
feinen 2lrte= 
vien. 

eCüget tjom 
Hnbuvd)= 
fd)ntttcnen 
Jlör;icrd)en. 

9 fiatifet, 
lucldje einen 
öünel SSlaU 
pifiijiWjer 
Rijvpcr um= 
gibt; bie 
lueiBe Sinie 
äeigt ben 
2;nvdifd)nitt 
ber finpfcl 
nnb ber 
^avntanäl: 
d)en. 




logroeig ber 
9Jiercnarteric 
snnfd)eu äroet 
9i}alpig^i= 
fd)en Sör= 
pern. 

11 (Sin ©efä6= 
fanal a)Jalpi= 
0()tld)er Rör= 
perd)en, 
40 mal Der= 
grö^ert. 

12—13 ©efäfee 
in ben 9J2alpi= 
gt)ifd)en fiör= 
iö iHn-n. 

11 fiapiüarnetj. 

15 «eiintnbene 
5RöI)re ber 
5Rtnbenfub= 
ftanj, 20 mal 
rcrgrijgert. 

IG ffiinbungen 
bicfer 9iöf)re. 

17 CSinige ge= 
nninbene9?öö= 
vcn, 40 mal 
revgrlifjcrt. 

18 SÖJebrere ®e= 
fnfefnänel, lo 
t)i§ '^omat 
rergrößert. 

19 ©erounbene 
9iöf)ren, 20 
bi§ 25 mal 
pcrgröftert. 

20 ß-tnige bur(^= 
fdmi'ttene 
9iüf)ren. 



5'iö- 17. 1)urd)fdjuitt einer Stiere. (■§arbTd)ematifd)e ?figur, nad) §ort.) 

bie ^arnröfjre nac^ au^eu. ©ie Dlieren ^ah^n ein 5u= unb ein abfü^rcnbe^ 
ölutgefä^; ber innere 33au ber 97ieren ift fel)r intereffant, in unferem %aUQ 
aber ot)ne prafti[d)en SBert. Sßir looden ba!)er nur enräljuen, ba^ bie STätigfeit 
ber ©efäf3fd)(ingen äf)nlid) lüie bei ben Sungen ift, unb bap eine 2Irt ?^-i(tration 
ber ^(utfh'iffigfeit innerf)alb ber 91iere ftattfinbet. SBie bie Sungen ^oI)Ien= 
fäure, fo fct)eiben bie Dliereu ^arnftoff auS. 3(uf unferem 33i(be feljen mir 
bie ^flierenoene, bie S^ierenarterie unb bie anberen 2:eite be» .^aruapparate». 
2)ie Dliere ift unfer micl)tigfte^ „(SntgiftuugSorgan". 



a^ 



5? cröauiing Sapparat. 29 



Unter Verdauungsapparat. 

Unter S5erbauimg üer[te(}t man bie Übevfüt)ning ber gelöften ^äi)r» 
ftoffe in "Da^ 33(ut, burcf) lüetdjCy fie fänit(irf)en Crganen iinb bereu 3eüeit 
Sugeleitct werben. 2S?ir ^abQn fd)ün au5gefü()rt, bafs in unjereni Crganismu^ 
bel)ufö ^ra[t' unb 'iBärmeerjeugnng beftänbig d)enni"d)e 93orgänge, 3^i-"f<iü 
unb SSercinignng, ftattfinbcn, bie fürao()( immer roieber 3itfiif)r nener 91äf)r» 
ftoffe, a(5 Qud) bie ^i^rtfcljaffung ber ucrbrand^tcn D^üctftänbe, bie i(}re 5(uf:= 
gäbe ge(eiftet Ijaben, notroenbig mad]en. Seljterent Qm^d bient, luie mir 
bereits miffen, ber .öarnapporat, erfterem, ber Qw unb 2Ibfu()r neuer Ülätjr' 
ftoffe, ber 5>erbauungjapparat. 

@r befte{)t an§ einem Sd)(aucf)e dou oerfdjiebener Söeite unb ©eftaüung, 
innen mit einer (2d)teim[jaut auegeftattet, roe(cf)e reid) mit {'(einen Prüfen 
oerfeljeu ift, auf^en mit einer SDhi^felfdjidjt, roe[rf)e bie Seroegungen be§ 35er= 
baming5fcl)taucl)c» uermittett; au^erbem mirb er oon metjreren gri3f3cren Prüfen 
gefpeift, bie au^erfjalb be» <Sd)(aud)ea eingebettet finb, aber mit i^m sufammen^ 
Ijängen. ^a§ finb, oon oben angefangen, bie ®peid)elbrnfen ber ?Jlnnbt)ö^(e, 
bie 33aud)fpeic^elbrü[e unb bie Seber, meldje beibe in ber 53auc^()i31)(e liegen 
unb if)ren Srüfenfaft, ^Baudjfpeidjel unb ©aüe, in ben ^arm ergießen, ^er 
23erbauung^3fd)taud) beginnt in ber 3}hinbt)öI)Ie, meiere gur ^Vorbereitung 
ber ^Ttal)rung mit ber Bi^^^S^/ "^en 3iif)i^^i^/ "^^^^ ©efd)mad§neroen unb ber 
©^(unbmuefulatur, foraie ben beiberfeitigen 3peid)elbrüfen auygerüftet ift. 
®er menfd)üd)e (£peid)el entt)ätt einen Stoff, melier bie aufgenommene 
otärfe unfcrer Tcafjrungsmittel in ^ertrin, eine '^orftufe be^ 3»^^!'»/ »'"' 
roanbclt unb biefe ben 2(ufgaben beS ?J]agen5 baburd) jugängtidjer mad)t. 

9Ber einen fdjiedjt gufammengeftetiten (Speid)el befi^t, oerträgt me{)l= 
{)attige 3taf)rung nid)t, raeil ba§ mit ben aufgenommenen Spcifen burd) bie 
SJlunb^ unb 9J]agenfeud)tigfeit aufgequotlene Stärfemetit nidjt ooUftänbig in 
3uc!er umgeroanbett mirb, alfo unoerbaut bteibt unb in biefem ßuftanbe and) 
niemals in§ 33Iut gelangen fann. 

Tic Aufgabe ber 9J]unbI}ü()(e ift eg ferner and) nod), bie 91al)rnng ju 
jerfteinern unb Ijarte ^ei(e ju jermaljten, bann bie in fo(d)er 'iBcii'e oor- 
bereiteten 9Jlaffen burd) Speichel unb (Sd)(eim fd)h'ipfrtg 5u mad^en, bamit 
fie ifjren 5[5eg burd) bie @peiferö()re in ben 3D7agen (eid)ter 3urüct(egen. ^a^u 
^aben mir bie Sd)neibe= unb ^-lla^tjätjue unb bie bei jebem 'JJeroenretj, bct 
auf bie Sd)(eiml)aut be§ 9}lunbel einroirft, fid) reid)lid) einfteUenbe ?3^unb= 
ftüffigfeit. 22er {)aftig ifjt, grofje 33iffen üerfd)(ud't, mirb bie aufgenommene 
S^iafjrung nie ooüftänbig au§nü^en, benn bie oom (2pcid)et nid)t burd)= 
brungenen Riffen mcrben nid)t ootlftänbig oevbaut, betaften btofs 9}cagcn unb 
2)arm unb gef)en fd)lie§Iid) nutjtog ab. 



30 



^1n e r b a II u n g § a p vaxa t 



SBeuu mau fi(^ oorftellt, rcte oiel beffer eine breiige Wia]]^ uon eiuev 
^•(üffigfett t)urct)brunöeu wirb al" eine fdimpige iinb fefte, fo rairb mau aud) 

i 



(5ri)cmnttfrf)e 
Ucbcriid)t 

««ach 
a^auber. 



1 ©aunteu. 

2 iL'ippeu. 

t)i??1hinbt)DbUv 

4 Sdiluubfopf. 

5 .Qefilfopf. 
G !iLluftröf)re. 

7 3peiferöf)re. 

8 ^Hiageueingaug. 
1» S)^agen. 

10 ailaijennitgi^ing 
ober "-jjförtner. 

11 3i>^öltn"Öt'i'bL^i"i" 

12 yecibarm 




begreifen, roe(d)e 9ioüe uufere 3äf)ne bei 
bem 3]erbauuug?geid)äft fpielen. ^[jxc ge- 
juubcu Hauflädjeu, iljre uugebrodjene 2öiöer= 
[tanbsuraft finb uu§ foiuol}! §ur @euu^= 
empfiubung beim (äfjeu raie jur beffereu 
^u^mältiguug ber 93erbauuug§arbeit uueut- 
be()rlic^. 

2^ie S p e i [ e r i) f) r e a[§ ^-ürtfctyiug 
ber 93hiubf)ül)(e ift eiu fd)Iaffer ©c^laucJ), 
ber t)inter ber burd) Ruorpelriuge [teif er= 
Ijalteueu ^uftröf)re liegt unb burd) beu 
„9)higeumunb" in beu 9Juigeu münbet. ^nrd) 
ben ®rurf be§ (Sd)(udt'afte§, bie eigene ©c^mere 
ber iier[d)(ucfleu 'S^affeu unb bie ©lätte ber 
ciugefpeidjelten 53i[jen gleiten biefelben ah- ' 
märl§. ©inb fie einmal ju gro|3 ober ,^u 
trocfen gemefen, fo fit(]teu mir, aud) mitunter 
fd)mer5t)aft, "biefes .r-)iuabrutfd)eu. 

©tecfeugebliebene ^rembförper in ber= 
felbeu unb ftarfe Sc!)meüungeu bei gemiffen 
fd)mcren Grfranfuugeu föunen nur bann au^ 
bie 3ttmuug befjinbern, meun fie bie Suftrö^re 
oerengen ober jufammenbriirfeu. 

^er 5)1 a gen ift eiu I]äutiger 3atf, je 
uad) 3{lter unb 2trt ber Gruäljrung oon üer= 
|d)iebeuer@rö^e; er ift fef)r au5bel)uung5fä()ig, 
aud) bemegüd) unb liegt unter bem 3uierd)= 
feil in ber linfen ^^älfte ber '^aud)l)ül)(c. 

(Sr beforgt ben graeiteu 2;eil ber 93er= 
bauung, inbem er bie (Simeifjftoffe löft unb 
fie in '^^^eptoue ummaubelt. 80 raie bie 9)lunb= 
Ijöljle beu Speid)el mit bem «Stärfe uer= 
bauenbeu 33eftanbteit, bem fogenanuten ^tt)a= 
lin, eutliält, fo bcfiljt ber ^^^aigen eine aubere 
i^-lüffigfeit, mcldje au^^ Sal^fäure, ']?epfin 
unb Söaffer beftel)t unb bei grofjer ^)ici,ytng 
be§ 93]agcn§ bi^^ 5U einigen l'iteru au einem 
2:age fic^ fteigern fauu. ^ür ^-leifdjuabrung ift alfo bie 9:)Jagentätigfeit 
Dor allem nötig. ®er 93]agenfaft, ber ftart fauer ried)t, rairb üon ber 
9)kgenfd)leiml)aut abgefonbert; bie ^Olenge unb ^-öcfd)affeul)eit ift für bas 




13 Slutmiu 

baxm. 
U ^i?ltnb= 

bann. 
15 'Jßurni= 

fortfa^. 
IG 3(ufi"tcigeii= 
htc ©rimmbarm 



17 Dutv 
©ruinubavm. 

18 gtbuctgeiu 
bcröriiniu^ 
barm. 

19 9{ömifd).S. 

20 ä'tJaftoarm. 



^ e r b a II u n 9 § a p p a r a t. 



31 




5^erbauiing§t]eicl)ä[t dou grüf5ter 33ebeiitung unb für iiu^älilige 9Jleiii"rf)eit bie 
Cueüe befttäubigev ^'^hmii. 9)lan benfe nur au bie üie(en ^Jlaßenfatavvlie, 
^Dlagengefd)roiire, ^"Diageiienüeitenuigeu ujiu. 

SSieleffer iiub ^ieltriufev (beionberg 33iertrinfer !) befüiinueu einen uon 
bei- tägücl)eu Sliboroeitung fd)(ief5(id) übcrmnf^ig r)evgröf,evten unb erfd)(nfften 
^Dlagen, beu einem natürlict)en gar nicl)t mel)r ä()ne(t unb ber fe(b[tüev[tänb= 
(id) ancf) feinen normalen ^Il^agenfaft mel)r ju erzeugen imftanbe ift. ^änfige 
Dieise ber 9}lagenf(i)(eim()aut burd) ©eiüürje, 2((fül]ü( ober t)eiJ5e ©eric^te 
()aben anfänglid) [tärfere 91]ageniaftbi(bung ,^nr J-ofge, bann aber Grjdjlaffnng 
ber 'Il'Jagenbriifen unb Steruen, 25erminberung 
ober anormale 33efd) äffen t)eit be§ 9}lagenfafte». 

53ei^ö(eid)]nd)t, ^(ntarmnt unb aügemeinen 
od)iüäd)e5uftänben tritt auc^ Iji-'iitfig 3)lagen= 
ermeiterung unb -f^'ifi'^Ö "i^f- 

@§ ift allgemein befannt, ba^ (Srbrüd)ene§ 
nod) nid)t jene 3>eränberung erlitten l]at, bie ben 
'3}arminf)alt fennäeid)net, fonbern baf^ uiehneijr 
bay ©enoffene nod) jiemlid) beutlid) ju erfennen 
ift unb fid) burd) ben fauren ön'rnd), öerinnung 
(man benfe an bie 9)^i(d)), 5Berfliiffignng unb 
^^ermifd)ung aller ©peifen unb ©etränfe au§- 
5eid)net; e§ beraeift m\§ bie§, ba^ bie .önupt= 
oerbauung nid)t im Allagen, fonbern im ^nnn= 
barm ftattfinbet, mo bie llnfenntlid)merbung ber 
Speifeu beginnt. 

®urd) ben '^^uigenpförtner mirb ber faure 
53lageninl)alt in flcinen ^Jlengen infolge 'l^i- 
megungen ber muöfelljaltigen ^^jlagenmanb in ben "^^arm gefd)afft nnb bort 
bem ©nfluffe dou brei anberen 'iserbanung^^fäften au^ogefelU: bcm 3}arm= 
fd)leim, ber ©alle unb bem Speid)el be§ '^nanfrea-o ober ber '^and)fpeid)el= 
brüfe. '^a§ %^it, 'i)a§ bi^ljer in 'i)Jlunbl)ü()le unb 93Iagen nic^t neräubert 
mürbe, erteibet je^t eine Ummanblung; 311^1-'^'= »""^ "j^eptonbilbung fd)reitet 
aud) im ^ünnbarm weiter, unb nun beginnt bie '-}luffaugnng ber golöftcn 
i^lüffigfeit burd) bie Tarm^otten. 

(Ss fd)etnt anfangt uuuerftänbüd), auf metd)e 'Seife bie grof5C 'iHJenge 
ber aufgelöften ^3Ml]rftoffe in bie ^Mntbabn unb non biefer nad) alkn Teilen 
be§ Organismus l)in gelangt, ol)nc bafs mir eine mit freiem 'Jluge fidjtbare 
'^erbinbung ^mifdjen ^armro()r unb grofien ©efäfum entbecton fönnen. "^er 
■S^arm ift uiehneljr b'fi an fein ($nbftücf gefd)(offen unb bie uon auf3en an 
benfelben Ijerantreteuben ^^lutgefäfje finb flein unb net^irtig iier5meigt. ^ennod) 
feljen mir bie fo reid)t]altige '3)armf(iiffigfeit uerfdjminben nnb bie 'i)Jal)rung§- 
refte in feftem 3ii[t^iibc, oft fogar trod'en, ans bem Xictbarm, bem Gnbftücf 



^ig. 19. ^m-rf)fd)nitt biirrf) 

bie Sdjlcimljttiit bc-^ mciiffl)= 

Utl)cit ^)uölffi«flcriirtrii!c=. 

a 3otten. b ©d)lciinl)aiit= 
nvuublage. c 3^vuiici'|d]e 
2^i"üfeii. ii' 'J(iic>fül)ruiuj§= 

gnita bcrfcUien. 

dd' ^ic tieferen Sdiie()ten 

ber Sd)(eini(iaut imb lliiter= 

fd)(ciinliaut9cuiebe. 



32 



5Serbaiiuiig§apparat. 



be» S)armrüt)re§, a(§ '3^arm!ot augtreten. 'S^eiimad) m\\^ bie '3)arminnen[)aut. 
bie (5d)Ieimf)aiit, @{nrid;tungen befi^en, roeldje biefe Sluffaugung ermöglidjen. 
%k§ ift auc^ ber gall. ©c^on mit freiem Sdige erfennt mau an biefer 
©d)[eim^aut toinsige g^ranfen, bie fügenannten ©armgotten, in rceli^en bie 
3tnfänge ber Si)mp^= (ober (£t)i)Ing=) ©efä^e ftd) befinben. 'iTRon glaubt, baf3 
buvcl) bie feinen Öffnungen ber biefe Rotten umgebenbeu Q^lkn ein 3Iuf-- 



9kd)tcr 
Seberlnppen 



S3tu[tRiar3e 



Cebcr |— -; 



Sinfcr 
SBruftbeiu Seberlaopen SSriiftinaräe 



©aaenblafe 



9icd}te ®rimra= 
bannbießung 



SBirbelfänle — H 



2tufl"tetgent)cr 
(Srimmbavin 

Siünnbariu 



58auc^bcc!e -, 




8mfc ®rinnn= 
barmbieguiig 

barm 



Steüe be§ 
S3orberg§ 



9tömifd)ei S. 



©cf)ambeins \ 
I)örfer 

%XQ. 20. 9Infic^t ber SBaut^cingetoctbc in nntürlicl)er Sagerung, uoit norne. 

fangen ber ®armf(üffigfeit flattfinbet, meiere fid) in größeren 2tften ber- 
ßr)mpf)gefä^e fammelt unb fid) an einer bem 'Darme fef)r entfernten ©teile in bie 
SSenen ergief^t. 9Jlau nennt biefe ®armtt)mpt)e and) SJ^il^faft, raeit fie oon 
if)rem ^-ettgcl)a(t meijä au§fief)t. 

(3o !ümmeu alfo bie aufgelöften 9läf)rftoffe burd) 2>enuittlung ber 
2)arm5otteu unb Si)nip()gefä^e bireft in bie ^lutbalju. 

Sßenn man biefen SSorgang begriffen l}at, t)erftel)t man aud:), roarum 
pfftge ©tü()le i)&n 9J?enfd)eu fo rafd) erfc^öpfen. ©ie finb ®ünnbarmin^alt,. 



©C>J 



i^ii/ 



-laV A?Wi lim oiHöifloJ lab ylbü}2 yi3*nu zeb znu Jlfs - 

dU) TÜl bnu ng'flo ^^^riöH^^ü) nyjfBriis 9§nifl a^ilgionJ -f ■<> 



nslnnensgoz idb ,§nunIIbIqo;iIfl3H i&b biifl aeb Igniid S .§n 
-niwrioz iriaz bnu nsriDilgswad nab rtov sHoIdw ."sxtnmniiJS« 
guS rioTuQ .bniw imrißiagfifs "msboßdmrnil?^ n3§iriBl2§nuä 

, ;(>ni2^;^H9H83nit'ni«q3on;iiqo?(lH9H a»b ne, sib ,nl9;i2uM isb 

a^ynsrloaiq? bnu n3gni2 misd »sJiH sib Hoiz Isnllö bnw tzzsilrioz 

n9ii9l§ni9niH zßb ,Jn9ib usßb Ig^Toafclqo^lIdaH n9b bnaidßw 

2Uß 9bnu!do2 mov ns/loulri-iznaV rnisd nlglJimzanuiriBH no/ 

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'.ß!ui8 inisa Jabnaü f^ini. u*' 

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iyüß ,doil-? - '• 



• '.'"nagnuJ abbd znu l^igs € .gH 

'usiov xjßä nsisruii nab mu 

.n93osi9dü KslnssnuJ msb 

s^nuJ 9ib ädoisw .szzbIsO 

gnulIaizioV gnia znu n9d9)g 912 

floidöiHuJ 19b n99nul9Jgßi9V 

ib n! zid JluJ 9i9rnis9;gni9 9ib 9iw 

' ■"'' "»pnagnuJ 



1y 



'^\y 



|fe;ii;=^|j;^| TAFEL 2 



Fig. 1 stellt uns das untere Stück der Luftröhre mit ihren Ver- 
zweigungen in die rechte Lunge vor, welche drei Lappen hat. 
Stelle, knorplige Ringe erhalten die Röhren offen und für die 
'"""''iJh;. Luft stets durchgängig. 



6^ 



Fig. 2 feifiiigt d& Md dief KeBK^optaiuÄg^^^r sb^^ 

„Stimmritze", welche von den beweglichen und sehr schwin- 

gungstähigen „Stimmbändern" eingerahmt wird. Durch Zug 

der Muskeln, die an den Kehlkopfknorpeln angeheftet sind, 

schliesst und öffnet sich die Ritze beim Singen und Sprechen, 

während der Kehlkopfdeckel dazu dient, das Hincingleiten 

von Nahrungsmitteln beim Verschlucken vom Schlünde aus 

7.U verhüten. -, , 

. / Darmtiicj 

O / 

Fig. 3 zeigt uns beide Lungenflügel, den rechten im Längsschnitt, -nl 
um den inneren Bau vorzuführen, den linken zur Hälfte mit 
dem Lungenfell überzogen. Auffallend sind die zahlreichen 
Gefässc, welche die Lunge aussen und innen durchziehen; 
sie geben uns eine Vorstellung von ihrem Blutreichtum. Die 
Verästelungen der Luftröhren aber belehren ung- darüber, 
wie die eingeatmete Luft bis in die äusserslen Teile des 
Lungengewebes geleitet wird, um dort in jedem einzelnen 
Lungenbläschen den Austausch zwischen den Stoffen des 
Blutes und denen der Luft zu bewirken. Das Herz liegt 
wohlverwahrt in der Mitte und sendet seine Blutadern nach 
allen Seiten aus. — Über die Ätmungsörgane lese man 
Seite 19 nach. Am oberen Ende der Luftröhre sehen wir 
den Kehlkopf, wie er sich uns von der Vorderseite des 
menschlichen Körpers darstellt, beweglich, aber durch knorp- 
•ilnjicht bn 'fiandjcllige Platten geschützt Vagetung, von üornc. 



1. 



Refäter 
ffauptast 




Luftröhre 



SUrrunritxP 



KeJd/ifrM 
5tim/7tbändfr 



I 






. LinMtr 
/fnuplast 




/ 



V^ ^ fd'hikopf- 
Knorpel 




Teilungsstelle der Luftröhre 

mit den Hauptäs+en der rechten Lunge 



fieckte Luna< 

im Ldfigsschnif' \ 

Arkrlen 

fhlati I 

Venen 

< ruf 







Ansicht des Kehlkopfes 

durch den Kehlkopfspiegel 

( Vergroiserung.) 



Unke 

Lunt/erifeU 



U/ike. 
üi/üjc 




(.b/e/zf/if/i 
derLuf^öfire 



Die Frau als Hausärztio. 



Tafel 2. 



ntmungsörgane. 



\ 



©inncSorgane. 33 



bie Stufjaugung burd) bte ^avm[cl)leimljaut finbet nid)t ftatt ober nur un» 
Donfommen, imb baf)er tritt, raic bei GI)oIera, rajd) SßerfaU ber i^räfte ein. 
©benfo liegt e^ nal)e, bafä bei reidjtic^cu 6tul)(ent(eeriingeu unb 511 reid)[id)er 
9^af)ruug§aufuQt)me ba^, ivaB alB ^armf'ot abgef)t, nicl)t a[Ie§ Uiioerbaulidjea 
fein fann, foubern "üa^ ein grofjcr S^cit baoon nid)t au^genü^te ©peiferefte 
finb, bie infolge ber Überlabung be§ 93cagen§ unb ©arme» gar nid)t jur 
DoÜftänbigen Stuftofung gelangen unb nur all S3allaft bal 23erbauung§ro{)r 
paffieren. %k erfd)(affcnbe Söirfung beg 2SieIeffen§ unb 3:rinfenl unb bie 
3>ergeubung an niertoollen IRäljrftoffen liegt fomit sutage. 

©a unter ber ^rauenraelt aud) Sebererfranfungen fel)r ^äufig fmb, fo 
muffen mir aucf) biefer größten ©rufe be§ menfd)Iid)en 5?örper§ einige 2öorte 
rcibmen. (©ielje ^eilfunbe, 33ud)ftabe L.) ©ie liegt befannttid) auf ber 
red)ten (Seite unter bem ^oJ^^'^f^^/ ^[^ ^on berbem Qieroebe unb erzeugt 
einen befonberen 23erbauung§faft, bie grünbraune ©alte; biefe t)at bie Slufa 
gäbe, bie ^^^fefeung bei ©arminljattel 5U oer^inbern unb bal ^ett bei Speife=' 
breiel gur 2lufnaf)me in bie ©äftemaffen bereit gu mad)en. (Sine (Stauung 
unb 3"^"ü(iljaltung bei Seberfaftel l^at (Störungen im l^erbauungloorgang 
gur i^olge, tjetlen ©tu^l, weil ber ©allenfarbftoff fe[)lt, unb Scf)mer5en in ber 
Seber. ®ie Seber f)at aud) nocJ) anbere 2Iufgaben, mit roeldjcn mir unl 
jebod) ^ier nid)t meiter befaffen tonnen, ©ie ift ein feljr raic^tigel Organ, 
beffen @efunberl)attung oon SBebeutung für ben gangen Drganilmul ift. — 
gig. 20 §eigt unl bie :Öage ber ©ingciueibe nad) Entfernung ber 58aud)becfen 
unb bei 9let3el, unb bie ^^arbentafel „^^ruft= unb 33aud)organc" bringt 
unl eine beutli^e ®arftellung ber SJerIjäUniffe. 



Q3 



Du Sinnesorgane, 

®al ©innelorgan für bie (Smpfinbung ift bie ^aut, unb bicfe tjaben 
roir it)rer befonberen 2(ufgaben roegen fdjon aulfü()rlicl)er bcfprüd}cn. 9htn 
bleiben unl nod) übrig: bal 2(uge für bie Sicl)tempfiubuug, bal D()r für bie 
©d)a(tempfinbung, bie 9^afe für bie ©erudjiempfiubung, bie 3u"9e "«^ 3JlunD» 
{)öt)Ie für bie ©e]d)mac!lempfinbung. 

Söollen roir furg befinieren, ma^j ein ©innelorgan ift, um unl feber« 
mann üerftänblid) p mad)eu, fo muffen roir fagen: eine {Sinrid)tung (2lpparat), 
um äußere SSorgänge aufjufangen unb fie unfcrem 93crouf5tfeinlorgan, bem 
©eljirn, juäuleiten. ®at)er be()errfd)en bie ^icrocn unb i^re eigeiitümlid) 
geformten ©nborgane biefe 3tpparate, unb ücrfd)iebene |)i(florgane, roie bie 
0^rmuf(^eln (bal äufsere D(jr), bie Sippen, bie S^egenbogculjout im 3Iuge 

ate 55rau alS ©auSärätin. 3 



34 ©inneSorgane. 



unb anbereg me^r unterftü^en it)re 2lufgaBe. Dljne gefunbe (Sinnesorgane 
feine flaren SSorftellungen in unferem ©e^irn, roeit bie Zuleitung feljtt, unb 
o!^ne gefunbeä @et)irn feine 2(ufnaf)mefäl)ig!eit be§ burd) bie (Sinne Qu^ 
geleiteten. 

®af)er bo§ geiftige ^u^ücEbteiben berjenigen ^inber, roel^e taub ober 
blinb geboren rcerben, ober bie falfct)en ©inbrücEe unb SSorfteliungen ©eifteS^- 
franfer, bei n)eld)en haS @et)irn tro^ normaler 3uleitung burd) fel^Ierlofc 
Sinnesorgane t^a^ Zugeleitete nid)t natürlich p cerraerten oermag. 

'2)ie[e 5(pparate finb fo funftoolt gebaut, ha^ beifpielSraeife nur ba§ 
5luge für Si(^tftraf)len empfinblic^ ift, nur baS D^r für ©eräujdje, obrool)! 
bie uns umgebenbe Sttmofp^äre oon Speisen aller 2lrt überfüllt ift unb an 
allen Steilen unfereS ^örperS nur bie gleichen 9^eroenmaffen fic^ befinben. 
SBie fd)on in einem Dorl^ergegangenen 5lapitel auSgefütjrt mürbe, fennen mir 
bie feineren 3Sorgänge ber 9^eroenleitung no(^ nic^t; mir oerfügen me^r ober 
minber nur über (burd) 2:atfad)en nod) wenig geftü^te) SSermutungen. 3luc^ 
I)ätte eine einget)enbe S3efc^reibung ber fompli§ierten (Sinnesorgane für unfer 
58uc^ feinen praftifc^en S^vzd; mir rooUen baljer nur bie rcic^tigften 2;eile 
berfelben anfüliren unb ben pl)t)fiologif(i)en SSorgang beS (Set)enS unb 
^örenS ufm. furj erflären, bamit ber Sefer inftanb gefegt mirb, fic^ barnac^ 
einfad)e natürliche ober franf^afte 3}orgänge einigermaßen oerftänblid) p 
madien. 

'3)ie (Sinnesorgane finb f)äufig ber ©i^ üon (Störungen, fie finb forooI)l 
für unfere geiftige ©ntraicflung als für unfer f5^ortbeftel)en im täglid)en Kampfe 
umS ^afein fo wichtig, ta^ aud) baS meiblic^e @efd)led)t flare 33orftellungen 
unb beftimmte ^enntniffe oon il)rer S3efd)affen^eit unb il)rer Se^nblung 
^aben muß. ®ie 5lugenfd)roäc^e nimmt in unferer 3ßit immer mel)r ^u, 
feinen ©erud^ unb fdjarfeS @et)ör l)aben nur wenige 9JJenfcE)en. Unb marum 
bieS QÜeS? ©ineSteilS raeil bie (Sinnesorgane l)äufig 33iIbungSfel)ler geigen, 
^uptfäc^lid) aber, weil bie allgemeine 9^erDenf(^mäd)e immer weitere Greife 
erfaßt unb bal)er aud) bie (SinneSneroen an :OeiftungSfät)igfeit einbüßen, 
©erabe bei ben g^rauen ift eS notroenbig, ben ^ufanimenljang oon ^Blutarmut 
unb 3^eroenfc^roäd)e mit bem 23erfagen ber 2lugen, ber 3unge, auc^ beS Dl)rcS 
oerftel)en gu lernen, weil fie fo l]äufig barüber flagen. 

StuSgefpro(^ene örtlidje ©rfranfungen befprcc^en mir in fpäteren 
Kapiteln. 

2ßir beginnen mit bem 2luge. @S ift ein f leiner runblid)er Körper, 
beffen oorbere 3^läd)e baS (Seljloc^ entljält, burd) raeld)eS bie Sidjtftraljlen auf 
ben 2lugenl)intergrunb fallen, tiefer ift oon größter 5ßebeutung für ben 2lft 
beS (Set)enS, weil er bie 23eräftelung beS (Set)neroen entl)ält, ber bie empfangenen 
©inbrücfe bem @el)irn guleitet. ®aS (Sel^lod), aud) ^upille genannt, beftel)t 
nic^t etwa nur auS einer einfad)en Öffnung, eS befi^t oielmel^r fompliäierte 
©inrid^tungen, wie bie 9iegenbogenl)aut u. a. 



Sinnesorgane. 



35 



3uerft muffen bie 2id)tftraf)(en bie .^ornt)aut burd)bred)en, beten ^lat» 
l^eit unb 3^et)lerlofi9feit jnm Seijen unerlä^(id) ift, bann roerben fie oon bet 
fogenannten Sinfe gefammelt, b. \). fo geleitet, bafs fie fid) in einem fünfte 
treffen, unb fd)tie^lid) muffen fte nod) ben ©tasförper burd)bringen, um auf 
't)tn Seljnero 5U faden. Um bie 2tufga[)en ber ^ornf)aut, ber Sinfe ufro. 
roirfüd) su üerftefjen, muJ3 man bie ^^gfif unb fpejiell Dptif bel)errfd)en ; 
oberf(äc^(id)e SrEIärnngen finb ^ier atfo nu^toä, unb mir befd)ränfen un§ 
baf)er auf ba§ nötigfte. 

'3)ie 33eroe9lid)feit be§ 2IugapfeI§ rairb erhielt burdj 5[Ru5feId)en, roelcije in 
t)erfd)iebener 9\id)tung bem 2(uge anliegen unb eä mit ber 2IugenI)öi)te oerbinben 
(fiei)e %iQ. 21). ©ie roer= 
ben ni^t com 2Ingennero 
oerforgt, fönnen alfo teil* 
roeife ge(ät)mt fein, o'^ne 
ba^ bie (2ef)fä^igfeit bar= 
unter leibet. %a§ 2(ugen= 
lib mit feinen ©rufen unb 
SÖBimpern ift nur eine (Sd)u^= 
t)orrid)tung für ba§ 2Iuge, 
roel^e mir nid)t entbef)ren 
fönnen. 

®ie 9flegenbogent)aut 
{^\§}, it)rer oerfd)iebenen 
i^^ärbung raegen fo genannt, 
üermag fid) p erroeitern unb 
ju üerengen, fann baljer aui^ 
t)a§ 6e[)(od) oergrö^ern 
unb oerf (einem ; aud) ift 
fte eine 2(rt Sdju^oorrid)' 
tung für ba§ 2Iuge, raeit 
fie raie ein £i(^tfd)irm roirft 
unb überftüffige Sid)tftraf)' 
len abjuljatten oermag. 

%a§ Singe mit feinem ©lanj, feinet ^arbc, feiner 33eroeglid)feit unb 
feiner (5el)fraft bi§ in bie Sterne ift ein munberbare^ 5lunftroerf, beffen ©efnnb- 
erljaltung ung root)l al§ eine raid)tige Aufgabe erfd)einen mu^. 

©a .^orntjaut, Sinfe unb ©(a§förper bie geraben 2id)tftraf)(en abteufen, 
„bred)en", fo nennt man biefe Xeile ben Iid)tbred)cnben 3Ipparat (im 
©egenfa^ 3um Iid)tempf inblid)en ber 9le^I)aut, mokier bie Slusbreitungen 
be§ (5e^nerü0 entt)ätt). Unter S3red)fel)(cru be3 3Iuge5 oerftcdt man foId)e 
2Ibroeid)ungen oon ber 9^orm, bur^ raetd)e ein flare^ 53ilb auf ber 3Rel3l)aut 
nic^t cntfte^en fann, weil infolge mangelhafter Si^tbred)ung bie ^Bereinigung 




Ö-ig. 21. 
2)ic Inot^crnc 9Iugcn^öf)lc mit bem '^UQap]el (rerf)tfl). 

2)a§ f^ettpDl[ter ift entfernt. ®ie oier geraben Ulugcn« 
muSfeln finb an if)ren 3tnfa^fteüen am 3Inga;ifeI ab* 
gcfcf)nitten. os ©e^ne be§ oberen fcf)räQen 2(ugcn» 
muäfel§, Don ber SHoae T §iim Singapfel laufcnb. 
oi unterer fd)räger 2tugenmug£el. 



36 



©inne§organe. 



bcr £id)tftral)len gu einem Söilbe nid)t auf bem Iid)tempfinblid)en S^eil ber 
9^le^^aut ftottfinbet. (SoIcf)e ^^etj^er fönnen angeboren fein, fie fönnen aber 
auü) erworben werben unb graar foiüoljl burd) einfeitige Strbeit, roel^e ba§ 
Sluge übermäßig anftrengt, al§ aucf) burct) d)ronifc^e S3IutiiberfüIIung be§felben 
bie fdjlie^lid) g^ormoeränberungen sur ^^^olge l^at 

^eim (Selben in bie ^^^erne retct)t haS normale 2luge au§, b. ^. e§ vermag 
of)ne befonbere „(Sinftellung" ein fc^arfe§ Silb auf feiner Sf^e^^aut p erjeugen; 
beim (Selben in ber 3'iälje aber mu^ eine ftärfere Si^tbrec^ung eintreten, um in 

geringerer Entfernung ba§felbc 
'43ilb äu geroinnen, ©aju oer^ 
Ijilft bie Sinfe, roel(^e i^re 
Sßölbung p oeränbern oermag 
unb baburd) an S3red)fraft 
gewinnt. SRan nennt bie 2ln= 
paffung§fä^ig!eit an biefe 9^ä{)e 
be§ Iid)tgebenben ©egenftanbe^ 
bie 2If!ommobation§f ä^ig= 
feit ber ßinfe. ©ie nimmt 
mit beginnenbem Sllter ab, 
baljer bie 2Beitfid)tigfeit ber 
alten Seute. ^ei S^la^ arbeit 
mu^ bie Sinfe ftärf'er affom= 
mobieren, ftrengt fid) alfo 
met)r an alä h^i einer Stätig» 
feit, bei melier t)a§ 2luge 
oljue befonbere ©inftetlung 
meljr für bie ganje Umgebung 
rotrft. ®al)er aud) bie ©r* 
mübung nad) langem Sefen, 
yiäljen, ©tiden, unb bie all- 




&ig.22. (Bcwhcäjtcv ©(^ititt burd) bie Slujjcit^öljlc. 

1 ©el}nert). 2 ;g)ont{)aut. 2' ©arte Slugen^out. 
3 Sßorbere 2Iugen£antmer. 4 Sinfe. 5 ©lagförper. 
a ©tirnbein mit bcr ©tirnf)ö|le unb bem g^ort- 
fa^, roeldjer baS S)a^ ber Slugenp^Ic bitbet. 
b Sinöd)erner SBoben ber 2lugenf)ü^le, com Obtt- 
!ieferInotf)en gebtibet. c ©tirnliaut. d, d' 2lugen= 
über, e Unifd)lag§falte ber S8inbel)aiit. i §ebe* 
mugfel be§ oberen 21ugenlibe§. s Oberer geraber 
2lugenmu§feL g' Unterer geraber 2Iugenmu§fel. 
h S)urd)fdE)nitt be§ unteren jdjvägen 5ilugenmu§t'el§. 



mäl)lid)e ©rfdjiaffung aller 
Organe be§ STugeS, roenn fotd)e 3lnfpannung ber 9Ku§feIn, ber ßinfe unb 
beg 2tugennero!§ bem Singe burct) y^ia^rbett §u lange gugemutet wirb, ober 
roenn biefe^ bei allgemeinem 33lutmanget ungenügenb ernäljrt ift. 

@§ entfielet bemnad) 'i)a§ 33ilb einei§ entfernten ©egenftanbeä in unferem 
Singe, ber ©e^aft felbft aber finbet im ©e^irn ftatt; benn erft, roenn mv$ 
ba§ S3ilb berou^t roirb, „feljen" roir. SOBir erblinben alfo üollftänbig, roenn 
ber ©e^nero cerfagt, tro^ rool)lgebilbetem, flarem 2luge, unb roir finb imftanbe, 
geroifferinafBen nur mit bem ©eljirn gu fefjen, unter Slu§fd)lu^ bei 2tuge§, 
roenn befonbere 9^iei§ung be§ (Scljirnä im ^neber ober bei ©eiftelfranl'^eiten 
ftattfiubet. ^an fprii^t banncon ©inneltäufd)ungen, ^allusinationen, SSifionen. 

^ig. 22 t)eranfd^aulid)t unB haB Sluge mit allen feinen Steilen. 



©inneSorgnnc. 



37 



®aä Dijx. SOlan unterfd)eibet ta§ äußere, ba§ mittlere iiub ba5 
innere D!)r. '3^ie Cljrmufdjel, bei üieten -Vieren ftärfet entroicfelt a{§ beim 
9)]en]'cl;en, ift eine 2(rt (Sdjaüfänger unb [teilt ben (Singang in ben äußeren 
©eljorgang bar, raeld)er sum 9)litteIoI)r fü^rt. '3)ie[cr äußere ©e^örgang 
ift nod) mit ber ^aut ber DI}rmui'cf)eI bcbettt, befi^t oiele '3)rü[en, roeld}e 
mitunter fo oiel D^renfc^mals ab[onbern, ba^ <£d)n)er^örigfeit oorübcrgef)enb 
entfielt, unb ift an feinem inneren (Snbe burcE) ba§ Sirommelfeü abgefc^Ioffen. 
33eim ^of)ren im DI)re mit fpiljigen ©egenftänben ift biefe§ in feiner 3:ätig' 
feit fo ^od)rcid)tige Organ feljr Ieid)t gu Gerieten. S3efauut(id) überträgt eä 
feine @d)raingungen, 

bie e§ oon (5)eräufcf)en — ^ 

ber bewegten Suft 
empfängt, auf bie 
DI)rfnüd)e(d)en, jene 
merfroürbigen ffeinen 
(Sebilbe, roeld)e fiel) 
in ber ^aufenfjöljle 
befinben. ^ebe 33er^ 
bid)tung ober 9]ar' 

benoergerrung be§ 
2rommeIfe(I§ bef)iu=' 
bert feine feine S^ätig» 
feit, ebenfo bie '^\u 
fammlung oon g-tüf^ 
ficfeit in ber Raufen» 
^öf)(e. ©iefogenannte 
Dt)rtrompete ift ein 
feiner Slanat, ber bie 
Raufen!) ötjte mit bem 
91afenra^enranm oer« 
binbet unb mit ber 
6(^(eimt)aut be§ .^a(- 

fe§ auSgefteibet ift. ©r bient ba^u, :?uft in bie ^^^aufenl)öl)le ein^utaffen. 
©rfranfungen be§ §alfe§ übertragen \\6) bafjer Ieid)t aucf) auf ba§ D^r. 

%aä innere Df)r ift in 6c!)äbelfnüd)en eingebettet unb befte!)t a\i§ 
^Bogengängen unb @d)nerfe, meldte eine ^(üifigfeit unb bie Guben bc§ ©e^ör» 
nero§ entt)alten. ^ie oom ^rrommclfell auf bie (5)c(}ürfnöd)c(d)en übertragenen 
8d)roingungen oerfe^en aud) bie Jtüffigfeit be§ inneren Oljrcä in 33eiüegung, 
unb biefe reist bie „.öör^ellen", bie Guben bea ^JlcroS. 

2tud) I)ier unterfdjeiben mir alfo juteitenbe unb fd)anempfinblid)e STeite, 
unb au6^ l)ier gibt eS nur bann ein ^oren, mcun ber ©eljöruero bem ©C' 
l^irne bie oon aufjen empfangenen $Kei,^e genau überliefert. ^Jeroenfdjmäctje 




%{q. 23. ^iirrf)frf)iiitt bc§ CI)rc3. 
1 S)urc^fcf)nitt be§ ©c^Iäfeubcin§. 2 lad) bc§ ^el[enbein§. 
3 ®riffelfort[al5. 4 Slaroti§ (gro^c 2(rtcrie). 5 Dririnufc^el. 
6 5tu^crer ©eljorgang. 7 Sroiumclfca. 8 2;rommeIf)öf)(c. 
9 S?nöd]erner Seil bev @u[tndii[d)cn di'6l)Vi. 10 C^u)"tad)ifd]e 
Diüljre. 11 SabijriiiKj. a (red)tö) 33or()of. bcd (redjtö) bie brei 

ajogengäiiQe. e (red)tö) Sdjncde. 



3S ©innegorgane. 



Dcrminbert felbfioerftänbUci) aucE) bie Slufnaljmefäfjigfeit h^§ ©e'Ejörnerol; 
S3[utarmut ober Slutäubrang gum 5?opf erjeugt 9lebengeräii[(i)e, roie (Saufen 
uub klingen; 35er[top[ung be^ äufieven ©eljörgangeS I)ebt felbftrebeub bie 
93httätigfeit be§ Srommelfelleg auf. 

@eru(i)§finn, ©efdjmactSftnn, 2:aflfinn. 2Bir atmen bur^ 
bie 9]afe fräftig ein, roenn rcir einen beftimmten ©eruc^ empfiuben 
raoHen. ®ie§ ift notroenbig, bamit bie luftförmigen Körper unferen 
@erucf)§nerD auc^ rcirflid) gu treffen oermögen. (Sef)r einfad) erfdjeint 
un§ iia§ @erud)§organ, nad)bem luir bie S^unftraerfe Stuge uub C^r 
nci^er fennen gelernt t)aben. SBir feljen nad) üorliegenber 21bbilbung 
nur ben ceräflelten Dlero mit feinen feinen (Snbäraeigen unb bie (Bd)Ieim* 
^aut ber 9}afen!)öf)Ie mit ben anberen ©cliirnneroen, raeldje bie ©mpfinbung 
oermitteln. 

^eine fc^raierigen 33orgänge finb notroenbig, um ba§ 9lied)en gu 
ermöglid)en, fein umftänblid)er STpparat mu^ erft in 33eiüegung gefegt 
rcerben, um ©eriid)e bem S^iedjuero susuleiten; bie DIafe ift ber ©erud)=» 
fänger, ber S^^ero ber Seiter, meldier feine eigentümtid^e ©mpfinbung bem 
©e^ime jutcitet. 

(Sd)ärfer aU ber @erud)§fmn geigt fid) ber ©efc^macfyfinn. (Sr I)at 
feinen ©i^ I)auptfä^(id) auf bem ^ungeurüifen, ber mit oielen fteinen, ner» 
fd)ieben geformten Sßärgdien befe^t ift, in raeldjen fid) Dleroencnben befinben. 
9lur gelöfte ©toffe erregen eine ©efd)mac!^empfinbung, unb biefe ift nad) ber 
SSefc^affenljeit berfelben gang Derfd)ieben; bitter, fü$, falgigfauer ufro.; bie 
3ungenn)ärgd)en muffen alfo bireft mit ben gu f^me(fenben ©toffen in 33e=» 
rütjrung fommen, fonft roirb feine @efd)ma(f§empfinbung ergeugt. Sßorauf 
t§ beruht, ba^ eine Subftang ben ©efdjmadenero ftärfer erregt al§ eine 
anbere, ift nidjt befannt; bie pl)i)ftfalifd)=d)emifd)en (Sigenfc^aften ber gelöften 
(Subftangen erflären nid)t ade befannten 25orgänge. 

®rn)ä{)nengn)ert ift, ba§ bei SHagenftörungen, ©eljirnfranftjeiten, ner» 
oöfen ^uftänben ein fogeuannter falfd)er ©efdjmacf ober aud) ©efdjmadl^' 
loftgfeit auftreten fann, obrooljl bie aufgenommenen ©peifen bie gerooljnte 
Sefd)affent)eit fjatten unb bie ^w^Ö^ n^^t ^^ji-'cn (5)efd)mad»nerDen gang 
gefunb ift. ^ier I)aben mir eg mit nod) ni^t aufgeflärten Störungen 
in ben 9^eroenba{)nen gu tun unb muffen uaü) tieferliegenben Sveran» 
laffungen forfd)en. 

©erabe in ber ^^rauenroelt finb bie (£mpfinbung§ftörungen fjäufig. ^ie 
^enntniä oon bem pl}i)fiotogifd)en 25organg be§ ©d)mecEeu§ mirb aud) gur 
ti^tigeren (Srfennung franf()after 33eränbcrungen führen. 

•^^er 2;aftfinn I)at feinen ©i^ in ber .^aut. ©ie ift ha§ Urfinne^^ 
organ, bie (SntftetjungSgrunblage für bie anberen ©inneSorgane unb in 
it)rem Sau fomptigierter a\§ ©efd)macf§= unb ©erudjsfinn, mie au§ ber QnU 
n)icfelung5gefd)ic^te be§ 9Jtenfd)en Ijcroürgcljt. 2:emperaturo %xnd' unb 



©e[d)Iec^t§or3nne. 



39 



(Sd)mer5empfinbungeu roerben cor allem burd) bie §aut ücrmittelt iinb 

jiuar bur^ bie 9Rerüeneubfolben unb bie 2:a[tförperd)cu, n)eld)e fic^ 

im äuj3erften 3eüentager ber .^aut befinben. ®ic 3^inger[pi^en unb 

bie Sippen I)aben 

bie feinfte (Smpfin= '. , l-h. 

bung; biete Dber= 

I)aut, burd) fd)roere 

Arbeit entftanben, 

raubt bie feine ©m» 

pftnbunggfäfjig» 
feit ber ^änbe; 
grauen mit ge= 
pflegten ^änben 
unb großer allge= 
meiner geinfüt)tig=> 
feit leiften auc^ 
burc^ ba§ (Smpfin» 

bungSoermögen 
i^rer ?3'inger meit 
mef)ral^berberber 
angelegte SJJann. 
6ie t)aben bal)er 
feine leidjte ^anb= 
arbeiten üon jet)er 
gepflegt. 

®urd) bie S5erü^rung eine§ ^örperä mit unferer ^aut roerben roir unl 
über feine SBärme, gorm, .^ärte unb Oberfläche ftar; roir erfennen atfo burd) 
bcn ^autfinn bie med^anifc^en @igenfd)aften eine§ 5^ürper§. 

ISO 




%\%. 24. ^ur^ft^nttt ber 9Jafc. inod) «ßntg. 

1 SluSbreitung be§ SHicdjanoS. 2 ©c^äbelfnochen. 

3, 10, 12, 13 u. 14 3'üeige üdu ^opfnertjen. 4 u. 5 5JiafctiIoc^ unb 

Sippe. 6 3a^n- 7 ©arter ©aitmcn. 8 @attnienäcipfd)en. 9 SßJeic^et 

©aumcn. 11 S^afenntufdieln. 



Die 6eTd>Uchtsor9ane des Leibes. 

53ei 58efpred)ung ber SJlu^feln fjoben roir at§ roici)tige innere muSfutöfe 
Organe ba§ .^er§ unb bie ©ebärmuttcr genannt unb Icljtcre nod) nid)t be» 
fdjrieben, rceit roir un§ biefe 5(ufgabe anläjslid) ber S3efprcd)ung ber ©efd)Ied)t§=» 
Organe oorbel)ielten. 

3Jlan unterfd)eibet beim 2Beibe innere unb äußere (5)cfd)lcd)t'5ürgane. 

^m ®egen[al3 jum 9}lanne, beffcn roid)tigfte Organe auf?erl)alb ber 
©ecfenl)ö^(e bcfeftigt finb, unb ber burd) feine gcfd)Ied)tlid)e 2'ätigfeit gteid)» 
fam nur 'litw 2fnfto^ gur eigcntlid)en ^^ortpflanjung gibt, liegen beim 5it>eibe 
bie j^ortpf(an§ung§organe in ber ^erfcn{}ü()Ic, unb c§ luirb allein buvd) bicfe 



40 © e f d) I e d) t § r g a n e. 



ha§ SBerben unb 2ßad)feu eine^ neuen 9}leu[d)en beraerfftelligt. %k 2Iufgabc 
ber gortp[(an5ung fällt bemnad) üorroiegenb ber grau ju, n)eld)e barum auc^ 
bie ,3lutter be§ 9JJeu[^enge[d3(ect)t§" genannt ratrb. 

^te äufseren (S)cfd)led)t§organe befteljen nur au§ ben bebedften Öffnungen 
für bie ^arnrötjre unb bie (Sct)eibe (ben beginnenben „©enitaIfcE)laud)"), Keinen 
©rufen unb ©c^roelltorpern unb ber „S^(itori§" jur Erregung ber @efd)Ie^t§= 
empfinbungen. ®ie meljr ober minber fettreichen .^autfatten ju beiben (Seiten 
ber genannten Öffnungen, foroie bie fleinercn fettarmen ^autfalten, meld)e bie 
Eingänge unmittelbar bebecfen unb roeld)e „gro^e unb !(eine (£d)amltppen" 
genannt roerben, ftnb me'^r (3cE)u^organe, befonbere gunftionen l)aben fie nid)t. 

(So fel)r biefe meiblic^en %dh oon ben männti(3)en abjuraeicfien fd)einen, 
fo I)aben fie bennod) biefelben ©runblagen, au§ iüeld)en fie fid) entmicfetten, unb 
befteljen aud) nur au§ ©ebilben, bie beim SO^anne gteid)faü§ gu finben finb, 
menn aud) mel)r ober weniger entwirfelt unb infotgebeffen teilroeife anber§ 
gelagert. So ^at bie männtid)e ^arnröfjre, bie gleidjjeitig 3Iu§fül)rung§fanaI 
für ben Samen ift, i!)r roeibU^eS 2tnatogon in ber ^Iitori§, meldje bei ein^ 
seinen grauen fo rergrö^ert ift, baf3 fie bem männlichen ©liebe ä^nlid) roirb; 
bie großen Sd)amlippen finb beim 9Jlanne jum .^obenfad geworben, in roelc^em 
er feine 5!eimbrüfen, bie ^oben, trägt, mäl)renb bie grau bie ©ierftötfe, ha§ 
finb bie meibli^en S^eimbrüfen, im 58edten oerraatjrt, unb groar red)t§ unb 
ünU oon ber ©ebärmutter. 

'3)ie gleid)e Einlage ber ©efd)Ied)ter gel)t au§ nebenftetjenber 3eid)nung 
f)eroor, unb bei S3etrad)tung ber einzelnen Seile erfennen mir aud) bie 'ä^W' 
Iid)feit ber männlid)en unb roeiblid)en ©efdjledjt^teile. 

®ie „Spit3e be§ ©enitall)örf'er§" rairb ^um ^enig bei weiterer ®nt=> 
roitfelung, unb bei (Stillftanb pr Klitoris ; ber ©enitatrautft wirb entioeber 
äum .«öobenfad ober §u ben großen ©d)amlippen; bie ©enitairtnne wirb 
jur 9^af)t beim ^JJfanne unb gur Sd)amf palte beim SBeibe, weld)e bie 
genannten Öffnungen entljält; ha§ ^aubalenbe (Sd)wanäenbe) bilbet fic^ 
gurüc! unb lä^t allmäljlid) bie ©armöffnung erfennen, wobei bie ©amm» 
region fid) fd)on beutlid) abljebt. ßetjtere ift beim SJlanne gröfser al§ beim 
Sföeibe, weil feine ©enitalöffnung erft am ^eni^enbe fid) befinbet unb nid^t 
innerljalb ber „'^flaljt" wie beim Söelbe. ®ie Sänge unb geftigfeit be§ ®amme§, 
aud) „SJlittelfleifd)" genannt, weil gwifc^en 2lfter unb (Sd)eibe al§ 3iüif(i)en= 
wanb eingefd)oben, fpielt beim @eburt§oorgang eine bebeutenbe Stolle; im 
II. 2;eite be§ S8u(^e§ fommen wir noc^ barauf surüd. 

Unfere brei ß^ic^^ui^Ö^n führen un§ ba§ I)intere ^örperenbe einer SeibeS» 
frud)t im 2(lter oon §wei bi§ oier SJJonaten oor unb oerbeutlid)en un§ biefe 
intereffauten SSorgönge. 

%a§ oülle 33erftänbni§ für bte genitalen 3Serl)ältniffe fann fic^ erft auf 
®runb ber 9Serg(eid)ung beiber (5)efd)Ied)ter entwicfetn; bie felbftänbige ^e» 
l^anblung eine§ ©ei'd)led)tc§ ift baljer eine Solreijsung oom ©anjen, mQ{6)& 



© c f d) I e dl t § r g a n e. 



41 



entn)i(ilimg§gefd)icl)t(i^ unniögtid) ift unb notroenbig 311 fal[d)eii S^lüffen füi)ven 
mu^. ©te trägt bei sur SSertiefung ber geiftigen 5l(iift, bie teiber 5roi]d)en 
beu (55ei"d)tec!)tern befteljt unb ju 2?ür[teüungen über eine pl)gfio(ogiid)e 
9Jlinbertüertigfeit be§ 2öeibe§ füt)rt, bie fid) jeboc^ mit beu tati'äd)lid)eu 93er» 
l^ättiüfjeu gar nicf)t becft. 

Unfer anatoniifd)=pI)t)fioIogifd)e§ Kapitel über bie roeibtic^en ©efdjledjtg» 
Organe t)at bie 2Iufgabe, au[fläreub in biefer ^infid^t p roirfen. 

^ie äußeren ©enitalien be§ 2Beibe§, bie fogenannte (Scl)am, t>on 
S^eroen au§ bem Siücfeumarf oerforgt, ift ber ©i^ ber (Se[d)ted)t5cmpfinbung. 
^er bebeutenbfte S^ero ift berjenige, roeld)er jur 5^litori§ füfjrt unb beim 9}lauue 
auafog, nur mit bem Unterfd)iebe, bafs er ber (äugereu §aruröf)re angepaßt, au(^ 





_3 



g^ig. 25. ^Intcrcy ß3rpcrenbc einer SelBcäfntt^t. 

a ^voti Wlonate alte 2eibe§frud)t: 1 ?JabeIftrang. 2 ®cnitatf)öcfer, roirb jur ß[itori§ 
beim SBeibe, gur ^cnisfpi^e beim SJianne. 3 @enitatimil[t, an§ roetd)em ftd) bie 
grojjeu @d)amlippen ober ber ©obenfacf entroicfeln. 4 ©enitafrinne, yd)tie^t fid) beim 
9Jianne jur „9iaF)t", entf)ält beim SBcibe bie Öffnungen ber önrnröbrc unb ber 
(id)eibe. 5 (gdiromi^enbe be§ ClumpfeS, bilbet fid) bei junefimenbein SOSad)§tum immer 
mef)r jnvücf. 6 ©d)enfel. 

b ®rei SJ^ouate alt: 7 bie S)annöffnung i)at fid) gebitbet, ha§ ©d)rcanäenbe ocrüert 
feine 9Ruubung. Sßetblid)er Zv)Tpn§, ^litorii bilbet fid) jurücf. 

c S?ier SRonatc alt: ^er männli(^e %x)pü§ f)at ftc^ au§gebilbet. 8 bie „9^af)t" an 
Stelle ber Spalte ift beutlid) fid)tbar. 

länger ift. (Sin jraeiter 9f?ü(fenmarf§uero oertäuft beim ?J?aune mit bem (Samen=> 
flrang in beu ßobenfac! unb enbet beim SBeibe in ben grofsen (Sd)amtippen. 

"tiefer ^wf^ii^w^Ji^jai^S ^^r äuf^eren ©enitatien mit bem 9?ücfenmarf 
unb bur^ biefe§ mit bem (Sef)irn erftärt unS ba§ geiftige „5Iugcgriffenfcin" 
nad) ferueden Stnftrengungen ober bie (Srregbarfeit ber ©cnitatien auf gciftigem 
Sißege, atfo burc^ SSorftetlungen unb ©ebanfen. Sei oielen ^^rauen fel)lt 
biefe Grregbarfeit überl)aupt, e§ liegt bann eutroeber eine Störung in ben 
neroöfen ^al)nen, mat)rfd)einlic^ aber öfter im 33ciuuf5tfeingürganc, bem 
(Sef)irn, oor. Si(bung§fel)(er in ben ©enitalien fmb nur äufscrft feiten bie 
Urfadjen feyueüer (Smpfinbung^Iüfigfeit. 

Sföir gelangen nun an bie 53efpred)ung ber inneren 0)cnita(icn. 

©ie beftefjen an§ ben (Sierftöcfen, ben (Sileitern, bem iyrud)tl}a(ter (ober 
ber Gebärmutter) unb ber (2d)eibe. 2)ie ©ierftödte, bie mciblid)en i^cim^» 
brüfen, finb bo^nenförmige fleiuc 5vörper, auf bereu Dberf(äd)c bie (Si^cücu 



42 



®efd^led)t§orgartc. 



reifen unb fid) at)[öfen, um burc^ ben feinen ^onal ber ©iteiter nad) ber 
.^öljle bei' (Gebärmutter gu gelangen, roo fte fid) entraeber auftöfen unb oer» 
fd)roinben ober nad) eingetretener ^efrud)tung an ber Sföanb ber le^teren aw 
l)eften unb ein neue§ 2öad)§tum beginnen. ®ie ©ileiter I)aben gefranfte 
Guben, n)eld)e frei beroeglid) finb unb bie (Sierflötfe umgreifen, rcie e§ unfere 
3ei^nung I)ier oeranfd)auIid)t. ®urd) bie ^eidjnung ber Iin!en ©eite rairb 
e§ oerftänb(id), auf roetd)e Sßeife bie (SiseKen in ben (Siteiter gelangen. 

®ie (2d)eibe ift auf unferem ^ilbe aufgefc^nitten, um ben .^ateteit mit 
bem SJiuttermunb fid)tbar äu mad)en. ^er Uterul ober grud)tf)alter !^at 
Dimförmige ©eftalt, ift ein fefter muifutöfer Körper, in beffen obere§ ®nbe 
bie (Siteiter münben, unb oon beffen unterem @nbe bie "häutige ©^eibe, al^ 
eine 2Irt ^^ortfe^ung ber ©ebärmutter, abgefjt. 




1 g^ronfen ber ^xiiz. 

2 ©ierftocf. 

3 SlJiünbung ber %ulie. 

4 (Sebärnuttter(uterus) 

5 aubenrofir (©iteiter). 

6 93reite§ 2JhttterbQnb. 

7 SRuttermunb. 

8 @d)eibentetl be§ 
Uteni§ (Portio). 



9 2lu[gefd)nittcnc§ 
©c()eibenrof)r 
(Vagina). 

10 9ied)te§ breite? 
SJJutterbanb. 

11 9iunbe§ SD^utterbonb. 

12 9?ad) QufiüärtS ge; 
rid)tete§ Subenenbe. 



g-ig. 26. ^uncrc ©cfi^Icd^tSorganc bc§ aSßci6c§. ^ad) Sijnta. 



®er SJiuttermunb, Eingang in bie (^Gebärmutter, ift ein runb liefet 
©rübd)en bei ^nbioibuen, bie nod) nid)t geboren Ijaben, unb eine Duerfpalte 
bei grauen, raeld)e einem ^inbe bereite ba§ 2zUn gegeben f)oben. 

®ie ©d)eibe ift fel)r bel)nbar unb reid)Iid) mit g^alten bebedft. 

2)er auf unferer 2(bbi(bung unterljalb ber (Sileiter fid)tbare ©trang ift 
ba§ runbe ajiutterbanb, unb bie ausgebreitete .^aut ba§ oom $8aud)feII» 
Überzug gebirbete breite 9}^utterbanb. ©ie geben bem Uteru§ bei aller 
53eroeglid)teit einen geroiffen ^alt unb finb oft ber ©i^ oon empfinblid)en 
93orgängen. ®ie (Sierftöcfe Ijängen füinol)! mit ber ©eitenroanb be§ UteruS 
al§ aud) mit einer ^^ranfe ber 2:ube §ufammen. 

5)er lltcrug mit feinen Stnljängen liegt frei bemeglid) in ber fleinen 
53ecfenl)öl)(e, atfo oon fnödiernen SBänben umgeben, er liegt 5n)ifd)en ^lafe 



® e f d) I e d) t § r g n n e. 



43 



unb ^icfbarm unb ift in normalem ^iiftanbe dma§ nad) norne geneigt. ^^ 
nad) bem gütlungggvab ber cor bem Uteruy liegenben S3(afe ober ber Lagerung 
unb bem ^nljalt ber (Singeraeibeid)Iingen oeräubert fid) feine Sage Dorüberget)enb. 
(5r ift mit einem bid)ten 9'le^ oon 33Iutgefäf3en burdjjogen, bat)er bei ftarfem 
53Iutanbrang feljr oft mit Slut überfüüt. 33on Stauungen in ber 33ectenf)öl)(e 
lüirb er bei bereu längerer ^auer aud) mitbetroffen, ebenfo finb bie 'D^eroen» 
ne^e in feiner Umgebung oon ©influ^ auf il)n unb feine 3Rac^barorgane. 

®ie nad)foIgenbe 2Ibbilbung (^ig. 27) §eigt un§ ba§ D^ebencinanber 
ber Serfenorgane am beften unb oor allem bie normale Sage ber gefunben 
©ebärmutter. 

2tuf bie (Sntftel)ung 
ber inneren Organe über» 
ge^enb, l)aben mir cor 
allem su begrünben, baj3 
^oben unb GierftöcEe bie 
gleidje @ntftel)ung Ijaben 
unb il)rer ^ebeutung 
raegen S^eimb rufen ge» 
nannt merben, roeil fie 
bie „Heime" gu neuem 
Seben liefern, bie ®i' 
unb bie ©amenjellen. 
33eim SBeibe bleiben bie 
Heimbriifen im SSed'en, 
etroa bort, mo fie ur= 
fprünglid) entftanben 
roaren, beim SJRanne aber 
finfen fie tiefer unb tre= 
ten fogar nad) au^en, 
roo fie üon einem Ijäu* 
tigen ©ac£, bem ^oben= 
fadt, aufgenommen raer= 
ben. ©er (Samenleiter 
fü^rt aber ing S3edten 
jurücE. 

2lu§ ben „©äugen", bie neben ber „Urnicre" im ^nbiffereuäsuftanb 
ber inneren ©enitalien, b. l). üor 2lu§bilbung eine§ @efci)led)t§d)ara!ter§, 
fic^ oorfinben unb bie ber Sföolfffd)c unb DJh'illerf d)e benannt muvbcn, 
lüirb au§ bem 9}]üllerfcl)en beim 2Beibe ber (Sileiter, beim älknne au^S 
bem 2ßolfffd)en ber (Samenleiter, unb bie Stelle iljrer 2>ercinigung n)äd)ft 
beim Sßeibe §um Uterul au§, rcäl)renb ber 2Kann ein fleine§ ©cbilbe an 
bcrfelben (Stelle bemat)rt, roeldjeS man ben „männlid)en Uterus" getauft l]at 




g-ig. 27. gagittalftliuitt burd) ba§ SSecfen einer gefrorenen 
meiblic^cn fieidjc. 1 Slreusbein. 2 ©tei^bein. 3 ©d)am= 
beiufuge. 4 Sumerer ©d)lie^mu§!el beä 2lfter§. 5 ©egenb 
einer aJlugfeloerftärfnng, TOe(d)e britter ©d)Ue^mu§fel gc^ 
nannt loirb. 6 Übergang be§ röniifdjen S in ben Tla\t- 
haxm. 7 2tfter. 8 ®ebärmnttergrnnb. 9 ®cbärmnttcrl)al§. 
10 Wintere 9Jiutternmnb§lippe. 11 ^Borbcre 9ihitternutnb§= 
lippe. 12 ©d)eibe. 13 Sdjcibeneingang. 14 Sileine ©diam= 
tippe. 15 ©ro^e ©djamlippe. 16 Sli^Ier. 17 ^-^arnblafe. 
18 .^arnröl)re. 



44 



© e f d) I e cf) t § r g a n e. 



(utriculus masculinus). ^n feltenen g^äden ift au(J) beim 9}lanne ein rair!= 
lieber Uteruä gefunbeu roorben. 

^n I ber nodjfolgenben 3ßi(^nung erfennen wir beu ;3i^bifferen§5iiftanb, 
rcie er bei jebem menfd)tid)en (Smbri)o (ßeibe^fruc^t üon graei 9)lonaten) 311 

fiuben ift. ^m brüten 

II aJIämilic^er Slqpu§ 



I ignbiffercnter 3ii[tatt^/ 
Qe[c^Ied)t§Io§. 



SJIonat, rcenn biefer 
menf(^Iic^e ©eftalt an= 
äunef)men pflegt unb bann 
3^ütn§ genannt rairb, 
entroicfelt ftd) langfam 
ber @efd)(ecf)t§ti)pu§, unb 
mir finben a(Imäf)Iici) bie 
formen oon II nnb III 
unferer 3ßirf)^itng. 93ei 
II, bem männlid)en Xr)' 
pu§, fel)en roir bie 95er= 
I)ältniffe int Werfen cor 
bem ^erabfteigen be§ 
^obenä unb nad) 2Ser= 
fümmerung beä unnötig 
geroorbenen 9}^üllerfcf)en 
(inneren) (SangeS, bei III 
bagegen, bem n)eibli(ä)en 
2;t)pu§, ben 9}lü((erfcl)en 
@ang erftarft unb ben 
SK?ü(fffd)en (äußeren) oer= 
flimmert. 

2öir ^aben alfo and) 
bei 't)Qn inneren @e- 
fc^Ied)t§organen gleiche 
Stnlagen unb fetbft bei 
rceiterer ©ntmidlung 
nod) ä^nlid)e ©ebilbe bei 
beiben (5)efd)(ed)tern. 

^infid)tlid)ber?5^unf= 
tion ber 6)efd)(ec{)t^or= 
gone ift nod) p fagen, 
baf5 fie für ben raeiblidjen Drgani§mu§ eingreifenber ift al§ für ben männUdjen. 
2öät)renb beim 9)lanne ber 2lbgang ber ©amenjenen on feine beftimmte ^eit 
gebunben, mof)! aber feinem Sßillen unterworfen ift, Ijat bie ^^rau im gefd)Icd)tä- 
reifen 9t(ter an beftimmte ^eitabfcljnitte gebunbenen, unmiafürlidjen 2(bgang 
itjrer ^leim^eüen, ber fogenannten gier, unb I)at aujjcrbcm bie StuSrcifnng 




5ig. 28. (gntttJtcfritug ber inneren (i}et(()leö)t§orgonc. 

5Qer0rö§ert nad) Qanboiä. 



1 5IRüIIerf(i)er ©artg. 

2 aEsoIfifdp ©aitg. 

3 Seimörüfen (^oben 
ober ovarium). 

4 ®enitQlfd}laud). 

5 97eben^oben. 

6 ©ebärmntter. 



7 g^ranfen be§ ©iletterS 
mit eUeiter (Sube). 

8 SSerfünimeruber 25]oIff* 
fd)er ©ang. 

9 (£d)cibe. 

10 ©ierftorf, ovarium. 



© e f d) t e dl t § r g a n e. 45 



be§ befrud)teten Gie§ tu iljrcm £eibe ju üoll5ieI)en, enblic^ bie 5um ^nbioibuum 
aulgereifte Seibesfruc^t an ba§ Sid)t be» S;age» §u beförbern. ®er erfte ^^or^ 
gang rairb 9}]enftruation genannt, ooni (ateinifd) menses (^Jicnat) ah' 
geleitet, aud) ^eriobe unb Sf^egel. 2Tiit ber Ölblöfung beä reifen (Sieg üom 
Gierftocf, roetcfje alle üier ^^od)en jtattfiubet, gel)t eine Blutung au§ bcr 
Gebärmutter einljer. S)ie Urjadje berfelben ift noc^ nidjt gan^ f largefteüt ; 
bie I)eutige gorm berfelben bei ben europäifcl)en grauen l)at au^ fo utel 
5^ran!^ofte5 an fid), baJ3 man mit (2id)erl)eit bie 2Irt, roie fte ün§ gegenroärtig 
entgegentritt, nid)t all eine 3^(aturnotiüenbigt'eit betrad)ten barf. äßal feyueüe 
Überanftrengung bei Seibc», Unterbrücfung, ^nfeftionlfranf Reiten (an» 
ftectenbe), männlid)e 9^ol)eit ufio. babei für Ginflu^ l)aben, läpt fid) nur 
oermuten. (äigentünilid) bkiht ^§ immer, ba^ oiele l)od)entroirfelte Säugetiere 
feine monatlid)e Blutung l)aben unb bo^ auc^ ein regelmäßiger 2lbgang von 
SijeHen bei tl)nen ftattfinbet. • 2lu^ fennt man ?^älle, in weld:}^n ftillenbc 
fyrauen, bei benen bie 33lutung ausblieb, ober junge SRäbd)en, bei iDeld)en fie 
überl)aupt no(^ nid)t eingetreten mar, in fd)roangeren 3iiftcinb l'amen, momit 
beroiefen ift, baß ber Stbgang ber ©iäellen ol)ne SD^onatlblutung rool)t mögtid) ift. 

Wlan t)at jur (Sr!lärung ber 3)lenftruation bie Xi)^oxk ber „üJ^onatä= 
roelle" aufgeftellt unb cerfteljt barunter eine 33efd)leunigung unb SSerlangs 
famung bei (Stoffroed)fell, rce(d)e fic^ alle üier 2Bod)eu mieberl)olt unb groat 
fo, bafs nad) ber 33efd)leunigung bie Blutung eintritt all 3^olge ber D^eifung 
unb ^blöfung bei (Siel, bie fteti mit oermeljrtem 33lut3ufluf5 unb einem ge» 
rciffen ^^xxl^nx^^ oerbunben ift. ©id)er aber rcirb man nid)t bei allen ^'i'Qucn 
fotc^el 5(n= unb Slbfc^roellen bei (Stoff«)ed)fell beobad^ten fi3nnen, unb felbft 
roenn biel ber ^all märe, f)aben roir bod) feine tiefere Urfad)e bafür anjU' 
geben, um fo meniger, all beim männlid)en ©efd)led)t feine analoge ©r» 
fd)einung p beobai^ten ift. 2Bid)tiger bürfte el fein, btefe SJ^onatlrcelle 
namentlich bei reijbaren grauen ju fudjen, beren ganger Drganilmul aUjufeljr 
an ber ^robut'tion ber (Sijellen teilnimmt unb ba^er (Srfd)cinungen barbietet, 
bie mir bei robuften unb neroenruljigen f^^rauen oergebenl fud)en. 

DM^erel über bie (£igentümlid)feiten einer normalen ober franfl)aften 
^eriobe ift im britten 2;eil unf erel 33ud)el ju finben (unter SO^enftruation, franf (jaftc). 

^er jroeite 33organg, bal 9Bad)ltum bei befrud)teten Giel im ^.''hittera 
leibe betreffenb, l^eißt bie (2d)raangcrfd)aft unb finbet im jrceiten 2:cile 
nä'^ere Sefpred)ung, ebenfo ber britte 93organg, bie ©eburt, bie Slul:- 
ftoßung ber gereiften Seibelfvud)t, bie „(Sntbinbung". — 

DU weibliche BruttdrüTe. 

S3eiben ©cfd)le(^tern fuib fqmmctrifd)e 2SerbicEungen mit Sruftmarjen 
an ber feitlid)en ©egenb ber S3ruftroanb eigentümlid), bie fogenannten 58 rufte, 
©ie entljalten ein brüfigel ©emebe, bal fid) beim SOöeibe ftärfer entmidclt 



46 



©e[d)Ie(^t§organe. 



unb im SSinbegeroebe aud) bebeutenbe ^-ettanfammtung ^at. ®ie 33ruflbrü[e 
erjeugt na6) ber 2tu§fto^ung ber gereiften SeibeSfru^t, ber ©eburt, eine 
^(üffigfeit, roeteJje ber ©rnäljrung be§ ©äugting§ bient. Q§ beftef)t bemnacf) 
aud) nad) ber tati'äd)lic^en förperlid)en 2;rennung oon STiutter unb i^inb noc^ 
ein inniger 3«fQ"i^^tß"V"9 swi|d)en beiben, roeld)er fo lange befte'^t, biä 

haä ^inb anbere 9^al)rung empfangen 
fann. ®ie ^lüfftgfeit ift ber STier^ 
mild) fel)r äf)nlid), aber reicher 
an 9JliId)5UcEer unb ärmer an ^ett. 
©ie rairb burd) |]ug unb ®rucf ent» 
leert, fliegt bei großer ÜberfüHung 
ober ©d)n)äd)e ber ©eroebe aud) oon 
felber au§ unb fann burd) bie ©r^ 
nä^rung ber SJJutter oermel^rt ober 
oerminbert m erben, ba fie ftd) auä 
i^rem ^lute bilbet. 

Sie ^eüen ber 9}lild)brüfe 
liefern ^ettröpfd)en , ©iroei^ unb 
9)]ild)5ucter, bod) aud) nur, raenn 
fie felbft genügenb ernährt werben; 
HBaffer, ©atje fomie äufäUige ^e* 
ftanbteile im 33lute ber Tlntkx fomi^- 
men bireft au§ biefem in bie SJ^ild). 
®ic @mät)rung ber SJtutter rairb 
bal)er aud) für ba^ ^inb oon großer 
93ebeutung. (Sine gut jufammeu' 
gefegte 9Jiild), raie fie jebe gefunbe 
^rau erzeugt, ent^ölt alle §um 9luf=' 
bau be§ !inblid)en 5?örper§ notroen^ 
bigen ©toffe unb fann bal)er etwa 
neun SRonate lang bie au§i'd)lie^=' 
lid)e 9^al)rung be§ 5?inbe§ bleiben. 
2lu§ ben S3lafen ber ®rüfe fammelt ftd) bie SRil^ in ben STtildjgängen, 
n)eld)e, an ^o^l 15—22, fämtlid) in ber 9flid)tung pr 2öar§e oerlaufen, roo 
fie burd) feine Öffnungen nad) au^enmünben. llnfere 3cid)nung, ^^ig. 29, oer^ 
anfd)auli(^t ba§ Srüfengeroebc, bie fleinen un'^ großen 9)lild)gänge unb iljren 
9(u§tritt in bie Sarge, ©eniicienbe ©röjse unb Serb^eit berfelben finb für 
ilinb unb 3Jiutter oon großer 2öid)tigfeit. 




S-ig. 29. 
2;etlfd)uüt bur^ bie wctBIttfic SSruft. 

Snad) König. 

1 ^auptmilAsänge. 2 SBruftoarge mit 

SD^ünbimgen Der 9JtiIc^gänge. 3 öaupt- 

mild^gang. 4 ©aut mit ^Jettgercebe. 

5 S)rüfengeroe5e. 6 Süßere §aut. 





Zweites Kapilel. 



Unsere Ernährung. 



I^unger und Durlt. 




„3)er OTenfcf) lebt ntcf)t oon 
bem, TOa§ er tgt, fonbcrn Don 
tem, roa§ er nerbaut." 

a§ aScrtangen nac^ STufna^ime üon Dlatirung ift junger, ba§ 
33erlangen nad) 3IufnaI)me oon glüffigfeit ift %nx\t. ®er 
®ntfte!)ung§ort beiber ©mpfinbungen liegt im SJiagen, noc^ 
mel}r aber in ben ©eraeben unb im @el)irn. 2Öenn ber 9J?agen 
teer ift, raenn bie ©eraebe an Dläfjrflüffigfeiten oerarmt finb, 
fo fünbigen biefe bem ©ef)im biefen ^iifi^nb an unb eS entftef)t junger* unb 
®urftgefü!)I. ®ie ^nnenroanb be§ 9Jlagen§ entljält feine ©mpfinbung§neroen unb 
@inrid)tungen, um glüffigfeiten auf,^ufougen. ^ei ©rfranfungen ber (5d)leim= 
^aut be§ 90lagen§ ober bei ©rt'ranfungen im 9^eroenfi)ftem roirb forool)! bie 
Zuleitung gum ©el)irn, atfo bie Stnjeige be§ 9^at)rung6mange{ä ober Über= 
fc^uffeä, ai§ and:) bie ©mpfinbung, haB 33erou|traerben biefe§ 3»ftanbe§ 
gcftört ober aufgetioben. ^a^er franfljafter ^eijifjunger ofjne ©emcba^unger, 
ol^ne SJiagenleere; ©peijeefet unb SIppetittofigfeit trolj leerem 9}kgen ufro. 
SGBie mir fcf)on au§ ben t)or{)ergef)enben 2Irttfe(n roiffcn, roerben bie auf* 
gelöften 9^al)rung§ftoffe burd) haS ^hit unb bie 2i)mp()e alkn Steilen be-o 
^örperä unb feinen ©eroeben pgefüfjrt ; oerminbert fid) bie ^iif"^^ ober it)r 
©et)alt an benjenigen (Stoffen, bie gu il)rem 3(ufbau unb ju if)rer ^eben^tätigfcit 
notroenbig finb, fo roirb ein ^Reroenreig baburcf) au§getöft, ber aleibalb im 
©e^im ba§ junger» unb ®urftgefü^( erzeugt, ^ei normalen ^nbioibuen mit 
ungeftörtem ©toffroed)fet unb träftigen ?5^unt'tionen roirb fiel) babcr ber ©r= 
nät)rung§5uftanb ber ©erocbe mit ben 23orgängen im 9Jtagen ftet5 bccEen, 
b. ^. fo, baf3 fie nur bann junger unb ®urft fjaben roerben, roenn if)r 
Drganiämu^ roirftic'^ neuer 3itf"t)i^ bcbarf. ©amit ift juglcid) gefngt, roa-o 
e§ gu bebeuten I)at, roenn fd)roäd)Iic!)e, törperlid) nicl)t arbcitcnbe 9.")ceufd)en 
fünfs bil fed)§mal im ^ag 9^al)rung unb SCrauE fid) äufüljren, unb raay 
f^lie^ti^ bie 3^o(ge fein mu{3, wmn bicfe ^ufuljr niemals im rcdjten S3er=' 
^ättni§ jur oorl^anbenen 93erbauung§fraft unb jur geübten SRu^feltiltigfeit 



48 Grnä^rung. 

ftel)t. ®in .^eer üon fteinen unt) großen ^ran!f)eiten! '3)a^er a\i6) ber oft 
nur füuft(icE) erregte fron5Öfifcf)e „Sfppetit", wo gefunber junger fetjlt, unb 
Der ©laube ber oeriueidjUc^ten ^ulturmenfdjen an bie ^Rotraenbtgfeit ber er» 
regenben ©eraürje unb SReiämittel, o^ne n)eld)e ber 2Ippetit nicE)t einmal me!^r 
guftanbe fonimt. ®ie 3^rauen I)aben an biefer Sf^ic^tung be§ ©e]d)mac!§ otel 
fd)ulb, "Oa [ie, um flüd)ttge§ ^öe^agen gu erjeugen, gu gerne bem ©aumen 
fd)mei^eln unb bie ©d)roäd)en ber öf)rigen mit (Sorgfalt pflegen, ftatt eine 
beffere 9TJagenl)i)giene einsufüljren. ©ie urteilen, oI)ne ben menf djüdjen Or« 
gani§mu§ ju fennen, of)ne ^enntui» ber 9cal)rung§mittetd)emie gu Ijaben, o!^ne 
§u aljnen, roie ^ranf'f^eiten entftef)en. Unfer ^apitet foll i{)nen bie Tlitkl 
geben, mit anberen ^enntniffen in 5?üd)e unb .^auS §u roirtfdjaften! 

33elel)renb ift bie @efd)i(i)te eine§ etraa §el)n SJ^onate alten ^inbe§, beffen 
Pflegerin unb Saute, oon bem ©efpenft ber Unterernäljrung oerfotgt, — 
man oerfteljt barunter im ©egenja^ gur Überernährung einen 3"ftan^ 
mangelt) after (£rnäl)rung, mit (Srfd) einungen eine§ geioiffen 93erfaII§ t)er= 
bunben — baSfelbe folgenb ermaßen nät)rte: SOlild), fouiel e§ nur fci)Iu(fen 
moUte, tägtid) brei ®ier, ^(eifci)brü{)e, i^raft§roieba(J. 

SBie fal) ba§ ^inb bei fold)er ?lal}rung au§? (£§ erinnerte tatfä(^tic^ 
an ein gemäflete^ ^erfel(i)en! ©ie ©liebma^en, ber ^opf quollen glei^fam 
au§ ben gettmaffen Ijeroor, ba§ ^inb, gro^ unb fd)roer, lag allein unb ftill* 
oergnügt I)albe Sage lang in feinem Settd)en, üon Saufen nod) feine ©pur 
(aufgeI)oben burfte e§ ni^t rcerben!); bie ^aut geigte ga^Ireidje oerf'ra^te 
©teilen unb rote ^-ledfen, meiere oon einem jucfenben 2lu§fd)lag I)errüt)rten, 
ber aber feine Pflegerin !eine^roeg§ bebenl'ticE) mad)te. ?Iu^ ba§ bidfe @e» 
fict)td)en mar ooll oon ^-lecEen. Slber ha^ f^abete nid)t§. ®a§ 5^inb raurbe 
at§ 9Jlufter oon „Straft" unb gelungenem 2Bad)§tum gegeigt, unb man mar 
iiberjeugt, ha]^ 9JliId), (Sier unb 3^Ieif(|brü{)e bei rid^tiger 2{nroenbung SBunber 
tun. ®a^ gettfud)t ^ranf^eit, fo rcenig ^eroegung§trieb bei einem geljn 
9)lonate alten ^inbe, haS fonft kräftig ift, fein gute§ ^^^cf)^« wor, ber STuS- 
fd)Iag ferner mit abnormen SSorgängen im ®arm gufammenljängen mujste unb 
nid)t eine Su^erung ber großartigen „©efunb^eit" be§ ^inbe§ mar: bieg §u 
erfennen mar bie Sante rceit entfernt. 9^o(^ fei bemerft, M^ bie SRutter be§ 
^inbe§ lungenfranf mar unb bie gettfucl)t be§ ^inbe§ mof)l aud) auf ©ererbte 
franfl)afte SIntagen gurücfgufüliren fein modjte. Um fo mel)r I)ätle e§ eine 
gang anbere ®iät unb ©elegenl)eit gu reic^lid)er 33eroegung Ijaben muffen, 
(©ie^e: ^meiter Seil, ta§ „S^inb".) 

©in groeiteg 53eifpiet! (Sine blutarme, neroenfdjroadje f^rau, ftet§ nur 
mit i'^ren 3^iftänben unb t^ren ^ebürfniffen bef^äftigt, immer leibenb, aber 
oon ber aöicl)tigl'eit iljrer SJlaßna^men burcl)brungen, tranf morgens nüct)tern 
ein rot)e§, in 3ii<*c^"'öff^^ gequirltes ®i, fpäter hid eingefodjten 5?afao mit 
S3utterfemmeln, oormittagS rol)en ©d)in!en, bann ein SJlittageffen mit ^yleifdj^ 
brüf)e, 93raten, ©emüfe, Kompott, naci)mittag§ Kaffee mit Sutterfemmeln, 



G V nä I) V u luv 49 

abeubiS raieber ^yfeijd) unb 33rot, .^äfe ober ^ifct). 3f)r ?Jlagen roar fcfjiuad) 
coit jcf)er; bem ®arm mufste mittc([t 9if)abarbi'r ober 5lli)ftieren oft nacl^= 
geliolfeu roerbcu, raeil er, immer überfüllt unb infolge ber Blutarmut m\= 
geuügenb burd)bhttet, 311 träge mar, um feine Strbeit regelmäßig leiflen §u 
fönnen; ber on unb für fic^ menig miberftanb^5fäl]ige Crganisniuä oerbraucI)te 
ben grüßten -icit feiner i^räfte, um bie aufgenommenen 'Olaljrung^mengeu 5U 
beroättigen, unb bie übermäßig eiroeißreidje 5loft Ijatte für liieren unb DIeroen 
nod) befonbcre folgen, ^abci I)atte biefe ^-rau niemals natür(id)en .junger. 
2(u^o '^rinjip unb „jur .Kräftigung" goß fie morgend ba§ ©i {)inunter unb 
ließ ben 5^afao folgen, unb „'^Hppetit" ^atte fie meift boc^ nur auf pifante 
33vaten. "Senn ber gequälte 9}kgen if)r einmal oerfagte, mar fie unglürflid) 
unb in taufcnb 5lngflen über bie @efäl)rlid)teit il)re§ ^nf^Qi^^^^- 

"Ji>ie üicl felbftbercitete Cual unb ^Jiot! 

3latürlid)er .junger muß alfo oerloren gel)en, raenn ber 3Serbauung§- 
fcf)laucl) beftänbig angefüllt ift, mcnn ber Säfteftrom geroiffe (itoffmed)fel= 
probufte gar nicl)t lü§ mirb. 9cur mirflicl]cr -ipunger aber bered)tigt uny jur 
9la^rung§aufnal)me, nur bie ful}lbare 3:atfacl)e, baß unfer i^örper 8iifiit)r uon 
33au= unb ^^eijmaterial benötigt, foll m\§ 5um (Sffen beroegen, nid)t ©erooljnbcit, 
nicl)t ©aumenrei^e unb ©elüfte. ®in gan^e^ .*5eer oon 5?ranft)eiten mürbe 
nerfcljminben, roenn man alle „guteffenben" S)tcnfc{)en non ber iBaljrljeit biefer 
2Borte überjeugen tonnte; benn mie feljr unfere '^laljrung Urfad)e unb Huelle 
Don S\ranfl}eit ift, aljnen bie menigften. öan^ äljulid) oerl]ält e^ fiel) mit 
bem ^urft. ^ilud) er tritt in feiner elementaren )^oun, bereu '^efricbigung 
fo föftlid) ift, mie 5. 53. nad) einer melirftünbigen 33ergtour im Ijeißen ©ommer* 
metter, im geroütinlid)en Seben ber 'ii>ül)ll]abcnben nur feiten auf. 

?}lan l)at 'lOlagen unb ©cmebe fo fel)r baran gemölint, unoerlangte 
^lüffigfeit-gmengen auf5unel)men, tia'ii fie feiten ©elegenl)eit ßnben, mirflid]en 
®urft 5uftanbe gu bringen. 33eroei!§: morgend 5laffee mit 9)iild), mittag^ 
bünne ?ylcifcprül)e, allerlei Saucen an Gkmüfcn unb 53raten, bie minbeftcn^ 
7070 Söaffer cntl)alten, SSein; nad)mittag'§ abermalig iUtffce, abenbö 'i^ier 
ober 3ree, ober am}) beibe§, menn man gerabe au§märt§ ift unb ber ^Hbeiib 
fel)r lange bauert. ^abci feincrlei 9rcuc>felanftrengung ober nennenvmcrte 
^auttranfpiration. ^led^net man nod) ben natürlidjcn 41hi ff ergebalt ber 
Speifen, namentlich be§ Dbfteö unb ber ©emüfo, l]in-u, fo mirb man bc= 
greifen, baß juerft ^Dkgen unb Tarm große ^\Vcengcn ^-lüffigfeit auf.yifaugen 
baben, bann aber .f)er5 unb 'Jiieren mit ben in bie "i^lutbabn gelangten 
'^^■lüffigfeiten unuerljältnic^mäßig uiel 5U tun bet'ommen. (S§ gibt bal)er uielc 
'OJienfdjcn, meld)e niemals :Saffer trinfcn, ma^o febr bcgreiflid) ift; benn fie 
fübren ja in ^yorm uon Suppen, ^Tee, 'i^ier ufm. fc^ou meit mebr Saffer 
bem Drgani^mu^ ju, aU^ fie benötigen. Unb bod) ift ber genußooüfte Iirant' 
reine§, frifdjeg Cuc llmaffer, unb er foUte burcl) SUtuftgeträufe niemals 
oerbrängt rocrben. 



50 @ r n ä ^ r u n g. 

SOSaffer ift näc^ft ber Suft für bie ©r^altung be§ tierif^en Drgani§mu§ 
ber rotc^tigfle ©toff; ber menf(^(i(^e Körper be[tel)t auc^ au§ etraa 70*^/0 3öa|fer. 
%]xx6) bie ^aut, bie Sungen, bie liieren roirb beftanbig 'Gaffer abgegeben. 
(^§ bient bajii, nic^t nur bie pgefü^rten 9f|ä^rftoffe §um Seil aufjulöjen, 
fonbern im beraegten ?5^Iu[fer ber tei(§ auf ^emifdje, teilä auf nied)antfd)e 
©nflüffe surüdfgefürt rairb, biefe aufgelöften ©toffe nac^ allen Seilen beä 
Körpers gu oerbreiten. ©ine 3]erarmung ber ©eraebe an raafferreidiem 33lute, 
eine 93erbict'ung be§ legieren unb SSerlangjamung feinet ?^lu|fe§ ift ba^er 
gteid)bebeutenb mit mangel{)after @rnät)rung aller Organe be§ menf^lici)en 
SlörperS unb SSerarmung ber ©eroebe an ©äften. ®al)er ift ber SSaffer* 
mangel, lange§ durften, unerträgli^ unb 'öaS rafd)e ©rliegen nac^ längerem 
durften erllärlicf). 

©benfo aber, raie uu§ ein geroiffeS Quantum SBaffer täglid) unentbe'^r» 
li(^ ift, belüftet un§ ein ju gro§e§, ba§ mit ber SJienge be§ ou§gef(ä)iebenen 
in feinem 35erl)ältni§ fte^t. ©I oerbünnt ben i9tagenint)alt ju fe^r, oerroäffert 
haS ^tut unb ftrengt bie 2Iu§fcl)cibung§orgaue, Dliere unb 53lafe, all^uoiel 
an. 9)lan benfe nur an bie abgegebenen ^parnmengen eine§ ^^iertrinf'erS. 
©ie erfc^einen unglaublid), raenn man r)orl)er nid)t gefeljen l)at, roie oiele 
©läfer ^ier an einem 3lbenb oon il)m f)inuntergegoffen mürben. %a ba§ 
Srinfen ol)ne ®urft, aber mit ©aumenrei^ oerbunben, in ben gioilifierten 
Säubern fo allgemein geroorben ift, fo ift e§ felbftrebenb aud) Urfadje ^aljU 
reid)er gefunbl)eitlicl)er ©törungen geworben unb t)at fd)lie^lid) fogar eine 
eigene S^urmetl)obe erzeugt: bie fogenannte Srodtenbiät. 

©in fc^lei^teg 3eugni§ für bie üblidje ©rnäl)rung§rceife ! 

5[Ran rcartet erfl, bi§ man franf gemorben ift, unb bann beginnt man 
mit 9?eformen, bie ganj §u erfparen gemefen mären, roenn man üon 3lnfang 
an oon natürlichen, einfadjen 33ert)ältniffen nid)t abgeroid)en märe. SBeil bie 
meiften menf(^lid)en 9lal)rung§mittel grofsenteilg au§ Sßaffer befteljcn (?^leifd) 
3. 33. gegen 70 7o!), bebarf man tatfäd)li(^ bei ruljiger SebenSmeife nic^t 
großer 2ßaffer5uful)r, ja bei retcl)lici)er Dbftnaljvung brauct)t man übert)aupt 
nur gan§ feiten ^u trinfen. ®er raafferarme, aber an feften ^eftanbteilen 
reifere Drgani§mu§ ift üiel miberftanbi^fäljiger unb leiftet melir al§ ber oon 
SOBaffer überfd)memmte unb aufgebunfene. ©in großer Seil ber „©utgenäf)rten" 
gehört leiber ben Se^tgenannten an. ®er Ijagere, fel)nige, menig trinfenbe 
DJlenfd) roirb baljer ftety ber fräftigere unb gefünbere fein. 

^efd)ränfung ber g-lüffigt'eit^mengen, Sßermeibung ber burftreigenben 
©peifen unb ©eroürje (£ocI)fal5 oor allem) merben un;§ ein gefunbe§ Surft» 
gefül)l mieberfinben laffen, ba§ an<i) nur burd) guteä Saffer gan^ befriebigt 
mirb unb ba§ bebeutenb 5U unfcrer ©efunbljcit beiträgt. 



(Svuä[)rung. ' 51 

ölas die flßenTcben etten, 

SBenn unfere ^auSfrauen fo^eu, fo ftellen fie bic 6end)te nad) .f^er» 
fomnieu unb perfünlid)em ©ejd^madf jiifanimen, rcie fie e^ yon iljvcr 9}hitter 
gelernt (jabcn, lüie e» in einer feinen @aftf)of^fnc^e gezeigt raurbe, rcie e§ 
ein berüljmte^ S^üdjbud) Ief)rt ufro. ^z nad) £anb nnb Senten wirb aber 
überall 93er[d)iebene» geleljrt. 3Bir miiffen fragen: 3Sa§ ift abfü(nt fd)(ed)t 
an biefen (5inrid)tungen Ianbe^iiblid)er 5lüd)en, unb raic weit foüen unfere 
öerooljnljeiten adein Ijerrfd)en bürfen? (Sine n)tffenfd)aftlid)e ®rnäl)rung§- 
lel)re mu(3 über aüen ©itten unb pcrfönlid)en @eraü!)nt)eiten fteljcn, fie nuifs 
un§ al!§ Slidjtfdjnur bei ber S3curteihing üon gut unb fd)(cd)t bieuen, rao' 
mit jebü^ nidjt gefagt fein füll, bafj uernünftige, burd) ^übenuerljältniffe 
begrünbete ©ebräudje bet'ämpft werben füllen. OberI)errfd)aft, trülj aüer Sanbe^* 
fitten, []at nur bie franjöfifi^e 5^üd)e bi^ljer errungen, ba fie roie feine anbere 
ben nienfd)Iid)en (Sd)n)äd)en §u Ijulbigen oerfteljt. ^m Dften raie int äBcflen 
genie|3t fie Ijüljcg Stnfcfjen: burd) I)üd)fte§ 9^affinement unb 'Jcinfdjnicd'erei — 
allerbingg ftet§ in SSerbinbung mit einer geioiffen ©leganj — (jabcn i(}re ^unft» 
raerfe immer bem ©aumen mcl)r al§ beut 9}]agcn gebicnt. "^^aljer muffte fie 
(Srfü(g bei uerfeinerten, nic^t arbeitenben 9Jcenfd)en Ijaben, bei mcldjen 9ccrücn= 
jd)iüäd)e, 9Kagenerfd){affung, ®armträgl)eit d)ronifd) finb. '3)urd) SSerfleinerung 
bcr 9lat)rung§mittel, burc^ ©inmäffcrung, (Sinfal^en, 9)lifd)en unb 3Bür5en 
merben biefe faft unfenntlic^, büd) über für f^raad)e 9J]agen oerbaulic^er, ba 
ungemifd)te Speife, meiere in urfprüngtid)er ^efd)affent)eit fümüijt Sauarbeit 
ai§ aud) fräftige Betätigung be§ ®arm§ erforbert, für fü(cf) oertüüljute ^^er» 
füuen ungenief3bar gciuürben ift. 

®em 3:iere ift feine 9ia()rung im allgemeinen Dorgefd)rieben, bur^ 
Körperbau unb ^nftinft beftimmt; t)a§ '!]3ferb frifät fein g-leifd) oün Seid)en, 
bcr .^unb feine rüljen Körner, ber l'öiue feine Baumfrücf)tc. ^iHi^S aber ift 
bie eigentlid)e 9Ia(}rung be!§ yj]cnfd)en? 

2Bir fel)en it)n 2:ier=, ja f ügar, 9}]enf(^enleiber üerjelircn, alle äBursetn, 
(Samen, Stiaud)= unb Baunifrüd)te, Slräuter, WIM) ber ©äugetiere, (Sier ber 
^i3gcl — alle§, raa§ er ervcidjen fann! Sein 3tnpaffungöüermügcn ift grofj, 
er fann bei ganj oerfd)icbener 97al)rung beftel)en, gebeil)t aber nid)t aud) 
bei jeber in gleid)em iDIafse. 2luf bie ^rage: n)cld)C ^)tal)rung ift für ben 
^enfd)en bie befte? läfst fiel) nid)t abfütut antiüürtcn, meil feine ^eben^S^ 
üerl)ättniffe ju üerfd)iebene finb unb im eifigen 3lürben beifpiel^meife anbere 
^ilnfürberungen an feinen Drgani^muS gefteüt roerben a\§ in brennenb Ijcifjen, 
füb{id)en :?änbern. SJiaf^gebenb bleiben für un§ allein bie 33auftüffe feinc^S 
5lörper§, bie burd) bie ^Jial)rung micber erfeljt werben muffen uiib uuö bal)er 
bei ber 2öal)t ber 9lat)rung anleiten foüen. ^t)re g-orm fann fe nad) Vanb 
unb 0ima üerfd)icben fein, fie felbft finb natürlid) immer biefelben. :ii>enn 
9ieifeube oon ^nbianern ober 3luftraliern evsäl)len, fie äf3en (Sd)(angen, ÜBürmer, 



52 G 1' n ä [) r u n g. 

2Ia§geier, .r-)i)äneu, 9iaupen, 3(ntetfen, .Qäfer iifra., fo beroetft bie§ nur, ba^ 
fie ade nicljr ober miiiber benjelbeu 9la{)rung5[toff buvd) biefe Sierleidjen in 
fid) aufiie(}nieu, iinb ha§ ift tierif^eg ©iroei^. 1)er ©fei cor irgenbeiner ^oft 
berut)t mir auf Übereinfommen ober auf bem „@rauen uor bem Uubefannten". 
Uub ba an6:) gefittete Europäer in (Bd)(emmerei ba§ i()rige leifteu, fo ^aben 
fie feine Urfa(^e, fid) über ben @efd)mocf ber erraät)nten 3>ötferfd)aften 5u 
cntfe^en. ^ 

Die BauTtoffe des Cier- und pflan^enhörpers» 

SBir lüfen bie organifd)en 5^örper in if)re ©runbbeftanbteile auf uub 
finben bei Stier unb ^^iflanje biefelben ©runbftoffe, \a fogar im iüe]eutlid)en 
bie g(eicf)en 5Berbinbungen berfelben. '3)ie ©runbftoffe finb : ©auerftoff (O.), 
Safferftoff (H.), etidftoff (N.), 5^oI)Ienftoff (C.) uub if)vc raid)tig]ten 9Ser= 
biubuugen: 3Ba[fer, ©iioei^, (Stcirfe, ^ettc. flennt man nod) ben @d)iüefel (S.), 
(Sljlor uub (Sifen (Fer) unb bie minera(ifd)en ©toffe, melct)c meber im ^^^flanjen^ 
nod) 2;ierfürper fef)len, fo finb aud) bie Derfd)iebenen ©alje angebeutet, beren 
33ebeutung immer mef)r erfannt rcirb. ®a§ 5IRengeuDcrt)ä(tni5 ber genannten 
3?erbinbungen ift jebod) ein feijr oevfdjiebene^. ^§ gibt 9ialjrung§mittel, §. 03. 
^(attarten, metdje 97 7o 'iöaifer ent(}a(ten unb nur 3 7o fefte Stoffe, unb e§ 
gibt ©amen, n)eld)e au§ 87 7o ©tärfe befteljen, rcälirenb @irceif3 (im ^äfe) 
big naf)esu 30 7o ju finben ift unb ^-ett (im g(eifd)e) 45 7o. Sie 3(fd)e be§ 
tierifc^en Siörper§ beftel)t au^ $Serbinbungen be§ S^alfe^v ^3]atrium§, S^ati§ 
ufro. 3(ud) ^t)o§p!)orfäure, 5^oI)(enfäure, ^arnfäure ufro. finben fid) üor, 
baf)er pI)05pI)orfaurer 9tait (fief)e ^nod)en im erften i^apitcl), t)arnfaure§ 
Ülatron, fo^tenfaure S)lagnefia u. a. in jcbem f)öl)er entroicfelten tierifd)en 
Organi§mu§. 9JIan unterfdjeibet im tierifd)en Organismus fäu.rebinbenbe 
?JlineraIftoffe (alfalifd)e), raie 5^aU, 9latron, ^^ittererbe, Ralt ®ifen, 
9J]angan, unb fäurcbilbenbe, raie 5?ot)(euftoff, (3d)rcefe(, '']?l)o§pI)or, i^iefel, 
(£()(or, '^■luor. ^nx 33efcftigung ber öcmebe unb 5ur 33inbung ber bur(^ ben 
(Stoffmed)fe( entftetjenben Säuren fmb bie mineralifd)eu Stoffe notraenbig unb 
muffen in gemiffer 5}lenge ftetS Dor()anben fein. Sic crfialten baS 33Iut 
„alfalifd)" unb beroabren e§ oor *i^erfäuerung, rockte ju fc^meren (Srfran* 
fuugen füf)rt. Seitbcm man bieS erfannt, ift man bcmü(]t, in ber 9la()rung 
biefe mtnera(ifd)en Stoffe nad).^umeifcn unb, mo fie febltcn, fie fünfttid) 5U5u= 
fet3en. ^ai-ju bie Gntfteljung ber '3iä(]rfa(^ = 3nbuftrie. ^a^i 3:ier ent- 
nimmt feine 9la(}rung uormiegenb bem ':|sflan5enreict)c; man erforfd)te bie 
^obcnoerbäitniffe unb erfannte balb , baf? infolge ^a()r(jnnberte alter 
^ultiüicrung beS Q3obenS baS fc^(cc[)te ©cbeiiien ber 9hilHifIan5en nur auf 
33erarmung besfelben an mineralifd)en Stoffen 3urücf5ufül]rcn ift, unb ba^ 
folglid) aud) bie ^ftu^pftan^en ärmer an 9Jiineralicn mürben. Sa ber 9,)lenfd) 
als (e^teS ©lieb beS SierrcidjeS ben g(eid)en ©efetjeu ber (5rnä(]rung unb 
beS Stoffmec^fetS unterliegt n)ie jebeS 2:ier, ferner feine I)auptiäd}lid)fle 



Cvn äf) vii 11(1. r)3 

^klirung an§ beni ^^sflanseureid) entnimmt, fo ift bie närf)[te Jotiie aucf) feine 
aümäf}(ic!)e 33erarmung an minevalifdjen "öeftanötcilen. Slommen l)ic5u nod) 
bie 9Jtif5bräud)e in h^n .r^üct)en, njo bnrd) 'J(bbvü(icn nnb 9{u5fod)cn oft bie 
lüertüoüften 53eftanbtei(e ocrloren ge(icn, fo luivb Co jebem begrcif(id) cr-- 
fdjcinen, roenn roiv fagen, ber ()cutige 5tu(tnrmenfd) cvl}ä(t tro^ oietfnd) 
gemifc^ter nnb reid)üd)er ^Jiaf]rnng oft nid)t bie genügenbcn 'JJä()vftoffmengcn. 
93 Obenreform unb 5^iid)cnreform fiiib ba(}cr bie ncncn l'endjtfterne, 
bie nn§ a((mäl)lid) rcieber beffere 2Bege ju fd)affen ücrfprcd)en. '^k Steigung 
5U <ru-anf()eiten mirb fic^ ucrminbcvn, bie ^Biberftanbc^fraft ber C^kmebe fidi 
ert)ü()en in bem Wia]]^, als i()r (^djait an 9}tinevalint, bnrd) gefnnbe '^^f(an5cn 
5ngefnf)rt, annimmt (fie^e Ütätjrfal^fureni. 

®ie ^^ftan^e fdjöpft ibre ^^anftoffe biveft an^ bem ^^oben nnb ber Snft, 
ber 3>organg i()rcr (ivuäljrung nnb il)reö ^iiHKi)5tnm'5 ift ein nie! einfad)crcr. 
:3t)re 93anftoffe finb ©affer unb ?.1]ineralien au§ bem 93oben, Sauerftoff, 
Stirfftüff nnb 5^ü()(enfäure an§ ber £?nft. ^ie ©onne mit t()rem Sid)t unb i{)rer 
^Särme bemirft it)r 3Öad)§tnm, ibrcn Säfteftvom. Malier fein C^icbcitien ber 
^^Pftanjenmelt ebne ber Sonne ßanberftval)!, ber an^5 toten äliaffen neues S'ebcn 
fd)afft. SSir fct)en ami) bei ber ^^f^an^e ein Sa^stum unter bcftimmtcn 
93ebingungen, eine ^i-nlpftan.^ung in ^v^rm ber Samenbitbnng unb einen 
„(3toffroed)feI", inbem bie 'i^f^^ii^5<^ fl^tnc^ bem Siere 'Oiäl)r= unb '-Banftoffe 
aufnimmt, einen Seit bevfelben äu if)rem raeiteren 3(u§bau in fid) anffpeid)ert 
(Sat^e, Stärfe, SSoffer), einen anberen 3:ei( aber in ^^irm oon 5l^of)tenfänre 
unb Sauerftüff au^^atmet. ^ie '^^flanscn^ede ift raie bie tierifc!)e ^qHc ein 
abgefd)loffeneö öanje» unb befteljt auy einer -Oüffe, einem ;]cUiiibalt unb 
einem ^^üfern. 2Öenn mir uom 5Jlenfc^cn ,^um 3:ier, oon biefem ^ur 'l^ftan^e 
unb oon ber '»^^f(an,5e in bie Icblofe 'iS^elt, ber fogenannten anorganif d)en, 
übergel)en, fo finben mir immer einfad)ere 'l^erljältniffe, immer meniger fom= 
plisierte d)emifd)e SSerbinbungen unb fofgtic^ aud) neue 5lörpcr in ber tierifdien 
©e(t, bie fid) in ber anorganifdicn nid)t finben. Überall aber finb bicfelben 
©runbftoffe üor()anben: Sauerftoff, Stid'ftoff, 5?o()lenftoff, 'Ißafferftoff mit 
ber grof^en ©ruppe ber ?}|inera(ien, (Stfcn, Sd)mcfe(, '!|>bo!?pbor, .^ialf, 
S^latron, 9}]agnefia ufro. Sraud)t man in bie ©unber ber (ibemie ein, fo 
fiefjt man mit (Srftaunen, baf? oft bie oerfdjiebenften 5Uh-per ('man beute 
3. 93. an meif3Cy ?Jte()( unb ftüffige» öl!) nur au^ glcidjeu (^h'u üb ft offen 
befteljen, unb groar in biefem ^all an§ C. H. 0., b. i. 5toblenftoff, "Uniffer* 
ftoff unb <3auerftoff, unb baf? bie THnid)iebenbeit ibrer (yigenfdiaficn bnrd) 
SRengenoerljältniffe beroorgcbradjt mivb, fomie burd) eigcntiimlid)e C^iruppievung 
il)rer 9Jlolefii(e, inbem 5. 93. jioei Steile "©affcrftoff auf einen Jeil Sauer= 
ftoff unfer „'ii^affer" geben, unb ]cd}§ 3:eile 5iobleuftoff anf 5et)n 2'eile 3Baffer= 
ftoff unb fünf 3:eile (Sauevftoff „Stävfe" i^llebH bilben. 

'^laii) biefen t'nrjeu 'ilnbentungen t'önnen fid) bie l'eferinnen ein 'i^ilb oon 
ber (Sint)eitlid)feit ber Ücaturforper tvolj il)ver grof5en "iUclartigteil mad)cn. 



54 GruiiFirung. 

Unt über bie @rnä()rung be§ STJenjcIjeu aber nod) ffarere SSegriffe gu 
lüecfeu, luüffeu ratr aiti^ norf) auf geraiffe Huterfcljiebe jiüijdjeu 3:ter= iinb 
^^^f(au5enfürper I}imi)ci[eu. ^t)r ^auptuuterfd)ieb liegt in ber 33e[d)affenljeit 
ber 36Üe. "Sie tieri|d)e 3^0^ ift oiel fompliäierter al§ bie pfiauälidje, itub 
auc^ unter fiel) unterfd)eiben fie fid) bebeuteub, raie §. 33. bie 'SRn§UU unb 
Oierocnjcde; bie ©toffoerbinbungen im tierifcbeu Körper finb infolge feiner 
größeren Hufgaben (3Börme unb S3eraegung, raeldje bie ^fiansen nid)t er» 
5eugen) nid)t nur pfammengefe^ter, fonbern auc^ oiel inet)r gum Verfall geneigt, 
dnblid) Ijerrfcfjt im tierifd)en Körper ba§ ©iroeijä oor, imb bie ^ü^tenl}r)brate 
(©tärfe unb |]urf'er), bie in ber ^flanje überraiegen, treten surürf. SDIit 
2lu§na!)me einer fel)r fteinen 9Jlenge eine§ ftärf'eätjuli^en (Stoffe§ in ber Seber 
unb aufgelüftem Qnda im ^lut befit3t er, aufser 3^ett, feine S^ofjtenljijbrate. 
©er 3"cfer bient ber 2Bärmeer§eugung , oerbinbet fid) mit (Sauerftoff 5u 
S^oljtenfäure unb lagert fid) alfo nidjt ah. %üt bagegen ift im I)öf)er ent= 
micEelten S^ier in raeit reid)erem Tla^z Dorf)anben al§ in ber ^flanje, einige 
ölige ^rüd)te abgered)net. 

2ßoffer unb 9}]ineralien entt)ätt er raie bie ^^flanje, letztere in anberer 
Gruppierung. Slljuti^ ber pf(an5lid)en ^ol^fafer (^eHulofe, .^ülfen unb 
©erüft) entljält ber tierifcl)e Körper «Seljuen unb .^äute, roeld)e al§ Übersitge 
innerer Organe, al§ oerbinbenbe „33änber", al§ 9)lu§felfortfä^e unb ©etenf« 
fapfeln bienen unb für ben menfd)Ud)en SJlagen, raie bie 3eöulofe, ai§ nafjesu 
unoerbaulic^ gelten, '^uä) fie entljalten ©ticEftoff, raie .^aare unb 9^ägel unb 
raie alles (Siraei^. 

2lu§ bem ©efagten ergibt ftd) alfo, ba^ bie ^flange imftanbe ift, au§ 
bem falten (Srbboben unter 5Jiitt)ilfe ber Suft unb ©onne SSerbinbungen ju 
fd)affen (3ucfer unb ©törfe), raeld)e fid) nur in it)rem Seibe oolljieljen unb 
fid) fonft nirgenb§ üorfinben; ba§ 3::ter oermag bieg nid)t, oielmeljr fann eS 
nur beftel)en, rcenn e6 neben Suft unb Sid)t an6) eine reid)e ^flanjenroelt pr 
93erfügung l)at, raeld)e it)m bie l)auptfäc^lid)ften ^auftoffe feinet Seibe§ liefert, 
ba e§ raeber au§ bem 33oben feine Salge bireft aufäunel)men, noc^ raeniger 
a\b^ ber Suft ben ju feiner ©rljaltung notroenbigen Quä^x gu bilben oermag. 

Stoff wed^Tel in pflanze und Cien 

Unter ©toffraed)fel oerfte'^t man bie (Sinna'^men unb 2lu§gaben ber 
organifd)en 5lörpcr, bie burc^ biefen 9[>organg il)re fpe5ififd)en Seben§erfc^ei= 
nungen ermöglid)en. '2)ie ^flanje raäd)ft unb „atmet" (©auerftoff) unb lagert 
?Olineralien unb anbere SSerbinbungen in iljrcm Innern ah, raenn fie reid)= 
lid)e (£innal)men l)atte; ba§ 2:ier gibt burc^ ^aut, Sungen, ©arm unb Silieren 
^o^lenfäure, SOBaffer, ©afc, (Sal^e unb unbraud)bare SSerbinbungen ah unb 



(Svuäf)run(^. 55 

[}at atfo aiic^ einen uiel umfaut]vctcf)evcu Stüffiüec^fel. 2^ie '^Nflan^e i[t fa(t, 
ha§ Ijüljer eutroicfelte Sier aber i[t lüarm. 

®tefe feine 2Bänue entfielt burc^ c^eniifcfje 'i^orgänge, bnr^ 33erbinbungen 
mit (Saucrftüff, iueld)e man Verbrennung nennt, h^i mefc^em 3>organg 
Särme frei wirb. 9hir gemiffe 5lörper eignen fid) befonberä gu folc^cr 3Ser=> 
binbung mit ©auerftoff, roie ade fo(j(enftüff()a(tigen, man nennt fie be5f)o[b 
aud) 33rennftoffe. 3(uct) aujierljatb be§ tierifd)en Organilmug beftef)t bie 93er= 
brennung in 9}erbinbung mit Sauerftüff unter (£ntftef)ung oon 5^ol)(enfäure 
uub Stfc^e (uuoerbrennli(i)e iliefte). ©eiüiffe Stoffraedjfelprobufte im Crgani§- 
mu§, bie teils burd) bie 3Serbrennung, teils burd) bie 3Serbauung entfte^en 
unb ausgeftü^en roerben, nennt man bc^3(]a(b aud) „3d)(ac!en" ober „5If(i)e"' 
%a Stärfe, S^d^v, %ztte oie( 5^ol)(enftüff ent{)a(ten, ftellen fie unfere ^eij» 
ftoffe, unfere Särmebilöner bar, bie in unferer l1Ja[}rung niemals fef)ten 
bürfen, ron()renb mir 00m ßiroei^ üert)ä(tni?mäfeig roenig §ur (2rl)a(tung 
unferes ^^eftanbeS bebürfen. 3Sermöge feiner 25crbauung§fäfte roanbett bet 
SfJienfc^ bie aufgeuümmene Stärfe in 3»(ier um unb ocrbrennt biefen im 
gelöften 3in"tanb in feinen ©emeben. Unoeränberte Stärfe ge^t unbenu^t 
burd) ben ^armfanat roieber ah, e§ liegt bemnad) eine 5[rbcitScrfparni§ für 
ben CrganiSmuS barin, roenn er ben nötigen 3"rfer fofort au§ fü^en 
i^rüd^ten entnimmt. ®a§ ^ett erseugt bei feiner Sßerbrennung ungleid) 
mef)r Sßärme a[§ Stärfe, e§ ift atfo ein Sparmittet, feine fättigenben 
(Sigenfc^often aber mib feine fogenannte 2d)roeroerbau(id)feit mad)en e§ meift 
ungeeignet, oollftänbig alS ®rfal3mittet für (Stärfe gu roirfen. 

®a§ (Siroei^ roirb alS 33auftoff betrachtet; man nimmt an, baß täglid) 
eine große Slnjaf)! oon Qqü^m jerfäüt, bie ©tidftoff freigeben, ber aU .'ocncxi' 
ftoff au§gcfd)ieben roirb, unb baf? bie t)auptfäct)Iid) au§ ©iroeiß beftel)enben 
ßetten burd) bie @iroeiß5uful)r ber 9]at)rung loieber erfe^t roerben muffen. 
(Sine anbere 2:f)eorie Iel)rt, baß ba§ Organ ei nie iß be§ au§geroad)fenen 
Körpers, b. i. alfo jene§, roe(d)e» feine ©eroebe bilbet, überhaupt ni^t ncra 
änbert, t)erme{)rt ober oerminbert roerben fönne, ba eS einen unöerrücfbaren 
Seftanb bilbe. %a§ aus ber 9]a()rung aufgenommene Giroeiß bilbe bloß ha§ 
53Iutciroeiß, befinbe fic^ beftänbig im ^lutftrom unb rocrbe in feiner 'iOlenge 
bebeutenb oeränbcrt. (S§ biene ber '-I^erbrennung nur bann, roenn an ^tol)len= 
f)Qbratcn 30^anget ^errfc^e, unb fein Überfdjufj füljre ju ^cttablagerung im 
Körper unb oermel)rter 3{u5fd)cibung oon .öarnfal^en, rocld)e bie klieren reiben. 
Gine tägliche ^^(bnutjung ber Werocbc geben bie ^Ujijfiologcn alle 5U, bod) 
mad)t biefe feine fold)e (£iroei^i^uful)r nötig, roie fie bie I)eute üblid)e (Srnä^rung^a 
roeifc für unentbeljrlid) erftärt. Gin .^eer üou ^ranftjeiten ift biefem ucr^ 
l)ängniSüollen ^^rrtum 5U5ufd)reiben. 

3m ^ungcr^uftanbe roirb juerft bo§ eigene ^-ett, ba^o nur locfcr gc= 
bunben ift, uerbrannt, bann erft roirb "i^a^ flüffige '-I^lutciroeifs jur 'JBärme= 
bilbung oerrocnbet. ^a§ Crganeiroeif? bleibt erljaltcn, roie mel)rfad)e Unter* 



56 91a f)r u n g'oini tteT. 



fucf)ungeu beroiefeit Ijaben. ©o fanu man a(|o tatiäd)Ii^ eine Qät oom eigenen 
^ette leben! 

©erai^ Ijat mand^e Seferin fd)ün von einem „Sticffloffgleictigemicl)!" 
gel)ört; man nevftefjt barnnter 2(npa[fung an ha§ ^ngefntjrte ©iroei^ ber 
91al)rnng, (Sättigung ber 53Iutf(üffigfcit mit bcmfetben nnb eine ber 3»tut)r 
entfpred)enbe 2(u^3|(^eibnng be§ (Sticfftoffes, menn bie Sättigung überi"d)ritten 
ift (mir erinnern baran, baf5 (Simei^ aud) ©ticfftoff ent{)ä(t). (S§ mirb burc^ 
bieje ®rfcf)einung bemiefen, baJ3 übermäßig 5ugefüt)rte§ ßiroei^ nid)t ab-- 
gelagert mirb nnb um baljer feinen iVm^en bringt. ®ie tägtid) burd) ben 
^arn au§ge|d)icbene (Stirfftü[fmenge beträgt ztwa 24 gr. 

9Jiöd)ten nnfere Seferinnen gerabe bie oorftet)enben in mi3glid)[ter 9.nx^c 
gebrad)ten (griäuternngen mit alter Slnfmerffamfeit lefcn, ba nur if)r rollet 
3}er[tänbni§ fie befähigt, ben 3Inforbernngen, meld)e bie 5lüd)e an fie fteüt, 
im ooüen 9}la^e gereift gu werben. 

Die metiTchUcheti Habrutiösmittd. 

SBenn ber 93lenfd) n)act)jen nnb gebeiljen füll, mu^ jeiuc 9lal)rung Gi = 
roei^, f^ett, ©tärt'e ober 3«<i'er, mineralifc^e 33e[tanbteile unb ^Saffer 
entf)alten. Tlan ftedte bie ^-orberung auf, bafs ein normaler 93lenfd^ oon 
mittlerer 3Xrbeit^oleiftnng nid)t roenigcr atö 120 gr (5iroei^, 60 gr ?^-ett nnb 
500 gr ©tärfe nnb Qn^k-c täglid) aufneljmen muffe, um leiftnng§fäl)ig ju 
bleiben. @^ raäre bemnad) ba§ ^erl)ältni§ be§ ©iraei^e^ p ben 5?of)len^t)braten 
lüie 1:4, b. I). uiernml fo uiel ?}^el)le nnb Qndcx al$ ©imeiß. 

^eobad)tnngen aber l)aben gelet)rt, ba^ bie (Sin{)altung biefe§ SDIaf^eg 
l) äufig pm 9Jlafttt) pu§ füljrt, roätjrenb bie arbeitenbe 33eüölferung tatfäd)lid) 
oft taum ein ä]erbältni§ oon 1 : 10 ober 1 : 15 erhielt nnb babei gefünber 
unb roiberftanb§fäl)iger ift aB bie rool}ll)abenben 5tlaffen, bie fid) bie „beffere", 
b. i. eirceif?reic^ere 9kf)rung leiften fönnen. ^Bcitere 9>ergieid)e unter oer= 
fd)iebenen 9laturüölfern l)aben ergeben, X>a}i aud) biefe feine»roeg§ ein '-öer^ 
I)ältni§ ber (Simeif^f'örper ju ben 5^ül]lenbiibraten raie 1:4 l)aben. ®er SIraber 
lebt oon '3)atteln nnb einer ©d)alc Hamelmild), in ben *']^olargegenben 
ift (Specf ta§ gefud)tefte9ta^rungömittel; 'bm dJtai§, ben 3iei'§ ber Süblänbcr 
t'ennt man u. a. melir (fiet)e „Unfere '3ia()rung^omittel" oon ']3eterf oI)n). 

Sie eiroeifsreic^en 9]al)rung§mittel be§ iDIenfdjen finb: J-leifd), (Sier, 
^iiä), 5^äfe, oiele anbere entf)alten fleinere 9}lengen (Siraci|3. Sie ^w- 
fammenfel3ung ber ©iroeifjt'örper beftel)t burd)fc^uittlicl) au§ 53°/o Rü()lenftoff, 
770 ^iöaffer, 22% ©auerftoff, lG7o otiifftoff unb 1— 2 7o Sdjioefel. 

Sai ?^ett er()alten mir burc^ ^letfd), roeld)e§ ftet§ mel)r ober minber 
^ett entl)ält, burd) 93tild), auB iucld)er nnfer feinfte§ ^-ett, bie 53utter, 
ftammt, nnb au§ oerfdjiebenen fettljaltigen 5rüd)ten mie 9h'iffe, 9)]anbeln ufiu. 



?Ja[) vunqgmit t el. 



57 



%a§ "Me^ji geiüiunen luiv auv beiii ©etreibe iinb anbeven (Samen loie 
3Jiai§, iKei!?, 93üf)nen, (Svbfen ui'iü. 3(ud) au5 5lno((cn iinb '^Buv^edi lüirb 
e§ gcraomieu unb baiiu ,^u i)evfd)iebeneu ^•ovmcu üeravbeitct. 

®en 3 11 (i er jcl)affeu roir m\§ entraeber felbft burd) Hmraanblung ber 
(Stärfe ober biird) birefte i]iifu()r von fiif3en ^yrüc^ten, .sjonig obe-r 5tiuift= 
jucfer, b. i. bem eingebicften oaft ber ^urferviibc ober bco ;]ud'errül)rl. (Sr 
[te()t ineniger im i^ürbergrunbe al§ bie ©tärfe, i[t and) teurer a(§ biefe, 
obioo(}l er bem ^l1Jenfd)en oiel nötiger ift. 

•2)0 5 ^-(eifd). Unter ^-(eifd) uevftef)t man bie ^^Jhisfeln ber Jiere 
(fief)e „9)hb3fe(n" im erflen ^tapitel), bie au§ ^^ünbeln ber einjelnen iOhi5fe(= 
geüen befteljen. ^ig. 30 bringt eine fol^e 3^^^^ jur ^arftedung. '2)er 9)]en[d) 
be^ieljt feine ^-(eii'djnabrung in ben fultii^ierten i^änbern nur oon 
ben pflan.^enfref Jenben jabmen 2:ierarten, lueil beven Jyleifd) 
einen für il)n feineren @efct)inarf ()at. 2öa!§ er aber unter 
allen Umftänben bobei geniefst, ba^ finb Seid) enteile einey 
2iere§, roel(i)e ftet§ noc^ nid)t au§gcfd)iebene Stoff med)fel= 
probufte ent()a(ten (^ol)lenfäure, .^jarnftoff unb anberes); ferner 
ba§ ©rgebniä jener d)emifct)en 93ürgänge, raeld)e ber Xoh im 
^(ut unb in ben 9}]u^Meln ftete nad) fic^ jicbt: gerinnenbeö 
Giraeifj, oermebrte 9J]ild)fäuve unb ben 33eginn ber ^-dutni^, 
bie oft fetjr fc^nelt eintritt, 5(mmoniaf, ©d)iüefe(mafferftoff 
ufro. ^ie im 90hic4'e( beftänbig fid] bilbenben (Jrtraftinftoffe, 
welche Stier unb 9Jlenfc^ franf madjcn, mcnn fie mä()renb 
bes Sebenä 5urnd'gef)atten raerben, finb Xantt)in, ^reatin, 5?rea- 
tinin, Sarfin, -öarnfäure ufro., bie eigentltdien ?yleifd) gifte, 
©ie bilben neben ben .^alifat^en bie mefentlid)en, neroenerregcn^ 
ben '-öeftanbteile be§ ?vleifd)ee:, burd) meld)e c;^ ber reijfndjtigen, 
nerDenfd)mad)en 9}]enfd}()eit fo unentbe()rlid) gemorben ift. ©ein 
I)oI)er (Siraeif^gelialt aüein ift e§ nic^t; benn (Simeif? in äbn(id)er 
^Jfenge bringen une geiuiffe ''|>flan5enftoffe ami). 'Jln mineralifdjen '-iHn-bin^ 
bungen eut^ött esi oorroiegenb 5^ali unb '!p()o§p()orüerbinbungeii, mäbrenb ^Jatron 
unb ^alf nur fel)v fc^roac^ oertreten finb. '))}ad) .Honig fiuben mir: 

äöaffer 

50— 707o 

70—7570 




S-ig. 30. 

9ioriita(c 

Wu.ofcI:,cüc. 



£)d)fenfleifd) 
.^albfleifd) 
Öammelf(eifd) 
©d)roeinefleifd) 



7o 



15—2070 
15 — 18 7o 
14—1770 
15—17% 



5ett 
10_307o 



7—1070 



2)— 287o 
30—3770 



50- 

47—5070 

(b. (}. auf lOU föviiiniii 7s-Icil"c() foinnien 20 ©vannn C'iiocifj iifw.). 

9Iu5i biefev 3;:abe({e gel)t bcroor, baf? .^atbfleifd) ba^^ niaffeneid)fte, 

(Sd)meinefleifd) t)a^j fcttefte ?^(eifd) ift, ferner ,Od)fenflcifd) bao 

meifte ©imei^ ent[)ält. ^emerfen^mert bteibt c$ jebod) immer, bafj mir, um 

15— 2070 tierifd)e5 (5imeiJ3 5u geroinncn, 50— 707o 'Gaffer mitfaufen muffen. 



58 ^^^ ß 1) 1" " " g § nt i 1 1 e l. 



Sie ?T{eiuje ber (Si'trat'tiüftoffe ift in Dem ?>-leifc^ üerjd)iebcnev Spiere 
aitd) fef)r t)crjct)ieben. "iDiejenigeu raetjeii am meiften baoon auf, roeldje bie 
energi[d)[te 'i'-^higfelberocgung [)aben. ®al}er ift Sßilb am rei(i)ften an Xantin, 
Creatinin ufro. unb ^at fein ?y(eifcl) ben d)arafteriftifd)en @efcf)macf foroie 
bie crrcgenben (Sigenfdjaften. ®er befonbere (ScfiJjmad bci^ g-teifdje^o roirb 
aud^ nod) bur^ ba» %^tt bebingt — man benfe nur an bie ä>erfd)iebent)eit 
be§ (2cf)meine= unb ^ammelfette^. 

'3)iefe 3?erfc[)iebent)eit be§ ©cf^madfeS unb ©eru(^e§ iciil)rt tjauptfä^Iid) 
oon ^ettfäuren Ijer. 

Sanboi§ gibt an, ha'^ fid) in 100 ^Seiten ^-teifd) an (Si'tmftiüftüffen 
Dorfinben : 

im yjienfd)en= unb ^Jaubeuflcifd^ 3 Seile, 
„ 9^et)= unb (Sntenfteifd) 4 

„ (3cl)ir)albenfleifd) 7 

®tefe ®j:traftir)ftüffe, roeld)e emjelne 'Olrjte auct) „©cnu^ftoffe" nennen 
unb bereu erregenbe ^Ü^irt'ung fo fe^r rü{}men, uertaffen ben Organismus un^ 
üeränbert, roie fie tt)n betreten Ijaben, oljue itjm gu nü^en. 3Bot)I aber laffen 
fie 9]ierenüeränberungen jurüd', wa§ üiele ©eftiouen 93erftorbencr bemeifen. 

Über bie uerfcbicbenen 5-(eifd)arten ift noc^ gu fagen, ba^ bie 9Jlu§!eIn 
junger 3:iere mafferreidjer unb fettörmer finb, aud) raeniger @j:traftiDftoffe 
entljalten, bie ^leifdjfafer jinar jarter ift, aber aud) raeniger fd)macff}aft. 
5?atbfleifd) befit^t am meiften Seim unb 35>affer. 9({)nlid) ocrtjätt t§ fid) mit 
bem %k\]6) ber jungen S^o^^. 

Sßitb unb (Sefd'igel ift an Giraeijs reid)er, an ^-ett ärmer a[§ bie 
©d)Iad)ttiere. ®a§ ^-leifd) jener S:iere Ijot bid)tere§ ©eroebe. ^üljuer, 
Stauben, ©nten, ©änfe Ijaben burd)fd)nittUd) 22 7'^ (Siraei|3 unb 3— 5°/o ^-ett, 
bei gemäfteten ©änfen fteigt ber 3^ettget)alt atlerbingg auf 40°/o, raä[)renb 
ber (5iraeif3gel]a(t fid) uerminbcrt. 

Unter ben ?yifd)en untcrfd)eibet man fette unb fettarme. £ad)§, .geringe, 
Slal entf)alten 6— 2S°/o ?^-ett, i()r ®iraeif5ge()att ift feineyroeg§ gering, fonbern 
beträgt 15 — 20 7o. ^I)r 9flät)rraert ift alfü nid)t oiel geringer al§ jener ber 
2Barmb(üter. Karpfen unb ^^<i}t entl)a(tcn fogar an 25 7o ®in)eif3. 

Sa if)re ©cminnung fo uiel einfad)er unb billiger ift, al§ jene ber 
SBarmblüter — man beute nur an bie 3eit, Soften unb Strbeit, raelc^e bie 
©taütiere erforbern! — fo märe ^§ 5u roünfc^en, bie 0^ifd)e mürben nod) oiel 
mebr i'ülf!?nal)rung§mittet unb im ^^Preife billiger merben. ®ie 5lüftenbemol)ner 
galten oiel oon ifjrer ©eefifc^foft unb mir raoUen e6 ba()er uid)t oerfäumen, 
barauf befonber§ I)in3uroeifen. 

©efal^ene unb geräudjerte 5-(eifd)avlcn finb fonsentriertere 9lal)rung§= 
mittet, ba fie bebeutenben Sföafferoerluft erlitten Ijaben. Seiber f)aben fie 
aber auc^ fel)r oiel 5lod)fal3, ^oljeffig, Slreofot aufgenommen, um burd) biefe 
(Stoffe fäulnismibrige (Sigeufd)aften 5u erlangen. 



?'c n \) X u 11 a, § mittel. 



59 



eotsc 


SSaffer 


ii7o 


28 7o 


13— IG^'o 


40— G07o 


23 7o 


53 7o 


l7o 


59 7o 



©0 ent()ä(t: 

(Siroeifj gett 

©cl)infen: 25 7o 3G7o 

gering: 20— 307o 10— 177o 

(Sarbcüen: 227o 270 

Vieler Sprotten: 237o I770 

®ie ^ebeutung be§ ^üd)i"a{§e§ auf beii mcuid)(icl)en Crgani^muS erörtern 
lüir in einem befonbercn 5?apite(. 

Sind) bie Snrft ronrbe erfunbcn, um g-leifd) ju fonferoieren unb 
allerlei unbraud)bare unb [ormtofe 2ltifä((e [oiuie 9^ücf[länbe §n ücrroerten. 
®a bei if)rer Zubereitung naturgemäJ3 Unfauberfeiten unterlaufen, bei roarmer 
2luf5entcmperatur überbie§ and) ©ärungen ober neue ?V'iiiiI"i^gifte entfte!)en, 
fo ift ber 2©uvftgenuJ3 nur mit ^ßorfi^t geftattet unb im Summer ober bei 
feljr billiger ^>H>are lieber 

ganj ju meiben. ^^xq (5)e= ^— v _ . , _ ^,.. ^ 

roür^e reiben ©aumen unb ?v--^ Ns-*Aijl^«i ^r . a 

9)]agenmanb, il)re fein ger^ 
fleinerte ^orm erleidjtert 
il)re 93erbauung — barimi 
ift fie fo beliebt. ®a^ e§ 
ein befoubereä, töblid) roir= 
fenbe§ Sßurftgift gibt, 
bürfte al§ bel'annt üorau§= 
gefegt werben. 

Stud) über ba§ ^leifd) 
fr auf er 3:;iere muffen mir 
einige 3Borte bringen. ®a5 
^-leif(^ gefunber 3:iere loirb 
^Jlenfdjen oon gefunbem 
Stoffn}e(^fel bei mäfjigem 
@enu§ nicl)t fd)nben, obmot)l 
il)r ^au fie meljr 5ur 

^flanjennaljrung Ijinroeift. %a§ ?}leifd) f rauf er 2:iere aber ift ftet§ 
f^äblid), roenngleid) feine Sirfung oon einem f'räftigen unb einem gefdjiuädjten 
9Dlenfd)en in fel)r oerfc^iebener SBeife überrounben mirb. ®a§ Stallebcn ber 
,^au§ttere, ba§ oft allen ^laturgefcljen .g)oI)u fpridjt, mu^ ^^ranfbeiten er» 
jengen, raie 3::uberfulofe, SJülgbranb, ^linbcrpeft u. a. ; unb ba meber bie 
?^leifd)fd)au um überall gleid) poerläffige ift, nod) aml} bie ^Injeidjcn ber 
^ranfljeit be!§ ^icre§ anfänglid) ganj beuttidje finb, fo fann man gctroft 
anneljmen, baf3 minbefteuü ^1?. alle§ oerfauflii^en 3^leifd)C!3 mcljr ober minber 
!ran!en Stieren entflammt. 23erbraud)te Stubenluft unb mangell)afte Se^- 
roegung machen 2Renfc^ raie Sicr franf ; fprädjen bie ibrer ^reiljeit beraubten 




Jig. 31. ^TuticrfiitöiC!? jyniftfclf ctitc^ 5niitbc3. 



60 



9? a (i r ;i ii n C' m i 1 1 c L 




%m^ 11 ufere <2pra(i)e, fo raürbeu fie fid) lücljt nur laut über bie ©raufmufett 
Iief(ni]eu, bie rair i()ueu c3eiut[[eu(oo 5ufiu]en, foiibcru fie un'irbeu aus aud) 
eiue gau^e DJIeuge fürper(id)er 33efd)iuerbeu luitteilcu, bie luir uur beeljalb 

beim 2:ieve uid)t femien, lueil rair feiue Stufseruugeu 
3u lueuig rcrflel)eu. "i^^ie Ijäufigfte ^rauflieit, nuf 
bcu 9Jteufd)eu übertragbar, ift bie 2:uber= 
fu(ofe. g-ig. 31 geigt m\§ ein mit tu berfulöfeu 
Quoten befet3teg 93ruftfeU. Säugft föuueii foldje 
tuberfutöfeu ^erbe üorI)aubcu uub bie Rövper= 
fäfte beö 3:iere§ frauf, fein 3(u^öfe(jeu aber uod) 
leiblid) uormat, fein ?J]u0felfteifd) rot uub gefuub 
feiu. ?Jlau befeitigt bie erfraufteu Steile uub 
uerfauft ba^o gut au§fet)eube ^'leifc^. (2id)er übt 
ba§ ^J(bfod)eu ober traten aller g-leifd)fürtcn burc^ 
beu Giuftufä I)ü()er 35>ärmegrabe uub bie bamit oer^ 
buubeueu ä^eräuberungeu eiueu gemiffeu Sd)ut^ an§, 
otjue u)eld)eu mau uod) oiel met)r Grfrautuugeu 
g-ig. 32. Jvtnncn ^roifrfien ben uad) ^'leifd^geuu^ gu Der5eid)uen (jötte. @§ fei alfo 
.f!"f?"'i'^" t'^irf^'^- »«-n- bcm @euuf3 ro(]eu ^•leifd)e§ uod) befouber^5 

geumrut! @ö ift ya aud) bie nrfad)e ber 33aub= 
murui= uub ber 3:rid)iucufrauff)ett, ba uäd)ft bem 9iiube ha§ (Sd)u)ein 
beu mcifteu Strauf(]eiteu uutenuorfeu ift uub aud) ro(}e§ (Sd)iüeiuef(eif^ nid)t 
fetteu gcuoffen roirb. 

2)ie 2:rid)iue lebt al§ fteiner 3Burm (fief)e g-ig. 33) im (2d)meiu unb 
in ber 9iatte; oom %axm be§ 3:iere§ aus maubert bie 
2:rid)iue naä) aüeu Steiteu bes ÄorperS, fe^t fid) in 
beu SO^usfelu feft uub fapfett fid) bort ein. 33ei ber 
g-Ieifd)fd)au rairb 'i)a§ (Sd)mciuef(eifd) mit ber 2u\k 
uuterfud)t, bamit feiue trid)iuüfen @d)iufeu iu ben 
.^ciubcl fouimeu. ^^-ür beu ?Jicufd)eu befteljt bie ©efaljr 
bariu, baf? fid) im fauren 93iagenfaft bie ^apfetn auf= 
lüfcu uub noui D^iageu am bie freigeraorbeueu 3Sürm- 
d)eu waä:} mui)t'uli3feu Äörperteileu au^joaubern, babei 
I)eflige (Sd)uter5cn üerurfad)eu. ^er 9}cenf(^ fann 
ja()r5e()utelaug au 9)lu5fe[fd)mer5en infolge 2;rid)iuen 
leiben. STHirbcn bie (2d)meiue reiner getjalteu rocrben, 
fo t'ämen fie uid)t ba5u, tridjinofe 9iatten 5U üer5cl)rcu, 
unb un'irbeu bie ^liinber naturgemäfjer gepflegt, fo 
mürben fie u\hS and] feiue tubcrfulöfe W\kl} geben. 
2lud) bie ^inne befiubct fid) iui £d)uieiue unb 9iiube, ^yig. 32. ^u 
einem neuen Sirt, alfo iui ^arm be» 9}leufd)eu, bev finniges fyleifd) 
genoffen l)at, eutmid'elt fid) ber ^^aubmurm an?' \l)x, ber grof3e ^efc^n)er= 




%\Q r>y. Siirtiiiiöicc! Js'lciffl) 

tn natüilirf)cv ®ro6e. 



9^ a [i r u n g ö nü 1 1 e I. 



61 



bcn oerurfarf)eu fann (]\^\)^ „öeilfuube" ^anbiuurm). 'Ji}er alfü fein ^-(eifd) 
geuiefjt, ober roenigfteii§ niemals ro(]e^5, faun aiid) niema(5 nn i8anb= 
rourm erf'ranfen. 

3n feinem biätetifcf)en Rod)bud) mact)t 'iöiel intereffante 9Ingaben über 
bie ?J]ert5eicI)en be» gejunben unb fraufen ^-(eifrf)e?, rae(d)e Dode ^^ead)tung 
gcmbe feiten-o ber ^-rauenroelt oerbiciien. ^ie iüid)tigften lauten: 

1) 2ic blaf3rütlid)e ^^arbe besj ?y(ei]d)e5 ift ein 5(n5eid)en bafür, ba^ 
ba-3 3:ier anämifrf), alio nirf)t gefunb mar. 

2) 2:ie tief rote Jyarbe beroeift, ba(3 ba5 2ier nidjt gefd)Iad)tet murbc, 
fonbern — oerenbet ift. 

3) ^as ?yett am gefunbeii 
?^-Ieifd) ift mein unb f)art, 
am franfen bagecjen ge(b(id)= 
mein, mäfferig ober gaüertig. 

4) @efnnbe5 Jleifc^ füiilt fid) 
feft an unb mad)t ben 5in= ^^ _ . 
ger faum noB, franfes ift l'^^J^^O 
\mi&) unb töBt 5-Iüffigfeit (^^^^ ^^ 
austreten. 

5) (5)ute§ ?y(eifd) rie^t faum, 
franfcs „mufft", i)at aud) 
mand)ma[ ^Ir^neigerud), 
roeit befanuttic^ in ber Jier= 
t)eitfunbe ftarf „nerorbnet" 
roirb. 

G) G)ute5 O^teifc^ jd)vumpft 

roeuig beim ^od)en unb nerliert nid)t oiet an C^ercid)t. fd)ted)te§ fd)rumpft 

äufammen unb mirb oiet (eid)ter, meif e§ mel)r ii'cim unb 'Jßaffer ftatt 

^ett unb 9Jlu5felfubftan5 entbält. 

^ie 9)1 itc^. (Sie ift eine ^lülfifl^^it bie fid) in ben 'öruftbrüfen ber 
iüeib(id)en Säugetiere bilbet unb am 'iSaffer, Sa^en, ^-ett, 5.1|ild)^ucfer unb 
Släfe (Giroeifj) beftel)t. Me '^lätirftoffe enthält fic alfo für ben tierifd)en 
Crganismus unb ift bes^alb ats uüUfümmcney Olaln'ungsmittel moI}( geeignet, 
bem 3Iufbau eineä jugenb(ict)en Crganismug ju bienen. 3Iud) bie 9JZenfd)en' 
mutter er^jeugt W\i6) unb fängt bas 'Jlcugeborcne. (3ic()e „"öruftbrüfe" 
I. unb ir. Jeil „^as 5linb".) 

*J)er Släfeftoff ift nur eine befonbere ^yorm bes (Jimeifies, ber bei QnU 
ftebung ron '!'1|i(d)iäuren in ber Wüd) 5u .^ilumpen gerinnt, ^icfo Säure bilbet 
fid) aud) burc^ ben (iinfhifj ber l'uft, uiib mir erhalten bann bie Xidmild) ober 
„Sauermilch". ?^ig. 34 unb 35 geigen unö ben Unterfd)icb 5mifd)cn iHillmilc^ unb 
<3)irfmild), meld) letztere burd) öerinnung be^g .Uäfeftoffes entftcl)t. ^a^$ Wüti)- 
maffer (bie 9JUilfenj entl)ält Sal^e, mcnig gelöftes (i-imcif; unb geringe ""A^iengen 




^ig. 34. i^oömtlrfi mit tdrcn 5cttfügcfd)eit. 



€2 



32 a I) r u u g ä m i 1 1 c l. 




oon g-ett unb bieut im» üorjügürf) bei ^erbauungsfrauf^eiten. ®ie beliebtefte 

9Jli(d) ift bie be§ 9iinbe5, bie aber uid)t fetten Sruberfelbasiüeu ent()ält raie 

g-ig. 36 5ctgt, rao siuifdjeii ben 5-ettfügeId)en bie 33a3iÜen beutüd) 511 je()en fmb. 

2)ie ^iegenmi(d) ift it)rey eigentümlid)en ©efc^macfeS inegen raeuiger 

beliebt al§ bie Sliil)mif(^; aber 
bie ^^flege ber ^^^Ö^ ^l"^ billiger, 
auct) ift fie roeniger S^ran!{)eiteu 
iinterraorfen qI5 ba§ 9iinb. (Sfel§= 
unb (Stntenmild) werben all 
menfd)lid)el 9^al)rung§mittel n)e= 
niger benü^t, f)aben ober aud) 
il}re S^orjüge. Grftere I}at fid) be- 
fonberS für (Säuglinge beroäf)rt, 
raeldie 5^uljmi(c^ mit beiu fd)U)eren 
^afeingeb;oIt (^äfeftoff) nod) ni^t 
uertragen. 

^urd) ba§ üb{id)e 5(bfüd)en 
ber ?J^iId) roerben foroof)! jene 
pitjartigen f(einen Sebeiuefen, 
" ^ / j IM n)eid)e bte Säuerung ber miiu) 

beroirfen unb burd) bie Suft übertragen raerben, als oud) bie ^rubertelbajiden 
ceruic^tet; eS ift a(fo ein fidjerel ?3litte(, bie 9Jli(d) oon fremben ^eftanb» 
leiten §u reinigen, bod) üerUert fie bei anbauernber ©iebefjitje an SBofjU 

gefd)macf, unb ber 5?äfeftoff rcirb 
I)ärter unb fd)roerer üerbaulid^. 
93ei (Säuglingen unb iiront'en rairb 
biel oft empfunben. ®ie DIatur 
bietet unl bie SDIild) ungefüd)t 
unb als Dollfommenel 9^al)rung§= 
mittel; benu^en roir nur gefunbe, 
natürlid)lebenbe 9Jlild)tiere, l)at= 
ten mir Unreinlidjfeiten unb ^uft 
oon ber ?JJild) ab, fo Ijaben mir 
fein 9lbfod)en notmeubig. ^er 
9)li(c^genu^ (Srmad)fener f)ängt 
jebüd) mit bem übermäfsigen 
^yleif^genu^ gufammen; man Ijat 
faft oergeffen, baJ3 9}lild) nur 
91al)rung für junge 2;iere ift 
unb ba^ fein erroad)fenel (Säugetier barnad) greift, ^emnad) ift ber äßiber^ 
miüe einzelner erroad)fcner ^erfonen gegen ben 9}lild)genu{3 nid)t unerflärlid); 
Iroljbem aber mag fie für S^inber, (Sd}mäd)lid)c unb 5~\ranfe ein ausgejeidjuete» 




g-ig. 36. 2:uicrfeIDn,^t(fcu in ber fia^mtfc^. 



?lal)ruugsmittol. 63 



^aljrungsmittel bleiben. S:abeI(ofe 9fteinltd)t'cit uiib 3ßül)(geic^ma(f ber ^Jliiä) 
er^icd man burd) Ijänfigeg 2Iu5füd)en ber 9)lil(i)gefäBe mit ctroas oobajufa^, 
[orgfältigeö '^ebecfen ber gefüllten ©efäjic, 2(u|beroa(}rnng in füf)(en gernd)(o]"en 
0?äunicn unb üollftänbige 3Ibfüt)i:ung ber 9}li(d) nad) i()rer (Srt)i^ung. 

3{)re ^n-obnfte finb S^äfe, 53utter, 5!epl)ir, 91loIfen. 

3()V Q>el)alt an SRineralien ift bebeutenb; el ent()ä[t: 

grauenmit(^ 3,46 % 

5^nt)mild) 5,64 > 

3iegenmi(c^ 6,48 °,'n 

n)eld)e gum 2tufbau bei roadjfeuben CrganiSmuä nötig finb, ba roeber ^noci)en= 

bilbnng ö^ne p{)o§pI)orfauren ta(f, nod) 3eüenraad)^tnni o()ne ^iatron, ^aü, 

©ifen nfiü. ntöglic^ finb. 

Unter ben 9JtiId)forten ift (Sd)afmi(d) am ärmften an SBaffer nnb am 
reid)ften an ©iraei^ unb ^ett. ^ie (£f ellmt(d) ift bagegen reirf)er an 5£Baffer 
unb ärmer an (Simei^ unb ^-ett. 3Bir erhalten bann beiläufig fotgenbe 3«^)^en, 
n)e(d)e jebod) je nad) ber ^-üttcrnng oariieren: 

©aller Giireijs 3:-ett 

^ul)mild) 87 > 4,0^0 3,5 % 

(Sfel§mitd) 90 7o 1,6 > 1,2 «/o 

Biegenmild) 85 % 4,0 7o 4,55 "/o 

(Sd)afmtt^ 8370 5,5 7o 5,0 "/o 

'3)e§t)alb ift ©fel^mitd^ für ©äuglinge geeigneter, ^ut)= unb ßi^Ö^nmitc^ 
jebod) für (Srmadjfene fättigenber unb raoljlfi^mecfenber. 

5^epl)ir ift ein üortreff(id)e§ ©etränf, n3e(d)e§ un§ bie beften ^ienfte 
bei Traufen (eiftet, befonber§ in jenen ^-ällen, in n)e(d)en ©ü^mi(d) nid)t er» 
tragen roirb unb (Sauermi(d) nid)t m ^aben ift. (S§ ift ein gegoren e!§ ©etränf, 
(djäumt unb fc^mcdft nad) ©auermili^. ^urd) SSermenbung be§ i^epIjirpil^eS 
fann man fi^ 5lep^irmitd) felbft bereiten, boc^ »erlangt bie .^erfteüung be§ 
.^epl)ir§ imTuerl^in (Sorgfalt unb einige ®rfal)rung. @ä entf)ält infolge ber 
©ärung ^ol)lenfäure unb ©puren oon Sllfobol, luoburd) bie 'iun-banUd)feit 
teä ^äfeftoffg günftig beeinflußt mirb. (5id)er ift, bafj burd) bie ©erinnung 
be§ ^äfe» unb bie Ummanblung be§ 9J?ild),^uc!er§ in 9rci(d)fäure bem 'üRagen 
eine geroiffe 2lrbeitölciftung abgenommen roirb, roa^5 bie oft oortrcfflidje 
3Bir!nng be§ £ep^ir§ hzi SSerbaunng^f'ranfen erftärt. 

Unter „t'onbenfierter" ober „Sd)ro eisermild}" oerftcl)t man ÜBoll^ 
mild), bie burc^ lange! 5^oc^en eingebictt ift, alfo oiel ^Baffer ucrloren 
l)at, unb ber man jur befferen (Srbaltung ^nd^x sngofetU l)at. Sie ift 
t)al)er fet)r nal)rl)aft, unb, felbft oerbünnt, für Itinbcr fein sroectmäfsigcä 
IJIaljrungC'mittel. 

^ie 33ntter. ©ie roirb au§ ber ^u'^mild) burc^ Sfbfdjöpfen geroonnen. 
%a bie ^etttugeld)en leichter an @croid)t finb all ba§ i^afein, fo fammeln 
fie ftd) an ber Oberfläd)e ber W\16) an, fobalb bicfe längere 3cit rut)ig ftcl)t. 



64 



?i n t) r u n g § in i 1 1 c I. 



Entfernt man biefe 5ett]d)id)te oor Eintritt bei* (Säuerung ber dJliid), ]o erl)ält 
mau [ii^en 9ia^m, nad) (Eintritt ber ©äuerung fauren 9^at)m. ^e nac^ 
ber me()r ober minber forgfältigen 2I6raf)mung eri)ä(t man fettreict)en ober 
fettarmen 9^al)m, ber entfpred)enb weniger ober me^r 9JliId)beftanbtei(e entf)ätt. 
®urct) ©(plagen be§ 9?of)me§ fprengt mau bie ;5üllen ber 5ett!ügeld)en, 
bie[e oereinigeu fic^ ju ^yettfhimpen unb lönuen tu beftimmte ^"ormen, be= 
fouber§ unter Ginflu^ niebriger 2;emperatur, gebrad)t roerben. ©ute S3utter 
beftef)t au§ etroa 84"7o ^-ett, f(i)(e(^te au§ 70^0 unb meniger. 

5lud) bie 53utter nimmt befanutlid) ^yarbe nnb @efct)mac£ be§ ^nitter§ 
ber ^^Jlild)tiere an; iljre ©üte fann alfo jet)r t)er|d)ieben fein. Stro^bem gilt 
fie ai§ ba§ raoljlfdjmcd'enbfte unb Ieid)tDcrbau(id)fte ?^ett nnb rairb in großen 
9JJeugen oer5eI}rt, oft jum 9lad)tei( ber ä>erbauung. 2ßir gebenfen i{)rer 
noc^ bei ber 2tb()anb(uug ber „3'ette". 

Über iia^S Siauäigraerben ber 33utter ift nod) ju fagen, ba^ fi(^ biefer 

unangenef)me ß^f^fl"*^ ""^ 
fo e^er entroidett, je un= 
reiner bie Butter ift, b. f). 
je mel)r ^ii^^ fidj in if)r 
befinben, unb je länger 
fie einer roarmen nnb 
oerunreinigten Suft au§ge= 
fe^t ift. 2(u§ ben ^^etten 
ber 33utter entroideln fid) 
bann g-ettfäuren, bie 
itjreio nnangenet)men 33eige= 
fd)niade§ raegen and) bie 
fd)ünfte 33utter fd)lief}lid) 
ungeniepar mad)en. 
^sie ba§ 9(bfod)cn bie 5}h(di üor rafc^er (Säuerung fd)ü^t, fo fann 
and) ba§ (2d)me(5en ber Butter burd) ©iebetjilje ade in i()r enttjaltenen <iTeime 
abtöten unb fie für lange |]eit l)altbar mad)eu, allein — „Butter" ift biefe§ 
fefte nnb gelbe ?^ett bann nid)t mef)r, e§ ift blof? ein oorjiiglidjeS ^oct)fett 
gcmorben; ber feine 'iBol)lgefd)macl; ber Butter ift burd) bie Siebeljitje oer= 
loren gegangen. 

^I^er Räfe. 93]an ücrftct)t barunter ben 5?äfcftoff ber ^^}ltld), mit ober 
oljue ^-ettgefialt, nad) 3In^ofd)eiben ber 9)^olfcn unb nad) (Sinroirfung oon 
öeroürjen ober ber burd) '•^sitje erzeugten ^-änlni^oorgänge. ®al)er ber oiel* 
fältige @efd)niad ber üerfd)iebencn Släfeforten unb ber oft I)öd)ft roiberlid)e 
öerud). ^e nad) il)rem ^•cttgct)alt nnterfd)eibet man 9J^agerl'äfe, ^^ettfäfe, 
Stal)mfäfe; je nad) il)rer ^^eftigf'eit ^art= ober 3öeid)fäfc. ^e fcfter 
fie finb, befto raeniger 5©affer entl)alten fie unb befto fonjentrierter finb fie 
al§ SJa()rung5mitte[. (Sic entljaltcn 20— 40 70 Giuicijj unb 20— GOVo ^-üt. 



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giß. 37. 3t(tcr Ättfe mit fctncit Scmo^itcrn (ßnfcmtlbcn). 



Sf^aljrungg mittel. 65 



^Serben fie nid)t forgfädig gefnut, fo bleiben bie F)arten ©orten fa[t 
unoerbauUd) unb werben üon ben ^crbauung5[äften nicf)t gelöft, baf)er i^r 
berechtigter S^uf ber „Sd)roerDerbau(id)feit". 33ei mäßigem ©enuffe jebod) 
unb guter SBat)l finb fie ein D0V5Üg(i(^e§ S^lafirungSmittet für ©efunbe unb 
ftetten febenfaUä bie befte ^yorni ber 93]i(rf)t)ern)ertung bar. 

®er pifante ©efdjnmd geiuiffer Släfearten tommt von ber B^i^f^^w^Ö 
be5 ^afein§ unb ber gette ^er, roeldje g(eicl)fall§ burd) eingebrungene ^ilje 
entfteljt. SSefanntlid) muffen bie ^äfefaibc monatelang beftimmten (Sinpffen 
auigefe^t fein, um geraiffe Umraanbhtngen gu erfaf)ren. (2d)immelbi(bung, 
SCßürmerfoIonien, p^IicEje ©eruc^Sftoffe, bie allen mit i{)nen in 58erüf)rung 
fommenben Körpern anf)aften, finb 3cici)en i^rer „9f?eife". ((Siel)e ^-ig. 37: 
„2t(ter ^äfe mit feinen 33en)o^nern".) 9lid)t abgeftumpfte ©inne roerben un§ 
cor bem ©enu^ foId)er ^äfearten marnen. Ouarf, ©d)meiäerfäfe, ^oUänber^ 
fäfe, aud) einzelne 9iat)mfäfe fmb frei oon efeterrcgeuben beigaben unb fönnen 
bat)er ju mäßigem ©enuffe empfoI)(en roerben. %a bie ©alje ber 90]i(c^ in 
ber SJioIfe aufgetöft ^urücEbleiben, ift ^äfe übrigen^ fein ooIIfommenei§ 
9^al)rung§mittel, fonbern bebarf anberroeitiger ©rgänjung. 

ISO 

Das ei. 

'^k '3l^il)^ ber tierifd)en eiroei^{)altigen y^at)rung§mittel bef^tie^en roir 
mit bem ®i, jenem g^ortpflangung^probuft ber SSogelroelt, roeld)e§ fo ^o{)e§ 
2Infe^en at§ 9f^a^rung§mittet befi^t. 

2öie bie Wiiä) ba§ ^unge be§ ©äugetiere§ erl)ätt, fo ernät)rt ba§ @i, 
'2)otter unb (Siroei^, ba§ ^unge be§ 2Soge(§, bi§ e§ ben ränmiidjen 9Ser^äIt= 
niffen be§ (Sie§ entroact)fen ift unb feine ©d)ale burcf)brid)t. 

%a e§ a\i&) ben 5^eim entl)ä(t, au§ bem fic^ unter (Sinroirhmg ber 
3Bärme ba§ 3:ier entroicEelt, fo ift bal @i an fic^ gteid) bem ungeborenen 2:ier. 
(&§ roiegt 50 gr unb entf)ä(t etroa 6 gr (Siroei^, 6 gr gett, 32 gr SBaffer, 
72 gr ©atje. %a§ (Siroei^ be§ 93ogeteie§ ftellt ben reinften Siroei^förper 
bar unb ent!)ätt am meiften ©djroefel. 

%a§ gett befinbet fi(^ im (Sibotter, 'i)a§ aud) einen ^^arbftoff entf)cilt, 
bafjer ber @efc^ma(fg= unb 3^arbunterfd)ieb §roifd)en ©iroei^ unb 'J)otter. ®ay 
(Siroei^ ift fe!)r roafferrei^, farblü§ unb (eid)t uerbautid). 

^ür bie ^nd)e roerben oorroiegenb nur .^üljuereter oerroenbct, roeld)e 
man baburd) frifd) erijält, ^a^ man fie oor bem ©influ^ ber fiuft beroat)rt, 
roelc^e burd) bie ^oren ber ^alffd)ate einbringt. ^oS 3'^id)cn ber (yrifd)e 
eineä ®ie§ ift, ba^ z§, gegen ein Sid)t ge()a(ten, burd)fd)immernb ift, im 
Sßaffer unterfinft unb aujserbem an feinen beiben ©üben fid) fatt anfüt)lt. 
Q3ei beginnenber gäulni§ (^erfe^ung be§ ©iroeifseS, roobei neue ©d)roefeU 
oerbinbungen entfteben) bi(ben fid) (55afe, roeld)e beroirfen, baf^ ba§ (5i auf bem 

®!e ^rau aI5 ^auSärjttn. -^ 



ßQ yta^xunQ§ mittel. 



2Ba[fer fd)tt)immt ober raeniöftenS fd)raer unterfinft. ®a§ ©i mufs ferner im 
fri[ci)eu 3uftanbe gerudjio» fein, nnb ber erfte ©rab ungünftiger 25eränberung 
äußert fid) burcf) @eruci)§ftoffe, (ange beoor fid) bie natitrlid)e '^-axU be§ @ie§ 
geänbert I)at. §rif(^e, grof^e ©er gnt gel)altener ^ül)ner Ijakn bnnfelgelben 
®otter unb fefte§ ©iraei^; „5?alfeier", bie oft monatelang im ^alfe gelegen 
Ijaben, um epar gu bleiben, Ijaben bilnneS (Siroei^ unb Ijelteren Dotter, 
aud) befi^en fie oft einen unangenel)men 9^ebengefd)macf, ol)ne gerabe faulig 
gu fein. 

2Bie alle oerborbenen tierifd)en ©iraei^ftoffe finb aucf) bie ©ier, fd)on 
bei nur teilraeifer SSerroefung, fe!)r et'eferregenb, unb raenn fie bennod) gen offen 
merben, imftonbe, für oiele 3:age ben 9}tagen grünblid) ju nerberben unb §u 
@rbred)en, raiber(id)em Shifftof^en ufm. §u fül}ren. (£5 ift baljer and) bei 
©iergenu^ 5ßorfid)t nötig. 

3lu§er ben i^ütjnereiern raeröen and) (Snteneier unb befonberl ?3nfd)= 
ei er genoffen. :?e^tere f)ei^en 9f?ogen. ®er eingefallene Siogen be§ ©tör§ 
fjei^t 5laüiar unb ift feinet ©iiüei^e^ unb ^-etieS roegen fel)r naljrljaft. ^^-ür 
^^erfonen oon f(^road)cr 3Serbauung eignet er fid) aber \\\ä)t, unb Giranten 
fott man il)n feiner burfterregenbeii Söirfung raegen nid)t geben, e§ fei benn 
äu gans beftimmten |]med'en. 

(B§ gibt oiete ©egner De§ @igenuffe§, aber no^ meljr ^reunbe. 

Um fid) burd) (Sier eine gröjserc 9Jlenge (Simeifjftoffe täglid) 5U5ufüI)ren, 
mü^te man etma 20 ©tüd täglid) oerjetjren. ®ie ©rfaf)rung I}at jebod) längft 
geleljrt, bafj fold)e (Syperimente fd)Ied)t befommen; benn c§ tritt 9Ippctit(üfig= 
feit ein unb 9JJagenbefd)n)erbcn entfteljen. ©rötere 9Jlengen oon (Siern werben 
längere 3eit Ijinburd) meift nid)t gut t3ertragen, unb fd)mäd3lid)e ^erfonen 
mit träger 95erbauung mufs man oor täglid)em (Siergenufj fogar roarncn. 

®ie ©Ute eine§ 9^{al)rung§mtttel§ Ijängt ntd)t nur oon bem ©iraeijägeljalt 
be§felben ab, fonbern raeit mel)r oon feiner 9]erbaulid)feit unb ber 9(norbnung 
leiner anberen ^eftanbtcile. ®§ ift alfo grunbfalfd), nur bie etmcifjrcictjen 
yf|äl)rmittel a[§ befonber^ gute p preifen unb bie anberen (£igenfd)aften au^cr 
ad)t äu laffen. 

2lud) baä (£i l)at jeine ^^Parafiten, roeld)en man baburd) auSuicidjt, bafj 
man immer nur möglid)ft frifdje ©ier geniest unb für naturgcmäjse ©rnäljrung 
ber i^üljuer forgt. 

^a§ ©eniejien rol)er (Sier Ijat baljer awä:) feine ©cfaljren. (So roie bie 
WÜ6) merben fie gleidjfallS burd) ben S\od)pro5ef5 bccinfhifjt ; ba§ (5imei(3 gerinnt 
unb mirb feft, unb für mangen)aften 9Jlagenfaft finb baljer ro^e ®ier, in eine 
^•lüffigfeit gequirlt ober unocränbcrt au^getrunfen, gciuifs 5utväglid)cr. t^art= 
gefodjte (Jier, gut gcrfaut unb grünblid) cingcfpcidjclt, mcrben oon ©efnnbcn 
jebod) oorjügltd) oerbaut; oon (Sinflujj ift babei natürlid), meldjc Spcifcn 
nebenbei noct) genoffen merbeu. 

05 



91 a {) r II n g § ni i 1 1 e I. 67 



Die fette. 

SCBie f^on frül)er angefül^rt raurbe, beftef)en bie ?^ette au§ ^ot)ten-, 
SBQ[|cr= unb Sauerftoff , ai\o C H unb graar im 33evljä(tni§ üon 76, 
12 unb 11. 

33(eilien fte ber ^äitlniS iibertoffen, fo jertegen fie fi(^ in freie ^^ett- 
fäuren unb in ©Igserin. Sie finben fiel) reic^Iid) im 3;ierförper unb 
in ben ©amen einsetner ^ftanjen (91uj3, SJ^anbet, ^ofo§, 9)lot)n nfro.)- 
9ieine ^^ctte finb geruci)^ unb gefd)macf(o§, bie ^ettfäuven liefern ben ©erud) 
beim SfJanjigroerben. 

^n ben ^ffansen finben ftd) ^ette in flüffiger ^orm oor, aU fogenannte 
Öle, im 3:ier!örper jebod) in fefterer f^orm al§ f)elle§, me^r ober roeniger 
weic^eä ^ett. 

^m ©üben oersc{)rt man me^r ^ffonjenfette, im 9^orben met)r tierifd)e ^ettc. 

®urc^ @infd)metäen üon fettreid)en ©eraeb^ftürfen erl)ä(t man reinen 
9?inb§tatg, (2cf)iüeinefct)mat5, ©änfefett. 

Unter „©pecf" rerftel)t man (3d)roeinefett, bo§ mel)r ober minber oon 
^inbegeroebe burd)road)fen ift, in geräud)ertem 3"ftöJ^^ß M lange 3eit gut 
erljäft unb befonber^ in geroiffen länblidjen ©egenbeu bie iöutter erfe^+. (S§ 
ift ni^t Ieid)t oerbaulid). 

„ßebertran" ift teici)tüerbautid)e§ ^ifd)fett oon unangenet)mem ©erud^, 
taS al§ -Heilmittel oornel^mlid) bei (3f'ropf)ulofe in lpl)em 5Infet)en ftet)t, ob= 
wotjl e§ feine befonber§ roirffamen 33eftanbteile entl)ält. '3:ennod) fann man 
geroiffe ©rfolge be§felben nid)t beftreiten, inbem e§ al§ üor^ügtidjeS 9iäl)r= 
mittel fd)led)t ernährte i^nbioibuen in befferen ernät)rung§äuftanb oerfe^t unb 
fct)on baburd) franfljafte ©gmptome üerminbert. 2Ragenfd)raad)e ^erfonen 
oertragen e§ jeboc^ nid)t. 

®a§ einzige tierifd)e §ett, ba§ üon lebenben 3:ieren ftammt unb ben 
I)öd)ften 9BoI)lgefct)macf t)at, ift bie Sntter; alle übrigen finb ^eid)enfelte, in» 
bem fie bcm toten Xiere entnommen mcrben. ^^ nad) ber ^eibelgcgenb, ber 
fie entftammen, finb fie an Sert t)erfd)ieben. ©o ift ba§ billigste 5lüd)fctt 
t>a§ „Sflierenfett", ba§ teuerfte 93utter unb ed)te§ Dlioenöl. 

^a§ frütjer „Slunftbutter" genannt mürbe, l)eif5t je^t 9J]argarinc. 
Unter 9Jiargarine uerfteljt man eine angeblid) oon ^Oiapoleon III angeregte 
©rfinbung. 6ie rairb oon oieten ^abrifen in ^ranfreid), .^oüanb unb ^eutfd)« 
lanb Ijergeftellt. ^a6) eingaben ber „35ereinignng bcutfc^er g^largarinefabvifantcn 
äur ^JKat)rung ber gemeinfamen Ontcreffcn" in 5!öln mirb bie ^llJargariiic any 
beftem S^inberfctt, ©peifeölcn unb 9)]ild) in forgfältiger SBeife l^crgeftellt. Seine 
Sßerbaulid)teit foll eine feljr gute fein. 

2Bir finb nid)t in ber Sage, bie in l)i)gicnifd)cn 5^üd)crn unb ber STageS- 
preffe oerftreutcu 33el)auptungen oon unreiner .iperftcllnng ber 9}^argarine au§ 



68 S'J a I) r int g § m i 1 1 e I. 



Sfbfatlftoffen iifro. unter 3iM"ö^ gefä(jrüd)er G()emifalien u. a. nadj^uprüfen, 
roünfcfien aber im ^ntereffe einer guten 3>oIf5ernäf)rung, ha^ alle§ in älteren 
2luf(agen biefe§ SS>erfe§ barüber ©efagte auf 2:äufd)uug beruf)en möcf)te. 2ßir 
geftetjen gerne 5U, öafs eine gejdjicfte 9?erraertung minberraertiger ^ette, bie 
früf)er großenteils oerloren gingen, einen roirti"d)aft(id)en gortfdjritt bebeuten 
unb raünfi^en ben 9Jlargarinefabrifen raeitere (Srfolge auf f)r)gienifd)em ©ebiete. 

SBenn man bebenft, baf3 in ^eutfdjtanb iä()rlid) über §n)ei SJiitlionen 
3entner fün[tlid)er 33utter f)ergefte(It roerben, fo mivb man begreifen, baß e§ 
nid)t gleicf) gültig ift, roeldje ^efcl)affent)eit fie I)at unb wie fte in gefunb^eit^ 
lieber ^infic^t roirft. 

'tRa&\ St. ^oftato (au§ bem „Ülaturarjt") foU man 53utterfälfd)ung erfennen, 
roenn man auf eine ^eiße S^artoffel ein roenig Butter ftreid)t unb biefe rer5et)rt. 
^at man ^§ mit unr>erfä(fcl}ter S)1i(d)butter p tun, fo roirb man nur ben an=» 
genel)men ^uttergefcl)mac! empfinben; mar bie 33uttcr aber mit anberen (Stoffen 
oermif^t, ma§ äujserltc^ gar nid)t bemerfbar ift, fo mirb fid) ein eigentümlidjer, 
roiberroärtiger, ber S3utter ganj unät)nlid)er (5)efd)mac! ()erau§fte((en, iüa^rfd)ein= 
(id) be§l)alb, raeil burcl) bie ©rroärmung be§ ^etteS auf ber {)etßen Slartoffcl 
buftenbe ^eftanbteile frei merben, raeld)e feinesroegS ongenetjmer 9latur fiub. 

©ud)en Hausfrauen ein billigeres, aber gutes ^od)fett, fo mögen fie fid) 
an bie i^ofoSnußbutier unb t)erfd)iebene Cle Ijalten. (SS ift fefjr ju beflagen, 
baß in "^^eutfdjtanb baS 5lod)en mit Öl mit fo oiel ©d)eu betrad)tet mirb. 
^m ©üben wirb alleS in Öl gebraten, in Öfterreid) fe^r oiel mit (Sd)raeinefett 
jubereitet; in ^eiitfd)[anb nur glaubt man, oljue i^uljbutter nid^t auSfommen 
3u fönnen. tiefer Umftanb allein fd)on öffnet 2Serfälfd)ungen 3:üre unb -lor, 
benn roo follte man fD(d)e DJIengen 9Jlild)fett l)ernel)men, um ben Sebarf 
mit unoerfälf(^ter 33utter gu befriebigen?! ®ie @infüf)rung beS ®rbnuß= lui:) 
DlioenöleS als ^od)fett mürbe allen Unanne^mlid)feiten oorbeugen. 

Unter 'i)Qn Pflanzenfetten fiub Seinöl, (Srbnuß= unb Clincnöl bie 
befannteften. ^nm S3a(fen eignet fic^ fold)eS Öl oorjüglid), eS ()at aber 
aud) nod) anbere SSorjüge. @S ift auSgiebiger, mirb nid)t fo leid)t ranjig 
lüie tierifd)eS %ett unb ift frei oon unangeneljmen ober gefunbt)eit§fd)äblid)en 
53eftanbteilen, ba eS, frifd) ber ^flonje entnommen, nid)tS oon giftigen (Stoff» 
raed)felprobuften ober 2eid)enteilen entljält. Seiber fteljen bie feineren Öl=> 
arten, bie füblid)en ©egenben entflammen, fo l)oc^ im ^^reife, baß fie hz^ 
fd)räufteren .^auSl)altungen !aum gugänglid) finb. 2lud) erl)ält man feiten 
reine Öle; roaS bei unS in ben ßäben al§ billiges „(Salatöl" oerfauft wirb 
ober rool)l auc^ einmal „Dlioenöl" getauft ift, ift meift eine 9}lifd)ung fd)led)ter 
unb billiger Sorten gan^ oerfd^iebener Öle unb bemgemäß oft oon erbarm^ 
tid)em ©efdjmac!. 

^a§ 5uträglid)fte unb feinfte Öl für ^üdjenjmecfe ift reineS, ungemifditeS 
Olioenöl. ^n größeren 9)]engen unb nur oon ©roßljänblern belogen 
rairb eS billiger unb ift eS guoerläffiger. 



9^ a I) r u n g § m i 1 1 c I. 69 



^Olanbelöl toirb nid)t gut ©rnä^rung benütjt, jonberii nur §u ^ei^ 
Sroecten. (grbnu^öl f)at fid) gu ^üd)en5raecfen aud) gut beroäljrt. 

2Iu5 ber S^ofosnu^ I)at man in beu testen ^i-iljven burd) oerfetnevte§ 
S5er[at)ren eine feljr oevroeubbare 53utter, ha^ „%-aimm", geioonuen, bie fic^ 
für ^üdjenjroecfe fel)r beraäl)rte. ©ie l^at ben SSorjug, an6) bei mä^ig roarmer 
Sujt fe[t 5u bleiben, fid) alfo gut §u I)Qtten unb feljr ausgiebig ju fein. 

SÖäljrenb i^u^butter nur etroa 84 % ^ett cnt(}ält, gibt un§ bie 5!ofoa» 
nuputter an 99 >. S3ei gleid)en greifen rcäre fie alfo fd)on billiger, roeil 
fettreidjer. ^^r @efd)mac! ift nid)t ber ber guten 5tul)butter, ift aber aud) 
nid)t unangene!)m, unb nad) einiger ©en)öt)nung empfinbet man if)n nid)t me^r; 
cor allem aber ift fie unoerfätfdit unb nid)t gcfunbl)eit5fd)äblid). 

3u erraäf)nen ift immerijin nod), bafs bie 5tofoönuputter 9}lagen!ran!en 
nid)t immer gut befommt. ^^re grof3e Gmpfinb(id)feit mad)t überl)aupt fett= 
arme 3Raf)rung §ur Dlotraenbigfeit; al§ Iei(^tüerbau(ic^fte§ ^-ett bewährt fic^ 
für folc^e %ä\it reine, frifc^e ^u^utter. 

Die flßebirtoffe. 

®§ ge'gören bagu atle jene 9laf)rung5mittel, bie au§ ^ot)(ent)i)braten be» 
-Jie'^en, b. i. 2ßaffer= unb 5^oI)(enftoff (alfo C H), unb bie burc^ ben Ginffu^ 
bei menf(^(id)en ©peid)el§ in Qndex übergefüljrt roerben. (2ie fcfjlen in ben 
tierif^en 9]a^rung§mitteln beinal)e ooüftänbig, finb aber bem 9)]cnfd)en un» 
entbe{)rlic^, raeil fie feine Kraft- unb SöärmequeUe bilöen. %a§ ^yett ift bie 
au§giebigfle SBärmequelle, inbem bei feiner ^^ffegung am meiftcn Kot)(enftoff 
frei roirb, bo(^ ift el non ben 35erbauung»fäften meniger Ieid)t angreifbar, 
ja erfdjroert fogar bie 2Iuf(üfung anberer oon il)m burd)tränfter «Speifen, fo 
t>a^ z§ ben SSerbauungsfanal oft nur belaftet unb entmeber unaulgenü^t 
burd) (Stul)( unb fogar burd) Urin raieber abgebt ober fid) all Dieferoeftoff 
ablagert. 2Bie mir fd)on weiter oben gcljört tjaben, ift fold)c§ im J^örper ab» 
gelagerte^ ?^ett nid)t feft mit anberen ©eiueben uerbunben, fonbern liegt nur 
locfer 5roifd)en il)nen, unb fobalb bei §et)renbcn S^ranfbeitcn ober im .r^unget* 
juftanbe bie 9la{)rung§äufuf)r fid) oerminbert, fdjidt ber Crganiemu» bal auf= 
gefpeid)erte ^ett I)erbei, ba§ bann oerbrannt roirb unb jur @rl)a(tung be§ 
5?örper§ einige Qqü beiträgt. ^al)er bie SIbmagerung 5lranfer ober 
.^ungernber, bie com eigenen ?5^ette leben. 

®ie 9Jiet)Ie bagegen fommen, al§ S^id^x aufgeloft, balb in bie ^Btut» 
bal)n unb burd) biefe in bie ©eroebe beg Hörper§ unb erzeugen beftänbig 
KoI)(enfäure unb SBärme. ®ementfpred)enb geniefU man im ^JBinter gerne 
mef)r ?^ett unb ausgiebig 2Ret)(ftoffe, iüä()renb man in f)cif5er :3at)re?5eit fo» 
gar 2lbneigung bagegen ^at unb grüne, erfrifc^cnbe 'JJaljruugsmittel uorjie^t. 



70 



9lal)rung§mittel. 



Wlan gibt raeiüger Söörme nad) aupen ab, ^at e§ aljo auc^ ni(f)t in gleidiem 
2J?a^e tüie im Söinter nötig, bie oerlorene SBcitme p erfe^en. 

2)arau§ geljt f)evoor, ba^ man 511 Dev[d)iebeneu Reiten aucf) oerfdjiebene 
SJ^engeu oon 9?^ef)(= unb 3itcfer[toffen braud)t, unb groar rid)teu ficf) biei'e 1. iiad) 
ber geleifteteu DJIuöfelarbeit, 2. nacf) ber 9Iu^entemperatur, 3. nad) bem 2llter. 
:Se mel)r jd)roere 3(rbeit mir leiften, befto irn^x S^oljtcnfäure unb 
SBafferbampf wirb gebilbet, e§ roirb alfo um jo mef)r 3"rf'ei" oerbrannt 
unb Särme erseugt. (Sin in gejd) [offener Suft ftunbenlang oor feinem ^vulte 

fiijenber ^ureauarbeiter roirb bem= 
nad) niemals fol^e 9}caffen üou 
^rot 5?artoffetn unb äf)nüd)em be= 
roädigen fönnen, roie ein auf freiem 
g^elbe im (Sdjiuei^e feinem %\= 
gefid)te§ fdjioer arbeitenber ^(der- 
bauer. ^ei fräftigem (Stoffroed)feI 
unb reid)Ii(i)em (Sauerftoffgenn^ er= 
sengt er burd) feine 93lu5 feiarbeit 
oiel mef)r Sloljlenfäure unb SSaffer 
a{§ biefer, ber bei ftad)er 2Itmung, 
trodfener, ftaubiger, fauerftoffarmer 
Suft, fül)ler .^aut unb 5ufammen= 
gebrücttem Unterleib roenig ^i^'^ß'f 
oerbrennt unb bei ju reid)Iid)er 
(Sinfut)r oon 9}le^Iftoffen aÜmäl)lid) 
erfrant't. 

^aö Stiter ift ^infid)t(id) 2Bad)§= 
tum§ ober abneljmenber Seben§= 
tätigfeit üon Sebeutung für bie 
9}ie^Iuaf)rung. ^e mef)r ber SRenfd^ 
roäd)ft, alfo ^noc^en- unb anbere 
(Seroebe bilbet, je (ebenbiger fein (Stoffroed)fet unb feine 33eroegnngen 
finb, roie bei ber gefunben ^wg^^b im allgemeinen, befto leichter oerbant 
er aud) unb oerbraud)t er bie 5ugefii{)rten 93lel)Iftoffe ; je ätter er bagegen 
roirb, je mef)r fid) fein ©toffroedjfel oer(angfamt, feine 33eroeg(i^feit oer^ 
minbert, befto fdjroerer üermag er größere 9}]engen mef)(reid)er Sflafirung 
5U beroättigen. '2)er @efd)macf alter Seute änbert fid) baf)er je nad) ifjren 
Gräften unb if)rer 2eben§roeife, unb roir erfetjen baran§, bafs e§ ganj oer= 
feiert ift, auf ben ©efd)madf feine 9^üdfid)t nef)men §u rooüen. @r becft fic^ 
faft immer mit ben förper(id)en 3»ftänben unb ift bei ^ranfen ober ©c^roä(^= 
(ingen fogar eingef)enb ju ftubieren. 

^oniit bie 9Jief)Iftoffe aber ooflfommen in Qudix umgeroanbelt roerben 
fönnen, ift e§ nötig, ba§ fie in ber 9Jiunbf)ö^(e grünblid) eingefpeid)e(t unb 




5ig. 38. ©tärfefijritcr öcrft^icticucir Ü)Ie:^Ifi:iit^tc. 

SSergröycrt. 



S'Jaf) villi 9§m i tt ct. y-i 



gcfaut lucrbcii, ba t)cr ?}hinb[peid)el üor aücm ieneii ©toff eiit[jä(t, ber bic 
©tärfeforner (fogen. ^Mdjk) in STraubcn^iufcr iimiüanbett. ^ie SRagen- 
üerbauimg beeiufdtfU meljr bie Giiüeijjftoffc, iuä()reiib erft im ^ünnbarm bie 
SIrbett ber Älliinb(jö()(e fortgefeljt rairb. Uiigeuügenbeä 5?auen, Ijaftigeä S3er^ 
[cf)üicfen ber Speifeii ift ba()er be)oiibcr§ für bie mel)t^a(tige Ola^rung nad)^ 
teiüg. Da fic im 9Jiai;^cii lueiüg uerdnbevt luirb. 

©eu größten ©e[)att an ^iPie()(eii [)aben bie Samen großer imb fteiner 
@eraä(i)je, oor allem bie ©etreibearteii, A3ü(ieufrücf)te, bann bluffe, 
^aftauieu, oeridjiebeue ^hi ollen unb Snrseln, [oiüie ein5e(ne ©amen= 
Ijütlen. ®ie (2amen be[te(jen au§ einer c^üüe, einer barunter be[inblid)en 
©a(5f(i)id)te mit (SiiuciB (5l(eber), au§ (Stärfeförnern (fielje J-ig. 38), etroa§ 
gett unb je^r roenig il^affer. 3ic bienen bem 3{u[bau ber neuen roerben= 
ben ^Nflanje, ber fie bie 3iä(}v[toife liefern, roie ba§ ®i mit feinem Mütter 
bem roadjfenben ^iere. 

2ö eisen, öhiggen, ©erfte, .^afer ge!f)ören ju bem eigentlidjen ®e= 
treibe; 9?ei§, ^irfe, 53uc^roei5en, ^Jlaiä finb jmar auc^ 5umeift öräfer= 
arten, merben aber md)t eigentlid) sunt „©etreibe" gered)net. 3u ben „^ülfen' 
früd)ten" geljören Sinfen, ^oljnen, (Srbfen, bie in befonberen ^apfeln gur 
Steife gelangen, alfo „^-rüdjte in .spülfen" finb. 

®en Ülaljrung§mcrt ber genannten '^flanjenftoffe geiat unä folgenbe 
Tabelle: 





Giraeiß 


(Stärfe 


^■eti 


SBaffet 


©alse 


^olgfafer 


Söeijen 


1270 


7070 


270 


1270 


270 


270 


^afer 


1170 


58 7o 


570 


1370 


370 


1070 


9tei§ 


G 70 


7470 


270 


13 "/o 


170 


470 


Sucl)it)ci5en 


1170 


55 °/o 


370 


1470 


370 


1470 


9Jiaia 


970 


69 7o 


570 


1370 


270 


270 


^irfe 


1170 


61 7o 


470 


1270 


470 


87o 


Sinfcn 


2G 7o 


5370 


270 


1270 


370 


470 


(Srbfcn 


28 7o 


5370 


1 °/o 


1470 


370 


67o 


33oI)nen 


2470 


5570 


270 


1170 


470 


* /O 


äöalnuf3 


lG7o 


1370 


5770 


770 


270 


3«/o 


^ofü^onuj3 


970 


1270 


67 7o 


6 7o 


270 


4'Vo 


i^aftanien 


1170 


7370 


370 


770 


370 


3«/o 


SD^anbcln 


2470 


87o 


52% 


670 


370 


770 


Kartoffeln 


2 Vo 


2170 


©puren 


7574 


1 "/o 


'A°o 



2{m meiften (Simeifj l)aben bemnarf) Sinfen, 58oljnen unb 9.1]an^ 
beln; am meiften (5ttärfemel)( Söeijen, 9?ei§ unb 5^aftanion, am meiflen 
^otjfafer ^afer unb 93ucl)mei5en. ^er Sal^veicljlum aller I)ier an= 
gefüljrtcn 9Jlel)lfrücI)te ift nid)t bebeutenb, ebenfo cntljalten fie auci) nur 
raenig 2Öaffer. 9ieid) an ^ett finb bie SBalnuf?, bie ällanbel unb bio 
5?ofo§nuf3, bereu 9J?cl)lgcljalt in gleidjcm ^IJafje fällt (fieljc: 127o 8tärfc 



72 



9laE)rung§mttteI. 



auf 677o ^ett bei ber £o!o§nu^, roäfjrenb SBeigen 2% f^ett auf 
70 7o ©tärfe aufroeift). 

®te $oI§fofer befielt aud) aus 5^ül)lenljr)braten unb tft allen ^ftanjen- 
floffen me^r ober minber beigegeben, ©ie rcirb von ben 3Serbauung§fäften 
nicl)t ober nur in geringem 9Jta^e angegriffen unb gilt bat)er al§ eine für 
ben 9Jlenfd)en unoerbauIid)e 93eigabe. ^ei allen ©rasfreffern aber, 9^inb, ^ferb 
ufn). tüirb fte aufgelöft unb nä{)rt biefe ^iere fogar üortreffüci). ^einesraegg ift 
fte jebod) für ben 9Jienfd)en gan§ unnü^; bie (Srfa^rung I)at fogar ge(e!)rt, ba^ 
bie ,^oI§fafer eine anregenbe Sßirfung auf ben ®arm ausübt, unb ba^ fie ba= 
burd^ äur befferen 93eriüertung ber eigentüd)en 91äl)rftoffe mit beiträgt. SBo 

fie DoUftänbig feljlt unb man 
nur (S jtrafte (2(u§5Üge) gibt, ^at 
man eine geroiffe ©rlafjmung 
be§ ®arme§ beobad)tet, bie 
fid) in jvärlid)em unb trocfe^ 
nem ©tut)le äußert. ®§ ift 
bal)er üon 2Bid)tigfeit, ba^ bie 
im Dbfte unb ben 9)le^Ifrüd)' 
ten entljaltene ^olsfafer mit= 
genoffen rairb. S)ie äußeren 
.^ütlen ber ©etreibefamen u. a., 
bie man als ©preu bejeic^net, 
finb mie Strol) ge]d)macE(o§ 
unb ^rt im 93lunbe, fie mtx= 
ben bat)er, raenn fie einmal 
jufällig mit oerfpeift merben, 
meift rafd) roieber entfernt ober 
bur(^ ein fünft(id)e§ SSerfa^ren 
fd)on Dort)er befeitigt. 
3SergIeic^t man ben großen SBaffergeljalt ber tierifd)en 9lat)rung§mittel 
mit biefen l^ier angefül)rten 9)leI)Ifrüd)ten, fo ergibt fic^ auf ben erften 93Iicf, 
ba^ Iet3tere üiet nal)rl)after unb reid)f)attiger an 9lät)rftoffen finb als erftere. 
2Birb aber gugunften ber ^Ieifd)naf)rung I}eroürgel)oben, bafs fie oiel üer= 
bauli(i)er fei, eben roeil fie feine ^ol^fafer ent{)alte, fo erinnern mir bagegen, 
ba^ (5et)nen unb §öute aud) nidjt oerbaut werben, fonbern in ben ^arm» 
entteerungen ber meiften 9Jienfc!)en ftd) mieberfinben, ferner, bafi bie giftigen 
©jtraftiüftoffe gleici)fall§ ni(i)t im Körper üerbteiben, fonbern luieber auS^ 
gefc^ieben werben. 5St)nIid) roirfenbe 33eigaben t)aben jcbod) bie angefüt)rten 
pfIan5Üd)en 9^ä{)rmittel übert)aupt nic^t. ^etrad)ten mir nun nod) bie ^$rei§= 
üer'^ättniffe, §. 33. be§ 0^(eifd)e§ unb ber 3)lel)(früd)te, fo finbcn mir bie ber 
9Jiel^Ifrüd)te mit il)rem l^o^en 9^äl)riüerte bebeutenb oorteilljafter, weit cnt= 
f^ieben biüiger. 




g^ig. 39. St^nitt burd^ ein SEßciscnforn. 

1—3 oberfIäd)ti(^e ©d)t(^ten ber ©amenf)ülle. 

4 ©aftgänge. 5 ^^'ifdjetiff^id^ten. 6 Sieber. 

7 ©tärfe. 



9^a^rung§mittel. 73 



(£§ foftet 5. ^. 1 %r. ©rbfen 0,35 dTiaxt, 

„ 1 „ Dc^fenfletfc^ 1,80 Jltarf it. meljt, 
„ 1 „ Gier 1,70 Wiaxt, 

„ „ „ 1 „ 9fiei§ 0,60 maxi. 

2(uc^ er()ält man nadj Honig" 9]ä!)nt)erteinljeiten für 1 93larf: 
üom ^^(eii'dj etwa 979, oon ben Grbfen [a[l 4900, 
üon t)en (Siern etraa 580, Dom S^lei^ 2000. 

2öeld)er Untevfd)tct) für t)a§felbe ©elb! Dbiuof)! ber 9?ei§ niebrig 
gegriffen ift unb bie ©rbfen etraa§ ^od), 'ha e§ bod) and) oiele fd)Ied)tere 
(Sorten gibt, fo ift \>0i^ 33erljältni§ be§ 9läl)rn)erte» ber angegebenen ^oX)x\xx[Qß' 
mittel bennod) ein rid)ttge§. 9)^an erinnere ftd) nnr, baJ3 %\.n\^ ftet» gegen 70% 
Sßaffer entl)ä(t! ®te mitgefanften 2070 ßin)cif3 finb alfo fel)r teuer bc5at)tt. 

9)lit ber (Steigerung be§ SBaffergel^alteä nimmt natürlid) ber D^äljrroerl 
einel 9^af)rung§mittel§ oh) in ber 9ieit)e ber angefüijrten, befannteften SHel)!» 
früd)te ift bie Slartoffet bie mtnbermertigfte; benn luäljrenb bie übrigen 6 bi§ 
1470 äßaffer Ijabcn, I)at fie 757o unb nur 21 7o (Stärfe. Sie ftcf)t im 
greife tiefer a(§ bie anberen 9Jief)lfrüd)te, aber man mu§ aud) eine gro^e 
?Jlenge baoon r»er5el)ren, um burd) fie bie nötige ©tärfe unb genügenb Giroei^ 
auf5unel)men. STrotjbem ift bie 5^artoffel eine fd)marf(}afte ^iitat ju get)alt=' 
coüeren ©erid)ten unb bal)er burd)au§ nid)t §u unterfdjätjen. 

^unftprobufte ber oerfctji ebenen i^örner finb bie SRefjIe, (Sd)rote, 
©rü^en, ferner ©rie^ imb ©raupen. 

Unter „9}]et)I" üerfteljt man ben @tärfege!^alt ber i^örner in x>tx= 
feinerter ^orm, unb groar unter 2öei^mel)l bie r>om Hteber unb ^oljfafer 
gereinigte (Stärfe; „^uber" oon 9^ei§, 9}lai§ unb SSeijen al§ feinfte 
S^le^Iforte; „5^teie" ba§ 9JleIjI famt ber 5^reber=©ar5fd)id)te unb zi\vas> $015= 
fafer; „©rütjen" unb „©rie^" bie i\i größeren ober fteineren ilörndjen 
§erf(einerten ©etreibefamen. 

i^e mel)r ba§ 9}lel}( oon allen fonftigen Seftanbteilen gereinigt ift, befto 
meiner unb befto teurer ift e§; aber aud) befto unoollfommener al'? ^Jlaljrung§* 
mittel, ba e§ bann nur nod) reine (Stärfe barftellt. G§ ift baljer bie Hlete 
raertootler al§ ©cbäcf au§ 9)M)t oI)ne 5!lcie. ^-ür bie 23erbauung günftiger 
ift bie ©rü^e, meil fie mel)r 5^auarbeit ocrlangt unb baljcr eine grünblicl)cre 
Ginfpeid)elung erfäljrt. 

Unter ©d)rotmel)t oerftctit man bie mcl)lig ^erteilten 5?crnc famt ber 
Kleber' unb ©al5fd)td)t, alfo biejcnige %ox\\\, bie fid) für ben mcnfdjlidjen 
SJlagen am beften eignet; fel)r gut auigenütjt loerben Sd)rote unb ©rütjcn, 
o'^ne bie 23erbauung§organe gu erfd)laffen, roie bies bei längerem ©cnufj fcl)r 
fün§entrierter unb übermäßig ocrfeinertcr ^lätjrmittcl ber ^all ift. <3ic finb 
bal)er fel)r §u empfeljlen. 

2lud) Don 5^artoffeln roirb „9J]cl)l" bereitet, ebenfo au§ ber ^'fcil= 
rourgcl (Arrowroot), ferner ©ago uub Stapiof'a aw^:, beut ?}Iavfe lum 



74 y^ a ^ r u n g § m i 1 1 e I. 



^almen. ®a§ SJlonbontin ift Der feinfte 2Iu§äug au§ Den 5D]ai§förnern. 
^ie (3ogobol)iie ift in :3apan ^eimtfd), wirb aber je^t aucf) in ®entfd)tanb 
angebant. ©ie ift fel)r eiiuei^reid), aber nict)t gerabe (eicf)t oerbaulid). ^er 
I)oI)e ©iroei^geljatt ber ^ütfenfrüd)te tüirb burci) bie f^roere 2tnfi^Iie^= 
barfeit be§ ®in)et^e§ roieber aufgelioben, b. ^. bie feften füllen, bie 33er= 
nnfcl)ung be§ ©iraei^eä mit anberen (Stoffen, erfd)roeren e§ ben menfdjlidjen 
SSerbaunng§föften, ba§felbe gu töfen. ®at)er roirb ein großer Seil ber §ü(fen= 
früd)te bei oielen unanSgenü^t an§gefd)ieben, anberen mad)en fie aber fotd)c 
53efd)raerben, ba^ biefe fie ängfttid) meiben. 

Sind) bie ^^\)U ber |)ütfenfrüd)te finb etroag fdjioerer nerbantid) aB 
bie ®etreibemel)le, roa§ folgenbe 3at)(en ergeben. (Sie entljalten me'fjr ^ett, 
.^oläfafer unb (Siroei^. 

©iroei^ 3^ett ©tärle ©alge SBaffer ^oläfafer 
2Beiäenme!)I 1070 V/o 757o V^Vo 137470 7470 
(Srbfenmel)! 157o 270 587o 37o IO70 270 



iJÜ 



Brot, Gebäck» 

2Bo§ oerfte'£)t man unter „Warfen"? Sßarum mal)lt man bie S^örner? 
2Barum geniest man fie nict)t ro^? 

SJian mafjlt fie, um fie gu gerüeinern nnb bie ^etlenroänbe §u serrei^en, 
roeld)e ben ^Jlagenfäften einigen SOBiberftanb teiften mürben; man oermifdjt 
ba§ baburd) erhaltene 9)le{)l mit Sßaffer, um alle 2;eile gum 31ufquellen gu 
bringen, unb fe^t fie in biefem ^uftanbe intenfioer Sßärme au§, raoburd) 
weitere ©röffnung gefd)loffener ^zU^n unb ein ^iif^Q^^^ eintritt, in melci)em 
bann ber 9Jlagenfaft unb oor^er ber (Speichel ooüftänbig einjurairfen oer= 
mögen. ®ie 9}lögli(^leit, rol)e l^örner §u genießen nnb ^u oerbauen ift l'eine§= 
n)eg§ au§gefd)loffen, gar mand)er t)at e§ bamit fd)on probiert; allein 33or= 
bebingung finb träftige 3äl)ne, gebulbige§ langet ^auen (mirflid)e§ 5[Rat)len) 
unb ungefci)roäd)te QSerbauungsfäfte. 3Bal)rfd)ein(id) ift Dabei immer nod), 
ba§ ein 3:eil ber ^erfauten 5lörnermaffe unaufgelöft unb unauSgenü^t mit 
bem ^üte mieber abgel)t. 9Sorteitl)after märe e§ bann, ro^e§ (Sd)rotmelit m 
oei'äeljren, allein biefe§ ift roeniger einlabenb. 

Unter 58 a den oerfteljt man Da§ Slustroctnen be§ naffen S:eige§ burc^ 
bie troifene Dfen'^i^e, mobei, befonber§ nad) t)orl)ergegangener ©ärung, aud) 
@afe entmeid)en, roel^e bie 9Jiaffe lodern unb fie pori3§ mad)en. Um bie 
SodEerung ber fd)roeren 2:eigmaffe §u befd)(ennigen, fe^t man il)r ^efe §u 
unb erhielt baburd) bie @ärung be§ Seiger. 93on ©ärung fpric^t man 
immer bann, roenn fid) ^ucfer in 3Ilfol)ol unb ^o'^lenfäure umraanbelt, me(d)er 



?^ a ^ r it n g § nü 1 1 c r. 75 



Sßüvc^ang aiicf) a[§ (Sinfeitung ber g^äiilnig beobad)tet roirb, füuftlicf) aber in 
ber ^nbuftrie ausgebreitete 9]eriücubiing finbet (^IBein-, 33iergärimg u. a.). 

£id)cr ift e», bafj bie bur^ ben ö)ärung§pro3eJ3 geloderteit 5)ic(jl|peifen 
foiüof)t roeniger 5^auarbeit erforbern, al§ aitd) ben 9}erbaming5]äften (eid)ter 
gitgäiiglicf) roerbcu; aber fie Ijabeu aud) i()re 9lacl)tei(e. 9lid)t mir roirb ber 
uatürlicf)e ©efcfjmacf mitunter burd) bie ©ärung nad)teiüg oeräubert, fonbern 
bie locferen lueirfjeu ?Jla[fen im SJlunbe oerleiten aud) ju läffigerem i^auen, 
entmü(jueu bie 3ä()ne [trammer StrbeitSteiftung uub füfjren baju, ha^ un= 
genügenb eingefpeid)elte 53ifjen, rajd) f)inuntergc[d)(ucft, ju 5'Uumpeu fid) 
äufammenbaden unb nur jef)r langjam »erbaut roerbeu. Dft tritt biefer 
3uftaub nad) bem @enu^ non fri]"d)em ©ebätf ein, mesJjalb biefe§, fei eä 
^rot über 5Tud)en, aud) ben 9\u[ ber (^djäbtic^feit I)at. Q§ faun f)eftigeä 
3Jiagenbrücfen unb Stul}tbe[d)roerben erregen. Gin jürgfättige» '3^urd)fauen 
rof)er, Ijarter ober of)ne ^efesufa^ gebacfener 93]ef)Igerid)te mu^ bal^er a(§ 
empfeljIenSroerter gelten unb würbe eine beffere 2Iugnü^ung ber auf= 
genommenen 9]at)rung fid)ern. 

Q§ roirb beljauptet, unb groar oornet)mlid) in rci[fen[c^aft(ic^en Greifen, 
"üa^ ber SDflenfd) nid)t bie 3^ä{)igfeit Ijabe, roI)e (Stärfe in Qudex \m\^H' 
rcanbeln, obroo!)! Dlaturoölfer bod) fetjr oiet „5Rof)e§" geniefjen unb fid)tlid) 
beffer babei gebeiljen al§ bie oerfeincrten, roiber[tanböunftä()igen ^lulturuotfer. 
SSerfafferin ^at roäl)renb if)rer (Stubienjeit ben gleichen 33eroei§ an fid) felbft 
erbrad)t, unb e§ ift erroiefen, ba^ oielen G)leid)eS gelungen ift. 

^ie DIotraenbigfeit ber 93eränberung ber Stärfe burd) 5lod)en unb 
33acfen ufiu. ift fomit nid)t erroiefen. ßief3e man fid) met)r burdb ^nftinft 
unb inbioibuellen @efd)maif al§ bur^ ^erfommen unb alte G)eroül)nl}eiten 
leiten, fo roürbe man in ber 2öal)l ber 9tat}rung§mittel forgfältiger fein unb 
nur füld)e gebraud)en, bie bem einjelnen je nad) feinem iiräftesuftanb aud) 
roirflid) befommen. (S§ ift 5. 33. ganj oerfetjrt, bie ^ülfenfrüd)te allen 
anberen ^törnern oorjusieljen, fie it)re§ (5iroei^gel)alte§ roegen übermäfsig 5U 
rül)men unb babei bie fd)roere 3iiÖfiiiÖ^^'^f^'* biefe§ Giroei^eS gauj ju über= 
fel)en, roäl)renb anbere 5lörner rool)l roeniger eiroeijärei^, aber il)rer Ieid)teren 
33erbaulid)feit roegen uiel nutjbringenber finb. ©rüne Grbfen unb 'i^olinen 
enthalten ftatt be§ 93^el)le§ mel)r 3»^^!-*/ f"^^ h^^^' roafferrcid) unb fcbr 
fd)macfliaft: fie fonnen an 'Dhtlirroert bie reifen ^^^nlfenfrüd)te nid)t erfet^cn, 
finb aber für nid)t förperlid) arbeitenbe Wcnfc^en bei roeitem oor.yi.^iebeii. 
'än^ij finb bie 9Jiel)le aller Ijülfenlofen 5Iörner felbftoerftänblid) lcid)ter ,^ii 
oerbauen al§ bie ganzen 5lörner, auc^ in burd)gcfodjtem ^uftanbe. Unreife 
9Jiai§fürner finb rol) unb abgefod)t fet)r fd)mactl)aft unb näljrenb, (_^)rün= 
forn ift teidjter löSlid) al§ reife SOBei^en^ unb öerftenförncr u. a. m. 

'll>enn man bei !^eveitung uon 3:eigcn bie tünftlid)e Wävung oermciben 
roill, fann man fi^ aud) burd) bie natürli^e tjelfen, inbem man bie burd) 
9Jlel)l uub Söaffer unb anbere 3"föl3e entftanbene ^J^affe 12 ober i^4 8tunbcn 



76 ^JaljrungSmittel. 



in einem niäfsig erraärmten Sf^aume liegen läfit, nadjbem man fie eine gute 
SSiertelftunbe fräftig burrf)ge[d)Iagen Ijat. ®urd) ba§ Scf)Iagen be§ STeigeS 
mit einem breiten ,^ül5(ö[fel erjielt man nid)t nur eine gute SSermengung bcr 
93eftanbteite be§[elben, fonbern man bringt aud) Suft §raifd)en fie unb lodert 
boburd) ben STeig. 2::ritt bann burd) htn ©inftufi ber Suft unb SBärme eine 
natürlidje ©ärung ein, fo ift bie ^Jiaffe nidjt mel}r fo feft unb eignet fid) 
' 5um ^acEen feljr gut. ®er ©efd)marf ber grud)t bleibt babei erl)alten, unb 
bei gutem ^auen mirb aud) joIc^eS ©ebäcE gut au§genü^t. ®ie „.^efe" ift 
ein 1]3it5, raelc^er Qndex in 2I(fol)ol unb 5TüI)Ienfäure üerraanbelt, unb groar 
um fo rafd)er, je mcljr ber 3Sorgang ber ©ärung burd) Söärme unterfiü^t 
wirb unb ba§ 9J{eI)l ein troc!ene§, gute§ mar. Unter „(Sauerteig" üerfte^t 
man bagegen bereits in ©ärung befinblid)en 3:eig, ber ftatt frifd)er .£)efe 
bem fü^en Seige beigemifcljt roirb, um in biefem nad) S>erlauf einiger ©tunben 
gIeid)fallB bie ©ärung einzuleiten. 

Unter ben S3roten imterfd)eibet man ©d)roar5= unb !K>ei^brot, fcine§ 
unb grobes 33rot. ^e meljr .'illeie einem 9}]ct}le beigemifd)t ift, befto fctjmärgeT 
unb I)ärter ift e§. '3)a§ fogenannte SBei^brot, ha§ in gang üerfd)iebencr 
SBeife §ubereitet rcirb, befteljt au§ feinem gebeutelten SBeijenme^I, bie beften 
Sorten entl)atten aud) etroa§ Tliiä). @§ ift teid)t oerbauli^, aber arm an 
6aläen unb wiberftel)t auf bie ®auer fräftigen Dilaturen. 

^umperniifel ift fein ©egenfa^. (E§ rairb au§ Ü^oggenHeienmel)! 
bereitet unb ift ebenfo t)art, fd)mer unb fd)mor3, als t)a§ SBeisenmeljI Ieid)t 
unb raei^ ift. (SS fteüt baljer an bie 25erbauungSorgane gonj anbere 
3Inforberungen unb pafst feineSmegS für jcbermann. 33ei entfprect)enber 
SebenSroeife unb 3lnpaffung ber anberen 9^aI)rungSmittet bient eS aber aud) 
Dorjüglid), roaS bie ^eoi)tferung großer Sanbftrecfen ®eutfd)IanbS genügenb 
beroeift. 

^aS ^ommifsbrot I)at einige 3tl}nlid)feit mit bem ^umpernicfel unb 
ift für fd)mäd)Iid)e junge ©olbaten, bie norljer eine gan^ anbere SebenSmeife 
führten, fid)erlidj nidjt immer baS ricl)tige 9caI)rungSmitteI. ^efannt finb 
aud) bie 93efd)roerben, bie eS oerurfac^t, unb feine oft gang ungenügenbe 
2(uSnüt3ung. 

©(^rotbrot ober ©raljambrot, fann a(§ „9]ormalbrot" Ijingeftellt 
werben, menn eS auS reinem, ungemifd)tem 2Bei5enfd)rotmeI)I unb mit atler 
Sorgfalt bereitet ift. Sßirb eS gut burdj gearbeitet, einer natürlichen ©ärung 
überlaffen unb oerftänbniSüoll gebarfen, fo ift eS oljne .^efe= unb ©aljsufa^ 
oon Eöftlid)em 2öol)lgefd)mac!, feljr nal)rl)aft unb für ©efunbe burc^auS nic^t 
fc^roer oerbaulii^. So raie fid) aber niemals „(SineS für alle fd)idt", märe 
eS aud) fe'^r üerfel)rt, allen 9!)'lenfd)en Sd)rotbrot oerorbnen gu rcollen; benn 
eS mürben fid) gu oiele finben, bie iljrer gefd)mäd)ten S^erbauungSorgane unb 
il^rer unnatürlid)en SebenSraeife megen nur 33efd)n)erben baoon Ratten. SIber 
nid)t, roeil Sd)rotbrot ein für h^n 5Uenfd)en unpaffenbeS 9Za^rungSmittel ift. 



9] a [) r u u 9 5 m i 1 1 c I. 77 



fonbcru roeil ber heutige 5^'ulturmenfd) ein gei'diiüädjte^, fjerabßefümmciie^ 
@eid)üpf ift, banim braucht er fo niet fitn[t(id)e (5iuricf)tiutgcn, luie 9}^ü()(en, 
Säifereien, geübte 5tüd)e ufra., um ftd) am 2tben erf)a(ten 511 föuiien. '2;ic» 
miifs man mof)! iiuterfc^eiben. Leiber rairb aud) manrf)e» öcbäcf aiv „Scfjrota 
brot" in bell -öanbel gebradjt, ba§ foiüü(j( aii5 miubermertigeu uiib gemifd)teu 
9D^ef)(en beftefjt, ci(§ auc^ Steinftaub aii§ ber SDIüljle entl^ält, ober mit großem 
Unoerftänbiüy zubereitet ift. (S§ ift bann uaf3, fd)iüer, fdjmecft fd)(ed)t uub mnd^t 
53ei*d)iüerbeu. 93lau betradjte fid) uorljer genau, roa§ man a(§ „(3d)rütbrot" 
geniefsen will. 

33er aud) ba§ befte nict)t ertragen fann, ber (jatte fid) lieber an (Sd)rot= 
mefjltraui (im SSaffer aufgefüd)te§ 3cf)rotme()(, eoentl. mit Zaiy- uub 53utter= 
5ui'al3); er mirb bann bie günftige 'Sirf'ung be§ 3d)rotmel}(» an fid) erfal)ren, 
of)ne bie unangenef)men ^^^Sobeu be§ Sroteä §u empfinben. 

Sßer fid) gute» 2d)rütbrot fe(bft bereiten rcid, t)erfa()re füfgenberma^en: 
^n ber näd)ften a}tüf)(e lä^t man etma 20 kg Sd)rot au» gutem 3£^ei5en 
^erfteKen uub beiüa!)rt biefen in einem trodteuen 9iaum auf. ^u ben 2(benb^ 
ftunben rü^rt man eine beftimmte IDIenge mit angeroärmtem '-Kaffer an uub 
jiöar in fü(d)em 3}erl)ältni», baf? ba§ trodeue 9}]el)t fid) mit bem SSaffer 
oollftänbig oerbinbet. 2öenn bie» erreicht ift, arbeitet man bie 5ä^e -tcigmaffe 
etroa eine ©tunbe mit einem breiten öolslöffel burd), bi§ fie locfer geroorben 
ift unb 33Iafen bilbet. '2;aun ift fie gut uorbereitet uub fann ^ur Gärung 
fid) fetbft übertaffen roerben. 9}lan bebedt bie 2reigfcl)üffe(, bie am beften au» 
^oI§ angefertigt ift, uub fteüt fie über 9^ad)t an einen marmen Ort (^üd)e). 
SJZorgen» ift ber STcig nod) loderer uub fann bann ju fteinen 33roten 
beliebig geformt roerben. Dh^n beftreut man fie mit trodencm i2d)rotnu^()( 
unb (äJ5t fie bei einem 53äcfer nid)t ju rafd) baden, bamit bie 9?inbe nic^t 
äu {)art roirb. 

9^od) gibt e§ ein .ßaferbrot, ba6 bie «Spotten bereiten, eine '^ixt 
SDIaisbrot ber Sübtäuber, ferner ein 3IIeuronatbrot mit tünftUdjcm 
©iroei^jufa^, ein 3)1 olfen brot oon (Sdjroter in ©Ibing, ^efirbrot au§ 
geröfietem Sßei5enmef)t, neuerbiug§ ha§ üortrefflid)e (Simone brot u. a. m. 

^n allen Säubern bäd't man je nad) 93ebarf, Sanbec^erseugniffen uub 
©efc^macf ein ©ebäcf au§ oerfd)iebenen ?1cel)(en unb gibt il)m ben 9]amen 
„^Srot". (£5 bilbet ben Stamm ber menfc^lic^en (Srnäl)rung, mac^t ben 
9Henfd)en oon äu^erlid)en ^iiffif^'Ö^^^^^'^ unabt)ängig, tfa e» fic^ tage= unb 
rood)en(ang gut aufbcn3a()ren läjät, unb fül)rt il}m bie gröfjere .l^tenge ber 
i^m uneutbel)rlid)en 9]a()rung§ftoffe, roie 3Jle!^(, (Sirceifs unb Salje 5u. 2;a» 
fel)Ienbe 5^tt roirb burd) paffeube 3ufö^e ergänzt. 

Über bie in (Suropa üb(id)en 9)]e()(= unb '!i3rotocrfä(fd)ungen roäre nod) 
mand)erlei ju berid)ten. Um SBeisenmel)! fd)roerer 311 mad)en, roirb it)ni ®ip§, 
.^eibe, Sd)roerfpat ^ugcfeljt; um feine 3Jtengc ju uermcl)ren, roirb 5vavtoffe[meI)( 
baninter gemengt, lim ein feinere? ?[l^e^I oor5utäui"d)cn, foüen 53äcfcr il)r 



78 



91 a ^ r u n g § ini 1 1 e I. 



93vot mit 3(Iaun bteicl)cn, unb bamit bie[e§ nicl)t alläufetir oerftopfeub luirfe, 
:[^a(appenrauv§et beiinifd)eu ufro. 

97ur bur^ feinen @eruc^= unb @efcf)madf§finn rairb man fiel) oor fotd)eu 
a3erfälfd)ungen fd)ül3en unb nur fold)e 33rotforten n)ät)(en, raeld)e unfere ©inne 
in feiner Sßeife beleibigen. ^ig. 40 jeigt un§ bie ©ntmidtung ber (5cl)immel* 
pflfinse auf einem alten (Biiid iörot. 9Jlit freiem 3Iuge fieljt fie roie feinfter 
^aarbefa^ au§. ©ie oeränbert ben ©efdjmac! be§felben unb it)ucl)ert in bie 
äiefe feiner ^oren. 

2luf5er ^rot finb bann at§ ©ebäcfe nod) bie ^^üiebacfe unb ^i§= 
fuit§ (5lafe§) ju ern)äl)nen, fomie Sebfuc^en u. bgl 

(Srftere ftannncn au§ ©ngtanb, mo man I)infid)tIi(J) ber ©rnäljrung 
ratiüueUer oerfätjrt. ^urd) befonbereS 33erfal)ren, n)ieberf)o(te ipi^einrairfung 

erl)ä(t man ein trodenereS 
unb üiel aufgef^IoffenereS 
©ebäcf, a{§ t§> bie S^rot» 
arten finb. ®aburcE) wer- 
ben fie üiel leid)ter ein- 
gefpeici)elt, aufgelöft unb 
üerbaut, unb für alle 
3Serbauung§lranfen, bie 
33rot überljaupt ntcljt er- 
tragen, bilben fie ein üor= 
treffli(^e§ ®rfa^mittel be§s 
felben. DJIan Ijat rcelcl)e§ 
mit 3ufa^ üon Siäljrfaljen, 
SRa^m, @iern ufm., ba§ 




^ig. 40. (S^tmmtigc§ 23rot. 



bann felbftrebenb au^erorbentlicl)en 9fläl)rmert befit3t. 

e§ gibt englifdie ^roiebäcle oon 13 «/o (Siroei^, 81 «/o (Starte, 1% 
SÖBaffcr! ^iefelben finb atfo fo t'onscntriert raie l'aum ein anbereS Tiä\)x= 
mittel unb il)re§ SöaffermangelS megen aucl) fe'^r Ijaltbar (für 9f?cifen, (5cl)ip= 
aufentl)alt ufiü.) ^n (Suppen ober 9)lild) einge!od)t laffen fie fid) aucl) gu 
anberen ©eridjten oerroenben. 

9flol) ungeniepar ober roenigften§ nicl)t fd)madljaft finb anbere 3^ormen 
0er SJIeljloerarbeitung unb gmar: 91 übel- unb 9)lalfaroni arten, ^n 
troctene unb fefte ^orm gebracl)t, laffen fie fid) lange Qdt gut aufbeiüal)ren ; 
nur ift leiber iljre ^^abril'atton fd)mer ju fontrolliercn, man mciji ba oft 
nidit, roa§ man eigentli^ al§ „9)laffarüni" geniest. @§ finb bal)er nur 
bie teuerften (Sorten gu cmpfel)len. ®ie gelben „ßiernubeln" finb meift 
gefärbt ((Safran), aber nid)t nom (Sibotter fo gelb; gett unb (Salje feljlen 
itjnen roUftänbig. 



öJ 



9J a I) V 11 11 g in i 1 1 c l. 79 



9U§ ©enu'ife be5eic!)nct man alle efjbaren 33rättei% Stengel, Kräuter 
unb ^Surjetn ober unreife grüd)te. ^amit beuten roir ein grofjeS ©ebiet 
t)on S^Iafirunggmitteln an, bereu 3Irt je nad) 33obeuüerIjä(tui[fen unb ?^-elbbQu 
fe(]r r)er[d)ieben ift. @§ gibt fo oiele efsbare ^^f(an5en, bajä lüir fie nicf)t 
aüe anfüljren tonnen. SBir be[d)ränfen un§ fomit auf bie befannteften. 
Tanten bei tien ©amen l)auptfäct)licl) bie 9}le()lftü[fe unb ha§> (Siiucifj in 
^ctrad)t, fo finb e§ f)ier ^wcfer, ^flansenfäuren, 91ä()rfal5e, flüdjtige ©toffe, 
mclct)e fie mertooll machen; 9}]cI)Ie unb ^ett enttjaften fie im unreifen, grünen 
^uftanbe feine, ©meifs nur in geringen 9)teugcn. 

3u ben ^lattgemüfen gel)öreu üorneljmUc^ alle ^oI)larten, ©alatc 
unb oerfdjiebene Kräuter. ®ie 5^ot)Iarten jeictjnen fict) burd) 93i(bung fefter 
„Sti)pfe" au§, metd)e mit berben unb nai^ innen immer feiner roerbenben 
blättern bie nad) oben treibenbe ^tüte umfd)(icf3cn. Q^nx Sieifung biefer 
Slüte lä^t man e§ gar nic^t fommen, fonbern uerrocnbet bie garten Blätter, 
rceldje je nad) 9(rt ber ^^flange oon gan^ oerfdjiebencm 53au finb. (ro ift 
ha^ SBeiP'rautblatt am Ijärteften, ba§ SUipffal^tbtatt am jarteften. ^e maffer= 
reicher fie finb, befto weniger eignen fie fid) gur 93ef)anb(ung mit ^i^e. 
'3^af)er läfst fid) ba§ I)arte „Rraut" fünferniercn burd) Ginlegen in 3al5brü{)c 
unb burd) Hbtod)en, roät)renb ber raafferreid)e grüne ©alat fid) Ijauptfäd)Ii(^ 
i^um (Senuffe im frifd)en ^wf^Q^'^e eignet. 3Iud) „S^lofen»" unb „9Binterto()l" 
Ijaben eine gemiffe ^-eftigfeit unb finb bntjer in ber üüä)c gut oerroenbbar, 
fomol)! 3um Slüd)en, S3raten ober ©integen. 

33 lum entöl)! mirb gu ben feinften ©emüfen gered)net unb ift fel)r 
fc^mactljaft, raenn er nid)t mit ^üngftoffen getrieben ift. Se^tere erzeugen 
fomoljl eine S!ranft)eit, burd) tteine S!äfer I)eroorgebrad)t, a\§ am}) einen 
unangeneljmen 9iebengefc^macf. 

2llle ^o!)I= unb J^rautarten im engeren (Sinn (^opffalat geljört nid)t 
baju) entljatten ätijerifdje Öte, meld)e unoerbaulid) finb unb fdjmädjlidjen 
'»perfonen oft (äftige^^ ^itufftofsen ober Unbetjagen oerurfadjen. tDlan muf3 
baljer fomol)! in ber 2öaI)I ber ©emüfe roie in ber ?5^orm i()rer 3"^creitung 
plannmfsig norgcljcn. "S^urd) bn§ (Sinfatjen ocrtiercn 5lraut unb 5!üI)Iarten niel 
oon iljrer .^ärte, unb bie fid) babci entmicfetnbe 9}Jild)fäure nmdjt fie fogar 
leidjter nerbaulid). (Sin Übelftanb babei ift nur ber übernuif^ige Cikbalt an 
ei)(ornatrium (5?od)faIä), ber für ben Organismus feineSroegy g(cid)gültig ift, 
um fo mcniger, al§ baburd) bie mtürtid)eu 9{äf)rfat,^e au^?gcfaugt merben, in 
bie unbraudjbarc (Sat^tafe übergeljen unb ba^ ('i)einüfe \)ann minbirmertiger 
machen. @rft burct) ^itfa^ "on 9J]eI)t unb Aclt merben Sauerfraut unb 
anbere mieber mertootler. ©pinat unb junge 'i)renneffel geben eifenreid)e 
@erid)te, bie fid) grofjer föetiebtijcit erfreuen unb aud) überall ju Ijaben finb. 



80 9i a {) r u n g g mi 1 1 e (. 



21I§ „(Salate" raerben nod) Dtele anbere ^Slattarten au^er ^opffalat 
geuoffen, fo (Subioie, Söroengaiin, ^-elbfalat („Sf^apunjel" in ©ac^jen, 
„9^üJ3U" in ber (Sdjnicij genannt), treffe, Qi6:ioxit, üer[d)iebene SBiefen» 
fräuter, roie fte nn§ ba§ 5-rüI)jaf)r Bringt (©anerampfer, Sterbet, Söraen^ 
3af)n, Sd)afgarbe) ufra. 93iele oon i^nen Ijaben gang au§gefprod)ene @e= 
fd)ma(f§rairfungen unb mxhn ftarf anf bie ^lierentätigfeit ein, raaS man 
cor altem oon ber 5lrefje rü^mt. ®iefe (5)ernd)§= unb @ej(ä)ma(f§ftoffe, 
bie iljnen eigen finb, Ijaben belebenben ©influ^ auf ba§ Dleroenf^ftem 
unb bie ^43erbauung§organe. SBeil fie ni^t eigentlid)e 9f^ä!)r[toffe fmb, 
nennt man fte auc^ „©enu^floffe". Unter Umftänben roirt'en fie auc^ un= 
günftig ein. 

Unter ben (Stengeln finb oor allem (Spargel, S^ttjabarber unb eine 
3lrt Sf^übenblätterftielep erraäljnen. ^l)x 2ßaffergel)att ift fe'^r bebeutenb, 
i^re ©efc^marfyiüirhmg aber fo angeneljm, baj3 fie bennoct) gefüllt finb, iDa§ 
oor allem üon ben <3p argein gilt. ®ie ©rfaljrung tjat gelel)rt, ba^ fie bei 
oor!^anbener Df^etgung §u Blutungen an§ ben 33eclenorganen biefe üerme^ren, 
n)al)rfd)einli^ iljrer treibenben ^irfung wegen, bie fie, raie aKbel'annt, auf 
bie klieren ausüben. ®ie Urinmenge meljrt fid) fofort nad) (Spargelgenu^, 
bei mand)en ^erfonen fogar fd)on naii) einer Ijalben (Stunbe, unb fein @eru^ 
ift intenfio. 

9^1) ab ar ber ft enget werben meift roie Sii'ompütt zubereitet unb roirfcn 
ftärfer auf ben ®arm. S^^ie Sf^übenblätterftiele finb jiemlic^ inbifferent. 

:3l)re§ üerljältni^mä^ig l)ol)en ©el}alte§ an Diäljrfaljen unb i^rcr 
^olsfafer megen rairt'en aUe 33tattgemüfe ebenfo günftig auf bie ^lut= 
befct)affenl)eit raie auf bie '2)armtätigfeit ein; nnivbe man mel)r unb regel» 
mäfsiger bauen genieficn, fo tonnte fid) manclje d)ronifd)e 33lutl"ranfl)eit 
nid)t entmicfeln. 2:atfäd)licl) aber geniest bie ftäbtifcl)e foraie länblidje ^e= 
oölferung nur roenige SJIonate im ^al)XQ frifcl)e, grüne ©enüife, unb bann nur 
(Sauerfraut, ©al§bo^nen ober (Saljgurfen, l)äuftg aber auc^ biefe nicl)t. 9J^an 
trifft fruc!)tbare länblid)e ©egenben, roo übevbaupt nur raentg ©emüfegärtcn 
Dor^nben finb; furje ^^il ^^t (Sommer liefern biefe grüne S3oljnen, bann 
^opffatat, ba5roifd)en gelbe 9^üben (aj^öljren), unb bamit ift ber 93orrat 
erf(i)öpft. ^ie B^olge biefe§ mangell)aften ©artenbaue^ unb ©emüfegenuffeg 
ifl, baf? bie 53eüülterung nur eine einfeitige 9Ttcl)lual)rung genief3t, in raeld)er 
bie 5^artoffel meift Dorl)errfd)t, fct)lecl)te§ %ki\6), 2tlfot)ol unb reid)lid)er 
Kaffee al§ 9\ei5» unb ©enufsftoffe niemals auSgeljen. ^ajä unter fotcf)cn 
Umftänben tro^ reinfter Suft unb raalbreicl)er ©egenb bennod) d)ronifdje 
^ranft)eit§5uftänbe fid) entmideln, ift erflärlic!^. 

^efonberg in inbuftrierei(^en ©egenben ift e§ oft unmöglid), Traufen 
©emüfebiät ju oerorbnen; fieben SiJlonate im ^aijx ift nid)t§ @rüne§ ju 
erl)alten, 33ü^fen* ober ®örrgemüfe aud) nur in ben größten ©täbten 
5U '^aben. 



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,n9luJ2fiof^apfS rlof! 
iw nörio^dj^'jbnirr 
n9gB2 rio^^^9.'! '. 

natdfil 1198 ntS .n9§93 - 
-flöHoE narlDildisw lab gfiUiIaliäiyiiijbi»iV/ ^ib jlslüM zohHewgd 
i9}H39lrj^y|run9Z29di9V 9ni9 anglagingw igfao »nagneha us )iori 
-ii9liujB^H^iiüD 9ib znu n9d9§ ,n9l9isi9 u:c n9m-ioi-f9C|-i(')/i 
.nih^P^B^RiO-i9rl32i9l'>I bnu .«^isqisJ .smiBÜ li^ilerl 
OdI 9»2l^p l2J ,lnn6;{9d l9hüsonu[ i9bo -ßigH ?l6 i9i9]sl|ä 
Hol ^9^^o n9?23b JgJiüD äriozV.rmßD loQ .ngrijoiqzstf; 
ni bisT i9i92nu Jub Jzi ,faiiw Innenay igilBrinaJüiJdßici'^lßrlT 
gigwdbz lül riaiz Jgngis» ''^ »iurf^'' u\ !H-ji?iiß;i3Üfl bnu -igbioV 
-9^ 3\^\üiZ ölz^ilißi>l ^ iii n9i9b ,n*n/§n 

ndb rioiub ,ii:9lqmuH zji. ^. '.noi s'iQ .ttghüb 

-jliiw mm9dB ,n9iqixnn'I ng i in ißws tzi 

E>^ilriorz>f3üi9d uS .rioihrigdj.. ...j j.,. .'.. ...3d99 us IIb 
Szöioq ZUB bnu Jzzßligil 9du-ign9j|ßM gib lo -<zßb ji 
'I9']gin9w lußH 19b gnulzniibzuA aib Honubow 
osnßa zßb J/fain IgJiüü 9ib zzsb .igmsi ;biiw 
,3^nhl 02 T jo nrjbno<? .nailoz n9bi9w n98ß-il9^^ ' ji 
n9rmohv>qio>i isb ynmozzsdTjV i-ibo j^nuJtglJri^ lab • 
.IslTijr .riouB ^^J Jzi JiiirfoiW .Jzi n9bn. 

-iad I u\ n^brnsH fibn^iaUiifi-JV lu;^ ,9li 

i92 Hdo/ 'D 9ib 9:. 




M. i'.^W »'.nI^' 





80 



5)i Q f) r u » s.^ ra i 1 1 c l. 



'i-, r.-.<,>" mnvV.pn nnr-TA nioff» .-.«S.*»" Olf.i' 



t:^,^>,ff^r,^ 



TAFEL 3 

n. Ji.i'ii ■ iiip g 



ju-fuuöen unb rairfcii ftarf auf bie S'lterentätiafeu eii 

Von fafel^y ^rwähneli wir in erster Llwie die Gestalt der 
Me<!?teidchfen Ven^,^ dc^eil iFülle und 7l«mut jeden Beschauer 
entzückt Trot? der Schlankheil der Glieder zeigeh sie doch 
eine kräftige Entwjekelung, die unter der heutigen Frauenwelt, 
deren Formen meist entartet sind, immer seltener wird. Wer 
die natürliche Schönheit des weiblichen Körpers ganz.be- 
, greifen^ jind in sich aulnehmeq will, d^r ^etra<phtc r^e^fi<^, ^ 
diese antike Figur. Wie unschön die heutige Frauenwelt mehr . 
oder minder beschälFen ist, das zeigen tiiis die zrwei unten''- "'''•'' 
stehenden Figuren, die fette und die' magere. Man glaiabfe ;inC 
nicht, dass diese übertrieben seien, «s gibt noch viel krassere- , .t 
Beispiele, natürlich aber auch Zwischenstufen, die anderer 
''^^^^'•"'■''Körperfehler wegen nicht minder cöis^hön wirken. Möchte' 
jiede Frau, die dicise Bilder betrachtet,; sich sagen; so wie diese 
beiden willst du niemals werde»,! ;,)Veifaufmß|"lisam. in diesem 
Buche gelesen hat, der wird schon begriffen, haben, wo die . 
'Ursachen dieses körperlichen VcftaÜes lieg'eü. ^lir seit jaftreA^-'^ 
bewährtes Mittel, die Wiederherstellung der weiblichen Schön- 
heit zu erlangen, pder wenigstens eine Verbesserung schlechter 
Körperformen zu erzielen, geben uns die Gürtel und Büsten- 
halter Gärms, Leipzig, and Fleischer-Qriebel, Berlin.'^''! 
Letzterer als Hera*^ oder Junogiärtfel bekannt, ist auf Seite J 60, i ; . b 
,, besprochen. Der Qarms'sche Gürtel, dessen oberer Teil 
Thalysiabüstenhalter genannt wird, ist auf unserer Tafel in ^ 
'Vorder- und Rückansicht zu sehen. Er eignfet sich für schwere •'* 
Figuren, deren übermässige Fülle die kräJtigsJ« Stütze bd*.;;'vi 
..(dürfen. -Die reichliche Bedeckung des ^Rumpfes durch dea., : t 
' Gürtel ist zwar nicht nach unseren Prinzipien, aber um wirk- 
fichenflalt zu gebcrt, ist sie unentbclirHch. Zu berücksichtigen 
ist dabei j dass er die M<^gßi!igfube! freilässt und aus porösem 
Stoff besteht, wodurch die ^usdiinstung der Haut weniger, 
beeinträchtigt wird; ferner, dass die Gürtel nicht das ganze' 
Leben durch getragen werde« sollen, sondern nur so lange, '" 
bis entweder Entfetturjgp^criVerbesserung der Körperformen 
erzielt worden ist Wichti§;| Ut es auch, unter dcnv Gürtel 
nur leichte, gut venttlieretidfe Hemden zu tragen, Wie sie bei- 
spielsweise die Gossmann'sche Wasche liefert Noch sei 
erwähnt, dass die , i\us^liatjbuiig . der Garms' sehen Gürtel u;. 

eine sehr hül»sche ist 



a"..i'iii-.2 



(ßeformhauSr'.ThaW&ia, Leipz,ie) eine sc 

reiujler iiuft uiib nialbretd)er ©eacitb 



juuod) d' 



^iifii 



i|t 





I \ / 



Thalysia-Körpenurmcr 

iBrust- und Rockträger mit 

FrauengurtI 

Getrennt oder zusammen zu trager 

' Rückansicht siehe unten.' 




Kra/ikhaite Mayerkeit, 



Kraiikh^U' ;'cUit:ilji>jkcit 



Iiif Vviiw nl.s lUiusärzlin. 



TalVl :i. 



Abnorme und normal^' Körperform 



?^aI}ru^(^§^üttcI. 81 



3u ben Söurjeln gef)i)ren alle 9?übcn- unb 5?noIIenarteu. Sie 
Tiaten iiicfjt melir at^ 15 7o Stärfe, 1—4^0 Giioci^ unb 1— 2% ^-»olsfai'er. 
ü^ett entl)a(ten fie faft feine§, bagegcn um fo iiicl)r SBafjcr, je jünger fie fiiib. 
33on eigentümlid)em ©cfdjmacf füib bie Sdjroarjrourjeln, fetir bcUel)^ 
imb Qud) rol) 511 gcuicjscn bie gelben 9iüben CiDKiljrcn), ebenfo 5?of)(rabi 
in sartem ^uftanbe. «SeHerie rcirft ftarf auf bie '3^anutätigfeit ein unb 
cntfjält ebenfo roie ^of)Irabi aromQtifd)e ^eftant)tei(e, bie unccrbaulid) fmb 
unb rcicbet au§gcfd)icben werben. '2:arum niad)en fie 5}iagcnfd)it)ad!cn aud) 
^efdjraerben. ?Jttt ^ctt unb 9J'ief)l5ufal3 geben fie rortrefflidje, Ieid)toerbauIid)e 
Gerid)te. ^^i^^ß^^^ racrben im frübrcifen 3"fia"be al§ ©eiüür,^ rol) 0,^= 
uoffen, roenn fie gröjsere Knollen gebilbet (jaben; im Süben finb fie füjs unb 
als 9]abrung§mitte( in S^erroenbung. 

Um uid)t von ber ^aljresjeit 5U febr abl)ängig 5U rocrben, i)at man fid) 
üietfad) bemüljt, S3latt= foroie Surjclgemüfe in jerfleinerter ?5orm (nubetartig 
gefd)nitten) 5U trorfnen unb e» auf biefe 3Beife länger für ben ©enu^ braud)bar 
5u er{)alten. ^Jlan f}at oerfd)icbene 93erfat)ren erprobt unb mu^ bemjenigen 
ben 2Sor5ug geben, t)a§ bie ©emüfe i^rer aromatifd)en 33cftanbteile nid)t 
alljufeljr beraubt ober it)nen frembc ^eftanbteile äufüf)rt, roas bei S3et)anblung 
mit (Sf)emifa(icn immer ber ^a(I ift. 

Giuen gcroiffen 5Ber(uft ericibcn bie ©emüfe burd) baS „'^^örrcn" fletS, 
aber biefe trodenen, inaff erarmen ^^flanjenteile finb troljbem ein raeit 
cmpfe{)Ien§raertere§ 9lar)rungjmittel a(§ bie an SS?affer überreid)cn, auegelaugten, 
mit 5^od)ia(3 burd)träuftcn Sauergemüfe. Seiber finb (eljtcre faft überall 
at§ ein beliebte» 33olfynal)rung5mitteI §u finben, roäf)renb bie ^örrgemüfe 
üiclfa^ nod) ganj unbekannt ober unbeliebt finb. G§ liegt bie» 5um 3:cil an 
ber airt bce a3erfal)ren§ beim 'S^örren, jum Seil anä) an ben '•:^^rei5üerl)ältniffcn. 
^auptbebingung ift bc§l)alb, baß burd) baä dorren bie ö)üte ber 
^flanse nid)t leibe, fo bafj burd) Ginmäffcrn unb forgfältige Zubereitung 
ein ebenfo nal]rliafte§ roie fct)macfl)afte§ ©erid)t entftcl)t. 

m^ DIaljrunggmittel, roeld)e rocnig Saffer unb bafür uiel fefte Stoffe 
entl)alten, finb roertüoUer unb Ijaltbarcr al§ bie roafferreidjcn. 9Jian ncr* 
gleidje Sieig unb 5^artoffel! 25äl)renb erftcrer monatelang unocränbcrt bleibt, 
ijart unb raei^ roie am erften Jage erfd)cint, fault ober treibt bie .rtartoffcl 
ober oeränbert roenigften§ aud) bei fcrgfältigfter 3Iufberoat)rung fo fet)r it)ren 
©eidjmacf, bafs fie balb unid)macfl)aft roirb. 9lüd) inct fd)ted)ter al?- Rar= 
löffeln taffen fid) grüne ©cmüfe aufberoal)rcn. ^\]xe l'cbenÄttauer roäl)rt, ein^- 
mal com SBurjelftod abgetrennt, faum roenige 2:age; bod) laffcn fid) bie 
Sßur^eln unb 5lnoüen burd) (5infd)lagcn in Sanb eine geroiffe ^eit geniefjbar 
crt)alten; ber geringfte £'id)tftral)l bringt fie aber leid)t jum 2:reiben unb 
bamit oerlieren fie bcbentenb an 3Sol)lgcfd)macf. ©in allgemein eingefül)rteä 
gut beroäl)rte§ ®örrüerfal)ren roäre alfo fel)r roünfdjeuyrocrt unö mürbe eine 
^efferung in ber 93olfaernäl)rung {)erbeifül)ren. 

3;ie ^rau aI5 .^auSäTjtln. " 



g2 9? a f) r u n n § in i 1 1 c I. 



einige betannte givnien, bie fid) auf bem ©ebiete ber ©emüfcfonfer^ 
üienmg Ijeroorcjetan, fiub .g)oI)eulo()e'[ci)e SfZätjrmitteliabri! unb Enorr'fd)e 
^ouferoenfabrif. 

©rüne 3^-rüc^tc, bic 511 beu ©cmüfen gered)net rcerben, fmb ©rbfen 
imb 93üt)neu mit ben Scljotcn, barunter befonberS beliebt bie ^ucfererbfe, 
Slürbiffe, bie leiber al§ ef3bare ^^rüdjte oiel gu raenig befannt fiub, ©urfen, 
So malen (^orabieSäpfel) ufro. ^ö§, raa§ mir an iljnen fd)äl3en, fiub 
bie f(eifcE)igen füllen ber (Samenferne, faftig unb aromatifd) im ^uftanbe 
ber g^rüljreife, folange leljtcre roeici) unb unreif fiub. (Sobalb bie «Samen« 
ferne Ijart unb fernig rcerben, oerlieren bie füllen if)re ^Q^'t^j^it, werben 
Ijol^ig, gefd)macnci§ unb jum ©cnuffe unbraud)bar, unb — e§ treten bie 
(Samen in iljre 9icd)te. 

®iefe grünen e^rüdjte entljalten alle gegen 90% SBaffer, 2 bi:3 47o 
(Btärfe ober ^ucfer unb fel^r roeuig .^oljfafer. ©urfen unb 2;omaten merben 
oft rol) oerseljrt unb iljrer erfrifdjenben 2S>irfung rcegen gerüljuit. «Sie fonfer» 
üicren fid) am beften burd) Sampfbc^nblung, b. i. 3tbbämpfuug in ge* 
fd)Ioffencn ©eftäfjen unb im eigenen (Safte oljue weitere ^iifäljC. "Surd) bie 
.^itje rcerben etrca anljaftenbe S^eime abgetötet unb burd) ben Suftabfd)Iuf3 
ba§ ^injutrcten neuer t)erl)inbert ®ie g-rüdjte bercaljren il)ren üollen SBo^I* 
gefd)mad; unb erfparen ber ^au^frau bie 9}]üf)e ber ^c^^fl^^inerung unb 
Grrceidjung burd) 2(bfüd)en. (B§ fiub bal)er forcoljl grüne ^oI)ncn, roie 
Grbfen, ©pargetn unb 3:omaten, in biefer ?5^orm feljr 5U cmpfeljlen. SJ^an 
erl)ält fie meift a\§ fogcnannte „33üd)fengemüfe". 

®a§ tbeatfte ©efä^ §um Stbbampfen ift root)I ber ©(a§topf, weil er 
„nichts abgibt", burd) ^^ftanjenfäure ober äujäere (Siuflüffe nid)t angegriffen 
rcirb, burd)fid)tig ift unb be:^l)alb eine HontroIIe feinet G5el)alte§ jeber5eit 
ermöglid)t. Seiber nerroenbet man, rcoI)l an§ Slüd'fic^t auf 93iUigfeit unb 
.f-) altbar feit, bie 93[ed)büd)fen, bie allerbing§ jum S^rancsporte geeigneter fiub, 
aber bei langem ©ebraudje bod) nidjt ganj äuoerläffig erfd)einen. 

9}]an mu^ alfo barauf fe()en, mögüc^ft frifd) eingefod)te Süd)fen gu er= 
l)alten unb nid)t üorjäI)rige, bamit man nid)t 9TietaIItci(d)en mitgeniefit. ^aben 
fid) an ber ^nuenfeite fd)rcar5e glecfen gebilbet, fo Ijat fid) 9}]etaU abgelöft. 

Über bie Zubereitung aller ©emüfe nad) ben @efet3en ber ^i)giene 
unb ber Gtjemie fpredjen mir in einem befonberen Kapitel. 



DU pU|C. 

©ine befonbere ©ruppe ber ßcmüfe bilbcn bie ^ifse. 
9)kn I)ielt fie frü{)er an 3cäl)rn)ert bem 3^Icifd)e gleid), bod) unterfd)äi3tc 
man babei it)ren 2ßaffergcl)alt. 3mmerl)in gibt e§ fel)r fättigenbe (Sorten, 



?c Q Ii r n n g § mi 1 1 e [. §3 



bie aber SJiagenfranfcn nid)t ßut bcfomnien. ®iird) Grgänsuiig anberet 
9läl)rmittel geben fie gans prädjlige ajkljljeiteu iiiib finb atfo fel)r [d)ä^cn§iüert. 

grijd) oerseljrt finb fie am fd)madl;aftciten; im feud)teit ^uftanbc ober 
zubereitet finb fie nid)t faltbar, bagcgen roo^I in 33Iättd)en gerfdjnitten uub 
rafd), bod) üürfid)tig getrocfnet. 

SSie aÜe übrigen rcafferrcid)en ^flanjcn gewinnen fic in trodenem 
^uftanbe an 9]ä(}rraert unb 2Iu'5giebigfeit. Srocicne Gljampignong (ber 
beften Sorten eine) entljalten 23,8 7o Gimeija, 1,270 'lycü, 50,37o Slotjlen^ 
Ijnbrate nnb nur 17,5 7o SBaffer. 

9}^ord)cI, Srüffcr, Steinpilze finb t3ortreff(id)e STrtcn, ^^fif[erange (Gier* 
fdjraamm), 937uferon§ u[m. finb weniger ebel. 

3t)rer ©cnu^ftoffe roegcn fiub bie ^^if3e dou eigentiimnd)cr SSirfung 
unb bei gcinfdjmcdern fcljr beliebt. Sciber gcljcn gro^e 9}]engen in ben 
SKätbcrn §ugrunbe, raeit man fid; in oiclen ©egenben nid)t um fie befüm» 
:ncrt ober giftige Wirten nidjt oon epbarcn ju unterfc!)eiben raci{3. 

23ür bcm ©enu^ ber erfteren mufj man fid) aücrbing§ fc(}r Ijütcn, iia 
fic in racnigcn Stunben jum Sobe füljren fonnen. ©enaue Stbbilbungen ber 
cjibaren Sorten, pcrfünlid)e Einleitung beim Sudjen im Söalbe unb Übung 
befätjigcn jcben nad) einiger ^cit, fict) bicfe ebcnfo bittigen roie iüo()(fd)mccfcn= 
iioii ^il^geridjte fclbft gu befd)affcn. 

^uoerläffige Unterfud)ung§ergebniffe über ben Diä^rfatj* unb Girceijjs 
geljatt ber frtfd)cn ^^il^e, foraie über bie bcfonbcrcn Gigenfdjaftcn ber ^ilj^ 
gifte finb nod) §u wenig befannt geiuorbcn, uub fo bleibt mv$ mandje ü^rage 
unbeantwortet. 



2SeId)C gro^e S3ebeutung bie 9JtineraIftoffe in unferen 97al)rung§mitteln 
Ijoben, gel)t fd)on au§ ben Dorljergetjeuben Slapitetn Ijeroor, in weld)en wir 
ben S3au be§ menfdjiidjen S^örperl erftärtcn unb bie 5(ufgaben ber mineralifdjcn 
^cftaubteile Ijeroortjoben. 

SBei ber ®urd)iidjt ber i^auptgruppen ber menfd)(ic^en 9]al)rung§mittcl 
ergibt fid), bafj unter aücn ^^^ftanjenteiten 'IMätter, Stengel, ^^IBur^et unb 
Anoden ben gröfjtcn S)tinera(gel}att befiljen, unb bai3 fie un§ bal}er nid)t 
bto^ i^rer „©enufjftoffe" unb bereu anregenben ^JBirfuug wegen wertuoü fiub. 
(S§ mag {)ier an bie befaunte 2:atfad)e erinnert werben, baf? Sdiiffofolbaten 
bann I)äufig an Sforbut erüranften, wenn fie wüdjeulang nur fonferuicrtC'S ^-leifc^ 
unb 3'üiebac! genoffen Ijaben unb an grünem (^3emüfe ben gvöfjten 9}iangel 
litten. Übermaj3 an Gl)(ornatrium (5^od)fa(3), bei luillftäubigem 9Jcaugel an 
anbereu Salsen (pljogpljorfaurer Statt, 'Jtatron, üU^ignefia, Gifen ufw.), 

6' 



g4 ?f?a[)runf5§tntttcl. 



füt)rt bie S3Iuterfranfung l^erbei. %a§ in unferer ^cit üerljältnismä^ig 
häufige 2Iuf treten oon 9fi()ad)iti§ (engtijcf)e S^ranffjeit bcr 5^tnber) imb 
Dfteomalasie (^nod)enern)eic^ung) ift gunt grofäen 2;eit auf fel)lert)a[te 3«=- 
fammenftellung unferer 9^a!)rung juriidtäufü^ren. Tä6:)i nur eine geroiffe ©e= 
famtmenge non DMljrfalsen ift jur (Srijaltung ber ©efunb!)ett notroenbig, fonbern 
mid) eine rid)tige ^iifommenftcllung berfelben. Seld)e aber ift bie ridjtige? 
Offenbar jene, n)eld)e ein oon ber 3^atur fertig geliefertes 9]aI)rung§mitteU 
ba§ äum 2lufbau be§ tierif^en i^örperS oollfommen au§reicl)t, un§ liefert. 

®iefeä fönnen wir al§ '^omi bctracf)ten. 

2öir finben eS in bcr SD^ild) bcr (Säugetiere. 

®iefe entf)ält etraa 0,7 «/o Diäfjrfal^e (2lfd)e). 

vla6) SBoIfg 2Ifd)enanaU)fen (fiel)e Dr. Sa!) mann, biätettfdje 93Iut= 
cntmifcf)ung) entljatten in ©ramm au§gebrüc!t 1000 gr ber 2:ro(ienfubftan3: 

STali Patron S?alf SSittcr» ©ifcm ^I)o§p^or= ©cl)rcefer:= ^tefel* erjlor- 
erbc oiv)b fäure fdure fäiire 

S!u!)milc[) 12,04 4,73 10,GG 1,49 0,26 13,88 0,15 0,02 6,97 

Unter „2:roct'enfubftan3" oerftcljt man alle fcftcn (Stoffe einc5 Tiai)XimQ§= 
Tuiltelg nac^ SluSfdjcibung alle§ SßaffcrS. 

2ßir finben in biefem ©emenge am mciften S^ali, ^atf, Dlatron, 
^I)o§pI)orfäure, bann (SPor oertrcten, 33itt ererbe ift raeniger barin^ 
Gifen in noc^ geringerer 9Jlenge üorI}anben. 

(Sin 91ormaInäf)rgcmenge müjäte bemnac^ siemlid) g(eicl)en (5)et)att an. 
91äl)rfa(3en !f)aben. Sei einer SJlafjI^cit, bie au§ ?^-(eifd), Srot, (Srbfen unb 
S^artoffeln befteljt, ift bie§ jebod) nic^t ber %all, unb eS trifft oollt'ommen gu,. 
ba^ fid) ba§ @ro§ ber Europäer, befonberS in 'S)eutfd)Ianb, minbeftenS neun 
SJlonate im ^aljre mit biefen unb ät)nlid)en SlaljrungSmitteln ernäl)rt. S^ad^. 
genauer Sered)nung beä S^läljrfalsgeljalteS oon gleifd), Srot, Grbfen unb 
Kartoffeln befommen mir gauj anbere ^aljten. 2ibbiert man bie (Salje biefer 
üier S^atjrungSmittel, fo erl)ätt man eine ©efamtafd)e oon 125,5 gr auf 
4000 gr 2:rücteufubftan3; fuc^t man bie Qal)kn für 1000 gr be§ 9lalirung§=» 
gemengeS, fo ergibt fid) bcr oierte 3:eil ber DMIjrfalje mie folgt: 

^aü Spätren Ualt Sittcr^ ©[en* ^f)o§pf)or= ©d)roefel= S?tefel= Gl^Ior 
erbe oj;ijb fäure fäure fäure 

14,6 0,76 0,92 0,70 0,35 10,42 1,00 0,37 0,8 

SDIit ber SJIild) oerglicljcn, febcn mir üali unb (Scf)roefetfäure oer=> 
meljrt, bagegen 9latron, 5l'alf, Sittererbe, ®t)Ior oerminbert. 

Sf^un ^aben mir bie 3^rage gu beantioorten, raetctje Satje für unferen 
Organismus bie rcid)tigften finb, unb barna^ gu entfc[)eiben, roeld)e mir im 
3^al)rung§gemenge 5u oermef)ren t)aben. 

2tuS früt)eren 5?apiteln raiffen mir, ba^ o'^ne Kalf feine Knod)en 
möglid) finb, unb neuere Seobadjtungen ^ben ergeben, ba^ baS 9]atron bei 



1'^ a f) r u n ci § m i 1 1 c I. 85 



"ber im Organismus ununterbrodjen fid) bilbcnbcu 5lüI)Icni"äiirc 511 bereu 33inbung 
iinb 2Iu§i'd)eibung nötig ift. 3]om Gifcu luei^ man fd)on jcit längerer 3cit, 
"ba^ e§ in hzn roten ^(utförperc^cn jur 53inbung bcS eingeatmeten (£aner= 
ftoffeS bient. Über bic ^yunftionen bcr anberen (Sal^e ober Säuren finbct 
fio) in p^qftoIogi]"ci)en 2ef)rbüd)ern nid)t5 ober nur fet)r wenig, unb fo 
fann man roo^I bel)aupten, bajs man il^re n;al)rc 33ebeutung nod) nid)t gc» 
nügcnb fennt. 

2Iu§ bem S^erglcid) üer[djiebener Unteri'udjungen gcl)t jcbod) ^eroor, baji 
t>a§ Gifcn raeber in bcn 91at}rung§mitteln nod) im 23(ut in gröjleren ?3icngen 
enttjatten ift, unb ba^ haS 9iatron fidjerlid) eine größere 9^olIe fpielt als ba3 
^ifen. ®ie§ fjerDorgeljoben gu I)aben ift ein 2>crbienft beS befanuten 2Iräte3 
Dr. ^afjmann. (S^o^lcnfaureS 9latron, unb mc()r Dktron als 5\ali.) 

S)ie ©d)roefelfäure, bem 33Iute in größeren 9!Rengen §ugefür)rt, 
"bürfte nur nad)tei(ig fein; ebenfo ocrl^ält eS fid) mit bem Slaii, beffen ^er^» 
■crregenbe (Sigenfd)aften jroar and) beftrittcn mcrbcn. 

(SS ftellen fid) unS fomit als bie raid)tigftcn 91äf)rfal3e 5?alf, ©ifen, 
1]]f)ü§p!)or iv.\!> DIatron bar, bie anbcren finb unS nod) nid)t ftar genug. 

2ötr finbcn fie in ber SJtitd) aud) entfpred)cnb ocrtrctcn. 

©iejenigcn DiatjrungSmittel, bie unS Ijinfidjtlid) bicfer genannten 9]äf)r» 
jalse befriebigen, finb Spinat, S^opffalat, 9}Ki()rcn, 9?abieSd)en, 3lpfel, ©rb^« 
beeren, Stad)et' itub .^eibelbeeren, trocEene ^-eigcn ufro. 

Sie entljalten an ^Ml^rfaljen: 

5^aU ^atxon ^alt S3itter= Gifcm ^rjD§pf)or= edimcfel^ Stiefel^ Gf)tot 



erbe 


o^-ib 


fciure 


fäiive 


fäiive 


9Jli5I)re 20,20 11,58 6,20 2,40 


0,55 


7,00 


3,53 


1,30 2,51 


Spinat 27,29 58,16 19,58 10,51 


5,52 


16,89 


11,32 


7,45 10,22 


itopffalat 67,85 13,60 26,47 11,76 


9,39 


16,56 


6,78 


14,68 13,79 


erb. .Reibet. _ 
Stadjetüeeren 


2,00 


4,70 


1,07 


4,10 0,43 


Gipfel 5,14 3,76 0,59 1,26 


0,20 


1,96 


0,88 


0,62 — 



Sin biefer STabclIe fäüt unS auf, baf; bic fünen ^-riid^tc (Cbft) bcbcutcnb 
fteinere ^fitjlen geigen als bie ©emiife unb baf3 bei ben löccrcn atS befonberer 
SSorjug baS 9]atron übermiegt, im Stpfel bagegcn 5^ali unb 91atron üür()crr» 
fd)en; Spinat ent{)ä(t grojäe ^Jlengen Don 9iatron (58) unb nicl 5la(f. ^cr 
5vopf^ unb ^äuptd)enfa(at ocrbant't feine gro^e ii3eliebt()cit fid)crlid) bem bc» 
bcutcnben 5lali=, SlalU unb '^pljoSpIjorgcbalt, ba er im übrigen feine aroma» 
tifdjen Stoffe ent(jätt. Sei anberen pf(an5Uct)en 9]aI)rungSmitteIu finb eS 
nur bie eigcntiimlid) angcovbncten ^lätjrfat^c, bie ibncn befonberc Sd)inad'=' 
I)aftigfeit oerteiljcn, nid)t aber bie gröfjtcnteilS lucrtlofen fogcnanutcn C^HMiufj» 
ftoffe. %k§ unb ä()nlid)eS ift nod) fo mcnig bclannt in bcr miffcnfd)aft» 
liefen Seit, ba| fogar gauj gegenteilige iöeljauptungen in ärotlidjcu Scl)riften 
5u lefen finb. 



86 9]af)rung§mittet. 





ßall 


§ n i g 


6,7 


Sftinbfleifd) 


29 


5t r a 11 b e 11 


60 


(5) r a I) n in b r 1 


77 


Kartoffel 


100 


®atte(u 


108 





Statt 


(Si[en 


Pflaumen 


106 


— 


eibotter 


380 


10—24 


^•eigeu 


400 


4,0 


(Srbbeere 


483 


8—9 


^uf)mi(cl3 


1510 


2,3 



^acl) S3unge ift ber ©ifen* unb ^alfgef)a(t unferer 9laf)nmg§nnttel 
ein fef)r oevfcljtebener. So entf)alten 100 gr 3:roc!enjub[tans SJZiüigramm : 

Gifen 

1,2 
17 

5,6 

5,6 

6,4 

2,1 

^er p()i]fioIogii'rf)e ©fjemifer .^enfel raar ber erfte, raeldjer bte Scbeutuiig 
ber SJ^ineralieu für bcn tierifdjeu Crganismii^S erfannte; Dr. Sa()niami baute 
raetter. ©ie iinterfcl)eiben fid) unter anberem aud) baburd), ba^ ^enfel Salje, 
bem 9JtineraIreid) entnommen, §um ©cnu^ empfiehlt, roä()renb Dr. Saljmann 
nur organifdje 33erbtnbungen ber Salje für oerroenbbar t)ä(t. ^e§roegen gibt 
^enfel feinen ^^^atienten ein mincra(ifd)e§ raeifse^ ^^nüner a(§ „pt)i)fiülügifd)eit 
©peife^ufa^", iüät)renb Safjinnnn feinen „D^ä^rfal^ejtraft", an organifdje 
(Stoffe gebunben, ai§ braune jäfie 9}laffe, oerfd) (offen üerabreidjt. 

©ine nä()ere 53egrünbung unb Slusfüfjrung if)rer ©runbfä^e märe oon 
größtem ^ntereffe, aüein fie mürbe un§ f)isr §u raeit fü()ren. 

Unferen benfenben Seferinnen empfefilen mir bringenb, gerabe 
ba§ Kapitel über 9]äf)rfal5e ernftf]aft §u ftubicren, meil e§ grunb = 
legenb ift unb fein 3>erftänbnii^ bie .r-)au5frauen befä()igt, beffer 
für rid)tige ©rnä^rung i^rer ^^amiüe ju forgen. 3Sürben fie 
roiffen, marum fie bte§ ober jene§ tun ober untertaffen joIIcn, 
roel^e 33ebeutung unb Öiücfrairt'ung auf ©eift unb 5lürper eine 
falfd) §ufammengefet3te 9]a()rung ijat, bann erfdjiene iljuen feine 
3Jiüf)e §u gro^, Süden in ifjren ^enntniffen au^^sufüllen ober 
erfannte SSorurteite in befeittgen. 9Ber fi(^ grünblid)cr belct)ren 
roifl, beut feien bie (Schriften oon .^eiurtd) ^auernfeiub, SlonuniffiomS* 
oertag Raxi S^erljc in Seip.yg, empfof)Ien. 2Iüe in iinferem 5lapitel 
über @rnä{}rung in ?yrage fommenben ^^nintte finb oon bicfem 3d)riftfteüer 
eingef)enb unb gefd)icft befpvoct)en. 

§üd)ft roertood burd) i()ren ^^o§pI)orfäuregeI]aIt finb bie 'iöalnufj 
unb bie 5lafaoboI)ne; jene bcfitjt in iljrem 9]ä()rfal5gemenge beinal}e 44"/„ 
biefeS ©toffe§, ber ^^afao 397o. 2{ud) ber 53tumenfol)( ift ju erroäljuen, unb 
e§ ift gemi^ nii^t unintereffant, 5U erinnern, baJ5 bie S^^a(nuf3 unb ber 
33(uinenfo[)t fid) ätjueht in il)ren ©ebilben, aber aiiä) ber (Sc()irnmaffe unb 
bereu Unitjünung. ®a§ @rof3()irn t)at biefetben barmartigen ^löinbungen, 
bie aud) bie genannte 9hi^ befitjt. 

©emöfinlid) ftreift man oon bem Sßatnufsfern bie t^iaut ah, mci( fie bitter 
[djmecft, büd) entfurlt biefe bie meiften 3cäf)rfa(äe. Gbcnfo madjt nmn cy mit ben 



?^ a [) r u n R g m i 1 1 c I. 87 



SJ^anbcIn, ben Sud)ccfcrn unb aubcreu ^vücfjtcii iinb beraubt [ic fo bc» beften 530=- 
ftanbtci(y. Unter t)tn pI]o5p()ori"äurereid)eii 3pei[en [ei iioc^ taS Gigelb erraäljut 
mit 657270, n)ä[)renb ba5 (Siroci§ nur ftarf 47o aufouroeifcn I)at. 3(ud) 
ber 5?üf)lrabi, bie 3>yi<^^sC bie ©urfe unb ber Spargel oerbicnen eriüäfjut 
gu raerben. 

Somit f)aben roir eine gonje S^^ei^e von ^flansenftoffen, bereu ^nl}alt 
uufereni ©ef)irn gugute fomnit. „Setjtere» aber rairb am befteu 00m 33Iute 
im <cd)(afe ernäljrt, in roeldjem ba» 33[ut befonbcrS ftarf 5um .^iru ftrömt; 
besljalb j(i)Iafe man mit beut 5?opfe niebrig, menu mau flug merben miü." 
(2tu§ bem „^au§bo!tor",) 

9."l>cnng(eid) bie 91>irfung be§ ^^^(Jo§pIjor§ auf ha§ ©efjirn nod) nid)t fo 
cotlftänbig erraiefen ift, bafi man fid)ere (Bd)(ü[fe barauS ju giefjen oermödjtc, 
unb nict)t oergeffeu luerbeu barf, ba^ bie ^^[jo^ptjorfäure für unfcrc S^nodjeu 
oiedeidjt nod) oon nie! größerem SSert ift al§ für baB ©el)irn, fo geben bie 
üorftetjcnben eingaben immerijin nü^Iid)e 2Inregungen. 

©erai^ roirb nn§ nun audj bie ?)^rage entgcgengeftellt raerben, raannn 
unb roo5u mir fo oiet S^üdjfalj genießen, ba§ au» 9ktrium unb (Sf)Ior beftel)t, 
wenn fo oicle ^^ffanjcnftoffe \m§ bod) bie nötigen 9)lineralien jufüljren? 

®a§ ^od)ja(3 inirb au§ ber ©rbe geraonnen unb batjer in minera(if(^er 
3^orm genoffen, b. f). nid)t in 93erbinbung mit ^^flansenftoffen, unb nur in 
feinfter 9?ertei(ung. ^atjer ift ber ^mcifct bcred)tigt, ob e§ nidjt, äijnlid) 
anberen 9}lineralien, in unferem Körper nur fd)äblid) rcirfe. 

93on biefen gtaubt man, baf3 fie nid)t aufgenommen (affimiliert) rcerbcn, 
fonbern blo^ aufgeBft unb teil:» burd) ben 93erbauung?fd)(aud), tcilg burd) 
bie Dticrcn nad) Übertritt in bie 33Iutbal)n roieber au§gefd)icben mcrben, nidjt 
aber o(jne fcljr oft Oieij.yiftäiibe surücfjutaffen. 2;od) fd)cinen fie smueiteu 
aud) eine füf)renbe 9\oüe im Drganilmuä gu fpieten. 

?Jcan \}at jroar nadjgeraiefen, bafj ber ©enufj oon fa(ireid)er 97al}rung 
einen geiuiffen junger nad) (£lj[ürnatvium (Rodjfatj) erscuge, mcc4jalb 5. 33. 
bei reid)lid)em ©enuf3 oon 5?artoffe(n, bie oiel 5^alt entljalten, auc^ immer 
25er(angen nad) Salj eintritt; aber bicfer llmftanb fällt meg, raenn unfere 
9^al)rung nid)t einfeitig au» i^artoffeln beftcljt, fonbern eine un^3 äufagenbe 
2lbroed)fiung oon 5lörnern, 2Bur5cln, '^(ättcrn unb ^-rüdjten bietet, ^ie una 
nötigen 9J]engen an freiem 9^Jotrinm unb ©l)lür (nid)t oercinigt 5U Gljlor» 
natrium!) ent()alten bie genannten 9lal}rung§mittel in genügenber 3)iengc. 
3Berbcn biefe nic^t burd) ein feljlerljafte» '43erfal)rcn in ber 5lüd)e i()rer natür» 
lid)en 93eftanbteile beraubt, beoor man fie ben 23erbauung§organcn einoerteibt, 
fo l)aben mir einen fünftlidjen ^u]a{} von Salden irgcnbnicld)er 3lrt nid)t nötig. 

'2;er l)entige ^odjfaljoerbraud) ift ein gan5 enormer gciuorbcn. 

Sßie tä^t er fid) erflären? ©rften§ burd) bie ungünftige ^nfi^^ii^«^"' 
fteKung ber 9^a()rung§mitte(, roeld)e Saljljunger erjeugcn unb üielleid)t mobl 
bas eine ober anbere 9lä()rfa(ä im Übermais entljaltcn, au fccn anberen aber 



g3 9^ a f) r it n g § nu 1 1 c I. 



SJJangcl Ijabcu (Übermaß an 5\ali, SDIangel an DIatron!); groettenS burd) haS 
Sluölaugeu fal5reid)er 9la{)ruug§mittel in ber ^ü(^e burd) (Siuraäfjern, '^lb= 
tod)zn n[ro.; brittenä burd) ba§ ^ebürfniä ber 9JJen[d)en nad) S^eigmitteln, 
ba§ aud) eine (Saljfdjroelgerei auSgebitbet I)at, ebenfo roie ciele nad) 2tlfo{)oI= 
genu^ rerlangen ober o^ne Xahat unb „fräftigenbe" 3^(eifd)brütje nid)t be- 
fte!)en fönnen. 2)oä finb bie brei ^auptgrünbc für hzn fonft unbegreifli(^eu 
ilo^faljgenu^. 

93iele 9)]cni"d)en genießen tdgtid) 20—30 gr ^od)[al5; man ftelle fi^ cor, 
v)a§ e§ 3U bebcuten f)at, wenn foId)e Bi^fii^i^ eineä nid)t naturnotiuenbigen 
etüffe§ 20, 40, 60 ^a\)XQ I)inbur(^ [tattfinbet! 

Dr. :Ca!)mann fprid)t mit Sxe^t con einer „"^urdipöMung" be§ tebcn- 
ben Steii"d)e!3. (5» fann nid)t oljne ©influfs auf bie ©eraebe bleiben, unb eä 
i[t unsireifelljaft, ba^ mand)e biyl)er bunfel gebliebene 5^ran!f)eit§ur[ad)e 
fc^Iie^lid) im ja()retangen 5?od)fal5genu|3 il)re ©rüärung finben roirb. ^n erfter 
Sinie bürften bie @e[ä|3n)änbe (2lbern!)äute) buri^ fortroäf)renbe Se[pü(ung 
mit einem unridjtig gufammengefe^ten S3Iut (Bd)aben erleiben, unb man^e 
(£r!ranfung ber Arterien unb SSenen, mit bunflem 9iamen belegt, mirb fid) 
eineä 3::age§ al§ notürlidje 3^oIge von (Srnäf)rung§feI)Iern entpuppen. 

©oId)en (£r!ranfungen !ann man jebod) oorbeugen, raenn man ftc^ bei= 
Seiten 9ie^enfd)aft über bie (SrnöIjrungSüerljältniffe gibt unb alleS at§ fef)Ier- 
l^aft (Srfannte üermeibet. ®ie§ fann aud) f)infid)tlid) be» 5^od)fal5genu[fey 
ge[d)el)en, inbem man ilju tei(5 gan^ abfd)afft, teil§ bcbeutenb einfd)rän!t. 
©anje 33ül!er[d)aften leben o{)ne ©alj, unb einzelne 9)]enfd)cn l)ahm bei guter 
^ufammenftellung ber SflaljrungSmittel aud) imter un§ jaljrelang o^ne Salj 
5u leben cermodjt, unb siuar oI)ne 91ad)tei(e su nerfpüren. 

(3tet§ aber roirb ber @enu^ unDoHEommener 9]al)rung§mittel, 3. 35. aller 
@erid)te au§ roei^em gebeuteltem 9}lef)I, ober gebrüljter, iljrcy natürlid)en 
9f^ät)rfal5ge!)atteä beraubter ©emüfe, ^odjfalsjufa^ nötig mad)en, roeil fie 
ge[d)mac£log geroorbcn finb unb bie ©efd)mact^nerDen nidjt genügenb reijen. 
^ie SSerbauung leibet aber, roenn biefer S^ieis au§ge[d)altet roirb, unb fo muj3 
il)nen notgebrungen etroaS ©alj beigefügt roerben. '3)urd) eine befonbere 
^nbcreitungSart ber ©emüfe unb burd) ^eüorjugung bey (S^rotme()(ey, haä 
bel'anntlid) bie S^lätjrfalse entfjält unb barum aud) oljue £od)fal5 fein leereS, 
gefd)ma(flofe§ 33rot gibt, fidjcrn roir m\§ jebod) grofie S^orteile unb evfparen 
un§ hm 5lüd)fal33u[al3. 2lud) geitroeifer ©enu^ ber ^enfel'fdjcn (Salj* 
mifd)ungen roirft auf oiele 9}^enfd)en günftig ein. 

;3ene Sßölfer, bie Sierblut geniefäen, erfparen ftd) gletd)fall§ ba§ Rod)- 
falj, roeil biefc§ 33lut oiele aufgclöfte ©al^e entljält, aüerbing» unter ben 
roertooüen aud) fold)e, bie fd)on Derbraud)t ber ^i(u§fd)eibung Ijariten unb 
bemgemö^, in einen neuen Drgani§mu§ gebrad)t, nid)t günftig roirfen fönnen. 

3lnbere SSöIfer gentefsen oiele 9JIild)probufte unb finb bat)er, ol}ne be= 
fonbere ilenntniffe oon ber (Si'iftenj ber DIäljrfalje unb oljne entroidelteren 



?ia[)rinifl!5initlel. 89 



(Gartenbau, ber itineii reid)licl)eu Gicniüfeßemifj [ict)evu luüvbe, bcnnod) nicl)t 
au 9ltä[)r]"a(5en oerarmt. 2ie 113ti(cf) fül)vt i()uen genüöcnb l'Jtiiieralieii 511. 
'^o&) anbete oerjel^ren näljrfafjveidjc 25>ur,5e(n ober ^-vüi^te unb befommcu 
infolgebeffen roeber fraiife§ 53hit md) 5^ücl)ia(5()unger. 

3n (Suropa allein, luo ber ^öobcn burd) laucic 5lu(tur frf)üu öejd)uiäd)t 
tft uub I)äufig niinberioertige '^)>f(au,?,cn liefert, bie ärmere ikuii3(feruug au^ 
gu eintöniger ^artoffelnafjrung nerbamnit ift, eine frantljafte Öteiäfuc^t bie 
bemittelteren 23ült\^[ct)ict)ten ergriffen ()at: nur bort ift bie Sxoc^faljfc^roetgerei 
entmicfett wie faum aubev»n)o. 

US 

Die Tüßen fruchte, (Das Oblt.) 

5Iüe ^aum= unb (£trQud)früd)te, rce(d)e ^ncfcr entl^alten, roerben jum 
„Cbft" gered)net. hieben i()rem |]ucfergcl)alt 5eid)nen fie fic^ C1116:} burd) 
eigeutümüd)e ©eidjmarfymirfung, burd) feinem 3(roma unb gerabcju präch- 
tige ^-arben aus. 9)]an ticnk an ben ^uft ber örbbecrc, ben ^arbenreij 
eine§ '»pfirfid)^, ben töft(id)en ©efdjmac! einer bunfelroten, faftigen S^irid)e! 
(5§ ift, ai§ ob (Bonne unb "jiftanjenmett it)r .r-)öd)ftey in fo(d)cn ^rüdjten 
leiften luodten. Sie armfelig erfd)eint bagegen bie grüne ©urfe, ber lueifse 
^rautfopf, bie braune Sinfe! 

^e me()r bie (Sonnenftratjten einiuirfen, befto .^errlid)ere5 erzeugt bie 
^ftanjenroelt; bal)er i)aben mir in ben Xropentäubern bie „(^olborangen", 
bie gucEerreid)en Datteln, bie na(3rl)aften g^iö^" i'i^'^ "^^^^ ^^'^^^ aubere 
faft= unb gefd)marfrei^e '?yrüd)te. 

(Siroeip, ^-ett ober 'tOcetj! ent()a(ten otete ^•rüd)te nur in geringen SJ^engen, 
^otäfafern unb ^ruc^tfäuren bagegen oerl)ättni5mäf3ig üic(; il)r ßucter aber 
ge()t (eid)t in bie 33lutba()n über unb ift für unfcre (5rnäl)rung uon gröf^ter 
33ebeutung. (2§ ftetien bie füfsen '^xi\d-}ic fomit eine l)öl)ere 5(rt ber IViäbr» 
ftoffe bar, ba fie ben ^urfer in gel oft er ^''^nn bieten. 

&§ entf)alten I)auptfäd)(id): 





3ucter 


ealjc 


§ol3fafcr 


^■■ 


niri)ti"äiircn 


TiUiffer 


SBeintrauben 


16 7o 


'hVo 


3'A 


:7o 




^''4^'0 


737470 


93irnen 


1270 


7470 


4 


7o 




V47O 


837470 


''))} c 1 n e n 


770 


^'470 


1 


7o 




070 


90 7o 


43 im beeren 


470 


V270 


7 


7o 




170 


87 7o 


3n)etfd)gen 


1170 


7470 


5'A 


!7o 




7470 


81 '/. 7o 



53ei ben '-üirnen unb 3iuctfd)gen fäüt un;; ber höbe rN)e()a(t an .s>o(,^fafer 
(ßeüutofe) auf, nod) mc()r aber bei ber jarlen .0 i m b e e r e ; bei ber faftigen )))l e 1 n e 
evmarten mir nic^t roeniger alö 90 7o Saffer, bei ben reifen Weintrauben 
aber ben I)üd)ften ^]urfergel)att. ®ie ^imbeerc l)at i)ol)cn ^•rud)tfäuregebalt, 
ber nur uon ^ ol) an ni'o beeren unb 5{pfetfincn nbcrtvoffen mirb. 



90 9? alirung§ mittel. 



2Bie oortre[f(icl) bie garte ^oljfafer (bic ja aitd) gu ben iTof)Ien^i)braten 
ge!)ört), [oraie bie üerjd)iebenen ^rud)tfäuren auf bie 93erbauung iinvfen, raifjeu 
ade jene 311 ergäljlen, lucldje buvd) ^rudjtbität von '3)arm(etbeii befreit raurbeu. 
®ie feinen Sßivfungen nament(id) ber (Säuren uub ber aromati]d)en (Stoffe 
ouf ba§ y^eroenfijftem fennt man aber noc^ §u raenig. 

3Beniger gurferreicf), aber bafür üon bebeutenbem '}^'ÜU uub Giro eifsgclj alt, 
auci) 3}cet)I cnlljaltenb, finb bie 53ianbeln, 9lüffe uub S^aftauien. Senn alfü 
jemanb hel]auptet, bei einer ?^ruct)tna^rung muffe man balb t)ert)ungern, roett 
bie roicl)tigften ^Jlcätjrftoffe, roie @iroeif3 unb ^ett, oollftänbig fel)lten, fo ift bie§ 
bei ridjtiger aiusroalj! ber Dbftarteu unrichtig. 23on Himbeeren adeiu ober 
gar oon a)JeIonen Bunte mau a(Ievbing§ nic[)i lauge leben, roobt aber dou 
SSeintrauben uub 9^üffen. (Sie ergangen ficf) {)infid)t(id) i()re§ Dläljrftoffgeljalteg 
Dorgüglid), gebeil}eu uebeueinauber auf g(eid)em 33oben in gleidjem Rtima uub 
eruäl)reu untfo beffer, je gefüuber ein SJIenfd) unb je nie^r er an Dbftua!)ruug 
gcroö^ut ift. Gine ä()ulid)e 3"faniwtenfte(luug geben aud) Sfpfelfinen unb 
^Jcaube(n ober ^aftauien unb 3lpfel. 

(£§ entljalteu: 





(Jiireijs 


&ctt 


^of)IcnI)i)t)r 


ate 


Sttlje 


SBaffer 


§ol3fafer 


.^aftanieu 


ii7o 


370 


7470 




SVo 


770 


370 


9}1aube(u 


2470 


5270 


87o 




370 


6 7o 


770 


'^satnüffe 


16°/o 


57 7o 


1370 




270 


70/0 


370 


5^ofü!§nuJ3 


970 


67 7o 


1270 




270 


6 7o 


470 



9]ad) Ä'öuig unb Solf^J "Sabeüen f)aben .^afelnüffe unb ^aranüffe 
f otgcnbe ^iHi^^i^^ieufeljung : 

CSiiucif? 5ctt S?oI)Icuf)t}bvate (Salje SBaffer ^Dljfafer 

.Öafeluüffe 17,40 70 62,00 7o 7,20 7o 2,50 7o 7,1 170 3,20 7o 
^j^arauüffe 15,15 7o 67,707o 3,807o 3,90«;o 5,947o 3,207o 

!Sir ert'eunen aü§ biefen :Qa[)kn "Hzn ^oI)en ©el)alt ber fteinen ^afel= 
uufs uub ben 9\eid)tum be§ '>^arauuf3ferue§ au mineraüfd)en 33eftanbtei(eu. 
?yür ^ieifen eignen fid) baljer bcibe uortrefflid) aU trocfeney 9(al)rung^5mitte(, 
t)a§ man hnxd) faftige ßiitaten roie Stpfelfinen, ^^irueu ober 9ipfel oorteil* 
^aft ergängt. 

iBk Diel (£iroeif3, ^-ett unb 9JleI)( fiubcu roir ba beifammen! TaS befte 
?vlcifd) Ijat faum 20 70 Giroei^ uub ebeufooiel ?^ett, roäljrenb roir I;ier bi§ 
67 7ü g?ctt ftubcu. 

Gin uüd) günftigcre§ 9?erl)ä(tni§ fiubcu roir felbftrebeub bei ben getrorf^ 
ueten (3-rüd)ten. Siefc babeu ibreu SBaffergcbalt na(}egu oerlorcn uub befteben 
bat)er nur au§ fongeutrierten 3iäljrftüffcn. ©ie finb besljalb auct) „fdjroeroer- 
bau(id)" unb muffen eutroeber tangfam gefaut unb grüublid) eingefpeicf)e(t, ober 
aber in Sßaffer eingelegt uub bann gebämpft roerben. ®eu glcidjen SBoI}!^ 



9^ a f) r II n g § mi 1 1 e I. 9 j^ 

gefcfjmarf inie im roljcu ^iiftanbc föimcu fic öaviuid) iiicl)t l)abtn, immcrljiii 
bleiben [ie aber bod) genuJ3rcict)e S(al)ritng5mitte(. 

9?eife «feigen genicj^t mau in ^entid)(nnb faft (\ax nidjt, lucir fic in 
unjerem Sti'ma niemals jene ^-leifdifiiÜe nnb jenen .indevreidjünn gciuinnen 
luie im (Buben; getrocf'nct aber, bie billigeren Sorten al^ „^'U-ansf eigen", 
werben üiele oerjeljrt. 

„9]ofmen" finb fülle SBeinbeeren, feljr sucferljaltig nnb, in iSl^am auf- 
gemcid)t, anä:) fd)macfl)aft. Wan ücrmeubet fie 5ur 53ereid)erung füfjer Speifen. 
Datteln finb in trodtener ^orm ebenfo föftlid) mic fättigenb nnb nal)rl)aft. 
Seiber finb bie ^^^reife biefer luertüotlen (2übfriid)te fo Ijotje, baf? fie in 9^littel= 
unb Sübeuropa niemat§ 33ülf!§nat)rung§mittel raerben fönnen. 33cffer fteljt 
e^ bamit mit bem ein^eimifd)en ©örrobft, 3lpfet= unb 33irnfd)uitten, trocfencu 
3metfd)gen unb 5^irfdjen. 

dJlan Ijat teure unb billige (Sorten baoon unb ift baburd) in ber ^agc, 
aud) in ben obftarmen Reiten in itompottform allerlei ^•rüd)te geniefjen ju 
fönnen. :?eiber ift il)r 2>erbraud) lange nid)t fo umfangrcid), raie eg ii)ünfd)ena= 
raert märe; ber moberne ©efdjmact geljt ^bm meljr nad) 5Bürften unb ^^^ier 
aly nad] Cbft, unb fo werben für jene gerabeju erflaunlidje Summen au^5^ 
gegeben. (&§ ift alfo fein Söunber, mcnn bann für Ohit fein öclb melir 
übrig bleibt. 3luf3erbem fd)mecft e§ nid)t nad) 33ier unb Surft, unb fo Ijat 
man fid) gemöljnt, frifdje A'vüdjte unb .^tompott al5 eine 3(rt 'Jtafdjcrci, al5 
Sujug p betrachten, '^cn fiel) uidjt jeber erlauben fann, unb ber maiui)cni 
aud) fd)äblid) mirb. SetjtereiS tritt bei ftarfen ^-leifdjeffern, bie geuiöl)nlid) 
aud) 3{lfol)ol feljr lieben, tatfäd)lid) ein unb ift baburd) ju erflären, bafj biefc 
entlucber fd)ou magenlcibenb finb ober aber, bafj bie ^'rud)tfäuren mit ben 
im 9Jkgenfacf nie auygel)enben ^'fi-'Mrfjfiifltn unb 5llfol)ülmifd)ungen fid) abfolut 
uid)t üertragen fönnen, unangenel)me G)ärung§5uftänbe ufiu. er.^eugeu, fo baf} 
ber eine nac^ Dbftgeuuf] ^urd)fall, ber anbere Sobbrennen, ber britte lln» 
bel)agen befommt. Unb bann muf3 natürlid) bay rare Dbft, nid)t aber '^klid) 
unb 3llfol)ol baran fd)ulb fein. 

(Setroctuete 2rüd)te entl)alten: 

Giiuciß Bett ^vol)(cn= Salje SK?ii)[cr :fxil5fafcr ^nidit^ 

I)i)brQtc [äiirc 

Pflaumen 27470 0«/o 63 7o l'^Vo 29V4 7o lV'-'"/o 2^470 

«irnen 2 7o 070 59 7o l'V4 7o 20 ','2 ^'o 7 ' «0 7*70 

Gipfel 17470 070 6 170 172% 277470 5 > 37270 

frifd) lir/o frifd) 84 ','0 

5lirfd)en 2 % 7470 4G7o 17.70 50 «0 '/."'o "/o 

Seigen l';--'7o 17.70 547» 3 7o 35 7o 4 7o 1 7o 

Datteln 7470 ■/•270 707o l'/4"o 207470 GV.;"o 17*70 

DUfinen 7270 l'/2 7o 52 7« 1 7o 32 7o 2 7o "/o 



92 £R a [) r n n 0( § m i 1 1 e t. 



Sßir finben bei ben 'Satteln [ogar 70 "/o 5?oI)lcnI)t)brate (^ucfer unb 
ÜJJel)!) unb lüunbern un§ bonn nict)t niel^r über if)re fattigenbe SBivfung. %k 
fetttjebrud'ten ^o^^^" geben bei ben Stpfeln ben ©efialt im fvifd)en ^iifi^i^^^ 
ön, unb ba seigt fid) tat]äd)Iid) ein geiualtigcr Unterid)ieb: ftatt 27 "/o SBaffer 
84°;o unb ftatt 61 7o ^üt]Ienbi)brate 13 7o. 

9]iele anbete au§= unb inlänbifctje ^-rüdjte finb ju luenig befannt unb 
gu fd)iüer 5U l)aben, al^ ba^ e§ fid) (oI)nte, fie alle mit Flamen unb @igen= 
fd)aften anjufüfjren. Sß>ir tonnen nur oerficljern, ba^ uns bic DIatur reid) 
befdienft unb bafs mir nad) :8anb unb 5tlima nad) belieben unter föftlii^eu 
fyrüd)ten mä[)(en tonnen. 

®rei 3^rüd)te motten mir it)rer Dortre[ftid)en (Sigeufdjaften megen nod) 
in§be[onbere bei"pred)en, ^a§ finb Stpfetfinen (Orangen), 3^t^'onen unb 
St p fei. Sie beiben erften finb „2übfrüd)te", gebettjen bei uns nid)t, finb 
aber it)rer .^altbarfeit unb ber reid)Iid)en (Sinfut)r megen befonber^ ju ber 
^eit red)t billig 5u Ijaben, in ber mir un§ auf troctene ober eingcmad)te 
^-rüd)te befd)ränfen muffen. 3it^"onen forool}! mie Drangen fd)reibt man 
fiebermibrige Gigenfd)aften ju; tatfä(^lid) finb fie aud) ein föfttid)e§ ©rfrifc^ungs* 
mittel für Slranfe unb genuf3reid) für ©efunbe. ?J]an hat fogar „Siti'onen* 
fureu" Derfud)t unb empfoljlen unb mitt burd) bie g-ruditfäure ber ^iti'onen 
günftige SSirfnng erhielt l)aben. ^n gemiffem Wia]^ mag bie» fid)erlid) ber 
%aü fein; bei übermäfsigem ©enu^ ber fauren unb unreifen ^^ttone aber 
(^.33. 15 (itü(i Zitronen täglid)!!) mirb jmeifettoS aud) eine ungünftige '©irfung 
auf bie 9)iagenfd)Ictml)aut ausgeübt. (3icl)e III. Seit „.^^^eilt'unbe".) 

^ei beiben 5-rüd)ten rcerben aud) bie (3d)aten oerroenbet, bie it)vc» 
f(üd)tigen des megen ftarfe @efd)mac!^Smirfnngen tjaben. 

©ans anbers ift ber ^arte 3tpfel befc^affen, ber fiel) an Stroma unb 
<3aftreid)tum mit ben genannten (Sübfrüd)ten nid)t meffen fann. Sennod) ift 
er für m\§ aU ein()eimi]d)e ^rud)t feiner gröfseren ^attbarfeit unb feiner 
^lät)rftoffe megen nod) oiet mcrtuoüer. 

©in berüt)mter fran^öfifc^er Strjt fd)rieb feiner^eit bie 9Ibnai}me ber 
tBerbauung5befd)merben unb ber ©aüenfranftjeiten in ^ari» bem oermeljrten 
Genu^ oon 9{pfeln ju, bie er für fetjr gcfunb, magenftärfenb unb teid)t Der= 
bau(id) tjiett. (S» ift ja aud) ermiefen, baf3 bie 2(pfelfäure 5ur '^efi3rberung 
t)er 23erbauung raefentlid) beiträgt. 2Im jnträglidjften unb mol)Ifd)medfenbfieu 
finb bie meinfauren Sorten, als : ©raoenfteiner, 9^einette, rote 9\einette, ©olb» 
teinette, 53orsborfer, «ctettiner ufm. 

Ser SSolf^glaube Iet)rt fogar: „3Ber oor bem (Bd)Iafengel}en einen 2Ipfel 
iJ3t, gibt bem 5tr,^te nid)t^ 5U oerbienen." 

Sa er tatfäd)lid) auf bie $I5crbanung oortrefflid) einmirf't unb alä 9}luS 
Qe!od)t and) üon fet)r fd)mad}cn "^erfonen gut oertragen, ferner oon ben 5^inberu 
geliebt mirb, fo follte er in feinem ^au§l)a(te feljlen, unb bie Stnpflanjung 
üon 2tpfelbäumcn follte in nod) uicl au§gcbel)nterem 9JJaf3e gepflegt merben. 



?^ a f) r u n n ? mi 1 1 e f. 93 



Sind) 3(pfe([aft foiüie 5Ipfeltee, ebcufo ein roarmer Süifciufj oon ^itpfcl» 
[c^aleit fauii empfof)Icn luerben. 'J)cr etugebitfte 2(pfe([aft roivb unter bcm 
Sflamen „9(pfclfvaut" ucrfauft. 

2Iud) über bie „eingemacfjten ^rücl)te" muffen roir noc^ ein SBort ^m» 
zufügen, ^sn grojsen 3ii'^6i^"^t'"t^<^" iin^ "^tt aUcrtei ©eiuiirj lucrbcu ^-rücfjtc 
eingefo(i)t unb faljretang in foIcI)er ^-orni unoerLinb^rt aufbeiualjrt. Dhd)! nur 
burd) bie (Srlji^ung, fonbern nud) burci) ben 3ii*^crgel)alt wirb bie ^^ifs* 
bilbung ücrf)inbcrt unb babur^ ^-äulnty ocr()ütet. ^afs fo oerfü^te ^-vüdjte 
aber roefentlid) oon i{)ren urfprünglid}en (5igcnid)nften einbiifjeu unb fe()r 
oertcuert roerben, ift einleuc^tenb. 3Iud) rciberftel)cn fie bcni (Sefd)niac!e auf 
bie '3)auer unb fönnen nur in geringen SJ^engen ai§ 9iafd)erei unb 9kd)tiid) 
genoffen roerben. (S§ ift burc^au§ raiberfinntg, fo raiditige 9ialiriingc^mittc(, 
irie ey 53aum= unb (3tvau(^fuüd)tc für nuy finb, fünftUd) fo ^u iicvänbcvn, 
baf? fie if)re§ ^reife§ roegen entroeber unerfd)raing(id), ober burd) il)re ^xu 
fammenfe^ung für unfere Q)efunbl)cit unjuträglid) lucrbcn; unb e» ift batjer 
ein (Sebot ber S?(ng{)eit, bie ^rüd)te in foldjcr !£>eife ju fonferoieren, baf5 fie 
lieber gro^e ^JSertufte an ©cljatt erleiben, nod) frembe Stoffe anfnebmen, nod) 
im greife unnötigerraeife oerteuert raerben. ©oU bod) ba^3 Cbft, bie ebelfte 
unb genu^ooUfte ^Jkbrung be^ ?}^enfd)en, enbtid) „3>olfönaI]rung6niittel" raerben 
unb jebem ^ugängüd) bleiben. ^a§ ^orrobft foiuie 'i)a§ ®antpfobft crfüdt 
biefe Sebingungen 5uni 3:;eile. 

9nc!)r noc^ erreid)en loir burd) "^^unftfodien in C^Häfcrn. ^. 2Bedf 
in Cffüngen, 33aben, I)nt loiberftanbsfätjige ©läfer mit cigcntümlidjcm 5>er= 
fd)Iuf3 I)ergefteÜt, roelcf)e bie grifc^l)altung, 5leimfreimad)ung unb 5tnf= 
bematjrung aud) (eid)t oerberbtic^ei- S'labrung'SniittcI ermöglidjcn. ©cmüfe, 
Dbft, aud) g(eifd)forten merben gereinigt unb jcrfleinert, mit ober oljue 3"' 
fa^ in bie (Släfer gefüllt, unb biefe in einen mit SBaffer gefüllten 5Tod)topf 
geftcüt, rao man fie je nad) 33ebarf bc§ 9]al)rung^5mittct§ 10 ?3iinuten bid 
l'/s Stunbcn fod)cn läfst. 33ei bici'em i'erfabrcn bleibt in^^bcfonbcrc aud) 
ber 2Bot)U]cid)macf crljaltcn, unb ba fid) bie C^Mäjer nor i()rer (<:röffinmg 
jat)relang aufberaal)ren laffen, Ijat man bie l'lnne()m(id)feit, ftetä jubercitete 
@erid)te im 5?orrat 5U I]aben. 

5!Jcöd)te bieje§ 3Scrfa[)ren meite ^i^crbrcitung fiuben! (l-vi luiivbc nid)t nur 
§ur befferen (Srnätjrimg im allgemeinen beitragen, fonbern and) allmäl)lid) 
äur 93crminbcrnng ber ©(^lad)tl)änfer mit il)ren taufenb Oh'eucln. "2)16 Dbft» 
plantagen aber irürben immer einträglid)et unb ^aljlreidjcr lucrben. 



is:^ 



94 9Z a [) r u n g g m 1 1 1 e I. 



Du 6^wür|c. 

^n ber Ji\iic^e aller 5Bü[fer finbeu rair ^^flan^enteire in 25erraenbiing, 
bie nur in {(einen 93ccugen in 33eruicnbung fommen, ni^t bem (Srnäf)rung§= 
Sraecfe bienen, fonbern nur ber @efcl)macf§anregung. 9}]an nennt fte „©e= 
Toüräe" unb nimmt forooljl allerlei 5?räuter uon fdjarfem ©evud) unb @efc!)madf 
als aucf) i^örncr unb SamenIjüIIen, fein putoerifiert, baju. ©ie üben juerft 
auf ^iinge unb ©aumen einen ftarl'en Sieij au§ — man benfe nur an ^^^feffer 
unb ^^^aprifa — bann aber reisen fie auc^ SJIageu- unb 2)armneroen, bi§ fie 
burd) ^Tarm unb Siteren raieber g(üc!(icl) au§gejd)ieben roerben. '^a bie 
@eid)mad'i?nerüeu um fo rci.jbebürftiger merbcn, je fultiuierter unb ge[d)iDäd)ter 
ein 93olt ift, fo finbeu mir in uuferer {)eutigen feinen 5?ü(i)e aud) eine 
überrafd)enbe ^Kombination oon SBürjen aüer 3{rt, of)ne roeldje „rid)tigc§ 
^od)en" gar nid)t meljr mi3glid) erfdjcint. SaJ3 bie @eroo()n()eit gerabe beim 
SBürjen eine grof3e Stolle fpielt, mirb iebcrmann gerne §ugeben, ber fid) felbft 
nur ein t'lein roenig beobad)tet ^at; anbererfeitS rairb mand)er Sleroöfe aud) 
fd)on bemerft t)aben, bai3 er bie Sß^ürje oergaJB, rcenn er fid) einmal eine§ 
gejunben, fräftujen ^junger» erfreute. 2:ie 5af)Ireid)en füuftlid)en ©emüräe 
fmb tatfäd)üd) nur etne ^y^eitfd)e für Den gefd)n)äd)ten 9}lagen unb bieueu nur 
gur (2elbfttäufd)ung. ^er natürtic^e .junger be§ gefuuben 9rtenfd)en, ber 
?1ht5fe(arbcit tcniit, mac^t fie überflüffig, um fo uu^tjv, alS uic(e "-^^flaujen unb 
^-rüd)te aromatif(^e 33eftanbteile entljalteu, nield)e eine anregenbe Sßirfung 
befit3en, "tia^ 2>crbauung§gefd)äft beförbern unb, ba man feinen anberen Qm^d 
in i{)nen erfeuneu fonute, bec4jalb aud) „©enuf3ftoffe" genannt merben. 33ei 
eiufad)erer (Srnäljrung bebarf man alfo nid)t erft Dielfad)er 3iil"ä^s- 

^e ^^gienifd)er mau lebt, befto ntel)r wirb man fo(d)e natür(id)e SBürjen, 
bereu SJJilbe augcnel)m empfuuben roirb, beüor^ugeu, unb rairb fünftUd)e, 
]d)arfe Söürsen, bie fdjon in fleinfteu SJlengen ftarf reisen, mögüd)ft oermei^ 
ii^n. S^latürlidje unb milbe Bürgen finb: ^rud)tfäfte oon Zitronen, 9tpfeln 
ufra., ^•rud)tfd)alen non ßitronen. Drangen ufra., 5?räuter roie ^^eterfilie, 
<2d)uitt(aud), treffe, ^^o(]ucu= unb ©urfenfraut unb anbere, aud) 51 n ollen, 
rcie bie t)eimifd)e |]raiebel, bie in Butter gebacken auf ^rot gelegt gan^ präd)tig 
fd)meclt unb a\\&} in rol)em ^iif^^""^^/ f^"^ gerljacEt, oon oielen fef)r geliebt 
rairb ufra. „ytatürlicV nennen roir fie beoI)alb, weil fie fertig üor^anben 
unb an -Jiäbrftoffe gebunben iinb, alfo nid)t nur iljrer SJlilbe raegen auc^ aüein 
oerje^rt raerben tonnen. 

50lu§fatnut3, ^immet, öeraürgnelfen finb ganj Derfd)iebene 
^^flansenteile unb oon niel ftärterer 21>irfuug a{§ bie obengenannten, ^n 
fleinen, fein ^erteilten ©aben unb feiten genoffen, raerben fie nid)t fd)aben, 
roo^l aber bie (£d)ma(i^aftigl'eit geroiffer @erid)te erl)ö()en. 2 o r b c er b l n 1 1 e r. 



?i a [) r u u g § Uli 1 1 c I. 



95 



g-eud) cl, 5^ümmel, isaiiide iifm. fiub üon ä(iii(icl)cm ©c[id)t'?;niufre 
miö 511 betrachten; fie alle aber t'üiiueii iiid)t aüeiii geiiüffeii raerbcu. 

?Jleerrettid)e t)abeu mit ^lüiebcln eine ßeroiffe Sd)ärfe gemeinfam, bie 
fie manct)en ^crfonen nnan(^cnc()m mad)t, ja and) fcfjäblid) racvben läfst. 
2;ränenbrnien nnb and) bie ^iied)ncrücn loerbcn üon beibcn fel)r gereift; man 
mä(}le baljer nnr milbe Sorten nnb meibe bie fc^arfcn, maS and) oom Senf 
gilt i^ß^' ebenfo Ijarmlog mie unerträgüd) bei^enb fein fann. '^cn an füfse 
^rnd)te gemüf)ntcn ']3erfonen mcrbcn ^icije, burd) Senf, ^^luii-'^i^-'t ni^i^ ^J^eer^ 
rettict) ersengt, ()üd)fl roibcrlid) fein; Stinber fc^iitteln fid) ober fangen sn fdjreicn 
an, roenn i^re Söirhmg fü()(bar mirb. 3öorauf benict bie§? 

93iertrinfer, ftarfe ?yfeifd)cffcr lieben bagcgen ba^? cble .Kleeblatt, nnb 
bie ©aftroirte raiffen, roeldje 'ilUvfniig Senf nnb '^Itecrrettid) baben: fie crjengen 
"2)nrft nnb fteigern baljer ben 
©ennfs beim 33iertrinfen. Sie 
Sd)leim{jant ber atfo gerei,^tcn 
9Jlagenmänbe fönnen mir aber lei= 
ber nid)t gleid) 5n @efid)te befüm= 
men. Uub fo bleibt ber Sieg 5n= 
näd)ft bem iJBirte,ber Sd)abenbem 
©afte. ®ie oerfd)iebenen ^^f effer= 
unb ^^aprifaarten roerben nnr 
üon fräftigen ^^erfonen, beren 
(Sanmen nnb ^^lagcnneroen an bie 
ftärfften Dieije geroi)l}nt finb, ober 
uon l'anbüütt'ern, bie oiel ^yett üer= 
5el}ren, benor^ngt. Starfeu dlan-- 
c^ern nnb SSeintrinfern f^med'en 
*'!]>etcrfiüe ober 3^tronenfd)a(cn 

nid)t mel)r; ba mnf] man fd)on mit ftärferen 9)titteln nnb Sofen fommen. 3""^ 
(Sffig fonunt ber "^pfeff^i^/ teidjlid) 5lüd)fat§ nid)t ju üevgeffen, bann crft ift 
für fie ein Salat rairfli(^ „angemact)t". ®ie üiet Spect uer^ebrenbcn Ungarn 
tonnten bie anfgcnommenen ^-ettmaffen mat)ric^einlid) nid)t bemältigcn, menn 
nidjt ein ftart'eö öemiirs, bie rote ^^HHuifa, bie ben nid)t baran töemöbnten 
ben 5Jtunb jn oerbrenncn bro(]t, bie ^Jieruen be^ SSerbannngvfanaltS fo reiste, 
baf3 fie iun-bannng^Jfäfte reid)lid)er abfd)eibcn. 5(nncrbem glanbt man, baf3 
bie ^;]iaprit'a ein 9,Uittet gegen ba^^ lanbcviüblid)e ^khcv ift, mv^- aber mol)t 
raeniger auf ge()eimni^oüüe 2trsneimirtung a{§ auf bie baburd) entftel)cnbe 
energifd)crc 33erbannng snrürfjufütjren ift. 93on anbcren '-iHUforn ev5ä()lt man 
äl)nlid)e G)cbränd)e. 

^uct'er nnb Salj s» »^cn „©emurjen" 5U redjnen, meit fic 5ur Ge» 
fd)marf"^Derbeffcrung fo uiel ncrbrandjt mcrben, ift eine ebenfo üerallcte mic 
unroiffenfdjaftlidie 9)^ct()obe. Sa^^ Gbtornatrium (^tod)fa(5) ift, l)aben mir 




g-ig. 41. 93erborbener (Sffig mit tefpflätcit. 

Sücvgrötcrt. 



QQ ^to^rungämittel. 



f(^on au§gefül)rt; e§ rairb gu einem fd)äblid)en ©enulsnüttel, roenn man e§ 
oi)ne innere 9^otiüenbit3feit, b. I). of)ne im d)emifd)en Sinne ergangen p 
raoüen, geniest. ®ie Seredjtigung be§ ^o^ialje^ liegt nnr in ber ergän§ung, 
inbem mir 9latrinm bort aufüfjren, rao 5lali überroiegt, nnb bie normalen 
9tät)ri'al5e [el)Ien. ©o biel nid)t ber g-all ift, i[t e§ nid)t notraenbig, nnb 
(3al5t)unger wirb ficf) nid)t entrairfeln. 

^er 3nc!er aber ift ein 9^a^rnng§mittel, raennglei^ au(I) gefc^madE= 
»erbeffernb nnb terfiifsenb, nnb e§ fü{)rt gu falfdjen nnb gefnnbt)eit§fc^äblid)en 
93or[teUnngen, menn mir in i{)m nnr ein nerfüf^enbeg ©emürj erblicfen. ®ie 
eigent(id)en ©emürge [inb ©enu^ftoffe, bie ben Organismus balb roieber oer= 
laffen; ber ^ucfer aber fommt in§ ^(ut nnb mirb bort oerbrannt. 

"äuä) beS GffigS muffen mir no^ mit einigen SK>orten geben!en, ba 
er unter bie „2öüräen" eingereif)t roerben fann. @r entfte£)t burd) Umroanb= 
lung bei SBeingeifteS (Sllfoljols) in ©ffigfäure unter 3«t^itt 5)e§ (Sauerfloff^ 
ber Suft. SBie bei anberen d)emifd)en i>orgängen fpiett and) I)ier ein ^i% 
mit, ber fogen. „©ffigpilg". ^er (Sffigbilbung mu^ bal)er bie 9I(fül)or= 
gärung oorange()en, nnb jeber fann fid) felbft (Sffig bereiten, menn er gucfer^ 
tialtige Körper jur a]erfügung I)at. 9^lan fennt baf)er bie t)erfd)iebenften 
©ifigarten, je nad) iljrem Urfprung. 2t(§ ber befte unb teuerfte gilt ber 
„SBeineffig", au§ nnoerfä(fd)tem STranbenmein I}ergefte(It. ^er billigfte 
(vffig ift ber Dbfteffig, beffen Bereitung Dr. SBalfer folgenberma^en 
angibt : 

„^allobft bringe in ein ?^-ä^d)en unb übergieße e§ mit fo üiel !od)cn* 
bem SBaffer, ba^ ba§ Dbft bebedt ift. ^ft e§ red)t raarm, fo bringe ha§ 
5-äf3d)en an bie ©onne unb bei fü[)(er SBitterung in bie 3^äf)e bei DfenS; 
öenn 3ßärme unb ^-eu^tigfeit begünftigen bie Gffiggtärung. ^n groei DJlonaten 
Ijaft bu einen Ijerrlidjen, billigen Dbfteffig." 

9Jian braucht it)n, um gemiffen ©erid)ten einen fäuerlid)en ©efdjmact 
gu t)erleit)en, unb mirb mie mit anberen '2i>ürgen and) mit if)m oiet Unfug 
getrieben. Stujserbem ift er aber aud) oielen ?>-ätfd)ungeu unterroorfen; fa 
oerfeljt man il]n beifpiellraeife mit ©atg unb S^mefelfäure unb mifd)t garb^ 
ftoffe bei, um iljm ein befferc§ Slnsfeljen gu ccrfdjaffen. 

^er reine Cbftcifig, tropfenmeife gugefügt unb nid)t täglid) genoffen, ift 
gefnnben SDlägen geroi^ nid)t fd)äb(id); ber übermäßige @enuß aber, in§be= 
fonbere oon fc^(ed)ten Sorten, mufj natürlid) bie 93lagcnroanb reiben unb 
fd)lief5(ic^ 5U einem Säureget)att be§ 931ute§ füljren, ber, menn aud) nur oor^ 
überge()enb mirffam, bod) fc^lief5(id) jur (Sd)rumpfung unb Sc^äbigung ber 
un§ unentbet)rlid)en roten S3(utfürperd)en beiträgt. 

SRernöfe imb blutarme ^^läbdjen unb grauen finb \d)X oft „effigfüd)tig". 

9Jian entjielje fold)cn jcg(id)en Giftggeuujs, gemötjue fie an ungefäuerte 
(Scrid)te unb geftatte nur jeitmeilig ^^tronenfänre. 

2(ud) biefc ift fd)arf unb burd)aul nid)t für jeben 9)^agen empfetjtenSmert. 



?^af)ruug§mittel. 97 



Sßa§ unfere Sippen^ iiub ©aumennerDen fd)ou fo l^eftig berüf^rt, lüie 
reine ^itroneniäiire eä tut ift mit 53ebacf)t Qufsimeljnieii iiub ift auc^ ber 
5)]a9en[d)(eimf)aut nid)t fefir lüidfonimen. Sippen itnb Gaumen füllten al§ 
^üter be§ SJ^ageneingange» betradjtet merben, bann mürbe mandje GrCranfung 
üermieben roerben. 

Sie natürlid)e ^iti^'onenfäure Ijat oor allem einen 33or5ug: fie ift reiner 
?yrud)tfaft, ein natürlid)e§ ©täurunggmittet, nic})t eine fünft(id) 3ufammen=« 
gefegte, get)eimni§DoIIe 9Jiifc^ung, beren Sirfung mir gar nid)t ermeffcn 
fönnen. ^aljer fei aud) oor ben fünftlic^en ^itroneneffensen geraarnt, bic 
großenteils nur d)emi[d)e ^robufte finb, nid)t aber nur I)attbar gcnmdjtc 
S-rud)tiäfte. — 3n altem, trübgeroorbenen-CSffig entmidEeln fid; fteine Sebe^ 
rcefen, fogen. (Sffigäle, roie fie ^ig. 41 §eigt. '3)ie 3(bbilbung jeigt allerlei 
91ieberfd)läge, meldje burd) ßerfeljung entftel)en. (Sold)er (Sffig muß raeg» 
gegoffen werben. 



Zucher und I^onig. 

©el)r oft !|ört man fagen, ^ndn oerberbe bie ^öljne, „oerfd)leime" ben 
^J^agen, berairfe fd)led)ten 6tul)lgang unb anbereS mel)r, unb man oerbietet it)n 
ben ^inbern. ®ie ^enntniffe ber 3}lütter fmb gewiffermafsen ba§ ©djicEfal ber 
5vinber — in iljren .^änbeu liegt e5, 5^inber burd) oerfe^rte Seben§gemül)nl)eiten 
fran! gu mad)en, ober f^roäd)lid)e ^inbcr burd) rid)tige Pflege gefunb ju erljolten. 

©ie muffen alfo in erfter Sinie lernen, fie muffen fid) 5Hec^enfd)aft 
geben über alle I)öu§lid)en (Sinridjtungen unb i'lbertragenc 5lnfd)auuugen. 

2ltfo ber 3u(ler ift nid)t nur ©eroür^, fonbern Ijauptfädjiid) ^JZa^rungg* 
mittel. 2öa§ aber nennt man benn eigentlich „ßudfer"? Seiber nid)t ben 
Sraubenjucfer, ben man nid)t fielet unb ber in ben ^-rüd)ten aufgelöft fic^ 
Dorfinbet, fonbern nur ben roeifsen .^ut5ucter, ben fonjentrierten, friftallifierten 
Slübeu' unb 3u<ierro^rfaft, ber Üinftlic^ gebleid)t (roeiß genmdjt) unb burc^ 
Ultramarin bläulid) gefärbt ift. ^w feinen 2Bürfeln unb aud) al-3 Streu» 
jucfer ift er überall fäuflid). ®a§ nennt man gemeiniglich „ßucfer". 

@r ift fel)r I)altbar, fel)r fauber; bie guten ©orten löfen fid) in ^ylüffig« 
feiten raf^, bie fd)led)ten langfam unb laffcn einen Sa^ jurüc!; aber er ift aud) 
re^t teuer unb gilt an bem 2:ifd) ber Slrmen al§ 2uju§. ®er .f^utjnder gibt un§ 
3ucter in fonjentrierter ^-ürm, nicl)t oermifd)t mit anbercii Stoffen, mie 
bieg beim S^id^i^ in ben f^^rüdjten ber 5^all ift, unb fül)rt nod) aubcrc 53e= 
ftanbteile mit ein, bic, mie ba§ Ultramarin, mit ber ^^-'it lui-^^jl fd)äblic^ 
roerben fönnen. ®ie3 alleä untcrfd)cibet ilju alfo ganj rocfentlid) uom ^ruc^t» 
juder unb oerminbert feinen Sßert bebeutenb. 3" folc^er ^orm täglid^ 

ate grau atS i)au?ärjttn. 7 



98 ITl a 1^ r u n g § m 1 1 1 c r. 



geuoffen, rein ober aufgelöft, in oerfc^iebenen ©erici)ten, fann er bie SSer^ 
baimng iingünftig beeinfluffen. ®te 9}er[u(^e, in ber ^eere^nerpflegung 'ütn 
2öiirfel§ucler anjuroenben, fönnen baljer nic^t gan^ fgmpattiifd) berühren. 
(2ie loärcn nur bann a[§ pofitioer gort[d)ritt ju Qd)ten, roenn ber S^idzx 
etwa qI§ (Srfa^ be§ 2l(füI}oI§ aufgefaßt raürbe. ^n biefem (Sinne betrad)tet 
man bie (Sad)e aber nid)t. 

Sßirfli^cS „©eraürs" rcären jene mobernen ©n^ftoffe, bie a[§ Qud^xex\ai^ 
in ben .^anbel fommen unb für bie ßrnä^rung gan^ raertlo§ finb. ^aju gef)ören 
(£acl)arin (2;eer5ucfer), Mulsin ufra. 93or it)nen fei geraarnt, nmfome!)r, all 
nid)t abgeftumpfte ©aumen ben (Sac^aringefd)ma(f at§ e!etf)aft empfinben. 

©e()r §u empfet)len für befonbere 9Jlu§fetIeiftungen, 9ftabfat)ren, Bergtouren 
unb ät)nlid)e§ ift ber ©enujj ftar! gepuderter ^itronenlimonabe, roeld)e nid)t 
nur fe'^r erfrifd)enb wirft, fonbern burd) ben aufgetöften 3uctergef)alt naljr'^aft 
ift unb (Srmübung§gefüt)( rafcl) befeitigt. 2tl§ raarme§ ©etrön!, gIeid)faU§ mit 
anregenben ©enu^ftoffen rerfeljen, ift ftar! gefügter d)inefifcl)er 2;ee fet)r roert* 
t}oIC ber gefunfene Sebenlgeifter luieber gu beleben cermag. 9Jian oerfef)e fid) mit 
beftem, ultramarinfreiem ^ucfer, ber fid) ebenfo gut t)nlt mie gebläuter, unb man 
lüirb bei mö^igem ©ebraud) oom S^lofirjucfer 9f|ut3en Ijoben. ^t)n aber rein unb 
unaufgelöft gu cerfpeifen rcie 58ünbon§, ba§ fönnen mir nid)t empfef)Ien. 

(Sid)er ift e§, ba^ er, ju reid)tid) unb unoerbünnt §ugefü^rt, S^etj^ 
erfd)einungen bewirft ; e§ ift alfo ha§ Ijäufige 3^icfernafd)en ber Slinber, ba§ 
täglid)e SSer^e^ren oon gucferljaltigen fiecfereien ©rraac^fener nid)t mit Unredjt 
in üblen 9^uf gefommen; oieHeidit fann man aud) fagen, ba^ bie „3ucfer= 
fud)t" gerabe fo gut eine franfljafte @rfd)einung ift unb nur bei 9)Zenfd)en 
mit unrid)tigem (3toffraed)fel unb franffjaftem 2lppetit oorfommt, wie eine 
anbere „@ud)t", bie fic^ nad) ^ifantem, (Saurem ober <Sd)arfem rid)tet- 
Blutarme, neroöfe ^^rauen gittern mitunter auf Gffig; f leine, blaffe SJ^äbdjen 
mit fd)abl)aften ^ö^nen, bie feine SOIaljIjeit rid)tig miteffen, laffen in i^ren 
2;afd)en allerlei BonbonS niemals au§gel)en. ®ie gefärbten '3)inger fdjaben 
bem fd)iüad)en 9J?agen, unb bie (Sffigfäurc füfjrt nod) mefjr 9]ad)teile mit 
fid); aber fold)e ©etüfte finb folgen eine§ franfl)aften ßitftanbeg, nid)t 
Urfacf)e, roenn fie aud) biefen nur nod) oermeljren. Bei fräftiger Bewegung, 
gefunbem junger, normaler Berbauung üerfdjioinben fol^e ©elüfte. Bei über= 
mäßigem ^it^ergenufj wirb felbftrebenb ^udtx aud) unoerbaut au§gefd}ieben. 

S!J?an betrad)te bie 3ucferfud)t oon biefem (Stanbpunft a\\§ unb rer- 
fud)e fie ju "feilen, inbeni man iljre nrfad)en befeitigt. 

Ungebleid)ter, reiner ^nä^v ift nid)t freiberoeiJB, fonbern gelblid), ber 
fogen. ^anbi^äuifer ift bal)er in feiner Bräune natürlid). 

SBir faffen nun alle§ über ben 3«^si^ ©efagte in nad)folgenben (Sä^en 
gufammen : 
1. 2Iufgelöfter reiner i^ndzic ift ba§ aulgiebigfte unb leid)toerbaulic^fte 

9^af)rung§mitte(; 



97aF)rung§mitteI. 9f) 



2. bie Siebe ber 5^inber für (Sü^igfeiteii ijt eine burd)au§ natürliche (Sr* 
fc!)etniing, bie nie unterbrücft raerben füllte; 

3. ber roei^e SBürfeljucfer ift fonsentrierter Ttunft^ncfer nnb nur niäpig ju 
genießen; 

4. Sraubens, grud)t= nnb SRitd^jucfer ift in oieten 9]Qf)run95- 
mittein entljalten nnb bitbet bie notürtirfjfte nienf^nd)e S'laljruiig; 

5. gelber, nngeb(eid)ter Qndtx ift beffer aU meiner. 

Ükd) bem 3urfer fonnut ber^onig q(§ 5ucferreicl)fteä 3^Qf)rung§mittc( 
in 53etrad)t. (Er entljätt, neben etroa§ Saffer, 9Bac^^ nnb Stütenftoub, oucl) 
^meifenfäure nnb rcirft infolge biefer ^iM'onunenfe^ung onberl al§ ^ii^cv. 
SJIageufranfe ertragen \[)n meift nid)t; bei (2tut)(trägl)eit bagegen roirft er 
beförbernb. 

^er geingefd)macf be^ ^onig§ ^ängt oon ber 3(rt ber 531ülen ab, 
n)eld)e bie dienen befurf)en. Ser fogenaunte „53Iüteu- nnb 33hnnent)onig" 
gilt al§ ber befle; „^eibe^onig" ift bunflcr nnb an ©üte nnb ^reiä geringer. 

®er .^onig geniest oon altera I)er ben 9iuf, „blntreinigenb" 5u roirfen. 

2Bal bie 9JJenfd)en fid) barunter eigentlich oorftellen, ift nic^t Ieid)t 
mit einigen Söorten gu er!lären; man !ann etroa fagen, bo^ ber .^onig, 
inbem er auf Spieren nub ^arm anregenb roirft, bie ©äfte be§ Drgani§mu^ 
ror ^Verunreinigung nnb oor ÜberfüÜung mit Stoffroed)felprobuften beroaf)rt, 
roeil bie genannten Drgane bnrd) ben empfangenen S^eij beffer arbeiten. 3(nberey 
ift barunter nid)t gu oerfteljen. %a}i er nebenbei an 75 7o ßuder, 20^0 
Gaffer nfro. entl)ält, alfo in Ijoljem ©rabe naf)rl)aft ift, rciffen bie roenigften. 

%a bie SImeifeufäure fidjer eine beftimmte ®irfung l)at, ift el nicl)t jn 
rerrounbern, baf3 ^onig al§ ^an§mittel in altem SInfeljen ftefjt nnb bei 
Stul}lbefd)roerben, Ruften, ja gn SBunboerbänben uub al:8 (Srljaltnng^Jmittel, 
"Da er roie QndQX fäulni^oerminbernb roirft, angeroenbet roirb. 

tiefer üorjüglicljen ©igenfc^aften beä ^onigl roegen foÜtc bie 33ienen= 
5ud)t nod) niel lebl)after betrieben roerben, roobnrcl), befonber§ äum SOBoljIe unferer 
^inber, billigere ^^reife be§ ^onig§ erjielt roürben. 



ISO 



^as folUn wir etfen? Cdas TolUn wir hocheti? 

9]a^bem roir alle 9]af)rung'3mittel burctjgcfproc^en, bleibt nn^S nod) auo* 
3ufül]ren übrig, roie roir nad) ben 2(nforberungcn ber 0cfunbljeitc4cljre, ber 
(£l)emie nnb ber (Srfal)rung 5u cffen nnb 5u fodjen baben. 

9J?an „fodjt" rocil man glaubt, nur rccnigc^S in rol)cm 3»f^i^"^c i^*-'^"' 
jefjren gn fönnen, roeil bie fultioierteu "iDJcnfdjen ©cfod)tcy nnb (SrrocidjtC':^ 
beffer oerbauen uub fo uiel für bie menfd)lid)en 3Serbauung§organe llnpaffcn» 



100 ?iQ^rttng§tinttcI. 



be0 gur @rnäf)rung I)eranjie^en, ba§ nur bur(^ ben ©tnflu^ ber SBärme bc§ 
SBaffer^ ober fün[t(ici)er ^ii^aten ©parfett erreicf)t rairb, ober roeil gefunber 
Öunger itvoa§ \o felteneä geroorben ift, ba^ ba§ @ffen über'f)aupt auff)ören 
lüürbe, wenn bie S^a'^rung nid)t gaumenreiäenb unb burd) aüerlei 23eräu» 
berungen unb 2Rif(i)ungen oertocfenb genmi^t rcürbe. 

2In rot)en 9^Qt)rung§mittetn cerjefjrt man 3JliId), Dbft, Satate, Ijiu unb 
rjieber oud) einmal rof)e§ S(ei[c^ in gcl)acftem ^iMt^'^i^ß w"^ ^ti^a noc^ jene 
Kräuter, bie all SCBürsen beigegeben raerben, roie ^«'ißl'el"/ (2(i)nittlau(^, 
^eterfiüe. Sonft raol^I nid)tl anbereS, e!8 roirb alle» gebrüllt, gefalsen, 
gebacken, gemif^t, gebämpft. ®ie§ üeränbert fo mand)e§ natürlid)e 5öer» 
l)ältni§, oerleitet gum 9}?et)re[fen, erzeugt f"ün[t(id)en ^nx]i, rerteuert bie ®r> 
näf)rung unb bannt üiele g^rauen an ben ^erb. 

(Sine 23ermel)rung ber rollen 9]ai)rung§mittel rcäre alfo ein ©erainu in 
mel)rfad)er .^in]id)t ein f5^ort[d)ritt gu einer gefünberen, rceil einfacE)eren (Sr:» 
nä^rung. SBir raürben biefen 3^ortfd)ritt ergielen, rcenn bie @rncif)rung burc^ 
Dbft allgemeiner würbe, unb bieg raäre mög(i(^, raenn mir Sdfoljol unb 
gleijd) jugunften ber 5rüd)te oerbrängen. 

M\o auf Soften bc§ gleif^eä unb 2t(fot)oI§ me{)r fü^e Saum- unb 
6trauci)früdE)te unb mel)r grüne ©emüfe. 

Dbft ift nid)t nur 5)effert, ift nid)t nur @rfrifc[)ung§mittel ober 
5^äfd)erei, wie fo oiele meinen, bie teure ^rüci)te ftet§ nur genießen, nad)bem 
fie if)ren SJ^agen mit allem anberen angefüllt l)aben, alfo nac^ reid) liefen 
2J^af)l5eiten, — nein, fü^e ^-rüd)te ftnb 9lat)rung§mittel, bie in rid)tiger 
3ufammenftellurig unoerborbene SJ^ägen ebenfo gu fättigen oermögen wie anbere 
Gpeifen. SRan geniest oiel gu oiel 53rot unb ©ebactene», gibt oiel gu oiel 
6elb für fünftlid)e ©etränfe au§, fte^t oiel gu fe^r unter ber ^errfd)aft bei 
©Iauben§ an bie Unentbefirli^feit be§ ^-leifcl)e», baju fommen Dbftmangel unb 
t)ot)e Dbftpreife, — el ift barum fein Söunber, mnn man bie $8ebeutung ber 
5rüd)te nid)t erfennt unb nac^ billigeren unb leid)ter gu erreidjenben Speifemittelu 
greift. ®5 wirb aber beffer werben mit biefen Qlnfdjauungen, je metjv bie grauen* 
weit fid) neuen ^been guwenbet, il)re Unwiffent)eit auf bem @rnä£)rung§gebiete 
erfennt unb if)re I)ol)e 23erantwortlid)!eit für alle l)äu§lid)en (5inrid)tungen gu 
füllen beginnt, ^ann werben bie ^iuber bei 9)]ild), Orot unb grüßten gro| 
werben, bieSHütter werben wieber beffer fangen fönnen, unb fo mand)cr @vü[d)en,. 
fonft für 93ier unb SBürfte oeraulgabt, wirb in ber 2:aid)e bleiben. 

®ie 5?enntnil oon ben ^auptbeftanbteilen bc§ meufd)tid)en 5\örper§ unb 
pon ber 3ii[<iwntenfe^ung ber Dlaljrunglmittel leljrt jebe bcnfenbe ^^rau, wie fie 
iljreOJla^lgeiten gufammenftellen muß. @l ift biel ein feljr ernfter ^^unft ber ^aul* 
f)altungsfunbe unb oiel wid)tiger für alle Hausfrauen all bie gefd)ic!te Slnfertigung 
• Don 2;orten ober bie Sergierung bei SSäfd)efd)ranfel. <Bkt§ l)alte man fid) bie 
i3cbürfniffe bei ^örperl cor unb gebe fid) S^ted^enfdjaft barüber, ob biefe unb 
jene beliebten ©eridjte aud) wirflid) gu einanber paffen. 



?Ja5rung§nutteI. joi 



2i?a§ ^at barübcr ju eutid)eibeu? 9lid)t @eraoI)n{)eit uiib inbioibueller ©c» 
fdjmacf, nid)t ber 3Sun[c^ bea ^aulljervn ober ber ©(aube ber ^aua[rau, 
fonbern bie d)emi[d)e ^efc^affenf)eit ber 9Uf)rung§mitteI. 

©ir roifi'en, ba§ (Sircei^, ^ucfer ober 9JieI)I, gett unb ©alae in ber 
3^af)ntn9'?nienge jebey XageS ent(ja(ten fein muffen, roenn roir ri^tig ernät)rt 
fein unb gefunb bleiben rooUen; alfo — fteüe man barnad) äufammen, raa§ fi^ 
crgäuät. ®q§ ^^ette gehört gum fettarmen, "öaS (Siroei^reid)e 5um ©iroei^armcn, 
^a§ 9^elj(ige 5um Saftreid)en, bog 5Iroma{if^e jum ©efci)mac!^annen ufjü. 
@g ergänsen fid) bemnad) i^artoffel unb ^^ilse, 9?ei§ unb Tomaten, i^aftanien 
unb 2(pfel, 2;rauben unb 9^üffe, 5lud)en unb ^(pfelfinen, ^^teifd) unb 5?artoffeI 
SDBurft unb Srot, Gier, ©olat unb ^rot unb anbere§ mel)r. 

3um trod'enen, mefjlrei^en ^uc^en „fd)mecft" beSljalb bie faftigc, 
buftenbe Crange ooräüglid); benn wa§ bem ^udjen fefjlt, f)at bie Crange; 
§um gefd)macflarmen dld§ pafit bie fäuerlidje Somate O^arabielapfel); beibe 
geben ein ebenfo na!)r'^afte§ irie fd)macff)afte§ ©eri^t; oon Trauben unb 
Püffen allein fönnte man leben; benn fie geben un§ reid)licf) Qndex, ^ett, 
genügcnb (Siioei^ unb anbere§; ©ier, ©a(at unb S3rot entfialten oiel Giroei^, 
3Jle()0 (Salje unb ^^flanjenfafer, an6) ^ett unb finb barum eine fo beüeble 
^nfammenftellung. ®ie f)ier angeführten finb über{)aupt nur aübefannte unb 
oiel gebrauste, burd) ben ^nftinft, nicijt burt^ n)iffenfd)aftli^e (Srroägungen 
entftanbene. ©§ gibt aber oud) anbere, fef)r gebröud)lid)e 3ufammenfteIIungen, 
bie feine roir![id)e ©rgänjung barftellen, fonbern eine Überfättigung mit gleid]=> 
artigen 9]äf)rftoffen fjerbeifüljren. ®a§ ift 5. 33. eine SJ^afjIjeit au§ ^^teif^, 
Giern, 5?äfe unb Kompott. 2öel^e 9^äf)rfloffc entf)ält fte? ©ircei^ unb abermal» 
©ircei^, etma5 Qndn in fleinen DJJengen überfüfser %xü6)t^ (benn oom 5?ompott 
roirb la nur genctfdjt!), ^^tt, ©emür^e, aber feine ^flanjenfafer, oiel 3U roenig 
SJlineralien, feine 9JJef)lftoffe. 3" biefer SÖBeife ift ber^^ifct) jener 2öol)ll)abenben 
beftellt, bie nur nacE) bem ©enuffe fragen, nid)t aber nad) ber Sßirfung be§ 
©enoffenen auf il)re ©efunbl)eit: ^aoiar unb (Sd)infen, Sutter unb ©eraürse aller 
3Irt, tägli^ jroei' bi§ breierlei traten oon SBilb, 23ögeln unb Siinb, feinftel 
©ebäc! (au§ oiel (Siern, 33utter unb S\ld^x angefertigt, alfo eiracifäreic^ unb 
f^raer oerbaulid)), ©emi'ife unb ^riid)te, entroeber in fleinften SOIengcn ober 
au§geroäffert unb faum fenutlid) burd) fo oiel fünftlid)e Zubereitung unb roüv5igc 
3ufä^e. 2Benn man Hausfrauen mit oollem ^Portemonnaie in ^clifatcffen» 
^anblungen einlaufen fiet)t, ba rairb man erft flar barüber, roeld)e llnmcngeu 
oon 2e(ierbiffen unb eirceifsreidjen Sf^aritäten in ben Käufern ber 9tcid)cu 
oertilgt unb mie fel)r baburd) fo oiele 5ßevbauung§leiben erflärlid) roerben, 
oon meldjcn jet3t faft niemanb me!)r frei ift, ber nad) gen)übnlid)en Segriffen 
einen fogenannten „guten Jifd)" fül)rt. (Jimcif? unb ^ctt, Sott unb (Siiueif?, 
ba§ finb bie 9]ät)rftoffe, bie fo fel^r oorl)errf^en unb b;e in $?ebcr unb 
•Jiarm fo oiele 53efd)iDerben ueruvfadjen, inbem fie fid) immer micbcr anl}äufen, 
bie klieren fctjr anftrengen unb fo uicl ^arnfäure entiuicfcln. ^icfe muffen 



102 9? n^vungg mittel. 



in evfler Sinie üevmiubert iinb bofür SSegctaBilien einge[d)oben werben, bamit 
(Ba^^, belebenbe 5'rud)tjäuren, aromati[d)e ^^sflanjenteile ba§ ^hit rein 
erhalten, nnb ber 33erbauung§QpparQt nid)t ermübet, fonbern 5u fräftiger 
S:ätigfeit angeregt rairb. 3Bir f)oben in einem früf)eren 5?QpiteI gef)ört, ba^ 
50 gr (Siiüei^ gu 500 gr ^ett unb 9)lel)ten oollfonunen §ur (5rnäl)rnng eine§ 
rul)ig (ebenben 9JJenjd)en an§reid)en (1 : 10); wer bafier einmal bes Slage» 
^yleifd^ i^t, oermeibe @ier ober fd)roeren ^äfe, unb mer mef)rere Gier ober 
riet 93li(d) geno^, laffe an [oIci)em 2:age ba§ %kl]<i) auefallen, bagegen forge 
man tägtid), Söinter unb (Sommer, für frifdje unb Irocfene ©emüfe, frifcl)e§ 
ober trocEene§ Dbft, 9)le^lfrüd)te aller 2lrt. ®ann bleibt man im @lei(^= 
öeit)id)t unb roirb ni(^t üerbauung§franf. 

SBie auf ber einen ©eite in Gimei^ gefd)melgt mirb, fo gefdjieljt bie§ 
auf ber anberen Seite and) mit ber S)lel)lnat)rung, natürlid) in anbercn 
Solflfreifen. S^artoffeln, ^rot, baju ein fteifer, mel)liger 33rei ober ein 
berber ^uct)en jum unentbel)rlid)en 5^affee, ba§ ift oft monatelang bie menig 
abn)ecJ)ihing§rei^e 9flal)rung breiter 2Solf§fcl)id)ten: faum, 't)a^ ber ^arm 
bie 9Jiel)lmaffen oerarbeiten fann, ba^ ha§ S3lut bie nötigften 9Mt)rfloffa 
empfängt. 2lud) Ä'inber fie^t man oft unglaublicf)e 9}lengen 35utterbrote 
unb ^n6:)tn oertilgen, bie ben ®arm t3üllftänbig anfüllen, '3)rucfmirlungen, 
öagbilbnng, fdjlie^lid) 2lppetitlofigfeit erzeugen unb p ben 'S)iclbäuci)en 
imferer fleinen Sieblinge gewaltig beitragen. ^eftel)t Steigung ju ?^-ettanfa^, • 
fo trägt natürlid) ber beftänbige Überfd)u^ an ^ndzx im Drgani§mu§ auc^ 
mefentlicf) baju bei, bie $8ilbung oon g-ett^ellen gu unterftü^en. Slllen %itU 
leibigen rcirb baljer allju reicher Qnd^x- unb 9)]el)lgenu$ cerboten. 91oc^ 
fd)limmer ift bie Söirhtng ber 9}lel)le bei ®armträgt)eit, bei raeld)er oft fcljon 
geringe 2lnforberungen an bie 93erbauung§l'raft faum nocl) befviebigt roerben 
tonnen, g^üljren mir me{)r ^udex in natürlidjer gorm ein, alfo burcl) fü^e 
?^rüd)te, fo ift 9)]et)lnal)rung fd)on an fic^ nid)t mel]r fo veid)licf) nötig. 3lu§= 
betjuung be§ 2Jiagen§, (Srmübung be§ "S^armeS, fd)merer (Stnljlgang merben 
bann niemals eintreten. 

(Srgänsung nnferer täglicl)en ©eric^te l)alte man alfo feft im 3tuge, 
ebenfo ha§ rid)tige SSerljältniS ber Dläljrftoffe gucinanber, b. i. menig ^-ett 
unb ©imei^, mel)r natürlid)en Qnd^x unb fal5reicf)e ©emüfe. 

2ßir fommen nun jum Ginflu^ be§ ^^^euerS auf unfere S^lalirunggmittel, 
sunt eigentlicl)en „^oc{)en". 

%a§ 5locl)en mirft auf bie 9fial)rung§mittel ein unter SSermittlung be§ 
SBafferS, be§ ^^etteS, ober and) bireft. ©tarfe ^i^e bringt bie (Siroei^ftoffe 
jur ©erinnung, erzeugt baburc^ unter (SntmicElung oon Üxöftpvobuften brännlicf)c 
„S^iinben", bemirlt ben 2lu§tritt unb bie 93erbampfung be§ 2Saffergeljalte^5, 
mcS^alb bie gefc^morten „gerofteten" 9kl)rung§mittel an Umfang nerlieren, 
t'leiner unb fcfter werben, unb oeranlafU ferner ben Shti^tritt lum allerlei 
9Ued)ftüffen, wa§ in ber 9iäl)e einer Md}c ftctS bemerlbar wirb. 



9^ nlirungS mittet. 103 



. ^k Sß>irhing be§ falten ober TOarnicn S£>a[jer§ i[t bagegen in crftcr 
Sinte eine austaugenbe, b. (). c§ ent3ie(jt ben ^;)ia()rung§mitte(n lö^lidje 3toffe, 
entroertet fie alfo; roirb gleict)5eitig nod) ein beftimmter ^itjcgrab erveid)t, fo 
gef)t in ha§ f)eif5e 2Baffer immer nuci) ein üeil be^ GiraeifjgeljQlte» nnb be§ 
^■ette§ über; mit bem ®ampf aber lüerbcn aromatifc^e Stoffe in bie Snft 
fürtgeriffen. Sföenn 5. 33. ©elterie abgefocf)t mirb, ried)t man fie in aMi 
9\änmen; im ^odjinaffer aber, in melci)em man bie 5!nü((en ermeicbte, fmb 
bie t)cri"d]icbenften 53eftanbteile anfgetöft entl)a(ten; ba§ fcfte 'jpflanjengeroebe 
I)at manc^eig oerloren uub ift lotferer, „meid)" geroorben. Gine ^Sercic^ernng 
erfal}ren bie 91a!)rnng§mittel burd) ba§ 3{bfüd)en im 3Saffer alfo feine§raeg§, ba§ 
5{od)maffer rcirb aber roertDüU. ^^cim 3Ibfüd)en be§ ^-{cijd)e§ fennt man biefen 
Umftanb; man fdjätjt be§f)alb bie „^•(eiid)brü(je", bie bem ^^leifdje fo oiel ent= 
sogen, unb fui^t ifjren 3ßert burd) allerlei Untaten noc^ su erf)üf)en. 2öenn 
man aber 5!artoffeIn ober (Semüfe abf"od)t, fd)äl3t man bie ik-ü()en, bie oft bräun» 
[ii) gefärbt finb unb ftarfen C^erud) jeigen, gar nid)t; niemanb benft an it)ren 
:^n^alt, unb man gie^t fie meg. ®iefe§ $BerfaI)rcn bringt \m§ grofse 3Sertufte. 

•J^urd) SSermenbung ber eigenen ^-lüffigfeit eine§ 91al}rung^5mittel^ 
fönnen mir burd) bie ^-orm be6 „2)ämpfenl" bie grünblid)fte Grmcid)ung 
erjielen. "^ieS gefd)iel)t nur bei guter 33ebed'ung be§ 5^oc^gefäf5e§, gteid)» 
mäßiger ^i^e unb inbem bie geringe äu^erlid) angefammelte ^-(üffigfcit immer 
mieber eingefogen rairb. Gin 2!>er(uft beS 9läf)rftoffgel)a(te§ finbet babei nid)t 
ftatt, unb bie @rmeid)ung ift burd) bie eingetretenen d)emifc^en 23eräuberungen 
eine ooUftänbige. ^§ ftef)t bemuac^ bal „'2)ämpfeu" raeit über bem „5^od)en" 
unb füllte üiel au^gebreitetere SInmeubung finbcn. ^ebe-S ©emüfe, jebey 
^-leifd), jebe§ Dbft lä^t fid) bämpfen; nur finb .^itjegrabe, ^eitbauer unb 
natürlid)e ^-lüffigfeit^mengen üerfd)ieben. ®ie 93enüt3ung grofjer 3Saffer^ 
mengen beim 3lbfod)en ift einfad)er unb fd)ueUer au^o^ufüljren; bag kämpfen 
erforbert forgfältigere 53ef)anblung, meljr 3Iufmertfamf'eit ; baber finbet mau 
ba§ rol)e „^Ibqueüen" in allen .^auy()altungcu, in meld)en man uon miffcn= 
fd)aftlid)em Hod)en, d)emifd)eu unb plji)fifalifd)en (5rfd)einungen am .C^erbe nod) 
nid)t§ nernommeii Ijat, ba§ „"^^ämpfeu" bagegen 1>a, mo man feine Gk'fd)mac!a= 
mirl'ungcn gu bered)nen lueiji unb fid) ^eit nimmt. 

®a§ „©armadjeu" in ^ett l)eij3t „braten"; bod) ift beim ^Braten im 
9^ol)re, raobei immer Saft au§flief5t, inbem bie ©emebe etiuay fd)rumpfen, 
aud) ein „^i^ämpfen" mit babei, meil bie ;^•(eild)ftücfe mit bem Safie begoffen 
merben, ber gleid)fall§ gur (Srn)eid)ung beiträgt. Setjt man feud)te ©erid)te 
trodener !©ärme au!§, fo „bäcft" man; 3:eig mirb poröfer unb trorfener, lueil 
Gaffer unb 5^ol)lcniäure burd) bie Ginmirfung ber ,s;^it3C entmeid)en. 9?on 
„3iöften" fpridjt man, menn rol)C 'OJal)rung§mittel ol)ne Vuftabfd)lufj auf einer 
'jpiatte ober äl)nlid)er 33orrid)tung ber |)it3e au5gefet3t merben. 

Überall ift ein ^nfnni^i^^i^'yivfcn non 'Unirme unb ^•eud)tigfeit, uield)e 
bie .^iiik ber ^caljruugvuüttel ueränbern, iljre löi'lid)en :i3cftanbleile in ^e^ 



IQ^ ?fa^ritng§mittcl. 



roeQung bringen, i[)ren SBafjevge^tt oerminbevn unb feine d)emifcf)e S?er» 
änberungen jur ^rolge I^aben, bie ganj eigentümlidje ©e[ct)mac!grairfungen 
nad) fid) siefien. 

^e nad) ber 58c[cl)affenl)eit beS 9^al)rung§mittel§ ntu^ bie§ ober jene§ 
25evfa^ren in STnraenbung fommcn. Sie ^-rauen follen lernen, [ie in il)ren 
SBirfungen gu beobaditen unb nad) iljrem Sßerte in beoor^ugen. ®a§ienige, 
burd) n)eld)e§ un§ am raenigften Sfld^r* unb ©enn^ftoffe oerloren geljen, baa 
ben gonjen 2öoI)Ige[d)mac! einer (Spei[e ertjäll, ift ba§ befte. ®a5U gel)ören 
bag®ämpfen unb ba§ 9?ö[ten. 53InmenfoI)[, ©pargel, ^^i(5e, grüne ©rbfen 
ui'ro. bleiben am fdjma^Ijofteften unb roertoodften, rcenn man fie rafc^ im 
falten SBafjer reinigt unb fo naf3, raie fie barnad) finb, mit etroa§ 93utter 
unb n)oI}tbebecEt gelinber ^i^e auSfe^t; fie „bämpfen" bann, finb in furjer 
^eit erraeid)t unb erleiben feinen bebeutenben 2Serhift. ^e roeniger ©alj 
man sufe^t, befto fefter bleiben fie, weil S^oc^falj SKaffer anjie^t unb alle 
©peifen rafd) il)re§ uatiirlid)en S[ßaffergel)alte§ beraubt. ®ie§ ift rool)l ju 
bead)ten. 9Jkn füge ba!]er lieber fpäter etma§ Salg ju. 

§arte Körner roerben mit SSorteil ftnnbenlang cor bem ^od)en in Söaffer 
eingeraei^t; fie quellen babei mel)r ober weniger auf ober geben bem Söaffer 
lÖ5lid)e (Stoffe ab. ®al)er barf ba§ SK>affer niemals meggegoffen roerben, 
fonbern e§ muffen bie Körner mit biefem SBaffer auf ben ^erb geftetlt roerben. 

5^artoffeln roerben bebeutcnb entroertet bur(^ ba§ 2lb!od)en in grofsen 
2Baffermengen, fie finb unuergleidjlid) fc^macfl)after unb roertooller, raenn man 
fie abgefd)abt im 9\ol)re trocfen braten lä^t. 2Jlit ben (S(^alen in Ijeipe 2lfd)e 
legen, f)at benfelben (Sffeft. ©ie finb bann mel)lig unb buftig unb roirflid) 
genu^DoU; ebenfo roenn man fie abgefd)ätt, in grüf3ere ©tücfe jerfdjuitten, mit 
Butter in einem gut oerfdjloifenen ©efä^e bämpfen lä^t. 3ei1^"ittene ©emüfe 
bürfen cor bem (£rroeid)en niemals in Sföaffer eingelegt roerben, roeil fie babur(^ 
ausgelaugt roerben unb an ©al5en unb aromatifd)en ©toffen einbüjsen. Sind) 
abbrüljen barf man fie nid)t, löft bod) bie SBärme nod) auf, roaS baS Sßaffer 
jurücfgelaffen f)at. 3a^ter ©pinat roirb gebämpft roie oben angegeben ober aud) 
rol) geroiegt; bei älteren, I)ärteren ©orten ftellcn fid) jebod) 93itterftoffe ein, bie 
il)n bei foldjem 33erfal)ren faft ungeniepar madjcn. 93]an errceid)e iljn baljer, 
inbem man itjn in !i>d)enbe§ Sßaffer legt, unb roeil biefeS üiele ^eftanbteile auf» 
nimmt, oerroenbe man e§ jum Slufgujs anberer ©emüfe, foroie in ©uppen. ^n 
fleinen SDIengen beigegeben, empfinbet man ben bitteren ©efd)mac! ber fräftigcn 
^rüf)e ni(^t. ©ie entl)ält jeboi^ bie roid)tigften S'Jätjrfalje unb entroertet ben 
beften ©pinat. Sarum alfo nid)t§ fortgiefjen! 

gleifc^lofe, fid) ergänjenbe ©peifejettel für ben SRittagStifdj, ebenfo 

einfach (2 ©änge) roie natjrljaft unb fd)mactl)aft finb beifpielSroeife folgenbe: 

1) ^afergrü^fuppc (in SiBaffer eingefod)t, bann etroaS 9J^ild) jugefe^t), 

gebämpfte Kartoffeln, (roie oben, eoentuell mit ^'^^icbcl unb ^eterfilic), 

©pinat unb ©piegelei; 



"■n a li r u n g '5 mi 1 1 c I. 



105 



ZufammcnTetiung der nabrungsrrJttd. 

100 (^ramm entf)a(teuö: 



tliinbfteifdi . . 
mittelfctt 

fialbfleifd) . . 

mager 

(£d)it)einef(eil'd) 
fett 

junges §uf)n 

Staube . . 

^eriuo, . . 

e-iev . . . 

■©rbfeu . . 

^afet . . 

9tei§ . . . 

IBeisenbvDt . 
fein 

Kartoffeln . 
Spiuat ' . . 
Stopf faint . 
€pfel. . . 
SBeintrauben 
<£vbbeeicn . 



Seigeu . . 

getrodnet 

■©ßbare '^^il^c 



Iffialnüfjc . 

Jleinc 





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9iäf)rfal3e, 



eirccij} (StidftoffOaltige Stoffe). 



• &ett. 



WM^ Slof)Ienl)r)bratc (Stätfcmel)!, 3uder). 



® off er IJH) Unoerbaul. Stoffe. 



106 9] a[)rung§ mittel. 



2) Sinfeu eingebrannt (b. i. mit 93lef)Ifauce, in Butter gebrannt) unb 
.^äuptelfalat (mit ^it^'o^enfaft unb S)I); 2(pfe(mu§ itnb .Oa|erbi§fuit; 

3) ©ebämpfter 3tei» (förnig erl)alten, nic^t oermöffert, mit 33utter=, ^i^ie^e^^ 
unb ^eterftltensufa^) mit 9^]ö^ren (in 33ntterfance); 93lef)(piibbing(5Bei5en^ 
me^I, @i, 9JIi(d), Q\iän\ TlanMn) mit ^imbeerfaft; 

4) ^JBurjelbrü'^e (allerlei ©uppenrour^eln au§gefod)t) mit ©iernubeln, ^ud)= 
roeijengrü^e mit etraa§ 9}li(d) unb gebämpfte grüne ©rbfen; 

5) Kartoffelbrei (mit SRild) unb Q3utter), (Sal^gurfen unb grüne Colinen 
mit ©ance; 2lpfelrei§ mit 9bfinen unb 9)lanbeln. 

3n äl)nlid)er Söeife gufammengefe^te 93]ol)läeiten bieten Slbraedjflung, 
tcfriebigen auci) üermoljnte ©aumen unb bemat)ren un§ cor S(ä)äbli(J)feiten. 

©elbftoerftänblid) laffen fie fic^ uo(i) üiel einfad)er sufammenftellen. %k 
©uppen mod)e man fo gel)altoolI rcie mi3glicf), ba e§ feinen 9f|u^en bringt^ 
gefärbtes unb geraürsteS Sßaffer (mie Kaffee unb 3:ee) bem Drgani§mu§ einju^ 
üerleiben; man gebe fie batjer möglic^ft bicfflüffig unb oermenbe allerlei 2lbgüffe, 
foroie raertüoUe Slbfälle ((Stengel, 93lätter, SBurseln, @emüfebrül)en, aud) Knoctjen 
ufro.), ferner fättigenbe ^i'f^^^/ ^^^^ '^^\§, 9]ubeln unb anbere. '3^ann finb «Suppen 
oernünftig unb nat)rl)aft. ®urcf) ba§ 3lu§focf)en ber Knocljen erl)alten mir Seim 
unb ^-ett, raeld)e bie (Suppen „fräftiger" maci)en unb unter Umftänben ^u empfehlen 
fmb; für geroiffe Kraule finb iebocl) reine SBurjelbrütjen münfd)en§merter. 

SBir geljen mm auf unfer letjteg Kapitel, ha§ 3:rinfen, über, oer= 
meifen aber rorl)er nod) auf bie beigegebene STabelle (fiet)e (Seite 105), raeld)e 
ba§ bereits ©efagte anfd)aulicl)er barftellt. Sie mad)t m\§ bie 3ufammen= 
fe^ung ber beliebteften 91al)rung§mittel beutlic^. 



^-Q 



Das Cnnken und untere Getränke. 

„Siüicie Qugcnb roofint in dicllen, 
JJic^t in {ylafcf)cn, fVfi'K^'"' fiellern". 
Songf ettoni. 

S^on im ©ingang unf^reS Kapitels über bie menfcf)licl)e ©rnätjrung 
I)aben mir I)eroorgel)üben, baf? man ben natürlid)en "^^urft oom fünftlicl)en 
fcl)arf gu unterfcl)eiben tjat, ba^ erfterer nur eintritt, menn bie SBaffer* 
aufnaljme burcl) bie fcften (Speifen nid)t genügt unb ber Körper burd) oer* 
meierte Slbgaben in ^-orm be§ (S(^raeif3eS unb 9I>afferbampfeS beim 3(tmcn 
93erluft an 3Saffer erlitten Ijat. 33ei milber, einfacljcr Koft (mie oben), ol)ne 
^•(eifc^ ober bei feljr mäfugem ©cnufs beSfelben, ferner menn unnötige @e= 
mürje unb oiel ©als üermieben merben, bleibt aucl) ber lunftlirf)e '2)urft meg, 
unb es ift erftaunlic^, mie raenig mir bei rul}iger i^ebensmeife ju trinfen 
brandjen. (Sin ricl)tigeS Urteil über baS 2:rinl'en ift baljer and) 5ur Gr= 



IJ? a ^ r u u g 5 m i 1 1 c [. 



107 



IiQftiuig unfcrer ©e[itnbf)eit notiuentiig; beim luäre bie burd) immer luieber 

5ugefüf)rte große gh'iffigfeit^^mengen eiuftetjeiibe Überanftrengung bei .^erjenS 

imb ber klieren aüni dürftigen beraubt, fie luürben mand)e§ @fa§ jurü* 

roeifeu. Sßa§ ber Crganiemul uicl)t braucl)t fd)afft er t)inau§, iiiib ba§ oicic 

SÖaffer, in gorm ooii Suppeu, Jiaffee, 53ier, £'imünabeu uim. 5ugc[ü[)rt, 

mit beni er bereite über[ättigt ift, muß burd) gro^e 2(ni"pannung beö .r^ers^ 

mitsfeB unb beftänbige SIrbeit ber ^3lieren lüiebcr Qii5geid)ieben rcerben. 

2BiU mau biefe Crgaue fräftig erfjalteu, fo mute mau if)ucu uic^t uuuötige 

Seiftuugeu ju. "JlJaS 2zben mit 

feiueu üieleu (Srreguugeu uub ^^^ -.vr^^ ' itf^^S^^^N^ .4 

2(uftreuguugeu, bie jcf)üu er= 

erbte Blutarmut m\t> 'Olcrüeu= 

fd)märf)e forgeu [d)oubafür, ha^ 

nur 5U oft eine früfj^eitige 

(2d)u)ärf)uug ber iuuereu Cr= 

gaue eintritt, bie 'lim in unferer 

3eit fo Ijäufig in Grfd)eiuuug 

treteuben üorjeitigeu Sob uad) 

fi(^ 5ie{)eu. ^eber ^Jlijsbraudj 

räd^t fi^. 

Uufer uatürlid)e§ ©eträuf, 
ha§ fid) uns überatI bietet, ift 
ba§ frifd)e,reiueCu e ( (ro äff er. 
Q§ erpuicft roie fein anbereS 
@eträuf, unb bod) fenut mau 
es in beu (Htäbten faft nid)t 
mel)r. 9J]i(Iionen üou 9J2eufd)eu 
geuiet3en el in oerborbeuer 

53efd)affeuf)eit. ®a bal SS>a|fer ein raefentüdjcr 53cftaubtei( unfereS ;$?eibe§ 
ift, mir aud) uid)t einmal rceuige Sage ü[)ue SBaffer leben föunen, fo bürfeu 
mir eg mo()( ju h^n „9taf)ruug§mittetu" red)ueu unb ibm befouberc 5(ufmerfs 
famteit fd)eufen. Gl ent()ä(t flait, 5!oI)[eufäure, aufgctöfte C-vben, ctmal Gifen 
u. a., füü [)e(I m\t) f(ar, uid)t gelbti^ unb trüb fein unb barf feinen ©cru^ 
I)abcu. 53obenfat3, Sdjaum, «catpeterfäure ober Srnimoniaf barf el uid)t eut» 
I)alten. Sef)r fatftjattige» 'Gaffer nennt man ()art, meil el beim 'ii>afd)en 
unb 5lüd)en bie Stuftöfung anberer (Stoffe oer(jinbert unb im mcnfd)lid)eu 
^arm üerftopfenb roirft, roä()renb el ^urd)fa(t erjeugt, menu '^itterfatj oor» 
f)auben ift. gliifi^^affer ift mcid)er, meif el racniger kalt eut()ä(t; feine gelb= 
Iid)e ^arbe rü()rt oon 3aub= uub (2d)mut3tei(c{)en lier. %a§ reinfte '^'affer ift 
„SBolfenrooffer" (9?egeu); feiner geringen mineralifdjen 93cftaubtei(e mcgcn ift 
e§ aber 5um Jrinfen ungeeignet, ©eftanbency '-B}affcr cutl)ält fe()r oft *']>flau,^cn=- 
teile, ^aäillen unb 3tufguJ3tierd)en, mie uul ^ig. 43 belcljvt. Sie unglaub:« 




i5ig. 4ö. 2Baifcrtropfcu nuö gcftanbcnctn 2Ba)Tcr. 

SJergröBcrt. 

1 9tufguf?ticr(^en atler 2Irt. 2 Qtt Seilmig begriffen. 

3 ^11 ^evfdjnuisung begriffe». 4 iMircnticvd)eii. 

5 @(ocfentierd)cn. 



j^08 * 9taf)rung§mitteL 



Iic!)[ten ^iltungen seigen fid) ini§ unter bem SSergrö^erunglglafe. iDIan 
prüft S;riufiüa[jer auf feine ©üte, inbem man e§ in einem glafdjdjen fünf 
9J^inuten long fod)t. @ntf)ä(t e§ frembe ^eftanbteile, fo bilbet ftcf) ein 
53übenfal3; oiel ^alf seigt fid) burc^ STrübung be^ 2öa[fcr§, ha bie ^oI)ten» 
fäure bur^ bie ®r(}i^ung entroeidjt. ©efianbene^, fci)ale§, trübe§ Söaffer 
trinfe man alfo nid)t. 

®ifig falte§ Sföaffer oermeibe man lieber, 12—14° R. ift feine ange» 
nel)mfte 3:emperatur. 9JZorgen§ frül) in nüd)ternem ^iif^^"^ ^ii^ ®fci^ frifdjc» 
©affer trinfen, rairft oorsüglid) auf bie ^3erbauung§organe ein, reinigenb 
auf 9?ad)en nnb (3rf)tunb, SIppetit erregenb unb ©tuf)( beförbernb. hinunter» 
geftürjte» fatte§ Sßaffer übt einen nid)t unbebeutenben D^eroenreij an§, ber 
bei nert3enfd)n)acf)en ober f)eräleibenben ^^erfonen gu unangenehmen ®rfc^ei=' 
nungen führen fann. ©in fatter Xxnnt in er^i^tem ^^tftanbe ^at manchem, 
ber mit 5^ranff)eit5ftoffen übertaben mar, @nt3Ünbung§5uftänbe ober ©tauungen 
rerurfac^t; ja aud) ^irn= unb ^ergfdiläge I)at man babei infolge ber plö^» 
ii&jtn 3ii"^'uIation§fti)rung beobad)tet. Sd)tu(froeife§ (angfame§ trinfen 
bagegen, befonber» bei gleidjjeitigem 2:iefatmen, ift aud) in erlji^tem ßuftanb 
ungefä()rlid). ^ei reidjlidjem Dbftgenu^ unb rut)iger Seben^meifc ift tag» 
lict)e» SBaffertrinfen §iemli(^ überflüffig, nur nad) förperlid)er 2Inftrengung 
unb gefunbem ^urftgefüf)! ift e§ begrünbet. '3)a§ geroo^nljeit^mä^ige SDBaffer» 
trinfen §u allen 9}'Ja{)l5eiten ift etroa§ rec^t Üble§, oerbünnt ben SO'iageninI) a(t, 
ftrengt ^erj unb liiere an. 3^hir bei geroiffen neroöfen (Störungen mit 
leb^ftem <3)urftgefüi)I laffe man jur 58eruf)igung fdjiudraeife SBaffer trinfen, 
fi^affe gteid)3eitig aber alle burfterregenben ©peifen ah. 5!inb€r geraöljne 
man gar nic^t an ba§ fortraäl)renbe 3:rinfen. ®ie aufgeflärte .^au§frau ift 
für fold)e SJJi^bräu^e oerantroortlid). Unter ben fünftlic^en ©etränfen ftel)en 
bie 9J(ofte obenan. 9JJan l)at gelernt, au§ ben meiften ^aum= unb ©trauc^» 
fruchten föftlic^e „©eine" gu bereiten, meldje man burd) ein befonbere» 
2]erfal)ren oor ber ©ärung beroal)rt. @§ entroicfelt fid) in if)nen be§l)alb 
gar fein 3Ilfüt)ol. Qm ^lutoerbefferung, at§ ©enu^^ unb ^eftgetränf feien 
fie alt unb jung empfotjlen. ®ie oor^ügli^ften ©eine liefert in ®eutfd)lanb 
bie 9f?f)eingegenb. %W beutfd)e ©einmoftf elterei Sampe in ©orm5 
a. 9?I). ftellt föftlidien „^urgunber" unb „:?iebfrauenmitd)" ufra. l)er, bereu 
©etjalt an mineralifdjen Seftanbteilen, 3^ru^täU(fer unb ©äuren für Rraufe 
unb ©enefenbe feljr mertooll ftnb. 



ÖJ 



?? Q I) r u n g § m i 1 1 e I. 



109 



Kaffee, Cee, Kakao, Cimonadcn uTw. 

2Iul ©eiDot)uI)eit, ber (Sejeüf^aft inegen, an§ 9?ei5bcbürfni» luerbeu 
bie erftgenann^eu ©etränfe befonberS ooii bet ^-rauemüelt in grofjeu 9J?engen 
nertilgt. 9JieI]rmal5 am -tage luirb in 51affee ge[d)H3e(gt bi§ in bie 9lad)t 
l)ineiu rairb 2:ee getrunfeu. S3eibe ent()a(ten einen nerüenerrcgenben ©toff, 
ben man §u ben '^^fIan5engiften (2((fa(üiben) red)net. 'älud) bie 5^afaoboline 
ift nid)t frei baüon. ^er Haffee inibefonbere i[t ein au5gei"prod)ene§ -f^etjgift; 
er erregt t)a§ ^er^ unb 
lüirÜ aud) reijenb auf 
®arm unb 91iere, lues^ 
I)a(b er fo beliebt geraor= 
ben ift. ®er „fdiroarje 
5taffee" nad) üppigen 
9}la{)l5eiten ift ein be- 
faunte§ 2JJitteI, um bem 
überangeftrengtenSJIagen 
feine Slrbeit gu erteid)= 
tern. @r unterftütjt bie 
DIeroofität ber grauen, 
r)erf(i)Iimmert üor^an» 
bcne ^ranff)eit§,yiftänbe 
unb follte niemals täg= 
Iid)e§ ©etränf werben, 
treber bei jung no(i) alt. 
^k weite ^Verbreitung 
ber ^affeeerfa^mittet be* 
tueift, ba^ man befon= 
bcr§ in "iDeutfdjfanb jur 
GrfenntnisberScfjäbücI)^ 
feitbe§^affee§ gefommen 




VJasser:81f7r'/i 



^ZucHer, Exlrakt.^äure.jAscK'?: 523',.'^ 



gig 4i. ©in 5a§ 9{f)ctitn)ctu mit pro,',cittiinIcn x'duintcn 
fctitcö 5Ufo^o(=, Ä^a)'icr= iiitb ^JidfirftoffocIjoUcv. 

DttgtnaIjctct)nun0 non 9iicl). ©retfdjneibcr. 




ift, unb e§ ift erfreuHcf), gu fel)en, roie fid) 9Jial5» unb ^ornfaffce 
immer met)r einbürgern. ^\\\\\ ©(ücf ift guter 5^affee red)t teuer; bie arme 
53eoütferung trinft baljer nur eine braune 33rüf)e, bie wOi^ Raffce ried)t, 
nid)t al)er Mftigen „©cfjmar.'ien", fonft mären bie übten SBirfungen nod) 
Diel grüJ3er. ®iefe 53rübe bient ba5u, bie fc!)mere, eintönige ^{oft uon 
5lartoffe(n unb 58rot leichter ju übcrminben. '^xw ^ntereffe ber SSotfc^^ 
gefunbf)eit muffen mir münfd)en, baf? bie traurige 3iM'fl"""P"[^^l^""9 ^'■^^ 
i^.iffee unb 5!artoffe(n, Ijiuter rocld)er fid) fo uiel (Sleiib nerbirgt, balb <x\>^ 
ge|d)afft roerbe. 

'^w^ bie erregenbe 2Bir!ung be§ 2;ee§ ift befannt, befonber^ feine 
fdjtafraubenbe. 9leroüfen ^^erfonen ift er bal)cr gu mibcrratcn. ©cfunbe 



110 9Zaf}rung§mitteI. 



!önneu iljii ob luib 511 ebenfo it)ie i^affee, mit S)]ild) oerbünnt, f(ä)abIo§ ge- 
nießen. ®er geit)of)nI)eit§mäßige täglid)e S^eegenuß aber ift t3erraerflic^. ^af ao 
unterfdjeibet fict) roefentli^ oon ben genannten bnrd) feinen 9läf)r[toffget)alt. 
Sind) er enttjält einen erregenben ©toff, ift fdjroer üerbqulid) unb gu 
löngerem ©ennß nid)t geeignet. 93iele 90^enfd)en fcfjaben fid) nod) überbiey 
burd) fd)(e(ä)te unb oerfätfd)te (Sorten; rair fönnen nur bie entölten, mit 
9f|ä{)rfar5en ober ^afermel)! oerntifdjten empfef)Ien, ba fie Ieici)t oerbaulid) 
finb unb weniger üerflopfenb mirfen. ©d)ofolabe ift nur geroürjter, burct) 
3ufä^e fd)madl)after gemaci)ter ^ofao, ber mit SSorfic^t aufjunetimen ift. 
3:afelfcf)of'oIabe eignet fii^ trorfen at^ fonjentrierteS 9^af)rung§mittet gu Streifen 
ufiü.; fd)led)te ©orten oerberben ben SJ^agen. Unter ber 9)kr!e „?3'einfte 
©d)ofoIabe" mirb Ungtaublid)e§ auf ben 9Jtar!t geroorfen. 

Über Simonaben fei ^eroorgef)oben, baß bie au§ frifdiem SCöaffer 
unb reinen Dbftfäften zubereiteten bie bef'ömmlid)ften unb rao^Ifeilften finb. 
^u feftlid)en @elegenl)eiten eignet fid) (Sefter^roaffer mit Dbftfäften a(§ be= 
fonber» erfrifd)enb, e§ ift ber „2lbftinenten=®(}ampagner", ber fe^r billig ift. 

3Sor ben fünftlid)en ^raufetimonaben fei jebod) geroarnt; fie ^ahm 
mand)em fd)on ben SJlagen oerborben unb entf)alten mitunter unbefinierbare 
3ufä^e. 3iti^oi^6'^Ii"^oi^a^^/ fi"§ ^rud)tfd)eiben, QndQX unb Sßaffer beftef)enb, 
ift bie biüigfte imb ber SSerbouung §uträglid)fte. 2lud) au§ gefod)ten ^Sirn^ 
unb 2tpfelfd)alen, gemurrt mit ^troa§ ^immet ober ^itronenfd)aten unb 
beliebig oerfüßt, laffen fic^ füt)le Simonaben ober eine 2trt raarmer „^unfd)" 
fjerftellen, ber niemanb 5lopffd)mer§ oerurfad)t, meil er feinen 3(lfü|ol entljält. 

Die alkoholbalti0en Getränke. 

„®ev SJJcnfcf) ftirbt n\d)t, 
fonöern er tötet fid)". 

2Ilfol)ot entftel)t au§ Q\ld^x burc^ ©ärung unb mirb anä) nur au§ 
©auerftoff, ^of)lenftoff unb SKafferftoff, ben \m§ befannten ©runbftoffen, 
gebilbet. ®aß er unoerbünnt rcie ein §erftörenbe§, töbli^e§ ©ift mirft, ift 
befannt unb unbeftrittcn; üiel feltener mirb jugeftanben, ha'^ aud) oerbiinnter 
3(lfüt)ol, mit @efd)madt§oerbefferimgen unb y^iä^rftoffen oerfeljen, ouf bie 
@e]unb!)eit fd)äblid)en (Sinfluß Ijaben muß. 2Bat)renb ber ^ucfer \m§ näl)rt, 
tütet un§ ber ^i(lfol)ol, — biefe§ 9tätfel erfltärt un§ bie (£f)emie. 

gig. 44 unb g-ig. 45 ftellen un§ ba§ 3Serl)ältni§ be§ 3Baffergel)alte§ 
•,um 9ttfot)ol unb ben übrigen öeftanbteilen be§ SBeineä unb ^^ierel bar. 

^Bie menig 9]äl)rroert im 53ier unb mie oiel 3Ilfol)ot im 'Bein ! SBcld^ Ijolie 
greife für fo uiel gefärbte^ SBaffer mit fo oerberblidjem ^ieroengift! 2ll§ 
„5Bein", „53ier", „Öiför", „9?um" ufm. bel)crrfd)t biefe§ SOßaffer unferen Sifd^, 
unfere 2;rinffitten, unfer ganje^ Seben üon ber 3;aufe an bi§ §um ^Begröbni^. 



9^af)rung§ mittet. 



lU 



Tlan trinft 2((füf)ol in ber greitbe inib im (Scfjmer^, in 5^rQnff)eit unb 
Gefunbf)eit, in ber ^ua^^iit) unb im 2{Itev; mau trinft i^n ju aUcn 3eiten, 
unb ba bie Europäer beu 5üfo(}oI aud) bort eiu[ü()rteu, mo fie i{)re 5"iu(tur 
l)iubrQcI)teu, fo trinft man ilju an6) in 2Imerifa mie in Sluftralieu, in Stfrifa 
roie in 3ffien. 2ßie fe^r mu^ ein ©toff 'i)a§ SIeroeuIeben berüljreu, bem ©aumen 
fd)meid)eln (bafür forgen bie aromatifc^en 53e[taubteite ber SBeiutraube, be§ 
d7lai^t§ unb ^opfeuS ufro.)/ augeueljme 2:äui"d)uugeu oortjaufehi, baj3 er 
foId)en(Siu= 

flu^ er§ie(eu, -• ^ ^ 

fotd)e ä>er- 
breituug fiu= 
ben tonnte!! 
Unb fo 

fommt e6 
aud), '^a^ 
ilinber fd)on 
aIfof)oIfüd)= 
tig geboren 
werben, raeil 
il)re Glteru 
ein com '^U 
fo^ol burd)= 
feud)teö^(ut 
t)atten, baf3 
fie offene unb 

oerborgene 

©ebred)en 
an fid) trn= 
gen, it)e(d)e 
ber 9r(fül]o( 
ani()ren93or« 
fatjren t^X' 
fd)ulbet l)at 

(fie fiub geiftig miubermertig uub ucrüeuid)mad)), uub, meiui fie nud) sn triufcu 
begiuuen, ju frü()cm Zoh^ ocrbammt fiub. llu^äbligc (Sriftcu^cu l)abcu bicfc» 
ßo§! %k ©terblid)feit ber Säuglinge, bie 9)]iubern)ertigfeit ber ^üugliuge 
unb :^uugfrnuen fiub in uugc,^ä()fteu ?yäf(ou auf 3>ätcr uub (''h-ofuiätor ,^uvücf= 
5ufü(]reu, bie i^r ganje^ £cbeu laug ftcty il)r „guleö" ^Mcr traufeii, il)vcu 
„edjten" 2öciu uub al§ anftäubige, mot)IbeftatIte 50]äuucr aud) mauc^cy I)cimlid)e 
9?äufd)d)en ()attcu. 93ou au§gcbi(beten Säufern aber, bie •s^'iab \m\> (^ut uub 
(£i]re im ^[foljot ertväuftcu, babeu mir nur bföbfiuuigo uub oertrüppclte 
^iuber. '2)ie fo I)äufigeu Sd)(agf(iiffe, Slrtericnoerfalfuug, ^erjuerfettung, bcc 




g'ig. 45. Gilt i^Ha§ SPntjcrifrf) iPicr (Siulmdadjcv) mit 

Vro5cntuaIcu ^^litjinöcit fciitcv 'iUfo^oU, 'ÖJof|cr= mib 

'JiiifjrftoffflcfinttC'^. 



112 



3laf)rung§inittel. 




gig. 46. yjormnlcäi igcv^. 



8äiiferraaf)n[mn (Delirium tremens), — alleS B^olgen be5 Sllfo^olgeuuffel, — 
[pred)en eine beutlict)e ©pra^e. ^n (Sngtanb [tarben an (5äuferraaf)n[inn von 

1847 bi§ 1874 13 203 9}lenjd)en! 3m preu^i» 
fc^eu Staate [tarben oon 1877 bi§ 1886 in 
ben ^ranfenljäufern jd^rlid) burd)l"(^nittüc^ 
1132 ^IRönner unb 115 g-ranen an ben folgen 
be§ 3IIfof)oI§. ©ie er[d)recfenb[ten 3ö^ten 
finben roir jeboc^ bei ben ©ei[le§fran!en, bei 
n)e(d)en 45 — 60°/o ber geiftigen ©törnngen auf 
ben 2t(foI)oI gurücEjufütjren finb. 

2Ber fid) iiber 33erbrec!)en, Unfäüe ufro., 
bie ber 2I(fot)oI cerurfa^te, aufjuflären 
raün[d)t, beut empfel)len rair Dr. ^oppe§ 
53ud) „®ie 2:atfad)en iiber ben 2II!ot)oI". 
(55 teilt un§ unter anberem mit, 'Oa'^ jä^rli^ 
an 150000 '3}eut[d)e roegen ^Berge'^en, in ber 
Srunfenl^eit begangen, üor bem 9^id)ter fteljen. 
^IJ^an ftelle fi^ biefe 9}len[^enmenge üor! 
®ie Söirfung be§ 2IIfoI)ol5 auf bie einzelnen Organe fül)rt un§ ba§ 
(Scf)riftd)en Don ^einrid) Quenfel „®er 2(lfoI)oI unb feine ©efaljren" 

uor. 9Bir rooüen ^m nur anfüijren, 
boß ber Stlfoljol bie (5d)Ieim^aut 
be§ 9iad)en§ unb be!§ SJlagen^ reijt 
unb sroar fo fe()r, ba^ @ntjünbung§= 
äuftänbe entfte^en. 

SJJan benfe an bie ?{ad)en* unb 
9]lagenfatarrl)e ber STrinfer! 2(uf 
unferer fed)ften ^afel „5(lfüt)o(n)ir- 
fung" bringen roir neben bem nor= 
malen Silagen aud) einen burd^ 
Sltfüljol franff)aft oerönberten, ber 
auf ber Hinteren SHagenroanb ein 
©efd)roür ):)at uub bebeutenbe (Sr» 
fd)Iaffung geigt. ®er com 9}tagen 
nic^t üeränberte 2((fo!)oI gelangt in 
hen 2)arm, roo er ganj äf)ntid) 
roirft unb fel)r balb (5d)rocid)e5u^ 
ftänbe erjeugt; »on ba gelangt er 
burd) Sluffaugung in§ ^hit unb 
befpült ©efä^' unb ^^erjroänbe. 
ßungentuberfutofe, ^eräoergröfBerung mit nad)foIgenber SSerfettung finb bie 
weiteren ^-olgen. 




^ig. 47. SScrgro^crtc?, t)crfcttctc§ ^erj. 

Slacf) ®aateu=iSat6tfere. 



9?a^rung§ mittel. 



113 




^n %iQ. 46 imb 47 bringen rcir ein gefunbe» iinb ein uergrö^erteo, 

Derfettete§ ^crj, roie e§ bei 3:rinfern oft gcfunben roirb (,/^ierf)evy'). 

23om ^ergen ans fonimt ba§ alfo^oIf)a(tic3e iölut in ade ©eroebe, u^o e§ 

feine fd)äblict)e ^ißirfung aud) geltenb mad)t. Seber unb 

Spiere erfranfen fd)raer; e^ entraicfeln fi^ (Stauung§= 

guftänbe, ©rroeiternng, 2?erfettung ober ©d)rumpfnng, 

fd)Iie^(id) 5ninftiün§unfäf)igfeit unter road)fenben '^e=^ 

fdjraerben. ^ig. 48, 49 unb 50 feigen un§ eine nor= 

ma(e, eine gef c^r umpf te unb eine oerf ettete unb Dergro^erte 

9^iere. Harnleiter, 3ufüf)renbe 2Irterie unb abfüt)renbe 

SSene finb beuttic^ oon einanber p unterfd)eiben. Dt)ne 

bie genannten Organe, 2^b^v unb kliere, fann ber 

SJienfd) nid)t (eben, er mu^ alfo efeub 5U ©runbe ge()en, 

roenn fie nerfagen. 2Sie(e Uuterfud)ungen (jabeu ergeben, 

ba^ bie Sf^eroenäeltc oom 2lIfof)oI fd)roer ge[d)äbigt gig. 48. 9?orntalc 9itcrc. 

roirb unb 'Da^ be§l)alb fo grof3e feelifdje unb geiftige 

S>eränberungen mit ben Srinfcrn oor ficf) geljen! ^er 
„S^aufd)" ift eine DIarfofe, rceld)e ben 2)lenfd)en feinet 
Urteils unb feiner ©cifteSfräfte beraubt; ber ^atieu» 
Jammer am 3:age barauf eine forpcrüd^c unb mora» 
(ifd)e D^Ziebertage, um bie niemaub su bcneiben ift. 

2Iufunferer5avben= 
tafel fe{)en mir bie 

©ntiüicflung eine;; 
I)übfd)en freunblid)eu 
©(^rumpfntcrc. @efid)te§ gumSrinfer- 
tt)pu5 — er biene al§ 

roarnenbeS 33eifpiel! — SSon 'Den ^reunbeu 

ber SRäfiigfeit Ijört man oft fagen, baf3 nur 

ber aRiprauc^ bei 2I(foI]oB fdjabe, ber 

mäßige ©enu^ aber nid)t. 3Ibbi(bungeu rcie 

unfere ^^arbentafel feien roiberroärtig, aber 

if)re 2Baf)r{)eit unangefod)teu. (£§ muffe bod) 

nic^t jeber ein ©äufer fo(d)er 2frt raerben, ber 

fein ©(ägd)en $öier liebt! '^k ^^orberimgen 

unb ©d)ilbeningen ber 5tbftinenten ((Snt()a(t= 

fame) feien barum übertrieben unb forbern 

jum SOBiberfprud) ^erau§. '3)ie 3rifoI)otgegner 

erroibern barauf: e§ ift rid)tig, bafj nid)t jcbcr mäfjigc ^^irinCcr ein uuFieil^' 

barer Säufer roirb, aber bie (Statiftif bcroeift, bafj bie§ bod) bäufigcr gefdiielit 

a[§ man a^nt, baf5 bie begriffe „9J]äf5igfeit" unb ba§ angcblid) „unfd)äblid)c" 

Duantum be§ genoffenen 2llfof)olS erfjeblid) auSeinanbcrgcfjen uiib bajs fonftant 





i^ig. 5u. Jurri) *JUfofioI frojif^aft 
öcriinöcitc !i)iicrc. 



114 Sla^rungStnittel. 



eiun)ir!enbe fleine 2llfoI)otmengen auf ©efunbe unb S^ranfe immer einen ganj 
beftimmten ©influ^ I)aben, ber jaljrjeljntelang anljoltenb für feinen Drgani§= 
nui§ 9leici)giittig bleiben !ann. SJlan lefe I)ierüber: „2lI!ot)oI au^ in 
geringen SHengen ©ift" oon Dr. :[y. 93re§Ier nnb „^ie (Sd)öblid)feit 
mäßigen 2(Ifof)oIgenuf|e5 von Dr. ^Jlattljaei. 

Die frauen und das Crinken. 

Dbmoljl ba§ meiblidje @efd)Ied)t im allgemeinen uiel mäßiger ift, trinfen 
bo(i) and) bie granen fd)on üiel me!)r, al§ il)nen ober ifjren S^inbern 5u= 
Iräglid) ift. ^ie 8tatifti! gibt an, baf] fid) unter !^unbert ©äufern ftet§ fe^§ 
bi§ ad)t n)eiblid)e in öffentlid)en 2tnftatten befinben. 9Iu^er bem 33eruf ber 
Kellnerin üerfüljrt fein roeiblidjer 33eruf gum S^rinfen; üiet f)äufiger ift eä 
körperliche ©d)raäci)e unb ärgtlic^e 33erorbnung, roeld)e bie ?^rauen an 3lt!ül)oI 
gen)öf)nen. ^JJod) met)r al§ burc^ eigene (S(i)roäd)e leiben fie al§ grauen unb 
2:ö(^ter t)on 3:rint'ern. ©egen i^ren eigenen SKillen muffen fie oft £inbern 
ba§ Seben fd)enfen, unb ©c^anbe, SD^i^^nblung, 9^ot unb ©lenb begleiten 
fie. (©ie^e ^eilt'unbe: „Slrunffudjt".) 

®ennod) finb bie grauen oft felbft fc^ulb baran, ba^ in it)ren ^inbern 
bie 2tIto!^ If ud)t gercedft rairb, inbem fie bie kleinen überall mitgenie^en laffen, 
ja iljuen raoljl and) nod) ein „(od)lüc!c^en" aufbrängen. ^er 2llfot)ol madjt 
feinen ^^eig frü£)3eitig geltenb, unb ben Slinbern roirb gur @eroof)nljeit, ma§ 
fie noc^ gar nid)t fennen foUten. 

®arum, il)r 9Jlütter, bleibt eure§ t3erantroortung§üoUen 2Imte§ eingebend! 

®ie üerljeiratete ^rau ge^e mit gutem 33eifpiel ooran unb oermeibe e§, 
9IlEol)ol gu genießen. ^})x SSeifpiel gu ^aufe unb in ©efellfdjoft, oon guten 
©rünben geftü^t, roirft me^r al§ alle fd)önen S^feben. SSerftetjt fie e§, il)r 
^aug §u t)erfd)önern, bie geiftigen ^ntereffen il)re§ 9}tanne§ §u pflegen, fo 
wirb au§ man(^em eljemaligen ^neipbruber nod) ein foliber ^-amilienoater, 
mät)renb unlieben§roürbige, befd)ränlte ?^raneu fd)on mand)en guten 93cann in 
bie Kneipe gebrängt f)aben. '^ie S[)]äbd)en aber roarnen mir, einen S^rinl'er 
p heiraten. 97id)t jeber ift nod) §u befef)ren unb ju oerebeln ; iljr 2o§ aber 
an ber (Seite eineä Strinl'erä ift ein trauriges. 

3Siel alfo fann bie ^rau gur SSerminberung ber Srunffudjt tun; ftcllt 
fie fid) bie Stufgabe, bie Strinffitteu 5U befampfen, ftatt fie gcbaulenloS gu 
unterftü^eu, inbem fie Strbeitern, ®ienftboten, ^oftboten niemals 2ltfol)ol an= 
bietet unb ebenfomenig in falfd) oerftanbener ©aftfreunblid)feit il)rcn ©äften, 
fo fann fie fic^ bereinft baä ^^itö^i^ geben, fteti bem @uten gcbient unb ha§ 
gro^e (Slenb i^rer ^cit nid)t teic^tfinnig unterflüi3t gu Ijaben. 

Sie oiele (Srfaljgetränfe hc§ 5illfol)ol§ e§ gibt, I)aben mir unter „©e^" 
trönfe" (Seite lOG— 110) gegeigt. 

ISO 



9?a^rungl mittel. n^ 



Der Kampf gegen den HlkohoU 

^e mel)r bas 2llfof)oIe(enb im allgemeinen ^nm Serou§t[ein gelangt, befto 
§al)treid)er roerben aud) bie ©egner, bie hQU energifdien ^ampf gegen ben ^Hfo^ol 
fü[)ren. Sie I)aben große SSereinignngen ina 2zhcn gerufen, roe(d)e 3d)roanfenben 
eine fid)ere Stü^c iinb nng(üc!aci)en, förperlid) unb moratifd) Ijolb ^-l>erfommenen, 
eine rettenbe 3uf(ud)t5ftätte bieten. 2öer eä ernft nimmt mit bem ^ampf gegen 
ben 2IIfol)oI, roer einen trüber. Später, ©atten ju ftü^en [)at, ber fd)Iie^e 
fid) einer fofdjen öefellfdioft an nnb roerbe ein tätiges aJlitglieb. ^Mn unter» 
jdjeibet 9J?ä^igfeitg-- unb ftrenge Stbftinenäüereine ; erftere t)aben maudjes @ute 
gefd)affen; aber roer ber 3:run{Tud)t noüftänbig ^err werben roiÜ, roirb e3 
nur bur(^ tjodftänbige (Snt()alt]*amfeit. 

Sßir geben I)ier bie roidjtigften ent^altjamfeitSoereinigungen an, bie für 
'^eutfd)e in g'^age tommen: 

1. ^er internationale ©uttemplerorben ift ein SS^eltbunb ron 
etma 700 000 9Jlännern unb g-rauen, roeld)e ha§ ©elübbe leben5länglicl)er 
(£ntl)altfamfeit abgelegt l)aben. ä5on 2ImeriEa au§ oerbreitet er fid) über 
alle (Srbteile unb \)at forootjl l)infic})t(id) ber 3:rinferrettung al§ aud) burd) 
2tufflärung ber ^eDölferungsmaffen unb ^emaljrung ber ^ugenb (in ^ugenb^ 
logen) f^on unenbli^ oiel ®nU§ geroirft. ?^rauen tjaben im Orben gleidje 
9Red)te mit ben 9}]ännern, fie tonnen bie ^öd)flen 2tmter erljalten. (S§ gibt in 
®eutfd)lanb eine (Bro^loge mit beutfd)er unb eine mit bänifd)er @efd)äft§fprad)c, 
ferner je eine ©ro^loge in ber (£(^roei5 unb in Siebenbürgen. Stile;» 9läf)ere ift 
§u erfal)ren burd) bie @efd)äft5ftelle Hamburg 20, (Sppenborferlanbftra^e 39. 

Über eine neuere Slbgroeigung, htn „neutralen" ©uttemplerorben, 
erteilt ©ifenba^nbireftor a. ^. ^e 2:erra in SJiarburg in Reffen 2(u§funft. 

2. S)er Sßeltbunb abftinenter grauen (über 500 000 ?Jtitglieber) 
fam glei^fallg au§ 3lmerifa. Seiner ^ätigfeit ift in erfter Sinic bie obliga* 
torifd)e 33elel)rung ber norbamerifanifdjcn (Sd)uliugenb über bie 2llfol)olgefal)r 
gu banfen. Slusfunft über ben il)m angefdjloffenen „^eutfd)en ^unb abftinenter 
^auen" burd) beffen 33orfi^enbe, ?}räulein Dttilie ^offmann, ^Bremen, 
'2)obben 28a, unb bie S^riftfüljrerin j^reiin (Smili) d. .Raufen, ^reöben**??., 
^urfürftenftra^e 10. ^^x 33unb befi^t aud) einige 9Jläbd)engrnppen. 

3. ®er i^nternationale 2tlfot)olgegnerbunb oerpflid)tet feine SRit» 
glieber (SJ^änner unb ?^rauen), gleid) bem ^rauenbunb, nur für bie ^auor 
ber 9}litgliebfd)aft 5ur (Sntljaltfamfeit. @r ift in religiöfer unb politifd)cr 
53e5iet)ung oöllig neutral unb f)at fid) befonberä burd) bie ^erau'5gabe unb 
93erbreitung oon (Bd)riften ber ^n-ofefforen 58unge, ?yorel, ilaffomit^ ufm. 
üerbient gemacht. Q^orfi^enber ber Sanbe^gruppe '3}eutfd)lanb : ^^^^'^nanftaltvis 
^ireftor Dr. ^elbrürf, (Sllen bei Bremen. 

4. %a§ 33laue ^rcuj (in ber (Sc^roeij gegrünbet unb befonber^ in 
SGßeftbeutfd)lanb t^erbreitet) fte^t auf religiöfer ©runblage unb pflegt Dor=> 

8* 



116 Slafirunginiittel. 



lüiegenb 2;rinferrettung, befi^t jebod) auc^ ^ugenbgruppeu. ©i^ be§ beutfc^en 
^auptoercimo : 33armen=9fiitter0l)au|en, ^leeftrajse 10. 

5. ®er 2)eutfd)e 2lrbeiter-2(b[tinenten=^unb betrad)tet bie ©nt» 
^altfamfeit al6 raidjtigeä Hilfsmittel §ur ®rrei(^ung politifc^er 3^^^^- ®i^- 
Hamburg 26, Hommerlanbflra^e 222 (2(. SReumann). 

6. S)er ©eutfdje SSerein abftinenter 9}läbd)en, eine nod) §iemltd^ 
junge ^Bereinigung, fei ^ier miterroät)nt, weil wir iljt im ^ntereffe ber 
äuf'ünftigen HfiitSfi'Qii^» ^^^e befonber§ meite SSerbreitung raünfc^en. (£i^: 
(Stuttgart, 2IIeranberflra^e 13. 

7. ^unb beutfd)er 2(Ifof)oIgegner in Öfterreid). QSorfi^enber 
Dr. med. 9(?ö^{er, 9^eid)enberg i. ^öt)men, (Bc^Io^gaffe 3. 

Stu^erbem gibt e§ im beutfcf)en ©prad)gebiet nod) eine gro^e 5(n5at)l 
auf Dem ^oben ber @ntl)altfamfeit ftefjenbe ^erufSoereine, bie fid) §um 
2:ei( raieber in Ortsgruppen gliebern. SBir erroäfjnen f)ier nur (ungefäf)r in 
ber 9?eit)enfülge il)rer @ntftef)ung) bie 5ßereine ent{)altfamer Sef)rer, 9tr§te, 
^aufteute, @ifenbal}ner, ©tubenten, Sef)rerinnen, ^uriften, ^oft= nnb XtU= 
grapljenbeomter, ^^pfarrer (eoang.), ^riefter (fati).), el)emaliger ©olbaten 
(„^amerabfd)aft"), SRarinefoIbaten, ©tenograpljen unb ^^itologen. 9]ctf)eie 
2Iu§funft hierüber, fomie über gemeinfame SanbeSoereinigungen, 3:rinferf)eil» 
anftalten, SSereine im StuSlonbe ufro. erteilt ber ©efcE)äft§fü^rer beS Stllg. 
beutfdjen ^entralcerbanbeä pr ^efämpfung be§ 2lt!oI)oliSmuS Dr. phil. 
^raut, H^"^^ii^*9 ^^- 

2Son Den äaljlretd)en ^ß^lf^^i^ift^" o^^f biefem ©ebiete empfef)Ien mir: 
^eutf d)er ©uttempler (Hamburg 20), ® ie ^Ibftinenj (^Serlin S W. 13, 2llejanbrinen» 
ftra|e 134), ^X^x 2ItfoI}oIgegner (9^eid)enberg i. 93ü()men, (5d)(o^gaffe 3), ;Qnter» 
nationale 9)lonatSfd)rift gur (Srforfcl)ung be§ 3ltfo!)oli§mu§ (griebr. 9ieinf)arbt, 
^afel unb SeopolbSt)öl)e i. ^aben), (2ci)roet5erifcl)e 2lbftinen3blätter (ßüri^, 
3entrall)of 25) unb 3»"9'@^eö^'^^'^ (^- ^oopmann, SBenningftebt a. ©glt). 

9lacf)fd)rift. Sß}ir oerbanfen Dorfte!)enbe eingaben ber ;^onbe5ftelle föd)» 
fifd)er 2llfül)olgegner in ®re§ben=2l. 19, Hügelgenftr. 41 iß. ^retfdjueiber). 

DU Cuft. 

(Sii^erlid) fann bie Suft nur in bem Kapitel über „®rnä(]rung" be= 
fprod)en werben, fo feljr bieS aud) mand)en Sefer überrafc^eu mirb. Sir 
begrünben biefe Sluffaffung fo(genbermaf5en: ^lleS bient jur (Sruäljrung, roa§ 
Don unferem S^örper sraedS feiner @rl)altung aufgenommen mirb, in biefem 
llmmanblungen erfäljrt unb 5um 2:eil in anberer gorm roieber ^nr 3lu§fd)eibung 
gelangt. %k§ ift axiä:) bei ber Suft ber ?3-all. ©ie ift nur ein ©emenge 
Don (Sauerftoff unb ©tidftoff; ber ©auerftoff tritt fofort m§ Q3lut über, mirb 
allen ©eroeben 5ugefü()rt unb ift baS eigentlid)e SebenSelemeut oon ^flanje 



SJla^rungsmittel. 117 



iinb 2:ier, oljne roetdjej ade Sebenläiiperungen balb erlöfc^en. ^nl)er ba§ 
6iec[)tum fo oieter 9TJeufcf)en, raeldje in gef(^fD[fenen 9^äitmen ober in bnmpfigen 
©trafen ftarf beoölferter Stäbte roo[inen, reo fi^ bie ?!)lenfrf)en ba§ tnpc^en 
Sauerftoff gegenfeitig roegatmen, babei bie Snft mit it)ren Sluebünftnngsftoffen 
üerpeftenb. Sanerftoff ljunger fteljt auf if)ren loelfen G)e[id)tevn ge= 
fd)rieben, fn'Kj^citiger 3:ob ift bie roeitere ?vo(ge. bringt man bie|c(ben 
S)lenfd)en in reine, jaueri"toffreid)e Suft, in eine raalbige ©cgenb, fo b(ü()en 
fie merfiüürbig auf, ber Stoffiüed)feI f)ebt ftd), bas ©efid)! rötet fid), bie 
S(ugen befommen mieber ®ia\\y, ?TJut unb £'ebenc4uft, bie oft fdjon oertoren 
fdjienen, fteüen fi^ roieber ein. Unb bie§ aUe§ I)at ber 3auerftoff berairft! 
^al)er bie erfreuti^en Grfotge ber ^erienfolonien, eine ber menfd)enfreunb= 
tieften unb motjltätigflen (?inrid)tungen unferer Qi\t. (id)abc nur, t)a^ fie 
nid)t in ausgebe^nterem Tlay^z SInroenbung finben fönnen. Sie manci)e§ 
fd)roäd)li^e (Sd)ulfinb, ba§ feit feiner (Seburt an Suftf)unger franfte unb ba§ 
infolgebeffen bereite ade -Hnlagen jur (£d)roinbfurt)t in fic^ trug, fam a\§ rot» 
bactige», oergnügtes 5linb mieber ^eim unb mar in bem Sßtnter, ber biefen 
gefegneten Serien folgte, oiel leiftungsfätjiger unb n)iberftanb§fäf)iger al§ oortjer. 

2{ber nii^t nur barbcnbe, fd)ii>äci)Iic^e ^inber braud)en „^erienfolonien"; 
ad), fo Diele Ijerabgefommene 9}lütter unb .pausfrauen, für me(d)e niemals 
9Jiittel §ur Pflege ober jur (SrI)oIung übrig bleiben, Ijaben fie nod) oiel nötiger, 
mürben it)ren ^^amitien baburd) mand)e§ ^aljr länger er!)alten bleiben. 
•)iod) gibt e§ für biefe feine „^-erientülonien", — fo rceit finb mir nodj nic^t. 

Über bie 2Iufgaben be^ eingeatmeten £ticEftoff§ in unferem Crgani!§mu§ 
finb mir un§ nidjt ftar. @in iteit be^felben roirb fid)erlid) 5u neuen ^^er» 
binbungen oerroenbet; man oermutet, im .^unger^uftanbe aud) jur 53ilbung 
Don (Simeipörpern. ^er Überfd)ui3 roivb auegeatmet. 

©in Seil be§ ©auerftoffe^ binbet fid) bagegen an hzn im Icbcnben 
Organismus überid)üffigen 5?oI)fenftoff unb fommt ai§ „.Ro()(cnfäure" (CO2) 
mit Sföafferbampf gur 2Iu5atmung. "Ser 23organg ber i\o()(cnfäurcbi(bung 
unb 2(u5f(^eibung ift üon f)öd)fier öebeutung in unferem Organismus. Seine 
Hemmung bebeutet 5lranf()eit unb (Bied)tum, 5lätte unb Sob, feine öeförberung 
<SefunbI)eit, Sßärme, frifd)eS Seben. 

'3;;arum — nel)men mir unS ein ^eifpiet an ben roetterf)arten ^erg» 
bemo^nern — oerlaffen mir bie raud)igen ©tobte fo oft als nur mögti^, 
lüften mir unfere Sungen burd) anbauernbeS Sergfteigen, füllen mir unfere 
Seiber mit bem Djon ber SBälber unb fd)roelgen mir im Sid)te ber (Sonne, 
iDO mir eS nur oermögen! ^ft ber ®arm nebenbei nid)t mit überflüffigen 
9cal}rungSmengen überfüllt, finb bie 9]eroen burd) ?{lfül)olgenuf5 nid)t gcreijt, 
fo raerben mir roaljre ^TMiuberroirfungen an unferem 5lövper ocrfpürcn. 

SGBie rcenig ^-rauen aber l}aben 3>erftänbniS für unfere Sorte, unfere (Sd)ilbe=' 
rungen! ®ie 9}länner rciffen fid) oft tro^ anftrengenbfter 53cruf^3üerl}ältniffe 
Serien ju fc^affen, unb neugefräftigt treten fie in il)ren ^flic^tenfrciS roieber ein; 



IIQ 91af)rung§mittel. 



Die ?3^rauen finb immer mübe ober gletd)gü(tig, fönnen nie com fjäusüdjen ^odje 
losfomnien, merb'eu nie fertig mit if)ren 2lrbeiten, I}aben h^n ©inn oerloren für freiet 
2Iu5(eben in ber roeiten, ^errlid)en 9latur. ©inen tieftraurigen 3(u5b(ic! eröffnen 
un§ biefe 2Ser[)ä(tniffe! @§ mu^ oielel auf jenen 9J^enfd)en, „3Seib" genannt, ein= 
geroirft I}aben, ha^ i()m ha§ natürli^e 9Jlenfd)eutnm fo abfjanben f'ommen fonnte. 

^an»oI)I, ber f)äu§(iii)e Sflaoenbienft unb bie bur(^ bie Unmä^igfeit 
be§ Wanm§ if)m anfgebröngte 5u I)äufige 9)lutterf^aft t)aben ba§ SGBeib 
förperlid) unb geiftig erbrüd't, unb Dergebli(i) ertönt unfer 9fiuf, folange nid)t 
uon anberer ©eite .^ilfe fommt. 

^iefe ^i(fe aber mn^ fommen burd) bie in immer roeitere Greife bringenbe 
2tuf ftärung be§ roeib(icE)en ©efd)Ied)te§ über feine S^iedjte unb ^ä^igfeiten, über 
gefunbl)eitlid)e 3Ser!)ä(tuiffe unb bie ^f(itt)ten, bie mir grauen gegen unfere9^ad)= 
l'ommen ju erfüllen Ijaben, enblid) buri^ — bas '^eifpiet ber g(ücf(id)er gefteüten 
ober geiftig ftärferen grauen, raeldje ben rid)tigen 2öeg gefunben traben. ®iefe 
fie!)t man and) ju alten Ißdtm in bie freie 9latur I)inan§manbern, gleicf) ben 
33lännern ^erge erfteigen, üernünftigen Sport betreiben unb fid) befreien com 
I)öuslic^en ^rcang, oon 9Jlobe unb alten @eroo^nl)eiten. 9Jlöd)ten fie feiten§ 
ber 5ag't)aften unb energielofen 9)]itfd)n)eftern met)r ^eadjtung finben! 

©in weiterer öemei§ für bie 33e()auptung, bafs bie Suft unfer „un = 
entbef)rlid)fte§ 91a Ijrun gemittet" ift, liegt in ber allgemein befannten 
2:atfad)e, ha^ man fie nid)t einmal roenige 9}linuten entbehren fann, raäfjrenb 
mir o!)ne Sßaffer einige STage leben, oI)ne fefte 9]at)runggmittel oiete S^age 
beftef)en fönnen, roenn Suft unb 3ßaffer nid)t fet)(en. 

9^an!e fagt: „Suft ift ba§ 33rot ber Sunge, mit bem einjigen llnterfdjieb, 
ba^ fie nid)t gefdjtucft, fonbern geatmet rairb." ©r fügt t)in5u, bajj mir, fo gut 
mir fd)mu^ige§ ^rot oermeiben, aud) fd)mu^ige Suft oermeiben foHten. Slber 
mann unb rao oergIeid)t man je Suft mit ^rot? '2)ie ungtaubtidjfte Suft 
mirb in gefd)(offenen ©d)Iafftuben, in 9^eftaurant§ unb 2lrbeitcUofa(en ein= 
geatmet, alfo bo§ fd)mu^igfte „^ungenbrot", unb raenn eine mit feinem 
^.Kied)organ oerfetjene ^erfon ba5u fommt unb fid) barüber befd)mert ober 
gar ein ^enfler öffnen roid, erregt fie Unmut ober rairb mit ©pott über* 
I)äuft. Unb roieber finb e§ bie grauen, rae(d)e ben „3itg" fd)enen, raeldje 
bie 3lbfü(}(ung t)er()inbern rooüen, bie eine ^urd)(üftung mit fid) bringt, ©ie 
merfen unangenef)men ^üd)engerud) nid)t met)r, ebenfo nid)t ben miberlid)en 
®uft gebrauchter SBinbeln; fie fü()len ben ©taub nic^t unb nid)t ben 9^]ange( 
an ©auerftoff. '3^ie tägnd)en ©d)mu^arbeiten f)aben fie ftumpf gemad)t; 
©d)ule unb Strjte aber Ijaben fie über bie 33ebeutung ber Suft ju menig anfgeflärt. 

3Bie oft fommt man a{§ 9lr5tin in fteine ^ciu§t)altungen, roo bie ©d)[af9 
ftube entroeber ftet§ ^pnrngerud) f)at oon bettnäffenben i^inberu u. bgt. ober mo 
ein geraiffer bitterer ©erud) allen ©eräten anljaftet, ber einem an reine Saft ge» 
raöl^nten 2Renfd)en ben 2lufentl)alt in fold)en 9?äumen efelerregenb mad)t. ©d)i(ft 
bie ©igentümerinnen fotd)er ©d)lafftuben nur alle ©onntage in ben näc^ften 



?^af)rutig§mittel 



119 



Sßalb, Ief)rt fie „riecl)en", erflärt Kineii bie (Sutftcfiung üblev C^un-üdic Tv ^- ^^pi^ 
menfd)lid)en 5(uyraur|[tüffen I)cvrül)reiib), iinb ber (Sfet luirb aiid) fie mit ber luad)» 
fenben (Srfenntni§ ergreifen. Xatfadje ift, e§, ba§ bie meiften 90Jenfd)eii an Gigeii^ 
genieße fo fef)r geroölint finb, baf? fie fie über()aupt gar nic^t inel)r empfiubeit. 
Stbfohite 9\eiul}eit ift aber auct) g(cict)bebeiitcub mit einer gerciffen (^)ernd)(ofigfeit. 
%a (entere jebod) immer nnr auf furje 3ßit 3^ erjieten ift, roeil foroot)! tierifc^er 
(Stoffiüec[)feI, foroie bie 9tuf?erungen beg Seben§ um un§ !)erum ftet§ neue T^er= 
änberungeu f(i)affen, fo barf aud) ber St'ampf gegen bie @erüd)e niemals ertaf)meu. 
•iDurd) 2ßafd)ungen, 0eiberroed)fel unb beftänbige Stiftung ber 3Bot)nräume 
errieten mir eine geroiffe ©erudjlofigteit; für eine feine §unb§nafe gibt e§ sroat 

feine abfohlte (Sjevud]= 

tofigfeit, für bie mcit 
roeniger empfinbtid)e 
menfc^licl)e 9lafe aber 
mol)(; mir fügen nod) 
^inju, ba^ mir fie 
§ur 2Iuffud)ung von 
2öü()lgerüd)en er» 
jieljen muffen unbbaf^ 
fie bann aHmäfjtidj 
befäl)igt mirb, ange= 
nel)me (Sigengerüd]e 
tierau^äufpüren. 2Ind) 
bei gröf3ter 9\einlid)= 
feit f)aften fie allen 
mn un§ gebrauchten 

©egenflänben an, 
roirflid^ „feine 9^afen" fül](en fie and) l]erau§. 
empfinbet man it)n f^on beim ©intritt in ba§ ^^or^immer einer ^Ä>ül)nnug, bann 
liegt mangeUjafte Süftung oor, bann finb bie 90ßül)nräume längere 3eit von 
ber ^erbinbung mit ber Stufjenmelt abgefd}nittcn gemefcn. 

^ntereffant ift e§ gu roiffen, bafj gejunbe unb reinlid)e 9J]enfd)en, bie 
rceber ^leifd) noc^ 3{Ifot)o( genief^en, noc!^ 'ilahat raud)en, feine übten 5hh5= 
bünftnngen f)aben. 

SBic^tig ift ber ^end)tigf eiteiget)a(t ber Suft. 1)tic^t nur ^DJenfd) 
unb Stier, fonbern aud) ''pflan.^en, ?v(üffe, 3Biefen unb fal)(er ^ikiben geben 
beftänbig 2öaffer in unfid)tbarer ^-orm ab, b.l^. alö®afferbampf, ber nur bann 
fid)tbar rairb, menn er fid) uerbid)tet, mao bei fä(tercr Suft aud) ftety gcfd)icl)t. 
^e fend)ter bie Suft ift, bie un§ umgibt, beftu fd)merer nimmt fie neue !ilHiffer= 
mengen auf; unfere 2lu§bünftuug mirb alfo burd) bie fend)te Umgebung erfc^mert. 
®e§I)a(b empftet)It man fd)U)äd)(id)en ?[l?cnfd)en bac^ A>iil)ciiflima, bcffen trocfene 
unb reine i'uft ben ©toffiuedjfet befövbcrt, mäbrenb bie ^uft ber l^iieberuugen 




5ig. 51. etöuB. 



3ft ber ©erud) aber aufbring(id)/ 



120 



yj a {) r u n g § m i 1 1 c [. 



mit i(irem 'Jicbcl iinb beu 2Iu§bünftuugeii ber 5a()Ireicf)en 2BoI)nung§ftätten eine 
uugüufttge Öiiicfiüirfung Ijat. 5ltäftige 9^1atureu empfinbeu folc^e Unterf^iebe 
bei' Su[tbcid)af[eul)eit ni^t; fd)iüäd)Ud^e uub empfinblid)e aber, §. 33. ^er3= unb 
i3uiu3cnfranfe, roerbeu baüoit fe()r beeiitfdtjit. ®a§ „öebeu" wirb lijmn tat]ä(J)Iic^ 
burrf) bie ipüljenluft Ieid)ter gemad)t. 

93on nict)t geringerer ^ebeutung ift ber ©taub, ben rair mit ber Suft ein» 
atmen. SBcnige rcifjen, ma§ ©taub eigentlid) ift. Dlägeli gibt an, bo^ e5 breier=' 
lei 2Irten uou (Staub gebe: fidjtbare gröf3ere (Stäubrf)en, bie man mit bloßem 
Singe mal)rnimmt; „(Sonnenftäubd)en" {%\q,. 51), bie man erfennt, raennbieSuft 
Don einem (£onnen[lral)l beleucl)tet roirb, unb uu[icl)tbare (3täubd)en, bie an§ ^af» 
terien unb d^and} beftetjcn (fleinfte Sebemcfen unb feinfte 5?of)Ientei(d)en). ®ie 
fidltbnren (Stäubd)en beftel)en au§ windigen S;eild)en oder ber ©egenftäube, bie 



Drt unb Seit ber SJieffuntj: ©taub iu SOltüigvamm auf einen Slubifmetev 2u\t 




%\Q. 52, Stttubgci^alt ber fiuft. 9}ad^ aingabcn »on Stffanbter. 

un§ umgeben unb buvd) 9^eibung, (5rjd)ntterung unb ©rucf beftänbig abgenu^t 
werben. 33ei genauer Unterfud)ung unfere§ ©taube§ finben mir barin 2:;eile 
unferer i^leiber, (B&)n\)^, 9JtöbeI, ber fielen unb SJlauern, nod) met)r aber @rbe 
unb abgeriebene (Steinmaffen oon ber ©traj^e l)er. ^eber DorübergeI)enbe Saft* 
roagen roirbelt le^tere in bie ^öl)e unb erzeugt eine grofie 93]enge ©taub; jeber 
^•u^tritt, ben mir tun, erzeugt ©taub, menn aud) nid)t fid)tbar ober fapar. 
2öol)er fäme au^ bie 2Ibnu^ung unferer ©eräte, ba§ „^abenfd)einigroerben" 
urfprüngtid) bid)t gemefener ©toffe? ^^h^ abgeftojäene ®d'e an ben S^lübeln, jebe 
abgetretene Sreppenftufe, jeber gerriffene ©d)ul) liefert fein gut 2;eil gur (Sr= 
geugung jene? ©taube§, ben bie Hausfrau giemlii^ nu^Io§ tagtägtid) befäntpft. 
^arau6 geljt and) I)eroor, ba^ er fid) gur ©inatmung eigentlich feljr rcenig eignet, 
unb erf(ärlid) mirb e§, marum bie Sungen Grraadjfener iljre reine, rl)ttid)e 
g^ärbung tjerlieren unb grau, ja fogar fd^märjlic^ geroorben finb. S)te etnge=' 
lagerten ©taubteild)en, befonber§ bie oft maffenl^aft eingeatmeten ^o!)(entei(d)en 
(9?u^), bie unfere 5lamine in ben ©tobten, unfere ^iinmerlampen ufm. liefern, 
beroirt'en biefe 35erfärbung. Dlatürlic^ greifen fie fd)road)e§ Sungengeroebe an 
unb legen unter Umftänben ben ©runb gur Sungenfd)n)inbfud)t. 

;3e me^r mir un§ oon sufammengebrängten menfd)Ud)en 2SoI}nftätten ent= 
fernen, je me^r mir (Ebenen oerlaffen unb in§ ©ebirge ge'^en, befto ftaubfreier 



iU a t) r u n g § m i 1 1 c I. 



121 



rcirb bie Suft (fief)e 5^3- ^2). ^k faft abfotute 9?ein^ett im ^^üd)i;\cbivße ift 

etioa§ |^errlict)c§ imb für beu 5^u(turnicnfd)cn gänjlid) Unßeiüoljutc». 9}]aii 

!ann im blüteuroei^en ©eroaube ftuubeulauq manberii, barfuf? überall (jintreten, 

man roivb ntd)t „fdjmuljitj" ! (Ss lagert eben nirgeubS mobrigcr, alter Staub, 

unb bacv ma§ ftd) in ben l'üfteu a(» Staub Ijerumtreibt, ift rufs'roi uub uufd)äb» 

lic^. ^ieoiel ^cHe 5lIeibung§ftücEe man in einer Sß}üd)e in ber Stabt befct)mu^t, 

ift befannt; nirljt ber 9fu§bünftung 

be§ i^örperö ober unferer 3:ätigfeit 

ift "öa^ ©rauroerben ber meinen 

^äfci)e 5U5uf(J)reibeu, nur ber 

fc^mu^igen Suft, bie überatlljin 

bringt. ?rcan f)at mit bem ?rtifro= 

ffope allerlei Staub unterfuc^t unb sQ 

gefunben, baf3 Suft oon einem \JP ^\^/^ 

äubifsentimeter auf bem 9iigi ('^crg /^ Q ^^Qr? ^^ 

in ber Sd)iüei§) 210 Stau bei) en ~ '^ 

entf)ielt, gciuülju (id)e 3^i^"^^i"lwft 

aber an 2 ^3Jtilltonen. ^a§ ift 

ein HnterfdjieD , ber nid)t mef)r über= 

rafd)t. 5^9- 53 geigt uns bie ©ebilbe 

beä Staube», roie fie üd) unter 

bem SDlifroffope ergeben. 3lm 

f(i)äblid)ften für bie Sunge ift Staub 

oon Steinen, 5^nod)en, Sumpen, ge= 

trodneten färben, teils itjrer Sd)ürfe, 

tei(§ i^rer ©iftigfeit roegen. SHte, 

niajt gereinigte 3>orrat5fammern 

roo üietes ber 23erroitterung über= 

taffen mirb, finb iua[)re 33rutftätten 

für foId)en gefäl)rlid)en Staub. '2)ie§ 

fei ein ^^inf für öauSfrauen, nir* 

genbs in ifjrem ^aufe SBinfel p 

Dutben, roo böfe Staubqueden entftet)en fönnten 

^äufer ol)ne fotd)e ^[Öinfel. 

9]od) ift groeier anberer Stoffe in unferer Suft ju gcbcutcii, bie fic^ 
leiber nur gu oft nad)roeifen laffen: SloI)lenfäure unb Slmmouiaf. 

Grftere fammelt fid) überaü bort an, roo oiele a)lenfd)en ober 3:icre 
atmen. Sie rourbe oom Drgauiömu§ al§ unbraud)bar ausgcftofjen, bavf 
ba^er nidjt roieber gurürfgebrad^t, alfo roieber eingeatmet roerben, rocnu roir 
nic^t langfam an ^ot)(enfäure*2Sergiftung gugrunbe geljeu foüen. Sie 
Unfäüe, bie fo ()äufig in bidjtgefüdten Säten, in fd)(ed)t gelüfteten 5^lird)cn 
gu beoba^ten finb, bie Dl)nmad)ten unb bas Übetfein, bas fo mand)cn barin 




öcbitbc Hcö gtaiibc'3. 
a Slbgefplitterte Stcindien. b ^flonjcnfafcm 
(SöoÜfäben). c (Samcnterndjen. d ^flanscus 

gellen unb '•^iflaiiäeiitcile. 
9]ac^ fiönig. 



Sciber finbet man rocnig 



122 Sfia^tungSmittel. 



befäüt finb überiuiegenb einer t)orül)ergef)euben ^of)teufäureoergiftung 511= 
gufc^reibcn. Übelfeit, ^opfjc£)mev5, [alj(e§ 2(ii§feljeu morgeuS frülj beim 2(iif= 
fteljeu füinmen com ^oljlenfouregeljatt ber gefcI)Ioffenen ©djlafjiinmer ^ev. 
®ort atnten bie 9JIen[cf)en, bie ftd) cor ber frijd)eu 9iacf)t(uft fürd)ten, if)re 
eigenen Shi^iüurfftoffe raieber ein unb oergiften fid) gegenfeitig. 

Garant, il}r 9}lütter unb ^au§frauen, bie iljr oerantiuortlid) feib für ben 
©c[unb[}eit§3uftanb ber (Surigen, (efet biefe S^iUn mit ^ebac^t unb gemöf)nt eud), 
bei offenen ?yenftern gu fdilafen. 5leine Stnfammtung oon 2Iu§murfftoffen 
in euren Sßoljnräumen — ^ofjlenfäure ift ber giftigften einer! — feine (Staub- 
roinfel, bagegen frifcf)er Suftjug bei Xao, unb 9lac^t, feinerlet üble @erüd)e. 

^xüte Söangen, ungeläljmte 2:atfraft, gefunber STppetit roerben ber Solju 
cure§ gielbemu^ten .^aubeln^ fein. 

33ei ^efpred)ung unferer SOBofjuungen fommen mir auf Süftung§Dor= 
ricf)tungen nod) jurücf. 

Stmmoniaf entftef)t in allen ipäufern, in roelci)en bie 2Iborte uid)t gut 
gebaut finb. (B§ ift m\ä f)öcl)ft raiberlid) unb 'o^n SltmungSorganen unerträglii^ ; 
bal)cr mirb e§ gefloljen, of)ue ba^ man über feine ©iftigfeit erft gro^e 58e- 
tradjtungen aufteilt, ^uiueilen bringt e§ aber aud) in geringen SHengen in 
QJcauern unb in bie Suft aller 9f?äumlicl) feiten ein; bie 33emül)uer gewönnen 
fi(^ laugfam baran unb merfen e§ gar uid)t mel}r, bann mirb e§ fel)r gefaf)r= 
üd), raie jeber unerfannte ^yeinb. 

i^anu man 'i)^n 33au be;§ 5(borte§ nid)t änbern, t)ann forge man menigften^ 
für feften 3Serfd)Iu^, gute S^iüren, laffe ba§ näd)fte ^enfter ftet§ offen, gie^e öfter 
geru^binbenbe ^^^lüffigfeiten ein (^oljaf^e, ©Ijlorfal! ufro.) unb oerlaffe bie 
SBüljnung, raenn bieg alle» uid)t§ f)ilft. Sind) gefünbere SOBol)nungen finb 
eine 2Iufgabe ber ^iif^^iift '^^^ ^I'^'^ ^^^^^^ fiöfung immer nät^er fommt. 

I^öhenluft, Seeluft, OlüTtenluft, Olaldluft, 

:^n unferer ^ett, in meld)er ':)a§ Steifen fo erleid)tert ift, befd)äftigt fic^ 
bereite alleg mit ber 3^rage, moljin man moljl am beften 5ur @rl)olung fa!)re, 
in bie ^i3f)e ober in bie 2;iefe, in trocfene ober iüafferreid)e ©egenb ufro., unb bie 
entfernteften, oft unbebeutenbften ©rbenroinfel werben plo^lic^ au§ irgenbroeld)em 
©runbe p einer befud)ten (5ommerfrifd)e. '2)ag märe ja red)t fc^ou unb gut, um 
fo meljr, ba ba§ Ijäufige SSerlaffen ber ©täbte oielen 9J]enfd)en roirflid) jur (£r= 
f)attung il)rer Gräfte bringenb not tut. 2lllein e§ roirb md)t immer ber rid)tige 
©cbraud) oon fold)en Sfieifen gemad)t, e§ bleiben bie fd)önfteu @elegcnf)eiten un= 
ausgenüljt, unb eä roirb in toridjter äßeife oiel fauer erroorbeneS ©elb auSge* 
geben. Über rid)tige ^enü^uug ber „©ontmerfrifc^en" aber an anberer ©tette; 
jur Orientierung aller (Sud)enben l)ier nur einige» über bie il^or- unb ''Haö:}'- 
teile ber ^i)l)em unb (Seeluft, bereu ^uffudjung fojufagen 9Jlobe geroorbeu ift. 



3^n[)riin9önuttet. 123 



%k 9ieiu()eit unb 2:vücfeii{jeit ber .öü()eu[uft ()aben roir bereit» [)er= 
üorgeljobeu; baf3 fie bem ermübeten, (£r[rii'd)uug bcbürftigeu ?-"lccu|ct)en öevr= 
Iid)eö bietet, raei|3 jeber, ber 53er9(u[t einmal geatmet unb 33erge tiidjt nur 
au§ ber ^^erne gefe^en i)at ߧ fommen jeboc^ bie Suftbrudfi^üevljältniffe in 
93etracf)t, roeld)e auf ber if>ö!)e anbere finb a\§ in ber 2;ie[e unb bie ^^er5= 
unb Sungentätigfeit meientüd) beeinftuffen. '3)ic ipüf)en(u[t i[t biinner als bie 
2:iefenln[t, — fie ift aud) fälter. Stile biefe Umftänbe I)aben jur 3^olge, "ba^ 
bie 2(u§bün[tnng be:§ Sß>afferbampfc§ burc^ bie Sttmung^o[d)lcimI)äute roe[entlid) 
erleicl]tert roirb (ein jur ©ejunberijaltung ber Sungen iüid)tiger llmftanbj, 
unb ba^ (Srfjroäc^efdjiuei^e, roic fie bei (£cl)n)inbfn(^tigen feiten fet)len, fid) 
bann üerminbern. Sie ungeljeure S^ransfubation (2Ba[ferabgabe) ber Ü^eün^ 
ration§fd)leimI)aut fd)ül3t biefe üor bem (Sinbringen ber ©taubteile unb ber 
93afterien (nad) Dr. 9iaxi Seroin), follte alfo nie unterbrüc^cn roerben. "^aljcx 
finbet fo mand)er Sungenfranfe in ber .^öf)enluft rcieber Teilung, inbem bie 
burd) ungünfttge (Sinflüffe unterbrüc!te 'iföafferabgabe feiner 31tmung§fd)leim* 
^aut fi(^ roieber einftellt. 

®er gro^e geud)tigfeit§gel)alt ber (Seeluft, ber auf oerfdjiebene ^ran!e 
nicl)t günftig einroirfen roüvbe unb roeld)er bie Suft nur nod) bid)ter unb 
fd)rocrer mad)t, alfo gerabe bie SCBafferabgabe ber 3dilciml)äute baburd) er= 
fd)roert, roirb burd) iljren ©eljalt an ^oc^falj au§geglid)en, and) ift fie tältcr 
al§ Sanbluft. ^k in ber Suft fd)roebenbcn (Sal5teild)en jietjen ba§ Saffcr 
an fid); auf3erbem fd)cincn auc^ bie eingeatmeten Sal5tcild)en einen anregen^ 
ben Ginflu^ auf bie Sc^lciml)äute im allgemeinen auyjuüben. Ser 3Ippetit 
roirb tebl)after, bie 5?räfte l)eben fiel); bamit nimmt and) bie Surd)blutung 
ber Sunge gu, foroie il)re 3Bafferabgabe. '^la^ 3a(5 alfo unb bie nicbrige 
2;emperatur ber Seeluft mad)en fie ber ^öl)enluft einigermaßen äl)nlid). 
^ro^bem oertragen oiele 9Jlenfd)en, bie fid) in mäd)tiger ^ül)enluft fel)r roo^l 
fül)len, bie Seeluft nid)t. (So roirl'en rool)! nod) anbere nnterfd)icbe mit. 

Sin 9^einl)eit ftel)t bie Seeluft ber .^i3l)enluft nid)t nad), roeil fie in 
roeitefter 21u5bel)nung oon Sol)nftätten unb ^erfaüftoffen frei ift; bagegen 
fel)len iljr jene Suftftoffe, roeld)e eine reid)e ^sflanjenroelt um fid) ucrbreitet 
unb bie oon fo ^ol)em 'il>erte finb. ®er eigcntümlid)e ,/Baffergcrnd)", bor 
fd)on roeit üom Straube beginnt, ift überall berfelbe unb eigentlid) fel)r ein= 
tönig. ^a§ „3et)renbe" unb „5^räftigenbe" ber Seeluft, tiaB fo oft gerüt)mt 
roirb, liegt teilä in ber grifdje unb 9\einl)cit, teil^s im Sal5gel)alte ber Sec= 
luft. ©erabe il)r eigentümlid)er ,/Ä^affcrgcrud)" ift aber rci^uoll unb für jene, 
bie a\i§ trodener, flaubiger unb lauer Suft fommen, l)öd)ft gcnufjüoll. 

Sie SBüftenluft ift bie tvorfcnfte Suft; nid)t nur bie Sinbe reiften 
geud)tigfeit§anfammlungen mit fi^, awd) bie (Sntftel)ung berfelben ift äufjerft 
gering, roeil e§ faft feine ^]?flan^cnroclt in ber Süfte unb in bem Sanbe 
gibt. Siefe bem ©efunben mitunter jur Dual roerbenbe 2:rüctent)eit fanu 
bem Sd)roinbfüd)tigen aber fe()r nül3lic^ roerben, roeil fie bie ^^I?aiier' 



124 ?^a^rung§ mittel. 



abgäbe feiner ©d)Ieimf)äitte bebeuteub ev(cicl)tcrt. 9)]an ift baf)er je^t immer 
me§r bemüljt, ba§ Sßüfteufüma für unfere 5lranfen au§5uiui^en. ^ei rid)^ 
tiger 2(u§roal)I be§ 5^urorte» uiib geuügenbem (2d)ut3 cor ber übermäd)tigen 
,^i^e, bie aurf) fel)r fd)rcäd)enb rairfeu fann, laffen fit^ (Srfolge rool^I erzielen. — 

2Inber§ nevtjätt e§ fid) ja in ben bemoljnbaren S^ropenlänbern, rao^in 
bei ben erleid)terteu Q3evfc[jv§oerf)ä(tniffen je^t immer meljr (Europäer giefjen, 
leiber nid)t immer §u tf)rem 91u^en. 

2(n biefer Stelle fei baljer auf ba§ intereffante S3ud) von Dr. .^et), „'S er 
Sropenarjt", !^ingeroiefen, ba§ über S^ropeuoerljältniffe auSgiebige Seri(i)te 
bringt unb §at)Irci(^e praftifd)e 33orfc^Iäge. Stu^erbem ftetjt ber SSerfaffer 
DoUftänbig auf bem ^oben ber 9^aturl)ei(metl)obe, unb xirteil§fä^ige Sefer 
werben fofort erfcnnen, ba| fie in bem 93uc£)e ben oortreff(ict)ften 3^üf)rer 
für förperlid)e mie geiftige 2(ufgaben gefuuben I}aben. Sßer t)orübergeI)enb 
ober bleibenb nad) t)zn S^ropen get)t, oerfäume e§ ba^er nid)t, ben „^ropenarjt" 
oon Dr. med. §ei) (S^erlag oon ^. ©djcrj, Dffeubad) a. 9Jlain) fid/ an5u= 
fd)affen unb fd)on oor ber Hbreife forgfältig burd)5uftubieren. SDkn raet^ ja, 
löie oie(e Europäer in tropifd)en Sönbern fd)mer erfranfen ober ^ugrunbe 
gel)en unb gmar oft nur, weil fie in Un!enntni§ il)re Seben^oerfiältniffe -^falfd) 
einrid)teten unb in ^ijgienifd)er ^infid)t bie gröfäten ?^et)Ier begingen. 

Sie äl5albluft ift raärmer aB Seeluft; fie ift jeboc^ oerfd)ieben in 
i^rer Sßirfung, je nad)bem ber SBalb au§ Saub= ober Dlabelljol^ beftel)t. 
?JieI)r Däon ober fiar^igen ©erud) f)at ber STannenmalb ; ber ^oben ift roarm 
burd) bie 2luf(age ber gefallenen DZabeln. Gv ift bat)er für @efd)n)äd)te unb 
Q3ruft!ran!e befonberS geeignet, ©ang bid)ter ^^alh, in roeldjen feiten ein 
©onnenflral)! fätit, I)at oft 5U feud)te Suft, bie auc^ nid^t ogonreic^ ift. (£r 
ift baf)er nid)t immer ber befte 9(ufent^aIt§ort für Scibenbe. 2Batb mit Söiefen 
unb luftigen fonnigen ^lä^en, frifc^en Quellen ufro. ift ba^ 3Soll!ommenfte, 
ma§ fid) ein 9Jlenfd)enl)ers rcünfdjen fann. 





Drittes Kapitel. 




SonnenlicDt una SonneniDärme. 

„SJom 23ärmefii6 be§ 2icf)t-5 erreget, 

SQJivö lebensbalfamretcf) bte Suft, 
Unb wa§ fonft müf)fam nur fid) rejet, 
aCßtrb immteraio^l im SonnenbuTt." 
Sanbbecf. 

aci)bem lüir ben 53qu be§ menfd)(id)en Slörper? befprocf)en 
f)aben unb bamit ba§ jroeite Kapitel, feine @rnäf)rung, 
logifd) begrünbeten, Sßaffer unb Suft, bie nnentbel)r(td)en, 
il)m Qureifjten, gelangen roir nun an einen anberen Seben§= 
faftor, of)ne roetdjen luiv auf bie '2^auer raeber (ange be* 
ftefjen, nod) oiel weniger gebei[}en fönneu: eg ift ba§ Sid)t unb bie 3^^ arme 
ber (Sonne. 3Ba§ raären roir o()ne bie (Sonne! 

(Sin ©ebid)t ou§ bem 9^uffifcl)en, „^a§ (Snbe" betitelt, ba§ t)a§ (Srfatten 
Der ©onue, bag 93erfiegen ber (ebenfpcnbenben £id)ts unb 3Bärmeftrat)(en 
unb ben langfam beginnenben Xob auf ber immer fätter unb fälter roerbenben 
(Srbe fcf)ilbert, bringt un§ ben ganjen Ginftuf? ber ©onne jum 'Beronfjtfcin. 
'^k (Sonnenfinfterni§, bie roir im ^aljre 1900 erlebten, erinnerte (cbfjaft 
an t)a§ fal)le Sict)t, t>a§ anc!) in bem ©ebidjte gef^ilbert roirb unb ba§ 
fid) über bie (Srbe ausbreitet unb ein bcftemmenbeiv bebrücfenbeä @efüf)( in 
9}lenfd) unb 2ier f)erDorruft. 

©rgreifenb fc^itbert ba§ ©ebid)t bie fid) ftcigernbe 3tngft ber 9)]enfd)en 
über bie unerftärtic^en 33orgänge in ber Statur, über bie juncbmenbe .Qälte 
ber ganzen Umgebung unb bie langfam fid) fteigernbc Tnnfelt)eit; Raubet 
unb SBanbel ftocfen, bie nt)reu fteljen ftiü, balb roeif? niemanb me()r, mann 
9}^itternac^t, roann SDIittag ift, unb allgemeine 3Serroirrung ergreift bie ?1]enfd)en. 
(Sifige ^älte mac^t olle» :2eben braufjen erftarren, bie üürl)anbeueu "iltabrungl» 
mittel oerfiegen, unb bie geiftCi^geftörten iD]cnfd)en oergeffen i()ven .punger. 
9}lit ber ^-infterni» roäc^ft bie ^älte unb roa§ bie 3lngft oorl)cr nic^l geti)tet 
l)at, fommt je^t burdi bie ^älte um. 

%a§ roar — „^a§ Gnbe" mit ©raufen, rocil bie Sonne erlofd) unb 
ba§ Q^htn auf ber Grbe burc^ il)r Sid)t, burd) il}re S©ärme nid)t met)r 
erljalten rourbe! Unoerge^lic^ bleibt febcm ber (Sinbruc! biefer (Sc^ilberung. 



126 ©onnenlid)! unb ©ottnenroärme. 

^\)x, bie tf)r fo Qteid)gültig feib gegen bie Statur um eud), gegen Ur^ 
fad)e unb SSirfung aller 2eben§erfd)einungen, lernt bie ©onne mit banfbaren 
93ti(fen begrüben unb DerlQc[)t jene SSöIfer ni^t, meiere bie (Sonne anbeteten. 

3I)re Q)cbräuc£)e tarnen ber Sföa!)rl)eit näljer ai§ bie unferigen. 

3öa§ locft ber (Sonnenftral)! nid)t aüeä an§ bem (Srbboben I)erüor, roa§ 
für l}errli^e ©tüten unb 3?^üd)te lä^t er reifen, bereu garbenprad)t, beren 
S;üfte jebe§ empfängtid)e ?!JIenfd)enl)er3 entjüd'en, — rate gaubevt er ©efunb* 
Ijeit, ^rol)finn unb (2^ön!)eit auf ha§ 2lntti^ ber SHenft^en, unb rote etenb tä^t 
er fie oerfümmern, blei^ unb t)ä^lid) roerben, roo er fie nie erreicht, — roie 
burcl)roärmt er bie ©lieber unb gibt neue Gräfte, belebt ben (Sd)roaci)en unb 
tjeilt ben 5^ran!en! 2Bie jandj^t bie 9JJenfd)I)eit auf, roenn e§ roieber 5'rüf)ting 
rairb unb roenn nad) langer S;rübe bie ©onne roieber Ijell am ^immel fdjcint ! 
SBie bie 9}Kic!en unb 5^äfer tummeln fic^ aud) bie Slinber am tiebflen im ©onnen» 
fd)ein, unb ade» babet unb geniefät biefe erften ©ounenftraljlen! 

Hub biefe Seben fpenbenben (£trat)Ien rooltt it)r burd) bid)te Kleiber, 
,.^üte, ©onnenfd)irme, burd) bunt'te ^-enfteroorljänge oon eu^ abl)atten? ^ier 
i()r grelle^ Sid)t fürd)tenb, bort itjre „3:eint oerberbenbe" S[ßirhing ufro. 
Söelc^e 93erroirrung, rcel^e !ran!t)afte Übert'ultur! ®in anbere§ tfi el in ben 
Tropen, roo bie fengenbe ©tut berfetben bur(^ Übermaß an ©penbe 937enfd) 
unb 2;ier ju üernid)ten brot)t. '3)a mu^ man Sc^u^oorrid)tungen errid)ten 
unb füf)Ien ©d)atten auffud)en, um nid)t ootleubS p ermatten. S(ud) bei un§ 
gibt ei S;age, roo man 9ll)nlid)e§ tut unb mit 9\ed)t 5?ül;Iung jud)t; aber im 
ganjen finb übermäßig Ijci^e 2:age bei un§ feiten, roäljrenb bie „angenetjme" 
über „fpärlid)e" (Sonne "OaS SSorljerrfdienbe im ganzen Qaf)re bilbet. 

9f?eine§ (Sonnenlid)t tötet ©a!terien, bie im ®unfe(n unb roo bie Süftimg 
fcljlt am beften gebeitjen, baljer auc^ ba§ alte (Sprid)roort: „2Bo bie (Sonne 
fd)eint, fommt ber Strjt nid)t Ijin!" %a§ SonnenIid)t roirft auf bie 33eroegung 
bei i8(ute§ unb bie ©itbuug oon 33tutförperd)en ein unb erjeugt baljer eine 
roarme blutreid)e unb gerötete ^aut, roäljrenb bie blutleere .^aut falt unb 
bla| ift. %k 2iä)U unb Sßärmeftraljlen erregen unb beleben bie Sinne§^ 
Organe unb ba§ 9Jerücnfi)ftem unb förbern beSljalb alle SebenSoorgänge. 

9)lan follte baljer 5!ranfe unb Sd)road)e nid)t in cerbunfelte 3i»""S^ 
legen unb Säuglinge cor jebcm (Sonnenftraljl I)üten, fonbern ebcnfo roie 
frifdje, reine ßuft §u iljuen beftänbigen Eintritt Ijaben follte, bamit fid) iljre 
3Iu5bünftung§ftoffe in iljrer Umgebung nic^t anäufammeln cermögen, fo füllten 
aud) Slinber unb ^Traufe täglid) bireft in bie (Sonne gelegt roerben, um iljren 
betebenben (Sinflii^ 5u geniefaen. Sföie anbers roürben fie ba gebeiljen unb roie 
luürbe fid) it)r 2Iu§fet)en oeränbern! 

^n ber jroeiten 3lbteilung „Xa§ S^inb" roerben rotr ndljer auf bie S3e=' 
tjanblung be§ ^inbei, l)infid)ttid) 33c£leibung unb Sonnennnürmc, eingeljen. 
'^a „in ber Suft unb in ber ©onne babcn" aber aud) allen ©efunben 
ebenfo genu^reic^ roie rool;ltätig ift unb \)a füld)e§ ©aben bem Ursuftanbe 



<SonnenIid)t unb Sonn euir arme. 127 

be§ 9Jien[rf)cn entfprid)t, auf ben mix fc^üeisUc^ bod) immer rcieber 3urücf= 
fommen, raeun m\§ bte RuUur 511 racit baoou ab9efü()rt fiat, fü merben mir 
Sid)t(uftbäber, Suftf)ütteu unb (Souuenbäber frfjüu in biefem 5^apitel bei"pred)en 
uiib auf il)re großen 33or5Üge l^inroeifen. 

3ur Störung unferer 2Iu5füf)rungen eriüä(]nen mir noc^, bap roir au^er 
ber Sonne all oberfte unb mad)tooÜfte 'Särmequeüe uod) eine jiüeite SSärme' 
quetie befi^en, raeld)e bie ©runblage bei tierifd)en ;l?eben§ bilbet: 'öa^ ift bie 
3}erbrennung§iDärme im ^nnern unferes Drgani^^nuia unb bie ^Verbrennung!- 
raärme jener toten Körper, iüe(d)e mir ju unferen fünftlic^en 35>ärmequeÜen 
umgeroanbeft f)aben, roie jene be§ |)ot5el, ber 5^oI)(en ufro. Unfere innere 
Söärme rairb fo lange erzeugt, ad roir leben, unb ertifd)t mit eintretenbem 
3:obe. Sie ift Derfd)ieben, je nad) bem örabe unfere» Stoffiüec()fel5 ; b. t). je 
energifd)er biefer ift, unterftütjt burd) fräftige 9}?u5felarbeit unb grünblid)e 
2Itmung, befto me'^r SBärme erzeugt er. ©in 33eifpiel: 

(Sine btaffe, fanfte ^rau fi^t fröftetnb am 9^äf)tifc^ unb lä^t bie -Jlabel 
auf= unb abgleiten; fie t)at warme 5l(eib er, gepolfterten Si^ unb eine bef)ag= 
(id)e Stube unb fröftelt bennod). '^^a tritt if)r ©atte ein mit elaftifd)em 
Schritt, gerötetem 9Int(i^. (Sr bringt einen frifd^en ^uftjug mit, benn brausen 
mar e» nid)t t)ei^. Sföie rcarm aber mar fein S!örper, 00m fd)arfen (Sauge in 
ber freien 3iatur ermävmt! "3^05 mar: 9}hi5felarbeit unb Siefatmung, ba()er 
grünb(id)ere Sauerftoffaufna!)me, reid)(id)e ^Verbrennung unb SBärmeerjeugung ! 

(£r umfd)(ingt bie garte ^-rauengeftalt, unb fie fagt, raäljrenb fte fid) 
an it)n anfc^miegt: „3td), rcie fd)ön roarm bu bift!" 

„^a," lautet bie (Segenrebe, „roäreft bu mit mir gegangen, ftatt f)ier 
in ber Stubcntuft unbcroegHd) gu fitjcn, fo rcäreft bu ebenfo roarm roie id)!" 

^i)x fel)(te 9)lu§fe(arbeit unb oermeljrte Sauerftoffaufnat)me; fie roat 
„blutarm" unb energieIo§; it)r Stoffroed)feI roar träge, it)re innere 33er» 
brennungsroärme ungenügenb, bal)er roar fte feiten ganj roarm. 51>ie oiele 
grauen mad)en e§ fo roie biefe! ^Sie niete fröfteln il)r gan5ey 2cbm lang 
unb l)aben bod) 53erge imb Sonne oor if)ren ^cnfttnn! (El läge nur in 
t^rcr ^anb, fid) ein fräftigerel, roörmerel unb barum and) fd)önereö Seben 
5u t)erfd)affen; benn rco 5^ ölte l)errfd)t, ^ört frifd) pulfierenbe», beglüdenbel 
Seben auf. 

Sllfo barum Söärme unb Sonne, il)r ^-rauen, Suft unb ©eroegung, unb 
ein anberel (Sefd)led)t roirb erftel)en! 

^m Urjuftanbe fannte ber DJIenfd) bie 5lleiberplage nod) nic^t; 2id)t 
unb Suft umfpielten feinen £'eib bcftänbig, er Ijatte and) nod) nid)tü non .^^aut= 
unb 9'leroenlranfl)eiten ju leiben, bie l)eute aller öeilfunft ju fpottcn fd)einen. 
^JUiit ber rcad)fenben (Srlenntnil oon ber eigcnt(id)cn 33cbcutung ber .^nut 
(fiet)e erftel 5lapitel „^ie |)aut") „entbed'te" man in unfercm ^al)rl)unbert bie 
grofjartige Sß^irlung ber „£id)tluftbäber" unb räumte i^nen eine bleibenbe 
Stätte in ben bebeutenbften .^eilanftaltcn ein. 



J28 ©onnenIid)t unb ©onnenroärme. 

3öer aber gefunb bleiben iritl, ber roartet mit ben „Sid)tluftbäbern" 
md)t erft, bi§ er e§ nötig f)at in eine fieilanftalt gu gelten, fonbern babet 
im (2onnenIid)te, fo o[t er e§ nur fann. ©ine unerroartete i^räftigung unb 
®r[riid)ung wirb fein Süt)n fein. 

©in Sdjiücijer, nameny 9flt!H, ()at ba§ 33erbienft, am eigenen Seibe 
bie Sirfung ber Suft unb ©onne nid)t nur erprobt, fonbern ^um erftenmal 
aud) für anbere oerroertet ju Ijaben. (Sr feilte fid) bamit oon frfjrcerem Sungen» 
leiben unb erijielt fid) fo fräftig, bo^ er nod) al§ ©iebjiger {)of)e ^erge, 
nat)e§u im 3tbam§!oftüme, im tauigen a)^orgen mit Seid)tig!eit erüomm. SSon 
einer in 3?elbe§ im öfterrei^ifd)en S^rain errid)teten ^eitanftatt au§ oer» 
breitete fid) fein 33erfal)ren im Saufe oon 30 ^atjren über ganj ®eutfd)(anb, 
unb Staufenbe f)aben bei i!)m am reijenben 33elbefer (See .^eilung unb 
5?räftigung gefunben. ©ein 93erfal)ren beftanb bovin, ba^ er bie ^ran!en 
unbefteibet, o^ne ©d)ut)e ober ^ut, bie 9}^änner mit Senbenbinben cerfe^en, 
bie ?5rauen mit turnen 3:ün{)embd)en bebeiit, je nad) ^iifta^^'^ unb ^ranf^eit, 
juerft einige 9Jhnuten, bann bi§ p einer ©tunbe im Xan ober in fü{)(er Suft 
fi^ bemegen lie^ unb nad) rcieberijolter ftart'er 2Ibfü[)Iung ber ^aut (bie 
bann flet§ bie betnnnte „©änfef)aut" ^eroorrief) für fräftige Srmärmung 
burd) ©onnenbab ober '3)ampfbab ©orge trug, "^iefe ^ur, befonber§ bie 
fünftlid)e ©rmärmung mar anftrengenb unb feineSmegg für jcbermann geeignet, 
fie nü^te aber Dielen mefentlid). 2öer ®ampf* ober SS^annenbab nad)^er nid)t 
oertrug, fonnte, TOoI)Ibe!(eibet, burd) 33ergfteigen bie nötige 2Biebererroärmung 
erjielen. 2(u§bteiben burfte fie aber niemals, raeit nur baburd) eine „^aut= 
gt}mnaftif" getrieben rourbe, bie oon eingreifenber SBirfung mar. ^atte bie 
^älte äuerft aufammensieljenb geraivft, fo ^atte bie @rf)i^ung unb ber (3d)roei^= 
auSbrnd) barnad) roieber aüeä Stut nad) ber §aut gejogen unb eine fräftige 
2;ätigfeit ber (Sd)roei^brüfen eingeleitet. 

®a§ 33ern)ei(en in au§gef(eibetem ^wfta"'^ bei reid)Iid)er Bewegung im 
Suftbabe, ^aUfpiel, 3:urnen ufro. Derfd)eud)t 't)a§ ^-röfteln feljr batb, man 
roirb fogar tro^ mangelnben ^Ieiberfd)u^e§ feljr balb ganj raarm; bie Sßärme' 
au§ftrat)Iung ift bebeutenb, bie ^autatmung erf)öt)t unb ber 9Ippetit nad)f)er 
befonberl lebljaft. @ine ftärfere unb fünftlid)e Sföiebererroärmung nad) be= 
enbetem Suftbabe ift atfo nur bei geraiffen ^ranffjeitSjuftänben angejeigt. 

^erDorgeI)oben mu§ nod) werben, ha^ ber Sid)teinflu^, alfo bie Sonnen^' 
ftra'[)Ien, bie (Sauerftoffaufnaf)me unb S^oI)Ienfäureabgabe be§ 
Körpers oerme!)rt, unb ba§ fid) allein baburd) bie ^effevung be§ 2t(Igemein= 
5uftanbe§ erflärt. 3^'"^ allgemeinen 58erftänbni§ ber Sßärmeoerljältniffe fei 
nod) erinnert, ba^ jeber manne Körper fomoI)I burc^ Seitung, bei 93e- 
rü()rung mit weniger marmen Slörpcvn, at§ aud) burd) Strablung, alfo 
of)ne ^erüljvung, 3öärme abgibt. Surd) bie 5^(eibung roirb bie (Strahlung 
ganä ober teilrceifc oer^inbert aud) ift bie 21bleitung unferer Sföärme oft fet)r 
gering roeit unfere 5l(eiber jumeift a\\§ fd)Ied)t leitenben ©toffen befielen; 



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nalßbnßZ .nsda^a^i^d na? ■Hqmn'l sna^^oldazag il^on mrii 



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Tafel 1 



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TAFEL 4 



wertet ^n hahm. (5r f)eilte fid) bamit nou fdinicrem i]i 
Übungen mit hölzernen und eisernen Stäben werden in weib-i 
liehen Turnvereinen und Schulen häufig vorgenommen; bei 
richtiger Ausführung strengen sie Brust- und Rückenmuskcln 
an und sind daher zur Kräftigung des Oberkörpers schwäch- 
lichen Personen oder solchen, welche die Arme niemals an- 

■ ; v'.'i ^ifßPgeni. wejTOiZtt.Bmplehlent ) er oee opeiiiuV;' 
:. ..reit', ocrraijratp befmnb baviii, bafj er bie ^xj 

djm (B' diu he ober .?>ut, bie -iDuJiincr mit l'cnbinibinben üeif 
nichtig ausgeführt sind solche Übungen dann, wenn sie 
stramm gemacht werden, nicht schlaff und bequem, wie Frauen 
zuweilen zu „turnen" belieben. Aus letzterem Grunde ist gute 
Anleitung nötig und das Beispiel eines energischen Lehrers 
bic b'?tauntc „i^dP^r ^^er Lehrerin. • für fvaftige (£rtrui 
'■ab über ^ampfbub Sü^ße mu-.j. ®xefc Slur, befoubei\ 
vnnina ir^" rv^trn'.ocrh imb feinc^men^' für icbprmfinu (\^ 

Unser Modell zeigt emige Übungen, ebenso stramm wie an- 
mutig ausgeführt. Fünf-, zehn-, zwanzigmal nacheinander 
führt man jede Übung aus und muss, um volle Wirkung zu 
erzielen, auch die richtige Kleidung dabei haben. Alles Enge 
oder Drückende ist verpönt, ebenso dichte, warme Kleider- 
stoffe. Der Turnanzug unserer Figur ist' aus leichtem Leinen- 
stoff, faltig und locker, angefertigt und gestattet daher alle 
Bewegungen. Um auch andere Übungen zu ermöglichen, sind 
ihm noch geschlossene Pumphosen beigegeben. Sandalen 
und dunkle Strümpfe ergänzen den Anzug vortcilhaft."^"*eii>cc\irt 

t;.:fi mauöeliiben .^(eiber^c^nlv:? tchr Imlb n ■ : bie ^X^ 



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Die Frau als Hausärzli 



Tafel 4. 



!EonneuItrf)t unb (Sonneuiüänne. 129 

e§ entfielt bariim, befonber§ racun mir mv$ in lüariner Umgebung befinöen, 
n)e(d)e un§ feine Söävme abfeitet, oft eine innere riberf)it3ung, roeldje ung 
erregt ben ©d)iüeif3 aib?treibt ober un§ p(üt3(id)em llniüofilfein, fogar O^n^ 
madjten au^fe^t. ^ie^5 gei'djieljt fc()r oft in ge[d)(o[foncn S^iäunten, bie mit 
9J?enfd)en angefüdt finb, oon roe(d)en jebcr einjedie '©arme au5[trat)(t. ^m 
Öuftbabe aber finbct bicfe ^^ärnican9[tral)[ung unt^c()inbert [tatt; bie öaut 
!ü()lt anfäuglid) ab; ber Crganii^mu» aber ift beftrebt. Den 2Bärmeoer(uft 
rafd) au§3ugleid)en; bie „innere ^Verbrennung" üerme()rt fid) unb baburd) bie 
S3eförberung be§ aÜgemeinen Stoffroed) jet? ; balb ftrönit met)r 93Iut in bie 
^aut, a(§ §uDor barin gen)e[en; fie mirb röter, roärmer, gegen fogenannte 
©rfältungen unempfinbüd), unb man ift plötjUd) ein roirfli^ abgefjärteter, 
fröftiger 9J]enfd) gemorbcn.*) 

Suftbäber laffen fid) jum 'Jamiliengebraud) in jebcm Charten anbringen; 
nur muffen Ijolje 3£^änbe oufgerid^tet lucrben, um Störungen burd) Die 
9]ad)barfd)aft ju oerI)inbern. 9J]an fteüt fie biüig f)er, inbem man einige 
^^füflen im 93ier= ober 9?ed}tccf cinfd)lägt unb bicfe mit Segcltud) bi» p 
gciuiffer ^öl)e umfpannt. £cif5t man fid) bann noc^ in bicfem 9iaume eine 
San! mit erijöljtem i^opfenbe, bie 9^egen unb SIMnb anftanbslo^ erträgt, 
f)erfteüen, unb überlegt man i(]re 9iid)tung genau je naci) bem (Stanbort ber 
Sonne, bamit man fid) auf berfe(ben aud) fonnen fann, fo l)at man für bay 
2öid)tigfte geforgt. ©in (2d)atten fpenbenber '^aum unb meid)e§ @ray unter 
ben 'S^üfjen Dermel)ren bie 3(nnef)m(id} feiten eine§ fo(d)en Suftbabe§ roefentüc^. 
^n bie ^^foften fd)(ägt man .öafcn, um Kleiber auf()ängen 5u tonnen, unb 
luid man bie @inrid)tung ootltommen I)aben, fo ftcüt man an bie 'iÖinbfeite 
eine Sretterroanb mit fleinem fd)rägen %a6), rooruntet man fic^ h^i ptö^(id)en 
9iegengüffen flüd)ten, ober mo man feine 5^(eiber trocfen erl)a(ten fann, menn 
man einc-5 ber genu^reidjen Üiegeubäber ne(]men mid. Unfere 3tbbilbung 
(%\Q. 54) fü[)rt un§ ^a§ (Sanje oor. ^e größer ba§ Suftbab gemacht mirb, 
Dcfto meljr Spietraum t)aben i^inbcr unb (Sriuadjfcne, unb befto fd)öner ift 
ber 3lufcnt()a(t barin. 'Saüfpieten im öuftgemaube ift ba§ ©enufsootlftc, tia^j 
fid) beuten (äfst. 'iIRöc{)ten red)t oiete 3^ami(icn, bie ©arten bejitjen, fo(d)e 
Suftbäber bauen taffen! 

^ißie man bei Rranfen unb nod) nid)t 5(bge()ärteten ;^u oerfatjren f)at, 
ift im britten 3::eite unter „^äber" nadj^ulefen. 3)ay „l^iftbabcn" ift meit 
raeniger anftrengenb ober gefät)rlid) roie jebei anbere 33ab unb mirb, meil 
c§ th^n einen bem 9Jieiifct)cn naturgemäfjen ^nf^^^'^'^ barftcdt, aud) oon fet)r 
franfen ^erfonen nid)t nur gut oertragen, fonbcrn aud) moljttätig empfunben, 
ma§ man oon 2öafferbäbern nid)t immer fagen fann. 53ei fet)r cmpfinb(id)en 
9Jleufd)en finb fetbftrebenb je naii} '-Ißetter unb ^t^fli-'c^^eit, ober 3IIter ber=> 
fetben, aud) beftimmte 23orfid)t§maf3regetn ein5u()alten. (Siel)e „^^äber".) 



*) (5ief)e „®aä Cuftbab" üou Dr. Sa^monn unb ©lara aJZudjc. 

"Sie ^rau alS ^auS&xitHn. 



130 



©onneuIict)t iinö ©onn eure arme. 



®Q§ ©onnenbab bi§ p (Srljitjung unb (Sd)roei^QU§bnid) betrieben, bebarf 
aüeroivö^ter 5ßorftc!)t benn e§ rairt't ^odjerregenb. %a§ :^beal für natürüd) 
empfinbeiibe 5J{enfct)eu finb grof3e Einlagen, 33ergabl)än9e mit SBoIb, S[iS}ie[en, 
93äc^Iein, für ätfönner unb g^-ouen gefonbert, rao man fid) ftunbenlang ergeljen 
unb ftd) mit ber y^latur rcieber ein§ füt)len fann. ^m G^rafe ober ^Jtoofe 




i^ig. 54. Suftfiab 511111 JJ-amtUciigefiraitd). viaä) Dr. gucijev^iiucTcuiianu- 



liJl,J'^"sI'^' 



ietne 90]a!)(,^citen einneljnieu über ungeftört in ein fcl)üne§ S3ucf) fid) oertiefen, 
mä!)renb milbe Säfte über un§ t)inn)egftreifcn, S>ög(ein in ben sBaumraipfetn 
jraitfdjcrn unb ba^5 Saub über unfercn köpfen raufd)t, ber ^(iif üom ^uc^e 
ab oft in bie ^erne fd)wcift ober in ben blauen .^immcl taud)t: ba§ ift ein 
parabiefifc^eä ^'üf)tcn unb Seben, mie man ^§ ih^n nur al-g „Öuftmenfd)" in 
einem „Suftbabe" Ijaben fann! ^n ben SSelbefer bergen ift e§ gerabe fo 5U 
Ijaben. 2:afel 26 fütjrt un§ ein „Suft= unb Sonnenbab" für ^^^rauen oor. 



_V5 7^ 




Uiertes Kapitc). 

Klciauiid, Bett und Wo^nun^. 



OnTere Kleidung. 




3;vet Ji'i'^crun.icn rtiiö"». Die 
lüiv nii ftcUeu IjalKii: 

2urcf)lnfitnf cit unb SBJärme 
unb bonh ber Scfiönl)ett 
eabcnl 

iir roerunjere ^efpredjimc^ ber „|)aut" (fiet)e erfie^ 5^apitc( über 
Störpertiau, bann brittcc^.rtapitef „Sünueulicl)t unb Sonnen^ 
luävine") mit ^i'ei[täubni^5 gelcfen Ijat, luivb nud) biVo, iun§ 
lüir über bie S^Ieibung p fngeu I)Qben, uerftebcii iinCi uoÜ= 
fttinbig ju luürbigeu lüiffeu. 
Selbftüerftäublic^ gibt e^ t}i]gicnifcl)e ©efeljc für bie ivleibimg im aiU 
gemeinen, alfo für 9JMnuer, ^-rauen fomie Slinber gettenb, meil 3tüffmccl)feU 
üorgänge unb ^auttätigfeit für aik biefe(bcu finb; Dod) luerben mir un§ 
I)ier nur mit ber Jrnueufleibung inÄbefonbere befaffcn, raie e^ öev ?(ufgabe 
unfere^ ^u^e§ entfprid)t, unb bie finb(id)e 5Ueibung im II. ^Teile herü()ven. 
^a^ bie Slfeibung bie 2(ufgabe ijat, mh$ uor 5tä(te unb Sitterung§einflüffen 
§u fd)üt^en unb m\§ nebenbei al§ Sdjmurf ^u bienen, ift ntd]t |o beniuf5t, 
mie mnn mot)! glauben fönnte; benn fie ift un§ awd) GJeuiol}nbett gcuunöen 
unb jmar bie gebanfenlofefte @emo(]nt)eit, bie unfer ^eben aufjumciieu iier= 
mag. '-Tarum bie finntoje 5ln{]äufung von ,"rueiberfd)id)ten. Darum Der 
albernfte ^;J(ufpu^, ber un5merfmäf3igfte '3d)uitt! C£"in ^lict Durrt) Die 9.1c oDeu 
ber uergaugenen ^al)rf)unbertc (e^rt un§, ma§ Die j^-rauenmelt Dann geleiftet 
!)at. (©iet)e ^rad)tenbilber ©eite 143—145.) 

5tud) beim 93lanne finbeu mir 5U)n(id)ey; Dccg murDen Die l'nb?uiüd)fc 
feiner Slteibung immer luicber biivd) bie 'JlnforDcrungen Deö tägluijcn Vebenci 
unb bcfonbcr!? feinet 53enifey regntievt, b. l). feine ^Tätigt'eit fonntc 'Ik-- 
()inbevung burd) .Ufeibinuvoftüdtc uid)t lange geftatten. lliiD ]o finben mir 
itnfinnige SlJübcn nur unter ber muffigen, üüvnel)men ^Juiuneriuelt, bie aber 
5u 5!rieg§5roed'en, :^um oiig^^^t-'vgnügen ufm. immer be|onDerc, smecfmäf^igere 
ivüftümc nebenbei (jatte. ')Ud)t fo bei Den ^yrauen! :^\n ^|snl^fud)t, Gitelfeit 
unb .s^üdjmut ging (läufig i()r i^erftauD unter. (?rft unfere <'U'it ()at bieo fo 
red)t 5um 53cmuf}tfeiu gebradjt unb eine „Siefürmbemegung für bie meiblidje 

9* 



132 



Sl I e i b u n g. 



^leibinig" in§ 2^h^n Qerufen, Die e§ frül)er noc^ nie gegeben. 9Jian unter» 
jcijeibe genau — jie I)at nicl)t5 mit „9}lobe" ju tun; nur oernünftige 
Gvuiäguiigen, nur ()i)gieni[(i)e ^^riu^ipien unb bie Überjeugung, ba^ an bem 
äuueljmenben fi)rperücl)en (5(enb bey roeibli^en @e[d)ied)te§ bie ^(eibung i{)r 
gut 3:ei( Si^ulb Daran trägt, Ijat fie ge[cf)affen. 

'2)ie§ luifjen oiete ^^rauen nod) nid)t; Dal)er [ei e§ ifjuen !^ier einbringe 
lid) iuieberl)oIt. 

9Jlänner unD grauen beteiligen fid) an biefer Sf^eformberoegung; 2lr§te 
unö (5ct)rifl[teÜerinnen finb teit§ mit anatonii[cf)cn S3etrad)tungen über bie 




%XQ. 55. 58ntftfor6 bcr SJcnul Doit SDUto. 




g-ig. 56. aSruftforb einer frans. S!)iobebamc. 



june!)menbe SQIi^geftaltung be§ n)eib(id)en S^örper^^, teit§ mit pratti[d)eu 
33erjud)cn am eigenen Seibe Iiernorgetreten unb Ijaben tat[äd)lic^ neuen Stn» 
[d)auungen QSafjn gebrod)en, bie man nod) cor 20 ^öljren für unnüiglid) 
gebauten f)ätte. @Icid),^eitig Ijaben bie 'Dleuevuugen bcr cnt[d)ieben praf= 
ti)d)eren (Snglänberinnen unb 2(merifanevinnen enblid) aud) in '2)eut]d)(anb 
93erftänbni§ gefunben. 

CDie 9\efüvmberoegung rid)tet fid) oor allem gegen Den (3d)nürleib (ba§ 
^orfett). Der jo uiete 3al)v,^cl)iite I)inburd) fo abfolute ^errfd)aft ausübte, 
ba^ er bereite in entlegene Dörfer ai§ „neuefle§ n)eib(id)e§ Sc^önbeitsmittel" 
cingebrungen i[t, unb in t)^n ©tobten felbft smölfjäijrigen S)Mb(^en fd)on 
angelegt mirb, um i()re „3;!ai((e" beijeiten ju beeinfluffen. 

9Ba§ au§ biefer mit ben i^aljren mirb, b. I). roie fe(}r bie unleren 9\ippen 
inm ©d)aben ber inneren Organe eingebrücft roerben unb rcie biefe SSerengung 



SIeibit n g. 



133 



nad) unten bie 5(tmun95iäf)i9fett bef)inbert, feigen un§ oorfteijcube ©fclett« 
bilbev (5"ig- 55 unb 56 nad) Dr. ?TJetnevt). 

33eini 33ru[tfürb ber 3?enu§ fefjen roir ben breiten dlaum um bie 9}^itte, 
rote bie natürüd)e Sage be» ÜJlageng, ber Seber ufro. it)n erforbert; an ber 
„9)]übebame" fäüt un§ ber roefpenät)nlid)e Q3au, ha§ gan^ unnatür(id)e ^-)erüor= 
queüen ber .^üften auf. ®ie 2öe[pe (jat geraif, nod) niemanb ein fdjöneä 
2:ier genannt, bennod) at)mt bas . _^ ,.^ , 

rceiblid)e ©e]d)(ed)t if)r entf^ieben 
na^: beun bei ftarf gefdjuürten 
^erfonen f)ängt Cber- unb Unter= 
förper tatiäd)(id) nur lofe ju* 
faninien, unb man begreift oft 
gar nid)t, rco()in fid) bei foldjem 
Umfang 9J]agen unb Seber flüd)ten. 
®a^ fie oerfdjoben roerben, aus 
i(}rer natürlid)en Sage gebröngt, 
ift felbftüerfiänblid), unb ba§ bie§ 
für bie @efunbl)eit unb bie un= 
entbef)rlid)en ^-uuftionen unferel 
Crganismus nidjt g{eid)gü(tig 
bleibt, ift rooI)I aud) jebem begreife 
lid). ^ig. 58 gibt ba§ ^rofil 
einer gefd)nürten unb einer un= 
gefdjuürten raeib(id)en ©eftaft unb 
jeigt un» bie burc^ t)a§ Horfett 
eintretenben 33er änberun gen beut= 
lid). Stnbere 9^ad)tei(e befpred)en 
roir nod) im folgenben. 

^anu rid)tct fid) bie 5Re= 
formberoegung gegen alle ^rucf^ 
roirfungen, gegen jebe unnü^e 
33e(aftung be§ Hörper§ burd) 
Äteiberüberma^ unb befämpft 
barum bie engen 9ioctbänber unb 
©trumpfbäuber unb — ben raeibUd)en 'üRod. ®r ift ein ^emmfd)ul) für bie 
freie förper(id)e 33etätigung ber %xau, ein Staubfänger, bie Urfadjc oieler 
9)liJ3bräu(^e Ijiufid)t(id) ber Unterfteibung unb ba()er oft rec^t luftig. ^-iBcr fid) 
im 55abean5ug getummelt, roer bie „5^(eiberIofigfeit" im Suftbabe offenen 
<3inne§ genoffen, ber fann nid)t fagen, bafj ein langer, enger ober fdjiuercr Oiocf 
ober gar brei S^löcfe, roie fie bie meiftcn Jr^ii'^^i^ tragen, eine 'Jlnncljmlic^feit 
feien, ^ei jeber emft betriebenen 9)]ui§felarbeit, feien e» Spiele im freien 
ober S3ergfteigen, 9^abfat)ren ober Diubern ufro., I)inbern bie langen 9\ücte 




t 



-,//^K 



fjig. 57. Sportfoftüm. 



134 



Sv I e i b u it ß. 



ungemein, unb ntemalg luivb eine baniit beffeiDete %mn mit 9Jlännern auf 
bie ^anev ©cl)ritt Ijalten fönnen. ®ie böfen SBilje, bie I)in[icl)t(icl) ber 
n)eiblid)en Sei[tnng§[äf)ic3feit bei 9(n§f(ügen u. bgl. feiten§ ber ^Jlännermelt 
genmcljt luerben, finb oiel meljr auf Stuften ber gerabeju mitunter unfinnigeu 

iltcibung ju jel3en, ai§ auf angeborene 
unbcbingte förperlidje Sctjuiäcne ber 
^rau. Ser in engen, jierlidjen ©d)uf)en 
ftedft, oermag natür(id) uicijt lange be= 
fcl)merlidje 25?ege surütfäu fegen; rceffen 
^ruftfafteu fünftUd) eingeengt ift, reid)t 
mit feinem 5(tem nid)t roeit, unb ina^renb 
anbere rüftig weiter fd)reiten, mu^ er 
erfcl)üpft innehalten; raer ein paar 
^V6d^ 5u tragen unb noc^ einen (Sonnen- 
fdjirm 5U Ijalten I}at, ift ju anberem 
nict)t meljr uiel braucljbar unb ernuibet 
uiel fi^neller al§ alle jene, bereu Se= 
meglidjfeit für 2lrm unb 53ein gar nid)t 
beljinbert ift. 

9}tan betrad)te bagegen bieSeiftungeu 
einer sroerfmäfjig gelTeibeten Stouriftin. 
3Bie ganj anber^ geigt fid) un§ biefe! 
S^einerlei S3eengungen, 93e[aftungeu, 
^eljinberungen, bogegen ungel)emmte 
33en)eglid)feit, Ijeiterer ©enufs, unb ftatt 
ber 3cicl)en Ijeimtidjer @rfd)öpfung — 
iibcrrafdjcnbe 9tu§bauer; man aljme iljr nad)! gig. 57 geigt un§ ein 
5Tofliim für Spiel ober 3^abfal)ren, ba§ fid) uortrefftid) bciuäl)rte. 

33ercd)tigung Ijat ber mcibUdje 9iocf 
nur Dom ©tanbpunft ber (Sd)önl)eit au§. 
1)k Ijerabmallenben „füefjcnben" ©eroänber 
finb fdjön (ber moberne facfartige S^vocf 
ift aber nid)t fd)öu). Wu\\\ betrad^te 
nur g-ig. 71 bi§ 73 ber ^-rauentradjten 
(Seite 143). 3S>eld)er ^-altenunirf, roetdje 
"plaftif in ben g-ormen! ^a, ba§ finb 
fd)üne Kleiber! 

■»Jüemanb ift gel)inbert, berartige§ bei= 
5ube(ja(ten 'i)a, moljin e§ geljövt: im ,s^an§ unb im Salon. (£§ foll 
feine^roega beftritten merben, bafs bie uerfdjicbene ^i^efleibung§ait ber 
©cid)(cd)ter einen gcmiffcn belcbcnben ^Heig ausübt, burd) beffen 33er(uft 
am)) Sdjün()cit unb ^ilnniut Ciinbufje erleibcn mürben. ®ie ^SorfieKung, 




^tg. 58. I. SBciliUc^er üövpev o^nc ^uvfctt. 

1 53vuftl)öl)te. 2 3nicrd)feII. 3 83niid)l)i3[}le. 

II. f^^ormüciöubcj-Hitn bjirrf) bo§ fiovfctt. 

(S)ie uvfpriinglidje g-övm im Uiurifj mit 

eiiun'tvaflcn.) 3!arf) ^^icfinfon. 




&ig. 59. L üucrbjirrfjfrfjititt icv 

Uuitgc itormni. Li £lucrbiirrf)fd)nttt 

ber ÜHiific im ftorfctt. 



Jt leib uufl. 135 

bof? 9Jlnnner iiub ?^vaucu, alte imb junge y,l(enict)eu auSnaljuic^Iog in 
bmifelfarbige S3einf(ciber gefted't luerbeu joden, Ijat fidjcvlid) iücf)t oiel 
Sliiäieljeube^; ja, eine geiüiffe 93evarmnng in ben nuf3eren Seben^erf^einungen 
würbe burd) Giiitönigfeit in ?vüvm unb ^avbe unb burd) eine otl^u ftarfe 
53etünung ber prafti[d)en ^wede/ foiüie ber aügcntein geiuorbenen 9tüd)tern()eit 
in Stimmung unb 5^(eibung bie beflagenSraerte ^olge fein. ®iefe 9iid)tung 
füü unfer 33ud) feine§iüeg§ beftärfen! 

^m ©egenteil; eä foÜ bo§ ^er[tänbni§ für maljre (3d)i3nl)eit unb iljre 
^sf(ege mecfen fjelfen auf ©ritnb eine§ natürüdjen 2inne§, eine§ gefd)ärfteu 
Urteile!, ©erabe biefe! forbert un§ aber auf, SJlifjbrändje, .llnsrcecfmä^ig^ 
feiten aufjubecfen unb gu befämpfen, fomte t3ernünftige Dieformen ju unter= 
ftü^en. 

3(ud) bie l)eutige 9)]ännerfleibung ift un[d)ön unb bcbürfte grünbtid)er 
9icform; fie nac^5ual)mcn märe ein fdjmcrer, feljr bebauern^merter ^^eljler. 
3Birb Don einem „meiblidjcn ^-öeinfleib" gcfprodjen, fo flcÜe man fic^ ja nid)t 
ba§ ^eute üb(id)e männlid)e „©eljäufe" vox, ba§ ebenfo unförmlid), mie 
unl)i)gienifd) ift. '3)iefe9 mürben mir nicmali? befürmorten. 

®ie faltige 33cfleibung, befonberg be§ Unterförpcrs ber Jrau, ent- 
fprid)t nid)t nur einer iiiell)iinbertjäl)rigen ©emotjulicit, fonbern and) bem 
meiblid)en (Sd)anu]efül]l, ba§ unuerljüllte ^^ormeu nidjt gut erträgt, ßmar 
tut an&i Ijier ©emoljnljeit fet)r uiel, aber nur bei langfamen Übergängen; 
Sprünge fönncu feine gemad;t merben unb flof^en nur auf Ijarten S5>iber= 
fprud). Seien mir baljer bemüt)t, tim Straf^enroct' müglid)ft ju reformieren 
auf Chninb einer nerbcfferten llnterfleibung unb uollftänbiger 3(bfd)affung 
be§ Sd)nürlcibe5; Ijcben mir ben Sinn für 3trbeit5= unb Sport^fleibung, 
unb bann mirb fid) uieleS int meiblid)en ^eben beffern. "^^en malleubeu, 
faltigen ^^rauenrorf mollen mir bort, mo er unei nict)t ftört unb mo er 
nidjt fd)abet, feine^omegS ganj oerbanncn! (Sx ift mit unferen 9]orftellungen 
Don SÜM'irbe unb 5ieufd)l)eit ber ^rau unlö5tar ucrfnüpft, allerbingy aber nur 
bort, mo er fid) ber anlifeu 3^orm näl)ert. i^mifdjen feinem Gilrem auf ber 
einen Seite — ber djinefifd)en (Snge unb liberlabung — unb bem burfd)i= 
fofen (Sjtrem ber ^Keformfleibung auf ber anberen Seite bilbet er einen 
moljltuenben ü^uljepunft. 



Druckwirkungen der weiblichen Kleidung. 

überall ba, mo ber Säfteflufj tu Si)mpl)gefäf?en ober 'in-nen ber .C^aut 
ober gar in tiefer gelegenen Organen get)emmt mivb, fei eö burd) äufjcre 
5(uflagen, burd) 53änber, Sd)nallen ober (*i)ürtel, t'ann man uon „2)rurt'- 
mirtungen" ber itleibung fprecl)en. (S)emol)nl)eit flumpft aber fo ab, baf? 



lye 



S? r e i b u n g. 



man oft fd)on ied)t bebeuteuben ®rucf nid)t mef)r empfinbet. '3)te§ ift aud) 

bie Utfac^e, irarum fid) fo üiele graueti im 5?orfett=^anäer „raoI)l" fütjteu 

iinb mit 9]a^bnt(f erfläreu, bo^ 
fie ot)ne benfelben nid)t befteljen 
fönnen. (Siet)t man aber anbete 
an, wie fie \i6) abenb§ betjagUc^ 
[treden, wie fie tief anfatmen, 
menn ^orfett, 9?od"bänbei% Untere 
fleiber von i{)nen obfallen, bann 
bleibt man nid)t meljr im Un= 
Haren über bie SBirhntg ber 
roeibti^en 5^(eibnng§ftü(fe. ®ann 
betrad)te man bie roten ^ant» 
falten nnterljalb be§ Rnte^, uon 
©trnmpfbänbern t)errül)renb, unb 
Die oiel größeren um bie Seibes^ 
mitte, burrf) '^änber, ©ürtel unb 
Den ©d)nür(eib entftanben, bie 
roten ^^terfen auf bem .^alfe 
üom fteifen ^al§bunb, oon f(^arfen 
.•ilragenf'anten, ober gar bie mi^* 
t)anbelten 3^ü^e mit h^n oer^ 
bogenen ße^en, ben §üt)ner' 
L-j äugen ufro. 

SCBieoiel 9Jiipanbtung Der 
armen ^aut, raieoiel ©eraalt 'i)^n 
nad)giebigen Steifen be§ Drga:» 
ni§mu§ angetan! (©iel)e 3^ig. 59.) 
^afB fic^ bie Söirfung ber* 
felben mit ber ^nt fummiert, baf3 
fie 5U bleibenber SSerfümmerung 
fü()rt, ift begreifüd). 

3ln einem gefunben Körper 
l'inb alle 2:;ei(e ftet§ gteicl)mä^ig 
erroärmt, unb ^(utanfammlungen, 
fogenannte ©tauungen, gibt .^§ 
nirgenbS; foraie aber Der (Söfte= 
ftrom infolge äufseren ^rud'e^ ge- 
l)emmt ift, ert)a{ten rair eine met)r 
ober minber fict)tbare ©rraeiterung 

ber STeile unterljalb ber ^rucEfteüe, raenn ber (Säfteftrom \\a6) aufraärt? 

ftattfinbet. ^ei ben 2{rmen unb ^Beinen, ben ©(iebmaf3en, ftvomcn bie 




^-ig. f^O. enuflttitcru l>c§ üBchtcg (£i)mpf|gcfäfec). 

1 ©rötere ©tämnie ber 8t)nipf)gefä&e an ber 

9(n^en[eite bc§ 5Seittc§, 2 be§ g-u&ritcfen§, 

3 flciuere Stäimudicn ber ©ol)Ie, 4 ber S8eu9e= 

feite ber 3ßJ)ß"- ^"'^' ^avtmann. 

Surc^ auecffUber=einfprt6iing fenntrid) gemad)!. 



st t e i b u n g. 



137 




5lürperiäfte beni 9;umpfe 5u; ein [eftes ■2trump[baub i"d)nürt alfo ben Unter* 
fd)eufel üüin Cbcr[d)enfe( ab unb I^emmt ben Säfteftrom ber Seine. (Sd)nürt 
man e§ su feft ju, fo fd)roillt ber Unterjc^enfel merflic^ an, bie @e[äf,e treten 
cor, rate el uni'ere 3eid)nung ^-ig. 61 als Stauungsroirfung jeigt. g-inbet ber 
Sruct nmpig, aber burd) otete ^afjre ^inburrf) ftatt, fo ift aud) bie Söirfung 
barnad); tangjam bilben fid) erroeiterte 23enen auv, beim einen ine£)r, beim 
anberen raeniger, ober es ftetlt fid) eine 2:räg()eit beg (2öfteftrome§ in ben 
Seinen ein, bie fid) in ben berü(}niten faüen ^^ü^^n ber ^yrauen ännert. 

©anj äljntid) rairfen natürlid) aud) ein feftfi^enbeg 5^or[ctt, enge 9{ocf= 
bänber ufra.: abj(^nürenb, l}emmenb unb (Stauungen erjeiigenb. Sie fmb 
am 9iumpf aber nid)t fo beut(id) (jeroortretenb, eignen 
fid) raeniger jur 'Slavfteüung; baljer raä()(ten mir bas 
Sein unb bas altertüm(id)e Strumpfbanb, tia§ auf bem 
Sanbe oft nod) au§ Seber t)ergefteüt rairb unb barum 
gerai^ ün<i) gut (jält unb „feft fi^t". — 2(uf ^-ig. 60 
fet)en mir ba-S 2i)nip[)gcfä^ne^ unter ber ;^aut unb fönnen 
un§ barna^ üorfleüen, roie eine Slbfc^nürung rairfen 
niu^. Stuf ber näd)fteu ^^^^ji^^^^^ö (5^9- 61) fetjen roir 
ein „^rampfaberbein", eine Stauungsrairf'ung, burd) bie 
SIbfd)nürung unterljatb bes 5^nie5 aümäfjüd) entftanben. 

'2)ie (Stauungen, bie im Secfen er5eugt werben, finb 
oiel ernfterer 9iatur als jene äu^erlid) fii^tbareu am 
Seine, benn fie betreffen unfeve roid)tigften Organe, 
Seber, 9)]it§, ^arm, ©ebärmutter ufra. 

(Sie äußern fid) burd) llnbeijagen, ba§ fid) biB 
5um (Sd)mer3 fteigcrt, bann aber in bteibenben Ser= 
grö^erungen unb Serunftattungen ber genannten Organe 
mit alten it)ren ^yi^^Sß"- -^lan rairb raenig mobifd) get'leibete ^-rauen finben, 
bereu innere Organe tabedos finb in bcjug auf 3^-orm unb 5age, unb barum 
aud) bas I)äufige fd)led)te 2(usfel}en, tia^ plü^Iid)e Unrootjtfein bei Manien 
in ©efe(tfd)aften, bas man bei ben iUlännern gar nid)t fennt. 93lan üer= 
gteid)e aud) nur ben loderen, faft brucffreien Slnjug ber 3}Mnner. Sie I)aben 
feine Strumpf- unb 9iodbänbcr, fcinertei 5lürfett, feine bie Seraegtid)feit ber 
©lieber bet)iubernbe Einrichtung! 

SGßarum aber foüen fie bie ^i^auen l^ahen'^ Gs ift gar fein Grunb 
baju Dor^anben! ^JBenn fie es nid)t motten, braud)cn fie e§ nid)t. 9J^üd)ten 
biefe :^Q\kn fie anregen, biefeu Sitten ju ibrem eigenen Seften ju pflegen. 

%k für bie ?5rau gefäl)rtid)fte "^^rucfrairfung ift jene auf bie Orgone 
ber Secfent)öl)le. 2^iefelbc entftel)t immer burd) ben ^rurf, ben ein gut, 
fi^enbes Worfelt mit feftem Sland)et (bem üblid)en breiten (Sifcnftab) auf ben 
Saud^ ausübt. Unter natürlid)en Umftänben quillt bicfcr uor, ebcnfo raie 
bie Ruften, bie ni(^t eingebriicft, fonbern nad) unten gcfdjoben racrbcn; um 




23cin mit Jtrompf= 

abcru imi) citgcm 

Strumpfbanb. 



138 



5^1 ei Dung. 




%\Q. 62. !iSorniärt^Heiguiig öcr ÖJciärimittcr. 

1 9?id)timg be§ ®ntcfe§. 2 ©efüüte ^axnv^ 

fd)lingen. 3 äl^aftbarm. 4 8d)eibe. 5 Skbel. 

6 ®ebätimittcr()ö()Ie. 7 93(afo. 



aber eine jrf)(anfe Seide^mitte 511 erzielen, fiub befouberg bicfleibige ^^-raueit 
bemüljt, ba^ fid) ctina^S 5iibrtnölid) gebevbenbe 33äuct)(ein 5ufaiumen5uquetfd)eu 
unb e§ mit a}cad)t nad) iiutcii 511 fdjieben. ®ie§ wirb bann aud) prad)tuoU 
burd) ein flrammsS iTorfett erreid)t! ©ielje gitj. 58, jraeite^ ^^rofil. Slber 

mit meld)en ^oltjen? ©eitlid) !ann 
nid)t oiel ansmeidjen, ba ber ^anser 
aud) bie Senben snjammenbrürft , 
aljo rcirb juerft bev 3)tac3en nac^ 
f)inten cjebrängt, bie ^armjd)(ingen 
nber nnd) unten gefdjoben, unb bie[e 
fdjaffen fid) in ber Q3ecfen^öf)(e 9^aum, 
lüie e§ etma gerabc fonimt. ©ielje 
^-ig. 69 unb 70. 3inb bie ^arm= 
fd)lingen nid)t angefüüt, mag e-^ mit= 
unter noö;) geljcn, meit ber ganje 
^ecfeninl)Qlt meid) unb t)erfd)iebbar 
ift; fomiebie» aber nid)t sutrifjt (unb 
bie§ ift fü I)äufig ber ^aU !), ober menn 
burd) (Sinlngerung von ^ettnmffen bie 
SSerfd)iebbarfeit Der inneren 2:ei(e fid) oerminbert, entfte()en nad)roei6bare 
<3:rucfmirfungen. ®ie ©ebärmutter, an .^äuten locfer befcfligt, fann fid) 
na&) allen ©eiten legen, je nadjbem ein <3)rurf oon irgenb einer Seite auf 
fie einmirft: fie (ä^t fid) alfo nad) lints cerfdjieben, menn red)t§ fd)roere 

'3^armfd]lingenfid) ausbreiten (ober 
menn fid) eine G)efd)mulft ent= 
roictelt), unb fie mirb nac^ o or n ge« 
brürft, menn gefüüte '3?armfd)nn= 
gen fid) an if)re f)intere (reite an= 
legen. 2>iele cmpfinblid)e grauen 
tjaben baljer einen ®rud fd)mer5 int 
33ecfen, folange fie enge 5l(eibung 
tragen. (Sr follte motjl bead)tet 
roerben ! 

llnfere ßeidjunngen uer^ 
anfd)auUd)en bicfen fetjr I)äufigen 
^uftanb. (Sr erflärt un§, mar um 
fo menig grauen bie Gebärmutter 
in ber ^^citteUinie be§ ^"Uirperci 
I)aben, unb marum etma bei jeber brüten ober uierten ?^rau eine ^er[d)iebung 
üorf)anben ift. (&^ fei Ijin^ugefügt, baf3 eine nid)t bebeutenbe 9Serfct)iebung 
unmid)tig ift, fo(ange bie ©ebärmutter frei bemegtid) geblieben, ober nid)t 
allgemeine (Srfdjlaffung ber ^.Ihitterbänber eingetreten ift. 




f^ig. 03. SBonuiiit,' iUiictuitg iicr (ycbnrmittter. 

1 Slnidi'teae bev ©cbänmittcr. 2 ai^aftbavm. 

3 9{id)tung be§ SrurfeS. 4 ©ebrürfte 53Ial'e. 

5 ®d)eibe. 



st l e i b u n (^. 



L39 





3-ig. 05. öefulcftc Jorut. 
1 ®ebärmiittcrl;öl}le. 2 3d)eibc. 



'^ig. 64. 9torma(c ^oxm. 

1 ®cbävimitter. 2 Sd)eibe. 



^•inbet nun frf)ün in bcn ^alj^en bcr Gntuiicthnifl ein t](eicl)mäf3igcr 
®ru(f Don einer beflinnntcn (Bcitc au» ftatt, 5- 53. von oben bnrc^ ba§ ilorfett, 
unb fmb alle Seile fe()r rocici) nnb nachgiebig, mie bie^3 bei jungen bhitannen 
9}]täbc!)en [tet§ ber gaÜ ift, fo eut[tel)t je()r (eid)t eine ^^orniüeränberung 
bei§ Uteru§fürper!§ unb gioar in ber äBeife, bafj berfelbe nid)t nur nad) 
Dorne gebrücft lüirb, fonbern in fid) felbft einfnirft, lüie 
bei gig. 63. 

Sir befommen bemnad) au§ ^-ig. 62 allmälilid) 
^ig. 63 ober 66. ®ie ©e-- 
bärmutter (iegt oft auf ber 
:ölafe unb geftattet nid)t 
meljr normale 53(ut5irfu= 
(ation, raeil burd) bie balb 
fid) oer(]ärtenbe S^nicfftelle 
begreiflid)eraieife aud) bie 
©cfä^röljren gebrücft unb 
oerengt werben, ^afjer fo 
I)äufig bie fdjmer^Ijaften SJIenftruationen ber 3[Räbd)en ober bei uuljeilbarer 
3>er{järtung ber i^^nicfftetle Unfrud)tbar!eit fouft gan^ norniater junger 
?3^rauen. 

Dt)ne ernfte ^^otgen bleiben fotd)e '3}rucfioirfungcn für ben iüeibUd)en 
Körper, bie — man bead)te e§ root)(! — oft mit bem erften ilorfett ber ä^ier^^ 
äel}njä()rigen beginnen, nur bann, menn eine fräftige 5tonftitution unb luiber^ 
ftanbsfäijige ©eraebe üble (Sinflüffe 



au5g(eid)en, inbcm bie brucEfreien 

Stunben nad)t5 im 53ette unb bei 

Jag, beoor Toilette gemacht mirb, 

genügen, ben normalen ^iM^anb 

immer miebcr I)cr5ufte((en, ober 

roenn nebenbei burd) t'räftigenbe 

!i0hi§t'elarbeit ber Crgani§mui§ fo 

mibcrftanbyfä()iggemadjtn)irb,baf5 

i[)m ein paar otunben anfjattenber 

'^xnd nid)t oiel anf)aben fönnen. 

9)lan finbet oft fräftige :^anbfd)ön- 

f)citen, bie fid) nur bei feiertidjer 

©etegenl)eit (unter tapfer ertragenen Qualen!) fd)nüren unb im übrigen bei 

^elb= unb .^aufarbeiten (ocfer geftcibet gel)en, mett fie fonft gar nid)t arbeiten 

fönnten. ^iefe bef)a(ten fetten etmaS oon ber unocrnünftigen ^itte jurücf, 

aber — roie üiele tonnen fid) mit biefeu uergfcidjen'? So baben mir in ben 

(Stäbten bie rotbacfigen unb feften yJMbd^en, lum meldjcn man überljaupt 

fagen fönnte: „©ie ()a(tcn etma5 au!§?" 




^iß. 66. Söctfciitufjait Uoit oben ijcfcljcit. 

1 DJJanen. 2 9iid)timg bc§ ^^ucfc?. 3 ®avm= 

ld)liiuicn. 4 Caicvlicrtcnber 2)irfbarm. 
5 91ad) liiifS gebogene ®cbärmuttcr. 6 93(afe. 



140 



^ I e i b u n g. 



®o§ 5^enn5eid)en ber mobernen jungen ©täbterin tft ba^ fie nictit^ 
ausmalt unb ha^ bie 2lrt i^rer SSefleibung fie nod) rciberftanbgunfä^iger 
mad)t. 

®ie S3eljinberung ber 2ltmung§tätig!eit burd) ba§ Worfelt i[t eine ^otge 
De§ S)rucfe§, bie in oielen ©d)riften fd)on einge^enbe 58e[pred)ung fanb. ®te 
unteren Sungenlappen arbeiten weniger bei beengtem ^ruftforb unb bef)nen 
fi^ niemals ooüftänbig au§, bie gan^e 3ltmung roirb flad)er unb be[d)ränft 
fid) auf bie oberen Partien ber S3ru[t. (©ie{)e 3^ig. 59.) 

2öie rcenig 3^rauen fräftig unb rici)tig, b. t). mit allen Steilen beiber 
Lungenflügel atmen fönnen, erfö^rt man erft bann, roenn man fie uutei 
ärätltd)er Leitung Lungenggmnajttf betreiben lä^t. S^enn nic^t fd)on au§' 

gefprodjene Sungen= 

^ - 



fd)roäcl)e ober vkU 
teid)t einfeitige 25er- 
roacl)[ungeu be§ Sun= 
genfelle§ oor^anben 
ftub, fo ift nur bie 
mangelliafte Übung, 
bieja()r5el)ntelangein= 
iüirfenbe58el)inberung 
burc^ bie £leibuug 
bie Urfadje, ha^ bie 
meiften grauen ent= 
rceber ni^t tief ein= 
atmen ober ben 3ltem 
nicl)t an^lten ober 
nid)t grüublid) ausatmen fönnen. ©tet§ ift bie Atmung oberflädjlict), fraft= 
lo§, nici)t au§retd)cnb, unb erft burct) rcoc^enlange Übung roirb biefer ^^eljter 
rcieber ausgeglichen. 

@§ Ijei^t barum anä:), Xia^ ber 5IRann ba§ „3roerd)fellatmen" l)abe, bie 
^^rau ba§ „53ruftatmen", unb §roar be§l)alb, roeil eine fräftige @in= unb 3lu§= 
atmung ol)ne beutlid) füt)lbare unb fidjtbare 9Jlitroirfung bei 3n)ei-'^fell§ gar 
ni^t möglid) ift unb roeil bie ^-rauen burd) bie Beengung ber Sei bei» 
mitte ba§ 3Ji^^^'cI)fei^alii^en langfam oerlernen. SOBeld)e gro^e ^e- 
beutung aber ha^ 3iüerd)fellatmen f)at, lernt man begreifen, roenn man bie 
Sßirfung ber ausgiebigen 33eroegungen be§ ^^^^''^f^US auf bie ©ingeroeibe, 
cor allem auf ^JJagen unb ßeber, erfannt Ijat unb bann beobad)tet, roie 
anberS fiel) ba§ 2ttmen geftaltet, roenn bie unteren Sungenlappen mitarbeiten, 
^eber fann bie§ an fid) ober feinen ^inbern nad)prüfen! 

Unb be^roeifeln grauen, ba{3 fie burd) ba§ Slorfett, an ba§ fie fo ge^ 
rcö'^nt finb, im Sltmen bet)inbert feien unb be'^aupten fie immer roieber, „es 
brücte nid)t", bann laffc man fie boc^ ein fteineS ©jperiment auSfül)ren, 




^ig. 67. 5flu§otmung. 



%ia,. 68. einatntung. 



Sl I e i b u n g. 



141 



Damit fie fid) überäeugen, ba§ tiefe Einatmung mit bem i^orfett unmöglid) 
ift: man laffe fie bei ruhiger Gattung grünb(icf) au§almen, lege bann bal 
Rovfett an unb jeige if)nen, ba^ e§ ftd) anftanbefü» fd)(ie|3eu (ä^t. ^ann 
öffne mou t§, o()ne el ab^uneljmeu, unb laffe tief unb (angfam einatmen unb 
ben Sltem anhatten, unb waB ergibt fi^? ^aj3 fid) "iiaä ^orfett o\)m @e= 





i^ig. 69. Slnturltdjc Söge bcr Saitt^organc. &ig. 70. Serfc^obciicSnfic bcv SPaut^organc. 

1 Sunge. 2 Seber. 3 SJiagen. 4 5)icfbarm. 5 ^üiiiibarm. ^-8(Qi"e. 

9lacf) Dr. Sa^mann. 



roaftanraenbung uid)t fc!)(ießen (ä^t, fonbern meift uier ^-inger breit flafft, 
lueil ber iöruftforb fid) bei uoüftänbiger güdniig ber Suni^cu um einige 3ßnti= 
meter erweitert. (2ie()e ^ig. 67 unb 68.) 

Stecft man im ^anjer brin, fo üermeibet man inftinftiu folc^e 2;ief- 
atmnug, unb bie 55-o(ge ift natürlid) bteibenbe 33erengernng ber unteren 53ruft* 
qegenb unb ber Ccibe^mitte foroie mangeKjafte :S?ungen(nftung, unb bann — 
briirft ba§ Jlorfett aüerbingg bie Sunge nid)t. 

"3^ie (Scl)nürfur^en um bie ^eibe^mitte entftcben nod) meit tjäufiget 
burd) bie ^Hodbänber a(§ burd) ba§ 5?orfett unb [)ah^n fe()r nad)teiüge {folgen. 



142 SIeibung. 

®er '^xmt ber jd)malen Räuber trifft bie TOerengegenb , bie 9)iil5 unb bie 
Seber. ߧ ift nicljt oljiie Urfarf)e, bafa üerl)ältni§mä^ig üie(e ^^i^aucn an 9)lageu= 
fenfung unb 3iiereuoerfc^iebung leiben, unb e§ l)ängen biefe bef(agen§raerten 
(Srfc^einungen innig mit ber 93ef(eibung sufonimen. Um eine Sjorftellung 
üon ber 5Bevfd)iebung ber Ijöljer gelegenen inneren Organe 5u geben, bringen 
mir noci) bie 3ßif^i^ii"9en ciu§ Dr. ^aljmannS „'S)ie Siefornt ber 5^Ieibung", 
meil fie un§ bentlirf) geigen, mie ber ^idfbarm nac^ unten manbern mu^, 
mie fiel) 9Jkgen unb :^eber oerfc^ieben (3^ig. 69 unb 70) unb raie bie „2ßanber= 
niere" fnnftlid) an§gebilbet mirb. (©ielje ^eilfunbe „Söanberniere".) ®ie 
oerh'immerten 9\ücfennin§fe(n fann man nid)t gei^nen, notf) meniger bie bnrc^ 
Slleiberbruct enlfleljenbcn inneren (Stauungen. 

US 

Betrachtung der frauentracbten vergangener Zeiten. 

(£rft wenn man roeif3, mie ein "^ing geworben ift, raei^ man, wa§ e§ 
mirHic^ ift! ^csljalb ift ein (Spaziergang burd) bie üergangenen ^aljr- 
l)unberte fel)r leljrreic^ unb intereffant, nicl)t nur um ber ^rauenmelt ben 
2Bed)fel ber SRoben gu geigen, fonbern cor altem iljre SSerirrungen. 5tbeic 
and) SSoräuge treten ba unb bort auf, bie nid)t minber ber 33etrad)tnng raüibig 
finb. (Sie alle geben nn§ neue 2lnregungen, geigen un§, wa§ mir gn meibeit, 
ma§ mir gu erftreben I)aben. 

SBir beginnen bei ^-ig. 71, ber ©riecl^in. ^reie 5(rme, freier |)af§, 
mie fonft bei feiner anbcren ^^igur! 5^eine Trennung be§ Dber= unb llnta-^ 
förper§, einfacl)er galtenmnrf unb bod) oollc ©ntraicttung ber natürli(^en 
roeib(i(i)cn ^-ormcn, einfadje aber fdjöne üianbüergierungen, feine fc^leppenben 
(5)eroänber. '3)ie llnterfleibnng mar fe!^r bürftig; benn bei feiner anberen 
3:rad)t tritt ber Siörper fo unuerijüllt fjerüor. 93iel oerf)üUler, erufter, 
ftrenger, aber immer noct) fd)ön, erfd)eint baneben bie Sfiömerin. ©ie 
tjat fd)on einen 3Xnfat3 gum 9trmet unb Derfd)mäf)t allen Qmat. ©er 
reid)e, präd)tige ^^altenmurf forbert ben 33ilbl)auer auf, mit feiner 2lrbeit 
gu beginnen. 

SCöie fid) in bem !;?aif3eren biefer gmei Figuren ©eift unb 2zhen ber 
SSölfer, me(d)en fie entnommen finb, oerrät! .^ier ha§ fonuige, (Sd)önl)eit 
liebenbe ©riedjenlanb, üon beffen 33auten unb ^beolgeftalten mir Ijeute nod) 
gel)ren, bort ba§ madjtuoUe 9?om, ^a^ \m§ ©efelje ^interlicjj. 

9SoÜ 9ieig unb natürlid)er Slnmnt ift bie ©ermanin, ^ig. 73. 3latür= 
lid) l)erabfallenbe§, loctigc^ .^^i^^*' ^i" 2(nfal3 gum ©i'irtel, ungefud)te formen, 
haä benfbar (Sinfad)fte in iileibnng unb Haltung. 

2In biefen bret ©eftalten finb feinerlei SSerirrungen ober Unfdjön^eitcn 
gu entbeden, fie fönnten al§ mnfter^fte ©runblagen bienen. 



*ru e i ^ u n a,. 



143 




%\g,. 71. 05rtcrf)tit, ^^ig. 72. 9{ömcriit, ^-ig. 73. üicrmrtutu, %xa,. 74. 5J^i)^nittiui)(l)c 

um 450 ü. (sbr. 5UV Seit Ptnifti, um 150 n. C?()r. Xrnd)t, 

unflcf 0. 3. 500 bte; 1000. 




um 1100. um 1350. um l45o. um 1500. 



f rauentracbtcn aus früherer Zeit. 



144 



S? I e i b u n g. 




%ia,. 79. 2)eutfd)c Irnrt)t, ^-ig. 80. 2vnutjd)c 2rad)t, %ic\. 81. J^-rnnsöfin, 



um 1520. 



nom 3al}ve ItJOö. 




3-ig. 82. 
^CUtft^C uom <sal}xe 1640. 



3iö. b:]. f^ig- 84. 

^iofofomobcn (fransönfrfi) nom 3a()re 1730 unb 1780. 



f raucntracbtcn aus früherer Zeit. 



S I e i b u n g. 



145 




g^ig. 85. g^tg. 86. 

3ctt b. frans. Otctiotut. 

1790. 1810. 



3?ig. 87. f^ig. 88. 

Woben i»c§ ncunjcl^ntcn ^n^rljnniicrts 

1830. 1860. 




3-ig. 89. S-iS-90- f^iS- 91- &iö- 92. 

SUJobcu be§ ncun5cl)ntcn \3«t)rl)nnbcrt£!. 

1880. 1S85. lS9ti. 1900. 

fraucntraAtcn aus früherer Zeit bis $ur Gegenwart. 

Ste ü"i^au alä ©ausävättn. 



10 



146 incibung. 

3Siet gejudjter, un[cf)öner, unpraftifc^er erid)eint bereite ?}ig. 74, bie 
bgäantiitifdje 3:raci)t, it)etd)e jatjvljunbertelang bie {)erri"d)eube roar. 'üler 
dlod ift bem mobernen merfroürbig ä^nli^, ber 9JlanteI roeber römijd) no6) 
gerniQuifd), aber bei {)erab^ängeuben Slrmeu ein f)ä^(ic^e§, ungefd)icfte§ ©ing. 
(5d)öuer Ijat if)n inib neuartiger bie g-ransöfin au§ bem 11. 3al)rl)unbert 
bei ber rair §um erftennmte bie beutlid) burcl)ge[üf)rte S:rennung ärai[d)en 
Dber- unb Unterförper finben. (Srfterer f)at eine [alteulofe öebecfimg, im 
greüften ©egenja^ §u ben brei erften fyisiii-'si^/ unb, bie§ ift bead)ten§roert, 
fie geigt un§ ben 2(nfang ber fran3Ö[i[ci)en „^Taille", einer ©runb[orm ber 
lueibü^en 5^Ieibuug, bie hü§ gange grceite :öaf)rtaui"enb bef)errjd^t. Qn ben 
bent'barften SSeränberungen finben roir bie 2'aiUe in ben fpäteren ^aljr» 
f)unberten. Siunb unb fpi^, breit unb fd)mal, gfatt unb faltig, com Dlatür- 
Iid)en gum SDIi^geftalteten auffteigenb, wie in ^-ig. 76, 80 unb 81. ®en 
langen fdjmalen Strmel fülirte bie grangöfin, gig. 75, ein, bie fci)Ieppenben 
©ercänber raed)feln mit ben anfto^enben; i5en erften „fu^freien" 9^oc£ feljen 
mir bei ber ^rangöfin im Sieifroct 1780, bann §u SInfang unfere§ ^a^x- 
Ijunbertä bei ?j^ig. 86 unb 87. ®ie Srmel fangen erft oom 11. 3aI)i-'I)unbert 
an, eine bebeutenbe ^^olle gu fpielen; entraeber I)ängen fie in boppelter (2d)icf)te 
mit gri3^ter (5tofft3erfd)raenbung bi^ gum ^oben I^erunter (ficije JiS- 75 unb 77), 
ober fie roerben gu ^iefenpuffen aufgebaufd)t, mie bei %\q,. 79, 87 unb 91, unb 
uerfdjieben bie natürlici)en 9Serf)ä(tniffe ber menfd)licl)en ©eftalt oollftänbig. 
Sann finb e§ bie ^opfbebecfungen unb ^aartrndjten, bie gredem 3Sed)fe( unter= 
liegen unb nur feiten natürlid)e ScEjön^eit geigen. -Unmutig ift ber ^opf ber 
2)eutfd)en, ^ig. 82, mit breiter natürtidier STaiUe (1640); nid)t of)ne S^^eig ber 
5lopf ber ?3-rangöfin, ^-ig. 86, fo roie übert)oupt beren gange i^Ieibung natürlid)e 
33^rf)ättniffe unb gier(id)en (2(^mucf geigt; befd)eiben ift ba» .^ütc[)en ber ^-ig. 86. 
mfd)eulid)e ^arifaturen bagegen finb ^ig. 80, 81, 83, 84, 88 ufro. 

(Werfen mir fd)nell einen ^ücE auf ^-ig. 71, 72 unb 73, bamit mir 
ben ©tauben an bie menfd)üc^e (5d)önt)eit nid)t eiubüBen unb bie nad)» 
folgenben 2lbbilbungen beffer gu beurteilen cermögen!) 

Sie .^errfc^aft be§ SdjuürleibS ift bereit» gu fef)en am Gnbe be§ 
18. i^atjrfiunbert», o(fo bei ^-ig. 84, rco es übrigen» nod) minberroertig auf= 
tritt, bann in beuttid)fter SCöeife bei fyig. 87, 90 unb 91; corljer ift befonber§ 
bei ben beutfd)eu 3:;rad)ten eine beru{)igenbe breite an ber Seibe§mitte gu 
fonftatieren, fo bei ^-ig. 75, 79, 82, 86. 

9}|it einiger (Genugtuung !önnen mir gerabe an ber öanb unferer 3lbs 
bilbungen nac^roeifen, tia^ bie ärgften 3Iu5fd)reitungen in ber raeiblid)en ^e* 
üeibung üon ^-rangöfinnen erbad)t mürben, fo ber 9?eifroc! (^rinotine), ba§ 
5lorfett, bie Ijoljen .^arfenfd)uf)e, ^ig. 84, ber überlabene ^u^, roie beim 
9?ofofo=^oftüm ufro. 3^ßi^tict)feit unb Stegang lä^t fid) ber ^-rangöfin jebod) 
meift nid)t abfpred)en; Derfd)iebene beutfd)e 2;rad)ten bagegen mad)en einen 
plumpen (Sinbrud SD^an oergteid^e g. S. %\q. 78, bie tangroeiligen, fteifen 



Rleibung. 



147 



faulten beS „^Bnuernrorfeg", bie ganje uiigef^icfte Haltung ber beutid)en 
S)ame mit bem 'Sld^ ber beibeu fran5üfiid)en ©eftatten in ^iß- 85 unb 86, 
bann bie (Srf)iüer[äüigfeit ber gau5en (Sri'ct)einimg in ^-ig. 79, ii)re Über* 
labung, ber jebe ßi^^^i^f^it abgeljt, im ©egenfa^ äu g-ig. 91 ober 92, 
rceld)e SJloben ja aucf) qu§ ^;pari§ famen, jroar überlaben, aber bennod) 
elegant finb. 

©benfo natürlich rate fd)ün [inb noc^ bie ®euti"d)en auf ?^ig. 73, 76, 82, 
bie einen geraiffen t)armoni|d)en (Sinbrucf ^interlaffen. 

2öir erje^en au§ bicfen Sctrad)tinu]en, bafs t>a'i 9^efürmfo[tüm rairflid) 
„etroa§ S^leueS" ift, b. I). fo 5mectberauJ5t unb of)ne bie genannten Über= 
treibungen ober j^efiler, roie e» nod) feine ^eit aufjuroeifen Ijatte. 3{m meiften 
nätjert eg fid) bem S^eoüIutionÄfoftüm (1790). 93erg(eicf)en rair e§ aber mit 
^ig. 71, 72 unb 73, fo erfennen rair, ba^ es jraar fel)r „praftifd)" unb feljr 
„mobern" ift, aber — oon jener rutjigen, antuen ©d)önt)eit aud) fe()r raeit 
entfernt. 



Untere BehUidutigsttoffe. 

(Sie raerben au§ (Bcf)afraol(e, SaumraoUe, Seinenfafer unb (£eibe an- 
gefertigt; ebenfo gibt e§ äat)treid)e 9)]ifd)ungen sraeier Sorten, 5, 58. oon Seinen 
unb Saumraode, (Scf)ofraone unb ^aumrooüe unb anbere§ mel)r. Seibe ift 
am teuerften, 33aumraoüe am biüigften. ^^bve Gigcnfd)aften finb I]infid)t(ic^ 
S5>ärme unb ^^eudjtigfeit fef)r oer= 
fd)ieben, unb biefer Umftanb adein 
foÜte bei iljrer 9Ba()t mafsgebenb 
fein. So fangt Sdjafraotle ^eud)tiiv 
feit gut auf, gibt fie aber fd)raer 
roieber f)er (fie bleibt lange feurf)t 
unb trodfnet fd)raer); 53aumraoUe |< 
fangt raeniger gut auf al§ 2BoIIe, 
trodfnet aber fcf)nener. 

3u hiftljaltigen ©eraeben t)er- 
gefteüt (porös!), finb fie ebenfo raarm 

raie burrf)(äffig unb f)i)gienifct); bie 33aumrao((e ucrbient bestjolb ben S^or^ug, 
raeit fie raeniger ^Iranftjeitsfeime aufnimmt, ficf) bcffcr raafd)en Iä{3t unb 
billiger ift; auc^ reist fie bie .Spout raeniger burd) il)re 'Jvflfcrn, al6 bie« bei 
ber (2d)afraotle ber %ai[ ift. Q3eibe finb fd)lec^te 3öärmeleiter, barum bie 
raärmftcn ^efleibungsftoffe. 

Seibe unb Seinenftoffe neljmen geringe 5Bafferincngcn rafd) auf, geben 
fie aber aud) rafd) ah, erzeugen bat)cr auf ber ^paut ein unangenef)me§ füble§ 
©efü^l, raa§ empfinblid)e ^^erfonen niemoll gut oertragen. 53eibc finb raeniger 

10« 




5>ig. 93. Xrifot. 



148 



!leibung. 




lüarm a(§ SBoüe, oIitdoI)! man je^t aud) aus Seibe unb Seinen ©eraebe ^er« 

fteüt, rae(d)e ftd) in if)ren ®igen]d)aften ber ^aumroolle näf)ern. 

2öir oerracifen an biefer (Steüe auf bie ©eraebe ber ^irrna ©c^ön* 

f)err in ^ö(n, n)elcf)e ber Seinenfafer, Die einen raenig günftigen 9iuf ^at, 

®igenfd)aften ber SßoUe p oerlei^en oermorf)ten. 

©agförmige Stoffe raerben Don (id)afn)o(Ie gut aufgefogen, ba^er ber 

9?uf)m ber ©c^afraollgeroebe, bafs fie niemals üblen ©erud) ^aben, aud) nad) 

löngerem fragen nid)t, 
roäl^renb ein Seinen^emb 
Don bid)tem ©eroebe na^ 
alter 2Irt fd)on nad) furjer 
3eit „ried)t", alfo üble 
^unftftoff e nid)t einfaugt, 
fonbern niet)r an ber 
Cberfläd)e t)ält. Socfere 
3:rifotgeraebe aus SBotle 
ober 58aumrooIIe laffeu 
bie "S^unftfloffe burd) unb 
faugen weniger auf; finö 

fie aber abgetragen, bünner geraorben, fo näfjern fie fic^ anberen ©eraeben unb 

„rieben" fd)neller. ®a§ finb alle§ raid)tige (5rfd)einuugen. 

Unfere Slteibung „roärmt" aber ni(^t nur burc^ it)re geringere ober 

größere 2öänneleitung§s 



fätjigfeit ober i^ren Suft= 
gef)alt, fonbern auc^ burd) 
i()re ^arbe, inbem fie 
barna(^ me^r ober roeni* 
ger S£^ärmeftra^len auf» 
nimmt („Derfd)Iuctt") 
ober jurücfroirft. ^rof. 
Dr. ^^^rau5ni^ fe^te bie 
3Iufnaf)me ber SBärme= 
ftratjten bei lo eifern 
§embenfd)irting auf 100 
alle anberen basroifdjen. 



g^ig. 94. 9Zcljftoff nadj ec^ön^err. 













.•| 1 2,'* i^ ? '.-vf »' p' l k^^i ^' 









gig. 05. ©ofjmnitnftfjc-s 3?cittir(tttoit§=®ctt)cI)e. 



208 finb, 



unb fanb, ba^ fd)roar§e ©toffe 
alfo rot = 165, I)eüblau = 198 ufro. 

SCöir I)aben barnad), roie e§ tatfödjiid) längft ©ebraud) ift, im „meinen 
0eibe" nid)t nur ba? I)eIIfte, fonbern aud) ba§ füblfte 5^(eib, im fc^roarjen 
bas bun£ elfte unb luärmfie, im grünen ein fü(}(cre» at§ im btauen, unb im 
l)eügetben ein füttere! at§ im roten. ®a^ bie 3Bat)( ber ^(eiberfarben roeber 
für ben 3iif^Q"^ unferer ^aut nod) für unfer 9leroenfi}ftem gteidjgültig ift, 
ift na^ bem eben eingeführten fieser; man fagt fogar, baJ3 beftänbig getragene 



S l e i b u n g. 



149 




%\q. 98. 5J3ubiici"f{)c iH'iitUntiou!g=(ycn)cbc. 



fd^roarje Kleiber „neroöl" machen, ^n biefer ^infid)t rcäre al[o ba§ roeiblic^e 
@e|d)led)t einmal oernünftiger ge!(eibet al§ ba§ mäun(id)e; benn e§ ift 't>a^ 
„bunte", ba§ namentüd) im Sommer in f)ellen ©eroänbern gef)t, mätjrenb bie 
SRännerroelt au§ if)ren fdiraeren unb bunf'Ien (Stoffen au^ in ärgfter Sonnen» 
glut feiten tjeraulfommt. %ex 9J]ann leibet barunter; benn er fdjroi^t un= 
fägli(^; er jögert aber bennoc^ mit einer burrf)greifeuben 9ieform. 

®ann unterfd)eiben wir bidjte unb burd)l äffige ©emebe. (Srfterc 
^aben ben graben bid)t 
nebeneinanber gerooben, 
o!)ne 3wifc^etti^äu"t^^ unb 
fmb root)l aud) nod), um 
eine geroiffe g'^ftigfeit ju 
erlangen, appretiert, b. i. 
mit ^lebftoffen (Stärfe, 
@ummi) nerbic^tet. ^a^ 
fie in fo(d)em ^iiftfi"^ 
roeber ©afe nod) '©affer- 
bunft burd) (äffen, aud) 
bie natürlid)e Söärme- 

ftrat)tung be§ 5?örper§ ()inbcvn, liegt auf ber ^anb. ©y finb alfo ungefunbe, 
unfaubere Stoffe. 

Sllle burd)fid)tigen ©eroebe bagegen finb audj burc^läffig (2JiuffeIin, 
Derfd)iebene S^üllarten), 
in t)0^em ©rabe finb e§ 
bie in ben legten ^a[}X' 
je^ten in 50^obe gefom» 
menen 3:;rifot = Unter=' 
!leiber. Sie fangen 
?^eud)tigfeit auf, laffen 
^unftftoffe burc^, t)in- 
bern ben £'uft5utvitt ^ur 
^aut nic^t unb {)emmen 
bie S[Bärmeftral)len nid)t 
bebeutenb, — fie finb 

alfo tatfäd)(id) gut als ^leibung§ftoffe. ®od) unterfd)eibet e§ fiel) mefcntlid), 
ob mir SCrüot au§ 3:ierrooüc ober ^^flansenmoüc benutzen ober lodere öe» 
roebe, au§ Seinen ^ergefteilt. ^a l'uft bie ^I«ärmc uicrmal fd)led)ter leitet 
al§ ber bcfte Söollftoff, fo ift bie 9lnl)äufnng ber £'uft bireft auf ber Apaut 
eigentlid) ba§ befte 9)litte(, um ^u märmen, unb ein '?Jet^unterl)emb l}at nur 
bie 5lufgabe, baä 3Jiafc^enl)emb (2:rifot) üüu ber .sjaut al\iul)eben. 

3Jian rü^mt biefe ^rt Unterfleibung feljr. (Sielje o'iö- ^-^ n'^^t' 




%\Q. 97. 5öubbcid)c i^cntiJotioH-5=(yci»cl)c. 



150 JJIcibung. 

Dr. Sßßalfer t)ebt au&} bie SSorpge ber ß;i)inagra§n)äfd)e ^eroor, 
iDelct)e bie SSorjüge ber (Seibe ot)ne beren 9^ad)tei( ^aben foü. 

33at)nbred)enb in ber 33efIeibung5reform roaren al§ erfter ^rofefjor 
:öäger, al§ §roeiter Dr. Saf)mann; fie I)aben Derfdjiebene Sfladjfolger gelobt. 

Unter ben neuerbingg begannt geworbenen Sf^eformftoffen au§ 33aumraolIe 
ift bal ©o^mannfc^e 33entiIation§geraebe unb bie ©efunbljeitg^ 
n)äfd)e nad) Dr. g^if djer^^üd elmann (58ubbe in 33ielefelb) ^eroorju* 
!)eben. @§ raerben erfterer gro^e 2ßeid)l}eit, 33illig!eit, ^attbarfeit unb größere 
®urd)Iäffig!eit a\§ alle Srifotftoffe fie Ijaben, nad)gerüt)mt. Um Derfd)iebenen 
2lnfprüct)en 9?ec^nung §u tragen, raerben bie @o^mann[d)en (Stoffe in oier 
Derfc^iebenen. Dualitäten ^ergeftellt; fie führen bie Spanten (£o§, Triton, Sporne 
unb Suna. Suna ift gro^Iöd)erig, fräftiger im ^-aben unb billiger al§ bie anberen, 
Sporne ift ba§ feinfte unb raeidjfte ©eroebe. 33eifolgenbe 2lbbilbung, %\q. 95, 
ftetlt biefeä ©eroebe bar. ©ie finb in 2ßei^ unb ©reme gu ^ben. Sluc^ 
ba§ 33ub befd)e ©eraebe ift in oerfd)i ebenen 2lrten ju I)aben. ^ür (Sommer* 
ober 2ßin terra äfd)e ift e§ bünner ober bicter im ^-aben Ijergeftellt. ®a bie 
JöeiJBe 2Böf^e nad) altem Srau^ meift oorgejogen rairb, fo finb bie fd)önften 
unb eleganteften roeiblid)en 2öäfd)eftücfe auc^ nur in SBei§ §u l)aben. 2luf 
©eite 162 ift bie @efunbf)eit§raä]d)e nad) Dr. ^ifdjers'SJücfelmann nät)er 
befprücl)en. 3:;ro^ ht§ fpil3enartigen @inbrude§, ben neue§ tei(^te§ 33ubbe[d)e§ 
©eraebe ntad)t, ift e§ boc^ auc^ genügenb feft, roa§ bie eingefügten bi(^ten 
(Streifen erflärtid) mad)en. 

©efärbte Unterfleiber finb auc^ nic^t günftig, erfteni, roeil ber 9flatur:= 
5uftaub ber (SeroebSfofer burd) bie ^-arbftoffe neränbert ift, graeiteng, raeil 
man au il)nen fid) anfammelijben (Sd)mu^ weniger fiel)t. (Selbftoerftänblid) 
werben fie and) bid)ter buri^ ben SSorgang ber ^^ärbung. ©benfo ift bie in 
ben teljten :3fll)^ßit allgemein geworbene 9}]obe ber fdiwarjen ©trumpfe eine 
l)üd)ft unfaubere @inrid)tung, aud) ber ©ebraud) ber weisen Unterröde, bie 
ben ^oben bei jebem ©d)ritt berüljren. (Sin 2lu§gang genügt, um ben 9^od 
fd)mui3ig gu mad)en, unb feine f)äufige 9f?einigung foflet ^dt unb ©elb; er 
wirb gut burcl) farbige unb furje '3l'6d^ erfe^t. dagegen trägt man f^warge 
©trumpfe oft ad)t ^^age lang, unb — fie finb aud) am neunten Stage immer 
nod) fc^warj! ^er g^u^ braud)t um fo meljr 2Bed)fel, je bid)tere ©d)u{)e wir 
tragen, wa§ uu§ übrigen? f(^on unfere 91afe lel)rt. g^arbige, bem Dberfteib 
angepaj^te ©pi^enftrümpfe finb balier im ©ommer ebenfo ^i)gienifd) wie fd)ön, 
bei grojser .f)it3e aber empfel)len wir unter langen Leibern unb wenn fdjön 
gef(^nittene ©anbalen getragen werben, gelegentlich aud) ot)ne ©trumpfe gu 
gel)en. ®ie ©trumpflofigfeit wirb bann al§ 2öol}ltat empfunben. ©elbftoerftänb= 
lid) ert)üt)t fid) bann bie Sf^otwenbigfeit ber ?5U^wafd)ungen mit ©eife. ^ie 
uuburd)läffigen unb bal)er gefunb^eitlid) oerwerflid)en 33elleibung§ftoffe finb 
^elj, ©ummi, Seber. 



Jv I e i b u n g. 



151 



6ie befteJ)t aua [^roerem uub leid)tem Seber, üu§ ^ilj, au§ öolj, qu§ 
^4?et5 unb Ieid)teren 253oüftoffen. ^a ber ^u^ ben meiften Unbilben au§» 
gefegt ift, am meiften SBiberftänbe §u überroiuben f)at, raar man natürlich 
ftetg Lemü^t, bie bauert)afteften Stoffe gur .^erfteüung ber g-u^betteibung ju 
benü|en. Unb ba f)at fid) bann teil§ ^0(5, teill gut jubereiteteg Sebet 
(tienfci)e ^ant) am beften beroäf)rt. ^q fefter eä aber ift, befto unburrfitäffiger 
ift el au^; e§ f)ält bie 2{u§bünftung be3 ^^ufjeS ooüfommen äurücJ unb oer* 




gig. 98. Stormolc |5"^fTm. 5Jac^ Sflaturabguö. 

t)inbert ben Zutritt ber Slunenluft. 2öetd)e folgen bie§ für ben ?^nf3 f)at, 
ift an ben fo überaus uerbreiteten ^ufsfranffjeiten jn erfefjen. '^k öant lüirb 
bläulid)=b(a§, meid) unb Ieid)t oerfe^bar, an Steüen größeren ^rucfe§ ftirbt 
fie ab, roirb gelb unb f)art („üerbornt"), ober e§ entroicfetn fid) „A3üt)ner» 
äugen", biefe fo äufserft fdjmersljaften @croäd)fe, unb e§ tritt d)ronifd)e 
©ntjünbung ber ^nod)en{)aut auf, roeldje bie gefür^tete „®aüengefd)iüulft" 
erjeugt. 2)ann entfteljt ber befannte gufjfrfjroei^, eine§ ber eEe(f)afteften 
^ranf{)eit5probufte. (Sr roeirf)t bie -öaut auf, erjeugt auc^ f)äufige 2öunb=' 
fteUen, läftigeg i^ucfen imb einen abfd)eulid)en ©ernd), ber oft aüe bleibet 
burd)bringt. 2Ber \[)n to» Ijaben raiü, roerfe alg erfte§ bie unburd)(ciffigcn 
2eberfd)ut)e beifeite. 

((5ief)e nät)ere§ im III. Seit unter „3d)roeiJ3fuJ3".) 

'üDer j5U^ mu^ gerud)to§ fein, fc^jueiüfrei, oI)ne 3(n§roüd)fc unb 3Ser» 
früppelungen, „appetitlid)" unb fc^ön wie bie .^anb ! lim bieg fein ju fönnen. 



152 



S? I e i b u n g. 





5-ig. 99. 




5-ig. 100. 3^{g. 101. 

öcrfrü^jpeltc ?^ü§c. 



mu^ er in erfter Sinie Suft i)aben raie bie .^anb, unb mu^ tägüd) gebabet 
roerben roie bie ^anb, müfjen bie Dlägel gefd)nitten unb rao{)tgeformt werben 
roie an ber ^anb, — bann erft lüirb er, n)a§ er eigent(id) ift. 2Iber rco 

finbet man fo(d)e S^ü^e?! 
iöei ben weiften SJlännern 
[inb fie infolge ber 9Jii^* 
f)anb(ung burd) fc^roere 
©tiefel ber efetf)aftefte 
Körperteil geraorben; bei 
ben 3^auen ift bie§ roo^t 
roeniger ber %al[, roeit fie 
raeniger förperlic^en 2In= 
ftrengungen unterworfen 
finb, auc^ Ieid)tere %n'^» 
be!(eibung tragen, §um ^ei[ 
aud) if)ren 5'^örper met)r 
pflegen; bennod) ift ein 
normater unb ganj gefunber 
%n^ aud) bei ifjnen red)t 
feiten gu ftnben. 

^ie t)äufigfte bei ben ?^rauen auftretenbe ^-u^form ift bie auf j^-ig. 100 unb 
gig. 101 ge5eid)nete. ^ui-'iicfßß^^'ängte gro^e 3ef)e, übereinanbergeftütpte Q^^^n, 
<i^ra(lenftellung berfelben, aufgetriebener fallen, oer^ 
flimmerte „f (eine ^e^e" — ein p^Iid)e§, mi^geftatteteS 
■^^ing, ba§ man unredjtmä^igerroeife nod) „^n^" 
nennt! Unb bie§ aik§ ift nur bie S'oige ber falf^ 
gefd)nittenen unb unb urc^ (äffigen (Sc^ufje. 

Um ein „fpi^ige§, 

fd)male§ 5üf3d)en" su 

erjielen, muffen bie 

3e'^eneingequetfd)tn)er= 

ben, muffen bie natür= 

(ic^en 33erl)ä(tniffe be§ 

^u^e§ gans oerfdjoben 

roerben. 2Iu§ 3^ict)nung 

3^ig. 99 erfeljen mir bie 

normale ^-u^geftalt, bei 

roe(d)er eine Sinie, bie 

üon ber 9)]itte ber ^erfe 

gejogen mirb, au^ bie SJlitte ber „©ro|en Qt\)^" trifft, \va§ bei 

^ig. 100 unb 101 nid)t mögtid) ift. Um alten Sefern einen 9J]a^ftab §u geben, 

bringen mir auf ^yig. 98 bie 3eid)nung eine» gefunben unb fdjönen raeiblid)en 





&ig. 102. 

So^fcnumriffc, wie fie ftub 

uitb toic fte fein follteit. 



g-tg. 103. 
2;rifot=2Soaft^u^ mitficberlicfa^ 
f iir bie falte unb naff c-^aljreSäeit. 



ßteibung. 



153 





fjig. 104. Slnttfc ©oitbalc. 



%\q,. 105. 5Icrf)tl"d)»f)- 



%u^z§, oon oben gefe^en. 2Bir bemerfen baran bie geraben, fd)ön geformten 
3e^en mit mof)IgebiIbeten Dlägeln, bie t)armonifd)en 23erl)ä(tniffe be§ ©an5en 
unb fein bebeutenbe» ^eroorfpringen be» ©elenfe» ber großen 3^^e (be§ 
„Haltens"). 9?^el)r ober minber fönnten mir atle bur^ ridjtige 53e[)anblung 
[oI(^ fd)öne gü^e Ijaben! 

SBir erlangen bie§, raenn roir fi^on öem ^inberfu^e Suft geroä^ren unb 

t^n oor jebem ^rucf 

beroa^ren. ^arfu^= 

laufen, rco unb rcie 

e§ nur immer möglich 

ift, bann (3 anboten, 

je nad) ber 3at)re§* 

seit mit unb oljne 

Strümpfe, unb fd)(ie^' 

lid) gegen ^ä(te unb 
fd)ted)te SBege Sß?oütrifot= unb 2:ud)fd)ut)e. 2Ber nebenbei feinen ?yu^ nod) 
red)t ^äufig mit marmem SKaffer unb mit (Seife reinigt, unnötige ^e- 
fd)mu^ung Dert)inbert, inbem er ju .^aufe beifpie(§roeife antife Sanbalen 
trägt, ber bef)ä(t aud) einen „feinen" %n% Qu feiner ©efunbuug unb Gr- 
frifd)ung ift morgenblic^e^ ^aulaufen äufjerft rooljltätig, bod) ift bie§ ot)ne 
Sanbaten gemeint. 

©elbftrebenb eignet fid) nur ein normaler 3^u^ für ganj offene 3anbaten. 

SBer oerfrüppelte^efien 

unb allerlei 2Iu§roüd)fe 

an feinen f^ü^en I)at, 

ber erfpare biefen un= 

angenel]men 3{nb(icf 

feinen 9]ebenmenfd)en, 

mäljte I)alboffene <San= 

hakn, bie ben %\i^, 

meljr oerljüHen, ober 

bie ^•(ed)tfd)u{)e, mie 

fie Dr. £at)mann ein= 
gefüfjrt t)at. 2Bir geben l^ier abgebilbet fünf Derfd)iebene ^yu^efteibungen, bie 
genaue ^Betrachtung oerbienen. ?^ig. 104 ift fd)ün unb natürtid), mie ade-o, 
na§ t)on ber ^^ntife ftammt; %\q,. 105 praftifd) unb fd)ün im aügemeincn 
©ebraud); ^ig. 106 f)at fid) gut bemä^rt unb mirb immer bcfanuter. 
^ig. 103 ift für bie fatte :3'-i^ve§5eit ber befte ©c^uf) für ©täbterinnen, bagcgen 
raürbe fid) ^ig. 108 unb 109, ©ofjmanng 9lorma(ftiefeI, mc()r für ^-ufj» 
teuren unb fd)led)te SBcge eignen; ?yig. 107 jebod) ift ein geiuül)nlid)er (B<i)n1:), 
roie er nid)t fein follte: eng, fpitjig, boppelfeitig, unburd)Iäffig, mit I)ül)en 
^adfen ufro., gan^ fo, mie er immer ift, um auy ber natürlichen jyujsform 




&ig. 106. 

@cbräu^It(!^ftc mob cnic 

Saubafc. 




3-ig. 107. 

9)iobcr«cr ^aif ciifrfjnl), wie 
er n'xdjt fein fofl. 



154 



SIetbung. 



gig. 100 uub 101 äuftanbe §u bringen. Tlan t)ergleid)e fie mit ber f^-ig. 99. 
3n)iid)en biefen fünf (S^uljformen gibt z§ felbftrebenb no^ allerlei ^roifc^en» 
formen, bie mir aber nic^t alle bringen fönnen. ®rmät)nt fei nur nod), roie fid) 
fd)on au§ ^ig. 102 ergibt, ba^ bie (5d)u!)e einfeitig fein muffen, b. \). für 
ieben %ü^ befonber§ gefd)nitten; benn nur baburd) fönnen mir eine 3Ser- 

fd)iebung ber natürlid)en 2Ser!^ältniffe 

oerl)inbern. 

®nblid) fei barauf aufmer!fam ge=» 

macf)t, ba^ bie marmen gefc^loffenen 

8d)ul)e mit S^eformfutterftoffen 

gefüttert fein foUen, bie man aud) er=> 

neuern fann, um ben ©d)ul) reinlid) 

ju erl) alten unb md)t mit (Sd)rcei^ unb 

(Scl)mu^ ju burd)tränfen. 

3Iu^er ^neippä ©anboten, Dr. 

Sa{)manu§ §led)tf(i)ul)en, (3d)ult3e=' 

9laumann§ Sfieformftiefel ufro. gibt e§ 

nod) einen 95eformfd)uI), auf ben mir be- 

fonber^ t)inraeifen möcf)ten. ©;§ ift © o ^ » 

mann§ DIormalftiefel „^oftegoS", 

ber oon ber ©c^ut)fabri! ^ofmann & 

(St eng er in ©rfurt Ijergeftellt rairb. 

aJlan oerlange bafelbft ba§ „SJleplatt" 

unb fenbe feine genauen SDIa^e ein. @r 

pa^t fid) genau ber ^orm be^ ?^u^eB 

an, ift mit SSentilation üerfetjen unb 

roirb oom fleinften ^nberfdjul) bi§ 

§um größten ^errenftiefel au§gefül)rt. 

2:rot3 ber 2Senti^ation§löd)er trägt er 
fid) aud) bei 9f|egen unb (Sd)neeroetter gut unb erl)ält un§ einen marmen gu^. 
Sefanntlic^ finb bie gefd)loffenen, unburd)löffigen Seberfd)u^e uac^ mobernem 
©d)nitt angefertigt, bie §aupturfad)e ber d)ronifc^ falten S^ü^e, bie bei oielen 
^erfonen fo gerool)nl)eit§mä^ig gemorben fmb, ba^ fie fie gar nid)t mef)r 
füljlen. ©arum alfo Qf^eforrnftiefel oorjiefjen. 

Die wabliche Reformhleidung. 

2öir roerben fein befttmmte§ (Si)ftem al§ alleinfeligmad)enb Dorfd)reiben. 
(S§ finb fdjüu eine gan^e 9Jcenge befanntgemad)t raorbcn, bie alle it)re 2Sor= 
jüge unb il)re SRängel l)aben; übereinftimmenb finb fie in ber me^r ober 
minber rabifalen 3lbfd}affung ber „S^aille", b. t. ber oerengten 2eibe§mitte, 
in ber 33erminberung ber Unterfleibung unb ber 2Sereinfad)ung ber roeiblid)en 





fytg. 108. 

^oftc80§=iSficfcI 

(breite ^orm) 



&iS- 109. 
9Jorm(iIcr f^it^ 

In unnormaler %ufi' 
befleibung. 



Sil e i b u n g. 



155 



5lleibung im aügemeiuen. ^m übrigen [üüeu fie nad> ©eftalt uub ©eid)macf öer 
^rau geroäf)lt unb nad) ber ^aljre^jeit oetänbert roerben. ^urdjläffigfeit ber 
©toffe lö^t \iä) mit @infad)f)eit, unb proftifd)er ©c^uitt mit ©d)ün()eit oereinigen. 
Um unfereu 33eftrebungen noc^ met)r ©i)mpatl)ie ju geroinnen, madjen 
roir nod) auf eine @igentümlid)feit ber t)entigen ^-raucnfleibnng aufmerffam: 
auf bie eigentlid)e 53ebeutung ber S^aille. ©ie bewirft burd) ba§ 5tor|ett 
ein ftärfereg .^eröortreten ber iörüfte unb eine ftärtere SSorroölbung ber 
.^üften. ^eibe finb Sleile be^ roeiblic^en ^örperä, bie einen großen Sf^eig auf 




a b c 

%\q. 110. Dicformftcib. 9?ad) Dr. ^tfcf)er=®ücfc(mann. 



bag anbere @efd)Ied)t ausüben; bennfte bebingenben roeiblid)en Stgpug; i^re 
gute (Sntroicflung gibt S3ürgfd)Qft für bie ?yortpffQn5ung§fäI)igfeit ber @igen= 
tünterin. ®in breitet Secfen fidjert ©ebärfätjigfeit, node Prüfte ade 3Inlagcn 
jur guten 2Imme. platte ^^cauen mit fd)malen 33ecEen gelten ganj all» 
gemein al5 l)ä^Iid); fie finb, roeil il)r ®efd)(ed)t'Sti}pu§ mangeüjaft ausgeprägt 
ift, für ben 9Jlann reijloS. &an^ ebenfo gefallen un§ fd)matfd)u(tertge, fleine 
SJiänner mit bünnen Stimmen nid)t; benn i^r ©efd)(ed)t§ti)pu§ ift gu rocnig 
ausgeprägt. 

SDiefe @r!tärungen roerben mand)er 3^rau feljr triuiat flingen; bod) 
fütjren fie un§ aücin auf bie (e^te Urfad)e mand)er unerflärten ©rfdjciuung 
unb auf ben roat)ren ©runb ber unbefd)ränften ^errfd)aft be§ 5^ürfett§ ^nxüd. 
33or :3a^ren fd)on (jabe id) in ©d)rift unb 2ßort barauf !)ingeroiefen, baf? 



156 



Steibung. 



feine 9Jlad)t in ber ©itelfeit ber ?^rauen begrünbet ift unb ba^ ber ^ampf 
batinn fo feljr oerlängert unb erfdjraert rairb. ©ie raiffeu, ba^ bie fd)mate 
SRitte it)ve iüeiblid)en Sf^eije beffer I)erDortreten lä^t, ba^ bie Prüfte ooller 
er|rf)einen, raenn fte gehoben raerben, bie Ruften runber, fräftiger, roenn bie 
obere ©egenb fd)mal erfd)eint. ®a^ cielen fronen bie fofette Sered)niing, 
bie in foId)er SSefleibung^art liegt, nid)t beraubt ift, foll gleid) fiinjugefe^t 
roerben; \a, fie inenben fid) entrüftet unb fd)amerrötenb ab, roenn man i^nen 

fagt, fie I)eben fünfllicf) S3ecfen 
unb Prüfte fjeroor, um reijenb 
auf "iiaB anbete @efci)(erf)t ^u roir= 
fen. ®erabe auf jene ?^rauen, bie 
biel an§ ©totj unb ed)ter ^^^rauen- 
roürbe nie mit ^erou^tfein tun 
roürben, roollenroir @inf(u^ geroiu' 
neu, fie ro ollen roir ermutigen, für 
3Ibfd)affung einer^Ieibertradjt eins 
antreten. Die mit Dem ^erou^tfein 
ber felbflänbigen^rau ber 3ufunft 
nid)tmet)r übereinftimmt. Solange 
roir un§ immer noc^ bemüfjen, al§ 
(Sefd)led)t§roefen f)erDor§utreten, 
bürfen roir unä nid)t rounbern, 
oom SJ^anne in erfter Sinie nict)t 
nad) unferem geifttgen SBert, fon= 
bern nad) unferen förperlici)en 
33or§ügen gemeffen gu roerben. 

(£§ fei jebod) bamit feineS:» 
roeg§ gefagt, ba^ roir un§ be§s 
t)alb oerunfd)önen folten, im ©e* 
genteit! ^üx eine eblere, auf ge* 
funben unb roal)ren 33ert)ä(tniffen 
aufgebaute ©d)önf)eit§pflege 
rootlen roir eintreten unb für biefe 23erftänbni§ errcecfen. ^m näd)ften ^apitet 
über bie (Sct)önl)eit rooücn roir unferen ©tanbpunft nod) näf)er begrünben 
unb erläutern. 

2Bir roünfd)en alfo eine fd)önere, aber feufd)ere grauenf(eibung einjus 
füf)ren unb cerroeifen barum abermaB auf §ig. a — c ber auf ©eite 155 
abgebitbeten g-rauentrad)ten. Wlan betrachte fie red)t lange ! ^n ben faltigen 
©eroänbern, rid)tig jeber ^-igur angepaßt, fommt bie natürlid)e (Sd)önt)eit 
be§ roeiblid)en Körpers oiel mel)r jur ©eltung ; bei jeber Seroegung entrcidfelt 
fid) ein neuer galtenrourf; bie ©eftalt ift oerljüllt unb beunod) freier alB in 
feftgebunbeuen 9iüc!cn unb im eng anlicgeuben 5!orfett. 




g'ifl. 111. Üicfonittlciii. 

S7ad) Dr, ga[)iiiaun. 



S?leibung. 



15; 



^aljev fd)Iagen wxx aiifier ber ©portsf'leibuiuj, bie aud) für bie (Strajsen 
SroeifelloS bie h^\k \\t, ba§ griedjifdje ^rauenfleib at§ ©runblage eine§ 
Isolieren unb ebleren .^auggeraaubeä üor unb bringen baoon aud) eine 
3Sariation, ^-ig. 110 a, b, c, ba roir leiber feinen gried)ifd)en ^immel übet 
un§ I)aben, ber un§ blojäe SIrnie unb freien 9iaden ju jeber ^^it geftatten lüürbe. 
9)lad)t man bie in g-a(ten gezogene ®intage für ^a\§ nnb SIrme an§ 
anberem ©toffe, g. ^. au§ (Seibe, ba§ gried)ifd)e „^emb" au§ ^afdjniir unb 
mit bem 9?odfe gleidjfarbig, fo er!)ält man einen rounberl)übfd)en Slnjug, 
ber fid) natürlid) au§ Ieid)teren unb fd)roereren ©toffen Ijerftellen lä^t unb 
au(^ noc^ anbere ä^eränberungen julä^t. 

3u unferer g-reube erfannten roir, ba§ Dr. Sa!)mann in feiner (Sd)rift 
über bie 5!(eiberreform 
aud) auf antife 3D^ufter gu- 
rürfgreift unb gleid)fa(l§ 
oon ber (Sd)ünf)eit unb 
9ktürlid)feit berfelben 
erfüllt ift. @r fd)Iägt in 
^ig. 111 ein bem römi= 
fchen ©eroanbe ät)nlid)e:§ 
^oftüm Dor, haS geroi^ 
aud) feine £iebl)aber fin= 
ben roirb. ®ie 2Sorberan= 
fid)t geigt eine 9Jlifd)ung 
Don antiiem galtenrourf 
unb mobernem 3lrmel= 
pu^, bie D^ücfanfi^t einen 

I)übfd)en (5c^(afrodE= 
f d)nitt allerbing^ eine ^w- 
fammenfe^ung, bie mand)en SÖBiberfpruc^ erregt. Stro^bem ift bie S3orberanfid)t 
t)übf^ unb roirb bei größeren Figuren entf^ieben gut jur ©ettung fommen. 

^ag gried)ifd)e .^emb bagegen bringt mel)r 33eroegung in bie g^ormen, 
be^inbert m\§ roeniger burd) fd)roeren (yaltenrourf (befonber» roenn ha§ „^emb" 
fürs gemad)t ift), gibt meljr ©etegen^eit ju jugenblidjem 2rufpul3 unb büvfte 
fid) ben mobernen Slnforberungen beffer anpaffen. 

®er 5Kücf, mit ober otjne @d)Ieppe, roirb nid)t auf bie Jaitle gebunben, 
fonbern roirb an ben (5d)ultern getragen. 2Öer nid)t entblöfst geljcn roid, lä^t 
fi(^ eine 3lrt lofe, furje 33Iufe IjerfteUen, bie unter bem gricd)ifd)cn .^embe 
getragen roirb, ^ig. 110 c fteÜt bicfe 2ht§fü!)vuug für fälterc ^aljvei^geiten bar. 

.^auptfa^e ift babei ber ä^egfaU ber 2'aiÜe, bie lodere Dberfteibuug, 
bie jebroebe Uuterfteibung geftattet. 

Seljtere beftel)e au§ einem geroüt)nlid)en, ärmcKofen ^-rauen^emb, au§ 
(eic^tem 93aumroolItrifot ober 9ieformftoff im (Sommer, au§ bicferem im 




a b 

^tg. 112. ^))gieutfd)c g-rnucitfiofcit 

ber ^irnm 3lgne§ 3^Ieifd)er=®viebel & 2e[emeifter. 
((Sefe^I. gefdjüöt.) 



158 



Kleibimg. 




f^ig. 113. SRorftriigcr. 

SJatf) grt. §arbt tn 5)re§ben 



Sßiuter, uub au§ ^^umpljofeu. ®er (SinfQc^t)eit, ber 9fieinlict)feit uub ber alten, 
aber guten @eiüo!)nt)eit raegen finb rair für ba§ altmobi[d)e g-rauenljemb unb 
rceniger für bie „^emb'^ofe" ober beu ©ebraud), ba§ ^emb über ber ^o\i 
gu tragen, roeif e§ fü^Ier fei. @l ift geroi^ rli^tiger, ein ganjeS ^feibung§= 
ftücf bireft auf bem Seibe §u tragen unb biefe§ allein 
i)fter äu n)ed)fetn, ftatt ha§ unterfte ^leibunggftücf 
rcieber 5U teilen unb baburd) neue ©cf)iüierigfeiten 
I)infid)tli^ ber 58efeftigung gu berairfen unb boppelte 

Sdjidjtenbilbung gn er- 

reid)en. ©ie ^enib^ofe 
liegt bic^t an, roirb alfo 
unangenef)m unb bebarf 
einer sroeiten ,^ofe bar- 
über, rr)a§ entfd)ieben ein 
^uüiel ift, ba§ .^emb aber, 
t)a§ über ber §ofe frei 
!^erunterl)ängt, loirb üiel 
fdjueller fd)nnt^ig a\§ unter 
anberen Umftönben. SBir 
fommen entfd)ieben oiel weiter, wenn wir bie neue 
^umpljofe fo faltig fif)neiben, ba^ fie un§ ben Unter= 
xod erfe^t unb bajä rair bie geraof)nte ^leiberfüüe 
nad) unten baburc^ erfe^en, ba^ rair bem 5^Ieiber= 
roct breite 2SoIant§ einnätjen. W\t breitem, (odterem 

53unb rairb ba§ ^ein= 
f(eib an einem 9ftocf= 
träger angefnüpft, an 
bem man nötigenfalls 
am):} ben 0eiberrocf be= 
fcftigen fann, unb roeite= 
res belafte raeber ^^üften 
nod) (5d)ultern, fielje 
^ig. 117-120, ©arnil» 
fd)eUnter!Ieibung. SHfo 

ber üernünftigfte Slnsug beftel)e au§ burd)(äffigem 
^emb unb ^ofe (le^tere im (Sommer I)ell, im 
SBinter bunffer unb fd)raerer, ftet§ aber bur(^- 
täffig!) unb Dberfteib ({'einerlei Seibc^en, Unter- 
rödfen ober fonftigem Unterjeug). 3Be(d) I)errlid)e @infad)I)eit im a3ergreid)e ju 
ber ^^eutigen Überfülle oon quälenben Seilen: Unterl)emb, Dberl)emb, Worfelt, 
^orfettfc^oner, ^leibertaille, llmljänge aUer 9lrt ufra. Unb roeldje Seid)tig^ 
feit be§ SlujugcS! ;3ebe Set)inberung bei S3eroegungen raürbe fortfallen, jebe 





gtg. 115. 

iß>oHctte§ I^Tancnnctb ber 

S3roitäCäctt Qfiitlnnbg. 

31acl) aJ}ontethi§. 



f^ig. 114. 
©c^tt)cbtfd)cr SBufcitl^cBcr. 



J? l e i L) u n a. 



159 



©djrcerfälligfeit im 3luf3eru ber ^-rau Devjd)iüinben, uub feinevlei gefunb^eitiS» 
fd)äblid)er (Sinflu^ raürbe ben Körper ber %xau. mef)r treffen. 

%a§ 33einf(eib ift baburd) ju einem fe{)r roic^tigen iKeibungsftücf ge* 
lüorben. @§ fann gefd)(offen ober in ber 91aht offen getragen ro erben. 2)ie 
3eirf)nnng %\q,. 112 jeigt un§ ein geid)(offene§ ^^rauenbeinfteib, roie e§ auc^ 
§um 9?abfat)ren fid) feljr gut eignet. (£§ ift au§ Strifot angefertigt uub je 
nad) ber 3al)re?5eit bünn ober 
bicf, bunfel ober f)eü, für 

?{abfal)rfoftüm am beften 
fc^roars, um §u fd)roar5en 
(Strümpfen beffer gu paffen, 
^m (Bd)ritt rcirb, roie b jeigt, 
ein ^"'ifctienteit eingefd)o = 
b^n (nid)t gefnöpft), roelc^er 
ba§ S3einfleib ftet§ gefd)loffen 
erf)ä(t. Q§ fäüt feljr gut, gibt 
größere 5reif)eit in ber 33e= 
roegung uub fjäübas 33eiu oiel 
rcärmer a[§ bie engen atteu 
©Quitte, bie meift nicf)t ein= 
mal ba§ .^emb am Uuterförper 
feftf)alteu, nod) oiel roeuiger ben 
Unterförper nor (Srfättuugen 
p beroa^ren üermögen. Sßer 

unDerfd)iebbaren (Hcf)Iu^ 
roünfdjt uub ben 33unb nid)t 
öffnen roid, ber mu| knöpfe 
anbringen. ^k Strümpfe 
Jönuen entroeber an ben 33ein= 
fd)lu^ ber öofen gefuöpft ober 
mit ©ummibanb an beut 9^oct= 
träger befeftigt rcerbeu. 

%a§ S:rifott)emb ift oiel 
roeniger baufd)ig al§ Seinen uub 

(Sd)irtingroäfd)e uub bi(bet aud) niemals I)arte, einfd)ucibenbe ?^attcn, roa§ 
befonber§ üon ber oortrefflid) üentitiereuben uub rceid)en 93ubbefd)en 
2ßäfd)e gu fagen ift. ®er gauje Körper ber ^rau ift bann ebenfo locfer uub 
einfad) befteibet a{§ jeuer be§ SJIanueS, ber unter gcroül)nlid)en llmftänben 
aud) nur jroei Ä(eiberfd)id)teu auf bem fieibe I)at. 

(Sine ftarf eutroicfette '!&ii]k bebarf entfd)ieben einer (Stütze, ^-räulein 
^arbt I)at biefe mit bem „9\ocfträger" fet)r glürf(id) ücreiuigt, inbem 
fie männliche „^ofenträger" mit bem Cuerteil, ber bie 53rüfte trägt 




f^ig. 116, lurnftcib. 



160 



.••^Icibitnq. 



unb QU§ (Summisügen unb burd)läf[tgen ©toffen befte^t, cerbanb. "Stefe 
„SSretellen", g-ig. 113, galten alfo bie faltigen 33einfletber, o^ne ben 33ruft= 
fafien irgeubroie einzuengen, unb Ijeben unb ftü^en bie Sruft. ©ie finb in 
einfad)er unb l)0(^feiner 2Iu§ftattung ju f)aben. ©inen anbeten 53üften'^alter 
jeigt un§ 3^ig. 114. @r fi^t fefler, bient aber Unterleibern nid)t pr ©tü^e 
unb bürfte fid) mel)r für bettlägerige, foraie für ftillenbe g^rauen eignen. 





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(.^luuu'i'djc Untcitlcibung, 
117. 2;f)nti)jttt=^cmbf)oie. gig. 118 



9torfI|Cmb^ofc. 

(§cmbI)ofe mit Untevrotf=5ßoIaut.) 



Ginfac^fte „9Uc!träger" fann fid) jebe ^rau au§ feftem 58anb (foge= 
nanntem STaiÜenbanb) felbft Ijerfteüen, inbem fie biefe§ in entfprec^enber Sänge 
auf bem ?RMz\\ freuet unb bie ©nben ntit knöpfen üerfief)t. 2(n bie ^eiu» 
fleiber unb ben dlod raerben oier ©d)üngen genä!)t. 

®er „3uno = @ürte(" ober „^cra" ge^i3rt aud) ^ierl)er. @r liefert 
eine ü ortreff lid)e ©tü^e für ^änge» ober ^ettbaud), aud) bei inneren @r* 
fd)laffung§5uftänben, wie SSorfaü unb ©enfung, gibt ber Sruft guten ^alt, 
ot)ne subrüden, unb ift oon ^rau 5'leifd)er»©riebel in S3erlin t)ergefteüt. 




7.1?:! 



^^^*^^ 



■' ja'^/vT 






i&iv labnad.tji 



■\uh alh ißfl snu:aärii»»i»fl' sriabW 



ariaisw n5«<!vi. . iii'nnf\ bn' Tjn:>l 

rioiub bl;9 alKfiv >&1) bn -y nainLl 

Aouibv.iih. naiinß^ HL^nii» br.„ ^~„^ . ..io^. s^iqqü 

zufiHoiub bniz z3 .lllßllus ^9^ri^ii;.. ■nriD^ogniol 39b 

isirfi ni inB?29i9ini rbofe »naubivibn' sinaboiffaziav 

93öS 9Jlßfi;lnßi;l stfialawbnstjil .njlbl .. ,, .;^ Tiy/ '>fb ^liR 
.)9bncl9§Iriow 9iv/ .bnu29§ oznads t»ni*! n\i . < 



rfglagnüi rlDon n9iöri9§ 9]liM lab ni 9lqü>l n^isnisN iswx siQ 

/j:>{nil lab Hoairnlgrioz .gilurnnß zucHonub bni? bnu nß n9flDbßM 

iTiu Jini MoüibzuA 9bnuz93 9§iriui tsG .alrij^i nsb laiznia 

M9t^9§Jn9 zinbliS nagiliazzlriaai m^fa lue zisfanozyd 

o 

,n9llov/ n'jnn(i^ jjio/if jj^inia nalrijßihßßH xisb rious ivii nivj'l'l 
olzrioßlnig gjb zinblifl sJzia zßfa zzßb .ngdariusioviaH siftv/ 02 
:rl;ji[mßn ,lll9l8ißb ,naäeil us sißßH yib ,\iK gjzrioiliiijßn bnu 
.nstriioHrloiub 9bnßCi mgniy lirn lun ,^hl,\\ ibnollß/, , jn9?{o ;»ß<3 
,2lH39i (lafUklüH oxiijU ibh lisnniiw < bglt^ nA 

riaon «biüw gnuzönuA sirii (HS^zsI nsiiu -1 .< jh^i-j. ,j jih rrai'.j'.gb 
llfl9Mqo>l nsliyiv bnu n9li'jws mab ius jnciXilw tan'vfi :>,< biv 



luß teluab i<>dfa 


Jrfaiam: i 


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n9b luA .ns^liiw 


S(ib ,nar. 


■boiri 


^gJrljfZiiD zab ^r 


- naz^jcfan. 


) i:nb 


J]?ßfl:)^ bnu bir. 




.1^,^ Jiiü 




\^ 



Die Frau als Hausärzlin. 



TAFEL 5 



V; l (Uli. 



UltUt. liUTL tu 



Mebt für ^ettlößertge, foifie für 



.1 -l.Uj 



Welche Berechtigung hat die Aufnahme nebenstehender vier 
Frauenköpfe? Das erste Bildnis stellt einen Kopf von sel- 
tener weiblicher Schönheit und Anmut dar, dessen weiche 
Linien entzückend wirken, während das vierte Bild durch 
üppige Formen des Oberkörpers und einen sanften Ausdruck 
des feingeschnittenen Gesichtes auffällt. Es sind durchaus 
verschiedene weibliche Individuen, eloch interessant in ihrer 
Art, die wir gegenüberstellen. Irgendwelche krankhafte Züge 
fehlen ihnen, sie sind ebenso gesund wie wohlgebildet, 
o 

Die zwei kleineren Köpfe in der Mitte gehören noch jüngeren 

Mädchen an und sind durchaus anmutig, schelmisch der linke, 

ernster der rechte. Der ruhige gesunde Ausdruck tritt uns 

besonders auf dem rechtsseitigen Bildnis entgegen. 

o 

Wenn wir auch den Haartrachten einige Worte gönnen woUtin, 
so wäre hervorzuheben, dass das erste Bildnis die einfachste 
und natürlichste Art, die Haare zu tragen, darstellt, nämlich: 
Das offene, wallende Haar, nur mit einem Bande durchflochtcn. 
An griechische Vorbilder erinnert das kleine Köpfchen rechts, 
dessen dicke Zöpfe glauben lassen, ihre Auflösung würde noch 
viel schöner wirken; auf dem zweiten und vierten Kopf fehlt 
uns die Rückansicht, die Vorderansicht aber deutet auf 
modische Frisuren, die weit weniger edel wirken. Auf den 
drei unleren Bildnissen wirkt die Umrahmung des Gesichtes 
mit gelocktem, kurzem Haar verschönernd und schafft 
weichere Formen. 



Oj a i' tu v i' üj c il lu c ."i i c i ij 1 1 . 



"hnf^ifirt-.^c 



MN'fi 



Änil-,i; 





f SCMOSnE 
FR7\7JE71 
KÖPFE 




Die Frau als Hausärztin. 



Tafel 5. 



n l e i b u n g. 



161 



9Roci) fräftigei' luivft bei fdjiuevcu bidleibigeu @c[ta(teu ber Jf)ah}fia=5törper* 
former unö ber 33ruft= unb üiücEträger (Sqftem ^(Qten=©arm§), bie auf 
2;afe( 3 abgebKbet fmb. 

^embt)ofe, Süfteuljalter mit Strumpfträgern, llnterrocf, (ofe» 5^lleib 
roäre eine anbere einfad)e unb fefjr oernilnftige 53ef(eibung§art; ^emb (im 
SSinter mit 2lrme(n), 9ie[ormf)üfe, ^^üftenl) alter, 5l(eib aus fct)ioevem Stoff 




(yarmi^|cl)C UntcrflctDuug. 

gig. 119. 9tcforiu6cinf(cii) f^ig. 120. 9icform=Uiitcrrotf 

(^ocf)gef)enb). an i8riift= unb JRorttrdgcr angefnöpft. 

mit angefe^tem inneren 33oIant, um ha^ Ginfaüen bc^ dlodz^ ju oerljüten 
unb a((5u grofjen .öüftciiumfang ju oermciben, eine märmere 3Hl'annnen= 
ftedung für ben ^4i^inter. ^a§ in ^cinfteiber geftopfte, faltige .pemb mad)t 
red)t roarm. 2tber e§ mac^t auc^ bid unb oerunfct)ünt bal)er an fid) fd)on 
5U runblirf)e ober §u fleine ^-iguren. ^c mcl)r ba^J '-IHH-fen bei ber ^^-rau 
burd) ^au, ungefdjicfte "Srauierung, oerfümmerte ^üfte ufiu. Ijevuortritt. 
befto unebler luirb bie ioeibIid)e ©eftalt. 2(u» bicfem ^^iniuei^ föunen fid) 
bie „liefen" roie bie „dünnen" mand)en 2ßinE entneljnien. 



i62 SHeibunfi(. 

^n unferen 2Ibbitbungeu, ^\%. 117, 118, 119 unb 120, bie ratr bem 
©arm§fd)en 5?ata(oge (2:I)ah)fia=.^etp5ig) entnehmen, bringen rotr oter 2;etle 
einer reformierten Unterüeibung, bie einfad), praftifd) unb fleibfam genannt 
werben mu^. ®ie mit ©pi^en oergierte ^embt)ofe, bie je nad) 2öunf(^ au§ S;rtfot 
ober ^ubbefd)em (Seroebe (@ejunb^eit§roäf(^e naä^ Dr. ?3-if(^er=®ücteImann)an* 
gefertigt raerben fann, finbet immer meljr 3tner!ennung nnb bilbet sraeifeüoS eine 
gute ©ruublage für bie reformierte Dberfleibung. ©ie barf nid)t gu anliegenb 
fein, fonft wirb fie für ben ©ommer ju marm. ^-ür bie t)ei^en ©ommer* 
monote rairb ein ^emb nad) altem ©d)nitt mandjem angenet)mer erfd)einen. 
®er auf ^-ig. 118 bargeftellte furje, in^üfttjülje auffnöpfbare Unterrod ift bieten 
g^rauen sur SSerbefferung ber ?^ngur fef)r p empfeljlcn, benn er lä^t fd)Ian!er 
erfdjeinen. dagegen raerben übcrfd)Ian!e grauen mit 23ortetI ben ocrlängerten 
Unterroc! am Süftenliatter befeftigen, um bie fd)malen .^üften etroa§ runber 
gu geftatten, fielje ^ig- 120. ^-ür Steife» unb ©portSjroecfe aber, §ur befferen 
2öarml)altung in falter 3at)re§5eit unb bei großer (Sdjlanf^eit ift ba§ überall 
gef^Ioffcne 9f?eformbeinfleib gu empfcljlen. ^nx ©rtjattung grofserer 9'^einlid)feit 
ift unter Umflänben foroo^l bei 33enüt3ung ber .^embI)ofe raie ber Üieform« 
beint'teiber ba§ ©infnöpfen oon Supern im ©d)ritt su empfeljlen. 

®er ©armSf^e Süftentjalter, raie ^ig. 119 unb 120 geigen, ift ouf 
unferer ^afel 3 beutlid)er abgebilbet. (Sr ift au§ burd)brod)enem unb feftem 
©toff, fur§ unb lang, mit raärmenben 3itfä^en (bie mir aber nid)t befürroorten) 
ju Ijobcn. ^e raeniger biefe „S^eformträger" unb .^atter ben ilörper bebec!en, 
je raeniger fie bie natürlid)e 2lu§bünftung burd) unburd)(äffige ©toffe t)emmen, 
befto bered)tigter finb fie com f)t)gienifc^en ©tanbpunft. ©ine gute ^leibung barf 
niemals fjemmen unb brücEen. Stürbe "OaB raeibtid)e @efd)Ied)t biefe ^riujipien 
einer gefunbljeitSgemä^en ^leibung fd)on gang in fid) aufgenommen ^ben, fo roürbe 
c§ fid) nidjt fo üielfad) fd)äbigen unb 'Om eigenen i^orper fünft(i(^ mijsgeftalten. 

S3ubbe§ ©efunbl)eit§=2ßäfd)e in ^ielefetb, nad) ®r. ^ifd)er*®üceel= 
mann. SJZaüo^^SaumrooIte, ägi)ptifd)e imb Suifiana=55aumraoUe finb bie 
langfaferigften ©orten; je (angfaferiger eine ^aumroolI=9^ot)raare ift, befto ebler 
ift fie. ®urd) befonbere 33e!)anblung fann fie nod) glänjenb unb burd) „^rairnen" 
im ^aben fefter gcmadjt raerben. %k§ gefd)ief)t bei bem 9}]aterial, ba§ gur ^er' 
ftellung ber 33ubbefd)en Söäf^e bient. 2Bir fe^en ein anwerft burd)Iäffige§, 
raeid)e§ ©eraebe oor un§, ha§> au§ 9J?affo=93aumrooIIe I)ergefteüt ift, fid) Ieid)t 
reinigen lä^t unb auc^ ©erud)§ftoffe nic^t feftf)ält. %a§ ©eraebe ift in unferen 
mbitbungen gig. 96 unb 97 bargefteUt. 

^n gefc^macEo oller 2lu§fül}rung, mit feinen ©tiefereien befetjt, liefert bie 
^irma ganj reigenbe '3)amenraäfd)e, bie ebenfo I)ggienifc^ raie fc^ön ift. 

2ötnterl)emben unb anbere finb in ©d)nitt unb ©eraebe nac^ ben 
■Angaben ber SSerfafferin ber .^auSärjtin angefertigt. 

®iefe ©efunbt)eit§''2öäfd)e übertrifft alle bi§I)er geroof)nten 2;rifotforten 
an ®üte unb ©d)ün{)eit. Dbraol)! 2;rifotraäfd)e raeid) unb bet)nbar ift, fo I)aben 



s?^ci^ltna. 



1G3 





3ig 121. ^l^üiöeianftdit ^iß. 122. 9{ürfaiiftd)t. 

Oicformtictb. 9^ad) bcm „'Jintuvav^t". 




~-^"<? 




AMU i --'■'■ 7s\(\. 124. 

*^Jrafttfd)CÖ StrnfjCIlflciil. yjad) Dr. yahmniui. 



11^ 



164 



Sltet^utig, 



un§ erft bie neuevbiugg aufgetaiicl)teii ©eiuebe(Sü]jo-(3tüffe, ©o^maunä imb 
S3ubbe§ ©eraebe) beiüiefen, in wie ituangeneljmer SBeife ^SaumiDoII'^tvifot bie 
2Iu§bün[lung§ftü[fe ber ^aut feftljält. ^lan mu^ [e()r oft ein 2:rifotf)emb 
nur be§f)all) raed)feln, raeil e§ fcI)on gu übel ried)t, ofjne roirfUd) fd)mu^ig gu fein, 
roä^renb in berfelben Qät ein ^emb au§ "Oqw genannten burdjläffigen ©eraeben 

eine gutentroicfelte 
97afe nicl)t unange= 
net)m berüt)rt. SJIan 
geroöt)nefid) nur, fein 
3'lted)organ,bie9lafe, 
rei^t fleißig gu üben, 
bann lüivb fie unfer 
5üt)rer fein. 

®a§ rcollene 
^•rauenf (eib , 3^ig. 
115 (etraa fünff)un= 
bert ^a{)re oor 
S^rifto), gibt un§ 
eine SSorftellung ba= 
üon, roie praftifd) 
unb gut au§gear= 
beitet bie raeiblidje 
^(eibung im 9^orben 
bamal§ fd)on raar. 
SDie beiben (3tra^en= 
fleiberauöDr. Sal)- 
,/ mann^ ^ud) ftel= 
^"^ teneinfad)eunbpraf= 
tifd)e ^üftüme bar, 
bie lodfer finb, and) 
beliebig oergiert unb 
SU allen Reiten ge» 
tragen werben fön= 
uen. ©ie Ijoben eine 
geroiffe 2l()nlic^feit 
mit bem I)iftorifd)en ©eiuanb. — Hm weitere 9tnrcgungen ju geben, oer- 
weifen mir nod) auf bie 9icf ormf oftünte auf unferen S^afeln 21 unb 25 
unb auf %iQ. 121 unb 122, fouiie auf unfer S;urnfleib ^ig. 116, bie 
fämtlid) I)i)gienifd) unb Ijübfd) finb. 

©obalb einmal bie rid)tigen ^^rin5ipien gewonnen finb, ift e§ jeber benfen- 
ben i^rau tei^t, fid^ nac^ ben gegebenen Sturegungen eine ebenfo oernünftige 
roie fd)önc 5tleibung äufammen^ufctjcn. Unter „iReformfleibcr" oerfte^t man 




,p»^*>i>. k^ 



5^ig. 125. 3^ci SnIoiiHcibcr, anmutig unb elegant. 



Ricibunq. 



165 



bie in einem Stücf gearbeiteten, bie ben grotlen SSorteil f)nben, bie ^mzi» 
teilung be§ 9^itmp[e§ 311 oer^üten mib bei giitcni ^^au ent[c{)iebcii üer[cf)üueriib 
5u rairfen. ^-ig. 125 [teilt un§ jiüei SalouEleibcr bar, bie biivcl) 5(unuit unb 
©(eganj raivfen. ©in prafti]d)e5 ^au§fteib ift ^ig. 111. 

2öer eine gute .^altung f)at unb jct)(au! ift, ober biirc!) gute Gr^ie^ung 
unb STnlage fo fräftig ift, ba^ er feine ©tüijen brauct)t, ber bebarf aud) 
be§ 33üftent)alter» nic[)t, ber im Sommer aurf) Ijeifj madjt, unb ben ein un^ 
befangener, an fiuftbäber geroöljuter 
?[Renfc^ nur al§ 33etäftigung empfiubet. 
9^ic!)t !(ar bürfte ey ben meiften ^^^rauen 
fein, ba^ ba§ t)eutige ^orfett bie 
(Sd)tafff)eit ber 33rüfte gerabe^u gro^= 
5iel)t, inbem e§ fie beftänbig ^ebt unb 
fie entroötjut, fid) felbft ju I)alten. 
Sßirfen fie nun 00m 14. ^atjre ein, 
fo ift e6 roaf)rlic^ !ein Söunber, roenn 
bie Prüfte iljre pralle ^orm üer= 
Ueren unb mel)r ober miuber fd)taff 
raerben. Über if)re befonbere ^^ffege 
roerben mir in anberen i^apiteln noc^ 
einiges bringen. 

Über märuiere 33e!(eibung für 
bie ©tra^e, über ^aden unb SJJtäntel 
ift nod) foIgenbe§ ju fagen : ein Ieicl)ter, 
unbur^Iäffiger SUgenmantel, ber 
§u allen ^^i^^i^ getragen roirb, fodte 
eigentlid) im ^efi^e jeber ^rau fein ; 
bod) mü^te er eine ^apu^e traben, 
um aud) iizn ^op\ ju fd)ü^eu unb ben 
9^egenfd)irm überflüffig ju mad)en. 
®§ ift fic^cr, ba^ biefer eine (äftige 
^lage bilbet, unb ganj nnabijängig 
oon i()m ju raerben, ift etraa^ (3d)üne§. 
•IRan probiere e§ nur! 

"Sann finb lorfere, furje 2:ud)iacfen geroifs aud) ju empfcl)(cu; für grofje 
^älte aber ober für ^f^eifen eignen fic^ grojBe 9JläntcI cntracber uiit firmeln 
über au(^ o{)ne folc^e, je nad) 3]erl)ä(tuiffen mit ober oljuc Fütterung unb '-öcfalj. 
■Jtatürlid) muffen fie roeit fein unb nid)t ctroa ^ai(lcnfd)nitt Ijabcn, foubern 
bem (3d)nitt be§ Dberfleibey burd)auy augcpafjt bleiben. Tie^ finbct fid) iebod) 
üon felbft, raenn nur erft bie .Spcrrfc^aft ber I'aiüe mit allem iljrcm 'Jluljang 
abgefd)afft ift. ^JBer raiberftanbSfäljige raarmc 5lleibcrfto|fe fuc^t, ber Ijattc 
fid) an ftetcrifd)c Soben. 




^■ig. 12G. iUcformfoftüm. 9?acf) ffuctpp. 



IG6 



Ott. 



Untere Betten» 

©ie fiiib unfeve 91ad)tf (eiber, nur mit bem Uuterfdjiebe, baji rair fie 
nid)t mit un§ Ijerumtragen unb baf3 fie un§ (oder umt)ünen. 51llen ©d)it)Qd)en, 
^ranfen, ^anerenben i[t "iiaS ^ett ein geliebter 3uf(uct)t§ort, roo fie ^e^agen, 
Sinberung, ©rroärmung unb ben fo oft erfeljuten ©d)taf finben. ©ef)r oiele 
ajlenfdjen üerbringen na!^e§u bie ^älfte if)rer SebenS^eit im '^etk; man benfe 
an bie oielen fleinen ^inber, bie oieten (Sd)onung§bebürftigen — bie ^-rauen 
bcr n) 01)11) ab enben ©tänbe in erfter ßinie ! — bie mir!tid) Traufen unb — bie 




fjig. 127. <Btmxcv^äic§ JBctt. 



6)emäd)Iid)en, um nici)t §u fagen „Raulen". S^l)n ©tunben tägtii^ im 33ette, 
ba§ ift gar nid)t§ ^efonbereS. 

%a ift e§ benn rairflic^ nid)t gleid)gültig, raie biefe 33etten 
befd) äffen finb. ©en Stnfprud) auf 9ReinIid)feit unb ®urcf)Iäffig!ett muffen 
roir für unfere S3elten ebenfo erfjeben, mic für unfere Kleiber. Sßiel mef)r 
jebod) at§ biefe fönnen bie 33etten bie 3:;räger oon ^ranfljeitSftoffen unb ein 
©ammelort für bie 2Iusfd)eibung§ftoffe be§ menfd)Iid)en ^örper^ rcerben, 
roeit fie ber täglid)en Süftung üiet weniger unterliegen all unfere ^teibung, 
bie mit un§ in§ greie getragen wirb, unb meit fie niemals ©elegenljeit I)aben, 
fid^ o^ne un§ mit reiner Suft anjufünen. ^as ^ett fte^t immer unbewegt 
an gleicher ©teile, unb feine einjelnen 3:eile merben int beften ?^alle alle paar 
2Bocl)en einmal in§ g^reie getragen unb ber Suft unb ©onne auSgefetjt. (S§ 



gett. IGT 

gibt 5a(j(veicl)e ^amiüen, im übrigen gauj rciulicl), lücldje au5 3(ng[t oor 
„falter obeu feuii)ter Suft" i()r ^ett5cug bcn gan5cu ^Sinter buvd) uict)t iiiy 
^•reie bringen itnb fid) bariiber feine ©ebanfen mad)en. llnb boy ginge noc!) 
an, raenn biefe ?}len[d)en roenigfteng bei offenen ^enftern fd)(iefen, ober raenn 
bie 33etten anS burc^läffigen, nid)t gefnubfjeitSioibrigen Stoffen beftänbcn. 
3(ber roie finb fie tatfäcl)(id) bcfd)affen? ^'C^^Ö^'^ i^ir mit 'ö^n Unterlagen an. 
©ie beftetjen au§ einer ©prungfebermatra^e, bie au-S Sßerg unb '3)ral}tfebern 
angefertigt ift, unb if)re Sage oft ;3al)re lang nid)t oeränbert. Sie finb 
inarm, aber raenig burd)(äffig; bann fommen ?Juitral3en an§ (3eegra§, dlo\]= 
f)aar ober gemifd)ten ^^ütlungen oon oerfd)iebener ©üte, bann Ijäufig nod) 
SBoItbecfen, ^^eberbettunterlagen ufro., bi§ enblid) ba§ raeif3e Seintud) folgt. 

®er Dberförper I)at, um eine erljöfjte Sage Ijerjuftellen, jraei bi§ brei 
O^eberfiffen, in roeld)e er fid) rid)tig eingräbt, roenn fie uidjt fe^r ftramm 
gefüllt finb, unb roeld)e im ©ommer unerträgli^ f)ei^ werben. 

21I§ 3"^^<^^ bienen gteid)fa(I§ ^eberbetten, mit roeijicm ober buntem 
Überjug, rcotlene '2)erf'en mit leinenen Unterlagen, ober 6teppbecfen auä 
33aumn)oIIe ober anberen ^^üüftoffen au§ ^flanjenfafern. 

2ßir I)aben bie Slufgabe, ha§ 33ctt ebenfo meid), roie roarm, Ieid)t unb 
burd)Iäffig ju gefialten, e§ finb baljer in hQW teilten :3al)ren oerfd^iebene 
^leformoorfdjtäge befannt geroorben, roe(d)e biefe ^cbingungen ju evfüdcn 
fd)einen. 9^id)t erlji^enb barf ha§ ^ett roirfcn unb nid)t burd) Sprungfebcrn 
bem Körper bie nötige 9f?u!)elage nel)men; benn burd) ©änfefebern unten 
unb oben rcirb bie 2ÖBärmeaulftra!)Iung bebeutenb erfd^roert unb burd) 'iiaB 
3'lad)fd)roingen ber ©rätjte bie S^^ulje be§ ^örperl oerminbert. 

'2)ie Ieid)ten unb fteinen 93ügelfebern, aneinanber gcljäuft, taffcn roebct 
Suft= no^ Söärmeftraljlen burc^; fie finb baljer rid)tige ©a§= unb Söärmc- 
fänger, unb SSafterien aller 2{rt ^abtn in ifjuen einen pradjtuollen 2(nficb* 
lunggort. ®a^er eignen fie fid) nid)t at§ Unterlagen, at3 3"^ec!e aber nur 
bann, roenn el fid) um fetjr roärmebebürftige ober (jerabgefommene ^nbioibuen 
Ijanbelt, unb roenn man für fleißiges ®urd)fd)üttc(n unb ®urd)(üften ber 
^eberbecEen (Sorge trägt. 2Ille 9?eformen ber Dleujeit bürfcn uu§ nid)t btinb 
mad)en gegen geroiffe 93or5Üge aUf)ergebrad)ter (Sinrid)tungen, roctd)e unfere 
!:Borfa{)ren, bie gefünber roaren al§ roir, über a\l^§ fd)äl3ten. ®ie SSärme 
ber geberbedten bleibt atfo unbeftritten ; wenn roir ftet§ äroifd)en .^raufen 
unb ©efunben unterfd)eiben, fo rcerben roir audj bie (5inrid)tung ber 93ctten 
barnad) beftimmen fönncn. 

^•ür junge unb gefunbe 9}lenfd)en I)arte unb füfjle Säger, f einerlei 
^eber^eug, nur roollene ^ecfen, 9]of5l)aar aly 5lopft'i)fen; scigen fid) neur^ 
aftl)enifd)e Einlagen unb roenig (Sigenroärme, fo roirb ein '^l.'lumean ber 20011=" 
becte oufgelegt, roeld)e bie Seine, bie ^n Rälte neigen, rafdjer crroärmt alä 
atleg anbete. ÜJiatratjen au§ 9io{3ljaar finb bie Ijaltbarften, taffen fid) gut 
reinigen unb fangen roenig auf; auy Seegra? finb fie l)ärtcr, füljter, rocnigcr 



168 33ett. 

faltbar unb nid)t fo reinlid), rceit bie ^^flanäeufajern mit ber Qdi jerfaden 
unb ©taub bi(ben. ©te fiiib bebeutenb bidiger a(§ 9\ü|3()aarftffeu. Statt 
©priingfebermatraijeu fiub bie einfallen 2:ral}tgef[ed)te elaftif^ unb bod) 
feft unb ft(!)er, aud) bie rein[i(^[ten. Sie bürfen atigemein eingefüt)rt roer* 
ben, U§ bie gefüllten ©prungfebereinlagen „ausgeftorben" finb. gür ben 
SBinter, rcenn fie 'i)a§ 33ett ju falt macl)en, bebecft man fie mit einer 
berben boppelten Sßottbecfe unb legt bann erft 9^10^1) aarmatra^en barauf. 
'^k ©teppbecfe mirb gu einem t)err(icl)en „Hteibungspif", raenn [ie mit 
Ieid)ter, flocfiger ^Sotle gefüllt unb mit Srifot gefüttert ift. ©ie ift anwerft 
f)altbar unb au6) fdjön, befonberg roenn mir bie obere ©eite mit 2lt(a§ ober 
©tiefereien cerfetjen. 

©t ein er f)at fid) bal SSerbienft erroorben, eine t)öd)ft rooljttätige Ü^e- 
form ber Letten eingefü()rt §u fjaben, bie fid) je^t fd)on raeit oerbreitet I)at. 
^m I)et^en ©ommer fd)(äft eä fid) füf)I unb gut in einem ©teinerfc^en ^ett, 
unb raem e§ im Sß>inter ju Ieid)t roirb, ber lege ftd) unten eine SoIIbed'e 
ein, oben entroeber eine ^roeite ©teppbecfe ober ein fur^eS ^eberbett auf bie 
3^ü^e, unb bann ift er nod) immer beffer baran, al§ in einem biden ^ett 
beS alten 9\egimeg. 

©ie ©rmärmung, bie für bie ^ü^e angezeigt ift, ift bem Hopfe fd)äb= 
lid); fo oiele 9Jlenid)en (egen fid) [c^on mit btutüberfüdtem .^irn infolge 
geiftiger Strbeit, erregenber Untert)altung ufro. in it)r ^ett; ftatt aber gu 
füllten, 5U beruhigen, erf)i^en bie warmen ^eberüffen ben ^opf nod) mef)r, 
unb nun beginnt bas erregte Sröumen, bal ^in= unb iperiuerfen im un^ 
ruhigen ©d)(af. '2)a{jer fladje 9^o^{)aarf iffen für alt unb jung unb 
I)ori§ontaIe Sage, bamit ber mübe Körper roirflid) au»rul)e unb nid)t 
©tauungen im 33ecten entfteljen. 9lur für gemiffe 5^ranfe ift bie er- 
t)ül)te Sage, ba§ f)albe ©i^en im 33ette erlaubt, ja fogar nötig; bei ben 
anberen ift e§ oft nur geban!en(ofe @erooI)n!)eit, bie nid)t of)ne fd)äblid)e 
^■otgen bleibt. 

23or allem muffen mir bie ?^-rauen baoor marnen, bie an Blutungen 
ber ^ecEenorgane leiben; fie ^aben fd)on blutüberfüllte ^edtcnorgane, fie 
t)aben fc^on ©tauungsleber u. bgl. ; e§ barf bal)er ber ©tei^ nid)t 5el)n 
©tunben lang fo oiel tiefer liegen al§ ^ruft unb Äopf unb bie ^^^-'^i^^Ql^on 
baburd) erfd)raert raerben. ^ül)t unb flad) muffen fold)e ^^rauen liegen, 
Unterfeberbetten finb fofort ju befeitigen, unb ber 5Topf ift burd) ein 9lo^= 
Ijaarfiffen nur wenig gu erl)öl)en. ^-ig. 127 fül)rt un§ ein ©teinerfd)e§ 
58ett oor mit allen feinen Steilen, roie ©teppbecfen, SDIatrn^en, ©raljtgefled)t, 
ivozi ^opffiffen, alle^ mit 2;rifot überwogen. 



«7 



aSofjiuing. IGD 



Untere Cdohnung. 

über bem Sette, unferer 5^leibiing für bic iT|ad)t, \k\)t nod) eine 
anbere, umfangretdjere ^üfle: ha§ ^ad) über unferem .Raupte, uiifere 
„^iitU", unfere 9Sof)nung. 2(urf) für fie gilt in geroiffem (Sinne 'Oa^S 
gleid)e ©runbprinjip, haB mix fd)on für i^leib nnb 53ctt anfftellten: fie 
mu^ „bnrdjläfftg" fein, b. f). ainfsenlnft einbringen, ^nnenluft t)eran§» 
treten laff en. 

Sm Ur^uftanbe fmb bie menfd)lid)en 2ßoI)nnngen anwerft prirnttio ge= 
loefen, an§ meljr ober minber Inftigen S^U^n beftel)enb, in ^etfen^ nnb 
(Srb^öI)Ien eingerid)tet, au§ 33[örfen erbant ufro., bi§ enblid) ber luftbidjte 
3Serfd)(u| au§ 2ef)nt, (Steinen, 3is9e^" itf^. anbere Sauarten oerbrängte 
unb gegen äußere (Sinftüffe ben beften S^u^ geroäljrte. ®ie feften SRauern, 
an iüeld)en nur einige Suft» nnb 2id)t(öd)er angebradjt raaren, unfere 
fogenannten „^enfter", bracf)ten nnl bauernb loarme 9täume, ermögtidjten 
un§ ba^er, and) bei größter äußerer ^älte eine ausgebreitete 3:ätigfeit 
5U entfatten, bie fid) ^Olenfdjen frü!)crer ^aljrtanfenbe, raeldje unfere Ijän§= 
tid)e (Sinridjtung nid)t fannten, faum träumen tieften. Sie brad)ten mh$ 
aber and) nebenbei alle üblen ^-olgen ber ^IbfdjHej^ung, ein frü{)er aud) 
nid)t gefannteS (Siechtum, langfamen aber fid)eren 2?erfaÜ. llnb raarum? 
2öei( bie btd)ten, unburd)Iäffigen ^äufer ben 3"tritt be§ Sauerftoffe» er» 
fd)n)eren unb gu einer Slnfanimlung ber nienfd)(id)en 2In§rourf5ftoffe inner* 
^alb ber .^äufer füljren, bie auf bereu 33erooIjner einen oergifteuben Gin» 
flu^ ausüben niüffcn. 

Grft im legten ^at)rl)unbert fam bie§ meljr jum 33eiüu^tfein, unb 
Seftrebungen taudjten ba unb bort auf, für eine ausgiebigere SSentitation 
unferer Sß}ot)nuugen gu forgen, für meljr Sic^t5utritt, für (Schlafen in 
offenen ^ütten roäijrenb ber raarmeu ^Q^j^'e^^eit ufro. — llnterfudjt man 
bie neueren SSicrtel unferer i)eutigen Stäbte, fo finbet man aud) talfädjH^ 
mandjen 5ortfd)ritt in biefer .g)infid)t, mand)e Sefferung gegen früfjere 
Reiten, ^m ganjen aber, für tizn gröfjeren Seit ber (Stäbte, fieljt e§ nod) 
fet)r traurig I)infid)t(id) loirfüd) gefunber ©oljunngcn auS. ^-inftere ©äuge, 
enge ^üd)en, roinjige (Sd)laffammern mit übelried)enber .^oftuft, niebere 
3iuimer, in roe(c!)e baS ganse ^a\)X burd) fein Sonnenftraljt fällt, ftaubigc 
©trajientuft für bie 3i»^nter ber 23orberfeite: tta^ ift fo beiläufig bie Sc 
fd)affent)eit oon Staufenben ber ftäbtifd)en S5>oI)nuugen. ^\i e§ ba ein 
SBunber, rcenn itjre 33eroot)uer b(af5 unb gelb roerben, roie afle "l^flan^en, bie 
man in einen bumpfen 5^eüer fteUt, ftatt fie ber ^'uft unb bcm (Sonnenlidjtc 
au§5uf cljeu ? 

Unb roenn bann noc^ in biefen 23oIjnungcu rocnigftenS bie 9ieiulid)fcit 
{)errfd)te, bie roir an auberen SteÜen fd)on befd)riebcn! "iBcnn bie ^^'M'^cr 



170 aBof)nung. 

Qud) nachts geöffnet roüvbcn, loemi mau bie Letten öfter in bte Sonne legte, 
wenn nie nteljr al§ Ijödjftcn» gitiei 9J]enfd)en in einem D^aume §ufammen= 
fd)Iiefen, luenn man niemals SInfamntlungen oon Speifereften, fdjmu^iger 
2öäfc^e, inbuftrieflen SIbfätlen (bei ^anbrcerfern), 3lu§bünftungen ber ^h= 
tritte ufiü. bulbete; ia, bann märe es nod) nic!)t fo fcf)Iimm. 2{ber nor ber 
„böfen 9]acl)tluft" fürcl)ten ftcl) bie ?l|enfd)en; ein fonuiger öof ober offener 
@ang am ^intert)aufe, roie man fie in Cfterreid) oft an allen Stoctroerfen 
finbet, ift fetten Dorl)anben; bie 9^äiime finb ntd)t 5a()(reid), fo baJ3 fe!)r 
oft brei, oier, ja mel)r ^^^erfonen in einem D^aume f(f)tafen muffen; bie 
Mc^eu werben nicfjt rein genug gel}oIten, bie 2tbtritte finb fd)Ie(^t gebaut 
unb geben oft gerabeju fuvd)tbare fünfte ab, — roo ift ba ©etegen^eit, 
33etteu 5u fonnen, roo eine 9}löglid)feit, einigermaßen reine Suft gu er» 
Ijalten?! ^n unglaublid)er Suft leben alte unb junge S[Renfd)en ja!)r5el)nte= 
lang, unb roenn Sturen unb ^j^enfter oft ntc^t fo f(i)Ied)t fd)(öffen ober fo 
Diele 'iperfonen nid)t oiele ©tunben außer'f)atb ber SBo^nungen ju leben 
gesmungen mären, fo mürben ^ranffjeit unb (Stenb nod) oiel t)äufiger 
auftreten. 

(^§ roirb angegeben, baß in feud)ten ^ellerroo^nungen oon 1000 ®in- 
roof)nern 25 fterben, im erften Stoc! aber nur 21, im oierten (Stoc! bagegen, 
alfo in ®ac[)raoI)nungen, 28. Unten fefjlt ^i^t unb Ijerrfdjt ^-eudjtigfeit unb 
9Jlober, oben aber gibt e§ Sßärmeftauung ober ju oiet 2(bfü^Iung. ^n 
Leders unb ®ad)rooIjnungen, rco bie 2Irmut Ijerrfd)t, fletlen fid) baljer bie 
meiften @r!ranfungen ein, bie I)üd)fte (5terblid)feit. (SInbere Urfad)en mirfen 
ouc^ nod) mit.) 

2(u-3 foldjen 2;atfad)en muß man lernen, nod) mel)r aber oon bem 
2Iu§feI)en ber 9)]enfd)en, bie unter foldjen 33er{)ättniffen kb^n; benn eS fterben 
nid)t alle glei(^, bie ein l)albe§ Seben ba!^infied)en. 

Unb fo gelangen mir 5ur ^eantrcortung ber S^rage: roie foHen nnfere 
2öol)nungen befd)affen fein, bamit fie genügenb marm unb fd)ü^enb unb 
bennod) nid)t ungefunb werben? 

3uerft fommt bie Sage be§ §aufe§ tn 33etrad)t. ;5^^fotge ber @in= 
pffe ber ©runbluft unb be§ (Srunbraafferl fei e§ nie gu tief erbaut; 
e§ roirb gefünber fein, roenn z§ an einem ^ergabl)ang ftel)t, ober im 
2:ale an einer erl)öl)ten (Stelle, ^ann ift ber ©injelbau bem Sf^ei^en^ 
bau, alfo ba§ SSillenfgftem, cntfd)ieben oorjusie^en, roie roir e§ in ?Jlünd)en, 
'2)re5ben, 2öien unb anberen ©tobten in neuen Slnlagen fd)on finben. 
3ebe§ ^aii§ ift mit ©arten umgeben; Suft unb ©onne bringen oon allen 
©eiten ein; enge, büftere ©äffen finb bei folc^er Einlage unmöglid), bumpfige 
lid)tlofe dlämm gleid)fallg. 2)ie ba§ ^au» umgebenben '^^flanjen aber, 
Säume, (Sträud)er, atmen «Sauerftoff au§ unb tragen roefentlid) jur 33er* 
befferung ber Suft bei. 9J?an braud)t bei füld)er 33auart freilid) mel)r 
S^aum, unb bie menfd)lid)en 5öo!)nungen breiten fid) oiel me^r an§, aber 



5Bof)nunß. 17]^ 

t>a§ ift e§ ja, roa§ roir erftreben; haS S^[\ammcnhxänQm öer üIReni^en 
üu[ f(eine ^[äd)en, öa» Übeveiuanbenuüljueii, bay gcgenfeitige Q^evberben 
ber Sltmungsliift f)ört baniit auf. 

%a bie (5d)(af5immev für uiifere ©efunbf)eit bie iüirf)tigfteu yf?äiune finb, 
lege man fie nad) Dflen, um bie 9J]orgeu[onne auf \)Qn Crganilmu§ ein= 
roirfeu ju (äffen, ebenfo bie 5^üd)e, bie oiel 2id)t braud)t unb in n)e(d)er ftcf) 
feine SOlifroorganiSmen (fleiufte Sebemefen) anfamnieln bürfeu. Sirb bod) 
in ber ^üd)e unfere 9fla!)rung bereitet unb I)ängt bo^ oon iljrer ^efd)affeu= 
I)eit bie 9aeinf)eit unfere^ S31ute§ ah\ 2Bo aber M§ Sünnenlirfjt fc^tt, bort 
raad)fen aüe bie fleinen, juerft unftcl)tbaren S^eime, t)k ©c^mutj unb ^ranf= 
f)eit ü er urf ad) en. 

2{lfo ^üd)e unb ©c^Iaf§immer finb bie raic^tigften aller 3f?äume 
in jebem ^aufe! ®ie SSerteilung ber anberen 9f?äume ift bann weniger 
roid3tig; an allen (Seiten beg .^aufe§ finb fie braud)bar, raeit fie oon feiner 
nad)barlid)en 9)]auer befd)attet roerben unb roeil fein 5]eben(jau» il)nen Suft 
raegnimmt. 

®ie 3ufunft rairb ung fi(^er eine Bauart bringen, roeldje unl in feiner 
3Beife ftört unb bennod) beftänbigen Suftjutritt crmöglid)t: 5^1appennorri(^= 
tungen, 9^öf)ren(eitungen burd) ba§ ganje ^au§, iüetd)e ebenfo für gleid)mäf3tge 
(ärroärmung aller 9täumlid) feiten, roie für beftänbigen Suftabsug forgen, 
eleftrifd)e S3eleud)tung ftatt ber ruhigen, primitioen Üllampen, gerud)lofe, 
leid)t 5u reinigenbe 2(btritte (2;onnenfgftem), l)ijgienifd)ere SBoljnungleinric^* 
tungen im allgemeinen ufro. 

'2:a§ aud) bie 5^üd)en bebeutenbe 3Serbefferungen erfahren roerben, fei 
l)ier nur ongebeutet. Xa§ tägli^e „^euermad)en", ha§ 2{nru^en aller (3^' 
fd)irre, bie Ungleidjljeit ber Cfenroärme: bieS alle^S beutet eigentlid) auf nod) 
red)t barbarifd)e ^uf^önbe, beren Unoollfommenljeit eine 9J?enge 9]ad)teile 
nac^ fid) 5iet)t, bie man aber fo geroül)ut ift, ba^ man glaubt, e§ fönne gar 
nid)t anber§ fein, '^k (Emanzipation nom ^erbfeuer roirb baS roeiblid)e 
@efd)led)t im roal)ren 6inne be§ 2öorte:§ befreien. 

'2)ie 2{bfd)affung ber Kamine aber roöre gleid)bebeutenb mit einer 
oorljer ungefannten Steinigung ber :Cuft. (2id)tbare unb unfic^tbarc 
.•(^oljlenteildjen (9^u|) befdjroeren unaufhörlich bie Suft, fd)iüär5cn .C^äufcr, 
Syiöbel unb 2Bäfd)e, mad)en eine Unfumme oon täglid)en 9^einigungy= 
arbeiten notroenbig, bie bann oollftänbig rcegficlen. 9.T?an ftcllc fid) 
nur üor: fein 9^u^ meljr! f{cine gcfd)n)är5ten 9."'(enfd)enlungen meljr! Q§ 
lüäre 5u fd)ön! 

2Bäl)rcnb ^ei^luft» unb ^ampfröl)rcnl)ci3ung ba§ ganze Jr^an^ oon 
oben bi§ unten erroärmte, roürbeu bie Suflvöljren aud) für beftänbigc (5r= 
neuerung ber ^nnentuft forgen; eine 2(nfammlung üon mcnfd)lid)en 9(u5» 
bünftungen roäre alfo gar nid)t mcl)r möglid); übclricd)cube ^inimcrluft 
roürbe niemanb mel)r a\i§ eigener (5rfal)ruug fenncu. 'D^kn fönntc moljncu. 



172 93ol)nung. 

arbeiten, ge[d)ü^t fein, o^m Die fjeutigen üblen ?yoIgen ber 5lb[d)IieJ3ung 
ertragen 511 muffen. 

3n foId)en .^änfern muffen mir Cy bringen unb jiuar foiuüljl bei cin= 
fa(f)er a\§ and) bei füftbarer Ginridjtung, bamit raoIjUjabenbe, foraie weniger 
33emittelte Den ©egen Dtefer (ginrid)tnug ^n genief3en befommen. 

SBaS nun bie 2(u§ftattung ber Söoljnräume anbelangt, fo wirb ami) 
I)ier ba§ 'prinjip ber Ieid)teren S^einignngsfäljigfeit ben ©ieg erringen; ge= 
potfterte 931öbel, biefe ganger für Staub unb llngejiefer, werben oom (Bcl)au= 
pla^ oerfdjiuinben unb oon anberen roeidjen, na(i)giebigen (Srfa^mitteln oer= 
brängt raerben. '3)ie ^-upöbeu werben Überjüge er{)atten, raeld)e mit feud)teu 
Südjern müI)eIo§ gereinigt raerben fönnen unb feine Staub- unb (Sc^mu^= 
anfammlungen geftatten. ®a§ Überfd)raemmen ber bieten mit Sffiaffer, ba§ 
(Scheuern berfelben mit (Seife unb Surfte, wie e§ in ber (5d)raei5 noci) Sitte 
ift, um fie rec^t roei^ ju erl)alten, roirb man nur au§ Überlieferungen fennen. 
®en mobrigen ©erud) oon feud)tem, altem ^olj, bie groJ3e ^leigung besfelbeu, 
@erüd)e unb Sd)mul3 aller 9Irt aufjunctjmen unb feftjufjalten, beftreitet man 
faum, bennod) glaubt man nod) nid)t, baf5 fo(d)e roei^e, fd)mu^ige ober feud)te 
fielen in gefd)Ioffenen Sßo^nräumen ungcfunb finb. ^m allgemeinen raiffen 
bie 9}lenfd)en gar nid)t, mit raieoiel @efa!)ren fie fid) umgeben. 

^•(iegt burd) bie g^enfter fein 9^u^ meljr Ijerein, raerben bie Strafen 
baburd) ftaubfreier er!)alten, ba^ gur ^flafterung nur ganj I)arte§ SJiatcrial 
oerraeubet roirb, alfo feine raeid)en ^^f(afterfteine, roeld)e fo oiel ©taub oer= 
urfadien fönnen, Ijaben innerijalb ber SBoljnungen ^eijung unb 33errupung 
i^r (Snbe erreid)t, finb im übrigen auc^ feine Staubfänger aller 2lrt in t)in 
SEioIjnungen, bann I)i)rt aud) bie heutige Staubrairtfd)aft auf, unb bie 9}]enfd)en 
'{^ahtn fid) einer root)(tuenbcn 9ieinlid)feit 5U erfreuen, roeld)e itjre Saugen 
gefunb, i^r Slut rein erljält. 

ÖD 

Cuftbütten. 

fyür bie roarme ^a'^reyjeit oerbient tia^ Sdjiafen in offenen Suftf)ütten 
bie regfte -Uufmerffamfeit. Sinb gut centitierte Steinf)äufer auc^ reinlic^, 
bie bireften 2Iu§ftral)tungcn oon ®rbe, §immel unb ^ftanjen f)alten fie bod) 
auf, ebenfo bie berocgte Suft; baf)er ift ba§ Sd)(afen auper^atb aud) be§ 
ooUfommenften ^aufe§ immer nod) etroa§ ganj anbere§, raeit oiel gefünber. 
Sföer e§ nie oerfudjt Ijat, af)nt ben ©enu^ nid)t, ben auc^ ba§ Sd)(afen 
unter freiem ^immel geraä()rt. So raie bie moberne ^citfunbe immer me^r 
bie Suft a\§ geraaltigen |)eiIfaftor erfennt, fo rairb bie 3iifw^ft jebem ^au§= 
befit3er in feinem ©arten geraifs aud) eine „2uft()ütte" bringen, bie ju ben 
feIbftoerftänbIid)cn Ginrid)tung§ftü(Jen gejät^It rairb. Sie ift bann rid)tig 
erbaut, raenn fie oor Siegen unb Sturm ober Sübenfeud)tigfeil S6:)n^ ge= 



?ID I) n it n c\. 



173 



ivai)xt, babei ber Suft freien Siivdjjuß geftattct uub aiicl) bevavt 3IbicI)(uf5 
ermöglidjt, bnfs oon au^eit nienuiub einbringen fann. 6ie bei'le()t nnr a\\§ 
33rettetn unb halfen, Ijat brci fcftc SBänbe, an bercn oberem Gnbe oerid)ieb= 
bare klappen angebracljt finb, unb eine offene ^^anb, roelrfje mit Satten oer- 
fd)Ioffen luirb unb bie 2:üre ent()ält. STnfserbem finb oon innen bicf)te 35or» 
tlänge oorsuäiefjen, menn man ben Ginbticf üeriuctjrcn miü. Unter bem ^-ub^ 
boben ftreid)t bie Suft gleic^faUä burcl), benn bie glitte ftetjt auf nier ^^^fäljten. 




Sie geran()rt fo oiel 9]anm, baf3 33ctt, 3:iic^, 3tü()(e unb 3d)ran! anfgeftellt 
raerben f'önnen. ©efa(}r(ü§ fann man in ber -glitte ein nädjtlidjey ©cmitter 
überfteljen, unb ängftü^en ©emntern bringt ber £attenüerfd)(uf} 93erul)igung ; 
^eudjtigfeit aber bringt nirgenby ein. 

GS gibt oerfd)iebcne 5(rten üüu Suftijüttcn, luir (jaben jebod) nur ber 
Dorftc!)enben ben '^or.^ug geben fönnen, ba fie tatfädjlid) atlen 3(nfprüd)cn 
genügt. (2ü(d)e, bie bireft bem Grbboben aufliegen, befonimen balb faulige, 
fcitdjte fielen unb geben allerlei Ungeiiefer ©elegenljeit, fid) im ^ül5e ein» 



174 2Bo{)nung. 

§uniften. ®rl) ebt fiel) bte glitte aber frei com (Srbboben, ift fie nur buri^ 
raenige ^fäf)Ie in 33eriil)rung mit bemfelben, fo bleibt fie an allen ©eiten 
oon ßuft umgeben, na§ felbftvebenb oon größtem 33orteit ift. 

S)a§ ooUftänbige Offenbleiben einer SBanb fann befonber§ für grauen 
nicl)t befürmovtet werben; man fann ©arten meift nicf)t fo abfd)lie^en, ba^ 
fie t)a§ (Sinbringen ^rember oertjinbern lüürben. (S(i)on ba§ ^erou^tfein 
einer folcI)en 9}lüglid)feit raubt 33el)aglicl)feit unb ©eelenrul)e, bie gu einem 
guten ©d)lafe unentbel)rli(^ finb. ®ie Satten beljinbern ben Suftburci)§ug 
feine^meg?. 

2tud) mälrenb fiil)ler 9läd)te fdjläft ^§ fid) rcunberDoll in fold)er .^ütte, 
ftet^ oorauSgefe^t, baj3 mir über ein gute§ marmeä S3ett oerfügen. ^e ^öt)er 
bie .^ütte fteljt, befto luftiger ift fie unb befto fd^önere 2lu§blicfe geroäl)rt fie. 
^n ^eilanftalten bürfen bie .g^ütten nidjt nebeueinanber fteljen, meil fid) bie 
S3emol)ner baburd) ftören, fonbern jebe mu^ einjeln gebaut raerben unb von 
Räumen unb ©träud)ern umgeben fein. ®ie mit <3c^lo^ üerfel)ene %üx lel)nt 
an ber Sciteuraaub unb ift baljer auf imferem ^ilbe nic^t fid)tbar. SJiöc^ten 
5?iuber unb ^^rauen in foldjen ^ütten f^lafen lernen, bamit fie rötere SBangen 
unb frifd)eren (Sinn befommenl 





Jünftcs Kapitel. 



RuDe und Bewegung. 




*-\^«, C:^l»|-»f "O Scfilnf, Fiolbcr Scf)Iaf 

UvT genial* au ^Pfleger »er 9Jatur — " 

©F)af efpcare ■ 

eiuegung ift SScräubenmg bei Orte», bei 9J]en[cl) unb 3:ier 
5JJu5fef5u[ammen3ic()ung unter Sauerftoffaufualjiiie imb 5^of)(en: 
jäureabic^etbuug, aljo eine 3:ätigfcit, bie oerbraud)t. '2:at)ei' 
tamx fie nidjt uuctiigefcljvnnft fovtge[cl3t racvbeii, menn ni^t 
(Srirf)i3pfung (5(buü^iing) eintreten foll. ^k SIntur I)at um 
öal ?}tübigfeit§gefül)[ gegeben, t)a§ \m§ Ginbnlt in ber 33eraegung ge- 
bietet, unb einen anberen ^iM'ti'^nb, ber bie gor|ci)er immer mieber ju neuen 
93eobod)tungen anregt unb öer bie üerlorenen Gräfte oollfommeu erfe^t, el 
ift ber (2d)Iat, befanntli^ „ein 3witnng§bruber öe§ STobey" genannt. 

(Sr be[tcl)t in oüUftäubiger äujserer unb innerer i)iu(ie. 2:ie ©lieber 
t)ängen fd)laf| om Slörper öel (Sd)Ia|enben; öer öeift, bie 3inne baben it)re 
2;ätigfeit unterbrod)en, ba§ 33eiüu|3t|ein ift au^jgclöfrfjt; üüdftänbig meljrlot^ 
liegt ber (Sdjlafenbe Da. 3hir X)a§ .\per3 arbeitet ru^ig rceiter, unb bie 
2ttmung§organe beiueifen il)re 3:ätigfeit burd) langfamel .^cbcn unb Senfen 
Öe§ ^ruftforbeS. 2öenn ber (2d)(af lange entbehrt lüurbe, tritt er bei ge^ 
junben 9JJenid)en mit ]o elementarer aJtad)t ein, Dafj er fie in jeber Stellunc 
überwältigt unb fo bleifd^roer mirb, t)a|3 ein Grmed'en faft unmöglid) er» 
fd)eint. (So 1d)läft bie :3"Sßii^' ^^enn fie ermübet unb gefunb ift. Gin 
beneibeniroerter ^iif^onb! 

®ie 3>erbauung ift oerlaugfamt iuäl)renb be§ (2d)lafe5; für erfd)üpfte 
^Jlerüenfraft ift Der ©d)laf, tief unb traumlol, bay lüirffamfte (5rbülungl= 
mittel, unb man ift bered)tigt, auäuncljmen, baf? roäbrenb feiner ^aner er» 
mübete ^ükn neue 9läl)rftoffe aufnebmen, fngenannte Grmübungiftoffe abgeben 
unb baburc^ ju neuer Sätigfeit mieber befäbigt merben. 

©elgteic^en ift er für jugenblid)e, nod) im "iß>ad)ytum begriffene SBefen 
oon l)öd)fter ^ebeutung unb follte, ebenfo roie für 5lranfe unb Sd)iüadic, mit 



1 7G 9^ u I) c u it b 95 e lu e G n n g. 



üiel größerer (Sorgfalt beaiifficl)tigt luerbeu. Söa^ rair roä[}renb be» Sdjlafe§ 
in im§ Qu[nel)men, ift für bie 2Irt be§ ©d)Infeg inib ben ©rab imfever dr* 
Ijohmg unb SCßleberljerfteKung non größter Sßi^tigfett. ©e[cI)Ioffeue ober 
gar üerbraiic^te 3^"^"^^^^«!^ ^ft fiii-' ^i"^" «Sdjlafenben nid)t geeignet, and) 
genügen t{)m fleine bnnipfe 9^änme ntd)t nnb nid)t jebeg Sager ift für tl)n 
gnt genng. 3Id), in rceld)er Umgebnng fiet)t man oft fleine fanerftoff= 
^nngrige ^inber, i^ran!e ober (Srijoinngsbebürftige fd)(afen! @§ ift nnglanb* 
lid) unb tut bem 9Kenfd)enfreunb inetje. 

Stilen .^au^franen, 9Jlüttern unb 5^ran!enpf(egerinnen fei e§ be^tjalb an§ 
^erj gelegt, fxir beftänbigen (Sauerftoff,^uf(u^ für bie (3d)fafenben ^u forgen, 
unb alle übten 2tu§büuftungen tl)nen fern ju I)atten, ferner ba§ fonnigfte, 
angenet)mfte 3^"^^^^ 8iini (Sd)tafranm ju beftinnnen. 

Unfer 53iid) I^at bie 3(ufgabe, gerabe ha§ 2?crftänbni§ für bie näd)ft' 
tiegenben, fogenannten „gen)i)t)nlid)en" ®inge, bereu f)ot)e SBebeutung oft fo 
roenig erfannt wirb, §u roecfen unb babnrd) bie t)äu§(id)en 2(ufgaben ber 
3^ran erft in ba§ red)te Sid)t §u feljen. ®ie oolle ^ürbigung be§ (Sd)lafe§ 
gel) ort auc^ baju. 

53e§üglid) ber natürlid)ften fiage im fdjiafenben ^^^ftcinbe t) ort man oft 
bie n3iberfpred)enbften 5(nfid)ten änf^ern. S5>ir oermeifen auf bie ^-ignr 213 
be§ ©oriüa im II. 2:eile unfere§ S3ud)e§, um an biefem ^ilbe ju 5eigen, 
xüa§ eine „natürtid)e" Sage ift. 2(tfo S^iücfentage mit erljobenen 2(rmen, 
meld)e bie meiften gefunben 9Jlenfd)en lieben unb inftinftio eiitneljmen. (Sie 
erteid)tert bie Sttmung roefentüd) unb geftattet freie 33emegung aller ©lieber. 
%a'^ fie mit red)ter ober linfer «Seitenlage ober and) einmal mit ber re^t 
rao^ltuenben 93 and) läge abroec^feln fann, ift felbftüerftänblid). ^efonbere 
9^üdfid)t auf bie Sage im Schlafe brand)en überljanpt nur STranfe 5u nel)men. 

Sind) über bie 9Jlenge be§ nötigen Sd)lafe§ t)errfd)t oiel Unl'lar^eit. 
SOBäl)renb bie einen ju oiel fd)lafen, baburd) ^^^ettanfa^ unb geiftigc Sräg^eit 
3üd)ten, leiben anbere an d)ronif(^em (Sd)lafmangel. 

^u letzteren gepren üiele Slngeftellte unb fel)r oiele abge^e^te ^^amilien» 
mütter. 93ei ^^abrit'arbeitern beginnt bei langen ^eimroegen oft erft um 11 U^r 
nad)t§ bie 9^nl)e; um 4 Ul)r morgen§ aber finbet ber Stufbrud) fd)on rateber 
ftatt. 'SDag finb 5 Stunben S(^laf! Sind) für einen @rrood)fenen §u roentg; 
benn nur bei 7 bi§ 8 Stunben bleibt man im ©leid)gemid)t feiner Gräfte. 
%k geplagten SJlütter aber l)aben oft biiS 9Jiitternad)t für bie O^amilie 5U 
flidfen unb 5u orbnen; tro^bem ruft ba§ ^üngfte bei 9J?orgenanbru^ bie 
9Jlutter abermals, unb rcenn fie nad) Sefriebigung be§ (Sd)reil)alfe§ nod) 
einmal in Sd)lummer finft, ben bie müben ©lieber 1o bringenb forbern, 
bann ruft ber ®lodlenfd)lag ben 9J?ann jur Slrbeit, unb hk (Sd)laftrunt'enc 
muf) fid) abermals com Sager aufraffen, um ^euer ju mad)en unb Kaffee 
5u folgen. 2Bie oiele fd)iüäd)lic^e grauen lernt ber Slr§t fennen, bie an 
@rl)olung unb (Sdjonung ber eigenen 5^räfte nie beuten fönnen, Xia fie für 



JHufie unb 53eiDegiing. 177 



9}|ann unb ^tnber beftäiibig 311 ]"ovi]cn Ijabeii, aud) lüenii ber eigene i^örper 
beut 3iiHi"inienbrud)e na(}e ift. ^(meu fe()(t Sdjlaf unb 9iu(je Dor allem! 
2Sierraüd)entü(i)e ^^n"^ege, Entfernung oom .^aufe, Trennung von 9)lann unb 
i^inb fc^affen auy i^nen neue 9)]enfd)en. 9?id)t Slvjneien oer[d)reibe man 
fü(d)en @ei"d)ioäc!)ten, fonbern reid)licl}:n, ungeftörten (Bd)(af in gefunber 2u[t. 

^ür fleine S^inber gilt bie Diegef, fie l'd)(afen ju laifen, [otange [ie fetber 
rcoUen; für größere genügen 12 big 9 (Stunben, unb sroar frf)(afen fünfjährige 
12 ©tunben, neunjätjrige 10 (Stunbcn, sroölfjäljrige 9 Stunben. '$>{§ jum 
groansigfteu ^al)re fönnen 9 Stunben mit großem 5>üvteil eingeljalten werben; 
benn folange ber Körper raädjft unb innere Organe nid)t ooüftänbig au§* 
gebilbet finb, wirb genügenber Sd)(af nur mit (Sd)äbigung ber ©efamtent» 
lüicflung entbeljrt. 

Stud) 9^u()e of)ne @cl)taf ift beni S^örper nacf) getaner 2{rbeit 33ebürfnig. 
:3mmer roieberfe{)renbe§ 9auf)ebebürfni§ aber üf)ne t)orf)ergegangene 33etätigung 
ift ein !ranf^after ^uftanb, ber in irgenb einem 3D^angeI ober einer Störung 
bei Crganilmul feinen (Sruub l)at, unb ber immer ergrünbet roerben foUte. 
2)ie ßrmübung fann, je nac!) ber Betätigung, eine allgemeine ober nur 
ört(id)e fein. 3ii"^ S3eifpie(, loenn rair eine «Stitube lang 3:eig gefnetet 
t)aben, ermüben bie Strme berart, baf3 lüir if)neu 9\u(je gönnen muffen, um 
fie gu neuen Seiftungen §u befä()igen; ber ganje 5^örper ift ulfo nod) nid)t 
auggegeben; gu anberen 33errid)tungen, bie anbere 9}]u5fe(gruppen befd)äf» 
tigen, bleibt er befähigt. ^\i man einen gan5en STag (ang oon einer Se» 
fdjäftigung jur anberen gegangen, l)at man Beine, ^änbe unb 5lopf ange- 
[trengt, bann ift abenbl eine aUgemeine (Srmübung füfjtbar, bie aud) 
ooUftänbige Sf^ufje f)eifd)t. ^a§ finb alfo mistige Unterfd)iebe. 

6ie leiten un§ auf bie ge(}eimni§üü[Ie SBirfung ber 3{broed)f(ung, 
bur(^ bie mir un§ ju einer oietfeitigen S:ätigfeit befätjigen. S5>äl)renb ein 
Organ tätig ift, rntjt ein anbcrel, unb auf biefer fingen 33erteihtng unferer 
Jlraftanraenbung beruf)t bie 3)lef)r(eiftung. 9J?an fann 3. 33. fel)r gut brei 
Stunben fd)reiben, barnad) eine ©tunbe I)äu$Ud)e 3Irbeit mit Ieid)ter förper^ 
lieber 5Inftrengung cerridjten, barauf eine «Stunbe (efen unb bann nod) ein 
bis jroei Stunben gelten ; man mirb bei fotd)cr Cebenlmeife red)t frifd) bleiben, 
nidjt abftumpfen, roie bieg bei eintöniger, an()a(tenber 2(rbeit fo oft ber ^yaü 
ift, unb baburd) t)erfd)icbenen 5(nforberungen geniigen. '2)a(jcr finb ÜIrbeiter, 
l)ö()erer ober nieberer Oualität, bie ad)t bi§ jeljn Stunbcu bie gfeidjc 3(rbeit 
Derrid)teten (Bureauangefteüte u. a.), oft trolj mangcKjafter 5.1cngfc(tätigfeit 
üon it)rcm itageroerf üiel ermübeter a(g eine ^rau, biß unter normalen 3}er= 
I)ä[tniffen mel)rere unb ganj Devfd)iebene 0efd)äfte erlebigte, oljue fid) jeboc^ 
babei gauj augjugeben ober fcl)r au^uftrengcn. 

®ag 2Qbin erforbert ja oielfeitige Betätigung unb bie „einfeitigen" 
5[Renfd)en finb beflagengiuert in jeber ^inftd)t, nic^t nur meil fie anberen fo 
rcenig nü^en, fonbern toeil fie fid) felbft fo l)äufig burd) i^r Unoermögcn 

Xte ^rau ali CtauSärjtin. 12 



178 9tu^c unb Jöemcgung. 



fc^äbigen. Unfere 2Iu§bilbung jur SStelfeitigfeit foUte alfo eine beraubte Sluf» 
gäbe ber ©rjte^ung fein. 

SJion roed)f(e ab mit ber 5lrbeit unb pflege geitraeilig aud) befd)aulid)e 
9?u^e, rcobei fic^ ber ©eift fammelt imb bie ©pannfrafte fid) roieber oer= 
nieljren. ®ie unruhigen 9JJeufd)en, bie immer „etroa§ tun", fid) bemegeu 
ober minbefteng fc^roa^en muffen, finb auc^ franfljaft; fie follte mau 
met^obifd) bämpfen unb beu ©enu^ ber 9?ul)e Iel)ren. S)ie äußere llnrulje 
ge^t au^ geu)öt)nlid) mit fe^r uuru{)igem ©eift unb neroöfer J^onftitution 
.^anb in §aub unb rairb iuiSbefonbere \zl)X ^äufig beim roeiblic^en @ef(^(ec^t 
gefunben. 

©trengere geiftige ®reffur, mel)r 33ertiefung bei allen 2Serrid)tungen, 
me^r Übung in (Setbftbel)errfc[)ung unb ©elbft5ud)t rairb aud) ein fd)n)äd)ere» 
9^eroenfi)ftem üor foId)er Unruhe fd)ü{3en. SJIan unterfd)eibe bemnad) raoI)t: 
neroöfe Unrut)e üon bert)u|3ter SSietfeitigfeit, OberfIäd)(i(^feit unb 33161=» 
flefd)äftigfeit (auc^ bei beu ^-rauen fo ^äufig ju beobachten!) oon fi)ftematif(^ 
geleiteter Slrbeit unb 2tbmcd)flung. 

^£7 



Bewegung, öymnaTtlR. airbett tp ber lugenb GueU." 



„SIrbettiftbeSStuteS SBalfam, 
nb Ouell. 
»erbe r. 

HJIon teilt alle 3lrten con iöeroegung in aftioe (b. i. tätige, geraollte) 
unb in paffioe (b. i. erleibenbe, alfo ni(^t gerooUte). 

3Benn mir einen (Sd)ritt mad)en, um ein Qid §u erreid)en, fo l)aben 
rair eine aftioe 33en3egung aulgefül)rt, bemüht unb gemollt; menn aber 
jemanb unferen 2lrm com 3:ifc^e fd)iebt, um t)ielleid)t ^la^ gu fc^affen, 
fo Ijaben mir eine paffioe Seiregung au§gefül)rt, ni^t gemollt, fonbern 
erlitten. 

®iefe ©runbbegriffe bargulegen ift notroenbig, beoor mir 5ur Se^re oon 
ben 53emegungen übergeljen. 

Sine ?^rau, bie oerfd)iebene l)äu§lid)e 5(rbeiten Derrid)tet, S3öben 
raifd)t, 3:ifc^e fd)euert, ^-enfter reinigt, 5!inber trägt, ©imer fd)leppt ufm., 
ftrengt alle 93lu§t'eln il)rel 5?örper§ fo fel)r an, ha^ fie feiner funftoollen 
©ijmnafti! bebarf, um fic^ 33eroegung ju fd)affen. ^ene ^-vauen aber, bie 
gar nid)t raiffen, raa§ förperlid^ arbeiten l)ei^t, bereu DJJu^feln bat)er 
fd)road) unb ungeübt finb, biefe Ijaben ©gmnaftif nötig, ©ie läfät fid) in 
t^^orm fi)ftematif(^ georbneter Übungen au^füljren ober au(^ alä ©port 
betreiben. 

2)ie 9Jlu§felbetätigung bei 5tu§fül)rung praftifd)er 2trbeiten rotrb jeboc^ 
meift rcenig gefc^ä^t, roeil fie eine „SJtufsarbeit" ift; bie @i)mnaftif al3 
fi)ftematifc^e Übung langroeilt balb; e§ bleibt bann nur no6) ber ©port übrig, 
beffen :^\md baä 33ergnügen ift ober auc^ befd)leunigte ^yortberoegung. 5vranfc 



9lut)e uub S3en)egung. 179 



muffen ©qmnaftif unter äv3tltcl)er Seitung üben, ©efnnbe fönnen unb foden 
ftd) aud) bei geringen SJiitteln nid)t gan^ ju ^aiigfflaDen machen, fonbern 
gur Grfrifci)ung be§ ©eifte» unb S!örper§ immer etiüa§ Dernünftigen Sport 
nebenbei betreiben. S5?enn ba§ ireiblidje @efd)ted)t e§ einmal foroeit gebradjt 
t)at, ba^ eä fid) ^-rei^eit unb ^raft aud) für foId)e Betätigung ju erübrigen 
lüei^, bann roirb e§ förperlic^ fräftiger unb geiftig intereff anter roevben. 
9}löd)ten fid) bie§ alle grauen gefagt fein laffen! 

Unter @t)mnafttf (au§ bem ©riedjifdjen) t)erftel)t man georbnetc, 
fi)ftematifd)e Seibe^übungen, iüeld)e nad) beftimmten Siegeln aulgefüf)rt merben. 
Sie f)aben ben ^roecf, bie ^^^^ii^ation ansuregen, bie SDlu§feIn ju fräftigen, 
h^n Stoffroed)fel gu I]eben unb ermögtidjen eine fo g(eid)artige unb allfeitigc 
Betätigung, rcie fie praftiid)e 2trbeiten niematiS fcI)Qffcn, rceil biefe met)r 
ober minber nur einjetne 9}cu§felgruppen bcfd)äftigen. ^ie ©ijmnaftif bient 
ba^er forco^I gur allgemeinen 5^räftigung, roie aud) gur Stärfung eingeincr 
gefd)mäd)ter ober im 2ßad)5tum gurücJgebliebener ©tieber. 

^ie ber atigemeinen Kräftigung bienenbe ©ijmnaftif fann man nac^ 
eigenem Stubium felbft au§füt)ren, befonber§ wenn man gur Stnieitung ein 
gute§ Bud^ gur 93erfügung t)at (g. 53. Sd)reber§ 3i"i"^6^9^"i'^aftif); bei 
au»gefprod)enen Krauft)eit§guftänben aber, ober bei beftimmten Stufgaben 
(g. B. Verlängerung eine§ oerfürgten ©liebel) ift ärgttid)e Seitung nötig; 
benn nur gu leicht roirb gu üiel ober gu rcenig babei getan. Stiid^ 
feljlt ben Patienten geroöt)n(ic^ bie (£yaftt)eit in ber 2(u§füf)rung, roenn 
2(uffid)t fef)It. 

SBir geben f)ier nic^t eine ootiftänbige Se^re über ©gmnaftif, roie fie 
in fo oielen praftifd^4i)9ißi^Uc^6" 2Berfen entl)a(ten ift, fonbern nur eine 
furge Überfielt berjenigen ^auptpunfte, bie gum 93erftänbni§ iljre^ ©cfenl 
nötig ift, bann eine furge Einleitung aller roid)tigen Übungen, roie fie alle 
grauen unb SJiütter fennen follten. 

Wlan teilt alle gi)mnaftifd)en Übungen ein in greiübungen unb 
©eräte Übungen. (Srftere roerben im Stct)en, Siegen, Silben unb ©eben 
au?^gefüt)rt, al§ einfad)e unb gufammengefe^te Übungen oline irgenbrocld)e 
S3cil)ilfe. Bei tet3teren roerben mit .r)ilfe oon ©eräten äl)n(id)e Beroegungen 
au§gefül)rt, aber unter Überroinbung geroiffer '-löiberftäiibe ; fo roirb 5. B. 
ba§ ©eroid)t eiferner Stäbe ober ^anteln überrounben bei 2Iulfül)rung ge» 
roöl)nlid)er Sd)roingungen, ober ^§ roerben auf Barren unb 9?erf allerlei 
Bcroegungen auSgefüIirt, roctd)e bie 9J]ulfeIn bcbeutcnb anftrengen. Ü^ortveff- 
tic^ ift ber I)eilgi)mnaftifd)e SIpparat „'Berbe gefunb" oon ^"Seineur giebtet. 
Gr gibt gu atiioen Stnnv Bein^- unb S^itmpfberoegnngen ©elegenl)eit unb fann 
in jebcm geräumigen 3i""^tß^ aufgeftellt roerben. gür ältere grauen roirb 
ber üiel einfadjere 2Iutogi)mnaft oon Dr. SUiüIIer empfol)Ien. 

2Iu§ Sßien gef)t un§ ein gi)mnaftifd)er 9Ipparat gu, ber unfer :3nlereffe 
oerbient. @§ ift i^m eine Brofd^üre „2Bie roerbe ic^ größer" beigegeben, bie 

12* 



180 



JRu^c unb SBeroesung. 



mQnd)er Seferin 3Inregung qqWii rairb, i^re Dielleid)t mangeüjafte Körpergröße 
äu üerbeffern. ^n bem oortreff(i(^en ©d)riftcf)en fiiib gut erbad)te Übungen 
l)t(bnd) bargefteüt. 93lan roenbe [id) an 9)latt^äu§ STabla, 2;raifen, 
9^teberö[terreid) unb oertange ben Unifum-SIpparat. 

2(nber^ ift bie „(Sd)ir)ebijd)e ^eilgijmnaftif", bie ber (2d)n)ebe Singg 
gefd)Q[fert f)at. (Sief)e „^peilfunbe" unter „^eitgqmnafti!".) ©ie I)eißt 
Qud) „2Biberftanb§ggmna[ti£" unb bebarf immer sraeier ^erfonen: einer, 
iüetd)e bie 33eraegung au^füfjrt, unb einer, n)e(d)e ben Sßiberftanb (eiftet. 

®ie 2Sor§üge, n)eld)e bie 
üon einem ge[d)u(ten Q)gm= 
naften geteifteten SBiber» 
ftanbsbercegungen oor an* 
beren oorauS f)aben, gip* 
fefn in bem Umftanbe, 
baj3 bie f^orm, bie ^auer 
unb bie Kraft ber Se= 
roegungen am genaueflen 
abgegrenzt unb am ooll- 
fommenften bem jeroeili* 
gen Seiben^juftanbe ange» 
paßt roerben fönnenJobaJB 
weniger Ieid)teine in i^rer 
SBirfung gu [tarfe ober ju 
fd)n3ad)e Sei)anblung be» 
^^atienten möglief) ift. 

Tlan fü^rt mit ^itfe 
be§ ©gmnaften Beugung, 
©trecfung, D^oUung, ©re* 
f)ung, .^ebung, (Sdjrain« 
gung ufro. au§ unb mad)t, 
com Kopfe angefangen 
bi^ 5u ben ^-üßen, berlei 
Übungen burd). '^ie 
'Jlameu ber einjetnen Übungen Hingen jumeiten etina^ eigentümlid) : 

@tü^gegenfte!)enb, ©egenneigfallenb, ©c^iüimmljängenb, baju fommen 
bann Kreujffopfung ufro. (^ie erften 53e5eid)nungen geben genau bie Stetlung 
be§ ^^atienten an Sie finb aber oortreffüd) in if)rer Sivfuug unb tonnen 
nur empfoljten roerben.) ©er Dauerlauf, mit fi)ftematifcl)en unb ben in= 
bioibueden Kräften angemeffenen (Steigerungen ift eine^ ber beften 9JiittcI, 
bie ^^erjfraft ju i)^h^n unb bie (Energie ju oermetjrcn. 

©ie äRaffage ift aud) nur „paffioe Seroegung", b. ^. man tut 
felbft nid^tg babei, fonbem er leib et burc^ bie 3Irbeit eine§ ^nJ^iten eine 




%\Q. 129. ^ctfgijmttafttfc^cr 5Ipp(irat „SBcrbc gcfimb". 



SRu^e unb SBeircgung. 181 



3?eränberung an ^aut, an ©efä^en unb 9Jiu§fe(n. ®ie SJlaffage i[t eine 
alte Sl\m]t, bie frf)on oor ß[)ri[to geübt rourbe unb immer rcieber, roenn aud) 
in oeridjiebener Söeii'e, su 2(ni'ef)en gelangte, ^n unferer ßeit \)at fie roeit» 
ge'^enbe Slusbefjnung erfaljren; man [)at fie auf ftreng anatomi)d)e ©runblage 
geftellt unb ba^er mit §ielben}u|3ter unb genau angepaßter 9J]a[fage aud) 
gvof5artige (Srfotge ersielt. 9]id)t jebermann fann maffieven! Renntni^ be» 
2Befen§ ber 5lranff)eit, tangjä()vige Übung, bal)er groJ3e ^-einfüfjügfeit unb 
5^raft ber §änbe, ^-äljigfeit, bie 9}laffage genau bem 3u[ta"^c ^^^ Traufen 
jeroeiüg anjupaffen ufro., gel)ören ju ben erften Sebingungen eine» ooUenbeten 
93]affeur§. 

Saß {)eute „alle SCßelt" maffiert fein unb bamit Kurieren miü, ift nur 
5u bebauern. Df)ne är5tlid)e Leitung foüte fid) fein ^ranfer maffieren taffen; 
benn burd) übel angebrad)te SRaffage ift fdjon mand)e» Seiben t)erfd)ted)tert 
roorben ober finb ju bem alten neue Ijinjugcfümmen. 

9}|an unterfdjeibet innere unb äußere SOkffage; erftere loirb an 
(Sd)Ieimt)äuten ausgeführt (^'Jafe, Cf)r, Uterul), le^tere nur an ber 5!örper=' 
oberf(äd)e. 2)ie SJJaffage beftefjt in (Streid)ungen, 5lnetungen, ©rfc^ütterungen 
unb 5^(opfungen, mit bem oodfommenften 3Ipparate, ber menfd)(td)en ^anb, 
aulgefüf)rt. SO^an beroirft baburc^ juerft einen ^^autreij, ber bie ^autgefäße 
unb yieroen trifft, ftärfere Slutfüüe ber ^aut erjeugt, bann eine anregenbe 
SSirfung auf ba§ Dleroenfijftem im aügenieinen ausübt, ba roir an ber ^aut 
nid)t» erleben !önnen, ma§ nic^t auc^ jum ©eljirn imb S'^üdenmarf gelangt, 
©ei etiüa§ ftär!erer SJJaffage raerben tiefer tiegenbe Organe getroffen, üor 
atlem SDIusfeln, größere ©efäße, D'Jevoenftränge. 

^n ben ©efäßröfjven roirb burd) ^iiig^i-'brudt ber ^ntjalt roeitergefdjoben, 
fo baß ba§ nadjftrömeube 33(ut umfo lei^ter nad)f(ießen !ann. Saburc^ 
fommt e§ fd)ne[ler unb in größeren Sßellen jum .fersen, unb e§ roirb erfdäre 
U(^, roarum 9J^affage unter Umftänben be»()a(b aiic^ nid)t augeseigt fein fann. 
"S^urd) 2(b()eben oerfdjiebbarer ©teüen, ber 3^ett- unb 9J^u-5fetportionen, roirb 
^ufluß unb Stbfluß befövbert unb roerben bie einjelnen 2ei(e in i()rer Sage 
5U einanber oeränbert, roas bei DIeigungen ju Stoctungcn unb Stauungen üon 
großem 23orteiI ift. ^erfonen mit trägem (Stoffroec^fet, ^leigung ju 93erfettung, 
mange({)after SCBärmebilbung foUten fid) öfter im ysa\)XQ mel)rere '©od^en nac^» 
einanber maffieren laffen. 2fud) bei blaffer, troiener, fpröber unb feljr 
empfinblid)er ^aut ift SJ^affage fet)r angcbrad)t. ^^ nad) bem ßi'fttinb foll 
fie, mit ©gmnaftif oerbunben, trocfen ober fett, fanft ober fräftig, beru{)igenb 
ober erregenb au§gefül}rt roerben. ©ie trägt roefentUc^ baju bei, bie Apaut 
roeid), blutreid) unb gcfunb ju erl)alten unb ift ba!)er and) 5ur 3djünl)eit'5pf(ege 
unentbel)rtid). (©ie^e ba§ 5tapitel über „Sd)ünl)eit§pflege".) 

®ie maffierenbe ^^erfon muß juerft eine roeid)e unb gefd)idfte .^anb 
^aben, rceber fnoc^ig nod) falt; fie foU rocber nerüö§ erregt nod) blutarm 
fein, nod) beftänbig fc^rci^en. ®a t§ aud) eine f6rperlid)e Übertragung gibt. 



182 



9tu^e unb 93cn)egung. 



bie jroar n)if[enf(})aftnd) nod) nid)! ganj begrünbct, aber bod) erfa^rung§= 
gemäJ3 erroiefen ift, f^^^"^^ ©uggeftion (getftige Seeinjluffung) unb (3i)mpatf)ie 
mitroirfen, unb ba befonberä i^raufe fe^r empftnbüd) gegen äußere (Sinbrücfe 
fmb, ift jum cotlen Grfolge einer ünx bie ganje @r|d)einung unb SIrt be^ 
9Jiafjeur§ oon größter 33ebeutung. Dlacf) raeldjer 9?id)tung man ju ftreid)en 
l^abe, I)ängt üon ben anatomi[d)en 93erl)äüni[fen ab; im allgemeinen gilt al§ 
JRegel, ba^ man zentripetal ftreicf)t, b. f). oon ben ©liebma^en bem 9^umpte 
unb bem ^erzen ju, raeil ba§ 23enenblut biefen Sauf l)at unb man burc^ bie 
SJlaffage juerft ha^^ SSenenne^ ber ^aut treffen raitt. (£§ gibt aber aud) 
%ä\i^, xüo man in anberer SBeife maffieren mu^. ®a!g ift jeboc^ ©egenftaub 
cineä befonberen ©tubium§. 



Prahtitche Hnwcndun^en fürs I)aus« 

©c^on im 2lltertum galt ta^ 2tuflegen ber §änbe at§ ^eilenb, 
|cl)mer5ftitlenb, beru^igenb, unb e§ gab ju alten Reiten ^erfonen, meiere il)rer 

SBunberfraft rcegen 
großen 9f?uf bejahen. 
;5ebe gjtutter foüte 
e§ oerfte^en, auf bie 
il)rigen burd) fotc^e 
natürlid)e unb ange* 
nel)me 9Jiittet einju» 
roirfen. 2öir geben 
im folgenben einige 
praftif(^e Sßinfe. 

SJ^it ruhigem @e= 
müt unb bem feften 
Sßillen, Ijelfen §u mol= 
len, legt man bie eine 
(roarme, reine, nid)t 
feud)te) ^anb auf bie 
©tirn, bie anbete auf 
ben fdjmerjenben^öis 
perteil; ober bei all- 
gemeiner 2(ufgeregt= 
f)eit ber ju beeinfluf» 
fenben ^erfon fa^t 
man il)re .^änbe feft 
an, fprid^t mit ruhiger 
gcbämpfter ©timme langfam auf fie ein unb oerbietet il)r felbft bal «Sprechen. 
Oft fie ruhiger geraorben, ftreidjt man fduDeigcnb unb leidet übet fte roeg. 




fjig. 130. ©in nat&vüäicS Wxttci gegen Si^mcrä unb Stuf gcrcgt^ett. 
S)ie ©^roefter beruhigt bie Sa^nf^werjen be§ :3ungen. 



9iut)e uub S3ercegung. 



183 



oom ^opf Ijerunter, ober ftreirf)e(t Don oben narf) unten bie Sinne 
ober bie ©tirn. @^ geüngt bann |ef)r oft, bie Grregten ju beruf)igen, 
[o ba^ fie einfd)[afen, unb bal i[t geroi^ bie fdjönfte SGBirfung, bie roir er» 
jielen fönnen. 

^anbelt el fici) babet bto^ um aBärmeaulftra{)(ungen, ober um einen 
2(u»gleid) magnettfd)=eleftrifd)er ©tröme, ober um nocf) nid)t greifbare Gin» 
lüirfungen ber „Dbftra{)(en", bie oon ben ©pi^en jebel (ebenben tierifdjen 
5\örpery au§get)en unb ftd) bei SBiüenlanftrengungen oermei)ren, ober 
enblid), rcie oiele behaupten, nur um ©uggeftion, ober au(^ um eine SJUjc^ung 
aller biefer @in» 
flüffe unterSSor* 
§errfd)aft be§ 
einen ober an» 
beren? — roir 
roiffen bie§ no^ 
nid)t, aber roir 
roifjenoorläufig 
au§ taufenbfa» 
c^cr (Srfal)rung, 
br.^ roir bamit 
roirfen unb Jjel» 
fen fönnen, unb 
ba^ unsä^üge 
Seibenbe bie§ 
unenblid) rootjl» 
tuenb an fid) em» 
pfunben I)aben. 
'3);e grauen, 
a{§ SD^ütter unb 

^ranfenpftegerinnen, in roeirfje fo oiele f)err(id)e ilräfte oon ber 'O^atut 
gelegt finb, muffen mit foId)en ^itfamitteln bcfannt gemad)t roerben unb 
fid) in benfetben i^b^n. 

Unfer 58ilb, ^ig. 130, jeigt, roie ein erregter ^uns^/ ber I)eftige 
|]at)nfd)nier5en f)at, burd) ba^ 2tuf legen ber .^änbe feiner ättcvcn 
<Sd)roefter beruljigt roirb, roie fie burd) ©lief unb ©timmc, mit ganjem 
'^ii()(en unb Sßonen auf if)ren 53ruber einroirft, biä fie ba§ erregte Dleroen» 
fqftcm be^felben burd) iljre 2(nftrengungen jur 9iu()e bringt, ^k aufgeregten 
^üge bei jungen i)ah^\i fic^ geglättet, mübe t)ängen feine ©lieber beruntcr, 
bie 'Otugen Ijaimx fid) gefd)lüffen, rootjttuenber (3d)(ummer fd)eint fid) ein» 
juftcHen, unb ber ©d)mer5anfaU ift ooriiber. 

(Sinige ^JD^affage=5(nroeubungcn, bie jeber au5fiil)ren fann, ber 2öiüen 
uub Jö^jiöfeit jur ^ranfenpflege l;at, finb folgenbe: 




g-ig. 131. 9iücfciimn||ngc. 
(2;ie 'I^aumcn ftreid)en längS ber Höirfaclfaule E)cntnter.) 



184 



9?ul)C unb aSctoegung. 



9]üceen[treid)ungen, gjlagenmaffage, SJIils^Seber^.^anbgriff, 
©armmafjage. ©ie fiub leicht 511 erlernen, bebürfen aber immerljut gc- 
luiffeu a]erftänbni[je§ unb einiger 5tulbauer. 

9iüden[treid)ungen mac^e man bei großer ©rmübung, (£d)mer5en 
im ^reuje, in hzn 9^üd"enmu§felu ober bei (Sdjmäcf)ege[ül)t in ber SBirbel« 
faule; man ftreid)t guerft 00m ©enid mit furjen ©tridien ju ben (2d)ulter= 
blättern Ijerunter, teit^ mit ben ^-ingerfpi^en ber brei SDIittelfinger, tei(§ 
mit bem ©aumen ; bann mac^t mau intenfiüe (Strid)e Iäng§ ber 2öirbel[äu(e 
h\§ äum i^reuje unb ftreid)t feittid) mit ber ganzen ^anbfläd)e über (Sd)utter» 

blätter unb 9\ippen. 
S3ei ©djmerjen im 
^reu5e finb fräftige 

^reiiöftreidjungen 
auf bem ^reusbein 
fe!)r rcofjituenb. 

©0 einfad) biefe 
2{ugaben aud) f(in= 
gen, fo muffen fieb od) 
Don einem geübten 
DJtaffeur einmal ge= 
jeigt unb erflärt 
merben, fonft toüv=' 
ben fie nid)t rid)tig 
au§gefül)rt werben, 
eielje gig. 131, 
9iüc!enmaffage. 
®ieeinfad)fte5JJa= 
genmaffagebeftel)t 
barin, ba^ man bie 
SJIagengegenb ah-- 

n)ed)felnb mit beiben Rauben oon lin!§ nad) red)t§ ftreid)t unb mef)r 
ober minber brücEt. 93ei ©aSanfommlungen erreid)t man baburd) ftet» 
eine rcoljltätige Entleerung ber @a[e unb bamit neu errcad)enben 
Slppetit. aJJan barf nid)t in umgefeljrter 9\id)tung ftreid)en, meil man 
baburd) ber natürlid)en ^ätigfeit bc§ 93]agen§ entgegenrairfen mürbe, ©ie 
3ufammenäiel}ungen be§ 9[l]agen§ finben oon ber 9)lünbung§ftelle ber ©peife- 
röl)re an, alfo üon lin!^ oben nad) bem ©ingang in ben ®ünnbarm §u, 
alfo nad) red)t§ unten, ftatt. ©» mirb burd) biefelben ber ©peifebrei raeiter 
gefd)oben. 

®er 9nit3=2eber=^anb griff ift bei ®armgafen, ©tul)tDerftopfung, 
Seibfdimersen, Slppetitlofigfeit fef)r mirffam. '^an legt bie ganje ^anb auf 
bie Senbengegenb, fo ba^ bie ^-ingerfpit^cn faft auf bie Sß^irbelfäule ju liegen 




^[%. 132. (Stitfac^ftc 2^rtrmmnfingc. 

Sreigförmige 6treid)ungeu um ben SJabel (jcnim. 



SRuf)e unb 93ett>cgung. 



185 



fommen, unb ftreidfjt nad) Dorn ju, inbem man bie oier Ringer tief eiubvücft 
unb nad) unten, §um Ülabel ju, abgleiten läfjt. Siegenb unb fteljenb fann 
biefer ^anbgriff ausgeführt rcerben. (Sr bringt b^\ ©tauungSjuftänben fofort 
(Srleid)terung, bod) bebarf er aud) einiger Übung. 

Barnim äff age einfad) fter 2Irt befteljt in roat)tIofem 'S^rücfen unb 
5?neten bei ^ot* unb @a§anfannnlungen, ferner fräftigem ^rei§ftreid)en um 
t>m 9'label {)erum. Se^tere§ ift bei ^inbcrn oft fe!)r angejeigt unb f)at, bei 
guter 2(usfüf)rung unb ^auer oon etiua fünf 9)linuten, mcift ben Ieid)ten 
SIbgang üon ®armgafen 5ur S^olge. 
Siel)e gig. 132. 

Unter ben gt)mnaftif^en Übun- 
gen ftetjen bie 2Item Übungen 
allen ooran. Sllle ^Blutarmen, -^erj» 
unb 2ungenfd)n)ad)en, an ©tauungen 
Seibenbe ufro. foUten fie täglid) 
mit Eingebung üben, ©ie ^aben 
nid)t nur eine (Srraeiterung be§ 
53ruftforbe§ unb eine Kräftigung 
ber 33ruftmu§feln foroie be§ Sungen^^ 
geroebel gur 3^oIge, fonbern eine 
ftarfe Seförberung be§ 33Iutum= 
(aufe§, inbem bei langfamer, tiefer 
(Einatmung ha^ SSenenblut in bas 
,^er§ eingepumpt unb bei ebenfo 
ausgiebiger unb grünbüd)er ^{ug» 
atmung baS Strterienblut ausgepreßt 
roirb. S3effere ©rroärmung, 2öeid)en 
be§ Iä{)menben, oorf)er befte!)enben 
•i^ructeS, fei e§ im Seibe ober im 
Kopfe, beffere @efid)tSfarbe, freieres 
^tmen, fräftigerer .^erjfdjfag ufro. 

finb bie balb eintretenbe SBirfung biefer Übungen. Wlan fül)rc fie folgenber* 
maßen auS: 

S3ei geraber Haltung, oorgeftrecftem S3ruftforbe lege man bie 
^änbe auf bem .^intert)aupte übereinanber unb jie()e bei feftgcfdjioffenen 
Sippen burd) bie 9]afe langfam unb tief Suft ein, nertjarre einen Singen» 
btid in biefem 3"ftfl"^ß i^"^ l^^of^ ^Q"" langfam, unter ©enfen ber 
5(rme, rcieber nur burd) bie 9]afc fo lange Suft auS, atS man nod) etmaS 
IjerauSpveffcn fann. 93]an enlmidett baburd) fräftigeS ^ii^^^^f^llötmen 
unb eine '3)urd)(üftung ber unteren Sungenpartien, bie bei 9emül)nlid)er 
ftad)er 2{tmung meift fet)r Dernad)Iäffigt werben unb fid) feiten oolL 
ftänbig mit Suft füllen. ®ie Übung in frifd)er Suft, oI)ne becngcnbe 





&i8- 133. 



f^ig. 134. 



Umfang ber !8ruft= u. SBait^^ü!)(c nnd) erfolgter 
91 u § a t m u n g. (Sinnt m n n g. 

a Sunge. b 3it'erc{)fen. 

c Unterfte 3Iut)eftung§[tcüe be§ 3iDcrd)fea§. 

«nad) manti. 



186 



JRu^c unb Serocgung. 



^leibung 5', 10= ober 15 mal aulgefül)rt, \)at eine befreienbe, ^öd)[t mo))U 

tätige SBirfung jur ^^olge. 

gig. 133 geigt m\§ ben Umfang ber ^öruft» unb iöau^^ö^Ie roä^renb 

ber Slu^atmung unb %\a,. 134 n)äf)renb ber ©inatmung. 

S)a§ 2lrnil)eben, n)Qgrcd)t unb fenfrec^t, ba§ 5Irmr ollen, feitlid)e 

0?umpfbeugungen, (S^roingen ber SIrme nad) oorn unb hinten unter 

gleid)5eitigem ©in» unb 21 u§ atmen finb 
einfad)e Übungen, bie jeber ollein auS* 
fül)ren !ann unb täglid) oorne^men foüte, 
roenn il)m fräftigenbe SIrbeiten mit bem 
Dberförper festen, unb er eine fit^enbe 
SebenSraeije fül)rt. 9Jiufi!erinnen, Bureau* 
arbeiterinnen, (Stieferinnen, (Sd)neiberinnen 
unb anbere foUten, um einen 2(u§glei(i) 
^erbeipfüfjren, morgen^ unb abenb^ folc^e 
Übungen mad)en unb au^erbem für täg= 
lid)e ©pagiergänge forgen, bamit alle 
£[Ru5feIgruppen be§ ^örperS einmal in 
Bewegung fommen unb baburd) innere§ 
©leic^gercid)t erhalten bleibt. 

Übungen mit „^auteln", biefen 
eifemen f leinen ©eräten, oerftärfen bie 

SBirfung unb finb nur ju empfel)len. (©ielje biefe im III. STeil.) 

2)er iöruftftär!er oon Sargarbiere, ein einfacl)e§ ^au§gerät, ifl 

für fc^malbrüftige unb mu§felf^roac^e ^erfonen Dorteill)aft. (gig. 135.) 
Sßeiterel über ©gmnafti! lefe man im III. 2;eil unter „Sltemggmnaftif" 

unb „^eilggmnaftif" nad^. 




gig. 135. Jöruftftärfcr. 
IJlac^ Saßarbtfere. 



Qi 



Sport$ubuti$eii. 

2Bir gebrau(f)en Ijier ba§ un§ nidjt fr)mpatl)ifd)e ^rembroort, roeil el 
aKgemein befannt ift unb man bamit eine beftimmte 2lrt oon Seibe§übungen 
beäeid)net, bie ebenfo beliebt, rcie nü^lid) finb. 

@§ geljören bagu ba§ ©djroimmen, 9?ubern, ©ci)littfcf)ul)laufen, ^a§ 
f^atjren, g^teiten, 5Kabfal)ren, ber ^n^haU, Raubbau, geberbaü, ha§ Sangen 
ufra., alfo teilmeife groecfmä^ige 58eroegungen, bie benjenigen, raeld)en fie 
ein ajtu§ finb, feine§roeg§ al§ 93ergnügen erfd)einen (loie allen ©Ziffern, 
berufgmö^igen 9?eitern unb ^utfci)ern), großenteils aber «eroegungen, bie 
nur ben dUi^ be§ „©pielel" Ijaben, ©elegen^eit gur ^Betätigung förperlid)er 
(5)efd)ic!lid)feit unb eineS geroiffen Kampfe! geben unb ba^er roirflid^ unter* 



JHu^e unb SBeinegung. 137 



I)atten. %ain fönnen befonber§ alle 2trten oon 53QUfpieIen gercd^net luerbeii. 
©ie erroärmen rafc^ unb bienen and) für fteinere 9^äume a[§ beluftigeiibc» 
^eroectung§mitte(, ha§ bie ^ugenb liebt, bie (Srroai^fenen Reibet oie( ju 
roeuig fc^ä^en. 

^eb erb all unb Raubbau feien baf)er bet Frauenwelt befonberä 
empfotjlen, roeil fie ein ebenfo tei^te§, roie gefunbeg ©piel gen)äf)ren. 

i^u^ball bagegen pa^t nur für fräftige ^nbioibuen unb für grauen 
im ©portsfoflüm. ^§ ftrengt bebeutenb an, loenn eä eifrig gefpiett roirb 
unb ift auc^ nic^t ungefät)rlicf) , teitä raeit fo tei^t 3Ser(e^ungen babei ent- 
fielen, teil§ raeil e§ übermäßig er^i^t. 

(Selbftoerftänblid) ^at jebe^ ^oüfpiel nur bann ootlen 3^u^en, roenn 
c§ im ?3^reien au§gefüf)rt roirb, alfo in frifd)er, guter Suft. 

©c^raimmen unb ©d)(ittfd)u^ laufen fommen bann gunäcf)ft für 
ba§ roeiblid)e @efd)(ed)t in Setrad)t. (Srfterei ift oon ^of)er praftifd)er 
2Bid)tigEeit, ba e§ bem 3D^enfd)en ermög(id)t, fid) oor ©efaf)ren §u fc^ü^en. 
:3ebeä 9JJäb^en foUte fdjroimmen lernen. 9^id)t nur {)ärtet eä bie ^aut 
ab, fräftigt bie SRusfeln burd) bie f)armonifd)en Söeroegungeu im 2Baffer 
unb bie Überrcinbung feinel 2Biberftanbe§, fonbern e» Ijebt aud) ba§ 
(Selbftoertrauen unb ben perfönlid)en SD^ut. ©erabe biefer ift hi oieten 
flauen fo roenig entraicEelt. ^afjer Ia|t fie im Sßaffer fid) tummeln, 
ta^t fie bie jugenb(id)en ©lieber reden, ii)ren 9Jiut, i^re (5)efd)irflid)feit 
unb Stusbauer erproben, bamit fie fräftige unb roiberftanbsfätjige 9}]enfd)en 
werben! 

%a§ ©d)Iittfd)uf)taufen ^at roeniger pra!tifd)en ^'iu^en; benn auf 
®isfd)oüen tjoben mir Sanbratten geraötjulic^ nid)t I)erum5ufried)en, bod) ift 
e§ ein {)öd)ft genu^ooUe^ SDIittet jur 5Träftigung be» J^örperä im aUgemcinen 
unb §ie^t befonber^ jene aud) im falten SBinter in§ ^reie, bie fonft aüjuoiel 
baä ©tubenfjocten pflegen roürbcn. 

S3ei großer ^älte fei febod) oor §u raf^em ^^a^ren geroarnt, roeil bei 
©inatmung §u falter Suft burd) erl)i^te Sungen, roenn $Beran(agung basu 
oorf)anben, Ieid)t eine ®rfä(tung entfte^en fann. SJIanc^e Sungenent5ünbung 
ift auf bem @ife get)olt roorben, roeil äRa{3 unb Leitung fe{)Iten. ^-ür ©e» 
f^roäd)te ift ein langfameä 3^af)ren, eine I)albe ©tunbe täglid), mit fteineu 
Unterbred)ungen, fel)r oortei(f)aft. 

häufiger aber fd)aben fid) bie 9J?enfd)en burd) unoernünftige^ ©d)roim» 
men unb ^öaben, {)auptfädj(id) baburd), bafi fie 5U lange im äl>affer 
bleiben ober fid) ju fe^r an ftr engen. {^-(u|3bäber finb mit großem 
SBärmeoerluft oerbunben; neroöfe unb {)er5fd)road)e ^^erfonen muffen ©d)roimm=' 
Übungen alfo entroeber gänjlic^ meiben ober nur ^öc^ft oorfid)tig unb feiten 
ausführen. 

®en ©enu^ reiner 2Baffer(uft bei außerorbentlid) fräftiger 53e* 
roegung geftattet un§ ba§ 9?ubern. Sei Hüftenberoot)nern unb jjifc^er» 



188 diü^i unb SSeroegung. 



oülfern fiel)t man bie gtaucn ttaB ^Vii)^x ebenfo gefc^ictt f)anbI)Qben rcie 
bie SJiänner. SBettergebräunt, furd)tIo§, mit frä[tigen 2Irmmu§fe(n oer» 
feljen, trogen fie im fleinen ^at)ne ©türm unb SOBetter! 2luc^ roeiblidje 
9^iiberoereine follten ftcf) bilben, rao S^tuffe jur 23erfügung ftef)en, unb nad) 
üüUenbeter S^ageSarbeit foUten aud) bie ^-rauen eine erfri[(^enbe ^al)nfal)vt 
nmdjen, natürlid) nid)t im ^orfett unb ^^^ebertjut, [onbern im oernünftigen 
©portSanjuge unb bQ§ Sauber füf)renb. ^^eld)e SBanblung in ©emüt unb 
^rä[te5u[tanb ptten fol^e @inrid)tungen auf fo mand)e§ roeiblidje SBe[en 
äur g-olge. 

®ie 2Itmung ift tief beim Säubern, bie 2SerbQuung mirb burd) bie 33e- 
megungen be§ DberförperS fe^r geförbert, bie 3lrmmu§futatur roefentlic^ 
geftävft; felbft in Ieid)te[ter 2::rifot!(eibung ift bie ©rraärmung beä gcin^en 
Körpers aud) bei !alter Suft ooKftänbig unb bie 2Bärmeau§ftrat)Iung be» 
beutenb; ba§ 2Iuge übt fid) burd) hzn 53(idE in bie 3^erne; ©eifteSgegenroart 
entraidEelt fid), raenn e§ gilt, üeinen ©efaljren gu begegnen, — man arbeitet 
auf bem Söaffer nid)t nur mit ben 2Irmen! 

Tlan !önnte ba§ S^iubern ai§ ©egenfa^ be§ 9^abe(n§ bejeidjuen: !^ier 
^ortberaegung mit ben 2trmen, bort mit hen Seinen, in beiben g^äden retd)» 
Iid)er Suftgenu^, Übung im Steuern unb Senfen, Se[)errfd)ung ber Umgebung, 
SD]u§!eIanftrengimg. S3eibe SSeraegungen finb nii^t für ade ^erfonen paffenb, 
fie fönnen fogar fet)r fc^äblid) merben, ebenfo roie fie anbererfeit§ jur ©rijöljung 
be§ Seben§genuffe§ beitragen unb neue Gräfte gu mecfen cermögen. SJlan 
unterfd)eibe bafjer mit Sorgfalt unb {)oIe erft är5t(id)en Sf^at ein, ob man in 
Smeifelljaften ^-ällen für ba§ eine ober aubere paffe. 

(Bä mel)ren fic^ in neuefter ^^it "^'^^ S3erid)te über fd)Ied)te 9f?üdf- 
mirfung be§ 9^abfaf)ren§, unb man fpric^t oiel oon feiner ©cl)äblid)feit. 
Sin unb für fid) fann nid)t§ Sd)äblid)e5 babei fein, rcenn man fi^enb, 
alfo ben Stumpf geftü^t, bie Seine auf unb nieber bewegt; e§ fragt 
fid) nur, in welchem ßwfio"'^^ ^^^^ fi^ f^tbft befinbet unb roie 
man ba§ „S^abeln" betreibt. %k heutige 9)lenfd)!)eit ift atlerbingS üiel* 
fad) fo gefd)roäd)t unb f)at fo üiel oerborgene SJläuget an fid), fü^rt neben« 
bei a\i&} eine fo t)erfet)rte SebenSroeife (2Il!oI)oI, gefc^tec^tnd)e 2Iu§f(^roei= 
fungen, Überarbeitung), t)a^ el roal)rlid) fein Sßunber ift, rcenn für biefen 
unb jenen taB 9flabfal)ren ein „9JieI)r" rcirb, haB er nid)t mel)r gu ertragen 
»ermag. 

2((§ 5roeite§ fommt Ijinju ba§ übertriebene ?^-aI)ren, gu rafd) unb 
ju anl)a(tenb. ®a{3 biefe§ bie ^erjfraft rerbraud)t, liegt nal)e, roie bei jeber 
ftarfen 9Jlu§felanftrengung, unb t)a'^ ein burd) aubere ©inflüffe fd)on gefd)roäd)ter 
SJlenfd) ba§ übertriebene 9^abfal)ren ni(^t mel)r fd)abIo§ ju beroältigen oer= 
mag, ift aud) begreif(id). 2((fo I)alte man fid) biefe Umftänbe alle üor, roenn 
man fic^ ein Urteil bitben ober fid^ über „9Jlitmad)en ober 9^ic^tmitma(^en" 
entf(ä^eiben miU. 



9iuf)e unb SBercegung. 189 



©elbftrebenb muffen grauen beim 9aabfal)ren gefcf)Ioffene ^ump» 
f)ofen, fdjroarse ©trumpfe unb gutfi^enbe ©anbaten, feine engen 
(5jürte( ober langen 'Slöde, unb ein Ieid)te§ ^ütd)en mit Krempe für bie 
Singen I)aben; SOBettfaljren oermeibe man, faf)re aud) nie bergauf unb 
genieße niemals aIfoI)oIiid)e ©etränfe bei 2tu§f(ügen, raeil fie aufregen 
unb I)er5fd)rcäd)enb rairfen. ©tetä fof)re man im langfamen, gleid)mä^igen 
2:empo, rcobei man aurf) bie Umgebung oiet mef)r geniest, unb fa^re 
nie ttänger al§ groei ©tunben, worauf eine au§giebige Sf^u^epaufe (2Iu:3» 
ftrecten im ©rafe!) unb @et)beroegungen eintreten fotlen. %ann roirb 
aud) jiaf)relange§ ^^abfaljren, felbft öfteren gefunben grauen, nid)t§ 
fd)aben. 

9^od) ^aben mir einige Sorte bem „^utfd)ieren", SGBagenfa^ren, ba§ 
jum nobelften ©port get)ört, unb bem 9?eiten gu rcibmen. 

9)hi5fetanftrengung ift beim ga^ren unb Senfen ber breffierten ^sferbe 
am rcenigften nötig; beim 9aeiten rcirfcn fd)on mef)r (Sinftüfje auf ben ^^örper. 
Sine Strt (£rfci)ütterunglmaffage finbet in beiben '^äütn ftatt unb Ijat, ot)ne 
bebeutenbe SJJusfetberaegungen be§ Sf^eiter^, eine fef)r beförbernbe Sßirfung 
auf ben ©toffraedjfet unb bie SSerbauung. ^n 2Ibroed)j(ung mit anberen 
Übungen ift e§ für ©efunbe rooljltätig unb gteid)fall§ fel)r genu^öoll; boc^ 
get)ört e§ gu ben foflfpieligften SSergnügungen unb bient ber förperlidjen 
Kräftigung oiel n)eni(3er a{§ bie anberen Übungen, roeit e§ feine fo bireften 
SRusfeüeiftungen bebingt. 

®a» Xanjen ift ein „raeiblicf)er ©port", ber oon ©efunben unb Traufen, 
mit unb ot)ne SSorbilbung, meift mit Seibenfcf)aft betrieben mirb, natürüd) in 
foldjem gaüe mit 9]ad)teil für bie ^etreffenben. Stürbe tia^ Stanjen mef)r 
ai§ Kunft gepflegt raerben, mürben SInmut unb ©cfjön^eit oor{)errfd)enber 
babei fein, fo märe e§ ein anber ^ing. 

@!§ ift aber, ai§ ob bie roeiblic^e 3BeIt, bie für anbere Seibe^fünfte nod) 
im allgemeinen rcenig 5ugängtid) ift, fid) menigftenS in einem fuufttofen 
%an}^t au^toüen, ausleben möd)te. 'SRan jie^e barin beijeiten bie rechten 
©renjen, pflege fräftigenben ©port, unb man rairb bemerfen, ba^ ber geroütju^- 
Iid)e 2:an§ baburd) g(eic!)gü(tiger roirb. 

SÜIju gefunb fann man if)n nid)t nennen, ba er meift in gefd)(offcnen 
ftaubigen 9\äumen, unb nur ju I)äufig im Übermaf3e, foroie in oiet ju enger 
5l(eibung au^gefüf)rt roirb. ®aDor fei a(fü geroarnt! 

^m übrigen ift er eine natürlid)e 3lu^erung junger, gtüdtnd)cr ober 
gefunber 5[Renfd)en unb ^ängt mit unferer mufifali]d}cn 23erautaguug, mit 
unferem @efül)t für 9\()i)tt)mu§ unb Stonljarmonie innig äufammen. ^in unb 
roieber mafjooU geübt, in unoerborbener Suft, of)ne (S()ampagner ober 53ier 
im Seibe unb ot)ne enge Kteibcr auf bem Seibe, bei fc^roungooücr, fd)öner 
SRufif, ift ber 2;an3 ein ^oc^genu^ unb foü in feiner Berechtigung feine^rocg» 
Derfür^t roerben. 



190 SRu^e unb SBcroegung. 



%\Q. 126 fteüt unl ein fe^r praftifc^el „©port§!oftüm" (mit auf= 
gefnüpftem ^od, (octerer S3tuje, nacften ?^ü^en, rcel^e ©anbalen be» 
fleiben, unb freiem ^opf) oor, ba§ fi^ ju allerlei Ieici)teren ©port§übimgen 
fef)r gut eignet, ©benfo praftif^ ift ha§ ©portSfoftüm ^ig. 57, (Seite 133. 
9^abi!aler ift bic „3:urnerin", gig. 116, roelc^e ^u fc^roierigeren förperlic^en 
fieiftungen beffere 2tu§ftattung jeigt: freier ^a(§, f einerlei ^Beengung. Un» 
fere (Sport§tafeI (III. 2:eil, Stafel 25) fü^rt unä bie empfe^Ien^roerteftcn 
Übungen im iöilbe oor. 




Sechstes Kapitel. 




Plkde der ScbönDeit. 

SIBunbcrcoUc Harmonie entfte^t, 

Söcnn (scf)önt)ett ber ©eele 

Wlxt Scf)önE)ett be§ fielbeS ft* etnt. 

c^öntjctt tft S[Racf)t, — fie tft eine ber !^errlid)ften 93et=» 
gaben, bie un§ 93hitter Slatur in bte SBtege gelegt, — fic 
geroinnt bie fersen unb gie^t alle Slicfe an unb leitet oft im 
geljeimen bie ;r')anblungen ber DO^enfdjen, aber — fie fann 
oI)ne ©efunb{)eit nid)t befte^en, unb fie fann auc^ nur bann 
tt)re I}öd)ften S;riumpf)e feiern, roenn ©eift unb ©emüt bem fd}i3nen unb 
gefunben Körper if)re SJierfmale aufgebrücft {)aben. ©in ooßfommen fd)öner 
9JJenfd) mu^ alfo oerfdjiebene SSorjüge befi^en. 

®ie bto^e fd)öne ?^orm, bal gefunbe Süßere giefjen nid)t lange an, 
rocnn nid)t 2{nmut, .^er3en§n)ärme, ba§ Seud)ten eine§ ftaren ©eiftel bie QüQt 
er()eüen; bagegen gibt e§ oiele SO'cenfdjen, raetd)en bie tabettofe gorm fet)It, 
bie aber bnrd) bie Slnniut if)rer ©eele roirfen unb burc^ ben Sleig, ben 
^ugenb unb ©efunb^eit oerIeit)en. 

Stet§ {)aben bie 9[Jlenfd)en nad) änf3erer S(^önljeit geftrebt, ju all^n 
Reiten unb in ber üerfd)iebenften Strt; il)re Sc^ön^eit§ibeale roec^[e(tcn aber 
mit iljrer n)ad)fenben 5?ultur unb mit i^ren Segriffen über menfd)Iid)e 23o[I=> 
fommenbeit. Sßir f)aben längft erfannt, ba^ ber 33egriff ber „(S(^ünt)eit" 
fid) mit ber Harmonie in ber aufboren (Srfdjcinung bccft, unb baf3 e§ fid) nid)t 
immer genau angeben lä^t, burd) roe(d)e§ 3i'fami"eniüirfen oon ©inftüffen 
unb (gigenfd)aften fid) biefe entroic!e(t. 2öenn ein af§ „fdjön" bc5eid)netet 
litenfd) nid)t atlen ^erfonen in g(eid)em ©rabe ju gefaüen oermag, fo liegt 
bieg raeuiger an if)m felbft, al^ an bem Dcrfd)iebenen 53eurteihing§iiermügen 
ber S3efd)aucr; tl)r Urteil ift oon il)rem äft()etifd)en 53ilbung§grabe, oon 
ber ©efiinbljeit ber eigenen ©cfüljle abijängig. ®arum fann man roo^I 
fagen: „über ben ©efd)macf (äfit fid) nid)t ftreiten", aber nid)t be§bcilb, 
raeil man ni^t gu erftären oermödjte, roarum biefer ober jener nid)t gefüllt. 
^a§ Streiten fü^rt geroö^nUc^ ju feinem ®rgebni§, roeil objeftioe^ 53curtci» 
tung§oermögen ni^t eine ©ac^e ift, bie fici^ in einet Sßiertelftunbe erlernen 



192 



Pflege ber 6d)önt)eit. 



Iäf5t, unb rceil unfere eigeuften @efüt)(e uufer ^uge oft fo büub mad)en, 
ba^ lüir nicf)t §u fel)en oermögen, rca§ oiele onbere gauj beutlid) erbticfeu. 
©in 3)]anu 5. 33., ber nur na(^ finnlid)en 'Slä^zn fu^t, ftnbet nur fräftige 




gig. 136. gig. 137. 



grauen mit ftarfen formen „fc^ön"; eine regelmäßige, ober feinere (3d)ön^eit, 
frei oon jeber ^oEetterie, läßt i^ falt, bie finbet er „tangraetlig". 

©in feinfühligerer, äft^etifc^erer 9Jlann bagegen jie^t bie anmutigen, 
geiftig tebenbigen grauen cor unb fiet)t in ftarfen formen nur '3)erbl)eit. 
5(u§ feiner Eigenart alfo entfpringt fein Urteil unb ber fubjeftioe ©efc^nmdf. 



<g«»^V/ ii'jfji UHU u-j^uii ifsrioilriönl Jim agnu^ 
ißH siriaJ 19b ni isJzisM mcsd ;zußniH JbW 
isghrieiO?! zlß bnu Imslog nsbni} 91918 mß AoBm&jzzü in 
nab Houß i9 Ißrf »ngbiowgg laJzigM ladlsz i9 msbripfin ,nnßM 
bnu gi^^i^'I ^^^ Jii!vvd3293 ißw -i3 .inialsg nss 
mus zid i9d6 -!»/Ht&W .ni9 92UßH m9ni92 ni ^f 
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n9b9nInU isdoilzuid bnu l9§nßf/: iidom igmmi^ 
29Jnßid ni9 19 gJJßri n9nriß[ ?i» JiM .HIstz9gni9 t\oh n^iisii 
9l9}i9diß bnu mgJrioün snߧ n9ll92 tw ibw ,Jfl3i29äia«küiT 
9J29J1B 190 .)tßJ2;Ji9\jf noi§i22ßlff3ßm'9v i9ni92 ni ^9w irift* 
,n9i9i9^nßS lariailgäf'nsgaw nrii 229ih9v ,ysiüJ2 anisi' ,r ■ '^ 
Irioin i9mmu>i mgjjj ^jil^s jj? ,ri3ßmßb irisl nia dißig i9lJij/' 

r.h Tjs ntaU^^^SK^^'-aaaßT ?9niä .n922iw irigcn 

nrii n9JJßri logidußlD 9}Q .9;^ 
i.-jH nsa uuu 1 ijiz 19 gJiijßid IgllgS riaiub ^o 

•'dißl2 4^B9S riir Od JIM hol JiaS aginig ,n9llßiii>s 

-Hjßn iJ ni JdouzjinuiT i9b I9?q0 zls 19 

bbiü >v negiO /.^n\$x ynuJtüngS jlb n.-jb 

MnT Tjbna: ^inblifl 9h9iv zbQ .gJJßri tri. 

«i9b naalol i.^- .w. ,-. , :ja 29d32iaßii ni3 - .ißb nrli i 
l29iitinaji!üdo>ll/\ ngJmmgdggnu 





|.s j i f g e Ott 'S? dj ü u l) V 



t^'^' rfot iCiffert;' »eigeufteu @efüt)Ie uufer^.^Uvic oft fo bliub madjcu, 

T.uht^n rcrmäqcii, it)a§ oiele anbete ' '.dh^ beriiicf) erbtidten. 



TAFEL 6 



Als hübscher Junge mit fröhlichen Äugen und r^oten Wangen 
ging er in die Welt hinaus; beim Meister in der Lehre hat 
er Geschmack am Biere finden gelernt und qls 30 jähriger 
Mann, nachdem er selbst Meister geworden, hat er auch den 
Wein schätzen gelernt. Er war geschickt und fleissig und 
Wohlstand zog in seinem Hause ein. Was er aber bis zum 
30. Jahre scheinbar schadlos ertragen konnte, das fing an, als 
die Vierzig nahten, ihm eigentümliche Beschwerden zu machen. 
Seine Arbeitslust hatte bedenklich abgenommen, das Verlangen 
nach Alkohol aber sich vermehrt. Er griff zum wirksameren 
Schnaps und bevorzugte zuerst die teureren Sorten^ Bier 
vertrug er nicht mehr. Der Haushalt machte keine Fort- 
schritte mehr, ja bald half alle Sparsamkeit und Rastlosigkeit 
dier Hausfrau nichts mehr. Die Kinder waren gross geworden, 
sie bedurften die Hilfe der Eltern noch sehr, der Vater ver- 
sagte aber immer mehr; Mangel ui)d häuslicher Unfrieden 
hatten sich eingestellt. Mit 45 Jahren hatte er ein krankes 
Trinkergesicht, war nur selten ganz nüchtern und arbeitete 
sehr wenig in seiner vernachlässigten Werkstatt. Der älteste 
Sohn, seine Stütze, verliess ihn wegen täglicher Zänkereien, 
die Mutter starb ein Jahr darnach, da sie dem Kummer nicht 
mehr gewachsen war. Die anderen Kinder wollten vom Vater 
nichts mehr wissen. Eines Tages stand er allein auf der 
Strasse. Die Gläubiger hatten ihn aus seinem Hause gejagt 
und durch Bettel brachte er sich, mit Gott und der Welt 
zerfallen, einige Zeit fort. Mit 60 Jahren, früh gealtert, starb 
er als Opfer der Trunksucht in einem Krankenhausc, nach- 
dem die Zerrüttung seines OrganisTnus den "höchsten Grad 
erreicht hatte. Das vierte Bildnis auf nebenstehender Tafel 
stellt ihn dar. — Ein tragisches Beispiel von den Folgen des 
4 jjl \ ungehemmten ÄlkoholgenussesI 



•tetterie. 



'^^.ta: 





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?ßflege bcr ©d)önF)cit. 



193 



®arum fucE)e erft ein jcber bay 2Be)'en ber (Sdjönijeit ju begreifen, beoor er 

urteilen xü'ili; er bi(be fid) an ben noni fc^önften 33oIf mit bcn Doüfornmenftcu 

©d)önl)cit§=33egrif|en un» 3nrücf= 

gelafi'enen Sßerfen ber ©ried)en! 

@r beniüf)e fid), fraufe ^i^^'n^e" oon 

gefunben unterfd)eiben ju lernen, unb 

er roirb erfennen, raie fd)iüer bie§ 

in unferer ^eit, roo Unnatur unb 

Sßerbilbung fo I)äufig finb, rcirb. 

SSir lüoüen un§ fjier nur mit 
bcr Toeibüdjen (Brf)ön(]eit befancn 
unb ber Sd)üut)eit5pflege im aü» 
gemeinen, inbem mir ba§ 33erftänbni'5 
für natür(id)e 33erf)äÜniffe roerfen 
unb seigen, auf rae(d)e ©cife mir 
bie ©runbloge aller (2d)i)n(jeit, bie 
©efunbljeit, erfjalten. ©ie brürft 
fid^ an§ burd) bie fyormen, bie 
3^arben, bie Haltung unfere^ 51üv= 
per§, burct) bie 33ejd)a[fenljeit ber 
,^aut, ber ^aare, ben ©lanj ber 
5(ugen, bie ^^e^terlofigfeit unfcrcr 
3äf)ne unb burd) 'özn Slusbruc! 
unferer 9J]ienen. ^ei ben taufenberlei 
(Sefatjren, bie uuio ftünbtid) umgeben 
unb unfere ©ejunbtjeit gefä()rben 
(burd) oergif tete 2uft, burd) eine 
Hleibung, bie ben S^örper oerfrüppelt, 
bur^ eine S(rbeit, bie unfere 3(ugcn 
ober ba§ ^levoenf^ftem ruiniert, 
burd^ eine @rndf)rung, bie uny in 
^ranf(]eit unb (2ied)tum ftür^t), 
muffen mir rootjt erft lernen, maä 
©d)ün()cit ertjätt unb morin iljr 
n)at)reä ^Jßefcn eigenttid) bcftc()t. 

%a§ ^beal ber DJIcnfc^cngcftalt 
roec^fett nad) S^affen^ugetjörigfcit 
unb S3i(bung5ftanb; bie gried)ifd)cn 
^ünfttcr aber, cor atlem bie 23ilb^ 
t)auer, f)abeu iljren DJadjfommen 
eine ©eftalt bc§ 2)lenfd)en I)interraffcn , rceld)e mir nod) immer a(5 ^^beaf^ 
gcftalt anfprcd)cn. „^a§ {■ünft(erifd)e ^\)mi m\l bie iD^nifdjengeftatt g(eid)fani 

2le grau atS ^auSärjttn. 13 




%\Q. ISo, ^iiflcitbliflic Wcflalt mit i'djüU 
ficformtcm Diiicfcit wwb guter c^attunfi. 



194 



«Pflege ber ©d^önlictL 



gereinigt oou allen inbioibuellen SS efonb arbeiten jur ^arftetlung bringen." 
SGBenn roir einen rciffenfdjaftUd) f)attbaren 93egrirf oon ben 3Serid)ieben^eiten 
ber 5?örperformen befommen lüoUen, fo muffen rair oon einem at^ 2Jla^ftab 
bienenben ^örperibeale au^geljen unb barnac^ Slbmeid^ungen ber ©insel- 



formen anfc^oulid) mad)en. 
®iefe§ ^örperibeal finben rair 
in ber SIntife, ben gried)ifd)en 
©eftalten. 

Safet g^r. 3 geigt nn§ 
eine mebiceif^e 23enu§ mit 
i^ren I)errIicE)en ^örperfor» 
men unb ber 5tnmut iljrer 
©lieber. 

2Iu(^ in unferer Qdt 
müßten ii)r alle gefunben unb 
roa^rl)aft fi^önen ^^rauen 
gleidjen! SCöo aber finben 
mir i!^re§gleicl)en?! ©urd^ 
SSererbung l)aben mir fd)on 
oon unferen 33oreltern ITeinen 
S!örperbau oberunoer^ältni§= 
mäßig lange ©lieber, oer» 
!rüppelte 3^ü^e, furgfi^tige 
aiugen, runben D^üd'en, flad)e 
^ruft ufro. auf ben Seben§* 
meg mitbefommen, unb bann 
gefellen fi(^ basu nod) bie 
SJii^bilbungen, bie mir burd) 
oerfe^rte SebenSraeife felbft 
baju erroerbeii! SBoljin mu^ 
bie§ fül)ren? 

Tlan betrachte fid) bie 
groei 9Jli^geftalten rec^t§ unb 
lin!ä oon ber 33enu§: franfs 
I)afte 9Jlager!eit auf ber einen 
be§ 9latürlicl)en gu bleiben. 



:M 




gftg. 139. ©(^leri^te 
Haltung, f^Iaffe 
magere @(ieber. 



ift fie 



©eite, franfljofte Skulle auf 
ber anberen! SJlangel^fter 
.^aarmuc^g, ^öngebruft, .^ä^* 
ti(^!eit unb Unförmigfeit in 
ab fcl)rec!enb er ©eftalt. 3^ur 
bie Kleiber oerbergen un§ 
folc^e S3ilbungen, nur raeil 
mir 9fZadt^eit ni(^t geroöl)nt 
fmb, erfc^reden unä fold)e 
Silber unb finb mir geneigt, 
fie alä Übertreibungen gu 
begei^nen. Ser Süd be§ 
Slrgtel aber, ber bie ^euc^» 
lerifc^en Kleiber!) üllen burc^* 
bringt, meif3, mie unenblii^ 
oft fie unter ber I)eutigen, 
^erabge!ommenen^rauenroelt 
p finben finb. SCßürben bie 
Suftbäber fd)on allgemein 
im @ebraud)e fein, mürben 
mir un§ gemö^nen, unfere 
^inber öfter im nadten 3"» 
ftanbe gu betrad)ten, um 
if)re SJiängel unb i^re ^ov 
jüge fennen ju lernen, fo 
fönnte mand)em nod) red)t=' 
jeitig gefteuert merben. 2)ie 
Kleiber aber I)aben unä oon 
ber 3^adt^eit entroöt)nt, mir 
fdieuen fie, fie erfdjredt un§, 
unb anftatt ber 2lu§brud 
„unfittlid)" geroorben. "fDag ift fe^r 



be!lagen§roert. 

Um bie ^rauenraelt ju rid)tigen ©d)ön^eit§begriffen gurüdsufütiren, 
bringen mir atbbilbungen fd)öner rceiblid)er Körper unb forbern fie auf, nadte 
,i^onnen p ftubieren. ©ie leljren ung, mie gefunbe, fd)öne Slörperformen 
befdjaffen fein muffen, unb fie beraeifen unä gleidjjeitig in tröftlid^er Sßeifc, 
taß aud) bie ©egenraart nod) fcl)öne ^^rauen ^aben mu^; benn biefe Silber 



?|?f[ege ber ©c^ßn^eit. 



195 



finb großenteils ^^fiotograptjteit lebenber SBefen auB unferer ^cit, ni^t 
falte SD^armorftatuen, einer längft cergangenen ^eit angefjörenb. 

®ie Eörperlid)en (£igenfd)often, bie bcn ©efd)Ied)t§ci)arafter be3 
2Beibe§ unb feine 3^orma(ge)"ta(t bebingen, finb: garter ^nod)enbau, runbe 
formen, ooUe, ni^t l^ängenbe Prüfte, breite .^üften, reid)e, lange ^opf^aare 
unb ^e^Ien ber 58e= 
I)aarung, außer in 
ben2l^felf)ö{)tenunö 
auf bem (2cf)am* 
berge; ecEige for- 
men, fc^male Ruften, 
furje ^opft)aare, ba^ 
gegen S3e!)aarung 
im ®eftd)t, bent 
53auc^e ober 9^üc!en, 
betbc Anoden ufra. 
fmb m d n n H d) e 
^ennjeic^en unb ba= 
^et aU n)eiblid)e 
(S^ön^eitgfe^Ier §u 
bejeic^nen. 9Ji a n n 
unb SGßeib fte{)en 
in i^rct SSoüenbung 
at§ jToei in fid) ah-- 
gefc^toffene S:i)peu 
ncbencinanber, com 
finblic^en 2;i)pu5 
gleic^roeit entfernt; 
e§ ift alfo feine3= 
roegg bcred)tigt, oon 
einer über* ober 
Unterorbnung eine§ 
Der ®efc^Ied)ter ju 

fprec^en. Um bie Unterf^iebe in ber männlidjcn. unb raeiblid)cn ©cftalt 3U 
ermeffen, geben wir I)ier ^roei „91ormaIgeftaIten" nad) 9J]erfe(, ^-ig 136 
unb 137, gur 2Infid)t. (S» fommen in bcnfelben bie erroä{)nten llntcrfdjiebe 
beutlid) jum 3{u§bruct; breitere «cdjultcrn be§ 9}?annc§, breitere öüften ber 
gtau, jarterer 5lnod)enbau ber ?yrau, größere ^änbc unb grüf3ercr 5Uipf be§ 
SRanneS ufro. 6ine uiel fleinere ^rau at§ bie Dorftef)cnbe, ober ein oiel 
längerer SJiann al§ ber oorfteljenbe ftören ba» l)armonifd)e 95erl)ä(tni§ ber 
beiben ©eftatten unb berüljreu beim erften Ötnbücf $rift[)etiid)=5einfü(jlige 
unangenehm. 

13* 




•'T^^/f. 



gig. 140. @ut gcbante Srufl. 



lOG 



Pflege ber (Sd)önf)eit. 



9^im gefjcu roir auf bie ©iuoclljeiten bc» tüeiblidjen ^örperä ein unb 
bringen in %\a,. 138 einen jugenblic^en ^^rauenleib, ber noc^ feine 9Jli|geftaItung 
geigt, aljü nid)t eingepreßte 9\ippen, feine burd) ^inbebänber entftanbene 
„(3(^nür[urc!)en". ®er Df^üden ift je^r \ä:)ün geformt, bie ^oltung auf» 
rcd]t, bie ©lieber fd)Ianf. 3f)^ trauriger @egen[a^ ift ^-ig. 139: oornüber' 

f)ängenbe Haltung, run= 
Der 9f{üden, eingefun= 
fene ^ruft, oorftef)en= 
ber ^aud). @ä ift bie 
Haltung ber meiften 
^-rouen unb 9Jtäbd)en, 
bereu ^äßlid)feit nur 
burd) bie ^leibung 
einigermaßen oerbedft 
mirb. %k Sf^iiden- 
mu§fulatur, bie §ig. 
138 fo gut entroidelt 
[)at, oerfümmert in 
foId)en fällen, bie 
©rübd)en am ^reu5= 
bein oerfdjroinben, nur 
(Sd)roäd)e unb Säffigfeit 
5eigt fid) in Haltung 
unb g^ormen. 

Über „^olje (3d)ul» 
ter" , 2Serfd)iebungen 
ber SCBirbetfäuIe unb 
anbere§ tefe man im 
III. 2;eil unter „9lüc!= 
grat^oerfrümmungen" 
nad). 

:^n %\g,. 141 er^ 
bticfen mir einen gra= 
giöfen meiblid)en Oberförper, bei bem aber bie Sdjiüirmirfung bereite in 
beutUd^fter Söeife auftritt, ^icr Ijaben Rorfett unb eng pgejogenc dlod^ 
bänber iljre ^^f(id)t getan! (&§ ift alfo eine Strt 33erfriippelung errei^t, bie 
nidjt me[)r oüllftänbig gut ju madjcn ift. 

^ig. 140 ceranfdjaulidjt eine fräftige rooljlgeformte S3ruft, ^ig. 142 
bagegen eine fd)Iec!)t geformte, eingcfaUcnc, magere 33üfte mit fjängen- 
ben Prüften. 2(ud) ju 3lrmftubien geben bie beiöen Stbbilbungen @e= 
tegcn()eit. ((Sielje über „©afäfäffer" unb i(jre 33efämpfung unter S3ud)^ 
ftabe S.) 




Ö^ig. 141. SMöbc^cn mit ftarfcr (S«!^ttitrfurfl)c. 



^N f I e !K ti e r © d) ö ii ^ e i t. 



107 



äßenn rair bie rceiblidjc 3d)öiüjeit be[prcd)en, SJür^üge iinb ?3uiiigc( 
t)er ©eftalt Ijeroorlieben, fönncu luir bcn .Qopf, ba§ qrüfjte 5tiinftii)crf an 
bem ?J^eufd)en, xmmöglid) ftidfc^iueigcnb übergcljen. Qä max unfer Seftreben, 
au ber ^aixb nuif)eDolI gcfammeltec 53ilbiü[fe einige fc^öne ?vvniienfüpfe ^\u 
fammensutragen, um [on)o{)[ „gcjunbe G)e|ict)ter", raie raeiblid)e Sd)öut)eit 
gu seigen unb einen 
SSergteid) biefer mit 
m ob erneu, franflj arten 
@efid)t»3ügen ju er= 
möglid)en. ^üifSafellG 
finben ficf) rier fef)r 
^ara!terifti[c^e Slöpfe, 
bereu ^ernorftedjenbfter 
3ug in ber Untere 
fc^rift §um 2{u§brurf 
fommt. Safe( Dir. 5 
bringt üier ^-rauen- 
föpfe in fünftterijc^er 
Gruppierung, bie raeib^ 
(id)e (Sd)önt)eit ber Der= 
jc^iebenften 3(rt bar= 
[teilen. ^aariüüe,runbe, 
iueid)e SBange, fi^ön 
fleäeidjuete, fprec^enbe 
tüugen, rul)iger ®e= 
fi(^t§au§bruce. ^a§fmb 
3eic^en ber ©cfunb^eit, 
bie gugleid) bie roa£)re 
oc^öut)eit begrünben. 
<5ie finb unferen 53i(b= 
niffen §um S^eil in 
reichem SOIa^e eigen, 
o'^ne iubioibuetle 9Sor= 
5Üge äu üerminbern. 
';Hu(^ STnmut, @auft= 

mut, ^er§eu§güte finben mir in i()ncn ausgeprägt, ©ie ber Jafcl beigegebene 
Erläuterung leitet bie Seferin ju fd)ävferer 5lritif ber mcibtid^eu 'liitbniffe an. 

SBenn bie 58itbni[fe §um Stubium ber fürpertid)en unb fcclifd^en 
(Sd)ön'f)eit anregen, roenn fie ror altem ba§ SScrftänbniS für bcn ■Jtuy- 
bruc! ber ©efunbljeit förbern, fü Ijabeu fie itjrcn ^md crvcidjt. 




%'ig,. 142. Sc^lc^t gcBrtutc SBntft nnb SttjuHrfurdjc. 



ÖO 



198 Pflege ber ©d)ön^ett. 



(Hcljon au§ bem erften Kapitel über Körperbau raiffen wir, tote bte ge= 
[unbe .^aut be[c{)a|fen fein iuu|3; fte ntii^ rofig, lüarm, raeid), frifc^ fein, nid)t 
trorfen, fpvöbe, fall, gelb unb fdjlaff. (^lan lefe über „®ie ^aut" nad).) 2lud) 
ging au§ bem DorI)ergeI)enben f)eroor, bafs luir burci) burcfjläjfige ^leibung 
unb burc^ Suftbäber eine gefunbe ^aut ert) alten. 2öir raiffen auc^, ba§ 
eine f(J)üne .^aut guerft „gcfuub" fein nuijä, e§ gibt aber nod) oiele ©insel» 
I^eiten bei ber .^autpflcge, bie burd) S!(eibung unb Sufteinflu^ noc^ nid)t er» 
tebigt finb. ®iefe betreffen bie Steinigung ber ^aut, bie (£rl)altung tf)rer 
2BeicI)I]eit unb ©ef(i)mcibigfeit, foraie für bie ©eficfjtsfjaut il)re 3^arbe, ferner 
m(i)t niinber bie 33el)anb(ung unbebeutenber fleiner ©rfranfungen. 333affer 
unb Seife finb bie geroöljulidjen 9leinigung§mittel, unb nid)t immer fragt man 
barnacl), roie biefe befd)affen fein foKen, um bie §aut nid)t I)art, ni^t runjelig 
gu mad)en. SEnr geben baljer im folgenben einige praftifdje ^ingerjeige. 

^e me(}r Kleiber unb je unburcl)läjfigere illeiber man trägt, befto mef)r 
(Sd)niei^, ^ett unb einbringenber Staub fammelt fid) an ber ^autoberflädie 
an iinb mad)t fte „fd)mu^ig". Wlan mu^ alfo bcSljnlb fo oft baben unb fid) 
abfeifen, roeit man fid) fünftüd) fc^mu^ig mad)t. i^ätten mir weniger ^(eiber- 
ptten unb me!)r ^autauSbünftung, fo märe bie§ raeniger oft nötig. 33abet man 
aber gur Steinigung, bann nef)me man nur marme§ SSaffer oon 35— 37°C. 
unb benütje nur milbe Seife o^m Sobasufa^. Soba löft befanntlid) hzn 
Sc^mu^ Dortreffüd), mirft aber and) auf bie Dberl)aut fo erraeidjenb unb 
ä^enb, baj3 biefe bei Ijäufiger 3Iniüenbung rifftg unb fpröbe wirb. Qnx all* 
gemeinen ©rfrifdjung, unb bamit bie .^aut burct) bie au§fd)Iie^Iid) raarme 33e= 
{janblung nid)t fd)Iaff werbe, taffe man jebem Sieinigung^babe eine füfjlere 
Übergießung oon etraa 15 — 22° folgen, unb frottiere barnad^ bie .^aut !räftig, 
um fie blutreid) unb roarm gu madjen. Siad) foldjem 93abe, "tiaB nie über 
jelju 9)'iinuten raäljren foK, rairb man fid) täuJ3erft moljl füljfen. 

®en 5?opf babei trocfen äu taffen, mie e§ bie ?^rauen fo gerne tun, ift 
ganj unljijgienifd). (S§ lann bie§ 3tvfuIation§ftörungen gur S^otgc l^aben, 
Störungen in ber 2öärmeau§ftrat)Iung unb — bie§ ift immer ber ^^^atl! — e§ 
beraubt ben ^opf ber notroenbigen Dieinigung. ©erabe bie ^aare fangen 
oiet Staub auf, unb roenn and) täglidje» 33ürftcn imb dämmen einen befferen 
^uftanb Ijinftdjtlid) ber 9ieinnd)f'eit fd)affcn, fo bebarf boc^ bie Kopfhaut ge^' 
(egentlid) nod) einer anberen Sfnregung. 3Iuc^ tragen bie ^opfn)afd)ungen, 
gteid)5eitig mit bem 33o({bab genommen, mefenttid) gur „9lbl)ärtung" be§ 
^opfeä bei, b. \). er rairb gegen äuf^ere ©inftüffe weniger empfinblid). 

S^^ad) ber 2{bfeifung be§ Slopfe§, wobei man lange ^aare nid)t etwa 
auflöft, fonbern al§ feftgef(od)tenen ^opf im ST^affer I)ängen Iä§t, fül)It man 
i[)n ebcufo, wie ben ganzen Körper ah, täp itjn abtropfen unb reibt i^n 
bann mit weid)cn Suchern möglid)ft trocEen. 



«Pflege ber ©c[)önf)ett. 199 



5Im beflen mad)t man fotcfje S^eintgimgSbäber gegen 9(bcnb, bamit bie 
^aare, bie be[onber§ im Sinter fd)iöer troc!nen, über S^ai^t für mefirere 
©tunben in ein raarme§ Zn^ eingepaßt rccrbcn fönnen. 2Im näd)ften ^Jlorgen 
jtnb fte trocfen, meid), oft gelocEt unb fcl)ün. 

%a mv feine „2öafferratten", foubern „$?nftge[cl)i)pfe" finb, fo fmb un§ 
tägtid)e 2Ba[feranroenbungen gar nicljt noticeubig, ja bei nerüöjer 2ievaulagung 
fogar fd)äblid). (Sine 2ln§nal)me madjt ein franf[jafter ^nf^^"^/ ^^o oielleidjt 
täglicf)e Ableitung unb S3eeinflitf[ung eine§ beftimmten 5lürpertei(e§ notroenbig 
fein !önnen. SKer feine fiuftbäber im freien neljinen fann, raie bie mciften 
(Stäbter, ber mad)e raenigftenä morgen§ beim Slnfteiben, mögtidjft bei offenen 
g^enftern, ein Suftbab Don je^^n 9J?inuten imb be[ct)ränfe bie Si^afferan^' 
roenbungen auf @efid)t, .^at§, ^änbe, ©efd)(ec^t§tei(e unb raenn nötig (beim ^öar- 
fuJ3ge!^en) aud) auf bie ?^ü^e. dJlan fann biefe Sffiafd)ungen im nacften ^uflanbe 
au§füf)ren unb roirb fid) babei fef)r roo^I fül)(en. ^n füllten STagen roirb bie 
befannte „©änfe^aut" nid)t fcfjlen al§ Sßirfung be§ Suft= unb Slältereiseg auf 
bie ^aut; bann bewege man fid) einige 9)Hnuten energifct)er in ber (Stube, mad)e 
einige 2Itemübungen unb fc^lüpfe Ijierauf in feine SrifotroäfcTje, bie man al§ fe^r 
looljlig unb raarm empfinben mirb. ©etbftoerftäiiblic'^ bürfen I)ierauf (eid)t 
frierenbe 9D7enfd)en nid)t ruf)ig fii^en, foubern muffen entiüeber au§gef)en, rafd) 
unb energifd) (ntd)t fd)(eid)en unb trippeln nad) ^raueiiart!) ober im §aufe fräftig 
I)eruml)antieren, Letten orbnen, (5op[ja flopfen, 5t(eiber bürflen, ^arfetten 
mifc^en u. bgt. ®a roirb man ^errtid) roarm babci, unb ber Sag beginnt 
nidjt mit 23erbauung§fti5rungen, Stppetitlofigfeit unb fd)(ed)ter ;?aune. 

S3ei großer .g>i^e fmb ^-tupäber ebenfo gefunb rcie genufsooU, nod) 
me'^r in ftitter ©infamfeit unb im raufdjenben 3SaIbbad). 

2öa§ ift jebo(^ babei gu bead)ten? 

®ie 3^Iupäber in ©tobten fmb gerabe fein :5beal, rceit ba§ 3^Iu§roaffet 
meift unglaublid^ rerunreinigt ift. 9}]an fei roenigften§ bemüljt, niemals 
unter f)alb ber 5IRünbungen oon ftäbtifd)en S^anälen, bie oft aud) giftige 
j^arbftoffe unb efe(f)afte 5(bfä(Ie entfjalten, gu baben unb I)üte fid) beim 
©c^roimmen, SBaffer p fd)Iucfen. 

%a^ ein gu langer Slufent^alt im falten Sßaffer rocgcn be§ bamit 
oerbunbenen 2öärmeoerhifte§ fd)öblid) ift, I)aben roir fdjon an anberer ©tetle 
^erDorgef)oben. Sßiebererroärmung nac^ febem falten 33abe ift eine ber 
roic^tigften ^ebingungen, roenn ba§ 33ab 9lul3en bringen füll. 9JJan lege fid) 
im trocEenen .^embe in bie ©onne, ober fteibe fid) rafd) an unb erfteige einen 
na'^en SSerg. (£§ gibt fein beffereS SJlittel gur ©rroärmung. 

®a§ 33aben im SBalbbad), in ojonreidier £?uft, unter fd)attigcn 53äumen 
unb im friftallflaren SBaffer ift unDerg(eid)Iid; gcnuf3reid)er. S^))ax fann man 
barin meift nidjt fdjroimmen, aber ha§ Sffiaffer ift fältcr unb bie ganje Um=» 
gebung fo erfrifd)enb, ba^ man oon fünf SD^innten im 2Balbbad)e mef)r 
SQSirfung ^at, al§ oon 15 SJiinuten im (auen gluffe. 2Ber in ber Sage ift. 



200 Pflege berSd^önfieit. 



im Sßalbe 511 baben, ber laffe bie ©elegenljeit baju nid)t unbenu^t. ((Sie^e 
ba§ ghtfsbab an] bem 2:iteIfarton bie[e§ S;eile§.) 

©in ©egenfo^ 5roi[d)en 93runneu* unb g-Iu^iraffer, ber ja oft errcäfjnt 
lüirb, mu^ auci) !)ier nod) tjeroorge^joben roerben; e§ ift bie 53e[d)affent)eit 
bei SBafferS im ^ejug auf feine d)emif(i)e ^ufQo^tttenfetjuug. ®a§ ^ylu^^ ober 
S^egeiiroaffer roirb „roeic!)e§ Sßaffer" genannt meil e§ falf= unb falgarm ift; 
ba§ Srunnenraaffer roirb „t)art" genannt, roeil e§ talh iinh falgreidier ift, 
rooburd) it)m ber beffere @efd)ma(f oerUefien roirb. 

2Bie gum Sprinten au§ fci)on befprod)enen ©rünben tia§ l)arte SBaffer 
ange§eigter ift, fo roirb §um 93aben ba§ roeid)e 2©affer oerroenbbarer, roeil 
5?al! unb faltige SSerbiubungen bie §aut angreifen, fie trocfen unb t)art 
ma(i)en unb i^r jene angene£)me 9Beid)t)eit uet)men, bie aucJ) ai§ ein 3;;eil ber 
©d)ön^eit gilt. ^a\\ babe baljer fo oiet at§ möglid) im S^legenroaffer. 

©0 üiel über 9ieinigung§bäber unb öautpftege burd) SBaffer. 

Stber aud) 9)1affage ift §ur . Hautpflege nötig. ;3ebe fyrau, bie dmaB 
für it)re Pflege üerrocuben fann, follte ficJ) aKjäljrliiJ) einigemale, ctroa 
14 3:age lang fanft maffieren unb babei mit feinen, aud) parfümierten fetten 
einreiben laffen. ©ct)uppige, raulje ober runjetige (Stellen roürben baburd) 
me!^r ober minber befeitigt roerben, bie ^aut roeid), blutreid) unb frifd) er» 
fjalten unb bie :5ngenblid)feit be§ roeiblid)en 5^örper§ unoeränbert bleiben. 
@§ ift eine fo traurige Süge, roenn bunte Stoffe, ©pi^en unb S3änber einen 
rcelfen Ijäfslidjen Seib umljüHeu! SRan foKte lieber biefen fd)üu er^lten, 
ftatt blo^ fein 9atf3ere§ §u fd)mü(fen. 

^m 2((tertum roar biefe SIrt üon Hautpflege ganj allgemein. 2öof)I- 
Ijabenbe ?5^rauen liefen fid), täglid) fogar, oon iljren (Sftaoinnen maffieren, 
mit foftbaren ©pesereien einreiben, bie .^aare forgfältig betjanbeln ufro. unb 
bann erft in fd)öne i^teiber IjüKen. SKcnn nur ber oierte S^eit ber (Sorge 
unb bei SSerftänbniffel für füld)e .^autpflege auf un§ übergegangen roäre, fo 
roürbe t§ fc^on bebeutenb roeniger unfd)üne ^^rauen geben. 

®ie ®inf(üffe, bie im übrigen nod) bie Sd)öul)eit untergraben, roerben 
roir im fiebenten i^apitel über ba§ (5)efd}Ied)t§Ieben befpredjen. 2ß}eld)en ®in= 
fhi^ ®rnät)rung unb 95erbauung ouf bie ©efuub[jcit unb Sdjöuljeit ber .^aut 
Ijaben, get)t aul auberen 5lapitetn Ijcvoor. 

pfU^e der Getichtsbaut 

^a§ ©cficl)t roirb ber Spiegel be§ S[Renfd)en genannt; nidjt nur feine 
geiftige i8efäl)igung, feine ^erjenSgüte ift au§ bemfelben gu (efen, fonbern oiel 
beutlid)er nod) feine ©efunbljeit. 9^iemal§ ift e§ gteic'figültig Ijingune^men 
ober al§ etroaä Unbebeutenbe§ p betrad)ten, roenn jemanb eine grüngelbe 
©eficl)tlfarbe t)at, eingefallene Sßangen, einen ftedjenben ober matten 33li(f ufro. 



Pflege öcr ©d)önt)eit. 201 



®enn o^ne tiefere, innere Urja^en gibt e§ feine SSeränberungen an ber 
Dberf(äd)e un|ere§ S^örper:?. 

„etiuag all bebeuten" Ijat aljo jeber anffaUenbe ^uftanb, ber fid) einfteUt, 
unb raürben alle bie fteinen Slngeictjen ^ur reci)ten Qdt bead)tet unb oer- 
ftanben werben, bie jeber ernften ©rfronfung oorangeljen, bann fönnte fo 
niand)e» Übel oerl^ütet, ober bnrd) eingreifenbe 33el}anbhtng raentg[ten§ abge» 
fd)it)äd)t racrben. 

Garant übe fid) befonberl "üaB roeiblid)e @efd)Ied)t tn ^-Benrteilnng ber 
9Jlienen unb ber @efic[)t§farbe anberer, ift i^m bod) bie ©ejunbljeitSpflege ber 
feinigen anoertraut unb fann burd) red)t5eitigc§ (Singreifen lüeiteren ^ort^ 
f(^ritten fraufl)after SSeränberungen entgegengetreten raerben. ®urd) bie ^arbe 
Der (5)efid)t§I)aut §eigt fid) atfo bie ©efunbl)eit ber inneren Organe an ; bur^ 
braungelbe 23erfärbuug Seberfranf^eiten, burc^ bläuliche ,^er5fef)ler ufro. (5)e= 
luiffe 3^alten im ©efic^t fteüen fic^ bei baucvuben ©emütsoerftinimungen 
ein, üeränberter 2Iu§brudE ber 2Iugen bei I)äufigem ©rurf im 5^üpfe, ein 
griesgrämiger, leibenber ^^^S 'tiei geroiffen quälenben 9}]agen3nftänben ufro. 
Unenblid) vkk§ tä^t fid) au§ ben ©efidjtern lefen, rcenn man ba§ Sefen 
re^t erlernt \)at\ 

(Sin ganj gefunber SRenfd) !)at eine Ijelle, mä^ig gerötete (5)efid)tyt)aut, 
of)ne ^(ecten ober I)ä^lid)e Ratten, freunblid)en ®lan^ ber Singen, frifd)e 
Sippen. (Sin müber 2tusbrud£ („I)ängenbe 3^9^")/ ^^uftetn unb Rinnen im 
©efic^te ufro. be^ei^nen neroöfe 93erftimmungen, 2}erbauung§ftörungen, un= 
genügenben (Stoff roed)fel, unb roer feine (5)efid)tSl)aut gefunb unb bamit fd)ün 
erf)alten roiü, mu^ fid) äuerft cor biefen g-einben ber (Sd)önl)eit beroal)vcn. 

9'lid)t§ mad)t bie ©eft(^t§I)aut baf)er fd)üner, at§ Ijäufige 2tu§f(üge in§ 
©ebirge, ^ergfteigen, roobei tüd)tig gefd)roi^t unb grnnb(id) geatmet roirb, 
einfache ®iät, ot)ne 2IIfoIjüI unb ^yleifd) bei SSorroiegen fü^er g^rüc^te unb 
©Olafen in Sufttjütten. Unb roe§I)alb? 2BeiI bei foId)er Sebeniroeife ein 
(Stoffroe^fet unb eine 6anerfioffaufna!)me ersielt roirb, bie gar feine 9Ib> 
lagerungen auf ber ^aut, ungcfunbe Hautfarbe ufro. ermüg(id)t. 2(uf füld)er 
natürli(^en unb guoerläffigen ©runblage baue man alfo roeiter, unb nun 
I)aben roir guerft bie S^rage gu beantroorten: 2öie muffen roir unfer ©efid^t 
reinigen, um bie ^aut nid)t ju fd)äbigen? 

®a fie §art unb fein ift unb itjre ^-arbe oon fo(d)er Sebeutung für unfer 
5{u§fel)en roirb, fo ift roeber ba§ SCBaffer glcid)gü(tig, ba§ roir roätjlen, md) 
roeniger aber bie Seife, bie roir benül3en. SKir roiffcn fd)on, bafi I)artc» ^^runiicn» 
roaffer auc^ unfere ^aut mit ber ^eit ungünftig beeinfhif^t ; c§ fann baljer jur (Sr^- 
I)attung eine§ guten SCeintS nur roeict)esi ?^tu|= ober 9iegenroaffer empfoI)Ien 
roerben. 9Jlan l)ott e§ au§ bem nal)cn %{\[^ ober ftcüt an fidjcrcn Orten @e= 
fä^e auf, um 9icgenroaffer aufyifangen, Iäf3t bicfcS bann etroa brei bis uier 
©tunben fte()en, bamit fid) alte Unrcinigfciten 5u 93oben fetten, unb fd)öpft "tia^ 
flare unb reine Sß>afferbel)utfam oon oben ah. ^n ein l)atbgcfüUte!§, nid)t ju grofjeS 



202 Pflege 5)er @d)ött^ett 



2Bafc^becEen taud)t man 'C)a§ ©efid)t unb fcE)Iägt SBetlen, inbem man e» lenit, 
burd^ bie 9lafe in haS Sßaffer fjinein au§äuatmeu. ^ie babur^ erjeugten fanften 
SOSeüen fmb für bie gefd)loffenen 2{ugen unb bie ©tim fe^r angenefim. ^u^t 
©inatmen er'^ebt man ba§ ©efidjt au§ bem SG>a[fer. '3)urcf) gefdjtdte 
^re^ungen gelingt t§, aud) bie Dt)ren mitgutandjen, o^ne bie ^aare roefent- 
li^ 5u bene^en. ®a§ fül)le SBaffer berair!t Ieid)te Rötung ber ©efidjtgljaut, 
ba§ ©efic^t rairb alfo frif^er unb üoller baburc^, unb bie .^aut bleibt meid) 
unb gart. 

dreimal tägli^ folc^e ©eftdjtsbäber üon etroa24°C. auSgefü'^rt, fmb 
bejonberS bei blaffer ^aut unb magerem @efid)te ni^t gu oiel. ©ie roerben 
ben Steint rcefenttid) oerbeffeni unb fmb ba§ fct)önfte SRittel, ba§ gur Pflege 
ber @efic^t§f)aut empfoI)Ien merben fann. 

®a§ @eficf)t tägtid) abgufeifen braudjen nur jene, bie e§ in (Biaiib, 
SRaud) unb ®unft fd)mu^ig mad)en; für anbere genügen bie angegebenen 
©efid)t§bäber. ^thi Seife, aud) bie milbefle, reijt mit ber ßeit unb ent§iel}t 
ber §aut if)r natürlid)e§ g^ett, mad)t fte alfo Ieid)t fpröbe. (Sie ift bat)er 
gerabe ber @efid)t§{)aut nid)t fef)r roo!)ltätig. 

50^an raäf)te für bal @efid)t nur fobafreie, fette ©eifen, bie burd) i{)re 
6d)ärfe nid)t fd)aben. %a§ fmb §. 33. ^onigfeifen, Sergmaun§ Silienmild)feife, 
fogenannte überfette ©eifen, ^räuterfeife „Stocf" ufro. Sine reine ©eife foll 
au^er ztv3a§ ^arfüm nur au§ reinem ^ett imb 2IIfaIien beftef)en, le^tere 
bürfen jebod) nid)t im Überfd)u^ üor^anben fein, fünft roerben fie aud) 
fd)arf. 3^11^ ®6^f Eisbereitung eignen fid) am beften 9^inber=» unb ^ammel= 
talg; e§ roerben aber oiel I)äufiger billige Öle oon ^o!o§, Dlioen, 
^almen ufro. baju oerroenbet. Um bie (Seifen fd)roerer unb umfangreicher 
ju madien, fe^t mon nod) fogenannte „^^üllftoffe" §u, rcie 5?reibe, (2tär!e, 
fieim, (Sanb, Qudex unb anbere. Unter 2llfalien üerftef)t man in biefem 
^atle nur Slali» unb 9]atron(auge, roeld)e mit ben f^^etten gu (Seifen 
Derfoc^t roerben. ^z roeniger banon einer (Seife beigemifd)t ift, je mel^r if)r 
g^ettge'^alt oorroiegt, befto milber rcirb fie; fie fd)äumt roeniger ai§ bie 
laugenl^altigere fd)arfe ©eife. ©o oiel jur Orientierung über bie ©eifen. 

©ine eiua bi§ groeimalige ^i(bi"eifung be§ @efid)te§ famt Dljren unb 
^al§ etroa anroöd)ent(id) mit einer milben, fetten ©eife roirb bann ni^t 
fd)aben unb gur 9ieinerl)altung genügen. 

Um Sf^unjeln, ^Blutleere, rote Rieden im ©efic^te gu befämpfen, reibe man 
täglich abenbS fein @efid)t nad) einem ©efidjtSbabe oon etroa 24° mit einem 
S^ett ein. (S§ erroeid)t bie fid) bilbenben ©d)üppd)en, oerminbert bie Srodfen^eit 
ber .^aut unb erjiett burc^ bie mit ber ©infettung cerbunbcne S^^eibung ber 
^aut aud) eine beffere '2)urd)blutung berfelben. ®ie meiften tierifd)en unb 
pflangtidjen 3^ette aber l^aben einen flbelftanb; fie roerben teidjt ranjig unb 
teijen in biefem ^uftanbe bie .^aut I)eftig. SDIan t)at ba'[)er bie ©infü'^rung ber 
mineralifd)en 3^ette mit 9f?ed)t at§ einen ^ortfd)ritt begrübt. ©§ gehören baju 



■iPflege ber S(^önf)eit. 203 



Sßaf Clin (ein ^lüdtftanb be§ ^^^etroIeum§) unb Paraffin (ebenfaüg au§ '^petro» 
leum I)ergefteUt). '3)em 9?an3igraerben roeniger unterroorfen ftnb Sanotin unb 
Sßalrat, äraei tierifdje ^^ette, rae(d)e ju oerfc^i ebenen <2d)önl)eitsmitteln 9}crroen=> 
Dung finben. SJJit 93afelin ober Sanolin reibt man mit ber ^-ingerfuppe 
bie ganje (lJefid)tyjTäd)e ein unb Iä§t morgen^ ein @efid)t5bab folgen, bei ^auU 
flecfen unb @nt3Ünbungen aber nur mit einer 2:emperatur oon 35*^ C. 

Sei t)ie(en entroirfett ftd) Ijierauf eine 3^üIIe, ?3-rifd)e unb 9ieinljeit be§ @e=» 
[ic^te^, mie fte Dor{)er nie beftanb. 33ei auberen freiüd), bei rceld)en ©törungen 
in ben ©efdjledjt»» unb 33erbauungyorganen eingetreten fmb, f)i(ft biefe ©efid)t»» 
pflege nur oorübcrgcljenb, ba fid) infolge innerer 33evanlaffungen immer roieber 
neue Stuten unb g-tecten einfletlen. 'S^ennod) rairb aud) unter foIcf)en Umftänben 
1ia§ gepflegte ©efid)t immer nod) beffer au5fef)en al§ ba§ ungepflegte, ma§ fid) 
!rän!lid)e, oft red)t fd)ted)t ausfefjenbe J-rauen immerf)in guDhi^en mad)en fönnen. 

2Ber parfümierte gette liebt, bemfei engtifdjer Cold-Cream empfof)Ien 
ober öfterrei d)ifd)er. (Srftercr befielt auB ^ofo§öI, S^ofenöl unb 9f?ofenraaffer, 
letzterer an§ Sßalrat, meinem 3I?ad)§, 9JlanbcIöl unb S^ofenroaffer, "änä) ^alo^ 
berma !ann oorübergeljenb empfofjfen raerben. S^x 9}laffage eignet fid) oor» 
treffüc^ 2)]anbetcreme. 9?egelre^te ©efidjt^maffage ift in 'a^n letjten ^aljren 
aufgefommen unb fann bei franfcr ©efid)t5l)aut unb mageren ©ei1d)teni mit 
[d)(üffer ^aut nid)t genug empfotjfen merbcn. '^Slan lä^t if)r juioeilen eine 
@efic^t§anbampfung oorangef)en, raeldjer eine Einreibung mit g^etten unb an= 
regenben (Stoffen folgt. '^iefe:§ 25erfa!)ren I)at für einige Stunben überrafd)enben 
Erfolg, Ijanbelt e§ fid) aber g(eid)3eitig um allgemeine fd)ted)te @rnäf)rung, bann 
roirb natürlid) ba§ @eftd)t nid)t „blüfjenb unb ooll" bleiben tro^ hmftootter 
9)]affage unb blutf)eran5ief)euben 'Sampfbäbern, fonbern bie 3cid)en ber ©r^ 
[d)(affung, be!§ mangelnben Stoffroed)feB, ber allgemeinen <Sd)iDäd)e, rceld)e ber 
ganje ilörper trägt, merben fid) aud) im ©efii^te rcieber ausbrüden. ßaufige 
S)ampfbäber laffen and} gerne eine (£rf(^taffung prüd. ®arum oergeffe man 
alfo bie allgemeine Pflege nid)t unb forge unermüblid) für ba§, roa6 ein 
gefunbeä ©efid)t bauernb fidjcrt. Slaffen @efid)tern finb täglid)e Sßec^feU 
©efid)t§bäber fet)r gu empfel)len. ^an tau^t ba§ ©efid)t guerft in I)ei|eg 
SEaffer oon 35—40° C. unb bann in faltet oon etroa 15° C. '^Taburd) roirb 
'öaB Slut in bie ^aut gesogen, bejonber» roenn man gteidjjeitig (eid)te 9^eibungen 
mit einem (2d)roamm ausfütjrt. T^oü unb rofig frifd) roirb barnacl) ha§ @cfid)t. 

3n einer ^eit be§ förper(id)en 9]iebergange§ gc^t aud) natür(id)e Sd)ün= 
t)eit immer mef)r oerloren, unb Spcfulation aller 2Irt bemüht fid), einen 9iiil3cn 
baraul ju jieljen unb burd) fünftlid)e SHittel eine falfd)e, trügerifd)e ©(^ön» 
^eit §u erjeugen. ®a^cr bie 5at)nofen 2tnpreifungen oon rounberrcirfenben 
(5d)önl)eit§mitteln in allen 3eitungen, nac^ roeld)en fo oicle ^-vauen, roeld)e 
it)re Sc^önl)eit§mängel erfannt l)aben, begierig greifen. '3?arum fieljt man aud) 
bei öffentlid)en Seranftaltungen fo üiele mel)r ober minber gefd)ininfte, gepubcrte 
ober burd) Sc^önl)eitämittel beutlid) beeinflußte ^Jrauen. ^[)xq {^arbenroirfung 



204 'Pflege i'er Sd)ön^eit. 



ift für Den erften 2tugenbltcf überra[d)enb ; bie jarte SBeif3e ber ©eficf)t§f)aul 
I)ebt fid) üoni frifd)en SBangenrot beutltd) ah imb lä^t anberer[cit§ ba§ l^eud)ten 
be§ 2Iuge§ beffer jur ©eltung fommen, beffen 93raiten unb SBimpern DieIIeid)t 
aud) fünftlid) oerbunfelt fiub. ^eim etftcn ^lict aber erfennt man bie 5^ünft= 
Iid)f'ett biejer @d)önl)eit itnb empfinbet ein 9Jlipef)agen barüber; biefeS ftedl 
fid) nid)t nur bei ^-raueu ein, fonbern in nod) cerftärfterem 9)]af3e bei SJIännevn, 
iüe(d)en bie fd)ün=fein=n)onenben g^rouen boc^ in erfter Sinie gefallen rootlen. 
©ie bringen fid) alfo felbft bei aikn Urtei(§fäf)igen um ben erfeljuten ßrfolg! 
STnbererfeitg ift e§ eine alte (£rfaf)rung§fad)e, ba^ e§ oerftimmt, „roenn man 
bie Sfbfi^t merft", b. I). ba|3 beutlid)e ©efallfu^t abfto^enb roirft. ©5 rcerben 
baf)er i^rauen üon Stürbe unb ©elbftbercu^tfein niemals fid)tbare (Sdjön^eitSa 
mittel mäljlen, fonbern fid) fo natürlid) alS möglid) erljalten. 

^ie ungebilbete ober auf nieberer ^ulturftufe fte!)enbe ^^rau färbt fid) 
in beut(id)fter SBeife, f(^miiilt fid) mit Dringen unb bunteftem 2:anb; bie ge= 
bilbete unb etljifd) l)ül)er ftef)enbe mirb ftet§ oorneljme 3urüc!()altung ben)af)ren, 
alles ^luffäÜige an iljrem Slufseren üermeiben unb eine natürtid)e 5^örper' 
pflege üben, roie mir fie Ijier näljer au§füf)ren. ©ie rairb in ©rlialtung 
if)rer ©efunbf)eit unb ^^flege it)rer uorijanbenen fürperUd)en S^orjüge befte!)en. 

Um ba5 Urteil ber g-rauen über bie t)erid)iebenen 3:oilettemittel gu 
flären, mollen roir bie befannteften f)ier burd)fprec^en. 

3uerft ber beliebte isuber! (£r beftel)t au§ feinftem S^ieiSmel)!, ^artoffel^ 
ftärfe, 9}]anbelmel)l unb anberem, ift aber feiten ganj unoermifc^t unb roirb 
als meiner, gelber ober rofa "^puber oerroenbet. 6r fd)ü^t bie ^aut oor äußeren 
Ginflüffen, raeil er fie in gemiffem ©rabe „bectt", oerftopft ba^er aud) leid)t bie 
^^autporen unb fül)rt mitunter bei längerem ©ebrauc^ gu SReiä^uftänben ber 
Salgbrüfen. ©ie fd)mellen auf unb bebecfen einzelne @efid)t5partien mit fleinen 
|)öd'erd)en, bie roei^ auSfeljen, folonge fie fi^ nid)t entäünben. 2)er gefärbte 
•^puber l)at eine natürlid)e SBirfung, iiibcm er bie ^aut garter unb natürlid)er 
erfd)einen läfst, als ber roeifäe, n)eld)er meljr an ©d)minfe erinnert. 

23or ben ©d)minfen jeber 2(rt fei einbringlid)ft geroarnt. ©ie entljalten mef)r 
ober minber9JZetallfal5e, meld)ebie.^aut angreifen unb üble (folgen ):)ah^n fönnen. 
^aS SScrfleiftern ber ^ant raubt il)r überbieS il)re natür(id)e ©laftijität unb 
mad)t fie allmäl^lid) lebern, obmoljl fie anfangs reisenbe ^ugenblid)feit üorfpiegelte. 

33laf3mad)enbe SToilettemittel finb bagegen bie „2;oiletten=(Sffige", 
n}eld)e mie alle ©äuren gufammensicbenb mirfen. 93erbünnte @ffig-, ^il^'ortß^i' 
unb ^orfäure finb jiemlid) unfdjulbig in iijrer 2öirfung unb tonnen oorüber^ 
gel)enb bei ftellenroeifen @efid)tSröten u. bgl. einmal benüt3t roerben, aber 
aud) fie l)aben bei längerem ©ebraud) ein ©c^rumpfen ber .^aut 5ur ?3-olge, 
meil jebem Überreif bie (£rfd)laffung folgt. 

SRit allen „©d)önl)eitSiüäffern" aber fei man anwerft oorfidjtig; benn 
meift entljalten fie 33tei= ober Gucctfilberoerbinbungen, bie nid)t nur ber 
.^aut fdjaben, ob fie nun „i^ungfernniilc^", „^^^rinseffenmaffer" unb „©djöuijeitS» 



Pflege ber ©d)önl)eit. 205 



Sflofen^Sfjenä" ober fonftiüie I)eif3en mögen. Sind) 53 o rar unb 33en3oe=» 
tiiiftur fiub rcegen if)rer unleugbareit SSirfung auf bie $)ant oiel im ©ebroud). 

^orar befteljt au» borjaurem 9ktrum, {)at Ijarnlöicnbe (Sigenf^aften 
unb ift baljcr anä) imftaube, bie Ja^'^f^off f'-H-ud)cn , bie fict) bei Sommer» 
fproffeubilbuug iu ber öaut anl)äufen, gu befeitigeu. ®r Igelit atfo ben Seiut 
auf, oliue bei feltener 3(uiüeubuug befoiiberg ju fdjaben. 

^eu5oe ift eiue ^arjmaffe, bie aufäugüc^ fe{)r fd)öu auf hm 3:eiut roirft, 
baun aber ü^unjetn oerurfac^t, gerabe "DaB, ma§ fo oiele grauen befeitigeu raoUeu. 

3rud) 2I(füI)ol mad)t blaj3, ha er oorübergefjeub sufammeusietieub auf 
bie ©efäpe rairft. Gr löft aber ^ctte, unb baljer mirb bie ^paut bei I)äungeu 
a(foI)oIif(i)eu ©iureibuugeu trocfeu uub fpröbe, ferner folgt ber aufäuglid)en 
erfrifcf)enben SÖirfuug admätjlid) bie erf d)laffeube, uub barum bürfen 
äl(füf)o(=2turcenbuugeu nie gu oft gebraucht roerben. 

3ur ^efämpfung vorzeitiger O^unjetu empfeljleu mir neben atigemeiner 
Körperpflege bie 2Inroenbung einer ^afte, bie jebe 3^rau fid) felbft Ijerfteüen 
fanu: man fauft ^o!)nen= unb ©erftenmet)!, mifd)t biefe§ mit (Sigelb uub 
beftreid)t in bicter Sage mit biefer Salbe mei^e Säppdjen, bie man fid) nac!) 
ber ©efid)t§form 5ured)tgefd)nitteu f)at. Ueber )!flaä)t merben fie auf jene 
©teilen gelegt, roo fid) bie meiften 9\un5eln befinben. ^ie ^afte trocfuet 
balb ein uub bie Säppd^en fleben bann feft an. SJiorgenS jieljt man fie ab 
unb reinigt ha§ ©efid)t mit lauem Sföaffer. ^ie§ S^^e^ept foll oon Dr. ^löalfer 
ftammen. ^ie Söirfung ift maud)mal überrafd)enb. 

2Iud) auf ba§ Unteruel)men ber (Solberger SInftatten für „Srteri* 
fultur" madjen mir aufmert'fam. S^aturgemä^e Körperpflege unb ücrnünftige 
KoSmetif fmb if)re 3^erfe. ^2)ie oortreffIid)e 2Iodfcife geprt aud) p il)reu 
^^räparaten. ^erfonen oon empfinblidjer fraufer ^aut, bie feine aubere 
(Seife oertragen, I)aben oon ber Slodfeife bie fc^önfte ST^irfung. 

^06) einmal auf bie rairf'famfte ©efid)t^3pflege surücffommenb, mieber= 
l)oleu mir: füt)le @efid)t§bäber iu rceid)em Saffer, ©infettungeu be§ 
©efid)te^ mit milben ^^etten, gelegentlid)c @efid)tgmaffage. (Sie erljalten 
hk ©efid)t5l)aut frifc^, üoU unb meid), ot)ne üble ^Heissuftänbe ju fdjaffen. 
Selbftrebenb fe^t man aud) mit biefer ^^flege äumeileu raod)en(aiu3 auy. 

Die pfU^e der I)Knde. 

^§ ift unbcftritten, bafj moljlgeformte, feine .^änbc ben augencl)ntcn (5in' 
bruc! ber ganzen ^^verfönlid)feit erl)öljen. ^[)xc fd)öne ^yorm ift un5 angeboren, 
b. l). oon unferem Knod)engerüft abljängig, ebcnfo mie bie uufd)öne. ®urd) 
Slusbrud' unb ^-arbe tonnen mir febod) ^ormfetjler, an6) ber .Spanb, bebeutcub 
cibfd)U)äd)en, ja oergeffen mad)en. ®ie fd)önfte .^anb t'aun aber unangenel)ni 
merben, roeuu fie raulj, rot, ungepflegt ift. nn5äl)lige grauen tonnen au eine-^aut^ 
pflege nic^t beulen, roeil fie bie baju nötige 3eit nid)t finben, ober roeit fie 



206 Pflege ber ©(I)ön^ett. 



tagtäglidE) bie fd)mu^igften, ber ^aut f(i)äblid)[ten Sirbetten r)erri(i)ten muffen. 
2ßeld)e finb biefe? ^n erfter Sinie hü§ 9xeiuigen fetter unb beruhter ©e» 
fc^irre, ba§ I)äufige @intau(i)en ber ^änbe in fd^mu^igeä (Seifen- unb ©oba» 
roaffcr bei Steinigung ber 2öäfcf)e unb ber g^upöben, alle 33errid)tungen, 
bie mit ^ol)le, 2lfd)e unb Öfen in 33erül)rung bringen ufro. ®ie S^inger 
roerben fteif unb ungefcl)icft oon foli^en groben ©d)mu^arbeiten, bie ^aut 
^art, riffig, unempfinblict) unb bie ganse ^anb gu feineren arbeiten unfäljig. 
S3ei '2)ienftmäbd)en, bie e§ raeber oerfteljen, (Sc^niu^anfammtungen gu oer^üten, 
nod) üiel raeniger baron beulen, if)re ^änbe ju fd)onen, ftet)t man oft greulid)e 
Jpänbe, bie überhaupt niemall rein raerben. Se^ere§ ift oiel öfter ber gatl, 
al§ man glauben möd)te, unb groar anä) bei ^auSfrauen, bie nie mit i^ren 
3lrbeiten fertig roerben. 2ln fie alle möd)ten mir bie 9J^al)nung rid)ten, bod^ 
ein roenig barüber nad)5ubenfen, ob bie§ roirflid) fo fein mu^, unb ob e§ ni^t 
ein SSer^alten gibt, bur^ roeldjes ba§ natürliche 2lu§fe^en ber ^anb, bie jum 
©efid)t immer in einem geroiffen 9Serl)ältni§ ftel)en foU, erljalten roerben fann. 

9ßir geben im folgenben einige ^-ingerjeige für alle jene, roeld)e beljaupten, 
fie fönnten für i^re ^änOe, il)re roertooüften Slrbeitlorgane, nid)tg tun. 

©rfte S3ebingung gur @r!^altung feinfül)liger, gut au§fel)enber ^änbe ift 
33ermeibung täglid)er (Sd)mu^arbeiten. ^ie§ roirb erreict)t nid)t baburd), 
l)a^ roir im .^aufe „nichts tun", fonbern inbem roir unfer ^au§ mit Überlegung 
fo einrid)ten, ba^ e§ feine ©d)mu^quellen fd)afft. ©o wirb ba§ (Sd)euern 
ber ^u^böben abgefd)afft, inbem man alle fielen mit Ölanftric^ oerforgt 
unb ba§ 9f?einigen ber gupöben im 2lufroifd)en mit feud)ten 3:üd)ern beftel)t, 
roa§ gar nid)t mit ben Rauben, fonbern mit einem paffenben 53efen au§gefül)rt 
roirb; bal Steinigen be§ ^üd)engefd)irre§, meift in gebanlenlofefter 2öeife 
oolljogen, oerliert bebeutenb an Unannet)mlid)feiten, roeun man bal ^od)= 
gefd)irr erft gar nid)t ru^ig roerben lä^t, roa§ burc^ richtige 33et)anblung bei 
^erbel unb be§ ^euerl au6) fteti p erreid)en ift (nur mu^ man ein roenig 
beulen bei allem, roa§ man in ber Md)e tut!), ferner, inbem man e§ üor 
ber eigentlid)en 9f?einigung abfpült, fo ba^ man mit bicEem ?^ettbelag ufro. 
gar nid)t in 33erül)rung !ommt unb bann nur mit dürften unb bicfen Sappen 
^antiert. '^^aburd) oerljüten roir, ha^ ?^ett unb S^tu^ fid) in allen ^autfalten 
feftniften. 9^ad) oollenbeter Strbeit aber reinigt man fofort bie ^änbe mit 
reinem ro armem SBaffer, roeid)er Surfte unb einer milben ©eife unb troclnet 
fie forgfältig ab. 91ie barf man ftarl einbringenben ©d)mu^ eintrocfnen laffen! 
©eine Sefeitigung foftet bann 9}]ülje, ol)ue ©d)euern unb fünftlid)el „2luf- 
roeid)en" lä^t er fid) nid)t fortbringen, unb fo roirb bie ^aut baburd) oft oerle^t; 
el entftel)cn fleine Stiffe unb Slbfc^ürfungen, roeld)e §u neuen ©^mu^lagem 
befte ©elegenl)eit geben. 2llfo jebroebe ^ßerle^ung an ben Rauben oermeiben ! 

%\^ 2lrbeiten, roeld)e bie ^eijung bebingen; finb fel)r l)ä^lid)e; man 
fann fid) oor il)nen nur fc^ü^en, wenn man bagu fteti alte Seberl)anbfd)ul^e 
anlegt, bie aud) beim ©taubroifc^en fe^r bienlic^ fmb. 9]ur bann bleiben 



Pflege bcr ©d)ön^eit. 207 




bie ^äube ru^- unb ftaubfrei. 23ermeibet man e§ ferner, immer unb überall 
mit ben ^änben I)inein5ufai)ren, benü^t man aber fleißig ^i(f§geräte, (Schaufel, 
3ange, 2;opff)atter u. bg(., fo roerben bie .^önbe oiel raeniger bejd)mu^t uub 
erleiben rceniger Sdjaben. äKfo au^ I)ier ä^erljütung, ^rop^rjtayiä raie in 
ber .^eilfunbe, bann ift „^eljaublung" ober ^eilfunbe Iei(^t ober überflüffig. 
@efd)onte ,^änbe, b. ^. foId)e, rceldje f einerlei (Sdjmu^arbeiten oer^» 
richten, fann man mit faltem Söaffer unb milber ©eife reinigen, bie ^aut 
ift ja raei^ unb fein unb nid)t befdjäbigt; fd)mu^ige angeftreugte ^änbe 
foUen nur mit loarmem Sßaffer gebabet unb gefeift, femer t)äufig eingefettet 
raerben, um fte meid) §u erf)alten. 



©e^r roo£)ltätig ift if)nen aud) 

eine Setleibung über dla6)i in 

g-orm meic^er fiebert) anbf(^uf)e, 

meiere bie ^aut cor 9kul)= unb 

Diotmerben behüten, ^ie Stn^ 

menbung be§ Cold-Cream 

ober beä ^aloberma ift na* 

türtid) aud) ^ier am Pal^e. ^ ^ S'^' /^u ^,^"ö"^«9^^' . ,. ^^ 

rtiY ' • >. L •■ c; a 3« langer 9lagel ; b m furger; c toie er fem [ou. 

©l^gerin rotrb ^aufig ^ » » r o o » 

für aufgefprungene ^änbe angeroenbet, bereitet aber auf munben ©teüen 
feiner Sßaffer entgieljenben @igenfd)aften roegen folc^e ©d)meräen, ba^ man 
el lieber burc^ anbere ^-ette erfe^t. 

9Jlit (Sobaroaffer oermeibe man mög(id)ft alle 53erüt)rung; bie ä^enbe 
^ir!ung ber ©oba ift ja auc^ ber 33äfd)e nid)t oorteill)aft; man roät)le für 
le^tere milbe „©eifenpuloer" unb lege mel)r (Sorgfalt auf ba§ 2Iufir)eid)cn 
ber 2Bäfd)e ftatt auf energifd)e§ ®urd)reiben, ba§ ^aut unb ^flanjengeroebe 
angreift. 9)ann roirb aud) bie 2öäfd)creinigung bie .^änbe ber .^au§frau nid)t 
fo fel)r f(^äbigen. 9liemal§ gel)e man mit feud)ten Rauben in§ j^reie, menn 
rau^e 2Bitterung ^errfc^t, foubern beforge ba§ 2tuft)ängen ber SOBäfd^e u. bgl. 
mit ^anbfi^u^en, roeld)en man bie ?^ingerfpi^en abgefd)nitten I)at, um biefe bei 
ber 3Irbeit ni^t gefül)lloi gu mad)en. Söer bie§ alle§ bead)tet, roirb fic^ in 
@efeltfd)aften feiner raul)en unb roten ^änbe roegen nid)t ju fc^ämen l^aben 
m\i) auf anbere ^erfonen auc^ niemals einen unangenet)men ©inbrudt mad^en. 

S^lic^t (Sitelfeit ift e§, roelc^e un§ l)ei^t, auf unfer 55tu^ere§ ju ad^ten, 
fonbem ba;» bered)tigte SSerlangen nad) l)armonifd)em ©inbrudt be§ gansen 
SD'^enfd)en. ©in finnige^ ©efic^t ftel)t in SBiberfpruc^ mit elegantem, buntem 
Slnjug; ein liebli^e§, jugenblic^es ©eftd)t paßt nid)t ju bicfen rol)en ^änben; 
ein plump bef^ul)ter ?^u^ nid)t 5U feingepflegten -Rauben ufro. ®inen 
angenef)men ©inbrucf machen rooUen unter ^öenü^ung ber oor^anbenen 
23or5Üge unb unter 2{bfd)roäd)ung ber nid)t ju befeitigcnben 9Jiängel ift 
nid)t ©efaüfuc^t, roie roir fie oben fd)ilberten, fonbem ein natürlid)eä 
äJerlangen, ba^ iDMuuem unb ^i^auen inneroo^nt unb nur bann tabeln;groert 



208 Pflege ber ©d)önf)ett. 



rairb, roenn e§ bie Süge 5ur .^ilfe nimmt unb hm ^obeu oernünftiger 
©e[uubljeit§pflege oerlä^t. 

Über bie ^^flege ber 3^ägel i[t gu jagen, ba|3 fie in erfter Sinie cor 
93erletjungen gefc^ü^t werben muffen. 33ei ben 2Irbeitert)äuben finb fie fo 
fürs unb ftumpf, ba^ fie nie befc^nitten raerben muffen; bei gepflegten Rauben 
fiet)t man fie oft roie bie Prallen ber 3Sögel raadjfen, tang unb gefriinimt. 
dJlan I)ält bieä für riornef)m, n)at)rfrf)einli^, weil e^ beroeift, baß eine fo(d)e 
^anb nic^t „arbeiten" mu^. ^zx 9)httelroeg rairb aud) I)ier ber ri^tigere 
fein: 9Jian bel)anble bie S^inger fo, ba^ ber Slagelranb bie ^ingerfuppe faum 
überragt, alfo roirfü^en (Sd)u^ gemätjrt, ot)ne gu ftören. liefen Dtagelranb reinige 
man täglich met)rmal§, bamit \\d} fein (5d)mu^ einlagern fann, auc^ milbe§ 
5ßüvften tut ben Ringern gut, unb bie feitlid)en 9iänber befcl)neibe man fo, ha^ 
ber 9^agel eine länglidje g^orm erfjätt. S^unbe, ftumpfe Dlägel mad)en flobige 
Ringer, n)et(^e fef)r Ijä^tid) finb ; fct)mate, längli^e 9Rägel oerebeln bie ^anb. 
®iefe 3lrt ber Sefd)neibung mu^ alfo geübt unb überlegt werben, fie fpielt bei 
ber ©d)önljeit§pflege ber ^anb roefentlid) mit. — %a§ 2(bbei^en ber 9^ägel 
ift eine tjä^Iidje Unart, bie fid) leiber aud) bei (Srroac^fenen äuroeilen finbet. Sa§ 
33rüd)igra erben ber 9]äget, ba§ Slbrei^en, beroeift eine cSd)roäd)e berfelben, bie 
mit allgemeinen @rnäf)rung§ftörungen gufammenfiängt. ®ann I)ilft feine „^e= 
^anblung ber 9lägel", Ijclfen feine (Sd)u^fappen für bie ?3'inger, um ha^ Slbrei^en 
5U oerl)ütcn, fonbern nur eine ©iätfur, oerbunben mit allgemein fräftigenber 
S3el)anblung, burd) meld)e ber SJ^angel be§ ^lute§ an mineralifdjen ^eftanb= 
teilen oerminbert unb me^r SBiberftanb§fäl)igfeit erjeugt rairb. ((3iel)e ^etl= 
funbe„5JIäl)rfal§e"imni.2:eil unb äroeiteg Kapitel über „@rnä!^rung"iml. Seil.) 

(Sin gefunber S^lagel ift feft (nid)t brüd)ig), glänjenb, glatt unb rofig, 
ein franfer bagegen bla^ ober bläulid) (bei burd)[d)immernben blutteeren 
©crocben, roie bei 53tei(^füd)tigen unb .^ersfranfen), roeid), glanjlo» ober 
fprobe. %a§ färben unb ©^aben ber Sf^ägel ift gan§ überflüffig, roenn bei 
gefunbem ^lut unb oernünftig gepflegter ^anb aud) bie Sf^ägel iljre natür= 
lid)en Sßorjüge beroaljren, '^. l). rofig unb glänsenb bleiben, g-ig. 143 jeigt unä 
g^ingerfpi^en mit gu langem, p fur^em 9Ragel unb in c mit einer mittleren 
Sänge, mzlä)i ben ?yinger fdjüljt unb feine gute Spornt erljält. 

Die pflege der fuße. 

©inen fd)i3ncn ?ViiB ^cihzn roir auf ©eite ISl.abgebilbct unb über feine 
Sßerfrüppelung unb feine ^efleibung im Kapitel über bie S3efleibung fdpn 
gcfprod)en. 91un roollen roir nod) einige nätjere 2lnroeifungen geben, auf 
roeld)e SBeife man feinen ^^u^ gefunb unb fd)ön erl)ält. 

^ft bie rid)tige ^eljanblung be§ ?3-uf3e§ bereite eingefüfjrt, nämlid) 
burd)läffige§ (Sc^ufjroerf (feine Seberfd)ul)e , feine engen, gefd)loffencn 
©djulje), ^äufigeg ^arfujägcljen, ^ußbäber ufro., bann Ijaben roir un>5 nur 



Pflege bcr ©ci)önt)eit. 209 



um bie 9(rt ber Steinigung p befümmern unb ber ßrljattung einer fdjönGu 
^^u^forni. '^a§ Sarfu^geljen mac^t fel)r fd)mnl^ig, an<i^ raenn man abgetretene 
SBege, roo 3)lenfd)en unb 2:iere Spuren äurüdtaffen, oermeibet, ma§ jeber 
reintid)c unb äftl)etifci)e ^J^enfct) nai^ einigem S'ladjbenf'en üon fetbft tun rairb, 
ba e§ feine fef)r einlabenbe (SacE)e ift, bort, roo ein anberer Ijingeipurft t)at, 
ober roo Siere unb fd)mul3ige ©eräte, rcie Söagenräber u. bgf., für SSer^» 
breitung oon allerlei Unrat geforgt {)aben, mit einem roeifjen gepflegten ^-u^ 
^injutreten. ^Jlan fuct)e baljer gum 33arfu^gef)en nur fdjöne Söiefen, fanbige, 
roenig betretene Sßege, roeicfjcn Sföalbboben ufro. auf unb cermeibe auf biefe 
SSeife, fid) auf ben ©oI)Icn f)arte, bunfelbraune (Sd)roie(cn ju crroerben, 
bie feine S3ürfle unb fein (Sobaroaffer mef)r befeitigen, roie man fie bei 
;8anbleuten finbet, bie ba§ benfbar ,£>ä^Iid)fte, ba§ man fid) oorftedcn fann, 
an fd)mu^igen ^^üfscn aufroeifen. ^n SBanberungen, bie mir in möglic^ft 
luftiger ©einanbung au§füf)ren foflen, empfeljlen fid) bann bie antifen 
S anbaten, roetdje bie ©o()Ien cor unreinen ^erüljrungeu fd)üi3en unb ben 
gu^ bennod) ber Suft unb Sonne au§fe^en. 3ii"i ^ergfteigen bagcgen auf 
fteinigem -Soben fann man nur bie unten ge[d)Ioffenen mobernen Sanbalen 
%iQ,. 106 anraten, roeit biefe erften§ oor 23erle^ungen beä ^u^e§ burd) rau{)e 
unb fpi^e ©egenftänbe fd)ü^en, groeitenS cor beut (Einbringen con Sanb unb 
Steinen beroal)ren, roe(d)e beim ©eljen oft fetjr läftig roerben. Sdjmutjig 
wirb ber ^u^ aber and) bei foId)er 2Sorfid)t. 

Um bie Q^i)^n von fdjroarjen Gintagerungen ((Srbe) ju befreien, mu^ 
ber %u^ täg(id) ein= bi§ jroeimal in lauem Seifenroaffer gebabet, bann forg» 
fältig getrocfnet roerben. Stcüen fid) rounbe Stellen 5roifd)en t)^n 3el)en ein, 
fo fette man fie mit Cold-Cream ein, jebod) ftet§ nur nac^ oorau§gegangencr 
Sßafd)ung. '^a§ ^ud'en, t)a§ fie erzeugen, oerliert fid) Ijierauf feljr balb. 
S^iffige ober fd)uppenbe Sd)rotclen, bie gerne burd) fd)ted)te§ Sd)ul)roerf unter 
bem „33allen" entfteljen, roeid)e man juerft in einem l^ei^en ^nipab (40° C, 
10 SD^inuten) auf, bann fd)neibe man mit einem fcfiarfen Sd)erd)en bie er» 
roeic^ten Steile roeg unb maffiere fie mit 23afelin. 9|2ad) SBieber^olung bicfel 
SSerfa^renä r)erfd)roinben fie. 

®ie Dlägel ber 3cljcn, bie meift oerfümmerte (Sebilbe finb, roeil fd)led)te§ 
Sd)ul)roerf fie erbrücfte, muffen öfter unb in r)orfid)tiger unb übcrtcgter SBeife 
befdjuitten roerben' inbem man i^nen eine ©eftalt, äljnlid) benen ber .ipanb, gibt. 

®abei befeitige man ftet§ alle (Sintagerungen unb abgeftojscnen .^autteile. 
SD^it 58efricbigung rcirb man bann nad) einiger 3cit bemcrf'en, roie fauber 
unb ^übfd) bie Dorl)er fo Ijäfjlidjen Finger, „3e^eu" genannt, roerben. 

SSefonberg laffe man ba§ Umbiegen ber flöget nid)t gu, baä fid) fo oft 
an ber grof5en ^d)t, infolge Srudfroirfung, einfteüt unb fo feljr fd)merj^liaft 
roerben fann. 9Jian befd)neibe bie 3el}ennägel roie bie ^iiiQ^^'nägcl feitlid) 
unb runbe fie nad) ber iFtitte ab. ^ieg üerfd)ünt bie ^-ormeu bcr ^^^J^ii 
bebeutenb unb läist balb fräftige, gefunbe 91ägel entfteljcn. 

aie ^rau alä ^auSärjttn. 14 



210 ^flegß ^er ©d^ön^ett. 



53ei Übereinauberlagerung ber S^^en, SSerfrüppehmg, .^ü^neraugen lafje 
man fad)funbige SJIaffage foraie forgfältige 3Iu§i"ct)neibuug unb ^ef)aublung 
ber .^üljueraugeit au^fütjren. (©ielje ^eilfunbe „^üf)neraugen".) 

®ie S^l■)^n muffen nad) einem roarmen S3abe burd)gefnetet Derfürgte 
(Stellen gebel)nt unb geftrecft werben, falfi^e (Stellung oerbeffert, wenn nötig 
aurf) einige 3eit in einem 33erbanbe getragen werben, "^^aburd) lä^t ficE) nod) 
fet)r üiel §ur 33erbefferung ber g^orm be§ ?^ni^e§ erreidjen. 

SBirb ba§ ^arfu^gelien im (Sommer nod) allgemeine SJ^obe, bann roirb 
man al(erbing§ nad) „^iipol'toren" f^reien; benn unter gel^n ^erfonen werben 
f'aum oier z§ wagen, il)ren oernadjläfftgten unb burd) (Sd)ul)wer! oerborbenen 
fyu^ il)ren 9Jlitmenfd)en gu präfcntieren. ®ie 3Iu§^ei(ung unb 2Serfd)önerung 
ber ^ü^e würbe alfo ein au-ofid)t§reid)e§ „(Spe^ialf ad)" werben. Unb bie§ 
könnten wir nur mit ^reuben begrüben. ®er ^n^ tft fein „(Stieft'inb" unter 
ben anberen ©liebern unfere^ 5?örper5, — er ift un§ nielmelir unentbel)rlic^ 
unb Derbiente ftatt @efangenfd)aft unb 33ergewoltigung ^-reit)eit unb forg^» 
fältige W^S^- S^S- 99 ftellt einen woljlgebilbeten, gefunben ^-u^, von ber 
Sollte au§ gefel)en, bar, ^ig. 100 unb 101 jwei burd) fd)led)te§ 'Sd)ul)werf 
oerfrüppclte ?yü|^e. ?^ig. 101 in§befonbere ift burd) ben fpitjen, mobernen 
Sdju^ entftanben unb bei fel)r üielen grauen §u finben. 

Die pflege der I^aare. 

5Bie fe^r reid)er .^aarwuc^g unb fd)öne §aare sur (Srljöljung unferer 
©d)önljeit beitragen, ift allgemein befannt; bennod) wiffen bie lyrauen nid)t 
ülle§, rr}a§ ben paaren fd)abet, ober rüa§ gu iljrem ©ebeiljen beiträgt. 

®§ l)at ^aartra^ten gegeben, weld)e biref't auf ^^aarfdjwuub l)in= 
crbeiteten, inbem fie bie ^aare burd) 3w9 ^^i ftraffem ^iifci'itnienbinben unb 
^-eftftecfen an ber S[Bur§el loderten ober burd) erl)il3enbe ©nlagen bie Slu^a 
bünftung ber 5lopf^aut imterbracl)en unb baburd) ein SluSfallen ber ^oare, 
ferner burd) „ Soden wid'ler", ju l)äufigc§ 33rennen mit feljr l)ei^em (Sifenufw. 
ein 93redjen unb ®ünnerwerben ber .^aare bewirten. Sßiel Unfinnigeg l)aben bie 
grauen i^rer ^opfl)aut fd)on gugemutet, unb wenn ^al)l!i)pfigl'eit nid)t {)äufiger 
unter i^nen auftritt, fo ift bieg unter anberem nur il)rer lcid)teren S^opfbclleibung 
gujufdjreibcn, bie ben i^opf freier läj3t alg beim 9,^]anne. ^-iljljüte, fd)were 
Öelme ufw., weldje bie 2öärmeau§ftral)lung be§ 5lüpfe§ bebeutenb t)emmen, finb 
bem ^aarwudjy feljr fd)äblid), bagegen befd)weren bie teid)ten grauenl)ütc^en 
ben 5^opf meift gar nidjt. .^äufigeS 33efd)neiben ber ^aare fd)eiiit bie grudjt- 
barfeit beg .^aarbobenS e^er p fd)wäd)en al§ gu ftärfen, unb ba§ mag 
ein ©runb mel)r fein, warum e§ unter ben 9JIännern fo ungleid) mel)r 
^al)lfüpfe gibt ai§ unter hen ^^-rauen. ®er natürlid)e ^nflai^i^ bebingt ein 
SSadjfenlaffcu ber ^aare „fo lange fie felber wollen", ein immer wieberljoUeS 



Pflege Der Sd)önf)eit. 



21] 



Mtgen unb ^efdjueiben {)emmt fie jebenfaüg. Uubeftrttten ift bie ^a^\- 
föpfigfeit eine traurige ^egleiterfdjeinung ber Kultur, bie in unferer ^^i^ 
er[^recfenb übertjanb nimmt, ©orgen mir raenigften» bafür, ha^ hav roeib» 
Itd)e ©e[c[)Iect)t baoor beroa^rt bleibe! ^atjlföpfige ^yrauen loären ba§ §äp* 
lidjfte, ha§ man fi^ oorftetten fann. 

(3d)on bei fleinen 9Jläbd)en mup flraffeS Sinben, jyeflftecfen unb brennen 
ber ^aare oermieben raerben. Tlit roeiten 5lämmen unb weichen 33ürften 
reinige unb glätte man ba» ^aar unb trage e§ äuerft offen, bann gef(od)ten in 
locferer, natürlii^er 2Öeife. 
^äufigeg ^opfraajdjen ift 
jur Kräftigung beä .^aar» 
boben§ äuf3erft roof)(tätig; 
allroöd)ent(id) übergieße 
man "ütn Kopf mit 
SBaffer oon 35—37° C, 
entraeber gelegentlid) eine§ 
2SoUbabe§ ober aud) of)ne 
ein fo(d)e§. ((Sie^e ^yig. 
144.) @§ roirb baburd) 
nid)t nur für Steinigung ber 
Kopfhaut geforgt, fonbern 
aud) für nermefjrte S3Iut= 
fülle berfelben, moburd) 
bie {Srnäf)rung ber §aar= 
Papillen geförbert roirb. 
SJian faJ3t ba§ geflochtene 
^aar unb ^ebt e§ mit 
einer ^anb l)od), um e» 
oor bem S^aproerben ju 
fd)ü^en; mit ber anberen 
brücft man ben ooüen 
(Sd)roamm au» unb fd)öpft 
Sß}affer au§ bem ^ecfen. 

3Iuf biefe SOBeife (äffen fid) Kopfbäber leid)t o()ne Sebienung au§fü()ren. 
2Si(I man bie langen -öaare ^eitroeilig ber Steinigung roegen and) mitmafd)en, 
bann läfst man fte oornüber Rängen unb begief3t fie. ^a§ ^aax roädjft nid)t 
ctroa an feiner (Spi^e, fonbern oon ber SSurjel au»; roenn bie feinen ©efäfj» 
fc^Iingen, roeldje bie ^aarpapide, au§ roe(rf)er baS .^aar f)erüorfpricf5t, um» 
fpülen, oerfümmem ober ungenügenb mit gutem ^(ut gefüllt fnib, fo ge()t aud) 
ta§ ^aax (angfam jugrunbe. 5(lle 9}littc(, roc(d)e bie Grnäljrung be-S s^aa-:' 
boben§ oerme^ren, werben bal)cr and) t)a§ 2ßad)ytum ber .^aare beförbcrn, 
feien e§ nun Kopfbäber, Kopfparfungen, Kräutereinreibungen ober Kopfmaffage. 

n* 




%XQ. 144. ßopftoaft^ung (oF)ne §ilfc ausgeführt). 



212 Pflege ber©(f)önf)eit. 



Slügemeiue ^ranfljeiten, aud) neroöfe ©inflüffe fönneu ben S3hit5uflu| 
I;emmen, baljer fo f)äufiger .^aarauSfall bei fo(d)en (Selegeul}eiten. 

g-ig. 15 füljrt un§ ben §aor|d)aft mit ber Rapide unb ber S:alg9 
träfe oor. 

2(ud) bie @e[unberl)attung ber Slalgbrüfen, bie cm ^aore f)ängcn, i[t 
für fein ©ebeitjen notraenbig; er!ran!en fie, rcie bei t)er[d)iebenen ^auU 
Qu5fd)lägen, bonn fäUt au^ ba§ gugel^örige §aar balb an§. Sie fonbern 
fo üiel j^ettftoffe ab, ba^ bie .^aare raeid) unb glänsenb bleiben; erfdjeineu 
biefe bagegcn fpröbe, trodten unb oon grauem (£d)immer, bann erfüllen bie 
Salgbrüfen il)re 2(ufgabe nid)t fie fonbern gu raenig g'ett ah. 'tüJlan mu^ in 
biefem g-alle nad)fetten, ma§ man etiüa giüeimat roö^entUd) mit feinen fetten 
tun fann. Dinjsöl (ba§ bie ^aare bunfelt), 9J{anbeIöI (parfümiert), foraie 
Siinbäfett mit 9lofenöt u. bgl. finb überall gebräudjlid^. 

^ei ben fäuflid)en ^omaben Ijüte man fid) cor rangigen S^etten unb 
n)äl)le batjer lieber parfümierte Cle. 

9f^iemat§ barf man jebod) bie .^aare fo fetten, ba^ fie fettglänjenb 
werben unb gleid)fam „triefen"; benn bie§ tut bie 9flatur auc^ niemals, e§ 
fei benn bei gerciffen ^ranfl)eiten ber S^algbrüfen, bem ©d)merflu^, ber 
übermäJ3igen ^^tttabjonberung. %a§ ift aber ein Ijäjsüdjer 3^M"taii'5, ber e^ 
maljrtjaft nid)t oerbtent, na^geal)mt gu werben. 

Sluf bem klopfe mirb ba§ ?^ett burd) bie SBärme beSfelben aud) ran§tg; 
e§ muffen baljer eingefettete 5?öpfe um fo öfter abgefeift merben. '2)a ?3^ett, 
^aarfdjuppen unb ©taub auf bem ^opfe leid)t §u Slruftenbilbung füf)ren, 
bie man al§ gelben Selag auf bem ^aarboben oieler ^erfonen finbet, unb 
ba biefer nur mit fd)arfen, bid)ten ilämmen abgelöft raerben fann, bie ben 
^aarboben aber fo fe!)r reisen, ba| aud) f leine 53lutungen entftefjen, fo ift 
bie f)äufigere Stnroenbung be§ roarmen Sföafferg jebenfallg angezeigt. 9^id)t 
unerroäljut foU bleiben, ba^ gefunbe, gut gepflegte ^aare ber fünjtlidien 
Ginfettuug nid)t bebürfen; fie i)ab^n genügenb eigene^ ^-ctt unb eigenen ©lanj. 
©er uatürlid)e ©lang wirb befonber§ burc^ Surften Dermel)rt. 

£cid)t geroellte unb lorfige .^aare finb fid)er ber fd)önfte (Sdjmucf be§ 
^opfe§; bie fur§gefd)nittenen mobernen 2Jiännerföpfe finb baljer au§gefprüd)en 
I)ä^lid); fie üerlet3en unfet (Sd^önl)eit§gefül)l, obiüofjl nid)t geleugnet raerben 
fann, ha'^ fie in ber (Sommert)i^e fet)r angeneljm empfuuben raerben. ®ic 
^•rauen fennen bie oerfüngenbe 2öirfung ber (Stirnlorfen ufra., bat)er raerben 
biefe oon alt unb jung, oon (Schönen unb Unf^önen mit oieler ^unft l^er» 
gefteüt, oljne leiber immer bie geraünfd)te SKirfung ju erzielen. S^i älteren 
3ügen, gu einem franfen ©efi^t paffen fofette Söcfdjen nid)t, aud) nid)t ju 
unglücflid) geformten ©eftd)t§teilen, 5. 33. einer folbigen Dlafe unb bergleid)en 
Seiteufprüngen ber 931utter 9^atur. G§ gäbe oiel raeniger I)ä)3lid)e grauen, 
raenn e§ alle oerftänben, bie 3:oilette iljren ^örperformen ansupaffen, alfo 
unangeneljme ©cgenfä^e gu oermeibcn. Gine fd)licl)te ^aartracf)t, eine be* 



^flcse bcr Sc^ön^cit. 213 



fc^eibcne ^ui[oi-m, 93ermeibung greller färben paffen oiel beffer 511 unfd)i3ncn 
©efic^tem, at§ ba§ ©egenteif. 

Sarum ai]o nti^t für alk grauen !ünftncf)e Socfeu, raoI]{ aber für 
alle o'^ne 9(u§nal)me eine gefällige Spornt ber ^aartracE)t unb fo(d)e Q3e()anblung 
ber ^aare, bafi fie ooll, gfänsenb, raeic^ unb loeHig aud) bei alten ^-rauen 
bleiben, "^^ie^ erreic[)en wir burd) l^äufige» SBaben bet ^aare, tocfere 2tn=> 
orbnung berfelben, fo "üa^ fie fid) in natürlicljcn SBetlen um bie (Stirn legen, 
burd) täglid)ey dürften unb — bie .öauptqueüe aUer <3d)ön()eit — burdj 
Grf)altung einer ungetrübten öefunbfjeit unfereä ^örperä. 

9Sie burd) anbere Slnjeidjen, 5. 53. bie ^arbe, ben ©(anj unb 5(u§» 
brucf unfercr 2Iugen, äußern fid) 5lranf[}eit, 35erfall, 2{tter, ja neroöfe Störungen 
aud) an ben paaren, ©innmt finb fie f)aItIo§ unb roeid) unb bleiben nid)t 
in ber geiuünfditen Sage, ein anbermal finb fie erftauntid) fett, oljue je mit 
einer ^oniabe in 53erüt}rung gefommen 3U fein. 3^™^^^^^^ erfd)einen fie aud^ 
bunfter, §u Sßetlen geneigt, bann glänjenber. 9Jlit einem 3Sort: fie finb 
ein Seit unfere§ ^örperä unb mad)en bal)er alle SSeränberungen unb 3Sor» 
gänge in bemfelben mit, unb sroar bei neroöfen *^erfonen mebr a(» bei 
robuften. (Sbcufo oerfiält eä fidj mit hen eleftrifd)en (£rfd)einungcn an ben 
.paaren, bie bei mand)en ^erfonen unb ju beftimmten Reiten fo ftarf finb, 
bap fie fid) nie bie ^aare ausfämmen fönnen, o'fjne beuttid) fnifternbe ^-unfen 
gu eräeugen. 2(ud) bicfer 5ßorgang oeränbert fid) mit il)rem Sübtbefinben. 

3eber Sienfd) fann an feinem eigenen .^auptljaar bie üerfd)iebcnften 
58eobad)tungen machen. 

Über franft)afte (2d)uppcnbilbung unb .^autfranf l)citcn be3 
^opfe§ fielje im III. 2;ei(: „öeilfunbe". 

dioä) f)aben mir ben grauen .s^aaren unb ber .öaarfärbung einige 
3eilen p rcibmen. 

®al Söei^roerben ber c^aare ift ein 36icl)en be§ ©reifentum», für ein 
nod) jugenblid)e§ 2(lter gan§ unnatürlid). ®§ entftef)t burd) ba§ (£d)minben 
be3 ^aarfarbftoffe§ unb l)a§ (Einbringen ber Suft in bie fiaarröfjre. ?J^it 
biefem SSorgang ift meift aud) ein Steifmerben ber .^aare üerbunben, nidjt 
aber aud) ein uermeljrter 2(u5fatl. 

SRaä) ©emüt§erf(^ütterungen, nad) fd)mcren ^ranfljeitcn, burd) T^crcrbung 
tritt e£! f)äufig ein. ^n ben fedjjiger :öa()ren ift t§ mcl)r ober meniger natur« 
gemä^, früf)er aber nid)t. "iJeuno^ fiel)t man f)eute oft 9Jlenfd)en mit nod) 
nid)t erreid)tem nierj^igften ^a^re, bie bereite einen grauen (3d)citet I)aben. 

2Benn fü(d)e bei fonft nod) jugenbtid)em ftufjern unb guten iTräftcn fid) na^ 
i5^ärbemitteln umfel)en, um 'iia^ uuäeitmäfsige 9}lerfmal be!§ 'JUtcry ju üerfd)euct)en, 
fo ift bte§ fel)r roo^t erflärlid) unb aud) nid)t unnatürlid). 2(nfed)tbar, unter 
Umftänben (äd)cr[id), ift e§ aber, roenn Scute über i{)r 5((tcr täufdjcn umUcn 
unb burc^ Färbemittel eine ^iiQcnblidjteit ljcud)e(n, bie fie längft nid)t mel)r 
bcfi^en. ®ann ift man beredjtigt, fid) über t)a§ .^aarfärbcn luftig ju madjen. 



214 Pflege ber (Sd)önf)eit. 



Unter .^aarfärbeu oerftef)enn)ir ^ter al[o nur ben 21nlgleict) einer Stnomalic, 
eine S3efampfung be§ t3erfrüf)ten ©rauraerbenS, nid)t etraa bte fünftlic^e 
nmiüanbhiug brauner .^aare in blonbe ober bergtetd)en ©pietereteu, ober 
bie Hnteibrücfung eineä natürlid)eu 3^icf)eu5 ber @rei]enf)aftig!eit, roo eB 
f)tnget)ürt 

2öie beeinflußt man bte .^aore am beften, um i'^nen n)oI)( bie oertorene 
iJarbe roieberäugeben, o^ne fie ober ben ^aarboben p fdjäbigeu? 

@§ gibt un5ät)Iige ^aorfärbemittel; fc[)raer aber i[t e§ §u jagen, meldte 
am [d)nellften rairfen unb babei benno^ unfttjäblid) ftnb. ®ie metatlifc^en 
fmb bie mirffamften; aber fie finb mef)r ober minber bebenftid) unb greifen 
ben ^aarboben an. 9}erfc^iebene pf[an§(i(^e Färbemittel finb ganj unfcljäblic^, 
aber auc^ fe^r unsuoerläffig , inbem fie entroeber nid)t lange I)aften ober 
ungteic!) in if)rer färbenben SOBirfung fmb. @§ ^ängt bie§ and] von bem 
natürlid)en ©eljalt ber .^aare an (Sd)roefel ah, mit welchem bie ^Färbemittel 
^emifd)e SSerbinbungen eingel)en. 2lucf) ber natürliche Fettget)alt ber ^aare 
ift oon 30Bid)tigfeit. (B§ muß bat)er jeber erft ein rcenig probieren, nid)t 
aber, o^ne fic^ oorfjer über einige teitenbe fünfte Har geworben gu fein. 

2;eil§ unfd)Uibige .^aarmittet, bie nic^t fcf)aben, aber oft and) nid)t oiet 
nü^en, teil§ oieIgebraud)te finb SflußeytraJ't, .g>enna mit Sf^adjfärbung 
mit ^nbigobtätterpuloer, 2tnacarbium unb anbere 9Jlifd)ungen. 3Son 
mineralifd)en ©ubftanjen finb «^öllenftein, ^tei, ©ifenfatje, d)rom* 
faure§ 5!atium, (Sabmium ufro., oiel benü^t. ©ie ^altbarften, an» 
gcblic^ unfcf)äblid)en Färbemittel liefern ©ilberfatpeter ober ^öllenftein, mit 
Dor^erge!)enber 33eeinftuffung ber ^aare burd) (Sd)mefeüöfungen; ^öüenftein» 
löfung mit Slmmoniafpfa^ gibt btonbe ober braune ^aare, je nad)bem ber 
©e^lt be§ le^teren f^roanft. ^^rogatluSfäure fo(t oortreffüc^ färben; 
allein fie ift fe^r giftig unb rairb barum lieber oermieben. SSor 53leifal5eu 
muß man fid) l)üten, ba fie bur(^ bie ^opfI)aut in ben Drgani6mu§ ein=» 
bringen unb p böfen 3Sergiftung§erfd)einungen fül)ren fi3nnen. ®al}er oer« 
meibe man aui^, "DaS näd)ftbefte Fä^^^i^ittel, haä oietleid)t in ^nferaten feljr 
gerüljmt mirb, §u faufen, fonbern erfunbige fid) guerft bei Slpotljeferu unb 
grifeuren, ober laffe eine d)emif^e Unterfuc^uug üorne^men. 

(S§ ift rid)tig, baß oiele SJZittel jaljrelang ol)ne fid)tbare fc^äblidjc 
Folge benü^t roerben; anbererfeit§ ift e§ aber aud) fid)er, baß fid) mand)e 
^erfon burc^ "t^aä Färben ber c^aare einen ^artnädtigen 5lopfau§[d)lag gel)olt 
l)at, ober baß bie .^aare auffaüenb brüd)ig rourben ober auffielen. ®aß 
bie t)äu[ige (Sinmirlung oon Fi^^i^i^fti^ffeu auf W ^opfljaut für bie[e nid)t 
gleid^güttig fein !ann, ift sraeifetloS; e§ fragt fid) bann nur, ob e§ unä 
gelingt, burd) Gegenmittel ben fd)le^ten Einfluß aufjuljeben, ober ob biefer 
ftärfer ift all alle Gegenmittel. 

2iBeld)e§ finb bie Gegenmittel? ^n erfter Sinie bie ©tärlung ber £opf» 
^aut, ba§ !rä]tige SCßacl)fen ber .^aave, bie gute @rnät)rung be§ ^aarbobcnS, 



Pflege ber©d)önf)eit. 215 



— bann fc^aben aud) nülbe Haarfärbemittel md)t oieH ^n giüeiter Stnie 
3Sorfic^tlma^tege(n beim Sluftragen ber färbenben ^^(üffigfeiten, inbem mau 
e5 müglid)[t oermeibet, bcu .^aarboben jn treffen. 

Um bie .^aare aufnaEjm5fäf)ig jn mad)en, mu^ man fie cor jcbet ^^ärbung 
mit roarmem SBaffer unb etraa§ (Soba ober ©eife grünbli^ reinigen, ©ie ner^ 
üeren baburc^ für h^x^^ 3eit i()r natürlichem g^ett. ®ie feftfi^enbe ^-ärbnng 
rairb bnrd) SBaffer nid)t beeinfln|5t; man fann alfo öfter» bie für ben ^aar^ 
boben fo n)ot)ltätigen unb bie g-arbc nid)t angreifenben raarmen Slopfbäber 
auäfüljren, rceldje mefentli^ gur ©efunber^altung be§ §aarboben§ beitragen. 

Söill man ^aare entfärben, fo benüljt man ^^l^'^nenfaft. 

9^id)tige Slu^ma^l beä 3^ärbemittel§ , ^änfige warme itopfbäber, oor* 
fn^tigeS 2luftragen — meift nur alle oier 2Boct)eu nötig — , geben bie Wöa,= 
lid)t'eit, bei fonft normalem 3ufi<^i^^ ber ^opfl)ant jalirelong bie ^aarfärbung 
fcf)ablo§ ertragen gu lönnen. ©egen ©lanslofigleit ober ©pröbigfeit ber ^aare 
ift öftere ©inölung ber ^aare mit Dlupl fe^r oorteill)aft. 

2lu§ Dr. 2:f)imm§ 33ucf) „2el)re unb ^^flege ber (2d)önl)eit" entnel)men 
roir folgenbe bele^renbe unb marnenbe eingaben über oerfäuflidje .ipaarfärbe^ 
mittel: „Eau de Bahama*' entljält 33leiäucfer unb Scl)roefelblumen, — ,,Eau 
de Cythere" enttjält Gijlorblei, unterfc^raefligfaure^ 9latron, — S^ofetterl 
Haar=9^egenerator, ^leisnct'er, (Sct)mefel unb ©Itj^erin, — „Hair 
Eestorativ" ^Jsrof. 2Soob'3, '^lei, — „Hair-Tonique", :3nbian, aud) 
S3Iei ufro. 

SBenig rcert finb bie ungleid) färbenben SiJiittel, bie fet)r leid)t abgelten, 
alfo au(^ ^opfl'iffen unb anbere^ rafd) befdjmntjen. ^e na^ 33 efd) äffen Ijeit 
ber ^aare mu^ ba§ Färbemittel geraätjlt raerben, bie Beratung mit einem 
erfaljrenen ^rifeur ift baljer 't>a§ ratfamfte, unb mir oermeiben e§ au§ biefem 
@runbe, ein beftimmteS gu empfe()Ien. dagegen rooUen mir an biefcr «Stelle 
tizn (£influ^ ber ^enf elften Saljf ur auf ba^o .öaarroad)§tnm nid)t nnermäljnl 
laffen. "Surd) 3wfii^)i^ oon (5d)mefel unb 5^iefelfäure (monatelangeä ®in^ 
net)men), an meieren fo mand)er d)ronifd) 5^ranl'er oerarmt ift, erhielt man 
mitunter überrafdjenbe SBirfung. ((Sie^e „.^cnfelt'nr"). 

pflege des flßundes. 

SSon gröf^ter ^ebeutung für (Sd)önt)eit unb 0efunbl)cit ift bie ?rtniib» 
pflege. (Sin fdjmnt^ige^, franl'e» @ebi^, ^Qtjnlücfen, ein Ijäfjlidjcr -iütuubgeruc^, 
ba§ fmb alle§ abfct)eulid)e *3)inge, roetd)e ba§ ^übfd)efte ©efid)t unangenel)m 
mad)en fönnen. Üliemal» oernad)(äffige eine ^rau il)ren 5}cunb! '^ei aud) 
nur fd)einbarer 93eränbcrnng an ben 3ät)nen, bei leife beginnenben 3^^)^^* 
fdjmersen gelje man fofort äu einem guten ^^Ijucirät, laffe bie entftanbeneu 



216 ^^flege ^et ©^ön^eit. 



Süden füllen (plombieren !), ßo^^^fi^"^' tien weingelben 93etag, entfernen, au§=> 
gebröselte 5lronen neu auffei3en ufio., bamit fic^ weber 3Qt)nfranff)eiten 
nod) (Sd)önl)eit§fet)ler entroicfeln fönncn. Gine Heine Süc!e im 3«^" M"t 
batb auögefüüt, eine gro^e bagcgen rairb oft feljr fd)mer5l)aft, roeit ber 9f^ero 
bann meift f(^on btojsliegt; oft ücrträgt ber aui^geljöljlte Qal-)n überljaupt 
feine ^lombe meljr, mu^ geriffcn ober bem langfamen Slusbröd'eln überlaffcn 
merben. S)er 9Jlunbgerud) fommt oft au§ Den ^äljHen, roeit foroot)! bie 
faulenben 3al)nmaffen, wie bie barin 5urü(JgeI)altenen ©peiferefte, bie \\6) in 
ber 93lunbmärme unb geucf)tigfeit rajc^ gerfe^eu, üble ©erüd)e er5eugen. 
Sulbet man alfo feine 3af)n(ücfen, fo Ijot man auc^ täglicf) bafür äu forgen, 
baf3 fic^ ämi]cl)en 'Ot^n ^ö^nen feine ©peiferefte einlagern, unb bie§ gefdjieljt, 
inbem man nac^ ben ?JlaI)l5eiten unb befonberä abenbS uor bem (2d)Iafen= 
geljen h^n 9Jlunb mit nid)t ju faltem Saffer au§fpült, aud) Ijin unb iricbcr 
mit einem roeidjen 3a^Ji^[ioct)er nad)l)ilft. 

Um anregenb auf bie 9Jlunbfd)Ieim~^aut unb auf "Qa^ S^\)n]kiiü) ju 
mirfen unb einen leic[)t besinfisierenben (Sinflu^ auszuüben, ift eä ratfam, 
ben SOhuib aud) zeitweilig mit einem i^räuterraajfer au§5ufpülen. ©^ 
gibt fef)r üiele gute, angenehme SJJunbroäffer, bie eine erfrifct)enbe SSirfung 
ausüben, ot)ne fd)äb(id)e (Subfianjen gu entljalteu. ^D'Jineralifc^e Säuren, 
welche ha§ :^ai)nbmi angreifen, muffen Doüftänbig tjermieben werben. 
SJirjrr'^e, Pfefferminz, 9ftatanl)ia, ^en^oe finb bie gebräud)Iid)ften 33eftanb= 
teile ber 9)hmbwäffer unb fi3nnen empfof)Ien werben. '^a§ befannte „Dbol" 
foü ein bem ©alot oerwaubteS Stntifeptifum entt)alten, eine gewiffe ©auer^ 
wirfung f)aben, aber nid)t unfd)äblid) fein. äBer nod) zeitweilig mit einer 
wcict)en 3ol)ubürfte unb einem milben ^^^"Piitoer bie 3ol)ureit)ert non 
allen (Seiten abreibt, fo öa^ fie jebweben ^elag rerlieren, ber l)at allen 
Sluforberungen ©enüge geleiftet. 2flä 3'it}»Piili'ß^ empfeljlen wir ©cl)lemm= 
freibe mit Pfefferminz, aud) ^olzfol)le, weld)e beibe reiben, of)ne ben 
3al)nfd)mel5 zu »erleben, ^^levoöfe ^erfonen, bie lcid)t z^^ 3a^iM'ct)»icrzen 
neigen, follen nur mit lauem Sßaffer bie 9}lunbreiuigung oorucl)men. Sind) 
ba§ Cbft l}at Durd) feine Säure feimtötenbe SBirfung unb ift baf)er bcu 
^äljuen gefunb. 

2)ie 3)hmbl)i3l}le ift eine wal)re ^Brutftätte für ^eime aller 2Irt, bod) 
finb fie bei gefunbem Stoffwedjfel, normalem Speichel unb guter 9J]unbpflege 
burct)au§ gutartig unb ba^er unwefentlict). ®ie 3(rt ber 9^al)rung f)at 
natürlict) fowotjl auf tt^n 9fteinlid)feit^oZuftaub ber ^ä^m al§ an&\ auf bie 
5^eimwelt ber 9)hinbljöt)te grofsen (Siuflu^. ^e gröber unb fefter uufere 
©peifen finb, befto ftärfer mui3 getaut werben, unb je ftärfer wir ^arte 
9ial)rung lauen, befto mel)r werben bie 3't^)i^iuäube gefd)euert unb wirb neuer 
©peidjel abgegeben. SKir fel)en baljer bei fräftigen Sanbleuten fe^r oft 
blenbenb wei^e Qäljm, oljue ba^ bie Setreffenben je im Seben eine 3^^' 
bürfte zur ^anb genommen fjalten. 'iDiefen SSorzug fjaben fie nid)t nur, weil 



Pflege ber(S(f)önt)cit. 217 



fie überfjaupt fräftiger uub roiberftaub^fä^iger angelegt finb, fonbern lueit 
i^tc 9^ai)rung einfad)er ift uub fie üiel ^arte§, frf)raar5e§ 33rot fauen, baä 
ein Qu§ge5eid)nete§ 3Qf3ii^"ßi"iö""S§"^ittel ift. 21>er fein ßa^npnfucr ()at unb 
merft, baß feine 3äf)ne gelbUd) raerben, ber ncljme alte f)arte 53rütriuben unb 
fcl)eure feine ^ai)M tücl)tig bamit. (S§ erfüllt feinen Qmed unb foftct nid)ty. 

^e meljr g^Ieifd) rair genie|3en unb je feiner ocrarbeitet bie ^leifdjuiaffen 
ftnb, befto me^r lagert ficf) baoon 5iüifcl)en bcn ^fi^l"*^" ein unb befto leicl)ter 
en(ftet)eu ^^äulni^oorgänge im DJIunbe, lueil (Siiueifjftoffe fid) fdjuelter jerfe^en 
al§ anbere. 33ei Dbft= unb ^örnernaljrung bagegen ift bie§ nid)t ber ?^all. 
%nxd} t)erfcf)iebene ©äuren, fdjarfe ©eiüürje, 2Rifrf)ung üou i^alt unb Sß}arm 
ufro., raie bie „feine ^üdje" bie§ fo mit fid) bringt, rcirb bie Sc!) leimt) aut 
be§ SOhmbeä angegriffen, aud) fdjroac^eä 3'^t)"^>^in leibet barunter. ®al, 
roa§ mir effen unb raie rair effen, ift gur ©rljaltung ber öefunbljeit unferc3 
2Jhaibe§ von grö|3ter 33ebcutung. 

SSor allem raarnen rair, ©etrönfc unb fefte ©peifen gu I) e i ^ §u genießen, 
raeil nid)t§ bem 3a^n[d)mel§ fd)äblid)er ift. (£r befommt Ieid)t Sprünge 
baoon, in raeldje fid) ?}lunbfeime einlagern, bie bann ben 9(nfang ju Qaljn^ 
5!arie§ (53einfra^, @ntftel)ung ber 3a^)JiKd'en) bilben. Söie oiele ^^rauen 
l)aben fid) faulenbe Qäl-)m burd) I)eif3e§ 5laffeetriul'en gel)olt! (g§ ift nid)t 
§ufällig, bafj man bei üielen gerabe bie oberen Sd)neibe5cäl)ne id)raor5 raerben 
[ic()t. ©ie fommen mit allen ©peifen guerft in Serü[)rung unb erl)alten ha^ 
Ijer nur ju Ieid)t feine Skiffe unb ©prünge. ®er 3«^)»[^"tsl5 tit^er ift ber 
au5giebigfte ©d)u^ be§ Qa[)m§, ber if)n raie eine ©d)ul3bec!e bi§ sur ©renge 
be§ 3af)»ffeM"'^e§ umijüllt. ©eine ©rtjaltung ift alfo für bie ©efunbljcit ber 
^äf)ne üon grosser 2Öid)tigfeit. 

2(ud) ber @enu^ be^ ®ife!8 („@efrorenc§") fann au§ gleidien ©rünben 
ben 3ci()nen fet)r fd)äbli(^ raerben. 9)lan oerjetjre e§ batjer in fold)er Sl^eife, 
baf3 mau es am ©aumen oerlaufen läfjt unb mit ben 3^^"^" Sai-' "ic^)t in 
S3erül)rung bringt, ^er (Sjenu^ ift ber glcid)e, unb bie Qäi)m erleibeu feine 
plöl3lid)e 3(bfü{)lung. 

2tm fd)äblid)ften für fie ift ber plötjlidje 2öed)fel Don '-löarm unb 
Äalt, nad) tjei^er ^inpip^ beifpielsraeife faltet äöaf[er in bie 2Runbl)ül)le 5U 
bringen unb anbere äl)nlid)e 9Jieifterftüd'e. ^fst man ba^raifdjen aber 33rot, 
ober lä^t man eine geraiffe 3eit 5ur 'ülbfül)lung Dcrftreid)en, fo ift bie 
SCßirfung feine fo intenfioe. 2Im rid)tig[ten ift Cy — unb bicfS fann gar 
nid)t oft genug ge[agt unb bringlic^ genug empfot)leu raerben — überl)aupt 
uid)t§ .f)cif3e§ §u genief3en, ba eine Temperatur über ^tutraärme bie ©d)(cim=» 
f)äute mit il)ren garten ^Jcevuen oom ©d)lunbe bi^o in ttm 9J]agen I)incin 
beleibigt unb mit ber ^eit fd)äbigt. ^ud) bie I)äu[igen 9)]agenge[d)raüve 
bei bcn grauen finb an] ^iifntte ber 9JJagenfd)lcimI)aut aller 51rt gurücf^u» 
fü()ren, raoruuter jaljv^cljntclangc^ c^eij3 effen uub .V)eif3trinfcn eine öroj3e 
fHotle fpielen. 



218 ?ßflegc ber ©(^5nl)ett. 



IRur rca§ ben Sippen, bie mit feinen (SmpfinbnngSneroen cerfefjen, 
balier anwerft fein[üf)Iig finb, angeneljm ift, foll in bie 9Knnb^öf)Ie gelangen; 
raud)enbe Speifen, raeld)e auf ben Sippen brennen, follen niemals eingefü!)rt 
merben; menn üiele g^rauen fagen, au^ f)iei* fpiele (5)erooI)nr)eit mit, fte 
betraci)ten „bie (SmpfinbIicE)feit gegen I)ei^ unb falt al§ etraaS Übertriebene» 
unb Überflüffigey", fo oermeifen mir nur auf bie oiel natürlid)ere 3:ierraelt, 
bie meniger an fd)Iecf)ten ©eroo^nljeiten leibet a{§ bie 9)lenjcI)I)eit. 2tud) ber 
Ijungrige ^unb rü^rt bie raud)enbe (Sd)üffel nic^t an unb mad)t bie !omifd)ften 
2lbroel)rbemegungen, raenn i{)n feine ©ier bennocE) oeranla^t, bie (Scf)nau5e in 
bie Ijei^e ^-lüffigfeit gu ftedten. ®r ift nod) nid)t abgeftumpft roie ber 931enfcf), 
feine ©d)Ieimt)äute befi^en nod) bie natürtict)e @inpfinblicl)feit. 9Benn ba'^er 
g^rauen fagen, fie empfänben !)eij5e ©peifen nid)t al§ unangenet)m, fo fintv 
biefe nid)t ftärfer at§ anbere, foubern fie finb burc^ lange (55emot)ut)eit ab= 
geftumpft unb bur^ SJlangel an 33eobad)tung oljue Urteil über fic^ felbft. 
©erabe foId)e erfranfen in reiferen ^af)ren oft an „unbegreiflid)en" ^ranf» 
I)eiten, bie fein Hrjt mel)r I)eilen fann. i^jebe 3trt oon SIbftumpfung ftellt 
einen gefä(}rlid)en ^iifi'^^'^ "^^^r "^^^^^ fie ift g(eid)bebcutenb mit bem ®in=^ 
f(J)Iafen ber 2öäd)ter üor bem .^aufe, meldje aufgeftellt finb, um ba§ (Ein- 
bringen beä ^-einbeS 5u üer^üten. ®ie natürlid)e ©mpfinblidjf'eit geroiffer 
Organe ift atfo eine ©c^u^einric^tung, bie mir nicf)t abfd)affen, nid)t oerun» 
gtimpfen bürfen, foubern forgfam er!) alten muffen. 

Übler S^uubgerud) !ann aber aud) bei gefunber 5[Runbr)öf)Ie unb guter 
SReinigung befteljen; bann fommt er au§ bem 9)lagen herauf, entmeber bei 
SSerbauungSftörungen ober ncroöfen SSorgängen, bie l^äufig §u abnormer 
©toffbitbung füljren. S3ei Übermübung, bei ©emütSaufregung, bei ©d)(af» 
lofigfeit befommen üiete 9Jienfd)en 9)Iuubgerud), bie i^n fonft nid)t Ijaben. 
®ann muffen fie etroa§ genießen, ba§ bie 9)lagentätigfeit anregt, um bie 
®räeugung ber gerud)bilbenben ©toffe auf5ul)a(ten, g. 58. ^tma§ fd)roar§en 
Sfiettig, 3^ti^onenroaffer, 2{pfe(finen, roarmen d)inefifd)en ^ee, ober fie muffen 
einige SKad)!^oIberbeeren fauen. 2lm meiften mirfen anregenbe unb aro» 
matifc^e SflaljrungS- unb ©enu^mittel. 2(u(^ eine SJlunbfpülung mit einem 
ftarf unb angeneljm ried)enben 9}]unbroaffer rairf't oorübergeljenb. ®aun be* 
fämpfe man aber auc^ bie Urfad)e be§ täftigcn ^nftQ^ibeS, bie 9}tagenfd)ruäclje^ 
bie allgemeine Sieisbarfcit, bie (Sd)(af(ofigfeit. 

©ine befonbere Sippenpftege ift nid)t notmenbig. ©efunbe unb gut 
crnäl)rte SDIenfdjen Ijaben gut gefärbte unb mit gefunber ^aut bebedfte Sippen. 
Stellen fid) (Sprünge unb „Sd)runben" ein, fo mufs man bie Sippen äuerft 
fel)r rein l^atten, inbem man i!)re ^erüf)rung mit Ijei^en unb rei^enben (Speifen 
oerljütet ((Sffig, ©alj, 93ier ufm.), i>ann babet man fie nad) jeber 93^aI)Iäeit 
in marinem Sßaffer unb fettet fie barnad) mit S)lanbelöl ein. ®iefelbe 
SSe'^anblung erforbern an<if bie fogenannten „^yaulecfen". ^erfoncn mit 
empfinbtid)er ^aut, auc^ plj(egmatifd)e, bie gegen oicle ^inge be» Scbenä 



Pflege ber Scf)ön^ext. 0^9 



g(eicl)9ü(tig fiub, ober unreinliche 2J2en[d)en, iüe(d)e 9f?einnd)feit in bc^ug auf 
bie eigene ^erfon überhaupt nid)t pflegen, leiben red)t oft an rounben 9}lunb» 
rainfcln, bie mitunter ebenfo fcf)mer5t)aft raie efeterregenb fmb. ^iefe muffen 
gieid) gu beginn iljreä (5utftef)en§ mit (Sorgfamfeit be()anbe(t roerben, fonft 
finb fie n)od)eu(ang nid)t fortjubringen. 9iad)t§ mad)e man fteine feud)te 
3Batteein(agen, um bie Sene^ung burd) «Speichel gu Der{)üten; ben 9Jlunb 
fpüle man bei Zaq, groeiftünblid) au§, um ba§ (ginbringen oon (Snt3Ünbung§=' 
erregern in bie rounben Stellen aufäut)a(ten; ftarfeä 2{u§be(}uen be§ 9)lunbe§ 
beim ©ingen, Sprechen ufro. cermeibe man, um ba§ fdjmergljafte (Sin=» 
reiben frifd) gebitbeter .^äutdjen gu oerf)üten, unb ba§ 33aben be§ ©efici)te0 
mit f altem 2Baffer unterlaffe man gleidjfaü^ fo lange, bi§ Teilung ber 
„(5^au(ec!en" erfolgt ift. 

Sei^t btutenbe§ ^a[)nf(eifc^ fleltt ftd) bei allerlei 3«ftänben ein; 
bei Blutarmut, allgemeiner Srf)mäd)e, ©ntjünbungen ber 2Jlunbl)öl]le, falfd)er 
S3el)anblung ber Qäi^m ufro. ^anbelt e§ fid) nid)t um lofale Urfad)en, 
fo mu^ man auf allgemeine Kräftigung be^ 3o^"ffeifrf)e§ bebaut fein. S)aju 
bient bann bie l)äufige 2Inroenbung anregenber i^räuterroaffer oortrefflicl), "öa fie 
ben Qujin^ be§ Blutes in bie fleinen ©efäpe ber .^aut oerme^ren unb fomit 
für beffere (Srnäl)rung ber ^aut forgen. SSertragen bie 3äl)ne fold)er ^erfonen, 
bie oft fel)r empfinblid) gegen SReige aller 2(rt finb, faltet SBaffer, fo finb aud) 
häufige Slusfpülungen be§ 9}^unbe§ mit biefem fel)r gut. 2tuc^ 9?eibungen 
be§ meift blaffen 3ö^^f^eifd)e§ mit ben g^ingerfuppen finb gu empfeljlen. 

:3al)relange Senü^ung ber ^feffermünge foU aber fdjliefjlid) fo erfc^laffenb 
roirfen, ba^ lod^x^§ unb erfd)laffte§ ^^^"f^eM'cf) entfielet. Tlan mad)e alfo 
auc^ mit Slräuterroäffern nid)t §u oiel, fonbern benü^e fie nur geitmeilig. 

@in prat'tifd)e§ ^eifpiet oon (3c^önl)eitapflege: 

(Sine 3^rau oon oiersig :[5al)ren, gefunb unb raüt)lerl)alten, aber bod) 
ni^t frei oon fleinen Sdjroädjeguftänben, etroa§ abgemübet oon Ijäuslidjen 
(Sorgen unb unermüblid)er SIrbeit für bie Familie, ^at bie Sefanntfd)aft einer 
tntereffanten ^rangöfin gemacht, bie groar fd)on ad)tunboieräig ^-rül)linge er=' 
lebt l)atte, bennod) aber nod) fo jugenblid) frifd) unb elegant au§fal), bafs 
i^r alle 9)]änner ben ^of madjten. Unroillfürlid) oerglid) unfere ®eutfd)e, bie 
eine pflid)ttreue .^ausfrau mar, unb bereu perfonlidje (Sitelfeit in ber (Sorge um 
bie Kinber fd)on faft untergegangen fd)ien, fid) unb anbere ?^rauen il)re§ 
$8efanntenfreife3 mit ber frangofifdien grau m\t) fanb mit einemmale, bafj 
feine fo ^übfd) unb jugenblid) mar mie biefe, obrool)l unter i^nen (oor allem 
fie felbft!) eigentlid) bod) aud) „gan§ nette" fic^ befanben. SBaö mar baran 
eigentlid) fd)ulb? 

(Steid)5eitig fiel tl)r ein 2lrtifel über oernünftige (Sd)ünf)eit§pf(ege unb 
bereu un5ertrennlid)er 3iM'ai""tcnl)aug mit ©efunbljeit^pfft^QC in bie .s3onb. 
Sisljcr tjatte fie für il)re eigene (^efunbljcitSpflege immer fo roenig ^clt 
gefunben unb ad)feläucfenb auf jene eitlen grauen geblicft, bie ^zn Ijalben 2:09 



220 ^fifege ber ©cfjön'^eit. 



mit if)rer Toilette unb ben (Sefcfjäfteit für iljre eigene fo raid)ttge ^erfon nic^t 
fertig raurben. SReuIid) aber, al§ fte mit peinlichem (Srftaunen bemerkte, roie 
entjücft il)r ajlann üon ber intereffonten ^-ranjöfin mar, mit raelcf)er ungen)oI)nten 
Sebt)aftigfeit er fid) mit if)r unterhielt, ba fd)Iid) e§ faft rcie 9^eib in i^re 
©eete; fie empfanb ben legten @eburt§tog raie eine brüifenbe Saft unb feufjte 
unroiüfürlid): „O mein @ott, fd)on tjierjig 3al)re!" 

9Run mar e§ il}r ftar geworben, ba§ ein Unterfd)ieb beftanb sroiic^en 
^u^fud)t unb ©efaUfucIjt unb jener (ScE)önIjeit§pftege, roeld)e bie ®rf)attung 
ber ^^erföntici)feit unb ber natürltdjen SSorjüge 5um ^kk !^at, unb alle ©e^ 
funbljeit^pflege erfdiien i^r nun in anberem, üiel fdjönerem Sid)te. 

(Sie bef^aute fid) im (Spiegel, entbecl'te nid)t nur fleinc S^lunäeln, fonbem 
aucl) (Sommerfproffen, oerfdji ebene rote ^-lecfdjen ba unb bort, bie ba§ ©efic^t 
unrein maditen, aä), unb einen franfen 3^1^" ^n ber oberen 9f?eil)e, ber 
längft ber är5tlid)en 33eljanblung Ijarrte, bann aud) bie l)ä^lid)e 3<i^"Iii(fß 
auf ber red)ten (Seite oben, bie fie entfd)ieben älter machte. ^ür§lid) I)atte i^r 
ein alter Dnl'el erft gefagt, fie foUe fid) bo^ §roei neue Qa[)m einfe^en taffen, 
bie Sücf'en fallen unangeneljui auf unb mad)en eingefallene SCBangen. (Sic 
l^atte nur getad)t barüber unb nic^t einmal nad)gebad)t über ben läftigen ^efuc"^ 
beim ßa'^nargt i^et^t erfdjien ii)x i^xe S^ac^läffigfeit gerabeju unoer§eil)lid) ! 

(Sie füllte weiter im (Spiegel! 2I(^, bie ^aare erft! (So glatt unb 
— unerträglid) ! — an beiben «Seiten grau gefprenfelt. ©ilberglänsenbe roei^e 
fyäben gogen fic^ beutlid) fid)tbar nad) bem S^noten l)in unb oon f(^önen 
SSellen ober !leinen Söddjen, meldje bie ^^ranjofin fo reijenb fleibeten, mar feine 
6pur. 2Id), bie f)atte aud) nod) feine raeif3en ^aare tro^ i^rer ac^tunboiersig. 
Unb bann bie ^leibung. 9Iu§ (Sparfamfeit mar fie entfd)ieben gu oft in 
bunfler Slleibung gegangen, bie ja fo alt unö büfter mad)t, raäf)renb Ijetle 
färben ben SRenfc^en fo ganj anber§ erf^einen laffen. ^a, fte roirb e§ üon 
f)eute an auc^ ganj anberS bamit galten, fie roirb t)elle Kleiber anlegen, auf 
anmutigen, roenn aud) befd)eibenen ^u^ fel)en unb beroeifen, Da'^ man mit 
oiersig nod) feine „alte ^-rau" ift. 91ur fd)uüvcn raollte fie fi&j nid)t, roie 
bie g-rauäüfin e§ getan. ^\-)x Tlann roar fraftig unb nod) fo l)übfc^; roa§ 
gäbe ba§ für ein ungleid)e§ ^aar, roenn fie in ein paar ^aljren roie eine 
iRium neben il)m berioanbelte! 9^ein, baju barf e§ nid)t fommen; fie füt)lte 
fid) nod) jung, nod^ leben§luftig unb roar bo(^ in ber ^ugenb gerooljnt, ju 
ben f)übfd)en grauen gered)net §u roerben. 

(Sd)leunigft lief fie 5um 3al)nar5t. 

^njroifdien famen bie Serien l)eran, unb itjr 9Jlann oerreifte, beoor er bie 
Söirfung berfelben auf feine %xan berounbern fonnte. ^m Sßartefalon beim 
3at)nar5t erjäljlte ein älterel ^-räulein oon einer fogenannten „91aturf)eilanftalt", 
bie jetjt fo fel)r in bie ?Jlobe fäme. ®§ roären reine „:^ungbrunnen", meinte fic. 
%k täglid)en Suftbäber in unfagbaren ^oftümcn, roo man ^atl unb S^teif 
fpielle, roie bie ^ungeng auf ber Sßiefe, bie erfrifd)enben Söafferbäber, bie 



Pflege ber Srfiönlicit. 221 



ii)oI)(tuenbe SJ^offage iinb bo§ tjerrndje S3ar[u|3(aufcn morgend im Sau, — 
e§ wäre iiidjt §u fdjilbcrn, wie ba^ alles belcbenb inib Derjüngenb auf bie 
9Jknjd)en einroirfe. ©ie Ijätte e§ nie geglaubt, mit iljvcu äroeiunbfüußig 
3al)ren nod) fo luftig unb beroeglid) rccrben gu fönuen. 

Unfcre SSierjigerin {)ord)te f)od) auf. 

Salb lie^ fie fid) (Sd)rifteu fomuten, bie fie uäljer in alle§ etnmeiljtcn. 
2Iber ad)! gu einer „^ur" in einer fold)en „SBunberanftalt" reid)tcn bie 
9}littel nid)t, unb bie 5tinber fonnte man auc^ nid)t oerlaffen; ba mu^te 
alfo raaS anbere§ gefunben lüerben. ©eitbem ber ^afj^arjt iljr ©ebi^ Ijer» 
gcftellt Ijatte, gefiel fie fid) rceit beffer; it)r 9JM mar nun geraad)fen, unb fie 
ftrebte energifd^ barnad), jenem ^räulein nad)3ual)men. ®ie i^inber foütcu 
mäl)renb ber g^erien fo mie fo auf§ Sanb; ba raollte fie bie ^dt einmal auc^ 
für fid) gans anber:§ au^uüljen. SJtit guten (Sd)riften über (Sefunbljcits^ unb 
©d)ün^eit§pflege auSgerüftet, 50g fie mit tljren kleinen l)inau§ in eine ein» 
fad)e (5ommerfrifd)e, bie aber an iRaturfd)ünl)eiten rei^ mar. Unb nun 
würbe ber „^urplan" aufgeftellt. ®ie g-enfter i^re§ 3"«i"ßi*§ Ö^^Ö^" ^^^^ 
bem SBalbe, unb ba buftete e§ Ijerrlid). ©eitbem fie gelefen Ijatte, mie 
fd3äbli(^ e§ fei, in gefdjloffeuer Suft ju fd)lafen, lie| fie fogar nad)tg bie 
g^enfterflügel meit offen, unb oft fog fie nad)t§ bie raürsige Suft mit (Sntsiicfcn 
ein, raenn fie äufällig einmal erraai^te. 2Ba§ ^atte man bod) früljer nid)t 
alles entbel)rt, roeil man fo ängftltd), fo üoll dou SSorurteilen mar! @§ ift rid)tig; 
rdü§ in einem S3ud)e fteljt: „©elb nnb lebern wirb man, wenn man lcbcn§» 
läuglid) fauerftoffreid)e Suft entbeljrt." ©ie mar rairflid) auf bem bcften 
2Bege, auc^ „gelb unb lebern" gu werben. 2tlfo nad)t§ bie Ijerrli^e 3ßalblnft im 
©djlafjimmer. 9Jlorgen§ um fed)§ lTl)r au§ ben S3etten IjeranS unb in leid)tcfter 
^leibung auf bie tauige aSiefe am SöalbeSranb. ^n (Ermangelung ah' 
gefd)loffener „Suftbäber" befd)lo^ fie, oljue ^emb unb fonftige Unterbleib er, 
nur mit einem lofen unb bünnen ©ümmerfd)lafrodt angetan, ein morgenblid)e§ 
fiuftbab p nel)men. ®ie ^inber mürben äljulid) gclleibet unb roaren 'i)o^' 
oergnügt über ben ©pa^. ®ie unbeftrumpften ^yüpe mürben in offene ©anbalcn 
geftedtt, bie man aber fofort ab^og, wenn man an ber SBiefe mar. Unb 
nun rourbe etwa eine Ijalbe ©tunbe im 2:au unb ©onncnfd)ein l)cnnngeftampft. 
S)ie SJiorgenluft mar jebod) meift fo frifd), ba$ 9}lutter unb iliub balb ju 
frieren begannen; fd)ien bie ©onne marm genug, bann legten fie fid) au 
einer trocEenen ©teile nieber unb liefen fid) oon ben ©onnenftral)len uon 
allen ©eiten burd)raärmen. 9xcid)te biefe äBävme nid)t an§, raa:§ oft ber ^all 
war, ba erftiegen fie in rafd)cm S;empo ben nal)en 33erg, freuten fid) tagtäglid) 
über ben blauen ^iuimel unb bie f^one ^erufid)t unb famcu burd) unb 
burd) ermannt, oon ©onne unb Suft neu belebt, mit einem 3Bolfytjungcr 
alö Heine 3ugQ&e nad) |)aufe. 2öie fd)mecfteba baS 5rüt)ftücf! ©auj anberä 
als in ber ©tabt unb bcftanb bod) nur auS frifd)er l^hld), Cbft unb ©djioarj» 
brot. (SS mar föftlic^I 



222 ^-P fies 2 öer Sd)ön{)eit. 



^n Ijeifsen 91ad)mtttagen gingen jte jnraeifen nad) bem ntäcfjften S[BaIb' 
ba^, rao 3roijd)en ^üfdjen friftaü[)eüe§ 2Ba[[er f(o§, in rce(cf)e3 [ie in lautem 
^nbzi tauchten, um fid) fo be§ Sebenä ju freuen. (Sin ]'o(c^e§ S3ab im freien 
ift aud) nid)t anuäljeunb mit einem ^^anneiibab y.i nergteidjen, unb lüet e§ 
nod) nid)t genofjen t)at (raie ^unberttaufenbe ber Ijeutigen 5!}tcni'd)en !), ber 
al)nt nid^t, roa§ if)m nod) unbekannt geblieben. ®a färbten fi^ bie Sßangen 
rot, ba mürben bie ©lieber fo frif^ unb ber Sinn fo frei, ^ein S[Bunber, bajj 
aud) bie 2Iugen ungeroo^nten ©lan^ ert)i etten unb neue ^ugenbfraft ben Körper 
burd)ftrömte. 9Jiittag§ unb abenb§ gab eä nid)t 33raten unb ^ier, fonbern 
grüne (Semüfe mit 9JZelj(fpeifen, föftUd)e§ ^^utterbrot, frifdje Gier unb 9JiiId). 

'3)aburd) reinigten fid) auc^ bie (Säfte be§ ^örper§, unb alle Organe 
funktionierten beffer. S^^^' ^^^ breimal roöd)ent(i(^ mürben bann nod) größere 
5Iusf(üge in bie Umgebung unternommen, roobei man et)rlid) fd)roil3te unb 
oft tobmübe nad) .^aufe fam. ^a§ erfe^te fiinftlid)e Sd)roi^bäber in üotl* 
fommenfter Seife unb fdjaffte grünblid)e ®urd)(üftung be§ 5^i)rperä. ^en 
(Saftf)äufern ging man meift au§ bem Söege, 53utterbrot, S^^ettige, ^arte @ier, 
Cbft unb ^ud)en, mürben in einem Dle^e mitgenommen unb im SBalbe mit 
großem ^eljagen Der5el)rt. 2öar ba§ nid)t atleä fd)öner unb billiger all bie 
geroöl)nlid)e SebenSroeife h^i gebecEtem %i\6) im §otel, bei läftiger ^leibung 
unb oft quälenber Sangroeile?! 

2Sa§ ber Spiegel unferer beutfdjen %xan je^t fagte, befriebigte fte 
immer me^r; bod^ fel)lte el nod) am 2;eint unb an ben paaren. ®a begann 
fie allabenblid) mit Cold-Cream fid) p maffieren unb morgen^ ba§ @ef»e^t 
in 33orajroaffer gu hahm; bie ^aare aber beftric^ fie an ber Stirn etliche» 
male mit einem guten .^aarmittel, roorauf bie „3eid)en ber ©reifen^aftigfeit" 
Derfd)roanben. Um täglid)em ^aarbrennen ju enlgel)en, oerfu^te fie e§, bie 
.^aare um bie Stirne locter angeorbnet gu tragen unb fie burc^ roarme 
^opfgüffe unb (Sinpacfungen raelliger gu geftalten. @§ entftauben baburc^ 
jtoar nod^ feine Söddjen, aber bie §aare rourben natürlich fd)ön, roeic^er, 
unb ein gelegentlid)e§ brennen erl)ielt bie Stellen etraa 8 3:age lang. ®a§ 
Worfelt mar il)r bei foId)er Sebenimeife ganj oerlja^t geworben, fie roarf e§ 
ab für alle Reiten! 

©ie Serien maren gu @nbe, — fie roaren fo genufjDoll gemefen, roie 
feine je suoor. ©efünber, frifd)er unb beffer gepflegt roie je oor^er, famen 
fie in it)r ^eim §urücE. ®er ©atte mar erftaunt über bie Söirfung ber 
biesjäljrigen Sommerfrifc^e, berounbernb betrad)tete er feine ^rau. Sie alte 
^ugenbfrifd)e mar bei if)r n)iebergefel)rt unb follte il)r, ba fie nun 
ha^ ©et)eimni§ iljrer Grtjaltung erfaunt Ijatte, nod) oiele ^aljre befouberen 
Sleis oerleiljen! 

. V^C 7^ 



^Sä^ 




Siel)ente$ Kapitel. 




Das 6escDkcDt$kDen. 

„S;a§ ganje ®e^etmnt§, fetn 

Geben ju verlängern, befte^t 

/ barin, e§ nicf)t ju oerfürsen." 

in 33ud) über ©ei'unb^eit§pf(ege unb |)eilfunbe roäve ein lürfen» 
^aftcig, raenn nid)t aud) alle 2]er^ä(tniffe, bie auf ba§ @e=> 
fd)(ed)t5leben Sejug {)al)en, barin erf (ärenbe ^ei"pred)ung fänben. 
SBir roaren faenuif)t, iinfer 93ud) fo frei ai§ mi3t3Uct) oon 
ä(bl}anblungen über @efcf)(ec^tli(ä)e§ su fjalten unb bie unent^- 
bel)rlid)en Kapitel fo oiel, al§ sn^iiffig erfd[)ien, sufammen^ubrängen. (Sin 
franf£)afte!§ fejue(Ie§ 2^h^n bef)err|d)t fo lote fo unfeve 3cit ^^^ bebauerlid)ftem 
®rabe; ba!3 aügemeine ^utereffe ift ein oiel 5U rege§ bafür, bie 93eriüirrung 
ber 2(nfid)ten über bie natürlid)ften SSerfjäftuiffe nimmt immer mef)r gu, nic[)t 
minber bie förperlidje '^iöerftaubslofigfeit be3 loeibüc^en @efrf)led)ty, oon 
beffen ^raft unb (Sittenreinljeit bie ©efuubljeit ber 9lad)fommenfd)aft unb 
'üaB ^amitiengtüd jum gröfseren ^eife ab()äugig fmb ; roal)rlict) ©runb genug, 
um rüc!fid)t»(o§ traurige 3iiftänbe unferer ^^^t S" beleud)ten unb unermüblid) 
für 33ei"feruug, in Q^orm oon 2(uff(ärung unb beroufjter ©efunbtjeitypflege, 
äu loirfen. 

^n biefem (Sinne bitten loir, bie na^folgcnben Blätter aufjufaffen. 
'3)er (Srnft beä ©egenftaubey ift ein fo grofjer, baJ3 er auc^ bie innere SRit^ 
tätigfeit ber Sefer beanfprud)t; ber befte 3cf)riftftetler fann feine Stufgabe aber 
nic^t erfüden, roeiin ber Sefer if)m nid)t mit fittticI)iMn (Sruft entgegenfommt. 
^n ber ^^aub ber ^-rauen liegt fo oie(e5, oor altem bie Siegelung be5 
^amiüentebeuä, bie Siegelung be-3 @efc^(ed)t'S(cben3, bie ©r^iefiung ber ^^Ö*^"^' 
— boJ3 man fagen fonnte, fie t)aben bie ßufunft in itjrer .paiib, unb fie 
fennen 'D^n Umfang il)rer lDiacf)t gar nict)t. 

2)löcf)ten biefe ßeilen ba^u beitragen, unfere Seferinncn 5um '^cmufjtfein 
ber 3Serantn)ort(ict)feit itjrer iucibli(^en Slufgaben ju füt)ren! Um unfere 
2(u§fü^rungen mit oodem "Berftänbui^ oerfotgen 5U fonnen, ift e5 notmenbig, 
baä Kapitel über bie „©efrf)(cc^t^oorgane" (fieije erfte^ i^apitel), foiuie bie 



224 ©efd)red)t§Ieben, 

©rflärung be^ ^ecfen§ im Kapitel über „5lnod}enbau" nod)maI§ ju über= 
Icfeii uub bie beigegebenen Slbbilbungen fid) einzuprägen. Dljne 33erftänbni§ 
für ©eiunbf)eit§pflege im allgemeinen läßt fid) aud) ba§ (5)efd)Ied)t§Ieben 
nid)t riiitig beurteilen, baf)er oerraeifen roir auf bie gegebenen notraenbigen 
©runblagen in ben oorangegangenen Slapiteln uub raerbeu Sßieberljolungen 
nermeiben. 



Z\o^öii der GeTchUchtsor^ane. 

®ie ^-ortpflansung ber 3t rt ift bie 2tufgabe aller mit eigenen ©e» 
fd)te(^t§organen oerfeljenen Seberoefen. 58ei ben I)öt)er organifierten ift biefe 
Aufgabe ftet§ auf ^raei ;i5nbiDibuen oerteilt, tnbem bie Statur it)nen cer* 
fd)iebene, fid) ergänjenbe 33errid)tungen übertrug. 9^ur im ^ufammenrairfen 
erfüllen fie il)ren 3^uec!. 

Me ©ntroicflungSftufen 5U oerfolgen, roie au§ ber gefd)ted)t§lofen 
Fortpflanzung bie gef d)led)tlid)e entftanb, l)at nur roiffenfd)aftlid)e§, fein 
pvaftifd)e§ ^utereffe. 3Sir mollen baljer nur anfüljren, '^0.'^ e§ aud) niebere 
Sföefen gibt, bie fid) burd) ©proffung unb Seilung t^re§ SeibeS fortpffanjen, 
bei raeldjen alfo bie g^ortpflanjung ot)ne geteilte 3Serric^tungen juftanbe fommt. 
"Sie gefd)led)tlid)e ^ortpflanjung, bie fid) auf ^raei :3nbiinbuen üerteilt, ift 
ibentifd) mit ber l3Öd)ften (Sntmidlung be§ 3:iere§, an Deffen ©pi^e ber 9)]enid) 
ftel)t. (2ie Ijat ben „©efd)led)t§d)aralter" gefd)affen, b. t). ^nbiüibuen mit 
Gigenfd)aften, meld)e burd) bie fd)arf begrenzte @eid)(ed)t5aufgabe entftanben 
unb meldte il)rer (Erfüllung fijrbernb raaren, 5. 33. Slusbauer unb prforglidj= 
feit für ben bie 3^ad)!ommenfd)aft ernäl)renben 2;eil, 3Bad)famfeit unb 9JJut 
für ben bie 9fIad)fommen uerteibigenben 3:eil. 

S)ie aSerteilung ber 2lufgaben für bie Fortpflanzung fanD in Der 2öeife 
ftatt, lia'^ ber eine Seil jene (Elemente in fic^ gur Steife lxo.6){^, iüeld)e ben 
2lnftü^ §um2öad)§tum be§ neuen ^nbioibuum» gaben, nnb ber anbere biefeä 
merbenbe ^nbioibuum im eigenen Scibe gur Collen ßntraicflung fommen lie^, 
inbem er basfelbe uom eigenen 93lule ernäljrte unb aui bem eigenen Sebcu 
l]erau§ fd)uf. 

2lu§ bem erfteren ging ber männlid)e ©efd)led)t§ti)pu§ Ijeruor, 
au§ bem le^teren ber roeiblid)e. 

daraus ergibt fid), ba^ ba§ männlid)e iQnbioibuum ber befrud)tenbe 
unb lebenrocctenbe Seil rourbe, ba§ rcciblidje aber ber e.rnäljrenbe, er» 
Ijaltenbe unb fdjaffenbe Seil. 

(3o, rcie ^o.^ Sier burd) bie ^Befriebigung be§ ^unger§ nnb be§ gort- 
pflanzung§triebe§ ooUftänbig t)erbraud)t roirb, fo ift aud) bie %xm ber auf 
niebriger tulturftufe fleljenben 23üll'er üon iljren @c]d)(ecl)töauföaben ganj 
oerbraudjt unb nur al§ ©efd)lcd)t§mcfen oon 2Bert. 



T J31/\T 



-lonE. iIdzbi 2ßfa ,n9d9hrfae95 ni9li{3üS nia IbH 9i\bQ ni3 
-19V 29fa änu§ifnri9n9D (IM .bnß! änuJisidigV bnu ynunn9;i 
lül nhoiuh gib grljlgw .naj^nudü 9yini9 liw rigdßri 2i922ßl 
-ln9 n9dl92m9b »bnßl lannßM lül slw fan'j^zsq 02n9d9 ngußil 
i9i92nu luß namrißnluA aa^iibnhizöisz Hjßn bnu ngmmon 
nig} bni2 n9§nudÜ «esiQ .JrioBidg^ griuflaJznßa nus l9lßT 
aib nallßriia 012 ;)llat29gn9nnrnß^u,'^ iAoir\j/o<^ bnu Jri3fiL3a2Uß 
sisnni luß giJrbßm n9;liiw jhwu 9;{n9(9D üb ji9>J3Ü)i9rnri329D 
lim n9bnudi9v .Hoil^ßt au nnsA snui bnu ÜÄ Jiis snßäiO 
I989iq2 nadoH mgni» lov nshsd me ,()9fai.iW9dmj oalß) bßdHuJ 
.ngiHülüu* insmmoz fanu zigJniw ,i9J^n9'^ msnallo igd bnu 
-lßW98 gib isriolgy/ us ,§nudi9ih9dO lov liw n9nisw dooQ 
loIIüM .<? .[ 9iw ,9bnu)2loh9iV I9ni9 ni ngj^udO isioi/ S""S'^ 
nguBiT 9riDßwri32n9vi9H .22um ngiriül eoilslisv/^ ,lsßlrf32iov 
.nggBiha ggnßl Idoin gnu^nsiiznft bnu teeH 9rf3loz nobiüw 
i9llß bnu 9riua lim tn9^riudO 19b li^T ni« lun i9Hßb 192 23 
,änßl 9fanuJ2l9h9iV snia riDil^BJ ,ht\ü]o)jtUB' Jt9^mß2>{i9m1uA 
-ioqm3 lim ^numJelaiT gib nnß;l v^nui!9lni3 zift Jialriolqms 
n9d9rii3 bnu ,^ .giT 8S hJßT lue ,2i9qiö>I nsiuiBg ■^^b asAj^-t 
n9?Jn92 lifo snumifi2uÄ snia madolgw .ng.^iiqsfldrisX nsb luß 
luß f .oV[ nßra izzBl ngzgiQ .ngligg «lalol nsswsf^"'^^ t)nu 
29b gnu^igM isrinilligz i9;lißl2 ni griolgw .nsjjloi 8£ lalßT 

- mß2*iivy nggraiioizsIiM bnu -igdaJ igd bnu Jriotesd ^olqmuH 
-ms T laleT lue \ .§1"^ nov gnuligiS gib nßm nnß>l rwteCI .lai 
tidü? £ .giH Haen 29lqmufl 29b gnugioi/I iu\ yrlol > w .nsfnf'jfi 
llllsizißb nb;l?.umlqaiufl igb ;^nudt) ariailligitiov 
sriolgw ,i^ bnu f .;gf^ gnudÜ orft fnaib ng^-jy.wS r. ■.; 

' -9JJ i^ nalnifl fanu mov rlTßn ^alqmufl 29b nggigM i 

isdß ,fan'jynjiigns irijgi Izi 9i8 idjtzgd oIuEzI'idiiW ijJrijK) 

mab 2Uß 19^9 I Ttho; nnfS)! riojinudO siaJigW .ri:)ihJiJn irioi; 

.ngmrignln noN... griouS ns riozi al lü M 

: _ ,■ ■(iiiilifirl-i^^nA f!9;';<'#b 



Die Frau als Hausärztin. 



Taicl 7, 



■"'^efcf!re(^t5Iebcn. 



(Ti^,>;f,,f -■■.f. 



TÄFELT 1^^^ 



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PI;:. 



Ein Däne hat ein Büchlein geschrieben, das rasch Aner- 
kennung und Verbreitung fand. Mit Genehmigung des Ver- 
fassers haben . wir einige Übungen, welche die Autorin für 
Frauen ebenso passend wie für Männer fand, demselben ent- 
nommen und nach selbständigen Aufnahmen auf unserer , 
Tafel zur Darstellung gebracht. Diese Übungen sind fein 
ausgedacht und geschickt zusammengestellt; sie erhalten die 
Geschmeidigkeit der Gelenke und wirken mächtig auf innere 
Organe ein. ftlt und jung kann sie täglich, verbunden mit 
Luftbad (also unbekleidet), am besten vor einem hohen Spiegel 
und bei offenem Fenster, winters und sommers ausführen. 
Doch warnen wir vor Übertreibung, zu welcher die Bewäl- 
tigung vieler Übungen in einer Viertelstunde, wie J. P. Müller 
vorschlägt, zweifellos führen muss. Nervenschwache Frauen 
würden solche Hast und Anstrengung nicht lange ertragen. 
Es sei daher nur ein Teil der Übungen, mit Ruhe und aller 
Aufmerksamkeit ausgeführt, täglich eine Viertelstunde lang, 
empfohlen. Als Einleitung kann die Tiefatmung mit Empor- 
recken des ganzen Körpers, auf Tafel 28 Fig. 4, und Erheben 
auf den Zehenspitzen, welchem eine Ausatmung mit Senken 
und Beinbeugen folgt, gelten. Dieser lässt man No. 3 auf 
Tafel 28 folgen, welche in starker seitlicher Neigung des 
Rumpfes besteht und bei Leber- und Milzstörungen wirksam - 
ist. Dann kann man die Stellung von Fig. 1 auf Tafel 7 ein- 
nehmen, welche zur Neigung des Rumpfes nach Fig. 2 führt 
und eine ganz vortreffliche Übung der Rumpfmuskeln darstellt. 
Den gleichen Zwecken dient die Übung Fig. 3 und 4, welche 
in einem Neigen des Rumpfes nach vorn und hinten bei ge- 
drehter Wirbelsäule besteht. Sie ist recht anstrengend, aber 
sehr nützlich. Weitere Übungen kann jeder Leser aus dem 
Müllcrschen Buche „Mein System" selbst entnehmen, 
i - ^ riT o r Tt dessen Anschaffung wir allen empfehlen. 



üe 



h leMeret! ber meibltcfie. 



iimi brv 



rU;lD( 



aini) 




Cjymnashische 






Die Frau als Hausärztin. 



Tafel 7. 



i 



®cfc^lec^t§leben. 225 



3ft fie Dom 5^inbe jur Jungfrau fjerangereift fo rairb fie gefreit, unb 
folange fie 3eugun95fä£)ig bleibt, ift fie SJJutter, SImme unb 5linberpf(egerin. 
9Jlit beginneubem ©reifeualter er(if(i)t i()re eigentU(i)e 53ebeutiing, i(}r SjanpU 
lebensäiüecf; fie ift unuü^, Jüeil fie hm @efd)ted)t5{ofen gteid) rourbe. 2J[uöei» 
lüirb if)re 33ebeutung unb fojiafe Stellung von bem 2(ugenblicfe an, rao fie 
teilnimmt an h^n ^ulturaufgaben i^rer ßeit. Cbiüol)! i()re fürpei1id)eu 3(uf=' 
gaben immer biefelben bleiben, (jat fid) (ängft ein eigene» Seelen- unb ©eifteS^ 
leben in iijr entroicfett, ba§ no(^ in auffteigenber Sinie fid) befinbet. ^e 
ausgeprägter biefex^ ift, befto weniger ift fie @efd)(ed)tSiüefen; je niet)r e» 
juriidtritt, befto beutlid)er näfjert fie fid) ber Siernatur. Qnx Grfjaltung 
ber leiblidjen unb feelifdjen ©efunbljeit ift bie natür(id)e ^Betätigung jener 
„2;iernatur" im 9)]enfd)en aber bi§ gu geroiffen ©renjen 9lotroenbigfeit; il)re 
33erfümmerung l)at oerbogene 9Jlenid)engefta(ten jur B^otge, roie fid) jeber 
überseugen fann, ber fid) ein wenig umfefjen will. S^arnm Grijaltung ber 
©efunbljeit jener Drgane, roe(d)e ben @efd)(ed)t§ti)puS fd)ufen, feine 
oerbogenen unb nerfümmerten (5)efd)(ed)t»c^araftere! '3^ie ^M)ere geiftige 
Gntmicflung ber '^xan (jebt auc^ bie gefd)(ed)tiid)en Stufgaben auf eine anbere 
©tufe^ fie burd)geiftigt unb oerebelt fte, of)ne fie if)rer S^latürlic^feit §u be=» 
rauben, '^kä aik§ benen §ur (Srijebung unb 5l(ärung, bie §roeifetn unb 
fud)en unb beftänbig mit fid) felbft im i^ampfe liegen, raeil bie ^errfd)enben 
©ebräuc^e unb 2(nfd)auungen unb bie Stimme ber ^Jiatur leiber nid)t immer 
iu @inf(ang §u bringen finb. 

Sßeldje fmb bie gortpftansungsorgane beS 2öeibe§? ©ie roir fc^ou 
au§ bem erften 5^apitel miffeu: ba5 mu^fulöfe ^o()(organ, bie ©ebärmutter, 
lateinifi^ uterus, bie Sleimb rufen ober Gierftöcfe, lateinifd) Ovarien, unb 
bie äu= unb abteitenben Crgane, mie bie (Siteiter ober 2;uben, bie Scheibe 
ober Vagina unb ha§ Q3egattung^3ürgan, bie nad) au{3en liegenbe raeiblidje 
Sd)am. %iq,. 145 fteÜt jungfräulid)e Crgane bar unb fämtlid)e inneren 
unb äufjeren Seile berfetben. ^Xie (Srjeugniffe ber Gierftöcfe finb jene Keinen 
Peinige den, „Gier" genannt, bie, loenn fie com männlichen Samen ge» 
troffen werben, fid) ju entroidetn beginnen unb §u einem neuen ^nbioibuuni 
im 9Jhitterleibe au§mad)fen. Sie beftimmen t)m raeiblidjcn ©eid)Ied)töti3pny, 
itjre ©cfunb^eit bebingt baf§ normale SBeib. 

"Xer Uteruä ift nur „3^rud)tl)atter", loeil er feine anbere 33cftimmnng 
^at, alB ®i unb Samen in fid) aufjuneljmen unb bie mad)fenbe ^-rudjt fo 
lange in fid) ju bergen, bis fie §ur Slusftofjung reif ift. Sie Gilciter finb 
„5ufül)renbe" Crgane, loeil fie bie (Siselle oom (5ierftocf nad) ber G)ebär=' 
mutterl)ül}le leiten; bie Sdieibe ift baä 9Jlünbungörol)r ber Gebärmutter, I}at 
fomol)! bie Slufgabe, bie Sefrete ber let3tcren, foioie bie reife 2eibeyfrud)t 
nad) auf3en ju füljren, alg auä:} beim ^egattung^Safte ha^ männlid)e 33c^ 
fruc^tungsorgan in fid) aufjuneljmen unb fo ben Gintritt bcy Samen» in bia 
Gebärmutter äu ermüglid)cn. 

sie %xa\i als §au§ärjtln. 



226 



®efd)red)t§Iebeit. 






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C^ O^ O: 

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©efd)Iccf)t§Ieben. 



227 



®te lücibüi^e <2d)am entf]ä(t foiüol)( bie äiiJ3cre C'ffiuing ber ^arn= 
tötjre, [oroie jene ber <Sd)eiöe, üerfdjiebene 'S^rüfeii unb bie [ogenannten 
„'©oüiiftorgane", 511 beiben «Seiten ber angefüljrten Cffmtngen gelagert. 
:2e^tere [iub gefäi3rcid)e Hörper, raeld)e bei ge[(^Ied)tlid)er (Erregung anjdjiueUen 
unb bie ^raüljeit ber äußerlichen 
(3)e[cf)Ied)t§tei(e beiuivfen. S3ei 
^•rauen, roeld)e an fei'ueller Un^ ^ 
empfinblidjfeit leiben, atfo nie:» 
nial^ in gefdjtedjtlidje ©rregung 
geraten, finbet aui^ niemals eine i__ 

2In[d)roenung biej'er Seile ftatt, ^WlkWKF fl ^ ^ 

unb i^r 53egattung5organ fommt 
ba!)er aud) nid)t in ben für ben x ""~[ [ ' '^'' 

53efrud^tung§aft günftigen S'^u ■ '\'~\l ■ -; f- c 

ftanb. %k Slatur gibt feine ^ l\ ^| 

Drgane ^m^dio^l SBcnn fie nid)t 

[unüionieren, fo finb franf^afte P — 

S3eränberungen im DrganiSmuä \\ ^*»i^:iVib.:^,r:?e"^\ 

bie Urfad)e, §. 53. mangel{)a[te ,, X='?\% 

2;ätig!eit ber juteitenben ^kroen •^' ~nrf^^ xWx'.^'^ o 

ober 3Serfümmcrung, mangels /(L . 

Ijafte Slusbitbung ber betreffen^ f Y^WM ^^S^- 

ti^n Drgane. «^.~*c«» - . 

®er fleine oorfpringenbe 5?ör= # ' 

per oberljalb ber ^arnrö^ren= 

Öffnung, bie 5^(itori§, bie bei "'" SlP 

abnormer ^ilbung eine ber männs " ~ 

Iid)en ^arnröt)re äljn(id)e SSer* '''^M^~ ^ 

längerung anne()men fann, gef)ört '^'^S-/.!'^- ^«^^f'^cmatiirfjcjaritcnuttgbermattn. 

gleid)|aüä JU ben bie &eid)red)t§= ^ öarnleitcr. a öarnblafe. t ^^ov|ter)erbrüfe. 
tätigfeit erregenben Drganen unb ^ !Öla[enf)alä. c i^iiutiger Seit ber ^arnröfive. 
• .-- •, • ,^ ^- ti- cn cl C^liebteil ber öariiröhvc. n 6ouiiicrfdie prüfen. 

\\i mit einem midjtigen 9leroen= ^ Sc^TOeüförper. p Bliebet ber §arnröl,re. 
ftrang in 35erbinbung. S^eijUngen r corpus cavernosum urethrae. s 6-id)er. 
s»«^ c^r^ -p s> t. (TS 4- »> * .stoben, g fiopf beä yJebenboben. h Sdiioeif 

ber mxiQXX^ buvd) ^rucf ober ^^s IRebeufoben k Samenleiter. 1 Samenl 
33erü^rungen fönnen ^ucEungen blä§d)en. m atusfpritjuncjöfanar. siadi sonig. 
be§ Uteru§ auslöfen. SS>ie mir 

fc^on aus bem anatomifdjen 5lapitct libcr bie „(3efd)Ied)t§organe" (fietjc 
(Seite 40) raiffen, cntfteljen beibe G)eid)ted)ter au^ gteid)cn Einlagen, ey finb 
baljer aud) bie glcict)en Drgane bei beiben Gei"d)(ed)tern oorljanben. lim 
fein eigene^ Öcfd)lcd5t 5U ocrftcljen unb ein für bie ?J]utterfd)aft reifer 
?,1|enid) 5u merbcn, muJ3 man aud) ba§ anbcve ©cfdjtcc'^t fcnnen unb feine 
pIji)fio(ogifd)en Sliifjerungen begreifen. ^af)er geben mir f)ier aw^ eine fur^c 

15* 




228 



®efd)Iecf)t§Ieben. 




S^tg. 147. 

©ttmenföben bf§ 
9Kcn|(^en. 

a unb b fteflen tie 

fdjiängeintien S3ej 

roeguiigcn bc§ 

6d)it)anäe§ bar. 

Sßac^ fiöntg. 



©rflärung ber männlid)en Organe, beren ^eiiutui^ gum 93erftäubut;g be^ gort* 
Vflauiuugsüorgangä uuerlä^lid) ift. 

gig. 146 §eigt unä einen ^urcf)f(i)nitt berfelBen. ^en männlichen 
©e[d)Ied)töti)pu§ beftimmen, raie beim SßeiOe bie ©ierftörfe, beim 9Jknne bic 
.^oben ober Samenbrüfen. (Sie oerlaffen f^on im gotnS bie 33ecfenl}öl)te 
(fiefje Seite 44, gig. 28) unb betten fid) beim Qu§gerei|ten 5linbe in einem 
^antfarfe, an^erljalb be§ 9iumpfe§ unb unterl)alb ber ^axn» 
rö^re, giuijdjen ben ©d)enf'e(n. 'S)er ©omenftrang läuft in§ 
^^d^n äurücE unb müubet in bie ^arnrüt)re, oon roo ber 
©amen nad) au^en gei*d)(eubert mirb. 2)ie ^arnröljre I)at beim 
SJIanne a(fo bie boppelte Stufgabe, foraotjt ben ^^^jQ^t "^ßJ^ 
^arnblafe al§ and) bie (£rj\eugni[jc ber (S am enb rufen, hm 
©amen, nad) aufsen gu beförbern. ®a!)er ift fie fo lang 
unb im blutgefütlten ^^M'^Q""^ fo kräftig. 2tnaIog bem 
^eibe finb alfo aud) beim STianne 5^einibrüfen, 3u= unb 
abfü^renbe 9ii)()ren, bie Sßoüuftorgane am ^eni» (.^arn» 
röl)re) unb bie Dleroenftränge. ®er 3^rnd)tf)a(ter ift beim 
Seibe unoerI)äItni§mä^ig auSgebitbet, beim 9)]anne im 
nerfümmerten 3u[iQ"^ß öl§ fleiner Überreft aufjufinben; 
btc ^arnrotjre, >beim SKeibe fürs unb nur ber 2;ätigfeit ber .^arnbtafe 
bienenb, !t)at beim Tlanm bie 2lu[gabe, ben ©amen an bie ©telte 
feiner äöirffamfeit p bringen, bat)er iljre fonft un« 
motioierte ©ntmirftung. — 2tllent()alben finben mit 
alfo nur Stnpaffuug an bie @efd)red)t§aufgabe unb 
bie babur^ bebingte JJIübifijierung ber einselnen 
S::eile, im iüefenttid)en jebod) tro^ ber äußeren auf« 
fälligen 93erfd)iebenljeit ber ©efd)(ed)ter bie gteid)eii 
©runb tagen, 
^•-rx a> f^-j. Sia- 147 unb 148 geigen un§ bie ©amen* unb ©i^» 

b (Siiüci&leib. c Slern gelle, ©ie ftellen gang tjerfdjiebene ©cbilbe bar. gaffen 
mit ßeruförperd)eu. ^j^ ^^g beiberfeitigen ©efd)led)t§aufgaben nod) fd)ärfec 
§uiammen, fo gelangen mir ju folgenben ©at3en: 

1. ®er SDlann erzeugt ben ©amen, u)eld)er ta§ SOöad)fen be§ (^k§ bebingt; 

2. ®a» Sßeib ergeugt bie ©iselten, haä eigentli^e gortpftanäunggobjeft; 

3. '3)er 9Jlann ftöjjt ben ©amen au^; 

4. %a§ 23eib nimmt il)n auf; 

5. ®ie gefd)lec^tli^e 2Iufgabe be§ 9J?anne§ tft bamtt ootlenbct; 

6. ®ie gefd)led)tlid)e 3Iufgabe be§ SOBeibeä fe^t fid) fort unb gipfelt xn 
ber 2tu§tragung, 2lu^ftü|3ung (©eburt) unb ©rnäljrung ber aui^geveiften 
2cibe§frud)t; 

7. ®ie @efd)led)t6luft bient nur jur ©id)erung ber gortpflanjung unb ift 
burd) bie Sätigt'eit ber i^eimbrüfen bebingt. 




g-ig. 148. 



©efci)ted)t§Ieben. 229 



S)ie gefrf)le(i)tli^en 2Iufgaben bc» 2öeibe§ fmb atfo oiel bebeutenberc 
al§ jene be§ 9,")lanue5, iinb be§ 9Beibe§ Grfranfung f)at aurf) üiel ernftere ^yolgen 
tür bie 9lad)fommenjd)aft all jene bei SJIannel. 2)er Qmcd ber 0efd)(ed)tl* 
Organe ift benma^, 3eüen p probusteren, beren ^Bereinigung ben ©runb 
5U einem neuen 9Jlenfc^en legen, unb biefe S^lkn einanbcr ju^ufüfjren. %a 
ta?-' (Säugetier, raie ber 5Jlen[^, ein I)od)entroide(ter Drganilmul ift, fo ift 
aud) biefe 2Sereinigung ber Sleimjeden !ein fo einfad)er 93ürgang roie etroa 
bie 2Iu§brütung ber im SÖaffer ftd) befrud)tenben ^eimsellen ber §if(^e bur^ 
bie (Sonne. (51 finb bemnac^ für bie ^ßfleiici-ieugung, foioie für i{)re 3"= 
füijrung befonbere Organe oorljanben, unb el ift auf5erbem nod) ein 
beftimmter 3Sorgong nötig, raeldjer it)rer ^Bereinigung ooraulge^t unb ber 
l)eftige (Erregungen aullöft. (Sl ift ber 33egattunglaft, roeld)er im 3I(ter 
ber üieife unb bei fd)raeüenber ^ugenbt'raft für t)a§ raeibtic^e unb männliche 
^nbioibnum ben ©ipfelpunft ber Sebenifraft bebeutet, "^^al^er ouc^ bie 
t)öd)ften Opfer an Hraft unb Scbcn bei ä)ccnfd) unb 3:ier, rccnn ber Siebel» 
trieb üorljerrfct)t. 

Der Begattun^sakt für flßanti und CdeiK 

%üx ben SJJann bebeutet er bie 3Iulfto^ung bei reifen ©amenl, ber 
t!)n §ur Betätigung ber oon ber 9ktur in i^n gelegten 5?räfte treibt; für 
bal ^eib bie Stufnatjme t>z§ Samenl, ni^t anä) bie Slulftofjung einel 
®iel. 2öie roir bereiti raiffen, Ii3ft fid) ^tma oieriüöd)ent(ici) ein fo(d)el com 
(SierftocE ah unb roanbert nad) ber (Sebärmutter, oljue bem 2Beibe berou^t 
§u roerben. 61 ift nur befannt, bafs bie gefd)[ed)tli(i)e Grregfamfeit ber g^rau 
nad) ber 9JJenftruation fteti am lebljaftcften ift, mal barauf Ijinbeutet, ba§ 
bie Statur p biefer ^eit eine ^Bereinigung mit bem 9)]anne ju unterftüljen 
fdjeint, inbem raal)rfd)einlid) etn (5i auf ber Söanberung begriffen ift, 'i)a§ 
ben Sameu^eüen entgegeut'ommt. 335(fer, roeldje auf grofjc 9]ad)t'ommeni"d}aft 
hielten, übten @efd]led)tlDerfeI)r mit 93orIiebe gu biefen ^^iten a\i§, raeil et 
e^er gum ^iele füfjrte. S3eim 9Jcanne bagegen ift bie 5(nfamnilung bei 
Samenl nid)t an beftimmte Qeiicn gebunben, fonbern oon feiner l^ebenl^ 
roeife unb feiner @efunbt)eit obljängig; leibet er nid)t an frant'l)aften 3"=* 
flänben, fo ift bie 5(ulftof5ung bec^felben im rcad)en ^uftanb ganj feinem 
SBiUen unterroorfen. 2öir feljen l)icr alfo einen elementaren nntcrfdiicb bei 
ben @efc^Ied)tern. Sebt ein t'räftiger yjfann feufct) unb ,^urüdl)altciib, fo 
forgt bie 9ktur für geitroeife 5lbgänge t)e§ ©amenl im (Sd)Iafe, bie bem 
gefunben 9}lanne (5r(eid)teruug bringen, mcil fic il)n oon einem Übcrflufi 
befreien. ®er gurüdbleibenbe Überfdjuji mirb aufgefogen unb jugunften 
bei Organilmul oerroenbet. 93ei geringerer 33etätigung ber männlid)en 
Organe ge^t übrigenl au(^ bie (grjeugung ber ©amenmenge jurücf, b. Ij. el 



230 ©e[d)Ied)t§ leben. 



lüirö bei rut)iger Seben^raeife raeniger ©amen probit^tert. SOMuner mit jel]r 
Ieb{)a[ten ©efü^len iiub großer fej:ue({er Seiftungsfäijigfeit, bie fic^ t[)rer 
5Dlanne§fraft gerne rü()men, finb me^r ober minber überreizte, neroöfe ^t^bi« 
ribuen, bie fpäter oft an fcf)iüeren 5^ran{1)eiten be§ 9lücfennmrf» nnb ©e!]irno 
gngrunbe gelten. Stürben bie[e ftrengere ©elbft^udjt ühQU, alk§ oermeiben, 
ma§ bie @efd)Ied)t§nerDen erregt, babet täglich förperlict) arbeiten, [o roürbe 
ftd) ond) bei i^nen ber f)e[tige @e[c^Ied)t§trieb oerminbern unb fie roürben 
eine oorljer nngefannte Oiulje erringen, ^asfelbe gilt für gu Ieid)t errege 
bare ^-ranen. 

SSie ber gefnnbe 9)lann gu jeber 3eit befäl)igt ifl, ben ©e[cl)red)t§aft 
an§5nüben, roenn fein ^siüe iljn leitet ober Ieibenfcl)aftli(i)e ©rregnng, fo i[t 
and) bie g^rau jeberseit imftanbe, ©amen aufjunet^men. ^eiberfeitige (Sr* 
fd)öpfnng ober 5^ront[)eit füljren natürlid) p Slu^na^meänftänben. ®er Unter» 
fd)ieb 5raifd)en beiben beftef)t jebocJ) beim 33egattnng§aft barin, ba^ beim 
2)lanne ftet^ ©amenjeüen an^geftofsen raerben, beim 2ßeibe aber nid)t immer 
eine (Si^elle bereit ift. Um biefe Ungleic^Ijeit auSjngleicljen, Ijat bie 3^atnr 
ber ©amen^elle eine Seben§baner oon oft oier^eljn 2;agen gegeben, bie e§ 
berairft, baj3 fie fid), unterfingt bnr^ bie 3Sorgänge an ber ©d)(eim'^aut be§ 
«leiblichen ©enitalfdy(and)e§, (angfam bi§ in bie @ebärmutter^öt]le f)inauf 
bewegt nnb fid) bort lebenb erf)ä(t, bt§ fie entroeber auf eine ©isetlc trifft 
ober fid) enblid) aufloft. SJlitnnter fried)t fie fogar bi§ in bie ^uben unb 
weiter, unb e§ entfteljen bann bie gefä^rlid)en 33aud)fd)roangerfd)aften. 
((Sie^e biefe im II. Sieile.) 'än6) übertrifft fie an ^al)l bie ©jede bebeutenb. 

®ie ^-rau gibt beim 33egattung§aft alfo nid)t§ ah al§ etioaS ©d)(eim 
au§ ben ©enitalbrüfen, nimmt aber auf; i£)re ©rregung, il)r 58egef)ren, 
ta^ SSerl)alten be§ Uterus ufra., finb nur auf bie 2lufnat)me gerid)tet. 
%k§ mad)t ben 33egattung§aft §u einem mefentlid) anberen ül§ beim 
Spanne. 2It§ praftifd)e 2el)re geljt baraul fjeroor, baf5 ber 33egattiing§aft 
für bie i^rau jraar weniger anflrengenb ift al§ für ben 93?ann, ba fie raeniger 
9^erDen= unb SiJlusfelfraft babei oerbrauc^t raie er, ba^ er aber bennod) and) 
bei i^r oerbrandjenb wirft unb bie ©enitalorgane anftrengt; ferner, ba^ eine 
^efrud)tung bei günftiger Sage ber ©ebtävmutter unb lebenst'räftigem ©amen 
fogar o!^ne il)re SRittätigfeit mögtid) ift unb bei gleid)gü(tigen ?^rauen, bie 
nur wiberwitlig bie Umarmungen be§ ©atten erbulben, aucl) tatfäd)Iid) red)t 
oft ftattfinbet. ®arau§ ergibt fid), bafs fränfeinbe ^-rauen mit bem ©efd)(ec^t5:= 
oerfet)r fef)r oorfid)tig fein muffen, franfe aber il)n gänjüd) meiben foüen; 
ferner, bafs (Sljetente, welche eine 33erine()rnng i()rer ^amilie ju fürd)ten Ur- 
fac^e [jahzn, äujserfte ^DläBtgfeit üb^n unb bei großer 3^rnc{)tbarfeit ber %i\\\i 
felbft bc.nn nod) ©d)u^mittel gebraud)en muffen. 

■^^ie wenigften 9)lenfd)en finb fid) ftar über ba§ SSerljatten, ba§ fie in 
ber (Sf)e einfd)(agen foUen. Sföann fd)abet ber gefd)Ied)t(id)e 3Serfef)r? Unb 
lüie oft bürfen fie!) gefnnbe (Batkii oereinigen? 



©efd)Ierf)t§Ieben. 231 



5rat)äcl}(ic^ finb 5nl)((üfe neroöfe Übel iinb Iangjä[)rige Sdjiüärfjcjuftänte, 
ferner Gutjüntunc^en ber 33erfenorgane bei ber ^-rau nur §u I)äufig auf bie 
ma^füfe ^efriebigung be» erregten G)eicl](ed)t5triebc§ im erften ^a\)X2 nad) 
ber 93ere{)elidjung 5urücf5ufüf)ren. 25}ären bie 9}länucr nicf)t fo jügeUos uub 
bie ?3]nbcl}en fenntnisreidjer, Ijätten beibe uiel)r naturiuiffeni'd)a[t(id)e» 'iC-ifjen 
unb einen ffeinen Q3egriff von ber ßntftel)ung ber Hranffjeiten unb ber 
praftifdjen §ei(funbe, wie fte jeber gut erjogene ^Dlcnfc^ unferer aufgeflärten 
3eit Ijahm foUte, fo raürbe oiele» Dermieben roerben, unb niand)e§ rätfel[)afte 
Seiben, ba§ im ©ejuellen rourselt. Bunte gar nid)t entfteljen. 

Sföir regen bie[e§ ernfte 5^apitet befonber» ben jungen grauen unb 
hen reifen 9)iäbd)cn, it)c[d)e ber GI)e erft entgegengel}en, an» -öer^, 
roeit e§ noct) in i^ren Rauben liegt, fid) unb iljren ©atten ju fd)iil3en 
unb fünitigem Glenb oorjubeugen. %iix ben 9}]ann ift bie finbiji^e ))}a6:}' 
giebigfeit ber ^rau unb i()re f)cute meift noc^ fraffe llnroiffenljeit auf beut 
fejuetlen Gebiete bie grüf3te @e[al}r; je jünger unb unerfa(jrener er felbft 
ift, befto Ieid)ter roirb er an ber (Seite ber unioiffenben ^rau jur Qi\.a,<iU 
fofigfeit oertcitet. Sie mujä alfo unter aücn Urnfttäuben bie 3üge( in ber 
^anb be{)a(ten; benn bie Seligfeit be» uugeftörten 33e[it3e» nerleitet auc^ 
ben djarafterftarfen '^Jtann sumeiten gu einer beiben teilen fd)äb(idjcn 
Unmäj^igfeit. 

33iel(ei'd)t roenben I)ier einige Sefer ein: bie Stufftärung ber ^^täbdjen 
laffc fid) nidjt mit iljrem natüvlidjen ^ci^'^gcfü^)^ i^'^'b "^er (Sd)eu por allen 
füld)en fingen oereinigen; rcirflid) feufdje 9Jläbd)en roeigern fid), (Sd)riften 
3u lefen, bie iljre ©efütjle oerlctjcn. (2id)er ift eä oft fo; leiber aber ift 
e^ öfter nod) ganj anbe^5; fie l)aben oon allerlei Sd)mul3 geljört; iljre Ijeim^» 
lid) erregte ^l)antafie fpiegelt il)nen oon ber G:l)e bie unglaublic^ften ^inge 
cor; fie f)aben rool)l aud) fd)lüpfrige üionuine gelefcn unb fel)r freie ©e=' 
fpräd)e mit „fingen" g-reunbinnen geljabt, aber beibe l)aben niemal:^ fad)lid) 
unb roiffenfd)aftli^ über eine ber roidjtigftcn menfd)lid)en Slugelegenljeiten 
benfen gelernt, raie eä ber gebilbete 9}]ann oermag unb roie e6 ber ^))}ann 
aB Jüngling fd)on lernt. Unb barum ift bie gröjjcre .^älfte ber in bie 
(Sl)e tretenben grauenmelt ben el)clid)cn unb mütterlid)en 3(ufgaben nid)t 
geroad)fen. @rft, nac^bem fie fd)mer5lid}e^ fie^rgetb bejaljlt ^aben unb ha^$ 
erfte 5linb unter 5a^lreid)en SJlifägriffen ber unerfatjrenen 9Jlnttcr gelitten l)at, 
luerben fie flüger. 

2Bie oiele junge grauen f)aben un§ über biefe ß^ftänbe bitter geflagt unb 
t)aben fdjuierjlic^ au§gerufcn : „Sarum finb mir nid)t früher aufgeflärt morbcn ? !" 

^Boljlan, ^ier in biefcm ^ud)e mirb il}ncn bie nötige Ölufflävung. 
9J^öd)ten fie biefe a\i<i} ooU müvbigen unb beljerjigen! 

2öaljrl)aft feufd)e§ (Smpfinben ift geroif3 ber fd)önfte Sd)mucf einer 
^xaw, aber e§ beftel]t nic^t nur neben finblid)er Unmiffenbcit, neben ^l^iangel 
an l'ogif unb Gruft, fonbcrn ai\<i} neben gereiftem Simulien unb teufen. 



232 ®e[(J)Ied)t§Ieben. 



neben flaren JTcnntniffen über 25elt nnb 9}ten[d)en. Unreine Seftüre 
füllen 9)]äbc!)en niemals pflegen; freie, fcljnnt^ige Sfxeben f ollen fie niemals 
führen, rool)! aber follen fie auf ©runb botanifd)er unb 5oo(ogifct)ci; 
^enntniffe ben 33organg ber DJhttterraerbnng genau fennen lernen, benor 
fie felbft ?Jiutter werben, ^ieg rcnrbe, unter ^inroeiS auf it)re guülnftigen 
;Oeben§aufgaben , oertiefenb unb bilbenb auf fie rairlen, ol)ne fie ber 
niäbcf)cnl)aften (Sd)eu gu entl'leiben, unb e§ rciirbe 't)a§ ©(üc£ ber d1a6)= 
fonnncn fidjern. 

%k beften (Scl)riften fönnen aber ber jungen ?^rau \)a§ nidjt geben, 
mag fie in fid) tragen nuif5, nämlid) roeiblidie Söürbe unb jene geroiffe 
innere .£)ol)eit, bie aii^ ba§ unroiffenbe 9}läbd)en fdjü^en. Dljue gu luiffen 
roarunt, leljut fie, einem inneren orange folgenb, ha§ Übermaß il)re§ ©atten 
ab; ja fie ma^t i!)n burc^ ben ©influ^ i^re§ 2öefen§ feinfül)lenb unb feuf^, 
mie er e§ t)orl)er t)ielleid)t nie gcmefen. Unb bie§ gum Segen ber ©Ije 
unb ber 5?inber! 

^n raeldjer 2öeife rcerben folc^e 9)läbd)en unb g^rauen unfcre S3e* 
le'^rungen aufnel)men, — nod) baju, menn eine gute ©d)ulbilbung iljuen jur 
©eite fte^t — ? ©ie werben, ma§ fie mit Dem (Sefiil)le noc^ nid)t ju t)er= 
ftel)en Dermögen, tt)enigften§ mit bem SSerftanbe aufneljmen unb ruijig unb 
fad)lic^ über ®inge gelegentlid) benfen lernen, bie nur unreine unb erregte 
9laturen mit SSorliebe al§ „f'i^lic^e" bejeidjnen. 

2;reten fie bann aber in bie @^e ein, bann roirb lebljaft in iljnen 
crroadjcn, ma§ fie gelefen, unb alle§, rca§ iljuen norljer lebloä unb bunfel 
erfd)ien, roirb ©cftalt geroiuneu. 

%k§ für bie -IRäbdjen! 

%k grauen mad)en mir noi^ auf einen befonberen ^un!t im Sicbe§' 
t)er!el)r aufmcrffam. 

«Soll berfelbe 5[Rann unb ^rau beglücl'en unb ber beiberfeitigen @e= 
fnnbtjeit förberlid) fein, fo finb baju unbebingt iforperlid)e Sd)önl)eit unb 
gefunbe ^unftionen notraenbig. ^ranüjafte (£rfd)einungen, rcie üble @erüd)c, 
eine f)ä^lid)e ^aut, neruöfe Sinterungen mäljrenb be§ Siebe§al'te§, 2lu§flüffe 
ber %xavi ober gar erworbene ?^el)ler, raie ber »eraltete ©ammri^ bei 
ber ^-rau, finb geeignet, SBiberraillen einzuflößen ober allmäljlid) erfältenb 
auf bie ©cfüljle be§ ©atten eingumirfen. ®er ^ammrifj l)at eine bebeutenbe 
(Srroeiterung be§ ©d)eibeeingang§ gur ?^olge , n)eld)e bie ©inflemmung 
be§ männlid)en ©licbe§ oerminbert unb baljer bie bem SJJanne gur 3lu§lüfung 
be§ 2Ifte§ nötige Sf^eiäroirfung abfdjwädjt. Sein ©cnufsgefüljl wirb geringer 
bei jeber ^Bereinigung, unb feljr oft ift el)elid)e Untreue bei etljifd) unent* 
raidelten 9Jlännern bie ?5^olge eine§ fleinen anatomifd)en ?vel)ler§, oon beffen 
(£influf3 bie arme grau oft feine 3ll]nung l)at. 2lber and) il)r ©efüljl ift 
bei gut erl)altenen (Genitalien ein ftärtercg, al§ bei ocrletjten. Zweifelt nun 
eine %xau an iljrer rid)tigen S3efd)affent)eit, bann laffe fie fid) ärätlid) untere 



(3e[cf)Ie(i)t5leben. 233 



fiid)en uiib bei nad)(-^ciüicfeuem alten '2;ammnf3 eine ^erineoplaftif mad)cn, 
b. i. bie Sicber!)er[teUung hQ§ ^ammey bnrcl) eine ungefäljrlidje Operation. 
(3iel)e „^ammoperation".) ^iefe befeitigt bie 2>er(el3ung als golge ber ©ebnrten 
unb luirb bie ^rau babnrd) bem ^O'Janne balb luieber bcgc[)rencMüerter luerben. 
^m übrigen treibe fie .r^antpftege unb ©r)mnaftif unb ftubiere unfer 
S^apitcl über (Srf)ön(]eitypf(ege. ©efunbtjeit uerleiljt (Scfjönljeit; gefdjmatfuüde 
illeibung, feine (Sei[te)3bi(bung nerebetn unb erf)öf)en i[)re Dieije! 

praktitche Regdn für die 6he. 

©a beim 53egattung§afte D^eruenfraft oerbrau^t unb innere Drgane 

<inge[lrengt roerben, aud) eleftrifdje 3Iu§(ö[ungen ftattfinben, jo bebeutet er 

für be'ibe ©ef(i){ed)ter eine Seiftung, bie für bie (Se|unbt)eit nid)t g(eid)gü(tig 

fein fann. '3)ie 2lu^erungen bei franf^aften G)e|d)(cd)t§Ieben§ befpred)cn 

rair im nad)foIgenben Sibfdjuitt; I)ier luoUen inir nur normale 2Sert)ättni[fe 

\n§ 5(uge fafjen unb unerfat)renen ©Ijeleuten eine (3)runblage geben. ®ie 

Seii^tfertigfeit, mit ber befonberl SOlänner baS G3ef(^(ed)t5(eben mitunter be* 

Ijanbeln, ift bur(^au§ ungered)tfertigt; nid)t nur ift ber @eid)(ed)t5üerfel}r für 

bie 3^rau con ben ernfteften folgen begleitet, für bie ber SJlann unter Uniftänben 

nod) mel)r 93erantiüortung trägt, all bie ?^rou felbft, fonbern fie finb beibe 

bem Dielleid)t nid)t gemünfd)ten Rinbe gegenüber oerantroortlid), tav „sufällig" inl 

;?eben gefet3t roirb, unb eublid) ift ber @eid)(ed)tyDerfel)r für beibe Ijinfic^tlic^ il)rer 

geiftigen Seiftung§fäl]igfeit, iljrer Sebenibauer, ber -Teilung d)rünifd)er 5?ranl'=' 

Ijeiten ufro. oon 33ebeutung. Unter fittlidjen unb gcfunben 5)^cujc^en mad)t fic^ 

ber @cfd)led)t6trieb erft bann geltenb, menn bie Siebe einfeljrt, b. \). — fo 

füllte el üielmel^r fein. Seiber ift beim männlid)en @efd)led)t bieg feltenet 

ber ^all. (Sine oerfcljrte (Sr^ieljung, bie barin gipfelt, t)a^ für ben 9Jlann 

anbere ©ittengefe^e gelten all für bie ?3Tau, Sllfoljol, geiftige Überarbeitung, 

fd)led)tel 93eifpiel ufiu. beroirfen, ba^ ber nod) nidjt au§geiüad)fene Jüngling 

fd)on, otjue bie raaljre Siebe §u fennen, gefd)lcd)t(id)en 2SerEel)r aulübt, unb 

baju in bem SBaljue, baf3 biel für feine (Sefunbljeit notrocnbig fei. ^ic 

5'olge baoon finb feine früljjeitige (Sd)iuäd)ung unb fpäter nünberiucrtige d}ady 

fommen in ber (5l)e, unjnljtige i^nfeftionen, burd) anfterfenbe ©cfd)tcd)tl= 

franfl)citen entftanben, Übcrfüllung ber ^inbclljäufcr, fcclifd) unb förpcrlid) 

jugrunbe gerid)tete 9}Jäbd)en, mcld)c fid) bem ftänbigcn ©emerbc ber Unjudjt 

lüibmeten, um gegen ©elbgeiüinn bie fogenannten „33ebürfniffe" ber 9}Mnncr' 

roelt äu befriebigen: ein traurigel 53ilb, oon bem fid) alle ernftcn (grauen 

nic^t abmenben bürfcn, meil bie 3Sergangenl)cit iljrcr 9.1cänner für fie nidjt 

gteid)gültig ift, nod) lueniger aber bie ^nfi^^ft il)vcr (Sül)ne. 3iiffi"i"icntnn 

müßten fie fid), um il)r eigcnel ©efd)led)t fo ju beeinfluffen, bajj fid) immer 

weniger roeiblidje ^^^crionen für biefel ©croerbe bereit finben, unb auf bie 



234 ©efcf)ted)t§Ieben. 



il]neu nat)efte^eut)en SJZänuer muffen fie fo eiuroirfen, ba§ fid) biefe eine3 
fitt(ict)en £eben§iüanbel§ befleifaigen uiib fid) eineä Sebeuä fcf)ämen lernen, 
rcie e§ je^t von ber SJietjr^af)! geführt loirb. Seiber ift erft ein geringer 
Seit ber grauen fo lüeit, um beraubt unb ausbauernb in biefer 9^icl)tung ju 
lüivt'en, aber er oergrö^ert fic^, banf ber raftlofen Sätigfeit ber ooran= 
fd)reiteuben ^yrauenraelt oon ^a\)x ju ^al}r 

Dbiüüljl fid^ tia§ männlid)e ©efc^ted)! mit SSorliebe ba§ „ftävferc" 
nennt, fo ift e§ auf fittlic^em ©ebiete bo^ 'Oa^ fd)iüäd]ere, tei(§ raeil bie 
9]atur in biefe§ ben ftär!eren @efd){ecl)t§trieb getegt I)at, ber e§ f)äufig feiner 
(5elbftbel}errfcf)ung beraubt, teit§ n3ei( bie grau in ber _9Jiutterfc^aft eine 
Stütje ^at, bie bem 93knne fel)lt. @r I)at niemals bie golgen feiner 
.^anblung p tragen, fie aber in aller SSoUftänbigt'eit, unb biefer Umftanb 
mad)t fie bebäd)tiger, gurücfljaltenber. SBenn el immer nad) ber grau ginge, 
würben unenblid) oiel rceniger S^inber jur 2Belt tonnuen. ®er 9^lann ift 
atfo t)a§ treibcnbe ^^ringip, bie grau forgt nur für M§ rii^tige Tla^. ©o 
ergänzen fie fid). 

^amit füll jebod) nid)t gefagt werben, baf3 bie grau nicl)t aucl) einen 
(5)efd)lecl)t5trieb bcjäfse. (Snergifdje unb fräftige meiblidje ^nbioibuen Ijaben 
il)n fogar meift in au§gefprod)ener 2ßeife unb leiben mitunter fd)roer unter 
ber @l)elofigfeit. (Sine oerleljrte ©itte leljrte bi§t)er, ba^ bie grau anberen 
ober ftc^ felbft bie§ nid)t eingeftef)en bürfe, öenn e§ gilt al§ Unmoral 
unb unfittlid); üiel Süge, ciel ^eimli^feit unb Unnatürlid)!eit ift baburd) 
aber in bie SBelt gekommen. 9^ad)bem bie 97atur beiben ©e!d)led)tern 
bie gleid)en Organe gegeben, ift e§ felbftuerftänblid), ba^ fie iljuen aud), 
entfprec^enb it)reu gefd)ted)tiid)eu 2Iufgaben, feljr al)nlid)e @efüt)le oerlieljen 
^aben mu^, fonft roäre ja bie ^efriebigung unb ber ©enu^ nur allein auf 
ber einen Seite, 93ergeiüaltigung, Seiben unb greublofigfeit ganj auf ber 
anbern Seite. Stein, fo oerteilt bie 9latur niemals! ©in liebenbeS 'JSeib 
erfeljut "J^zn yOlann feiner 9ßal)l gerabe fo ^eiJ3, mie umgelel)rt ber liebenbe 
SJJann ba» ertuäljlte Söeib. ^^ geiftig entmirfelter ba§ äöeib rairb, je mirt- 
fd)aftlid) unabljängiger, befto flarer unb entfd)iebener roerben aud) feine 
©efüljle. ©en Ijolben ^cni^^i^ cd)ter Sßeiblic^f'eit roerben eble grauen 
barum no^ nic^t einbüfien, rool)t aber ba§ finbifd)e, unfelbftänbige unb 
ängftlid)e 3Sefen. 

@§ fd)äine fid) alfo feine grau il)rer natürlid)en @eful)le, rool)l aber 
l)üte fie fid), iljre Selbftbel)errfd)ung ju oerliereu, il)re 2öürbe 5U opfern unb 
alle 3^ii"iictf)öltung aufzugeben. Sind) bie ^eif3efte Siebe fann biefen 23erluft 
nid)t lange ertragen unb leibet fd)lief3lic^ barunter, roäl^renb bie gärtlidje, ja 
felbft I)ei^e grau, bie il)re Selbftbel)err[d)ung niemals oerliert, eine geroiffe 
.^errfd)aft über iljren Tlann nie einbüf^en roirb. 

®er roeiblid)e Slrgt lernt leiber red)t traurige (S^eoerliältniffe fenuen, 
an meieren oft beibe ®t)egatten fc^ulbig finb. Oft fällt xi)m bie ©djamlofigfeit 



0ef d)led)t§lebeH. 935 



ber 3^raueu ins Sluge, ein gaftor, ber imftmibe ift, ben 2iebe5Derfef)r 511 
einem brutalen ju geftatten. Sind) ha§ (2d)amgefü()I ift etiüa§, bag nur ein 
feelifd) fjöderer S^ulturjuftanb erzeugt I)at; ^-rauen, bie e§ nid)t mef)r befitjen, 
fteljen nid)t ()i3[)er, fonbern tiefer all anbere; fie I)aben etiüa§ oerloren, 
raa» fie oom liiere roefent(irf) unterfd)eibet. ^er {)eutige 9JIann ift auf beut 
beften 2öege, in unb au|^er()a(b ber (S(}e bie 33egattung ju einem tierifc^cn 
2Ift t)erab5uiüürbigcn, 5U feiner 53efriebigung, ju feinem ©enuffe, ot)ne 
9iücffid)t auf bie \^xan; wmn fie biefen 9'iiebergang ixüä^t, \a burcf) tl)r 
Sföefen nod) unterftü^t, bann finft mit ber 3Irt ber ^kbe auct) M§ 'üin-- 
fef)en i()rer '^^erfon, unb fie erfeibet baburd) h^n größten 3d)aben. ^n 
Dielen Gfjen ift bie 9iücfficf)t5(ofigfeit be§ 9Jianne» jum größten 2;eil ein 
^^robuft ber Scf)ioäd)e, ber 3d)am= unb Söürbetofigfeit ber ^yrau. ^ux bei 
au5ßefprod)ener Siebe (äffen wir bie (5f)e über()aupt gelten, tx^nn (5f)e o^ne 
Siebe ift Unju^t, — jebe ^Bereinigung ber (Satten fei aber ein ftetne§ Siebe§= 
feft, bem (ebf)afte Sel)nfud)t oovauygefjt unb begdufenbe ßufriebenfjeit folgt, 
(ätma» 'banale», raie etma eine gute ?Jla()t5cit, bie man gerooljnt ift, barf 
bie 23ereinigung niemals raerben, benn bies ift ber langfame 2ob ber Siebe. 
3Iber lüie fetten finbet man folc^e oorneljme, ebte (2(}en! (5ntfet3(id) leere, 
unfeuid)e, gefül)l5= unb gtüd'^^avme ^-öerljältniffe finb bas gcroöljulic^e, ha5 man 
bei f)od) unb niebrig fiet)t unb — in Xeut]d)(anb Diel(eic{)t me^r a(§ anbersroo. 

Sa§ fü^rt alfo in erfter Siuie gu bauernbem ©lücf in ber G^e? Sie 
?0läf3igfeit beiber ©atten, in jroeiter Sinie bie Äeufc^Iieit unb ^-eftigfeit 
ber ?^-rau. 2(uc^ ein d)arafterfd}n)ac!)er 9Jtann mirb burd) biefc brei ^iftoren 
im 3'^^i"^^ getjatten unb iniib ein anftänbiger ©atte unb Später. 

äöir [)aben bamit alfo angebeutet, luie roeit e5 an ber ^-ran liegt, i^re 
(£f)e p einer gefunben unb fdjonen 5U gcftalten; nun nod) einiges über bie 
genaue Siegelung t^re§ el)elid)en Seben§. 

3roifd)en 14 unb 16 ^aljren tritt bie Sätigfeit ber 5leimbrüfen hei bor 
3^rau ein, ät)nlid) and) beim 9}]anne. 93lit bem beginne be» münatiid)cn 
blutigen 21bgange§ nimmt bie regelmäf5ige 31bftof3ung ber reifen Gijellen itjrcn 
SInfang; bamit tritt aud) bie aUmäl)lid)e Ummanblung be? ^tinbe» jur ^ung= 
frau ein, bie (Sntfte^ung oorljer nid)t gefanuter öefüljle unb t)a§ langfam 
luadjfenbe, fc^eue ^ntereffe für ba5 anbere G)efd)led)t. 5iörpcrlid) oollftänbig 
au^gemadjfen, alfo aud) mit ooüenbetem 5inü(^engerüft, taä am (ängften 
n)äc^ft, ift bie ^-vau etma mit Dollenbctcm 20. biy 21. ^jaljre. "3^ann erft füllte 
fie in unferen ß'^ii'-'ii ein bie (51)e beuten, '^ei nid)t f)erüorragenber förpev-- 
Iid)er ©ntraicflung finb 3SerI)eiratungcn mit 18 ober gar 17 ;3«liren nid^t 
angezeigt, raeil nur bie ^JIad)fommen eine^ reifen ^Dlenfdjcn noüfi-äftig fein 
fönnen. 2Iud) ein 33aum trägt erft bann (yrüd)te, menn er ein geiuiffc» 'JKta* 
erreidjt Ijat! '3)ie5 l)alte man ben 2;ü(^tern gegenüber im 3{uge. 

%n 5DRann roirb etma§ fpäter reif a(^ bie ^rau unb ift mit 23 bi5 
2-i ^aljren au§geroad)feu. 33i^3 baljin follte er feufd) leben, um feine gan5e 



236 ©e[d)Ie(^t3leben. 



Rxa\t in bie Gfje I)tneiu5ubrin9en lutb fie feinen 91nc!)fommen jngnte fonimen 
laffen 5n tonnen. Qn bicjem Sdter fte!)t er [larf nnter ber .^errfd;aft beS 
©efd^ledjtytriebeä unb macE)t, luenn if)m änjserlic^e nnb innerlicl)e (Stillen 
feljlen unb ©Ijejdjliefjung nid)t eintreten fann, uiele 'S^nmmljeiten im Seben. 
Seiber eri"d)iDeren bie (£riüerbc>r)erf)ältni[je bie frü(]e 93erel)elid)nng immer meljr, 
fo ba^ ein gro|3er ^eil ber SJiänner er[t mit 30 :3at)i'*'^" Ijeirat^fäfjig rairb. 
%k ?yoIge baoon ift, ba bie fittüctje (Srsiebung be§ männli:I)en @efcl)lcd)tä 
c[t un5ureict)enb ift, ba§ ei Qn^erel)etid)en ä)erfel)r fnd)t, unb ba^ bie ^^n'üfti* 
Intion aUe Streife burd)feuci)t. SSie foÜ bem abgcljolfen merben? 

%a§ ^rebigen: „"^u follft fenfd) leben!" Ijat beim jungen unb reifen 

^ann für biefeä S((ter auf bie ^auer feljr wenig ©rfotg; bcnn bie 5!eim- 

brüfen mad)en fid) energifd) geltenb, unb anljaltenbe Unterbrücfung bei ©e» 

fd)te(^t5triebe§ ift für beibe (5)efd)(erf)ter unnatürlid) unb bei gefelligem 

33erfe^r mitetnanber ober nocE) in anberer SBeife erregenben Seben5üerf)ä(t= 

niffen fci)äblicl) unb leiber nur gu oft bie Uvfadje oon I)eimlid)en 33ers 

irrungen. ©ine SSerminberung ber (Stubienseit ber 9Jlänner, 33ereinfad)ung 

bc» ^au§ljalte§ einerfeiti, ober — au§reid)enbe 9Jlitgtft für bo§ 93Mbd)en 

Gnbererfeiti mürben t^n 5?noten löfen; allein bie 5^arriere ber 9}Mnnec 

l]üt)erer Seruf^arten rcirb nid)t üon I)eute auf morgen geänbert. S)ie 2tn= 

fprüd)e an ben ^ausljott fteigern fid) leiber, ftatt fid) gu oerminbern, unb 

bie SRitgift ift nur gu oft gleid) DluII. Um alfo nid)t ein !^öt)ere§ ^i^te^^Hß 

barunter leiben ju laffen, gibt e§ nur einen anftänbigen Sln^meg an» 

biefen fic^ immer mefjr oerroiifelnben ^^M'^önben, unb bal ift bie (Sr* 

merb§fäl)ig!eit ber 5?'iäbd)en. D[)m 9\ürf'fid)t auf (Stanbe^oorurteile 

unb äu|3ere (Sd)roierig£eiten foüten SJuinner unb grauen oon 22 unb 25 ^a^ren 

Ijeiraten, rcenn fid) i^re ^erjen gefnnben I)abcn, aber nid)t in fopftofer 

SBeife, raie e§ t)eute oon Unbemittelten nur gu oft gefd)ie()t. ®ie d}ai)= 

fommenfd)aft§froge roerbe fd)on oon ben ^ranttenten befprod)en unb georbnet; 

für bie erften ^al}re fei I)öd)ften§ ein S^inb geftattct, roeit e§ nid)t§ 2:raus 

rigereS gibt otg eine anroad)fenbe 5linberfd)ar bei einer förperlid) oerfagenben 

?)lutter unb einem nict)t genügenb ermerbenbcn ^^ater. Unter foldjen Um» 

ftänben leibet bann nid)t nur ba» f)än5lid)e ©lücf, fonbern and) baö ciuf3cre 

Slnfe'^en. '3^ann merbe bie Ginrid)tung ber Sßoljuung, bie 5lleibung xuxü 

Grnät)rung, bie Ijeutjutagc fo unfinnig üiel ©elb i)erfd)(ingen, nad) üer^ 

nünftigen, nic^t allgemein üblid)en ^^srin^ipien geregelt, eine tleitie Seben^^» 

t)erfid)erung für beibe ©atteu einge!anft, bamit !eine§ ^ilfloS baftel)e, raenn 

ein Steil unermartet burd) ben Stob oon feiner (Seite geriffen mirb, unb 

fdjüe^tic^ lege bie ©attin it)r Grroorbenei ju bem be§ ©atten, unb fie 

leben in befdieibener, gurüctge^ogener SBeife, hi§ ber 3)^ann fein ^iel erreicht 

I)at. ^ei etroag ^Iugl)eit unb gutem SBiKen Iicf3e fid) fo manct)ei traurig 

auyeinanbergeriffene Siebe§üerl}ä(tni§, ober fo mand)e bebrüctcnbe „ficben* 

jät)rige 53vautäeit", an ber bie feelifdje unb leiblidje ©efnnbtjeit befouberS 



©efd)Ied)t§Ieben. 231 



be§ roeiblirf)en 2;ei(e§ f)alb in bie ^nid)e ge{)t, $u einem gliic!(id)en unb 
gefunbeu 2Sert)ä(tni§ umroanbeln. (Sine fleine 3(u§[teuer ober fonftige Untere 
ftü^nng liebeooüer nafjer Sserraanbten ift bod) faft immer bei georbneten 
^-amiüen^uftänben ha, e§ fel)(t meift nur an bem 2Ser[tänbni§ ber (elfteren. 
Sebenbige alte S^ledienmafi^inen, roie ein penftonierter, I)Qrtnäcfiger SSater, 
eine oon {'(einer 9^ente lebenbe englier.^ige 9Jiutter, eine fnirferige Grbtante 
unb anbere fommen in ^Tufregung, roei[ bie jungen Seute f)eiraten rooüen, beoor 
[ie „ma§ f)aben" ober beüor „er iüa§ ift". SBenn ha^ Sßaax aber Der= 
trauenerraecfenb i[t b. ^. djarafterood unb überlegenb, tücf)tig unb ftrebfam, 
roenn oor aüem fie roirt[d)aft(icf) erlogen unb erroerb§fäl)ig ift, bann „©(üd 
auf" sur ^eirat. Sa^t fie rut)ig i()ren Sß>eg mad)en! 2Iber Ijelft i(]nen in 
fcf)roierigen Sagen, roo it)r el oermöget; oerla^t fie nid)t, rcenn nid)t 
alle« nai^ 3Bunfd) get)t. (Sie raerben e§ euc^ lebenslänglid) banfen, unb \[}x 
rcerbet felbft eine Cuelle ber ^-reuben in if)rem ^eim finben. 

2(cf), oerftänben e§ bod) bie 9J]enfrf)en, fid) felbft unb anbere gtürflid) 
3U mad)en! ®l ift ja nid)t wa[)v, ba^ nur oiel ©elb unb eine gefid)erte 
einträgliche (Stellung adeS ©h'tcf fidjern. innige», geiftige§ 3iM'o»"i^cnleben, 
2lnfprud)5(ofigfeit, ef)renf)afte ©efinnung finb oiet nötiger gur 9Bat)rung be§ 
@IücEe§, roet^eS in einer fleinen, nett gel)attenen SCBoI)nung üon brei 3i»^i^ern 
unb ^üd)e fi3ftlid) blü£)en fann, roäf)renb ^§ in ber eleganten SKoI)nnng von 
fed)§ 3ii^"^t6^'"/ ^^ci Si^si "3^ienftboten ufro., nur ^u oft fet)(t. Db bie grau 
Seljrerin ober Sud)f)atterin, ^ofibeamte ober ^unftfticferin, 2lr§tin ober 5!TiaIerin 
ift, !od)en unb mit bem ©e(be ridjtig umgel)en mu^ fie oerfteljen, fonft 
get)t e§ in fnappen SSerIjältniffen fetjr ba(b f^ief. @§ ift bie§ bei guten 
Stntagen fo balb erlernt, menn rid)tige ^b^en leiten. ®ie Soilette ber 5^*au 
fann immer gen)ä()lt unb bod) feljr billig fein, rcenn biefe e§ t)erftel)t, fleine 
Umänberungen felbft p beforgen, unb m^nn fie mei^, rcaS erl) alten l)ei^t. 
®ie (Srnäljrung mit i^rem umftänblid)en 5lüd)enapparat fann bei ocgetarif(^er 
SebenSroeife fe^r nereiufadjt merben, unb fo mand)el ©elbftücf roirb in ber 
2;afd)e bleiben, menn man 2llfül)olabftinens übt unb für ^iga^'i-'cn nid)t ©elb 
f)inau§mirft. Unb maS oerliert man baburd)? beileibe nid)t^3 ©ute§ unb 
Sd)ünc5! 9hir ba§ jeben (5infid)tyü ollen bebrüd'enbe S3erauj3tfein, fic^ burd) 
unfinnige ©enüffe forperli^ äu fd)äbigen unb fein meift fauer cnuorbenc» 
(Selb gebanfeulü» §um ^^enfter I)inau§§uiüerfen. ®er ©eioinn liegt boc^ fid)er 
beutlic^ auf ber |)anb. 

Hub boc^ roollen il^n fo oiele nid)t fel)en! 9D]öd)ten biefe boc^ inenigftcn^ 
über gcraiffe traurige (Srfc^eiuungen in ber @efeüfd)aft ha^ rid)tige Urteil fid) 
bilbcn: über bie SOjälirige t)öl]cre 33camtentüc^tcr, bie ol)nc nenncn^mcrte» 
SSermögen unb ol)ne 33cruf5bilbung, aber mit großen 3{nfprüd)en unb füft= 
fpieligen ©erooljnljeiten in neumobifd)en S^oiletten immer uod^ auf ben SDIann 
wartet, ber it)r enblid) (Stellung unb S©ol)lftanb bringen foll, unb baucbcu 
ben 28jäl)rigcn, farg bcfolbcten Dr. juris, in bcffen Stbern ba§ '^lut tod)t. 



238 ©efd)Ied)t§Ieben. 



ber felbft mit ber ^i^^f^Ö^ feine§ 3Sater§ nicl)t au§3ufommen oermag, aber 
abenb§ <Bdt triuft uub tägtid) oft 20 Zigaretten üerpufft, ber [eine ^ugenbliebe 
im 24. ^ai}xe aufgeben mu^te, raeit „fie n!d)t§ t)atte uub er nid)t!g (]atte", 
itub nun mit einer „Sabenniantfeü" ein aniüfante§ 93erl)ä(tni§ unterl)ä(t 
nad)beni iljm tjorl^er eine luftige 93aüeteufe allju foftfpielig geworben roar. 
"^uö:} bie 33eamtentocl)ter f)at il)ren Sf^oman Ijinter fid); benn „er" lyar 
feiner^eit looljlbeftallter Seutnant unb „fie" t)atte feine Slaution. 2Bie oiel 
STränen i^m nac^geroeint würben unb roie (Sel)nfu(i)t unb ^itterfeit bie 
nad)foIgenben ^af)re oergifteten, raöijrenb i[}re ^ugenb na6) @enu^ unb 
£'eben§glüd' fc^rie, — ad), ba§ (jat nienuinb erjäfjlt. 9]un ift fie „abgeb(üt)t", 
mit einem fc^arfen ßug im ©efid)t, „neroöS", oft angeobet com Seben 
unb feinem S^reiben, barbenb unb balb nid)t mef)r f)offenb, roä^renb ber 
Dr. juris frif(i) unb leben^frot) geniefat, roo fici) @e(egent)eit bietet, ge= 
legentlict) nad) einer reicl)en ?^-rau au§Iugenb, bie if)m feine ^eimUd)en 
6cl)ulben 5aI)Ien foll, wobei er im übrigen „ben lieben ©ott einen guten 
ailann" fein tä^t. 

©ie fci)rumpft all Dpfer ber Sßoljlanftänbigfeit unb be§ SJIü^iggang?, 
mä^renb er gebeif)t, aber — auf 5loften feiner 9)loraI unb ber Däter= 
Iid)en 33örfe. 

©inb ha^ ni(J)t raaljre, graufame, Ijimmeltraurigc ^iiftä^^c?' ^^iii^ 
babei gibt e§ immer noc^ Seute, meldje bie fpäte 33eret)eli(^ung oerteibigen, 
\a bie (£t)eIofigfeit ber SDlänner unter Uniftänben für ba§ 9iid)tige ^inftellen! 

9]ein, wenn fonferüattoe ^^serfonen nid}t!§ oon einer 9^eform ber (S(}e 
I)ören wollen, weil fie allerlei Unflarel baoon befürctjten, fo muffen wir if)nen 
Ijier surufen: gerabe biefe unnatürlid)en, biefe entarteten 93erl]öttuiffe werben 
c§ gu einer S^eform ber (Sl)e bringen, bie, oieüeii^t nod) rabifaler al§ e§ 
bie tieutigen SReformer im 2(uge l)aben, all beut (Slenb ein ©übe madien 
wirb, ^ie grauen werben in ber ^ufunft wcber auf ber einen Seite bie 
„'J)arbenben" bleiben, weil ber 93lann fie oerlaffen, nod) auf ber anbern bie 
^ulgenütjten, weil ber 9J^ann iljrer begel)rte (fielje „Qugenbliebe" unb „Saben= 
mamfeü"). ©ie werben fiel) neue ©ittengefet3e fd)affen, bie it)nen felbft 
^•rei^eit unb 9f?ed)te, bem 9)]anne aber 93äubigung feiner (Senuf3fud)t unb 
anbererfeit§ Befreiung oon Ijinbernben SSorurteilen bringen. Unb bann wirb 
aud) bie Un§uc^t in ber @^e aufhören, bie überall bort getrieben wirb, wo 
bie grauen wiber iljren Sßillen $^inber gebären unb nid)t au§ Siebe, fonbern 
ber 33erforgung wegen fid) an einen 9Jcann binben laffen. SJIan wirb bann 
mit ©rauen oon einer 3^it fpred)en, in weld)er fo oiel l)eimlid)e» (Slenb, fo 
oiel Süge, fo oiel oerfd)obene, unnatürlid)e 3]erl)cältniffe l)errf(^ten. 53i§ wir 
aber fo weit fomnien, empfeljlen wir wenigftenl einzelnen jungen ^^^ärd)en 
5ur S^tettung il)re§ @lüc!e§ unb um ein gute§ ^eifpiel gu geben, wie man 5ur 
Grt)altung natürtid)erer £ebengoerl)ältniffe beiträgt, unfere 9iatfd)läge gu be= 
folgen: frül) ju l)eiraten unb, nad)bem allel woljl überlegt ift, auf 



©e[d)Ied}t§ leben. 239 



einfad)e§ unt) fparfameg Seben bebadjt ju fein, frei dou fd)ät)lid)eu 
©enüffen unb fef)(evf)aften @eroof)nIjetten. 

2ie (Al)e barf unbebiiigt nid)t bie 33ebeutiing betjatten, bie fie I)eute 
l)ai, Dor aücm nirf)t für bie J^-'Q^t/ für bie fie fojufagen faft aües bebeutet: 
Lebensaufgabe, 3Serforgung, 2eben§ftellung. ^(Ie§ gibt unb leiftet babci 
ber 93knn! 3)ie ^yrau empfängt nur in ber bemütigenbften ^^eife. 
S)lit bem 21ugenblic!, in bem bie ^-rau aber ein eigenes ©eiftesleben ):)at, 
einen eigenen Seruf, rairtfd)aft(ic^e (Belbftänbigfeit unb gefe^tic^e ©leid)= 
bered)tigung, I}ört biefe§ unbegrenzte Empfangen auf. 9Jkn roirb nii^t 
beftreiten, ba§ bie Stnfänge gu biefen Ü^eränberungen bereit^3 in beut= 
lii^fter ^orm oor uns liegen unb bap es 3at)[reid)e G()en gibt, in roeldjen 
bie §rau iinauffädig biefe Stellung einnimmt, bie loir Dort)in fennjei^neten, 
ßs fmb freie ^^erfönüd)feiten, bie auf ba§ et)end)e 93crl)ä(tnil ben beften 
(Sinfluß ausüben, ^e entroirf'elter i()re 5^'if)i9ft'iten finb, beftc beffer üer= 
fte()t e§ bie r^xan, bie (5[}e bei befd)ränfter i^inberjal)! mit ber Se= 
rufsausübung ju Bereinigen, unb bann leiftet fie, rca^ mir von ber fort^ 
gefd)rittenen ^-x.m oertangen muffen. (2ie ift feine roiUensIofe ©eburts^ 
mafc^ine me()r, fie roirb nid)t com ^^ortpftansungsgcfc^äft total oerbranrfjt 
unb ftumpft im (5[)ejüdj nid)t ah. Siebesefjcn ftnb bann um fo glücflic^cr, 
unb ber DJ'Jann ift bann !ein ^rbeitsiftaue mef)r, ber nie genug arbeiten fann, 
um bie 53ebürfniffe ber grof^en ^^milie ju berfen. Stimmen bie ©atten 
aber nid)t me^r überein, t)at fi^ bie Siebe oerloren, bann werben fie fein 
unroürbiges 3Serf)ä(tnio befte()en (äffen, benn bie Jrau fann oljne ben 33]ann 
aud) (eben; fie roerbeu ruljig ouseinanberge(}en, ober a(l „öefd)äfty= 
füf)rer ber Äinber", otjue ©(je, für biefe (eben, roenn reifereä 2((ter il)nen 
bie nijtige 9iu()e baju gegeben ()at. 

9]atürlid)ere nnt) fittenreinere 2Ser()ä(tniffe bem 9Jlanne ju bringen, 
fid) fe(bft oon (S(enb unb ^rucf gu befreien, bie§ a((eä (iegt in bec 
^anb ber ^-rau! 

^n be.^ug auf bie Siegelung bes e()c(id)en 33erfe()r» fei nod) angegeben, 
"ba^ bie SJ^äfäigfeit barin befieljt, bie ^Bereinigung fo fetten ats mogüci) ^u 
Doü^ietjen, nid)t me()r a(§ ein^ bis 5113 eimat im ^ll^onat. Gs bleibt 
baburd) oiet fi3rper(id)e 5!raft unb a((e ?vrifd}e ber Gmpfinbung erbatten. 
^er a(Imüd)ent(ic^e, fogar mieöertjoUe iu'rfc()r ift meift juuiet, für ben l^Iann 
foroot)(, lüie für bie ^rau, umfome^r, je anftrengenber oie((cid)t ba^ ^^erufä= 
(eben ber ©atten unb je meniger robuft ber ^^iJrperbau ber ^-rau ift. Taf? 
bie 9J]äf3ig('eit ber (Sttern aud) für bie Rraft ber 5iinber oon ^öcbeutung ift, 
bürfte a(5 aübefannt ()iiigefte((t roerben fönnen; trotjbem ridjten fid) fo luenige 
barnad)! Xa()er gibt e» fo oietc nerüenfd)iüad)e Stinber, bie nie ^u red)tcm 
Sebensgenufj fommen, meit i()re (Sttern pf(id)toergeffen i()re .Gräfte oevgcubeten! 
Unb bod) fi3nnte man fo oietem Seibe oorbeugen, loenn man fid) ber 'inn--- 
antrcortung oor ^ci\ Ungeborenen immer beraubt bliebe, ^n ber juieiten unb 



o^Q © e f d) I e d) t § I e b e n. 



britten Slbteüung iinfete§ 33ud)eg rceröen wir näl)er auf bie Slranfl)e{t ber 
grauen, in ber (£t)e eriuorben, unb 'iiaä (5ied)tuni ber Riuber, au§ ber 
(Sdjulb ber eitern tjerDorgeöangeu, eingel)en. ®er diät, bie el)e(id)e 25er= 
einigung nur ein» bi§ sraeimal im SDIonat eintreten gu laffen, ^at Söiberjprud) 
getuuben. ©anj merfiuürbige, feljr entrüftete 53riefe finb ber 33erfa[ferin 
baraut()in jugegangen. ©ä jei besljalb I)ier gur ^ßerfölinung biefer Elemente 
tiinjugefügt, baj3 bei gefunben etjeleuten im erften ^aljre ber @t)e, na^ 
2;rennungen ufro. aud) weniger ftrenge Siegeln aufgeftellt werben tonnen, 
bafs mir aber ein für alle geltenbe§ ^rinjip t)aben muffen. 9J]an bebenfe 
au(^, ba^ fietg äu üiel, feiten gu raenig auf biefem ©ebiete getan wirb, unb 
man beurteile nid)t aUz§ na^ perfönUd)en Sßerljältniffen. 

(Sef(f)tect)t§genu^ ift ferner fd^äblid) nad) fürperlid)er ©rmübung, roeit 
er bann leid)t gu einem ^uftanb ber ©rfdjöpfung füljrt, ebenfo bei ©rfranfungcn 
oerfd)iebener 2trt. SBenn ber Drgani§mu§ in Unorbnung geraten ift, wenn 
er rerlorene Strafte raieber erfe^en mu^, mit ber ©ntroidlung einer ^ran!f)eit 
gleid)fam im Kampfe liegt, bann barf man feine (Streitfräfte nidjt fd)n)äd)en unb 
rceitere 5!raftauggaben ni^t geftatten. ®at}er 3urücE^altung im e^elid)en Seben 
in füld)en fällen. 2Iu§ äl)nlid)en ©rünben ift gefd)led)tlid)er 93er!ef)r aud) 
rcäljreub ber 9:)]enftruation oerboteu; ber Uteru§ Ijat raäl)renb biefer ^eit einer, 
anberen gunftion ju bienen ; er ift ^u feiuietlen Erregungen unb gur ©amen» 
aufna!)me nid)t geneigt, ginben fie benuod) ftatt, fo fann eine ©rfranfung 
ber grau eintreten, bie fid) in ©djmer^en, großem Unbeljagen, ©ntäünbungS:» 
äuftäuben unb allgemeiner Üieijbarfeit äufiern. 

®ie ©itte be§ 3ufammenfd)lafen§ ber ©Ijeteute ift nid)t gang einroanbg- 
frei. (Sie ift graar fcl)r alt unb Ijatte frül)er eine ganj anbere 33ebeutung, 
befonberä im 9nittelalter ; aber fie läfit fid) mit unferen ieljigen ^uftänDen 
nid)t me'^r gut oereinigcn. ^ie !)eutigen ^enfd)en finb reijbarer, ba'^er 
unmäfsiger, fie finb nur p oft fdjroädjlid) unb tränf'lid); ba ift e§ roeber 
angebract)t, ba^ fie gegeufeitig il}re 2(u5bünftungen einatmen, nod) oiel raeniger, 
'ba^ fie fid) gegeufeitig bur^ ba§ intime 3»ia"""enleben erregen. Qwd 
©d)laf3immer nebeneinaubcr geftatten ü ertrau lidjeä 3«faw"ieniein, otjue alle 
©d)ranfen ämifd)en t)tn ©atten aufjuljeben; fteljen nid)t jmei Zimmer jur 
aSerfügung, fo ftelle man menigftenä bie Letten an oerfd)iebene SBänbe unb 
fütjre einen oerfd^iebbaren 33ettfd|irm ein, ber ba§ S3ett ber grau fd)ü^t. 
33alb werben bie ©atten merfen, ba^ burd) fold)e etnrid)tungen bie 2lrt 
il)reg 2Serfel)r§ feiner unb rücffid^t^üoller wirb. 

Sföie mand)e§ ungtüdlidie 5linb märe nid)t in!§ Seben gefegt morben,, 
menn feine 93hitter bie 3Jiad)t eine§ foldjen ^ctlfdjirmS gelaunt I)ätte.. 
10]öd)te unfere ^llnregung Shiljen bringen! 



ISO 



©efd)ted)t§leben. 241 



Das Verhalten bei der (DenTtruation. 

2öie f(i)ün auS unferen früheren 5(usfü{)rungen f)erDorging, ift bie monal= 
tid)e 53[utung ntrfjt a(§ ein ^iif^^n^ ^er 5lranff)eit aufjufaffen ; fie ftet)t in 
33erbinbung mit einem pI)i)[ioIogij(^en SSorgang unb i]t bat)er bei gefunben 
?3-rauen aud) mit feinerlei nennen§roerten 53ei"d)n)erben oerbunben. ®iei'e 
fönnen arbeiten, au5get)en, aud) baben, ot)ne fid) geftört gu fütjten, raie e§ ja 
tati"äd)lic^ bie Sanbarbeiterinnen unb ber größere 2ei( ber 3)ien[tmäbd)cn 
tun. Sei ber in unjerer 3eit 5unel)menben Sßeid)(id)feit, 2lngi't(id)feit unb 
^örperfd)raäd)e ift e§ notroenbig, §ur (£rf)a(tung ber Unbefangenl)eit red)t oft 
I)erooräu[jeben, bafs feine grau roä{)renb ber 9}leu[truation franf ^u fein 
braud)t. ®ie 9Jläb(^en erjie^e man in fold)er 2(rt, bap auf biefelbe möglidift 
raenig ^^ücffidjt genommen rcirb. Wan fläre fie in ernfter SSeife über bie 
Sebeutung ber @rfd)einung auf, Ief)re fie bie rid)tige 5lürperpflege, (äffe fie 
über nid)ty im unflaren, forge aber bafür, ba^ ber an fid) unangenehme 
^uftanb nid)t an bie Dberfläd)e fomme. (S§ gibt Familien, in roel^en ba^ 
gange ^aus raei^, mann bie ^ausfrau ober bie 2;o^ter „unroof)I" finb; 
fo auffällig ift il)r 23er{)a(ten, i^re übertriebene ^^flege ober auc^ bie offene 
Sef)anb(ung ber <Ba<i}i. äßeber ha^ eine noc^ t)a§ anbere ift notraenbig 
ober empfe!)[en»n}ert. 

2(nbererfeit§ bürfen au§gefprod)ene 5lranf^eit§3uftänbe nid)t unterbrücft 
ober, rcenn fie immer raieberfef)ren, unbeachtet bleiben, benn aud) baburd) 
entftef)en oiele 9kd)teile. 2Bir fpred)en augenbtictü^ nur oon gefunber 
äRenftruation. 

^iefe foÜ etraa alle oier Sßod)en, nid)t öfter a{§ elf=» bi§ brei5eljnmal 
im ^ai)Xi eintreten, o^ne (Bdjinerjen oerlaufen unb nie länger a(§ brei bi§ 
oier 5tage bauern. ®ie abgeljenbe S3Iutmeuge betrage etroa 200 h\§ 300 g 
S3(ut; biefeg fei gut gefärbt, b. i. nid)t gelbüd) unb nid)t fd)roär3tid), ent» 
t)alte aud) nid)t gro^e (Sd)(eimfe^en unb ficfere nur. ^a§ Sfiiefetn be^ 33lute» 
an ben SBeinen tjerunter bebeutet einen cerftärften 33Iut3uf(u^ jum Uteru§, 
ein Ginrei^en fleiner Stutgefäjse, ba§ bebenflid) werben fann unb bei ganj 
©efunben nid)t eintritt. 2Iud) oerftärfter Sd)Ieimabgang oor unb nad) ber 
^^eriobe ift nid)t notraenbig unb immer tranfl)aft, rccnn er unangenet)m 
empfunben roirb. £eid)te§ 3^6^)^^^ ^^^ ^en ©Hebern, oorübergefjcnber Streuj» 
fd)mer§, Unluft gu anftrengenben geiftigen 2Irbeitcn ift am erften unb gmeiten 
Sage bei üielen fonft gefunben grauen äu finben unb t)at ni(^t oiel ju bebeuten. 
G» ift angejeigt, an fotd)cn Sagen auf5ergeroöf)n(id)e 2Inftvcngungen ju 
oermeiben, bie gen)ü()n(id)LMi fieiftungen laffc man baoon aber nid)t beciiifhiffen. 

"2)ie 2Ingft oor „(Srt'äÜungen" rcä()renb ber 'spcriobe fpielt in ber grauen» 
roelt eine grope Sf^oIIe. ' 6ä ift fid)er, ba^ bie meiften grauen in biefen Sagen 

^te grau at§ ^auSärjttn. 16 



242 * ®e[d)Ie(^t§Ieben. 



etn)a§ empfinblid)er fmb; fonimt bann eine rcirflic^e (Srfältung ty^n (fie^e 
.^eitfunbe unter „(Srfältung"), ift ber Stoff ii)ed)fel oieüeid)t fein ail^n fräftiger, 
ober ift bie ^etreffenbe burd) gu raanne Slleibung oerroeid)Iid)t uub l)at fie 
feine burd) Suftbäber geftäl)lte ^aut, bann fann e§ allerbing§ gu einer afuten 
^ran!f)eit mit heftigen 6t}mptomen f'ommen. 

®ie ©rfa'^rung unb ber 9SoIf§gIaube finb nid[)t ot)ne weitere^ oon ber 
^anb p raeifen! f^rauen, beren ©oljlen niemals unbeüeibet ben (Srbboben 
berül^ren, beren §aut Ijäufig über^i^t ift, fönnen bei plö^lidjer 2{btuf)Iung 
iräf)renb ber ^^eriobe, bei naffen %ü^^n u. bgl., raäf)renb eine§ ©parier» 
gangeg, fid) rco^I „erfätten". iönfeftionSfranflieiten an§unef)men, bie un§ üon 
au^en anfliegen, o!)ne bo^ roir felbft SSeranlaffung baju gegeben, f)at raenig 
(Sinn; benn e§ ftimmt mit ber ©rfa^rung m6)t unb rairft anä) nid)t er,^ie!^» 
Ud). Se^ren roir aber, ben S^'örper fo §u er^ieljen unb ju ftä()(en, ba^ er 
rciberftanb§fä!)iger roirb, bann flimmern un§ aud) bie ^ranf{)eit§!eime mit 
ben oerfi^iebenen ^nfet'tion§!ranf{)eiten nid)t, roeil fie iljre 2}lad)t über un§ 
verloren ^ben. 

©ie^e sroei S3eifpiele: ^roet ?5^rauen, beibe mit 9Jlenftruation bef)aftet, 
machen einen Söatbfpajiergang, roerben oon einem ©eroitter überrafi^t unb 
tüd)tig na% ^ie eine, oerroeic^Iid)t unb ängftlic^, auc^ bei großer .^i^e 
mit Strümpfen unb I)oljen ©djuljen, foroie bem unentbel)rlid)en ^orfett 
angetan, fie§t fd)on alle 2:obe§franf^eiten üor fid), bie fie fic^ '^eute „f)oIen" 
mirb; bie anbere, abgeijörtet unb md)t ängftlic^, !^at nur ©anbalen ot)ne 
Strümpfe an, au§ roeldjen ba§ ^immel§roaffer nun unget)inbert rinnt; it)re 
lodere ^lufe burc^nä^te fofcrt ben Sftüden, roeil fein fi^ü^enber ^anjer 
barunter roar. Sie la^t aber unb ermahnt, nur tapfer au§5u[d)reiten, 
um fein g^röfteln bei ber §unef)menben Siläffe auffommen ^u taffen. ®§ 
gelingt it)r bie§ aud), unb fie fommt tro^ ber triefenben Kleiber roarm 
gu ^aufe an. S)ort frottiert fie troden ben ganjen S^örper, legt rafc^ 
trod'ene Slleiber an unb lä^t fid) il)r 9^a(^teffen in befter i^aune fd)meden. 
®er 33lutabgang roar groar in§ Stod'en geraten, teil§ burd) bie (Sr= 
f)i^ung beim rafd)en @el)en, leite burc^ ba§ falte S^Jegenbab, bal fie frei' 
roillig gerabe roät)rcnb biefer Stage nid)t genommen l)ätte; am näd)ften 
Morgen aber ftellt fid) bie SJlenftruation, na^bem fie nad)t§ infolge roarmer 
53ebedung etroa§ gefd)roi^t ^tte, roieber ein, unb tl)r 3Bül)lbefinben blieb 
ungeftört. 

%k ©enoffin fam 5Öt)ue!lappcrnb teil§ oor ^älte, teils cor Slufregung 
gu .^aufe an, legte fid) fürforglid) gu 33ett unb roar feft überjeugt, nad) fo grä^= 
lii^em (£rlebni§ franf roerben ju muffen. 

Unb roirflid). 2lm nöd)ften 9Jtorgen nad^ unrul)iger 9tad)t: fd)roerer 
$^opf, erregte Stimmung unb 5unc()meube§ ^^ieber. ®er 5lr5t roirb fd)leunigft 
gel)olt. — 2öe[c^e f^recEli^e „^nfeftionSfranftjeit" roirb bie ^ebauernSroertc 
rool)l erfaffen? 9Jian mu^ nur roiffen, roeld) fürd)terlic^e 5^ranlf)eit§feime 



®cf(^lc(^t§Ieben. 243 



gerabe im grünen SCßatb, reo wir feinen ©taub unb feine men]c^lid)en 

2öof)nungen fjaben, f)erumfpufen ! 2öe{)e ber Strmen 

SIber Spa^ beifeite, ©ine gonj gemeine 93lanbe(ent5Ünbung , bie ftd) 
bei ^erfonen von fd)Ied)ter ^auttätigfeit ober bei erl)i^enber ^oft (oiel g-Ieijd) 
unb täglid)er 2IIfo^oIgenu^) fel)r gerne einfteüt, mar am ^meiten Sage audj 
bei unferer ^elbin in fd)ön[ler Stute. ®cr 2lufrut)r im ^aufe legte fid) aber 
am brüten 2;age, ber „^err ^oftor" fam nid)t me()r sroeinml täglid), fonbern 
nur einmal, gab „füt)Ienbe Slrjnei", fonft nic^t oiel anbereä, unb — bie 
fo ftürmifd) begonnene ^atäentjünbung t)ei[te na^ wenigen Sagen fojufagen 
„Don alleine" au§. ®ie ^eriobe blieb ooUftänbig au§; benn e§ rourbe auc^ 
nirf)tg getan, um bie roäljrenb be§ a^iegenguffeg entftanbene Särmeftauung, 
bann bie ftarfe Erregung ber oern)ei(^(id)ten ^aut burd^ bie ungeroo^nte 
9]ä[fc roieber au§5ugleid)en. 

©eftorben alfo ift bie ^rau groar nid}t; aber red)t t)atte fie mit i^rer 
S3e^uptung, ba^ man fid) tü^tig „erfälten" fann, menn roätjrenb ber 
^eriobe unerroartete ^ufäüe einroirfen unb jroar — raie unfere ©efdjic^te 
te^rt — um fo mef)r, je fdjle^ter befd)affen unfere .^auttätigfeit ift unb je 
unreiner unfere ^örperfäfte finb. 2:ro^bem mar nur it)re Sebensraeife an 
fot^er Sßirfung be§ ©eraitterä fd)ulb, nic^t bie (£rf)i^ung unb 9^äffe 
an fid). 

©ie Pflege ber af{einlid)feit ro%enb be§ fogenannten „Unroof)lfein§" 
ift eine fel)r roi^tige ^adj^. ®ie 2ßafferfd)eu roätjrenb biefer 3:age ift leiber 
ganj allgemein verbreitet, ©ie ift root)( au§ bem inftinftioen ©efüt)( ^eroor^ 
gegangen, baf3 man bur^ äußere Speise ben 3Sorgang nid)t beeinfluffen ober 
ftören foU; fid)er mürben größere 2ßafferanroenbungen mätjrenb biefer Sage au^ 
unangenet)m empfunben. ^n unferer neroofen 2öelt ift le^tere^ auc^ gar ni^t 
gu befireiten. Säber roerben meift roäl)renb ber SJlenftrnation gar nid)t gnt oer» 
tragen, mad)en reizbar, oerftärfen bie Slutnng ober bringen fie jum Stiüftanb. 
;5mmerf)in gibt e§ aud) rufjige ober gut erlogene grauen, bie fd)abIo§ unb 
fogar mit 3SorIiebe au^ if)re falten 2tbroafd)ungen am SRorgen beibetjatten. 

SJJan fieljt barau§, ha'^ immer eine gemiffe 9^eroenfd)mäd)e bie le^te 
Urfad)e ber 3Öafferf^eu fein mu^. 2Bir muffen baf)er unfere SSerorbnungen 
aud) gan^ nad) bem jeroeiligen i^orper^uftanb einrid^ten, benn niemals gilt 
„eine§ für alle". 

2Ba§ aber alle ausführen fönnen, ©tarfe unb <3d)road)e, ©efunbe unb 
^ranfe, ba§ finb lauroarme äußere 'iK>afd)ungen ber @efd)led)t!^teile unb 
if)rer näc^ften Umgebung, um ba^3 3lnl)aftcn beä 53lnte§, t)a^$ fid) rafd) jerfeljt, 
famt allen unangenel)men 2lu^.fd)cibungen fort5ufd)affen. 

2lm beften gefd)el)en biefe 2lbroafd)ungen über bem Sibet, inbem man 
fi(^ mit mef)r ober minber gefpreigten Seinen barauf fetjt unb ba^S 'iBaffer 
mit ber |>ol)(l)anb ^inauf|d)leubert. ©ieljc ^iß- l-l'«^ unb 150, Sibct oljiie 
unb mit ©pritje. 

16* 



244 



®e[d)Ie(f)t§Ieben. 




O^ig. 149. »tbct. 



SBer fein foId)e§ l)at, !auere fic^ über ein SBofd)bec!en unb füf)re bie 
SBofd)ungen barüber in gleict)er 2öei|e an§. 

©ie raerben fel)r raoljltätig empfunben, laffen ein gen)iffe§ @efül)l ber 
^fd)e öurücf unb Derf)inbern bie ^Infanimhing be§ 9Jienftruation§geruc^e§. 93ei 
g^rauen mit franf'^aftem ©toffroe^fel unb mangell)after 9^einlid)feit riedjt man 
burd) ade Kleiber an ber 2trt ber ganzen 3Iu§bünflung 
ha§ 93orI}anbenfein ber 9Jlonat§bIutung. (Solche 
g^rauen follen ni^t märten, bi§ fie au§gefprod)en 
franf geroorben finb, fonbern follten fd)on i)ürl)er 
eine fäftereinigenbe, milbe £ur madjen, nm ben un= 
angeneljmen @eru(^ gu oerlieren. (Sie mürbe in 
(5d)mii3pacfungen , täglidjen .^albbäbern unb einer 
33erbefferung ber Slleibung befteljen, neben oormiegen» 
ber ^flangennaljrung. 

53ei gefunben unb reinlidjen grauen roirb man 
niemals burd) ben ©erud) erraten, in meld)em Qu' 
ftanbe fie fid) gerabe befinben. 
®iefe rcarmen 2öa[d)ungen fönnen alfo brei= bi§ oiermat täglid) oor» 
genommen raerben; anwerben! lege man lodere, roa]d)bare S3tnben an, mie 
fie ung ^-ig. 151 unb 152 jeigen, bie man nat^ ^ebürfnig täglid) aud) 
mel)rmal§ med)felt. Sediere finb au§ feftem ©emebe mit boppelter (Sd)id)t 
^ergeftellt, finb fe^r auffaugungsfäljig, brüden gar nid)t unb fitjen benno^ 

feft. 9}lan ftülpt §roei gegenüberliegenbe ©den 
ein unb geftaltet baburd) au§ bem 33ierect 
eine beliebig breite „^inbe". ®er „©ürtel" 
beftel)t nur au§ ©ummibanb unb liegt lofe 
über ben .i^üften. (SS ift baS (Sinfac^fte unb 
'3)auerl)aftefte, wa§ mir unter ä^nlic^en SIrtüeln 
finben fonnten. 

yjlan reinigt fie, inbem man fie in !altem 
SGBaffer einraeid)t, raoburc^ atleS ^lut ausgefogen 
mirb, bann mäjd)t unb fod)t man fie mit anberer 
Seibmäfd)e gleid)3eitig. (2ie oerpten ba§ ^^= 
fd)mu^en ber Seibmäfi^e, roaö geroifs ftetS erftrebt 
meroen follte. 

2Ber fid) in fold)er 2ßeife rein m\ö geruc^S» 
frei t)ätt, l)at eS auc^ raeniger nötig, t)a§ nac^ 
ber SJIenftruation üblid)e Söannenbab ju nel)men, benn er ift raeber innerlid) 
nod) äuj3erlid) unfauber. ©erartige umftänblid)e 9)la^nal)men erinnern 
immer mieber an bie bereits gerügte 33reitfpurigf'eit, mit roeld)er mir gerabe 
biefe intimen 2tngelegenl)eiten nid)t bel)anbeln follten. ©in roarmeS ^ai) 
iebe 2BocI)e ift geroi^ rec^t moljltätig; unerläßlich aber gerabe naJ) 




fyig. 150. 
Jötbct mit Sl^fopumpc. 



®efcf)Ied)t§Ieben. 



245 



ber 9}^en[truation ift e§ bei ri(i)tiger ^^flege nid)t. 5Ran beginne nac^ SIblauf 
bie)er 2:age lieber fogleid) mit ben gercoljnten füllen 2IbiDQ]"d)ungen. 

SIuc^ ber 2Öäfc^eroed)ieI racäf)renb 
ber 9}]euftruQtionstage gebort gur 9aein» 
lid)feit§frage. ®ie meiften ^i'Quen fd)euen 
fic^ oor bem öembenroed)[c[ gerabe fo 
fe^r raie oor Säbern, unb oiele f)aben 
enti"d)!ebcn unangenetjme Smpfinbungen 
ober fogar beutlid)e (Störungen, roenn fie 
e§ tro^bem einmal tun. 5^ein SIrjt follte 
e§ baljer oon einer ?^rau forbern, raenn 
fie begrünbete (5d)eu baoor l^at. ®5 ift 
bamit raie mit Dem Sßafjer: ein QauU 
reis, ber bei fenfiblen Sternen unangeneljm 
roirft, Dietleid)t aud) (Störungen ber elef» 
trijd)en «Strömungen u. bgl. [)eroorruft; 
eine ^-rau empfinbet if)n ftärfer al§ 
bie anbere. ^ur^ ba§ Strogen ber 
53inben, foraie bur^ f)äufige 5E>ai"d)ungen 
mirb ba§ ^emb nid)t rcefentlid) Der= 
unreinigt; raenn alfo bie glei^mä^ige 
Temperatur be§jelben raotjl tut, bet)atte 
man e§ ot)ne ©eroiffenäbiffe, bi§ ber 
3u[tanb abgelaufen ift. 

@ut wirb e§ aber immerljin fein, 
roenn fröftige 9Jläbct)en geroöt)nt raerben, 
forool)! 3Öäfd)e §u raedjfeln, a[§ aui) 
befonberg im Ijei^en (Sommer geiüoI)nte 
2(broafd)ungen ro äljrenb ber ^eriobc 
fortpfe^en. (Sie erreid)en baburd) eine 
geroiffe Unempfinblid)feit unb breffieren 
.^aut unb SIeroen. Sei neroöfen unb 
blutarmen ^-rauen fange man jebodE) mit 
biefen 9?eformen nid)t an, fotange fie 
fränflid) finb. 

Stau je n unb (Singen, rael^c 
beibe mit Slnftrengungen unb (5r{)i^ung 
oerbunben finb, oermeibe man lieber; 
e§ ift, al§ roürbe fol(^e anfpannenbe 
Xätigfeit ben (Säfteftrom nad) einer 
anberen 9vid)tung jieljen; benn oft bleibt ber 3tbgang barnad) au§. S5?arum 
aber eine natürli^e gunftion be§ ilörper^ rciffentlic^ ftören?! 5lränflid)e 




fjig. 151. ^criobciibinbc. 

3um 2Baj'd)cn aiiSgclneitct. VII 3""^ 
Giebraud) gefaltet mit 2;aiücubaiiö. 



246 



®e[c^Iedit§Ieben. 



9Jläbd)en unb grauen muffen fid) ftrenge baoor f)üten; gefunben unb fröfttgen 
fd)abet auc^ eine einmalige (Störung ni(i)t. 5D^an fann f5^eftlid)feiten unb 
2tuffül)rungen nic^t immer fo leid)! au§n)eid)en; e§ ift bann §u empfehlen, 
im Stangen roenigftenS fe!^r mä^ig gu bleiben unb auc^ im ©ingen nur ba§ 
nötigfte ju leiften. @§ ift befannt, ha'^ bie ©timme mand)er (Sängerin 
roä^renb biefer 3eit belegt flingt unb ba^ fid) manches t)orf)er gefunbe 
9Jläb^en im SSaüfaal burc^ heftige ®rt)i^ung, ma^IofeS 2:an3en unb Sllfo^ol» 
genu^ n)äl)renb ber SJIenftruation eine fd)n)erc (Srfranfung jugejogen f)at. 
®em fann man oorbeugen. 

;3ft bie ©rnäljrung im allgemeinen eine »ernünftige, fo braud)t roäljrenb 
biefer Stage barauf feine 9f{üc£ftd)t genommen werben. 23or ®ffig unb 
2lIfof)oI fann aber gemarnt werben; minbeftenS wirb ^§ feiner ^^-rau fd)aben. 




I ®ic au§gebreitete (groeifadje) 

^inbe mit Öffnungen an äioei 

©den. 



II S)a§ einftülpen 
ber beiben anbeten ©cEen. 

g^ig. 152. ^ctlobcttbinbc. 



III ®ie fertige S8inbe. 



wenn fie beibe meibet. S3ei franffjafter 9Jlenftruation aber (fiel)e ^eitfunbe 
„9Jlenftruation, franfljafte") fpielt bie '2)iät eine fel)r wichtige 9iolIe. 

(Seyuelle S^tulie ift au^ mef)rfa(^en ©rünben geboten; S^tegungen be§ 
®efd)(ed)t§triebey roä^renb ber SJlenftruation roerben nur bei reijbaren ^^erfonen 
fid) einftellen unb finb gu unterbrücfen. (Sie bürften fic^ bei jenen öftere ftnben, 
bereu @efd)tec^t§Ieben über^^aupt ein 5U rege§ ift. ®ann ift getrennte^ ©d)tafen 
ber ©atten unb SSermeibung be§ Sier= unb SOBeingenuffe§ bringenb anjuraten. 

Über (Sd)roangerf^aft unb ©ntbinbung fielje II. 2:cil: „%a§ Slinb". 



ISO 



GrxtxoiMunqs- und ?Xled)Tetjahr6* 

;3e fd)roäd)Iid)er ba§ raeiblid)e ©efd)(cc^t mirb, befto mel)r f)at e§ mit 
bcm (Sintritt unb bem 33erfiegen ber S[Renftruation ju fämpfen. S^räftige, 
gefunbe grauen fennen biefen ^ampf nic^t. Unmerflid), of)ne ©djmerjen 
ober befonbere 3iifiäi^^c ftellt fic^ ber 2lbgang bei ber ;3ungfrau ein, unb 



(Sefrf)Icd)t§Ieben. 047 



unmerfüd) foU er bei ber 9JJatrone oerftegen. SDa aber bei erfterer fo oiel 
ölutorniut unb S(ei(^fud)t, franf()a[te§ 2Bad)§tum, Sfropf)u(o)'e unb ererbte 
9krtienid)iüäd)e mitjpicleu, fo treten oft aiid) unangenef)me ©rfdjeinungen 
in biefer ^^it auf. Sanbaufentljalt, oeruünftig geregelte I)äugnd)e 3:äti9feit 
bringen am e^eften S3efferung unb fmb bem ©tabtteben unb anftrengenben 
(3d)u((eben raeitau^ üorjujieljen. SBenn beifpiel^roeife eine aufgefc^offene 
Sodjter oon fünf5el)n 3af)i-'en bie ^eriobe nur aü^ fed)§ bi^ ad)t 2öod)en ein^ 
mal i)at, babei über häufigen 5iopffc{)mers unb 2Ibgefd)Iagen^eit flagt, üielleid)t 
oft aud) rec^t matt au§fie^t unb menig 2Ippetit ^at, bann roarte man nid)t, 
bi^ fid) I)oci)grabige ÖIeid)fud)t bei i{)r entraicfett, fonbern entferne fie au§ 
bem gen)of)nten Seben§freiä unb (äffe fie einige SJIonate auf bem Sanbe brausen 
barfuß laufen, (Gartenarbeiten cerri^ten, ^püf)ner pflegen, ^eu ausbreiten, 
93eeren fud)en ufro. SBie fteüen fiii) ba mit ben roten Söangen Sebenä» 
freubigfeit unb 2(ppetit ein! Stritt mit ber allgemeinen 33efferung bie ^eriobe 
nid^t regelmäßig ein, bann mar fie für ben ^Iraftjuftanb be§ 9Jläbd)en§ über= 
l)aupt oerfrü^t. ^n feinem %a\iQ jielje man fte geroaltfam l)erbei! ©ie fommt 
Don felbft, raenn e§ an ber ^^it ift. 

@§ befielet ber ©laube, baß i^r pünftlidjeS ©intreten SBo^lfein bringe, 
rt)äl)renb fid) bie (Ba<i)t umgefe^rt t)erf)ält: ber fräftige, gefunbe 5?örpcr 
funftioniert aud) regelmäfsig; er erjeugt bat)er aud) eine pünftlid) eintretenbe 
SJIenftruation ; ber gefd)iDäc^te ober franfe Organismus aber ftoct't in feiner 
Stätigfeit; ein fünftlid)eS ^erbei5ie'l)en eineS SlbgangeS, ber nur ha^ ^robuft 
anbercr ^i^orgänge fein fann, bringt nid)t 2öol)lfein, fonbern 2tnftrengung 
unb baljer Ijäufig ©ntfräftung. 9}Ian fei in fold)en ?3-ä(len alfo ftetä auf 
21llgemein!räftigung bebad)t, nid)t aber auf ©rsraingung einer ^^^unftion, bie 
bod) üom ©anjen nid)t ab^ulöfen ift. 

©efunbe, gut auSfeljenbe 9}]äbd)en l)ah&n f)äufig gu geringe unb ju 
feltene 9J^enftruation, ol)ne fid) babei irgenbroie franf ^u füljlen. 9J?eift fterfen 
bei biefen neroöfe ©inflüffe bal)inter unb ift bann mit einiger ©id)erl)eit 
anjune^men, baß bie @l)e günftig auf fie einroirfen loirb. ^a, man f)at bei 
fold)en 9Jläbd)en beobad)tet, bafs fdjon bie 33vautäeit eine merfroürbige ^öe- 
förberung I)erbeifüf)rt, inbem burd) S^eroenreij bie 2:ätigfeit ber ©enital» 
Organe fid) Dermel)rt. 

3ft ba§ 2{u§fel)en eineS fold)en 9Jiäbd)en§ aber nid)t befriebigcnb ober 
ttagt e§ gar über 33efd)raerben, bann jögere man nid)t mit är5tlid)er 2lllge= 
meinunterfud)ung, raeil beginncnbe Sd)minbiud)t bal)inter ftcdfen fann. Sei 
ber (Sntroicflung fd)irerer Slranfl)eiten ift bay plüi3lid)e 33erficgcn ber 9JJonat§= 
blutung ein I)äufige§ (St)mptüm, ba§ man alfo moljl oon anberen unter* 
fd)eiben muß. SRan berate fid) baljcr beijeiten mit einem crfatjrencn ^Irjt 
unb oerlaffe fid) nid)t bloß auf ba§ eigene, ungeniigenbe Urteil. 

'2)ie 33el)anblung ber ju fiarfen SJienftruation finbet fid) in ber ^eil^- 
funbe unter „Äranf^afte SRenftruation". Seiber tritt fie bei f^iüäd)= 



248 ©efrf)red)t§reben. 



Iici)en, mageren 9Jläbc^en mit QSorliebe auf. 2tu(^ bie S3ef)anblung ber 
auSbleibenbcn SJienftruation bei 3^rfuIation§[törungen rairb bafelbft be= 
[proben. 

Unter bem „2ßed)je(" t)erftet)t man ben Übergang in§ DJiatronenatter, 
ben SSerluft ber ^ortpflanjunggfäljigfeit mit bem 35er[iegen ber monatlid)en 
Blutung, ©ie tritt unter normalen a3ert)ä(tniffen graif^en bem 46. unb 52. 
^aljx^ ein. Dbmol)! man annel)men p muffen glaubt, "^ci^ befrud)tung§fäf)ige 
Gier aud) nact) bem 93erfd)it)inben ber 3[Renftruation nod) au§gefd)ieben roerben, 
ober ba^ fie fd)on abgeljen, beoor Iet3tere eingetreten ift, weil man beobad)tet 
Ijat, ba^ foiüoljt günfäigerinnen o!)ne 9J^enftruation noct) f(i)roanger mürben 
alB au(^ junge 9]läbci)en, bie übert)aupt no^ gar nid)t menftruiert maren, fo ift 
ber gen)üt|nlid)e ^ufto"^ ^od) ber, ba^ bie gruc{)tbarfeit com 45. ^a^re an 
abnimmt unb ba^ bort, rao beifpiel^roeife raäf)renb ber ©äugung^periobe 
feine SJ^enftruation auftritt, aud) feine (Bd)roangerfd)aft fi^ einftellt. 

®ücl) biene allen fyrauen gur SBarnung, ba^ biefe ©id)erf)eit feine ab» 
folute ift, inbem fc^on redjt fjäufig junge g-rauen in anbere Umftänbe famen, 
nod) n)äl)renb fie ha§ le^tgeborene 5?inb fäugten unb beoor bie ^eriobe roiebet 
eingetreten mar. 

®a^ roäljrenb ber ©d^roangerf^aft unb ©äugeperiobe bie SJienftruation 
Dollftänbig ausbleibt, beutet barauf l)in, bafä bie DIatur bamit einerfeit§ eine 
©parfamfeit§einrid)tung gef^affen l)at, anbererfeitä aber haS ©^roergeroii^t 
nur auf bie ^auptaftion be§ betreffenben ;3nbioibuum§ legt, nämlid) auf bie 
(Srnä^rung be§ roac^fenben 9^ad)fommenl, unb ba^ fie eine anbere S;ätigfeit 
ber gortpflanpnggorgane §u biefer S^xt gar nid)t münf^t. Qebe '^mu follte 
bal)er raät)renb ©(i)roangerfcf)aft§' unb ©äugeperiobe feinen gef(^led)tlid)en 
a]ierfet)r Ijaben, um alle iljre 5^räfte nur bem einen .^auptsroerfe gu roibmen. 
ginbet er benno^ ftatt (raie meiften§, roeil bie 9Jlänner feiten fo lange 
Slbftineuä ertragen), fo übt biefer fid)er einen ^eij in biefem ©inne auf 
bie inneren Drgane au§. ©er unterbrocl)ene 2lbgang reifer Gier ftellt fidt) 
neuerbing§ roieber ein, unb neue ©d)raangerfd)aft erfolgt, beoor nod) ber 
Drgani§mu§ 3eit unb ^raft gefunben, auc^ bie 9Jienflruation abermals in 
@ang §u bringen. ®a^ bie§ aber eine ©d)äbigung ber g-rau unb unter 
Umftänben aui^ be§ 5linbe§ bebeutet, liegt eigentlid) beutlid) auf ber .^anb; 
tro^bem beugt man il)r fo feiten oor. ^ein äöunber, roenn Ijeutige grauen 
oon jeber @eburt fo fel)r angegriffen rcerben unb nad) oier ober fünf ^inbern 
t)erau§gabt fdjeinen! 

2(uffätlig ift aud) ber Hmftanb, ba^ günfsigerinnen, bie ben 2öed)fel 
gut überftanben l)oben, immer nod) @efd)led|t§trieb befi^en unb normale^ 
Gmpfinben beim 33egattung§aft. ©ie feljen matronenI)aft au§, la oft fd)on 
greifenl)aft; ba§ 3eid)en ber gortpflanäung§fät)igfeit, bie 9Jlonat§blutung, ift 
üerfiegt, unb benno^ beftel)t ein 23erlangen na^ Slufnaljme be§ ©amen§, bie 
t)0(^ groecftoS fd)eint. ^n oielen gälten beftel)t fid)cr eine geroiffe S^eroen^ 



©efdiled)t§leben. 249 



reisbarfeit feiteng ber %xau, ber bcffer feine ^^-olge geleiflet roirb, ba gc* 
fc^ted)tlid)e Erregungen in I)öt)erem 2{(ter beiben ©e[d)Ied)tern nic^t bienlid) 
finb, inbem fie 511 feljr Devbvaud)en. Sie mögen fid) genügen laffcn, if)r 
^•rül)Iing ift oorüber. 

2(nbererfeitg finb rcir beredjtigt un§ oorjnftellen, bo^ bie ^-rau mit 
50 3a^i"en nod) nid)t 9Jtatrone 51: fein brand)t, unb menn ber ^yiami in bieiem 
2I(ter §eugung5fäf)ig geblieben ift, bie grau e§ bod) auc^ fein fönnte ober 
foüte. 3f)i^e ?yrü[)rcife unb i^r früf)ere§ 3SerroeIfen finb ja nur ein ^robu!t 
t)er Grjieljung. SBenn fid) ja{)rtaujenbclang it)r ganjeS Seben unb Sein 
nur um i§re @cfd)(ed)t§auigaben breljte, roenn man im Süben faum crblüf)te 
iD^äbd)en mit äroölf ^at)ren fd)on oerljeiratet, um fie nur mög(id)ft fd)nell 
i{)rer ^Hauptaufgabe, bem @ebärgefd)äfte, äujufüljren, bann ift e§ freiUd) fein 
^unber, roenn fie mit 30 ^al)ren i()re 9^ei5e eingebüßt ^aben, unb, ba fie 
fein eigene» @eifte§leben befitjen, mit if)rem Scben bann fojufagen fertig finb. 
^n Ungarn fmb heiraten günfäctju* unb (2cd)5el)njäf)riger nid)t§ Seltene^, 
unb nur im 9^orben fel)en roir bie ?^rauen in einem reiferen Üllter in bie 
(S^e treten, '^k oorseitige 2]eref)elid)ung ift ba§ ©rab für i^ugenbüdjfeit 
unb (£d)önl)eit ber grau! 2Ber fic^ ai§ SJIatrone fd)ön unb fräftig ermatten 
roid, I)eirate erft nad) oollcnbeter 9?eife, atfo mit 23 ober 25 ^al)xm, unb 
forge bafür, ba^ nid)t gu oiel 5linber unb biefe nid)t gu rafc^ aufeinaubera 
folgen. 'S)a§ roäre bie erfte unb roid)tigfte 9f?egel für alle! Sann ftrebe fte 
nad) einem eigenen geiftigen Seben, ba ber ©eift aud) auf ben 5vörper surüdE:» 
roirft, unb nef)me fid) ein S3eifpiet an ber ^usenbüdjfeit uon ivünftlerinnen 
unb geiftig bebeutenben grauen. Q]t eine günf^igjäfjrige förperlid) elaftifd), 
jugenbli^ an S^örper unb Seele, bann ift fte natürlid) aud) jum Siebe^oerfeljr 
beredjtigt. @§ fann fogar gälte geben, roo er il)r §ur (Srl)altung it)re5 
inneren @leid)geroid)te§ notroenbig ift. ^OlafauoUe fe^'uelle 93efriebigung l)at 
fo roie auf ben DJIaun aud) auf bie gefunbe grau eine au^löfenbe^ bcrut)igcnbe 
^irfung. 

^ier ein abfd)recfenbe§ Seifpiel: ein flcine§, garte» graud)en mit cr^- 
mübeten 3ügen fam in bie är5tlid)e Spred)ftunbe. Sic roar faum 22 ^al)re 
alt unb ^atte bereite oier Geburten gu Der5cid)nen. Grfd)rod'en frugcn roir: 
„^a, um ©otteSroillen, in rocld)2m 2Iltcr f)aben Sie benn mit ben Geburten 
angefangen?" Sie läd)elte traurig: „3Id), id) I)abe mid) im ficb5et)ntcn ^aljre 
oerl)eiratet." — Sltfo fo äiemlid) alljäl)rlid) ein 5Tinb, unb nun ging e§ nid)t 
mel)r redjt rceiter; allerlei förperlid)e Störungen I)atten fiel) eingeftcüt, obrooljl 
fie el)ebem ein ge[uubeä 9D^äbd)en geroefen roar. Sie Untcriud)ung ergab 
neben ^Blutarmut unb S^ero enf d)roäd)e (Sr[d)laffung ber Saudjbecten unb ber 
Geburtsorgane, Senfung ber ©cbärmuttcr unb — abermalige Sc^roangerfc^aft 
Don etroa brei SJJonaten. %a§ günfte roar alfo glüd'lid) auf bem 'JBcge! 
3öir machten ttn (Srnft ber Sage bem äiemlid) Ieid)tfinnigen graud)en flar 
unb oerorbneten eine beftimmte SebenSroeife. ^m Stillen bebauerten roir bie 



250 C5cf(f)Ied) trieben. 



axmzn ^inber unb fragten un§: SBie rairb biefe grou mit 50 :3af)ren 
au§[ef)en? 

Sie roirb mit 40 i^a'^ren fd)on t)er[cl)rumpft unb {)ä^Iid) fein unb riet' 
Ieid)t fdjroere „2öed)felia!)re" burd)macf)en nfüffen, roenn fie biefe überl)aupt 
überlebt, ^e moI)(erliaItener, kräftiger unb gefünber eine grau ift, befto 
Ieid)ter roirb fte aud) biefe 3ßit überfteljcn. (Sntroeber oerminbert fic^ ber 
monatIid)e Slbgang oon 3Jlonat ju 9}lonat, ober er bleibt auc^ plö^tid) coli» 
flänbig au§, um unerroartet nad) einer 3Inftrengung ober ©emütäberoegung 
roieber aufzutreten. ®ie übermäßig ftarfen Blutungen, bie fid) fe^r t)äufig in 
biefer 3sit einftellen, ängfligen bie ^yrauen mit 9?ec^t. 

9^ici)t nur ^ahen fie eine allgemeine f(i)roäd)enbe 2öir!ung, fonbern fie 
fmb mitunter aud) bo§ 3^^^" ^"^^^^ fd)roeren inneren ©rlranfung, bie fic^ 
langfam unb unmerf'licf) entroicEelte. ®a bicfelbe leiber aud) bei oor^er an* 
fd)einenb gefunben g^rauen auftritt, foKte feine grau in ben 3ßed)feljal)ren 
fie leid)tfertig bel)anbeln unb fid) mit einem „'^a§ ift nun fd)on einmal fo!" 
berul)igen. ©tarfe imb anl)altenbe Blutungen finb immer etroa^ 5^ranft)afte§ 
unb mit irgenb einer inneren (Störung in 23erbinbung; fie muffen alfo nid)t 
fein. 2fuf!lärung barüber fann nur eine forgfättige innere Hnterfud)ung 
geben. Malier §ögere man bamit nid)t unb fud)e red)t5eitig einen grauenarjt 
auf. ßrft roenn man ein guoerläffigeS Urteil über ben ^uftanb ber inneren 
Drgane ^at, richte man feine Seben^roeife bamad) ein; benn e§ ift burd)au§ 
nic^t gleid)gültig, ob ber 2trät nur eine allgemeine Sdjroödje ober ein 2)^i)üni 
flnbet, ober gar eine J'rebSartige Sßud)erung ufro. 

33el'anntli^ entftel)en bie genannten ^ranf^eiten mit 95orliebe in ben 
2Bec^felial)ren, befonber^ roenn jat)relang oernad)läffigte (Stauungen, ©tul)l' 
oerftopfung, Stoffroed)felftörungen aller 2lrt beftanben I)aben. 'Siann fommt 
eä root)t auc^ üor, ba^ foldje grauen, roäl)renb bie ^^eriobe fommt unb gel)t 
unb ber innere Slampf nic^t enben §u roollen fd)eint, plö^üc^ einem anberen 
Seiben §um Dpfer fallen ober einem fogenannten ^erjfdjlag erliegen. (Sel)r 
I)äuftg lieft man üon 2;obe§fällen ®nbe ber oierjiger ober Slnfangä ber fünf- 
ziger ^aljre. 9^ic^t bie (Sefäl)rlid)feit be§ an \\6) natürlid)en unb baljer felbft* 
üerftänblid)en „3Bed)fel§" ift an fold)en traurigen (Srfd) einungen fd)ulb, fonbern 
bie 3Biberftanb§lofigfeit be§ Organismus, ber SJlangel an SebenSfraft ober 
bie ®urd)feuc^ung mit Selbftgiften, bie fic^ infolge oerfeljrter SebenSroeife 
langfam angefammelt tjoben. SBie üielen fold)en SobeSfäKen l)äitz man 
re^tseitig oorbeugen Hönnen! 3lber bie 5Rel)räal)l ber grauen lebt ia fo 
oerftänbniSloä für gefunbl)eitlid)e gragen, puft ad)tloS 5^ranff)cit§urfad)e 
auf Urfod)e, bi§ ber i^ürper eublid^ cerfagt. ©S mu^ fo tommen^ 
roie e§ ift! 

2JJügen alle jene, bie nod) nid)t in ben 2Bed)feljal)ren fielen, bie alfo 
noc^ nid)t§ oerloren Ijaben, fid) biefeS Kapitel gu ©emüte fül;ren; bcun nodj, 
liegt e§ in iljrer §anb, fommenben Übeln üor^ubeugen. 



©cf^Icditileben. 251 



i5:oIgenbe S'^egeln madje fid) jebe ^rau ju ©eboten: 

1. ^n ben oieräiger Safjren feine ©tuljlüerftopfung imb !ciue 
falten ?yü^e entftet)en laffen; 

2. beni 2Bad)i"en be§ gett"band)e§ foroie 5unef)menber ^ettleibigfcit 
entgegen^urairfen mit allen bem ©efamtäuftanb ent[precl)enben 2}^ittehi 
(fief)e .^eitfunbe „^ett6au(^"); 

3. ftet§ für au§reid)enbe Körperbewegung p forgen. 

^yrauen, rael(i)e ftetä flotte 23erbauung f)aben, am ganjen Körper g(ctd)» 
mä^ig raarm finb, bei guter Körperfülle bennod) nidjt fett finb ober hm 
üblid)en „bicfen ßeib" fiaben, fic^ babei reid)lid)e Seroegung mad)en, bie rcerben 
fernere Srfranfungen in ben 9Bed)feIiat)ren faum ju befürd)ten t)aben. S)er 
©tüffraed)fel bleibt gut, unb menn fie nod) bie geftigfeit l)ahtn, fobalb fid) 
Unregelmä^igfeiten ober gar überreid)er Slutabgang geigen, mit aIfoI)oIifd)en 
©etränfen unb Kaffee gänslid) aufjuräumen unh im offen überf)aupt mä^ig 
ju bleiben, fo merben aud) oiele f leine Übel, mie (Sd)ir)inbel, Kopf= unb 
Kreuäfdjmerj, @emüt§bru(f, llnluft ufro. fernbleiben. 

2:ägtid)e ^albbäber mit allmäl)lid)er Slbfütjlung üon 25" bi§ 26° C. 
ober, wer e§ geroo^nt ift, (Sd)roimmbäber im ?5luffe finb gerabe in biefer 
3eit broI)enber 2;rägl)eit infolge il)rer ftar! anregenben Sffiirfuug fcl)r am 
^la^e. 2Inbere§ fütjre man nur nad) ärjtlidjer SScrorbnung aii§, um 9)liB= 
griffen üorgubeugen. SßBir fennen nod) nic^t 'öqix ^ufammenljang aller ber 
genannten SSorgänge im mciblid)en Körper; mir l)aben oft nur SSermutungen, 
lüo un§ pofitiueg SBiffen feljlt; aber fo oiel raiffen mir, baJ3 ba§ frül)e Slltern 
ber grauen nid)t naturnotroenbig ift, unb ba§ fie mit 50 ^al)ren nod) nid)t 
greifenljaft gu fein braud)en. 

^m üorfteljenben l)aben mir gejeigt, ba^ e§ gröJ3erenteil§ in ber ,6anb 
bc§ einjelnen liegt, fid) nor (3d)äbigung gu bcroaljren unb baf5 aud) öer 
©d)roäd)li(^e unb Kränflid)e oiele» tun fann, um fid) gu erl)alten unb uor 
©rfranfung gu fd)ü^en. 

Ober Schwanöertchafts-Verhütutiö. 

Sd)roangerfd)aft Derl)ütet man am fid)crften, of)ne feine etl)ifd)en ©c» 
fül)le äu oerleljen, burd) oollftänbige Slbfünenj in ber ®f)e, b. t. 
inbem man jal)relang ben Qimd ber ®§e nid)t in ber förperlid)en SScr» 
einigung, fonbern in ber gemeinfd)aftlic^en Erfüllung jeuer '>pflid)ten gegen 
bie Kinber unb bie @efellfd)aft fuc^t, roeldje für alle (Sljepaare bcftel)en. (3cl)r 
gefunbe, fel)r rul)ige ober raillen^ftarfe, oor allem aber an ^aljreu ältere 
^aare l)ahzn un§ oft beioiefen, bafj bie§ möglid) ift. SBeniger roiUcny= unb 
neroenftarfe 9Jlenfd)en aber, bie r)ielleid)t nod) in jenen ^al^ren fid) befinben, 
in meld)en ber ©efcl)led)t5tricb befonberä tebijaft ift, l^abcn bie ßnt^alt» 



252 ©c[c^Ie^t§rebcn. 



fanifeit im ^ntereffe i^rer fc[)on geborenen ^inber ober it)rer eigenen fdjroac^en 
(Sefunbljeit wegen aurf) oerfuc^t unb — Ijoben bem 'äx^t bamit nur neue 2(uf= 
gaben gefleHt. %a§ oertraulii^e ^ujammenleben jugenblidjer SDIenf^en, bie 
fic^ lieben unb er[e!)nen, füfjrt, foferne fie beibe nic^t moralifd)e gelben finb — 
iüO§ ntcl)t ^äufig üorjufommen pflegt, rcie 9JJen[d)en!enner be!)aupten — , nur 
ju 3Serirrungen auf bem fejuellen ©ebiete, rceld)e f^roädjli^en 9Jlenfd)en ftct§ 
fcfiroeren ©^aben gufügen. (Sie bilben eine 3lrt be§ @efd)ted)t§üerfef)rg Iier=> 
au§, bie für ben 2tugenbli(i raoljl 33efriebigung bringt, aud) bie (SmpfängntS 
t)erl)ütet, anbererfeitS aber ben ber ©efunb^eit rao^ltätigen 2tu§taufd) groifc^en 
ben @efd)led)tern oerf)inbert unb eine unoerI)äItni§mä^ige, I)ot)e ^raftau§gabe 
beroirft. SSerftimmuug, ©ereijtlieit, ©rfdjöpfung ift bie näd)fte S^olge, neroöfe 
SSerbauung§Ieiben bei ben 9Jiäunern unb i^ranftjeiten ber n)eiblid)en Beeten* 
Organe hk roeitere. ©ie beften ®f)en rouvben unglüctlici); ^eitere, anmutige 
grauen gu unerträglid)en, cerbitterten unb unangenetjmen Seben§gefä^rtinnen; 
ber gemütlic^fle, braofte 9}lann ober manbelt fid) um gu einem gereiften 
;3nbit)ibuum, bem man §u ^aufe am liebften au§ bem SBege ge^t. SBelc^e 
tiefget)enben, raeld)e traurigen SSeränberungen! SCBenn man beben!t, ba§ 
leben§frifct)e unb gute 9Jlen]d)en fol^em (S(^i(ifoIe entgegengeljen, fo ergreift 
jeben SJienf^enfreunb ein SBe^egefü^I. Söie fann man t)ier Reifen? SBie 
oorbeugen unb ©efunbfjeit unb e!)elid)e§ ©lücO erl)alten? ®ie 2lntraort ift 
nid)t ganj einfad). SCßaä unter ben „SSerirrungen im el)elid)en 2Qhzn" ju 
üerftel)en fei, mag fid) jeber felbft Har mad)en, ber unfere oorflet)enben 
Kapitel aufmerffam gelefen l)at unb ber fid) ftreng felber prüft, ^ebc 3lrt 
beä 3Ser!eI)r§, bie oom natürlid)en Sßege, raeld)er bem S^vzd am beften bient, 
abweist, ift gefunbtjeitSroibrig unb xmfittlid). ®er rege @efd)Iec^t§trieb, ber 
S3efriebigung I)ei[d)t unb um fo gebietenber rairb, je me^r Sllf'o^ol genoffen, 
je me'^r geiftige 2trbeit geleiftet wirb, üerteitet gu ^-ormen be§ @efd)lec^t§» 
üer!e^r§, raeld)e beibe Se3eid)nungen oerbienen. 2öir rooUen l^ier nur eine 
gorm errcäljuen, meiere in ©eutfdjlmib fel)r oerbreitet ift, ba§ ift ber 
Congressus interruptus. ^ei bemfelben roirb ber ©rgu^ be§ <Samen:§ in 
bie meibtid)en Drgane buri^ Unterbred)ung beä 2(fte§ t)erf)inbert, ein SSer^- 
fal)ren, ba§ ben )Slam\ fe^r anftrengt unb ber ^rau bie für it)re (Sefunb^eit 
notroenbige ^efriebigung, ben natürlidjen 2lbfc^lu|3, cerfagt. Sei jeber ge:» 
fd)led)tlic^en ©rregung füllen fid) bie raeiblid)en @efd)Ied)tyorgane mit Slut, 
werben baf)er uoUer unb roärmer; fie fdjmellen rcieber ab na(^ erfolgtem 
ete!trifd)en 2Iu§taufd) unb naturgemtäfiem Slblauf ber ©rregung. bleibt 
Ic^terer au§, fo erfolgt bie 3Ibfd)roeüung oiel langfamer, unb bie nic^t auä» 
gelungene D^leroenerregung Ijat unangeneljme S^ebenroirfungen, mit ber Seit 
franfljafte Überftraljtung auf anbere 9^eroengebiete jur 3^oIge. ®ie ©ebör* 
mutter jebod), burd) l^äufigen Slutanbrang oerbidt, oerliert it)re normale 
©eftalt immer melir, fie mirb gro^ unb I)art; fd)mer5l)afte SJ^enftruationen^ 
ceiäbare ©emüt§ftimmung, ©rucE unb ©djuier^ im .Öeibe ftelleii fic^ ein. 



(^cfrf)Ieci)t§Ieben. 253 



fcljtie^lid) unregelmäßige Shitungen mit (£nt5Ünbung§5uftänben uub franfe§ 
2{u§i"ef)en. ^af)rc(ange5 Sicdjtum mit I)i)[terifd)en ^iif^änben fofieu roir bei 
foId)en grauen, bie a!)nung3(o§ ba» Opfer if)reä naturraibrigen e()c(id)en 
2eben§ gcraorbeu rcaren. 53ei neroö§ oeranlagten unb blutarmen ^nbiuibuen 
treten bie üblen ?yolgen notürlid) [d)neller unb I)e[liger auf al§ bei fräftigen, 
bereu S^eroentraft länger ftanbljält. 5lonnnt bann burd) „ßufall" infolge 
eine§ !(einen 25erfei)enl ober 9?a^(affen§ ber 9lng[t(ict)t"eit feitenä ber (£f)egatten 
ein nid)t gerooüteg ^inb guftanbe, ba§ mit 5?ummer unb Sränen begrüßt 
mirb, fo tüirb geroöfjulid) ein neroöfer, oft rec^t unglücf(id)er ?J^enfd) baraul. 

^ann mon angefid)tä fold)er 2;atfad)en fdjiucigen, bie ^^'aueniöclt un^ 
aufgeftärt laffen, bie 9J^änner ungeroarnt?! 

^f^ein, bie @efaf)r ift 5U groß, mir muffen auf 9J?itteI unb SSege 
fmnen, foId)em (Stenbe oorjubeugen. SBie gefagt, ift bie Slbfünenj, b. i. bie 
@ntf)altfam!eit, ba§ fidjerfte 9)iittet, unb roenn bei erregbaren ©atten ni&ji 
©elbftbefriebigung eintritt, auct).ba§ unfd)äblid)fte; aber roie fc^on erroäl}nt, 
ift e§ t)äufig unmögtid) für junge SJIenfdjen uub aud) bei ben ftärfften mit 
großen feelifd)en Cualen oerbunbcu. SBo bleibt bann ba^ ©lücf einer au§ 
Siebe gefd)Ioffenen (S^e, rco bleibt ber ©eelenfrieben, ber ^ut 33eraä(tigung 
anbcrer 2(ufgaben be§ Seben§ fo unentbefjrlic^ ift?! Uub rco bleibt fdjüeß» 
lid) bie (2id)erung ber fdjon geborenen Slinber, für bie fid) pf(id)ttreue (SItern 
alle (£utbet)rungen auferlegen, um il)nen eine beffere för5ief)ung unb einige 
(Selbmittel auf ben Seben§roeg mitgeben gu !önnen, menn eine fd)roac^e 
©tunbe nac^ üieüeidjt langer, tapfer ertragener (Sntbef]rung bennod) ju ber 
fo fet)r gefürd)teten 3Sermel)rung ber ^^auiiüe fü()rt — ?! ^n anberen ^^ädcn 
rüieber ift eä bie ^ränflic^feit ber ^^rau, roetdje burd) eine abermalige ©eburt 
DieIIetd)t !örperlid) fd)roer gefd)äbigt, ja an ben Sf^anb be» ©rabe§ gebrad)t 
raürbe, unb bal)er bie größte ^i^^'ii'^^JQfliii^Ö ^"^ cl)e(ic^en Seben gebicterifd) 
forbert. ^\t ber SRann fräftig unb Iebt)aft, fo erträgt er neben ber geliebten 
grau fi^merjlii^e dualen, bie il)n entmeber unglüdlid) ntad)cn ober ju einer 
geroiffen gorm ber Cnanie cerleiten, — ober fdjließlid) in bie Slrme anbercr 
grauen treiben, rao er 33efriebigung unb ©efunbljcit finbet. Unb bann ift 
ba§ et)elid)e ©lücE, ba§ anfangt oielleic^t fo fidler fd)ien, für alle ^^'l^^i 
jertrümmert. 2)ie arme grau aber l)at neben il)ren f'ürperlid)en Seiben aud) 
noc^ bie feelifd)e Qual, it)rer (Stellung alö ©attin nid)t genügen 5U fönnen 
unb il)r I)üd)ftel ©üt, bie Streue iljreä Spanne», eingebüßt ju Ijabcn. (Sollen 
n3ir angefid)t§ fold)er 93erl)ältniffe nid)t nad) einem 2Iuäroeg au5fd)anen, ber 
Dielleid)t aud) nid)t gan^ einroanb^frei ift, aber bennod) geeignet, bie ©cfiiub» 
^eit bei 3Jlanne§, baä ©lüc£ ber ©lie 5U ert)alten, grau unb ^tinber aber 
oor bem gefürd)teten 3^1^^'^^ 5^ fc^üljen? ©emiß muffen roir biesS! Sßir 
betrachten e^ al§ eine ber roid)ligften unb evnftcfteu "liflidjten bei 9(r3te§, 
bie ©efunbt)eit unb bamit aud) haä Ijäu^lic^e ©lud ber ©atten ju erljalien, 
nid)t minber bie ©eburt fd)roa(^er unb tränier 5linber ju oerljüten, inbem 



254 ©ef(^le(^t§Icbcn. 



mäßiger gefd)led)tlic^er 3Serf"eI)r in möglicf)ft natürlidjcr g^orm erfjQlten bleibt, 
tie Empfängnis ober oer!)ütet rairb. SSiele Ölrgte Ijahen fic^ mit biefer 2luf=» 
Qab^ befdjäftigt; cerfc^iebene Sirjte I)aben pra!ti[d)e 25orfd)läge gemod)t unb 
23erl)ntung§mittel erfunben; e§ ift teilraei[e 33e[ferung baburd) auf biefem 
Gebiet fd)on erjielt, aber aud) mancf)e SSerrairrnng angerti^tet raorben. ®ie 
Unfenntni§ über geroiffe notürlic^e SSorgänge ift namentlich bei ben grauen 
fo gro^, baf3 bem Slrjte immer raieber oon neuem bie Stufgabe erroäd)ft, auf» 
juüären unb gu roarnen. 2Sor allem foU immer raieber feftgeftetit raerben, 
ta'^ gcid)letf)tlid)er SSerfeljr mit fünfllid)er SSerIjinberung feiner natürlid)en 
folgen unfittlid) ift unb ftet§ bleiben rairb, unb ha^ eä eine§ ber 
traurigen ^^ictj^i^ "^^^ allgemeinen ^fliebergangeS ift, raenn ^inberfegen al§ ein 
Unglücf betrad)tet raerben mu^, unb wenn forao^t rairtfd)afttid)e roie gefunbljeit» 
lid)e 33er^ältniffe eine Sef(^rän!ung ber ^inberer^eugung bringenb forbern. 
%a§ raollen rair alfo niemals oergeffen! ®arum werben fittlid)e unb äftf)etifc^e 
SJ^enfdjen im @ef^leci)t§oerfel)r mit (3cE)u^mitteln aud) niemals eine gute 
<5)elegenl)eit gur ^ügellofigfeit unb Unmä^igfeit erblid'en, fonbern eine ma^= 
üotle SebenSrceife unb feltenen ©enu^ beibet)alten. 2:ro^bem raollen rair 
nid)t beftreiten, lia^ burd) bie @efat)rlofigfeit ber 33enü^ung oon ©c^u^= 
mittein t)infid)tlic^ ber S^inberer^eugung, bie entfd)ieben als ^emmfd)u^ unb 
Sflegulator im freien 25erfel)r ber @efd)le^ter ratrft, fd)einbar einer geroiffen 
3ügellofigl'eit S5orfd)ub geleiftet rairb, bie it)re großen ©efatjren ^at. ©ine 
anbere @efal)r liegt noc^ in ber Unoollfommentjeit biefer ©d)u^mittel, ferner 
aud) in iljrer @efunbl)eitSfd)äblid)l'eit, bie xmter Umftänben gar nid)t un» 
bebeutenb rairb. (£S ift alfo anä) ba mand)eS gu erraägen unb ju beai^ten, 
unb eS finb biejenigen feineSraegS su beneiben, bie gejraungen finb, nad) 
■fold)en (Sd)u^mitteln gu greifen. 9Jiel)r ober minber oerle^en fie alle unfere 
äfttjetifc^en ©efüljle, ftören bie glü(flid)e Unbefangenljeit unb oerminbern bie 
ber ©efunbljeit fo notraenbige ^efriebigung. ©eSljalb finb fie oielen 9J^enf^en 
nid)t nur feljr raiberraärtig, fonbern auc^ f'einesraegS gur Unmäßig feit 
üu§ biefem ©runbe t) er leiten b. ©ie finb alfo nur ein unangeneljmer 
9lotbel)elf, ein ^itgeftänbniS unferer traurigen fosialen ^ufiä^^e, ein S^tettungS^ 
mittel oor 5^ranf(jeit unb rairtfdjaftlic^er ))lot — im übrigen eine beflagenS= 
raerte, f)äf5lid)e DIotroenbigfeit! 

®a^ äu aüen Reiten unb bei allen QSölfern oerfc^iebene ©d)u^oerfa'^ren 
üblid) raaren, leljren unS fulturl)iftürifd)e Sffiert'e. (Sie beraeifeu, baf3 ber Söille, 
bie g-olgen beS gefd)led)tlid)en 2lfteS ju oerljüten, in ber einen ober anberen 
SÖBeife gutage trat, unb ba^ ber erfinberif(^e menfc^lid)e ©eift auc^ ftetS 9Jiittel 
baju fanb. SllS Gin^elerf^einung neben ber Entfaltung gefunber SebenSgerool)n= 
l)eiten tonnte bie tunftli^e ©d)roangerfd^aftSoerl)ütung ba unb bort unbef(^abet 
befteljen; bei ^ulturoöl!ern, roeld)e blühten, trat fie nie alles bel)errfd)enb auf. 

%üx unS ift eS beruljigenb unb entlaftcnb gu Ijören, bajä bie <3d)raanger' 
f(^aftSoerl)ütung feine (Srfinbung unferer franlljaften 3^^^ ift fonbern ju 



®efd)tcd)t§Ieben. 255 



allen QziUn bei ^ulturüölfern beftanb. 33et ttn alten :3§raeliten beging bie 
^•rau ein 93evbred)en, rcenn fie eine <ScJ)raanger[c^aft ücreitelte; onbercrfeitä 
l)ei^t ey im 3:atmnb, baJ3 fie SBatte §ur 3?^ermeibu^g ber (Smpftängni» ein» 
legen foll, wenn fie jünger al§ 12 ^aljXQ x\t, ober ein 5^inb an ber 93ruft 
l)at. $ßci ben ©ried)en unb Sflömcrn famen ^flansenftoffe gür 95crit)enbnng, 
rceld)e Sefrucl)tnng oerljinberten. ®er römifclje Hrjt (Saranuä gab \)Qn S^tat, 
bie grauen follten, rcenn fie einer ©eburt an§roeid)en roodten, fid) l)üten, 
bie SSereinigung mit bem 2JJann oor nnb na^ ber SJienftrnation oorjnne^men, 
fie füllen nad) bem 2l!te mit ge!rümniten 5^nien filjen unb oor bemfelben 
ben 9Jiuttermunb mit Öl, ^onig u. a. beftreicl)en ober 5Uiammen5iel)enbe 
Mittel einlegen. ®ie§ roaren graar nic^t 9iatfd)läge, bie abfolute ©id)ert)ett 
geroät)rten, aber fie raaren üernünftig unb uni^äblid). (Sielje befonberä bie 
and) bei un^ bel'annte „^Dritte SBodje".) 

^m beutfd)en 23ol!e ^errfd)te früljer ber ©laube, ba^ ber @enn^ be3 
See§ t)on Sßeibenblättern unfrud)tbar mad)e; in Sftufjlanb trin!t man jum 
gteid)en ^^^cte einen Slufgu^ oon Lycopodium annotium, in (Sftlanb 
neljmen bie grauen Dueiifilber ein. SSerfrüppelungen ber Gebärmutter fütjren 
befanntlid) gu Uufrui^tbarfeit, roeld)e ^enntniä in i^nbien bie 3^rauen bajn 
füljrte, bie Gebärmutter fünftlid) üer|d)ieben unb fnirfen ju laffen. ^n 
^uftralien gilt e§ al§ ©d)u^mittel, rcäljrenb beiS 3ll'te!§ red)t gleid)gültig ju 
bleiben unb nac^ bemfelben burc^ fd)längelnbe Semegungen ber ^edtengegenb 
ftd) be§ eingebrungenen (3perma§ gu entlebigen. 2lber nod) anbere ^ortfcl)ritte 
fennt man im fernen Dften: bie i^aftration, b. i. bie operatioe (£nt[ernung 
ber iteimbrüfen bei 9JIann unb SBeib. ®a§ traurigfte, aber fid)erfte 9}iittel! 

9]a(^bem mir biefe allgemeinen S3etrad)tungen t)orau§ge[d)ictt Ijaben, 
bie mand)em bie 'Ba^^t in anberem Sichte erfd)einen laffen roirb, gel)en mir 
5ur 58efprec^ung ber üerfc^iebenen 2lrten ber SSerljütung^mittel über. 

Die Verhütungsmittel. 

Ginige fommen für ben 9Jlann in SInroenbnng, bie meiften aber für 
bie 3^rau. 23on bem Gebanfen au§gel)enb, bajs bo'S Ginbringen be§ ©permaS 
(Samens) in ben Uteru§ oerljinbert roerben muffe, ober ba^ ba§ Sperma 
burd) d)emifd)e Ginflüffe unroirliam gemai^t merben muJ3, l)at man oer» 
fd)iebene 2lnmenbungen oerfud)t. ^er Überzug au^ Gummi ober ?3-ifd)blafe 
für ben Tlarm l)at fid) oielfad) bcroät)rt; er rei^t aber and) leid)t ein unb 
ift oielen roiberroärtig. 2ll§ „Condom" ift er überall ju l)abcn. ®ie %xan 
entt)ebt er §roar aller unangenel)men i^errldjtungcn, er fdjafft aber ciue 
3mifd)enfd)id)t äroifd)en ben männlidjcn unb meiblidjcn !?ci(en, mcld)e ben 
2lu§taufd) Derl)inbert unb bei reijbaren ^nbioibuen fcljr ftövcub mirft. 



256 



®ej"d^Ied)t§Ieben. 



lRerDen[d3roa(^e 9Jlänner ^ahm oft unangeneljme S^eissuftänbe bornod) bc 
obad)tet. ®te ^onbome fönnen infolge tl)rer 33efd)affenl)eit 'SRann itnb Sßeib 
Dor SInftedung bebten, inbem fie bie S3erü^rung ber ©djieimljäute v>^x=> 
I)tnbern, aber fie roirfen au^ entfdjieben I)emmenb unb ha§ ©efüljl beeiii' 
träd)tigenb. ©§ finb au(^ ©iiifprit^ungen feimtötenber SJ^ittel in bie ^arnröl)rc 
be§ 9Jlanne§ oerfudjt raorben, ^abtn jebod) raenig 2In!Iang gefnnben. ^ft bo(^ 
ber SJiann im allgemeinen raenig geneigt, fid) Hnbequemlii^feiten aufj^uerlegen, 
unb man fann e§ and) nid)t beftreiten, bafä bie männliche ^arnröt)re üiel 
empfinblid)er ift, üI§ bie roeibtidje (Sd)eibe. (S§ ^at fid) bal)er ba§ (3(^roer=' 
gen)id)t aller SSerfud)e auf bie ^rau gerid)tet. SSon onberen l)ä^lid)en 2Irten, 
ben ®rgu^ be§ (Bamen§ gu oerljüten, roollen rair l)ier abfegen unb un§ ber 
öefpred)ung jener SSerf)ütung§mittel roibmen, raeli^e com gefunbl)eitlid)en unb 
äfif)etifd)en (Stanbpunft au§ einigermaßen beredjtigt erfdjeinen unb nur am 

rceiblidjen ^lörper §ur 

SInroenbung fommen. 

®ie 3Serl)ütung ber 

S3efrud)tung ift bei 

einjetnen ^^^rauen 
leid)t, bei anbcren 
fdjroer. ^e tiefer bie 
©ebärmutter fi^t, je 
leid)ter il)re Öffnung, 

ber ©ebärmutter- 
munb, gu errei(^en ift, 
je fürger ber ©ebör* 
mutter^alS gebilbetift, 
befto leid)ter tritt @mpfängnt§ ein. ^^ ^ül)er bogegen bie ©ebärmutter liegt, 
je länger unb bünner it)r ^al§ ift, je mel)r ber ©ebärmuttermunb nac^ einer 
(Seite abraeidjt, befto fd)roerer läJ3t ftd) (Sd)iDangerfd)aft erjielen unb befto 
fid)erer rairfen natürlid) 3Sert)ütung§mittel. ®urd) ärstlidje Unterfud)ung 
follten ftd) alle g^rauen über bie 2trt il)re§ ^am§ erft aufflären laffen, 
beoor fie fid) für eine beftimmte 2öal)l ent](^eiben. %k „^effarien", (Summi^ 
l)ütd)en, fi^en fd)led)t, roo ber ^al§ fel)lt, anbere auffaugenbe (Sintagen bogegen 
nü^en rcenig, roenn ber ^al§ long ift unb bie ©inlogen fid) im ©djeibeus 
geroölbe oerlieren unb öl)nlid)e§ mel)r. 2lm unfid)erften finb ftet§ olle SSera 
^ütung§mittel, raenn bie (Gebärmutter in rid)tiger Soge ift unb einen burc^ 
met)rfad)e ©eburten rerfürjten ^ol§teil t)at. 9'Zid)t§ ^ält in fold)en fällen, 
alles oerfi^iebt fid) unb fofort finbet ber ©amen t)zn (Eintritt in bie ©ebär^» 
nuitter! ®iefe 3Ser!^ältniffe liegen geroöljnlid) bei jenen ^-ronen oor, bie 
nod) monatelanger ^oufe enblid) einmal mit bem (Sotten fid) oereintgen 
unb jebeSmol bornoc^ in onbere Umftönbe fommen. ®g finb bie beboucrnS» 
roerten, übermäßig fruchtbaren, meift !leinen, fd)raäd)lid)en 3^raud)en, bie von 




g-ig. 153. «Rii^rtgc Soge ticä 



%iQ. 154. ^^alfdjc Sttgc bc§ 



®efd)led)t sieben. 



257 



4 bi§ 5 rafd) aufeinonberfolgenbeii ^inbern jc^üii gaiij er[d)öpft finb. 3Ingft' 
t)oU rufen fie oft nad) -öitfe, raä()reub ber ''Manu befümmert aber ratlos baneben 
fte[)t. 2)tefe muffen 9efd)ü^t werben, ot)ne bn^ bie (5t)e auseinanbergebt. 
3Bir beginnen mit bem einfa^ften (5d)u^mittel, "bas fic^ jebe ?\rau in 
ber 9iot, unb roenn fie 5u foftfpieligen ';i3erfud)en feine 33]ittel l)at, anfertigen 
fann: ben SBattebauf d), ber in ©ffigroaffer ober Ct getand)t nnb möglid)ft 
t)od) I)inaufgeid)oben loirb. (£§ muß babei bead)tet merben, baf? er fid) nid)t 
5U einem bid)ten 58a(Ien sufammenfnäutt, fonbern möglidjft ausgebreitet über 
ben DJluttermunb ju liegen fommt, au^ baf5 er oiel ^-lüffigfeit entl]a(te. 
(2onft nü^t er gar nid)ts, fonbern ftört nur. ^amit fid) jebe '^-xan eine 
SSorfteüung oon biefen inneren ä>er[)ä(tniffen 5u mad)en üermag, geben mir 
f)ier äroei ^ei^nungen roieber, rce(d)e ben ©ebärmutternuinb mit ben (Sdjeiben« 




fyig. 155. Ccctjtftt)=i)>C|far. \'taa) Dr. lUcnfinga. 

geraölben barftetlt, bie ridjtigc 2ac\e bes 'i"l>attebaufd)es foroie bie falfd)c. 
(£rgief3t fid) bas Sperma bei A"ig. l-'^-l in bas (infe 3d)eibengemö(be, fo ift 
ber (Singang in bie ©ebärmutterböbte frei unb bie 33efrud)tnng atfo fet)r 
leicht mijgüd). @§ muf? bal)er bie :^age roie in ^-ig. 153 erreid)t rcerben, 
rca§ man nac^ übertegten unb gebulbig roicberboltcn 'i^erfudjcn and) balb 
erlernt. %a§ (Sffigmaffer i)at bie 'Jhifgabe, burd) feinen Säurege()a(t fperma^ 
tötenb §u rcirfen, unb biefer Umftanb unterftn^t no^ bie ^-JSirfung be§ '-JBatte- 
baufd)e§. 3e ^^^^^H' ?vfüffigfeit nlfo aus bemfelben mäbrcnb feiner ?age ,^unfd)en 
ben inneren Gleiten (jcrausgcpref^t mevben fann, befto fd)ul3t'väftiger mirb bie (Sin= 
läge, ©perma, beffen ^eim^eUen feine (Sigenbemegungen mefir baben, ift nid)t 
mel)r roirffam, fann baljcr and) feine 'l^efvudjtung bcrbcifübren, felbft menn e^j 
in bie (Gebärmutter eingebrungen ift. ^ie;^ a{k§ fommt in 'iH^trad)t. ^a^$ 
Öl rairft bemmenb, inbem bie Spcrma^eÜen barin f)ängen btciben. 

9]ad)tci(e be§ 3öattebanfd)e§ finb: feine teid)tc 'iHn-fd)icbbarfeit, bie 
©törung, bie er a[§ Arcmbförpcr ,^mifd)en ben .^arten inneren teilen bcmirtt, 
bie .Hemmung be^ 3(u5taufd)e§ nnb bie unter Umftäuben nict)t unbcbcutcube 
©c^roierigfeit feiner Einlagerung (furje Strme, ^yettbauc^, enge (2;d)cibc, bod)» 

1\i ;^•rau aU .g>au§ävUtii 1^ 



258 ®cf^Ie^t§Ieben. 




ftel)enl»e ©ebärmutter). '^ür öie „©d)n)ämnid)en" gilt na^e§u baSfelbe, 
befonber§ Ijinfi^tlic^ bet augefül^rten 9]ac^teile. 

®ie Sifter[d)eii (3ct)raämmc^en raerben angefeud)tet mügti(^ft f)0(^ ein» 
geführt, Daö an it)nen befeftigte (Seibenbänbd)en muJ3 f)erDovI}ängen, bamit 
t)a§ (Sd^roämiud)en jeberseit mit 2eid)tig!eit entfernt rcerben fann. 

'S)a S'^üfUSf^il^^it ^^^^ [idjerer feimtötenb roirfen al§ '»puloer ober aufs 
gelöfte i^^ette, weil fie naturgemäß Ieid)ter in atle ?^alten einbringen, fo !am 
man aud^ auf ben (Sebanf'en, einen meidjen Körper einjufüfjren, ber eine 
feimtötenbe ^-lüffigfeit abjonbert unb bal)er einen geroiffen ©d^u^ {)infi^tU(^ 
ber @mpfang§fäljigfeit liefert. (£in foId)er Körper ift ber „©ici)erE)eit§ = 
©c^ umring" na(^ Dr. ßaoe. ©eine 9lac^tei(e finb, t)a'^ er fid) leiber oft 
oerftopft ober bie roeiblii^en ©c^leimt)äute in nnangene{)mer SBeife rei^t. 

(Sana äl)nlic^ bem Sc^ul3ringe finb bie „^aüoto§" be§ Dr. SJ'iartim. 
©ic rcerben mit Gffigroaffer gefüllt, öorficl)tig feljr ^od) eingeführt unb mittelft 

eine§ 53änb(i)en§ «lieber l)erau§ge§ogen. 

©c^eibenpuloerbläfer oerfdjiebener 2{rt 
finb in ^eutfcijlanb re(i)t oerbreitet, fie oerlei^en 
aber nur unter geroiffen 33erf)ältniffen ©id)erl)eit. 
©roße ^Verbreitung fanben in ben legten 
^at)ren bie ©djutjfappen üon Dr. SJtenfmga, 
^^tg. 156. 9Jlatrifalu§, 21. ^etul^fg u. a., Pessarium 

^"^'m'Äe^^^^^^^^ occlusiYum genannt, roeld)e oon oieten Kirsten 

feljr befürroortet roerben. 
2Bir bringen beifolgeub ei« "speffar mit Ul)rfeber unb gebogenem 
U5orberteil unb eine§ mit ©un-mibänbd^en. @rftere5 ^at ben SSorteil, am 
©d)ambcin befferen §alt ju finben unb fid) baljer weniger leid)t gu oer» 
f^iebcn, le^tere§ ben, ol)ne Ut)rfeber l)ergeftellt ju fein unb letzter entfernt 
rcerben §u fönnen. ©ie finb au§ feinem ©ummi angefertigt unb bieten bei 
rid)tigem ©i^ ^roeifellyg bie gröf5te ©id)erl)eit. 2lllein rcer fe^t fie immer 
rid)tig ein, unb fann e§ gleidjgültig für bie grau fein, einen fo grof^en 
grembförper ftet§ mit fi^ Ijerumjutragen? 

©oÜ ba§ ^effar beftänbigcn ©djiilj bieten, fo barf e§ nur roäl)renb ber 
9JJenftruation entfernt roerben. 2tlle natürlidjcn ober franfl)aften 2lu§fd)eibungen 
ber ©ebärniMtter ijält e§ fomit jurüdE, unb roäljrenb bei @efc^led)t§afte§ fc^afft 
e§ eine ftörenbe Einlage ö'üifdjca ben männlidjen unb roeiblid)en Organen, 
bie nid)t nur ba§ ©efüt^t beeinträchtigen, fonbern an6) normale feine 5ßor= 
gänge ftören. 9iid)t alle fvvauen erlernen bie ridjtige ßinfüljvung be§ '>|?effarium§, 
beffen guter ©i^ gteic^fall§ i3om 58au bc§ ©ebärmutterl^alfel unb feiner Sage 
abl^öngig ift. Um be§ ®rfotge§ baljer fid)er ju fein, muß sunt 2Ir5t ge= 
gangen roerben, ber e§ allmonatlich einlegen muß. tiefer Umftanb oerminbert 
foroot)l bie a3erbreitung be§ ^effariumä, rcie feine 93eliebtl)eit. ®ie ricl)tige 
ßage belfelben ftellt un§ %iq. 157 oor. ®er ©ebärmuttert)al§ famt 9J^utlcr» 



®efd)Ied)t§Ieben. 



259 




giiit^ttge Sage bc§ 9)Jatrti'o(H§=^cffai:)?. 

G. ®ebännittter. H.öarnblafe. M. ^ap 
bann. Schd. Sdjeibe. Seh. 8d)ambein. 



niunb flecft unter ber ^appe unb \]i ba()er fo lange bem Sperma nid)t ^w 

gänglid), al§ fein $Kanb feft anliegt. Ajäufige raarme 3In$ipühingen muffen ber 

9\einlid)feit wegen ftet§ üorgenommen merbcn, aüein aiid) fie reinigen nid)t ben 

iniicven, anliegenben S^eiL 9kc^ Dr. SJIenfinga t)at bie (Sinfüljrung biefer 

Scf)ul3fappe in üielen @f)en I)äu§(ic[)e5 ©lücf unb @efunb{)eit roiebergebrac^t 

unb Ijaben bie roeibüdjen @t)e!)ä(ften befonber§ t)crfid)ert, fie ftöre gar nic^t 

unb beeinträdjtige bie @efü[)(e nid)t; mir 

fügen Ijinju, ba^ biefe 93erfi(^erungen in^ 

füfern richtig finb, al§ e§ fid) in biefen 

g-äüen ftet§ um neroöfe, mef)r ober nünber 

leibenbe ^-rauen f)anbelte, bie burd) ben 

Congressus interruptus jal^retang ^efrie* 

bigung entbehrt I)atten unb baf)er ben bebeu- 

tenb natürlid)eren ©efd)(ed)t5Derfe(jr mit ber 

(2d)u^Eappe al§ raoI)Itätig empfanben. (Sine 

gejunbe ^-rau aber, bie an natürlid)en 

©ef(^led)t5üerfel)r gcroüt)nt mar, mirb 

nad) (Sintegung eine§ foId)en "»peffarium» 

anberä urteilen. ^Ijx Urteil ift ma^- 

gebenber. ^anbelt e§ fid) um ernfte ^-ätle, 

in meieren Seben unb ©efunbfjeit einer %xan burc^ eine nod)maIige (Sntbinbung 

fd)mer gefätjrbet mürben unb rao beSljalb abfohlte (5id)erl}eit gefd)affen roerben 

mnf3, unb ift bie ^-rau gemillt, if]rem 5D7anne mäßigen ©efc^ted)t§ücrfet)r ju 

geftatten, um ba§ ©lürf it)rer (£l)e ju erljalteu — i^r felbft ift unter fotd)en 

Umftänben meift nur ooUftänbige (£ntl}a(tfamfeit anjuempfetjten — , fo raten mir, 

fid) um Eeinerlei Sflebenum^ 



ftänbe §u befümmern unb ber 
(2id)ert)eit raegen fid) ju ben 
(S^u^fappen §u entfc^lief3en, 
aber nur nad) är5tlid)er ^-öe= 
ratung. SoU Sf^eiäjuftänben 
am SJluttermunbe burd) an= 
gefammette (Sd)teimmaffen 
oorgebeugt raerben, bann ^'^- i^s. Giufiifjrunfl m Watrifatu^^^'cfiar.^. 

mu^ roenigften§ alle 14 2;age bie Entfernung ber ^appe oorgenommen 
raerben, bamit grüublic^e Sf^einigung au6gefüt)rt roerben fanu. '^c)iex ift e§, 
fie übert)aupt nid)t liegen gn taffen. ^ie rid)tige (5infü()rung übe man unter 
Leitung einer «trjtin ein. ©ie geftattet ein ftunbenmeife^ Einlegen unb ücrl)ütet 
bie genannten Übelftänbe. "3)ie fid)erfte Sdjutjfappe ift un5mcifell)nft ba§ 8epl)ir» 
9^üf)ren=^^effar „^beal". 2Bie ^yig- 15^ barftcllt, umfafjt eä ben 3d)eibenteil 
ber ©ebärmutter ganj feft unb fd)lief3t ilju alfo ab, mie fein anbeve^5 ']>effar. 
^ic Einführung aber ift nod) fd)mieriger al§ beim 9}]enfinga=''].^effar; fie fann 

17* 




2G0 



© e f d) r e d) t § I e D e n. 




jebüci) erteic!}tert raerben burd) 93enü^itng be§ ®infül}rung§töifela, rote er auf 
fyig. 160 abgebilbet ift. %a§ 3>erfal)ren mu^ fovgtättig geübt lüerbeu, bi§ 
(2i(i)evl}eit erlangt ift. '3)iefe§ ^^^effar foll nod) roeniger al§ anbere tagelang 
liegen bleiben. ®ie (äinfdjiebnng ber ©c^uljfappe erfolgt lüie ^ig. 160 §eigt. 
®a§ amerifanifd)e ^effar fangt fi^ an, ift baf)er fef)r fid)er nnb aud) leidjt 
ein5ufnt)ren, aber fe!)r fompaft nnb rei,^baren ?^-rauen be^I^atb nic^t -^u enipfe()(en. 
33on üielen Straten werben and) bie ©id)erI)eit§ = Dr)aIe oon llnger 
tnarni empfü[)Ien. 3^re 2(nroenbnng ift bie bent'bar leidjtefte unb fie werben 
in feiner SBeife ftörenb empfnnben, fd)einen anc^ giemlid) 
fid)er ju rairfen. ^Man nel)me jebod) nnr bie befte Sorte, 
bie fogenannte „2;ropooaIe". ^lir junge grauen, bie 
mit ben ^|>efiar§ gu gro^e (3d)n)ierigfeiten Ijaben, finb 
fie fieser fetjr empfeljten^mert. 
c^ig. 159. %k ©d)tau(^fpri^e nad) Dr. ^in^ ftellt un^ 

Scp^tr=9{D^reu4'cffnr eine anbere ^Kombination oor. ©ie beftefjt nnr au§ brei 
„3 cö • Steilen: f (einer 53atl mit Süd)ern, (Sd)(auc^ unb großer 

Sali. ®er f'teine 93aü mit :?öd)ern rairb möglii^ft ^od) eingefütjrt, imb au§ 
bem großen Sali mirb mä^renb beä 2lfte§ eine fpernmtötenbe g^lüffigfeit 
cingefpri^t, rDeId)e bie Sdjeibengeraölbe umfpült. Sä^t man ben großen au§= 
gebrürften Sali lo§, fo roirft er auffangenb unb §iel)t nun bie mit ©perma 
gemifdjte ^^lüffigfeit roieber an fid). %k§ ift eine boppelte, fel)r nü^lid)e gäl)igfeit. 
(£§ ift fid)er, baf3 ein Sc^u^mittel um fo etjer oerfagt, je fomplijierter 
feine 2lnroenbung ift; leibcr aber ift in foldjen ^-ällen ba§ einfadjfte nid)t 

immer ba§ üotifommenfte, 
weil e§ l)ier ju oiele Seiten 
ju berücffid)ttgen gilt. 31>ir 
fonnen bal)er bie (3d)Ianc^= 
fpri^e raoI)l empfel)len, nid)t 
aber fie fd)on al§ ba^ ooll= 
fommenfte, ba§ mir iu\§ 
auf biefem ©ebiete mün= 
fd)en, be^eidjnen. 

%a fd)on reines SBaffer ben Samen tötet, fo gefd)iel)t bie§ mit (5'ffig=^ 
roaffer um fo fidjerer; man fann bal)er ftatt ber beigelegten ^ulner aud) 
biefeä neljmen, niemals aber fall. 

3Sa§ bie 2lu§fpülungen ber Sd)eibe mit SSaffer unmittelbar nad) 
bem 3tf'te betrifft, fo tonnen mir nur bemerfen, ba^ fie l)öd}ft unbequem 
fmb, ba fie nur mit roarmem SBaffer auSgefü()rt werben bürfen unb bal)er fel)r 
löftige Umftänbe mad)en, bie nad)t§ gerne üermieben werben. ^l^Ö^^'I "^öi^ 
ferner §u lange mit bem reinigenbcn 3i>afferftralj(, fo I)at ber Samen 3cit/ 
in bie ©ebärmutter einzubringen, unb bie ganje 5lnwenbung ift nut3lo§. (5§ 
gibt grauen, bie 5wei ^a[)XQ lang bie 9lu§fpülungen mit beftem Grfolg übten 




gig. 160. eiufü^ruitö^siöffcl. 



®e)d)Ied)t sieben. 201 



imb im britten ^at)re infolge ber angegebenen Örünbe trol3 berfelben in 
in anbere Urnftänbe famen. ^ein S^Minber! ^ie[e(ben Ä)]i^erfo(ge rcurben 
uns übrigens aud) Don ber Sdjnlifappe unb ber Srf)laud)fpri^e gemetbct. 
*3^ie (Srftärnng bafür i}a[m\ mix jd)on gegeben. (Sin abfolutes filtere? 3d)nt^= 
mittel, ha^ nnter atleii Umftänben rairft unb niemals oerfagt, gibt es ja 
uic^t unb lüirb es iüo[)( aud) niemals geben. Ülux bie oottftänbige 
(Sntl)a(tfanifeit gibt uns abfolute Sic^er^eit. '^k 3(u^i"pii(ung bei 
crt)it3ten inneren Crganen i[t überbies aud) nid)t ratjam unb t)interlä^t bei 
cmpfinblic^en grauen ftet§ unangenet)me (Smpfinbuugen. 2(u5]pülungen mit 
f altem SBafjer aber rairfen bireft franfmad)enb, baoor fei einbringtid)[t 
gemarnt. 

9iüd) bleibt un§ übrig, jener „britten 2öod)e" (Srn)ät)nung ju tun, 
bie für bie (Empfängnis bie ungünftigften 3Sert)ä(tniffe bietet, teits roeit bie 
(Sijelle ber (elften ?Jlenftruatiün fid) fd)on längft aufgelöft I}at, teils lueif baS 
(Si ber näd)ften SJlonatsblutung nod) nid)t auf bem 'iC^ege ift. (2)er Samen 
tann befannt(id) nur feinen p)\vtd erfüllen, roenu er auf eine reife (Sijeüe 
ftöpt. ) ?J]an t)at ba()er angeraten, ben G)eid)(ed)t5oerfe[)r nur auf biefe ^2Büd)e 
,su beid)räufen, unb biefer d^at ift fid)er gut; es fomnit nur ein roic^tigcr 
Umftanb babei in ^etrad)t : bie Un5Uüerläffigfeit unb Ung(eid)t)eit ber pfjtjfio* 
Iogifd)en SSorgänge bei nerDöfen ^nbioibuen, bat)er auö:) bie nnmüg(id)teit, 
ben 3tbgang ber (Si,^eüen mit '3i(^erl)eit ^u bered)nen. (£S mirb ba()er in 
fo(d)en ^-äüen bie Stbftinenj für brei 'Ißod)en nid)t§ t)elfen, ba bie (SijeÜe 
ganj unregelmäßig aud) in ber britten 2Bod)e gu treffen fein roirb. 9cur 
bei fet)r gefunben unb gentütv>vuljigen ^-rauen bürften mir auf einigermafjen 
.^uüerläfftge ä>erljältni[fe rcd)nen. (Sebrauct)en biefe bann nod) manne ll{ad)= 
fpülungen, fo bürften fie (ange uor ber (2d)mangerfd)aft behütet bleiben. 

Tie gefd)(e(^t(id)e (Srreguug ift nad) ber 9J]enftruation bei ber ^rau 
am (eb()afteften, auc^ i()re (Smpfäng(id)feit in biefer ^eit bie gröfjte; e§ t)abcu 
bal)er bie alten 3fi-"aeliten auf biefe ^eit befonberen ^^ert gelegt unö dou il)rcr 
^enü^ung bie fid)erfte 33ermet)rung il)rer ?^-amiIie ermartet. $Bir mad)en es 
umgefel)rt! S5>ir üerbringcn biefe ^cit ent()a[tfam unb befd)ränfen uns ,ynn 
gcjc^led)tlid)en ^erfetjr auf jene, rae(d)e bie gcringfle 3(usfid)t auf Aamilien= 
,')Umad)5 geftattet. 3»ii"c^"^^Ji 'üäre biefe •i)JletI)übe ber 5^iuberbefd)ränfung 
bie natürlic^fte, unfc^äblid)fte, einfad)ite unb äftl}etifd)fte. )})lan üeriud)e es 
bamit, mo nid)t abfolute Sid)erung notmenbig ift. ^ie mannen 'J{ad)fpülungen 
tonnen im Sette bequemer ausgefü()rt merben, menn man einen f [einen 
'i^aüon üor()er mit roarmem Sßaffer fütit, ein ^JJhitterrobr baranfd)raubt, 
biefe Sprite ,yt fid) ins 53ett nimmt, bamit fie mann bleibt, unb eine floine 
2d)ale („(Jiterberfen") in liegenber Stellung untcrl)ält, menn man bie XHus= 
fpritymg unter ber 58ettbecfe üornimmt. 2(uf biefe ^Beife fann man fic^ inu' 
3(bt'ü[)lung unb läftigen Umftänben bemaljren. 'il>ir mieöerbolen jebod), bau 
fold)e 9Jad)fpülungcn nid)t abfolut fdjüljen. '^Tas fid)evfie, einfad)fte unb am 



262 ®efd)Ie(f)t§Iebert. 



roenigflcn ftörenbe (Sd)u^mittel bleibt Öann alfo rootjl bo§ (Sd)u^I}ütd)en 511111 
Dorüberge^enben ©ebraiid). 

Sll'g ein „natürlid)e§" ©dju^oerfa^ren roirb feit einigen 3af)ren bie fünft* 
lidje ^^erlängernng ber ©tiüung§periobe angepriefen. ^ie @rfal)rung I)at 
erraiefen, 'Oa^ bei ftärferem Sn^iu^ be§ S3Iute§ 511 ben Prüften unb bei 
^lillnng ber 5D^iId)brüfen bie SO^enftrnation ausbleibt. ®ie STuSfto^ung ber 
@i§ellen unterbleibt in fol.i^en ^^ällen meift aud), unb es fann bofjer feine 
neue 33efruci)tung eintreten. ®ur(^ ©uggeflion unb SJloffage ber Prüfte, 
foraie burc[) täglicl)e§ Saugen an ben ^rnftraarjen fann fogar bei grauen, 
bie ni^t foeben ein 2öod)enbett überftanben f)aben, ein fo ftarfer (Säfteäufinfs 
5u ben Prüften entfteljen, ba§ fid) SO^ild) einfteflt unb bie SJienftruation auSfe^t. 
©äugt man bie 33rüfte täglich grünbtid) au§, fo fann man bie 9?liId)periobe 
beliebig fang au§bel)nen. ®a§ Mgemeinbefinben ber grauen foU fid} babei 
roefentlid) lieben unb ba§ Siebe§Ieben ber ©atten oerfdjönern. ^a§ i]at üiel 
53efte^enbe§ für fid), allein ber ©efunb^eit^äiiftanb mand)er g^rau roirb biefe§ 
SSerfa^ren red)t oft unmöglid) inad)en, unb bann roirb bie ia(}rclange 3Iu§=' 
bef)nung biefer fünftlid)en 9)]ild)periobe anä) befd)iüerlid) roerben. Dh fie 
nid)t fd)lie^lid) auc^ gu franfl)aften Sfieisäuftänben ber 5!Jiitd)brüfen füf)rt, 
mu^ erft nod) abgeroartet roerben. diejenigen fd}ii)äd}lid)en fronen ober, 
bie ba§ ©tillen überf)aupt nid)t ertragen, ober fd)on nad) jroei bi§ brei 
SRonaten bie SJIenftruation roieber befomiiien, ober fd)meräl)afte 3ui(-tmmen= 
jief)ungen be» Uteru§ I)aben, roenn bie ik-uftroarjen gereift roeröen, biefe 
finb l)ier gan§ auSjuf ehalten, für biefe bleiben baljer bie üorf)er befproc^enen 
©dju^mittel in nolter ©ültigfeit. 

SSon 3^rauenär§ten roerben neuerbingS aud) ^e{)anblung ber ^oben 
burd) 9f?öntgenftral)len unb 5öeftva(]tung ber Ooarien mit S^abinm empfol)len, 
foiüie Unterbiubung ber (Sileiter, um lln|vudjtbarfeit p erjielen. %a^ fold)e 
S^erfabren tiiele @efal)ren unb gro^e llufid)erf)eit in fid) bergen, roenn man 
robifale§ 3Sorge^en fd)eut, roirb man m\§ gerne glauben. 




flcbtes Kapifd. 




Caiiöiebiakeit - Coa. 

„sterben tft niditS — 

^ocf) leben unb nicf)t teben 

2)a§ ift ein Unglücf!" 

©d)tUer. 

Qttglebigfeit rotrb al§ ein tieitte feiten geroorbener SSorsug be= 
trai^tet, al§ ein „@lücf", raenn bei* 33etreffent)e gefnnb nnb 
genu^fä{}ig geblieben; fie wirb ober al§ llngUicf betrad)tct, 
rcenn ^ranfl)eit unb (3ied)tum ben 5Dlenfd)en genu^uufäljig 
genmd)t unb if)n feiner @)eifte§fräfte gteidjjeitig beraubt ^aben. 
^mmer feltener raerben bie alten 93]en|d)en, bie 90, 100 ober gar mel)r 
^a^re erreictjen; bagegen mel)rt fid) bie 3a^^ '^'^^ ^iobeSfätle, burd) n)e(d)e 
9Jlen[d)en im fräftigften 2(Iter mitten au§ i!)rer 3:ätig!eit I)erau§geriffen merben, 
alfo beoor fie fic^ aufgelebt, iljre SebenSaufgaben erfüllt ^aben unb geuuJ5= 
unfähig geroorben finb. '^a§ ift tragifc^! 

^n g-ig. 161 bringen rcir 'öa^i Silb einer ©reifin. Ü^erftanb unb 
^erjenSgüte fpred)en au§ ben regelmäßigen ^iißS"/ ^^'^ ni^t§ oon ber 33Iübig- 
feit be§ 2llter§ oerraten, raie fie nnfere moberne 3sit fo ^äufig aufiueift. 
®ie äa^lreid)en Stunjeln unb Ratten berceifen, ha'^ bie ©iebjig überfc^ritten 
fein mögen. ®iefe ©reif in ^at fid) 5^ürper= unb ©eifte^fraft ert)alteu, 
fie f)at ein nu^bringenbeä unb fd)öne§ Seben Ijinter fi^, fie roirö in gütiger 
^ürforge nod) weiter für anöere fd)affen, — ba§ fie'^t man it)r an, trol) 
tl)rer 70 ober 80 :öaf)re, unb fie mirb in ootler ©eifte6flarl)eit fanft unb mitl)e= 
lo§ inä ^euf^it^ f)inüberfd)Iummern, roeiin it)re Sebeii^u^r abgelaufen fein roirb ! 
SJian benf2 bagegen an eine 3JJutter oon 35 :3at)ren, bie mel)rere un= 
fertige £inber gurüdläfit, bie iljrer nod) fo fef)r bebürfen; an einen Slünftlcr, 
ber mit 40 ^al)ren abberufen roirb, beoor er bie in i^m lebenben ^t)ecn alle 
au§äufül)ren oermod)te unb anbere met)r. 2öa§ muß alle;^ äufammenroirfen, 
bamit fo uunatürlid)e ©rfc^einungen möclid) roerben?! ®er nor^eitige 2ob 
ift ein tiefernfte» SJhiljnroort an bie Hinterbliebenen, raa§ roir nid)t ül)ne 
innere (Ergriffenheit an un§ oorüberfdjallen laffen bürfen. @§ foll un§ jur 
SSetra^tung unferer SebeuSeinri^tungen führen, ju einem „3"'ii"^=®cl)en", 
ju Sieformen, mit rceld)en rair fd)on bei unferen Hinbern einfe^en, bamit e:S 



264 Sanglebigfeit uiib Job. 

Qnber§ raerbe. Sanglebigfeit ift ber natürliche 3wfian^/ ^'^ f^^t 
©efunbf)eit oorau§. Unb \va§ ift @ejiiubf)eit? 

Ungeftörte ^-unftion ber Organe un[ere§ S^örperS, ungeftörte ©enuB= 
fö'^igfeit. liefen beneibeniraerten ^wf^i^ii^ erreichen roir, roenn olle Seben5= 
bebingnngen erfüllt finb. ^et)^ J^ierart I)at il)re eigenen; 3. ^. ift für h^n 
93ogeI bie Suft feine erfte ;[?eben5bebingung, für ben 3^ifc^ ba§ SBaffer unb 
für ben gicitifierten 9J?enfd)en alle!§ t>a§, wa§ \ty\ nor 5lranf[)eit beiüal)rt unb 
mag roir in 'üen ooranftef)enben 5?apite(n näf)er au5gefüt)rt (jaben. ^e f)öt)er 
organifiert ein Sßsfen ift, befto fomplijierter finb aud) feine iOebensbebingungen, 
b. I). er braud)t met)r 5U feiner 53efrtebigung, fein Seben ift (eic^ter gefä[)rbet. 
3o fann ber heutige 9JJenfd) nid)t nur burd) gute :?uft Iebenc^fäf)ig er[)a(ten 
iDerben, fonbern er bebarf aud) nod) entfpred)cnber 9Jal)rung, rid)tiger Ätcibung 
unb 3i>oI)nung unb fd)lie^lid) root)ltötiger feelifrf)er 6inf(üffe. @efal)ren, 
uie(d)en t)a§ im 'J-reien lebenbe Jier niemar§ unterroorfen ift, begleiten ben 
t'ultioierten ^rienfdjen auf (2d)ritt unb 3:ritt nom evften Jage feine? SebenS 
an, roo er in ^-eberfiffen unb in ein bumpfes (2d)laf3immer geftedtt rairb. 
allein '^Minber, wenn bie (Srgebniffe barnad) finb. 

Um biefen alfo mit (Srfolg begegnen äu tonnen, mu$ man fei) enb 
geworben fein unb mu^ man gelernt f)aben, roie man oorju beugen f)at. 
^a^er unfere @efunbt)eit5(ef)re, ba^er unfere 9ieformbeftrebungen ! Dt)ne 
©efunbljeit feine San glebig feit unb of)ne <Sd)u5 Dor ben un§ um- 
gebenben Q)efaf)ren fein Ieict)ter 2:ob. 

2ßa§ ift ber 2ob? 

%k 3Iuf(üfung unfere? Körper» in feine urfprüng(id)eu 33eftanbteife, ba§ 
5Iuf^ören alter i.'eben5erfd)einungen. Ter (Eintritt ber 2Iuf(öfung finbet oft 
erft nad) langem, fdjroerem Kampfe ftatt, befonber? roenn nod) oiel Seben§= 
traft Dorl]anben ift. TiefeS Sdjaufpiel fann man oft bei ^erfonen beobad)ten, 
bie Dorjeitig fterben unb einer fie überroältigenbcn Äranfljeit SSiberftanb 
leiften. (5r ift erfd)ütternb in feinem ^ergang unb beroeift bie Cl)nmad)t 
tiz5 9)lenfd)en biefen feinblid)en 9Jläd)ten gegenüber. 

Tennod) liegt ee jum 3:eil in unferer ^jonb, un§ menigften» einen 
leid)ten Job §u fid)ern. Söenn mir bie? begriffen, oerliert ber Job feine 
S^recfen für un§, unb lüir lernen ibn aünui()lid) at? einen ^-reunb betrad)ten, 
ber unfere oft fd)on mübe geiuorbcne 3eele jur einigen iKube geleitet. ^il>er 
üiele 3J{enfd)en l)at fterben felicn, gerainnt bie Überzeugung, bafs e» gar 
nid)t§ fo fürd)terlid)e6 ift mit boni Jobe. (Sin (Sinfdjlafen unb ^3lid)t^mel)r= 
C£rroad)en, ein langfame? ^I^ergeben, ein 3lbfül}len bi§ jtir Jobeäföltc, eiu 
üollftänbige? 9xul)igroerben, — meiter nid)t!?! 

G? ift üiel rceniger babei alvi bie meiften 93lenfd)en fid) üorftellen, unb 
bie 2fngft cor bem Jobe ift nur unter llmftänben gered)lfertigt. 

2;iefe? 33ud) befaf^t fic^ mit bem Seben unb ben 2fufgaben feiner (Sr= 
f)altung. '3^ürfen mir besljatb be» (Snbäiele? alles Sebenbigen, bc» Jobe?^ 



? a n g I e b i ii f c i t nni) Job. 



2G5 



uergeffeu? ?Jlü[feu luir uld)t üie(niel)v auct) fein ^t^h^i'cu crgn'inbeii, um i(im 
gegebenen %a\i^^ gcrüftct gGt3enüber ju fielen? ^o, bae müfjeu roir, Denn 
€» bringt 9^u^en für anbere, roenn lüir ttn Xo'ü fennen, unb c§ bringt ^-öe^ 
rutjigung für m\§ [elbft, lucun mir bic 3d)cu uor iljni uerlüicn f]aben. 

®ie meiften 
jüngeren 9}len|d)eu 
!)aben ba§ Sterben 
iiüd) nid)t beobad)= 
tet unb finb babcr 
ron ganj falfd)eu 
33ürftellungen 'Da-- 
rüber erfüüt. 5^ie= 
"fen feien i)ier 3Iuf= 
üärungen gegeben. 

^ie 2trt bec> 
^obe§ fann Iang= 
fam,Die[e ©tunben, 
felbft Sage anbat= 
tenb fein, ober 
f d)neir^ unoorberei^ 
let, ot)ne '-Borboten 
eintreten. ^merfte= 
ren %aäe ift hai^ 
53erou^tfein bcö 
^Iranfen nieift tei(= 
roeife ober audi 
DÖÜig getrübt. (S^ 
ift bieig eine Gr= 
fcf)einung, rae(d)e 
rcir §u ben Q3arnt= 

(jer^igf eit5 = (viu= 
rii^tungen ber ))la= 
lur rect)nen möd)= 
tzn. ®er itranfe 

träumt nod) ein lüentg uor fiel) l)in, er I)at, einzelne 3(ugenblicte beo Q\=' 
road)en§ abgere(i)net, ben i]ufaniment)ang mit feiner Umgebung nerlorcn, 
cbenfo ba§ (ügifd)e Urteil über feinen eigenen ^^uftanb. 

®ie ^arfteüung ber 3:l3eoiiHil)cn, 1)a^ bie 3ee(e in biefem ßnflanbe 
t)cn Slörper fd)on gu oerlaffen beginnt, I)at oiel ^eftecl)enbe§ für fiel), 'ilnn- 
eine D()nmaci)t an fict) felbft ^u beübac{)ten imftanbe mar, mirb biefe^o 'iser= 
laffen unb 3ii^"iirffeljren ber Seeie (43emuf3tlcil^ö='i^erluft unb ='ii>iebertV()v) 
i)eutlic^ QQ\ii[)[t t)aben. 'äud} bei fel)r I)ol)em ?yieber unb Uarem ^i3emnf5tfeiu 

17a 




3^ig. IGl. ^'ortrnt einer ©reiftn ai\§ bcm 17. 3nt)vf)mtbert. 



266 Sanglebig!eit unb Sob. 



^aben forfd)enbe ^erjonen bal „Slbfaüeu" be§ fd)it)eren ^örpcr^ an fi(i^ 
felbft 6eobad)tet unb, roä^renb ber @ei[t bei erregter ^I)antafte fc^arf arbeitete, 
bie ©mpfinbung gef)abt, al§ roäre er mit bem Körper, ber roie eine Saft 
an i^m t)ing, nid)t mef)r feft oerbunbeit. (3tu§treten be§ 2IftraI!örper§ au5 
bem Seibe.) ®a§ fmb alle» S3eobad)tungen, bie bem 3Sorgang be§ (Sterbeng 
fef)r nalje fommen. ^znn förperlidje Gualen nid)t met)r gum S3erou|tfein 
fommen, bann I)aben fie au[gel)ört, Qualen gu fein. Sßenn ba^er ein 
©terbenber ftunbenlang röd)elt, raenn Bildungen, Sttemnot ufro. eintreten, 
(Srfd)einungen, roeldje eine teitneljnienbe Umgebung mit (Sntfe^en erfüllen, 
fo unterfud)e man flet§, ob ber Seibenbe bei ^erou^tfein ift ober nic^t. 
©ibt er feinerlei 2Introort auf Slnreben, bleibt er unberoegtid) bei Temperatur» 
einfCüffen auf bie .g>aut, Sageoeränberungen, Sid)teinrair!ungen, bann rea= 
gieren feine (Sinne nid)t metjr, ober ba§ (5)et)irn ift nid)t mel)r oufnaI)nie=» 
fäl)ig. ®ann ift aber aud) feine oollftäubige (Sc^merjempfinbung mef)r ha, 
unb mir f)aben feine Urfadje, über bie Seiben be§ ©terbenben p flogen, 
©ie ^ängenben Qüqq, ba§ faf)Ie ©rblaffen, ber langfame Sttem, ber ftod'enbc 
^ut§ ufro. finb nur pI)i)fioIogifd)e ©rfd)einungen, bie bei langfamer Sluflöfung 
bem Sobe oorangeI)cn. (Sinb bagegen I)eftige (Sdjmersäu^erungen, ®rregung§=» 
pftänbe, mit furzen S3erou^tfein§ftörungen oerbunben, üorI)anben, beftetjt feine 
2lu§fid)t auf Reifung, bann füljre man ben n)oI)Itätigen ^ämmerjuftanb burd) 
fünftlic^e SJlittel f)erbei unb oertange oom 2Ir3t entroeber SJIorp^ium ober 
anbere 9^arcotica. Oft füf)ren biefe fonft gu meibenben ©ifte fanft ^u einem 
fi^merjlofen 2;obe fjinüber unb roir preifen fie al§ S^ietter in ber 9Rot. ^m 
Übrigen fei man beforgt, bei einem (Sterbenben alle äußeren (Störungen fern» 
ju^alten: feine f)eftigen @eräufd)e, feine grellen Sic^teinrairfungen, feine 
fd)roeren 2)e(i"en ober unbequeme Sage, ^ei 2ltemnot erl)ül)te Sage be§ 
Dberförperg, bei falten ©liebern in ^-lanelle geroidelte 2Bärmflafd)cn, bei 
(3d)roei^au§bru^ unb fid)tbaver (Sdjroäc^e, folange S3ercu^tfein t)orl3anben ift, 
jarteS Srocfnen ber fdjroitjenben Stellen, leid)te (Einreibungen mit fölnifc^em 
SBaffer, ha§ man aud) unter bie Ülafe l)a[ten fann, reid)lid)e Bi^liif)'-' frifd)er Suft 
(bei 23ermeibung oon ^itgluft), liebeoolle», leifeS ^iifP^'i-^'^e"/ balbige S3efferung 
oer^eifjenb. (Solc^eä 93er^alten fann bie Dualen ber tetjten ©tunben roefentlid^ 
oerminbern; aud) bie (Srljoltung ber 3:äufd)ungen ^ranfer, g. ^. neue ^itfunftäs 
plane, bie (Srroartung ber Slnfunft treuer ^erfonen, bie 3iioerfid)t auf ooll» 
ftänbige Teilung u. a. m. ift au§ ^^pfli^t ber ^armljersigfeit notroenbig. ®ie 
Hoffnung roirft einen (Sd)imnter be^ Sidjte§ über alle Sebcn^uerljältniffe. 9Jlan 
laffe fie ben armen 5?rant'en, bereu Urteillfraft fc^on getrübt ift. 

SlnberS ift e§ bei plö^lidjcm 3:obe. (Sin (Sd)rci, ein unoermuteteS 
3ufammenbred)en, aud) ein lautlofeg Umfinfen, bei plotjUcljem ©tillftanb be§ 
§erjen§ mit SSerjerrung ber ©cfid)t^^5Üge, bunflcr i'cvfävbung, ftocfenbem 
2ltem, t>a§ fmb oft bie einzigen mabrneljmbaren 3eicl)en. 53ci (Sdjlagan=» 
[allen (austritt oon 33lut u\§ (Seljirn), bei ^erjtäljuiung beobadjtet man 



Songlcbigfcit unb Sob. 267 

bergleic^en. ^ennt man bie Ur[ad)en biefer ©rfdieinungeu ni^t, bann l)at 
man juerft bie illciber ju öffnen, frifd)e Suft än5ufü()ren, fün[tlicl)e 
Sltemübungen gu mad)en h\§ ber Strjt fornrnt. (9J^an lefe unfer 5?apitel 
über „ßrfte ^^i(fe bei Unglüdgfällen".) (Stetä benfe man in fold)en fällen 
an bie S)löglid)Eeit einer Of)nnmd)t. ^\t fein 9ßtcbereririad)en gu erzielen, 
bann greife man bie Ieicl)te, fct)üne 2;obe^3art unb erforfd)e bie Sebensroeife 
bes Siüten, bie foId)e§ ©nbe l}erbeifü()rte. 

®ie SIngft cor bem Sobe ift nur begrünbet menn i[)m jdjiucve unb 
langroierige 5lranf't)eiten oorangcl)cn. 2Iber auc^ ba l^ah^n mir ©egenmittel! 

2)a mir unter bem ©efct3e ber SSererbung fteljen unb oft für bie 
(Sünben unferer SSorfaljren hüf^^n muffen, oermögen mir aud) bei aller ©e» 
fuub^eitapflege nur bi§ gu geroiffen ©renken Kräftigung unb Sanglebigfeit 
§u erzielen; überbieS fommen nod) jene ©inflüffe be§ Scben§ in 93etrarf)t, 
bie mir nic^t ju änbern oermögen, 3. 58. foldje, bie mit unumgänglid)en 
©rroerb§üerljä(tniffen, ferner mit jenem feeUfdjen Seibe 5ufammcnl)ängcn, ba3 
un§ anbere 9}lenfc!)en suraeiten oerurfact)en ufro. SKir finb alfo jiuar bc=» 
fc^ränft in unferer 9)la(^t, aber feineyiucgg mad)t(ü!§. 

2luf bie ^rage: roie fidjern mir un!§ einen leidjten STob unb ein 
fd)öne§ 2(Uer? antworten mir foIgenbe§: 

1. ^nbem mir un§ cor 5(r5neified)tum beroal)ren, rocit bicfe^ oft 
unljeilbar unb bie Urfac^e fo mand)en fdjiueren Xobe» geworben ift. 

Sitte ftarf rairfenben ^ilroueicn finb meljr ober minber ©ifte, alfo 
(Stoffe, meiere gerftörenb auf unferen Drgani^omu§ einmirfen. %k^$ roiffen 
mir Dom 9JcorpI)ium, Cueiifitbcr, 53eüabonna u. a. ^e nad) il)rer Ä)lifc^ung 
mit anberen S3eftanbteilen ober nad) ber angeroanbten SJJenge werben fie 
länger ober für^er oertragen, biä fie il)re töbticl)e ^Äirfnng ausüben, galten 
mir un§ alfo frei oon (Stoffen, bereu SCßirfung auf imß mir nidjt immer ju 
ermeffen oermögen, unb bie fo oft ben 2:ob befd)leunigen. 

2. SSerraanbt ber 3lräueiüergiftnng ift jene ber 2lltot)oloergiftung. 
^ie längere SebenSbauer ber 2lbftinenten ift erroiefen. ((Siet)e groeiteg i^apitel 
„(Srnäl)rung", über Sllfoljol.) Sllfoljol ift für ben tierifdjcn 5?örper ein 
©ift, bag iljn langjam gerftört unb feiner beftcn S^äljigfeiten beraubt. SOJer 
nur Söaffer trinft, bleibt oor einer SJIenge oon fraufljaften 3^M"iänben 
ben)al)rt, roeldje bie ©ntmicthnig gefäljrlid)er Ä\'anft)eiten untcrftütjen. 

3. ®urd) genügenbe ^ufi'f)^' u*^" 9iätir lallen unb burd) reid)lid)cn 
Dbftgenu^. 53eibe fd)affcn un§ gcfunbe Slörpevfäfte, t'räftige K'nod)en, gute 
SSevbauung, finb alfo ein mefentlidjcr ^yaltor jur ®rl)altung unferer ©efunbljeit. 
(£s fei ^ier erinnert an bie ©efd)id)tcn uralter (Srcmiten, bie bei 'Il^urjcln unb 
^Beeren ein ftiüeä 3i^alblcben fiiljvtcn unb in t)ol)cm 3llter einen fanften 2:ob 
otjne Kranft)eit fonben. 2Ba§ Ijatte i^nen biefe "iJorsüge oerfdjafft, ©efnnb' 
^eit, Sanglebigfeit unb leid)ten S^ob? ^{]xc ^ebcn^mcife, ibve '!)Kil)vnng. 

4. ^urdj l'örperlid^e '^Irbeit unb ©enu^ reiner ^nft. a^h'ifiig» 



2(38 2anc\Iebigf eit itnb 2 ob. 



gang, (2tubeu(iLH-fevei, fitjcube ^ätigfeit macljeu bte ^^leufcljen frauf. ©3 
prüfe fict) jebev, luie rccit er fid) gegen biefe Sluforb.n-iing uerfünbigt, luag 
er tun füiinte, inu fic^ beffere 93ert)ältnif|e 511 fdjaffen, imb er flücbte in bte 
93erge, in ben 3Balb uub |d)öpie neue .Uraft an ber '^ruft ber ^rOJutter 91atnr. 

5. ®urd) ^uft* unb Söajferbäber. (Sin jeber fonn fte [id) jdjaften, 
lüeun aud) mitunter in primitioer SBeife, lüenn er e§ nur oerfteljt. 9tid)tö 
l)ült .^aut uub (5tüffiüed)i"ct fo gefunb raie bieje, unb feine anbere Pflege 
ift fo billig f)er5ufteHen. 2Iud) com SBaffer erjätjlt mau fid), roie e§ bie 
i'ij]enfd)en jung unb fd)i)n erl)alte, unb mie e§ oerlorene Svräfte roieberbringe. 
llnb ba§ ift fein 9Jlärd)en! 

6. ®urd) 3Serfel)r mit ber ^ugeub, bie m\§ frol) unb lebenbig 
er!)ätt, iüä()renb Umgang mit bem Stltcr 5U ©riesgrämigfeit geneigt mad)t. 
G§ ift, a{§ mürbe bie ^ugenb etma§ r>ou i(irem 5ieid)tum abgeben, etmaä 
von il)rer 'Jßärme auf ba§ oft fröfteinbe 9(ltcr überftratjlen. 

7. Sc^tiefjlic^ burc^ geiftige ^utereffen, burd) felbftlofe^ Söirfeu 
für anbere. ^n ber Eingebung an fold)e S^^l^ fd)eint ein 93ergeffeu auf 
uns fetbft einzutreten, e§ entmi(ieln fid) unfere beflen Seiten, unb ber Ggois^ 
mu§ ober bie ©riUigfeit üerfümmern babei. S)a5 ©nbergebni» ift ein liebeng= 
mürbiger, geiftig lebeubiger 9)lenfd) tro^ 60 ober 70 Seben^jaljren ! — 

3Ser biefe fiebeu -^Punfte raätjrenb feinc-o Seben§ berücffid)tigt, 
roirb gefuub bleiben, unb \)at er biefe^ ©lud: infolge auberer Giuflüffe 
(33ererbung, (Srmerb, iUimmer) fid) uid)t oollftänbig erringen tonnen, fo 
mirb er raenigften» einen Ieid)tereu 2;cb fid) fidjeru fönnen. 

?l(§ uerjüngenbe» unb oerebe(nbe§ 2)loment reiben mir nod) bie p^i^o^ 
fopl)if(^e (Sntraidtung unfereS (Seifte§ ober bie edjte ^leligiofität an. 3nie§ 
rca§ uu§ SSerfüt)nung, ^^-riebeu, inneren ^alt bringt, mirft gut auf ©eete unb 
itorper ein. ^a§ 9]er(angen fo oieler ^-rauen na^ einem fdjonen ©tauben 
foU baljer uid)t befämpft, fonbern uuterftü^t roerben, bod) taffe man e§ nid)t 
an uaturraiffeufdjafttidicr ^ilbung uub allgemeiner ^ufflärung fetilen. SBir 
nerfteljeu, unter „©tauben" uid)t bie fonfefftouede 2:reue, ben s^a% gegen 
Sluber:JgIäubige, bie befd)ränfte l^enfungsart nad) einer ©taubensle{)re, bie 
ftets bie Saljrljeit allein gu befitjeu glaubt, fonbern ha§ flarfe ißebürfnis 
nad) einer ©ittenlel^re, meld)e ha§ menfd)lid)e Seben in fefte 53al)nen leitet 
((Stijif) unb üor SÖillfür bemaljrt, ferner xm§ eine l)armonifd)e SGBeltan-- 
fd)auung gibt. Solct)e Sieligiofität füljrt un-S umfomeljr 5U .spöljcupunften be§ 
menfc^lid)en ©eifte§, je fd)ärfer mir su beuten oermögeu unb je meljr mir 
uuferen ©eift gebilbet l)aben; mir lernen bann pI)ilofopI)ifd) 5U beuten unb 
unfer Seben nad) Ijoljerer ©rfenntnis einjuridjten. 3Scld)e 9xul)e, meld)e 
neue Gräfte uerleiljt biefe§ SSermögen ! 

SKir empfel)len benfenben Scfcrinnen bie (Sd)rifteu beS 91mcrifancr§ ^riue 
„^n. Harmonie mit bemlluenblid)eu" u. a. m. %ann „3u ber inneren (Bdjönbeit" 
üou S[Raeterliurt, ferner „31rbeiteu uub nict)t oerämeifclu" oon ©arlijlc. 





ff y % 



ZVEITERTEIL 




DASKIND '^ Sl 




lMMM,M>M,MM,M.ä,s 




Mit einer erwachsenen Generation ist nicht mehr viel 
zu machen, seid aber klug und fangt mit der Jugend an! 

Goethe. 




Scl)wanger$c^ar^ 




Die Kcim^dUn und ihre Vemnigun^» 

m (eljten 5^apite( be§ I. Itcile» l)abeu luir bas G)ej(^(ed)t§febcn 
befprorfien unb jene 'i\n-[iä(tni)'fe t'lari^eteoit, loeldje für bie 
öntiüidlung ber men[cf)lirf)eu 5leim,^eUeu von 53ebeiitnng finb, 
unb bie bem ^^ovgange ber 33efrud)tnng üorangelieu; im 
IL Steile uni"ere§ 53ud)e» befpred)en luiv "Oaä 'Iöad)5tum ber 
befrucf)teten (Si,5eile, bie bamit im ^iMcimmeufiang fte()cnben 'l^eränberungen 
be? mütterüc{)en Crgaui^mu?, bie 5(u6ftof3uitg ber reifen Seibcc^fruc^t, bie 
$>e[d)affenf)ett unb bie ^ebürfniffe bes neugeborenen ^inbe§ unb bie -^^[lege ber 
53hitter, raie fie ryini 0)ebei{)en be? Hinbe§ unb i()rer eigenen 3ufunft notiuenbig i[t. 
(Entgegen anberen populcärcn '^üdjern trennen roir ?Jtutter unb 5tinb 
nid)t, benu o[)ne gefunbe 9)]utter feine gefunbe 2eibe5frud)t, oI)ne gutgebilbetcn 
(Sierftod unb Gebärmutter feine Sci)it)angeri'd)aft, of}ne i3er5= unb 'I^ht^fcU 
traft ber l^Jlutter feine '-JBe()en, bal)er feine natürlid)e ©eburt, ül)ne gut* 
entmicfelte '^ruftbrüfen unb gefunbe mütterlicfje (Säfte feine nntürlid)e, am- 
reid)enbe 9lat)rung für beu ^Jleugeboreneu. Somit ge()ören (£d)ir)angerfd)aft, 
'löodjenbett, 3äugung§periobe in bie 3(b(iQnb(ung über 'Dax-^ 5linb, a{§ ber- 
jeuige Jeit be» Stinbee, roeld)er feine Gvljattung unb feine ©efunbljeit bebingt. 
^u biefem Sinne möge uu» bie ^.^eferiu folgen! 
'^k ^IRutter ift be5 5iinbe5 rcegen bn, unb luer fräftige, gefunbe 3:öcf)tcr 
erjogen ()at, ber t)at für eine glürflid)e ^JJad)fommcnfd)aft geforgt, ber hat 
fid) glücf(id)e Gnfel geficf)ert. 

9'lod)mat5 bringen mir f)ier auf ^ia,. 162 bie 3(bbilbnng einer reifen 
(Sijeüe, aber fef)r oergröfjert, famt ber fie umgebenben ^'■'IJfci)^''"^)^»-'. *i?(l'5 ein 
^^ünftd)en erfd)eint fie bem freien -Ihige, mit einem 2)urd)meffer uon ein 
fünftel 'i'J]iÜimeter; fie unterfd)eibet fid) mefentlid) oom 33ogel=Gi, aber nur 
mcnig üoni 3ängetier=(Si. 3)Ie()vere 3d)id)ten feben mir aufcinanbcvgclagcvt 
unb im innerften ber ;]dk ben „^t-'l^^^-'^'i^" ober bay „Sleimbläi^djen", jenen 
roid)tigften 3:eit ber (Si'ieüe, ber fid) oeränbert unb mit Dem Spermafern uev' 
fd)mi(5t. S^ie mcnfd)lid)en Samcnfäben babcn mir fd)on in JUV 1^' i^*-''^ 
I, 3:ei(e§ gebrad)t, bie beutlid) .Hopf unb Sdjman,') ertenneu (äffen. Ter .Uopf 
rairb 5um Sperma fern in ber (Si^cüe, ber 3d)man5 löft fid) auf. 



Sic yrau als .^-»ausorMin. 



17b 



270 



2)tc Kcimjcllcn unb tF)rc SSereinigung. 




%k 2Irt be§ ©inbringenS ber mnnnlid)en (Samenfäbeu in bie ©isetle 
ift au§ 3^ig. 163 erfid)tli(^. Sßir t)aben f)ier jroar nur beit 35ürgaug an bem 
@i etne§ ntebereii Siere§ oor \m§, fe^en aud) gleidi^eitig fünf (Snnicnfäben 
Dorbringen, aber ba» SSefentlic^e babei ift überall bag g(eid)e, alfo and) beim 

menfd)Iicf)en (Si. Qu bemerfen ift t)ier» 
bei jebüd), ba§ beim SDlenfdjen nur ein 
©amenfaben in ber Sieget einbringt. 
Unter rceld)en Umftänben unb mit roeldjcn 
^-olgen met)rere Samenfäben fi(^ ein* 
bot)ren, ift nod) nid)t befannt. 

:^ft e§ rid)tig, ba§ bei jeber ^e* 

gattung an 800 SUillionen (Samenfäben 

I ^^'"i>o'5Y^>T' (©permatojoen) in bie roeiblid)en S:eile 

/y'V^S^^äy ergoffen roerben, unb I)ä(t man bagegen, 

|fe^^^^ ^"B e^J^ (Samenfaben genügen foU, um 

'^^ ein (?i ju befrudjten, fo ift man über 

(£tscacbe^?0?Ätrrctfcm3«fta«bc. ^^^^^ 2?erfd)menbung ber 9latur er= 
D Sotter. K S^eimWäMieu mit S?eiinfled. ftaunt unb fragt fid): roo5U?! Slu^erbem 

bleibt ber Samen oft an ad)t 2;age im 
n)eiblid)en Drgani^mu^ 3eugung§fät)ig unb ift oon auJ3erorbenttid)er ^eben§= 
fäf)igfeit. 3(ngefid)t5 fotd)er Satfadjen mu§ man fid) munbern, ba^ nid)t 
noc^ l)äufiger ^efrudjtung eintritt. (Sid)er ift bicfer Umftanb entrceber auf 
roeniger energifi^e Q3eraegung Dei§ (Samen§ ober auf befonbere Sefd)affen^eit 
ber (Siseüe unb ber roeiblict)en Organe §urücr5ufül)ren, meil ba§ 5^eimblä^^d)en 

ber ©ijcüe ober bie (2d)Ieim^aut ber (Bebärmuttet 

5U ben notiüenbigcn 

Umäuberungen oiel« 

Ieid)t nic^t immer 

g(cid)befäf)igt finb. ^^ 

33ei ben ©äuge^ g-ig, 164. 

C5nücrtl)üüc einc§ ecc= tieren, bie gröfjten Jcil etJtc§ bcfrud)tctcu %vo^ä)--(SitS 
ftcrn=Gtc§ mit einbringen^ niiSrtPnnntmon impv- ^ov ber S3erfd)mel5ung be§ SamenS 
ben eamenfätcn. aufgenommen, loer- ^^^.^ ^^^^^ ^-^^^^^ ^^^^^^ g-urd)inigiifern. 

ben immer mehrere 
(Sier befrud)tet; baf)er wirft bie ^ünbin tjier hi§ ad)t i^unge, ^u!), ©tefant 
ufra. aber nur eine§; aber anä) ber 9J]enfd) fann sroei unb felbft üier ?^rüd)tc 
g(eid)5eitig tragen unb gebären, roa§ un§ beraeift, baf? suraeiten aud) me()rere 
Gier im Uteru^ anroefenb finb unb bcfrudjtet roerbcn. 9Jlan fprtd)t bann 
oon einer „Überfd)roängerung" unb — bebauert bie reichen ©Itern. 
(Sen)ü()nlid) finb biefe (5^rüct)te nid)t lebengfä()ig. 

53ei ^^nroefentjeit fo iDieler fräftiger (Samenfäben, bei ber ftet§ oort)anbenen 
9}löglid)feit, ba^ nid)t nur ein, fonbern fogar mef)rere normale Siäeüen i^nen 
begegnen, roirb e§ un§ ftar, wie fd)mierig bie fünftlid)e 93erf)ütung ber 




S-uj. 103. 



Sie Seimjelten unb if)re SSereinigung. 



271 



®d)iüaiigerfd)Qft ift, unb luie leid)t aiid) nur ein f leinet 9Ser[et)en jur nici)t 
geiooUten ^Befrudjtung fül^ren fann. SBenn atfo nur (Spermafopf unb ^ern 
be§ ßie§ t)eri"d)me(5en unb nur biefe beiben bie eigentlid)cn 2;räger ber 
Gigenid)aften ber (Sltern finb, fo niuB man bie ^ernfubftanoen all tizn allein 
raejentlic^en 2;eil ber beiben Heiniäeüen betrad)ten. ®ie ^inber g(eid)en au^ 












%\%. 165—174. GntöJtiftitng ber mcnfd)lid)cit ^nxäjt bt§ sunt SBcgtnn bc§ bnttcit aHonatS. 

Ungefäf)r breifadje 5?ergrö^erung. 

beiben ©rseugem, jebe if)rer gellen entl]ä(t einen 2: eil ber mütter(id)en unb 
Däterlic^en ^eimjeüen, unb el roirb baburc^ bie Übertragung iljrer förper» 
lid)en unb geiftigen Gigenfdjaften erf(ärlid). 

^n ^ig. 164 seigen luir bie 2Innäf)erung ber beiben 5?erne inner» 
f)alb ber (Si5ene. ^Rac^ it)rer 33erfd)mel5ung, bie große 5>eränberungcu unb 
eigentümlid)e (Srfd)einungen tjeroorruft, ent)"tel)t ber fogenannte „^nadjung-^fern", 
ber balb in einzelne fleine ^ugehi jerfäüt, in „^-urdjung^Sfugeln". S)a§ 
menfd)Iicf)e Gi gelangt etiua am elften 2iage in biejcn blä§d)cnfürmigcn ^itftiinb. 

2)a bie rceiteren Gntmicflunglftabien iüx \u\§ oon feinem pvaftiid)en 
2Berte finb, fo übergefjen mir fie unb ermäljuen nur nod), baf3 fämtli^e 



272 



^ i e S? e t m 5 e H e u n n b i (i r e 5? e r e i u i g u n c?. 




Dvganc iinb (Seiuebe be» inen[d)lid)en £övper§ in iljrer erften 21nlage an§ 
nur brei übeveiuanbergelagevteu £cl)!cl]ten uou ^^fli-'" eutftel}en, beii fos 
genannten Sleimblättern, unb baf5 bemnad) jebe biefer (Sct)ic^ten 5ur Ur= 
anläge für geroiffe ©eroebe ratrb. Tlan unterfdjeibet em äuf^ereS, mittlere^ 
unb inneres Sleimbtatt. 2Iu§ bem äußeren entftclien ^aut, ^lertien^ 
©inneSorgane, au§ beni mittleren Rnod)en, 9?lu5feln, 53tnbegeiyebe, au§ bem 
inneren bie brüfigen Drgane unb ber !i>erbauung§[cl3(aud). 

®arau fci)(ie|3en roir bie ^arftcdung ber ©tufenfotge ber forperUd)en (Snt- 
lüiif hing be§ 9}]enfct)en, bamit ber Seferin ba§ 2Bacf)§tum ber min^igen befrud)tetcn 

(Siäeüe unb bie {Snt[tel)uug be§ 9}cenfd)en anfd)au= 

lid) üorgefnljrt raerbe. (Siel)e "Jig. 165 — 174.) 

3(u§ ber erften ^Il>oc!)e ber (Sntroitfhmg be§ 

menicl}licf)en (Sie§ fel)Ien genauere 33eübad)tungen; 

mir Ijaben nur tierifdje Gier erforfd)t. 31m 

äraötften ^age ift ba§ be[rud)tete (Si ein f(eine§ 

S3(ä5d)en, mit ^öttdjen befet^t, non einem Ijalbeu 

Zentimeter im 'Surdjmeffer. ®ann fommt bie 

tierifd)e %ox\]\ immer mel)r §um ®urd)bru(^. ®ie 

Sirümmung beö 5^opfe§ unb Stumpfes foroie bie 2In= 

nätjerung be§ fctjman^förmigen 5!örperenbeS anben 

Sl'opf fällt auf. 9Jlit oier ^^od)en ift ber @mbn)o 

einen Zentimeter lang, ^m jroeiten 9JIonat ent* 

mid'clt fid) bie bleibcnbe ^törperform, unb am %\' 

fang be§ britten ift bie SJJenfc^engeftalt in i^ren 

^aupt5itgen angelegt, ^ann roact)fen ^önbe 

unb 3^ii^e benttid) au§; im oierten mirb l^aS @efct)(ed)t erfennbar, unb 

in 'i>^n uad)füfgenben finbet l)anptfäd)Ud) ©eiuid)!^- unb Sängen^unafjme ftatt. 

Unfere 3lbbi(bungen 165 — 174 geigen un§ bie (Sntmirflung be§ ®mbrr)o§ 

bi§ jum britten 5[Rünat. 

%^x grofse 5^opf, bie gurücfgebliebenen 33eine, bie roeit au§einanber- 
ftet)enben Singen, ber grof^e 9}]nnb, bie unfertige 'Jtafe faden in biefen {)alb 
tierifd)en ©ebitben auf. ®urd) SSermadjfnng, 3(nnä()ernng, iscrfteinerung unb 
^^ergröfierung biefer unb J3ner 2:ei(e entfteljeu aümäl)lid) ha^^ menfd)lid)c 
2(nttit3, bie mcnfd)tid)e S^örpcrform, roa§ aüerbing§ oft fd)roer gtaublid) er= 
fd)etnt, roenn man bie ßmifdjenformen nid)t genau betrad)tet. %^x geringe 
llnterfdiieb gmifctjen ticrifdjcn unb menfd}Iid)en (Smbrijüneu ift au§ unferer 
Zeichnung erfid)tlid). 

^ie (Sinbettnng be§ befrud)teten i&k§ in bie @ebärmntterfd)teimt)aut 
fitbrt un§ Jig. 175 üor. 2öir feljen bie Sd)(eiml)ant ber ©ebärmutter fict) 
ücrbid'cn unb mudjern; bie ©seile mirb üüu i()r umfd)lüffen unb fcftgelialten, 
unb nun cntmicfelt fid) burd) fie bie SSerbinbung ber S-rud)t mit bem mütter- 
üd)en .VUh-pcr: bie ^^^la^enta, ba§ ift ber ?)]utterfnd)en. 



f^ig. 175. Giulogentug J)c§ fic= 

fntrf|tetcn @te§ tu btc 6}cliör= 

tttuttcrfdjtcint^ant. 

G ©cbärmuttevluiljlc. 

VV S[öud)crube ©d)Icim()aut. 

E (5iäCÜc. Seh ©d)eit)e. 



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'•I nl ,nari92zu6 ismmi liaji'rfoiNnfV/ 
- ...vid3i/;JiiW ni 812 zfe ,1022018 slrföH 
vionni 9ib .nagnufansV/ na^öIrjJ^Mm ngjl^fb 
iun rnr fani2 nagageb zier; 
)W SI nov i9iIA mi "fH.. ;: 
jri ozzad lobnenion 

^ifa riDi2 9lf9l2 

-- — -,.^..,, ,,!iul;j sib rngWolsv/ =; ,in. ^^ 

.n9229;irio2 9;(Dßg monig us rioig gJußriiH nsli. , ,rj 

-i9llürn mab Jim gnubnidiaV gib tdrafd lundj , dDiua 

' •; n^hüHsJa 9ib bni2 I- bnu f .gH nl .n3jl5rl„ .,^,,^ „sdoü 
hkiffoD 1* bfT9irißw bnu lov gdishaJJuM W^-ÄBniH 29b 
otT^ ,n9fTUEl2i3 )im }nn9;Ji9 nßM .«Isl^sgiBb i/gilsgiuJen 
Jmminnio gnuiaäeJ ladaloz i9d loqiöH gniaW 19b mußH tjinow 
. n9riD,9j n9n9ioi?9ä nR .Jgi 9i9isi9l ^^,,.?^m^-^^^^ g.V bnu 
912 nßm rrrabn. .naH^ßrn .;. nnibuia 929ib ,9bfrßt2fni nem lew 

rfoiub naJnid rioßn mov nov 
c^ iriom 2nu grb »ffairf-rs 

biiv/ i 

flodly,' 

-oD 3: 



nsfa 




^i"rjv lyci 




1 1!.! a u 11 g. 



'te'^' 



reu bie brufic^eif Dvqane unb ber il'erbauinKV^fd, 
~ Der Fruchthalter (Gebärmutter, Uterus) ist m Fig. 2 uTi5l.3 
dargestellt, sehr dunkel gehalten, wie blutreiche Organe'lft 
Wirklichkeit immer aussehen. In Fig. 2 ist er leer, sehie 
Höhle grösser, als sie in Wirklichkeit zu sein pUcgt, die 
dicken muskulösen V/andungcn, die innere Schleimhaut, der 
Beginn des Scheidenkanals dagegen sind im richtigen V(^- 
hältras Fig. 5 stellt ein „Ei" im Älter von 12 Wochen djir- 
Um die einzelnen Teile voneinander besser hervortreten, zd 
lassen, haben wir die Eihäute im Gegensatz zum Mutterkuchen 
hell zeichnen lassen. Man stelle sich die Höhle mit Frücht- 
wasser angetüllt vor, in welchem die kleine Frucht sich Irei 
bewegt und die hellen Eihäute sich zu einem Sacke schliesscn. 
Durch die Nabelschnur bleibt die Verbindung mit dem mütter- 
lichen Körper erhalten. In Fig. 1 und 4 sind die Stellungen 
des Kindes im Mutterleibe vor und während der Geburt 
naturgetreu dargestellt. Man erkennt mit Erstaunen, wie 
wenig Raum der kleine Körper bei solcher Lagerung einnimmt 
und wie zweckmässig letztere ist. An gefrorenen Leichen 
war man imstande, diese Studien zu machen, indem man sie 
von vorn nach hinten durchsägte und dadurch bleibende 
Bilder erhielt, die uns mehr sagen, als die geistreichsten 
Vorträge es vermögen. In Fig. 1 steht der kindliche Kopf 
noch über den Beckenknochen und verändert auch noch seine 
Lage, wie das vorliegende Ärmchcn beweist; in F^. 4 steckt 
er schon zwischen dem Schamhein und dem Vorberg und wird 
durch den von oben nach unten wirkenden Druck in derselben 
Richtung vorwärts getrieben, wodurch er eine längliche Ge- 
stalt erhält. Die Ärmchen haben sich nach oben geschlagen, 
die Fruchlblase hat sich nach unten vorgewölbt, der Geburts- 
kanal hat sich verkürzt. Vergleicht man Punkt für. Punkt 
Fig. 1 .mit Fig. 4, so wird jedem die Art, wie das Kind den 
mütterlichen Körper vcriässt, klar i*eTdc«;'v .'•''' 



RH 



Die- P,U)iid 



ibuv alliubithiv ü]: H^ntT c^UwH 



t>.u)i]c!)C!!.oimcii nid)t i^onmi Oettartifc;. 



Diinn 
Mage/i 
fkMj-miUtfr 

MiiSdschnur 

WirM- 
Avwc/iw 

FmehtbUtse 

Muttermund 
Harn/>faje 
Schekif 





fl)l/fttT 

fi/ifi/e 



SfMeJ//i 
hau/ 



.S'rAe/We 



MutUmimd 



Normale Gebärmutter 
in halber Grösse (Durchschnitt) 



Normaler 

IruAUrj 

/iiMfrr 



Geöcimiuäen/ni/ul 



I. Schnitt durch einen 
weiblichen Körper gegen Ende 
der Schwangerschaft. 



4. 




Xhtffrmund 



Die inneren weiblichen Geschlechtsorgane 

mit Schwangerschaft-" 

im linken Eileiter. 



jVaMjcA/it, 




II. Schnitt durch ein Becken 
während der Austreibungsperiode. 



Menschliche Frucht 
12 Wochen alt 

4/13 natürliche Grosse 



Die Frau als Hausärztin. 



Tafel 8. 



Schwangerschaft 

Fortsetzung auf Tafel i) 



übet bie 23e[tiinnntng be§ ©e] cl)lec!)t§. 273 

Ober die Bettlmmung des GeTcbUcbts. 

^n bcr legten ^^it rourbe bie ?^rage ber ©ci"d)(ecf)t5beftimmung niel 
erörten. ^k 9)]Ö9lic{)feit, ba§ ©ei'd)teci)t feiner ^inber raiüfürlid) 511 beftimnien, 
i\at fet)r oie( 53efted)enbe5 für fid) unb lütrft bemgcnuif5 erregenb auf oiele 
©emüter. ©eiüiffe 2:I)eürien l)aben oon jel)cr ©eltiing gc(]abt, roic §. S. jene 
über beu ©influ^ be§ 3(Iterö ber (Sltern ober bc§ geiftigeu Übergeir)td)t§ eine§ 
ber ©atten; burd) bo§ ^u^ bc^5 Siener ^^n'ofefforä Sd)enf aber finb ganj 
neue @efid)t:§punfte in ben SSorbergrunb getreten. Gr fii()rt, geftü^t auf äf)n= 
li^e SSorgänge in ber S^ienuett nnb auf oietjcäfirige ^^cübacljtuiujen, bic Gntroid'=^ 
(ung be§ @efd)Ied)t§ I)auptfäd)Iirf) auf bie @rnöf)rung ber 3)]utter §urürf unb 
bef]nuptet, ba^ oermeljrter ©iiüei^.^erfaU im Crgani^^niu» ber 't'Jhitter icäfjrenb 
ber erften groci (Brf)iüangerf(^aft5monate männlii^eä @efd)(ed)t beg Rinbe» be== 
lüirfe, bagegen eine an ©tärfemet)! reid)ere S^aljrung roeiblid)e§ ©efd)tecl)t bey 
5tinbe§. 9kturforfcI)er unb Sanbiuirtc beftätigen au§ alter (5rfat}rung, bafj man 
bur^ bie 2(rt ber Grnätjrung auf bie @eid)tect)t5bilbung entfd)iebenen (äinfluf5 
geroinnen fönne, unb jroar ift bie5 befonbersi befannt bei gciuiffen :3"ft'ften unb 
bei ben S^inbern. (2rf)enf fü()rt roeiter an§, ba§ nur bie 9}hitter beftimmenb für 
ba§ (3efd)(ecbt fei unb ber 33ater feinen Ginf(uf5 bavauf I)abe, unb bamit ftimmt 
eine anbcre -öpottjefe übereiii, nad) roc(ct)cr ba;; (i)efd}(ed)t in ber (Si^ede fd)on 
oorgebitbct fei. ^\t z% aber rict)tig, ^io!^ bie Reimjellen übertjaupt bie SSor- 
bebingung jur 33i(bung eineS (SpröfjlingS üom anbercn G)efd)(cd)t in \\6) tragen, 
alfo jebe fräftige (Si^ette nad) eingetretener 33efrud)tung einen ^inaben er= 
geugen mu^, bie !räftige ©amen^elle aber, roenn \{)x Ginftufj überwiegt, 
ein 5)Mbd)en, fo raäre a\\6] bie @efd)(ed)t5bilbung nur 00m ^traftnertjättnis ber 
3eugenben gu einanber abljängig, nict)t aber nur oon ber -ilRutter unb i()rer 
(5rnä()rung. j^-olgenbe ^Beifpiete au§ bem ^<thz\\ roürbcn bie Diidjtigfeit biefer 
2{nnat)me beroeifen. Srfte^ ©(jepaar: 9J?ann um 15 ^af)re älter at§ bie ^yrau, 
rübuft, genuf3füd)tig, (cben^früt), ftavb mit 72 3al)ren; bie ^-rau .^avt, empfinbtid) 
unb unfetbftäubig, ftarb mit 40 ;^^al)ren; fie erjeugten nur ,?,u)et 3:öd)ter, 
au^eretjelid) f)atte ber 9}]ann aber and) \\a6) eine 2;od)ter unb feinen <3oI}n. 
'2)ie§ roürbe beroeifen, ^^ay^ feine fväftigen unb reid)lid)en vBamcnjcüen ftet'o 
überroogen unb ba^er bas ©efdjledjt beftimmten. ^i^^itc!? (5(}epaar: iOiann 
um brei ^a{)x<i. älter, roillen^fdjiuad), nad)giebig, fränflid); bie ^yrau energifd), 
felbftänbig, bie gül^rerin ber Glje, üüu einem fräftigen initer ftammenb. 
Sie erzeugten brei i^t'inber, baS erfte 5roar ein ^iJiäbd)en, ber ^^Jiuttcr aber 
auffallenb äl)nlid), ba^ ^roeite unb britte roaren Sinabcn. .pätte fie nod) 
me^r ^inber geljabt, roürben bie 3üt)ne fieser 5at)lreid)er aly bie 5:öd)tcr 
geroefen fein. "S^iefe 'iroei 5knfpiele fann jcber mit $?eid)tigfeit uermebren, 
roenn er in feinem '-üefanntenf reife Umfd)au Ijält unb fid) bac^ 'il^efcn ber 
©atten oergcgenroärtigt, bann bic ^']al)l unb \i(\^ öefd)led)t il)rer 5tinber. 
2)a^ man au^erbem „iDlänner-" unb „^-raueneljen" burd) eine sielbcroufjtc 

31« ^rnu ali ^au>?äv5tin. 18 



274 über bie S3eftimmiing be§ ©efd)Ie(^t§. 

Scbengroeijc ber Gttern beeinfluffen fanit, fd)etnt [e^r roat)rfd)einti(i), bod) 
^ben roir nod) fein ©i)[tem bafiir. SJlöglid), ba^ burd) bie 93eröf[entli(^ungen 
be§ t)iel9efc!)mä!)teit ©^en! je^t eine %xag,^ in ?^-Iu^ !ommt, bie man norljer 
nod) nid)t jur Se[pred)ung reif I)iett. '3)aj3 mir bie SJJutter beim ©ef^Iec^t 
be§ ^inbe§ befiimmenb [ei, [d)eint boc^ mol)I nnmal)r[d)einlid), roenn an6) ber 
3uftanb ber (Si^etle üielleid)t ber maj^gebenbere fein bürfte. 

(£in Sanbiüirt mad)te bie 33erfafferin barmtf aufmerffam, ba^ er meib* 
Iid)e ober mcännlic^e ^nnq^^ feiner 5^ül)e ober ^^fcrbe raillfürUd) baburd) er- 
zeugen laffen f'önne, ba^ er Stier ober .^engft red)t§ ober Iinf§ r>om raeib= 
Iid)en Siere fleljen laffe. %ii\it fid) ber Iin!e ^obe mel}r, bann gibt e§ 
raeib(id)e ^unge; ift ber red)te oor bem 2lft gef^raollener, mann» 
Iid)e. Slngeblid) I)ätte fid) biefe einfad)e 3:Ijeorie, nad) raeldjer alfo bem 
9}lanne allein bie ©efd)ted)t§beftimmung snfalle, and) beim DJIenfdjen beroätjrt. 
©r muffe oor bem 3(fte red)t§ ober linf'^ üon feiner 3^rau liegen. ©^ mürbe 
fiel) IoI)nen, (£rfaljrnng§tatfad)en barüber ju fammeln. 

®ie ^rari§ alter 2Sölfer, befonberg ber ^uben, beren I)üd)fter (Stot§ ünber» 
rcid)e ^-amiüen roaren unb bie e§ fid) 5ur3Iufgabe mad)ten, oiele (Bö\)m gu sengen, 
bamit iljr 25oIf ftärfer unb gröfser mcrbe, leljrt un^3, baJ3 bie Straft ber ©igelle in 
ber erften 2öod)e nad) ber 9Jlenftruation am gröjstcn ift unb ba^er, menn QSe» 
fruc^tung in biefer Qdt ftattfinbet, männ(id)e ©eburten überroiegen. ^e ättgr 
ha§ Qi ift, befto fd)mäd)er mirb e§, befto Ieid)ter fann alfo bie Samenjette mit 
tljrem @inf(uf3 überroiegen unb baljer meiblidje 5^inber bcroirfen. Qmmer mirb 
aud) bann ber roeibtid)e (Sinflu^ überroiegen, roenn bie Samenzellen gu lange auf 
bie (Sizelle roarten mufjten, roeil biefe ben 3r.id)tl}alter, bie ©ebärmutter, no(^ gar 
nid)t erreid)t Ijat unb in5roi|d)en an 2eben§tvaft einbüfste. 3lud) bann mürbe bei fräf= 
tiger Giselle immer ein Solju geboren merben. ®er gried)ifd)e '3)id)ter 21lfm öon, 
rceld)er 540 o. (5l)r. lebte, Ijatte fogar bamat§ fd)on bie 2tnfid)t, ba^ t>a§ ©efc^le^t 
be§ §ütu§, je nac^ bem 35orl}errfd)en ber roeiblid)en ober männlid)en ^otenj, be» 
fiimmt roerbe, unb im Salmub, bem alten jübifd)en S5sei§l)eit»bud)e, l)ei^t eine 
Stelle: „2öenn roaljrenb be» @efd)led)t§afte§ ba§ 9Beib leibenfd)aftlid)er beteiligt 
ift qI§ ber 9}]ann, gibt e§ männlid)e ^rüd)te, im umgefeljrten ^alle roeibli(^c." 

^lof3 oertritt in feinem umfangreidjen 9Berfe über „®a§ SCBeib in 
ber S^latur» unb SSolferfunbe" bie 2lnfic^t, ba§ nid)t bie ®rnäl)rung 
ber SJiutter für ba6 ®efd)le^t be§ S^inbe§ maf3gebenb fei, fonbern ba^ bie 
@ef^le(^t§beftimmung roaljrenb be§ 93efrud)tung§afte§ fid) oolljielit unb bie 
feyuelle 33efäl}igung ber (Erzeuger bei ber @ntfd)eibung be§ G)efd)led)te§ ma^« 
gebenb fei. ®er einflufsrei^ere Seil babei fei ber S[Rann, oon beffen Sefäl)igung 
ber ^nabenüberfc^uf3 abljängig bleibe. 9Jiit biefer 3luffaffung ftimmen oiele 
2:atfad)en au§ bem Seben nid)t überein; allein intereffant ift e§, ba^ auc^ er 
5vraftmomente anerlennt. SOIan lefe in feinem obengenannten SBerfe nad). 

ilürslid) ift eine neue Schrift oon Dr. ö- S>ogel=9Jiünd)en über bicfen 
©cgcnftanb erfd)ienen, bie roir ber allgemeinen $8ead)tung empfehlen fönnen. 



über bie SScfttmmung be§ ® ef c()Ied)t§. 275 

Sie tft betitelt: „^(icfe iuy 5}leu[cf)eu(el)cn" unb er[cl)eint bei 9Iiiguft (3c!)upp 
in SJiüudjen. ®er 33cv[affcr, ber an ber 3:ienüelt bie intereffoiiteften 
93eobQd)tungen öcfammelt Ijat, riicft ein ^i^llümcut in bett ^sorbergrunb, ha§ 
h'hS jeljt iiod) fein ^-orfdjer in bicicm ©vabe luürbigte: e5 i[t \)a§ an()altenbe 
3>er(angen be§ lueibüdjen 2:ei[eä m<i\ gei"d)(cd)tlicl)er S^ereinigung nor unb 
iiacl) eingetretener 33e[rucl}tung ; er betont au-^briicftirf), entgegen nnberen 
aiutoren, baJ3 jur @eic^lccl)t5be|tinimnng nic^t bie üorübergcljcnbe Grrcgung 
rcätjrenb beä ©eld)led)t§afte^ aulreid)enb fei. ;3»""ert)in fommt aber ber 
2:a(mub biefer 9tuffa[jnug am näcljften, ba er au^Sbrücnicf) bie Ieibenicl)a[tlicl)ere 
^Beteiligung bey 2Seibe§ gur ßrjeugung mänulicl)er ^inber bernorljebt. 
■Jlud) ber©riecl)e 2II!möou fprad) bereite oou einem iHirI}err[d)en ber u!änn(ict)en 
ober iüeiblid)en ^otenj bei ^eftimmuug ber @e[cf)(ect)ter. 93ie(Ieic^t I)üt er 
fid) barunter nur gebad)t, na§ Dr. Ü^ogel jctjt bcjdjreibt. 

e^ i[t erftaunlicl), luie feljr bie 33ebcutung ber meiblid^eu ^l>l"ijd)c unb 
it)r ©iuflu^ auf bie feiufteu SSorgänge be§ Sebeug je^t iuad)ienbe Sluerfeuuung 
finbet, roäl)reub e§ bod) uod) gar uidjt Tange Ijcr ift, bafj uid)t5 unbebenteuber 
\&)kn, a(§ ein iuciblid)er S)ten[d), nidjt^o leerer al$ ein loeiblidje-o G)cl)irn. 
93lit Genugtuung begrüfjen mir batjer bie 3(u§[ü(jrungen be^ Dr. ä>ogeI, 
bie uufcre Über3eugung non ber Ijoljcn 33cbeutung ber ©ijeüe burd) 3:atiad)en 
unterftütjen, bie t'aum beftritten merbeu tonnen. 9,1iöd)ten anbcre 9(utoren 
il)re 93eübad)tungen aiiä:) ücröf|entlid)en! Gy ift nur babci nid)t 5U uerfcnuen, 
ba^ eä fel)r oft fd)mer fein mirb, bie 21?at)rl)eit gu erfaljren, ba e§ fid) um 
SSorgänge I)aubelt, über mcldje uatitrlidjeriucife gcrabe ^-rauen nid}t Ieid)t 
gum ©prect)eu gebradjt merbeu. 

2tud^ eine anbere ©djmierigfeit tritt un^ bei ber ©efd)Ied)t6beftimmnng 
ber ^inber entgegen; bie t'ranftjafte unb allgemein juneljmenbc fcrueUc Wlei^* 
güttigfeit bey Ijeutigen mciblic^en @efd)(cd)texv bie fd)lief3lic^ entfprcdjenb ber 
3Sogelfd)en 2:I)eorie 5U einer immer meljr abneljuicubcn ©eburtä^al)! männlidjer 
Hinbcr fül)rcu muffte. (5I)epaare, bie feljnlid)ft einen Soljn miinfd)en, fommen 
in bie är^tlidje 6pred)ftunbc unb ftagen über bie (Smpfinbungylofigfeit be§ 
meiblidjeu 3:ei(e§. G§ liegt feine ^ranfljeit oor, fein organifdjer ?^-el)ler. 
'2>ie %xan liebt iljren ?3tann; bicfer ift gefunb (I)at fid) ärätlid) unterfudjen 
laffen), unb bcnnod) fommt cntmcber fein 5linb ober bod) fein Solju. 2Ba§ 
ift ba 5u tun? ^J33a§ Dr. ä>ogel gegen biefe ©leic^güUigfeit ber ^^rau empfiel)lt, 
fd)eint m\§ üicl ju menig, ba bei SOBoIjlljabenben eine ju reidjc 5Toft ba^3 
9llÜäglid)e ift unb biefer eigentiimlidje ßuftanb ber ?yrau gu tief im ^;)ierüen* 
frifteme mur.^elt. Sir uermcifen Ijier auf bay im Jll. 3:cil unter „nnfrud)tbar= 
teit" ©efagte. 2lllgemein fräftigenbe ^eljanblung, ber Sieij bey falten "il'affery, 
^efd)leunigung be§ Stoffumfatjea (3:l)ure=33ranbtfd)e 9)Jaffage) unb längere 
Trennung uom 3}lanne finb ins 2Iuge ju faffen. Seljtcre mecft oft eine Sel)n= 
fud)t nad) iljm, mie fic uieüeidjt feit ;3aljrcn ni l;t beftanb unb ift bem erftrebten 
Bmecfc (jödjft förbcrlidj. Gine fecljomödjige ilur au^märtg mit ber angcbenteten 

^18* 



276 



über bie üBeftimntung be§ ®cfd)led)t§. 



^et)anblung wirb bann, roenn man im übrigen Dr. 5Bogel§ 3Ser^attung§s 

maßregeln befolgt (fief)e feine ®d)rift) fid)er oft an ba§ erfe^nte ^iel führen. 

%a befanntUd) bo§ @efd)(ed)t ber ^yrudit erft am (Bnt>^ be§ sroeitcn 

SJlonats erfenntlid) wirb, fo finb fid)erlid) aud) Ginflüffe rcäljrenb biefer groei 

SHonote, bie nnr 
V^ ba^ Seelenleben 

^■^a»^ >«fe^. jjg^ 9J?ntter be» 

rühren, t>on 
größtem ©influ^ 
auf bie ©ntroid"» 
lung berfelben, 
nnb man mü^tc 
gerabe biefer 3eit, 
ber geiüö^nlid) fo 
geringe 3(ufmerf= 
famfeit gef^enft 
mirb, bie a(Ier= 
größte 58ead)tung 
einräumen unb 
bie Seben^toeife 
in bejug auf (£I)e 
unb ®rnä{)rung, 
Trennung ber 
©atten ober Qu' 
fammenleben ber= 
felben frjftema^ 
t\\&} regeln. 

2öer fid) über 
biefe Ijodjinteref' 
fanten 93erl)ält' 
niffe, bie ja nod) 
mand)er @rgän= 
jung bebürfen, ge* 
nauer unterri elf- 
ten luiü, ber lefe 
nic^t nur 93ogeI§ 
'l^ud), fonbern 

and) bie ©d)riften üon ©raift unb ba§ S3üd)(ein üon Dr Apinj: „®ie 9f?ätfct 
ber (Sntfteljung unb (Sntmicflung be§ 9)1 enf d)en unb bereu Sijfung", 
ferner oon g-riebrid) 9^obert: „^nabe ober 9}läbd)en". ^n unterl}a(tenber Sßeife 
erftärt Dr. ^inj bie entftet)ung ber 23ererbung üäterlidier unb mütterlid)er ßigen^ 
fd)af tcn. e^ ift ja birt)er tatfäd)lid) üoflftänbig rätfeUjaft geblieben, wie beifpielS- 




^ig. 176. ©cbärmuttcr unrntttelbar itßO) öcr @c6nrt. 

"Hin il)rein ®nmb fi^t nocf) ber ?Jiutterfud)en, von bem bie 9iabc( 

fd)nur ^erab^ängt. 



3eit ber 3d)n)augerfd)aft. 277 

joeife bev oertängerte Grfjat)!! be§ ©ro^oaterä aüein burd) bie roiujige Samenselle 
auf So[)n unb Snfel oererbt roerben fonnte, ober roie el juftanbe fommt, ba^ 
auffaneiibe (vit3entümlid)feiten ber Uraliuen in fpätcn 'Jlarf)fümiiieu roieber auf= 
tauchen. 3"!-" Grflärimg greift er auf bie cigentümlidje 3(iil)äufung oon 3eüen in 
ber befrudjteten (Si^eüe 5urücf, bie fid) immer lüieber teilen unb fd)(ie^tid) einen 
fomplisierten Drgani§mu§ bitben. ^ebe i^eimjeüe I)at man fid) urfprünglid) 
a{5 einen „S^^eltförper im 5l(einen" norsufteüen, ber au» ben iüefent(i(^ften 
53eftanbtci(eu be§ 93ater§ ober ber SJhitter aufgebaut ift, unb jroar berart, 
'i)a^ bie ^ormanlage für jebe:3 Rörperorgan üür()anben ift. 3I(fo t)at jeber 
3at)n feinen 95ertreter in ber i^eirnjelle unb ein bei'onber§ grofser unb ftarfer 
3al)n alfü and) einen ftärferen 33ertrcter. Unb fo erflärt fid) bie ^i>ererbung 
fd)ir)ar5er ?tugen, blonber ^aare unb anbereä. 2Ba5 ber 2}erfaffer fagt, ftingt 
glaubmürbig, unb fo f'ann man fid) ber ^poffnung I)ingeben, baf5 fortgefe^te 
^•ürfd)ungen, geid)irft gefammeüe 33cübad)tungen unb 3:atfac^cn im 3>ereiu 
mit richtigen (2d)tuJ3fo(gernngen un§ bo(^ enblid) ber rid)tigen (Srfenntnig näl)er 
bringen merben. ®amit rcirb aber fic^cr, menigften§ jum 3:ei(, bie 9JJögIid)feit 
geiDonnen merben, ba» @efd)(e(^t ber ^inbcr einigcrmaf^en 5U beftimmen. 
Sßer a(fo ein beftimmte§ @efd)(cd)t münfd)t, benü^e fämtlid)e praftifc^e ^^infe, 
bie mir f)ier gegeben Ijabcn unb im fotgenben nüd)ma(5 snfammenfaffen : 
1. 3ßit ber ^Bereinigung cor ober nad) ber 'i'Jicnftruation ober in ber 3iüif^en- 
äeit; 2. (5rnät)rung ber 9Jhittcr; 3. Sage be-g 9.1]anne§ ftunbentang oor bem 
Slfte; 4. ^äufig!eit ber SSereinigungen, roeld)e ben ©rab beä 3Ser(angen§ bei 
Sliann ober 3^rau erijöljt unb uou '©id)tigfeit für bie S^eimsetlen ift. 

Die Zeit der ScbwangerTchaft. 

9)]it bem 9(ugenb(icf, in u)eld)em bie iUnrnjeÜe fid) anfet^t unb ju road)fen 
beginnt, l)at man e^ mit bem ^iift^'i^ ^ß^' Sct)roangerf ct)aft jn tun; 
e§ ift bie ^eit, in mctc^er fid) ein neuer Drgani§mu§ in einem älteren 
entroidett. Sie eubigt mit ber 3(u§ftof?ung biefe§ neuen Drgani'Smu^, fobalb 
er reif gemorben, ba§ ift mit ber „öeburt". 33eim ^\1Jcnfd)en braud)t biefe 
9\eifung 38 bil 40 3Sod)en, ba^ finb neun 9JJonate unb einige 5Büd)en. ®a 
man ben 3:ag ber eingetretenen 93efrud)tung nii!)t fennt, minbeften» feine 
fid)eren 9)]ertma(e bafür l)at unb bie i^vaxi aud) um fo mcniger baoon fpürt, 
je gefünber fie felbft ift, fo ift bie genaue '^ered)nung fd)micrig unb mufs 
fic^ nac^ anberen 9)]ertmalen richten. (Sine^3 ber mid)tigften ^J(n,nüct)en ber 
(bc^roangerfd)aft ift ba^; 5(uob(eiben ber 'iOlenftrnation, bal)er beved)nen aÜe 
grauen barnad). 9]ad)bem man aber nie meif^, ob bie iH^frnd)tnng unmittelbar 
nad) ber letjten ober furj oor ber au^igebliebenen 93]enflruatiüu eingetreten ift, 
mos einen nnterfct)icb ber ©eburt um etma brei 'irnK^'n an^oinadjen mürbe, mufj 
man fid) nod) nad) roeiteren 9}lert'malen rid)ten. ^iefe alle sufammen tönneu 
bann einen annäl)ernb rid)tigen ßeitpunft ergeben. '3)iefe ^JJerfmate 



278 



3ett ber ©cf)roanger[cl) aft. 



ftnb oor allem bie 33eroegungen be§ ^inbe», roelc^e in ber §roeiten ^älfte be§ 
fün[ten SJ'iouat^ beginnen unb anfänglicf) nur in Qud^n beflef)en, ha§ au6:) mit 
®armbeiüegungen oerme^felt mirb ; bann in bem §unef)menben Umfang be§ Seibe§. 
2öir bringen in ^ig. 177 ha§ ^srofi( einer normalen g^rau neben bem einer 
f(i)it)angeren in 3^ig. 178, roeldE) letjtereä un§ bie gewaltige 3Seränberung be§ 
äUi^eren oeranfdjaulic^t; %\q. 177 ^eigtbie normale ©ebärmutter in itjrer gemöljn- 
Iid)en Sage unb ©rö^e unb %iQ,. 178 biefetbe im jd)roangeren ^uftanbe, in roelcljem 
fte fid) in§ gro^e 'Q^dm erijoben ^at unb bie SSormölbung be§ Saud)e§ bercirft. 
2)ie ®arm[d)(ingeu ftnb f)inter ber (Gebärmutter feitlicf) unb oben oerteilt, unb e§ 
mirb au§ biefer Sagerung f (ar, roie ber ®ruc! auf bie ^(afe, ben 9}lagen unb ben 

'2)armbei^oii)= 
fd)mangeren 5u= 
ftanbe fommt, 
unb 5mar um fo 
me^r, je ftärfer 
bie genannten 
Organe gefüüt 
finb unb je oer- 

feljrter bie 
Seben^raeife ber 
g^rau im übri= 
gen ift. 

93]an unter- 
fd)eibet fidiere 
unb unfidiere 
(Sd)roanger= 
fd)aft5äeirf)en. 
Qu erfteren ge» 

{)üren nur bie finb{ici)en geratene unb bie Bewegungen be§ finbli(i)en 
^örperg, raetd)e beibe erjt gu (Snbe be§ fünften ?Olonat§ gefunben roerbcn. 
SSierein^atb SJionate oorljer finb olfo ^^üetfet 5u(äffig. Unfidjere 3eid)en finb, 
roeil aud) bei anberen ^nf^änben auftretenb: 2lu!^b(eiben ber aJlenftruation, 
23ergrö^erung be§ Seibumfange§ unb Derfd)iebene @efunbf)eit§ftürungen, welche 
allgemein al§ „©d)ii)augerfd)aft§5eicl)en" gelten, mie ©rbredjen morgend unb 
Übelf'eit unter 2:ag§, ^i^gefü^Ie in ben ©efrf)(ed)t§tei(en, ®ru(f unb 3Süü= 
gefüt)( im Seibe unb anbere§ meljr. 33efannttid) bleibt bie DJtenftruation bei 
@emüt§erregungen, bei (Srfattungen, Überanftrengungen ober bei 53(ei(^fud)t 
unb anberen ferneren (Srfranfungen au§, ift alfo burd)au§ nic^t immer al§ 
abfoIuteS „(S(^roangerfd)aft§5eid)en" aufjufaffen; bie Sluftreibung be§ ßeibel 
fommt and) bei S)armftürungen, @a§anfamm(ungen unb bergteidien, vot aüem 
aber bei inneren ©efc^roülften oor unb ift nid)t feiten mit bem 2(u§bteiben ber 
3J?enftruation oerbunben; Übelfeiten, ^xnd, 33ü[(e finb Begleiterf^einungen 




- ScK. 




%iQ.in. 25>ctt)Itd)cr Körper im 
nt(^tfd)»paitgcrn 3»'f*o"^* 

G. ®ebärnuitter. Seh. ©c^eibo. 



3^tg. 178. islöeiblirfjerßör^cram 

Gitbc ber ®d)ii)ougcrf(i)aft. 
G. ©ebärnuitter. Seh. ©djeibe. 



3eit ber tod)roanger[d)aft. 079 

oieler n}eibüd)er Unterleib^erfranfungen, fönnen bemnad) an fid) niemals al§ 
fid)ere 3eid)en ber ©ttjroaugeri'c^aft gctten. Sie Ijabm nur bort 3(nfprud) 
auf ooüe ©eltung, roo im übrigen ©cfunbljcit l}erricf)t unb otelIeid)t üoii 
friifjeren (Sc^raanger[c^aften l)er ein gciüiffer 5lünip(cr oon (Srfdjeinungen be= 
fannt ift, ber bann aüerbingS nieift untrüglicf) ift; I)inäugc[e^t mu^ f)iev 
roerben: untrüg(id) für eine 'Jvau, nid)t für anbere. ''Jlun luirb nieüeid)! bic 
?5^rage aufgeroorfen, ob benn ber ^(r^t bnrcf) eine innere llnterfuct)ung nid)t Dor 
bem fünften 2}]onat mit 33eftimmtljcit i2d)mangcrf(^aft nad)iüeifeu fann? Unfere 
2(ntroort lautet: bieg fann er hann immer, lucnn uorijcr normale 3Ser{)ättniffc 
oorlagen, a(fo beifpie(§roeife fein fraufljaft ucränbcrter, oerbicfter Uteru§, ber 
Ieid)t (2d)roangerfd)aft Dortäufd)eu fann, uorfjer fdpn beftanb. Gr finbet bann 
eine aufgequollene (£d)eibe, ebenfolcfje 9J?uttermunbl(ippen, oerbicften, roeidjen 
Uterus unb nod) Derfd)icbene SSerfärbungcn an ben @efcl)tcd)t!5teilcn unb ben 
S3aud)becfen. ^k§ finb jebod) Stn^cidjcn, bie für ben ^Jtid)tar5t feine ©eltung 
^aben. Sie mad)en Sd)raangerfd)aft in ^ol)cm ©rabe Jüa[)rfd)ein(id). 

Um eine annäljernb §utrcffenbc 33ercd)nung ber Sd)n}angerfd3aft 5U er= 
ntögUd)en, rechnet man feit jcfjcr uom erftcn 2^age ber letjten liDienftruation 
an 280 S^age, ba§ finb jelju 9J^ouatc ju 28 2:agcn; um ben Sag ber ©cburt 
jebod) annäljernb ju treffen, roerben brei SRonate 00m erften iDIenflruations^ 
tage jurücfgerec^net, ein ^a(}r unb nod) fieben 3:agß .jugcjäljtt. "Ser fiebente 
2;ag pflegt bann geroöljnlid) ber Jag ber ©eburt ju fein, ^-olgenbeä Seifpiel 
mad)t bieg beutlidjer: ^er erfte 2;ag ber legten 9)tcnftrnation fei ber 1. dJlai 
geroefen, bann red)net man brei 9}]onate surücf unb fommt auf ben 1. ^^ebruar, 
oerlegt biefen in§ näd)fte ^aijx unb jäljU fieben STage ju; ber 2;ag ber 
©eburt roäre bann oorau5fid)tlid) ber 8. ^^ebruar, minbefteng fällt bic 
©eburt \n§ erfte ©rittet beg 9)^onatg Februar. 

Um über ba§ ^T^adjytum ber fdjroangeren ©ebärmutter flare 33ürfte(Iungen 
ju geben, fügen mir nod) bei, baJ3 fic im ^rociten ivalenbermonat bie ©röjje 
eineg ©änfeeieg l)at, im britten fdjon flein t'inböfopfgrofj ift, im fünften 
[tef)t fie jraei £luerfinger breit unter bem 'Olabet, im fed)ften erreidjt fie ^Jlabel= 
^üt)e, im fiebenten fteigt fie brei Ji'^Ö'^'-* ^^'^''^ ^'^"^^^ '^'^'^ "Olabet, im ad)ten 
unb neunten aber erljebt fie fid) big gum Üiippenbogen, unb ber Seibe5= 
umfang beträgt bann meift 100 big 110 3*-'ntimeter. 31ug bem ^podjftanb 
ber ©ebärmuttcr fann alfo bag 3((tcr ber Sd)roangerfd)aft, aud) rocnn anbere 
5(näei(^cn nid)t befannt finb, aud) jiemlid) genau gcfunbeii roerben. Jäufd)ungen 
fönnen nur entfte()en, roenn bie 5^"ud)t entroeber fet)r äurürfgeblieben unb 
bie ©ebärmutter bann 3U flein ift, ober roenn fie infolge grofjer 9}cengen 
Don ^•rud)troaffer ju groji ift. ^n bciben 'fällen gibt ev> alfo falfd)c, irrc= 
füfjrenbe ©renjen. 

2Bir bringen in fotgenbem einen Sd)roangerf d)af tgfalenber, ber 
eg jeber «^rau, bie hm erften Sag itjrer leljteu iDcenftruation fennt, [el)r 
erleiditert, htn Sag ber beoorfteI)enben (Sntbinbung feftjuftellen. 



280 



3eit ber ©djroangerfc^aft. 



Sd^wangerTchafts-Kalendcr. 



eintritt 



ber leljtcn dJlcxx- 
ftruation. 




Gintritt 
ber ®ebnrt. 


ber legten SJUn^ 
ftruation. 


(Sintri 
ber ®eb 


tt 
ur 


t. 


gjJonot 


Sag 




mo\\Q.t 


Sag 


2«Dnat 


Sag 


5monat 




Stag 


;3cinuar 


1 


C 


f tu ber 


8 


SuÜ 


1 


2(pril 




7 


II 


10 




II 


17 


II 


10 


II 




16 


II 


20 




II 


27 


II 


20 


II 




.27 


II 


30 


y] 


ouember 


6 


II 


30 


mai 




7 


^'cbruar 


1 




II 


8 


Sluguft 


1 


II 




8 


II 


10 




II 


17 


II 


10 


II 




17 


II 


20 




II 


27 


II 


20 


II 




27 


II 


28 


® 


ejember 


5 


II 


30 


Sunt 




7 


SJlätä 


1 




II 


6 


September 


: 1 


II 




8 


II 


10 




ii 


15 


II 


10 


II 




17 


» 


20 




II 


25 


II 


20 


II 




27 


II 


30 


S 


anuar 


4 


II 


30 


S"ü 




7 


STpril 


1 




(( 


G 


Cf tober 


1 


II 




8 


II 


10 




_, 


15 


II 


10 


II 




17 


II 


20 




II 


25 


II 


20 


II 




27 


II 


30 


% 


ebriiar 


4 


II 


30 


Sluguft 




7 


mai 


1 




II 


5 


D^ooember 


1 


II 




8 


II 


10 




II 


14 


II 


10 


II 




17 


II 


20 




II 


24 


II 


20 


II 




27 


II 


30 


9Jiär5 


6 


II 


30 


Septemb 


er 


G 


Sunt 


1 




II 


8 


2)ejember 


1 


II 




7 


II 


10 




II 


17 


II 


10 


II 




16 


II 


20 




II 


27 


II 


20 


II 




26 


II 


30 


% 


pril 


G 


II 


30 


Dftober 




6 



Sä|t ficf) ber Xaa, ber legten ^lleuftruatiüu nid)t nteljr feftfteKen, raa§ 
aitd) jiuueifen üorfonnnt, be[onber§ raenn bicfelbe unregelntä^ig auftritt ober 
tro^ eingetretener (cdjiuangerii^aft ftd) nocI)nia(y in geringerem ©rabe einftellt, 
fo ba^ ^roeifel an ber £d)n)angerfc!)aft cnt[tel]en, bann muJ3 man auf bie 
erften 5linb§bemegungen forgfam ad)ten unb t3on einem Str^t ben Stanb 
ber ©ebärmntter, mie mir il}n üorfteljcnb für alle neun SJIonate angeführt 
()aben, feftfteden laffen. Sie fdjon ermätjut, oerlegt man bie erften 5^inbe§» 
beraegungen in bie gmansigfte (2d)n)angerfd)aft§roüd)e. 



ÖD 



93cr[)atten roä^renb bcr 3d)iDangerf d)af t. 281 



Verhalten während der Schwangertchaft. 

53ebavf e5 für eine gcfuube %xan beiünbcrcr 'i^crl)altung5ma^regeln 
für biefc 3cit? — 9iein! 9Ba§ fic ju bcad)ten Ijat, läjst fid) tu einen 3a^ 
gnfammenfaffen : Sic uermeibe 3d)äb(id)f eiten unb fiiljre ein gefunb- 
l)eit§geniäfje5 fiebcn. 

SBa» man unter einem „ge[unbf)eit^gemäBen" :?eben ju oerfletien i)abe, 
"t^a^ ge^t fd)ün au§ bem I. Sei( unfereS 53ud)e§ Ijeroor, unb ha^ rairb jeber 
in fein Seben §u übertragen Dermögen, ber biefen I. 3;;ei( aufmerffam ge= 
(efen {}at. 2Bir n)ieberI)olen blo^, bafa jur ©efunberljoltung jebe^ SJienfdjen, 
alfo anö:} ber (2d)iuangeren, notmenbig ift: genügenbe 9lal)rung, bie 
nic^t franf niac^t, reid)Ii(^e 3"fii'^^ frifd)er Suft, n)etd)e unfer Stut 
gefunb I)ä(t, 33eiöegung unb 9^u{)e, alfo aud) 2{rbeit unb Scf)Iaf, bie 
ba§ @teid)geroid)t be^S ^törper;? unb ber Seele fidjern, 9J^äJ5igfeit in alten 
©enüffen, oor altem l^infid)tlict) be§ @efd)lect)t5leben§, oernünftige 
^(eibung unb .Hautpflege, nield)e (l)efunbt)eit unb (2(^i)n^eit be^ Körper» 
bewahren. 

'^a§ ftingt ja teidjtoerftänblid), aber gibt e§ nid)t 5at)treict)e g'i'ane"/ 
n)eld)e bie SKid)tigfeit biefer ^^orberungen sroar gelten laffen, tro^bem ah^i 
teils au§ Unl'larljeit, teily au§ §u großer 91ad)giebigfeit gegen if)re Umgebung 
nur 5u oft iljuen 3umiberf)anbeln? Seiber gibt e5 oiele fold)e, unb baljcr 
{)ai bie Grfal)rung gelel)rt, ba^ e§ nu^bringenber ift, ju fagen, ma§ alleä 
gu oernieiben fei, ftatt blo^ allgemeine Siegeln ju geben, bie fo oiele 
tt)ren eigenen 23ert)ältniffen nic^t anjupaffen Dermögen. ®ie S?[t ber 
(2(i)roangerfcl)aft ift eine fo roid)tige für 9}httter unb 5linb; fie fann ben erften 
©runb 5U fo oielem llnglücf legen, baf? fie roaljrlid) ocrbient, mit allem 
©rnfte beljanbelt ju raerben. Q§ gibt ebcnfo oiele grauen, md6)Q mit 
beifpiellofem i'eid)tfinn ot)ne eine (Smpfiubung für bie .jpeiligfeit biefe» 
3nftanbe§ bal)inleben, mie fold)e, bie au3 einer 55ingftlict)feit unb einer 
Übertreibung in bie anbere fallen. Sie muffen auf ben redjtcn 91|itteln)cg 
geleitet merben ! ^Jiic^t frioole Sorglofigfeit gegenüber ber '-i>crantmortlid)t'eit, 
bie jebe 3^rau il)rem merbenben ^inbe gegenüber empfinben mujl, nid)t finbifc^e 
Übertreibung aller mit ber Sd)roangerfd)aft oerbuubcnen fleinen 53efd)iucrben 
unb nid)t felbftfüdjtige 3lngft oor bem, luay ha nod) tüuimcn foll, fouberu t'tareä 
'2;enl'en über ben natürlid)eu ^^M^^""^' iüeld)er ber Jvan jur (Srringung il}reä 
l)üd)ften ©lücfes, ber 9]^utterfd)aft, oerbelfen foll, 23ertiefung in il)re 3lufgaben, 
bereu t)ingebeube (Erfüllung fie bem itiube fd)on oor feiner C3eburt fdjulbig 
ift, oernünftige Siegelung iljrct^ iiicbeuy aini biefen ©rünben, — biey foU 
jebe roerbenbe 9}]utter leiten unb erfüllen. 

3Bie e» aber tatfäc^lic^ im ^i'hcn oft .^ugel)t, bie§ lel)ren nn» 
fotgenbe ©efd)ic^t(^en, bie bie '4>erfüfferin in iljrer ärjtlic^en ^^srajii? felbft 



282 58erf)alten roälirenb ber ©c^roangerfd)aft. 

beobad)tete, unb bie in unjroeibeuttger 2Beife barauf !^inroetfeit, nitc eä 
eine '^xau nid)t mad)en foü, bie eine glücflicfje unb pflid)ttreue SRutter 
njerben rciU. 

(Srfte lel} freiere ©efd)id)tc: ©in etraa ^rcanjigjä^rigeg SJldbc^en 
fommt in bie Sprec^ftunbe unb ftagt über mangelljaften 2(ppetit 9Jiübig!eit, 
falte %ii^e, raeiJ5en ?3-(uf3. ©ie fie'fit nid)t fd)(e(i)t au», unb in iljrer äußeren 
©rfdjeiuung fällt nicijty auf. ®ann fügt fie fjin^u, ba§ fie roof)! in anberen 
Umftänben fein bürfte; benn bie ^eriobe fe!)Ie fdjon feit einigen SJlonoten. 
9]acl)bcni ha§ feftfiljcnbe ^orfett abgelegt, bie engen 9^o(Jbänber gelöft fmb, 
fommt ein fteiner Ijarter ^aud) 5um 93orfd)ein, in bem bie ©ebärmutter 
graar fd)on 9labe((}üf)e erreid^t I)at, aber oI)ne roefentlid)en Umfang §u be= 
fi^en. 2{uf bie ?3-rage, luie fie benn im ftanbe geroefen fei, fid) fo lange feft 
ju fd)nüren unb ob fie nid)t miffe, raie fcfjäbüd) bie;» ber ©ntmicEIung be§ 
Hiube§ unb iljrer eigenen ©efunbljeit fei, antmortete fie ooüftänbig gleid)= 
gültig, baf3 fie iljven ^^M"^'^"'^ ^^cf) Derbergen nutzte, um il)re Stelle ü[§ 
^erfäuferin nicl)t ju oerlieren, unb ba§ fie überl)aupt ni(i)t roiffe, roie lange 
fie in anberen Umftänben fei. 9^un mürbe il)r erflärt, bajs fie ba§ 91>ad)§tum 
ber 3^ru(^t burct) baä ^orfett geroattfam äurücfgeljalten, M^ fie oietleicljt ein 
nicl)t mel)r gut ^n mad)enbe§ Unred)t an if)rem i^inbe begangen I)abe, bem 
fie fc^on je^t 9(ufmerffamt'eit fd)ulbig fei, unb ba^ fie feljr franf mürbe, 
roenn fie il)re Seben^raeife nicf)t fofort änbere. Sangfam fcf)ien fie einjufeljen, 
roa§ \\)X r)orget)alten mürbe, unb fie üerfprad), gu if)rer Pflege gur 9)lutter 
ju gelten, yinn mürben it)r erregenbe ©ipäber, (eid)te ®iät, ^emegung 
im freien, lodere S^leibung, näd}tlid)e i^eibmidel oerorbnet, unb fie^e t)al 
^n brei 3öod)en t'am fie roieber unb mit überraf^enben 3Seränberungen. 
yfJapib l)atte fid) bie (Gebärmutter oergrii^ert, ber SeibeSumfang entfpred)enb 
ermeitert; bie ^efd)raerben roaren gemid)en. Sie befanb fid) bereits im üd)ten 
9Jionat ber Sd)raangerfd)aft, unb oor brei 2Bod)en I)atte man if)r biefelbe 
nod) gar nid)t angefe^en! 

Sßie üiele junge (Sljefrauen fdjuüren fid) h\§ jum fünften SJJonat au§ 
falfd)er Sd)am, um iljren ^iM'tonb gu oerbergen, unb raie oft !amen besljalb 
S:otgeburten juftanbe, roeil fid) nid)t red)t5eitig eine rettenbe Sef)anblung mie 
bie obige einftellte! 

3meite ©efd)id)te: 2>ier Stiuber finb bereite ha, ba§ fünfte ift auf 
bem 2ßege. Sie ?^rau mirb mit il}rer 3::age§arbeit nie fertig; fie f)at bie 
©eburten leiblid) überftanben, aber fie feufät bennod) über bie beoorfte^enbe 
fünfte. Sie ift bla^ unb neroüS, benn fie fd)läft ju roenig; ba§ ^üngfte, 
fieben SJionate alt, 'ba^ mit ber ?^lafd)e aufgewogen roerben mu§, roeil bie 
9J{uttermild) faum ^roei 9}lonate reid)te, ift infolge 2?erbauung§befd)merben 
feljr unru{)ig unb roectt bie crmübete 9}]utter jebe 9]ad)t mel)reremale. Unter 
fold^en Umftänben alfo, o^ne bie allernötigfte ""Pflege unb 9iut)e ber SJIutter, 
füU bau fünfte £inb feinen Körper aufbauen unb mit gefunbem -^leroenf^ftem 



S3erf)altcn roäljrcnb bcr ©d)n)an9erfd)aft. 283 

5ur SKelt fommen. ^[t bieö mögUc^ ? 2tuc{) bte[e 9Jhitter ift furcf)tbar gleid}^ 
gültig 3egeu t)a§ rocrbeube 9Sc[en; fie I)at ja fd)üii uier ^inber, t)a§ fünfte 
ift fomit Überfluß! Sie ftagt rooI)l öftere über bie eraige .^(age, bte bei 
foId)er 5^inberfcl)ar nie anfljöre ; aber ein ernftcä Sßort über bie ö)cfä()rbung 
bey lln geborenen lüirb nie au^gefprocljcn. 33erantiuüvt(i^t'eit luäljrcnb il)re» 
jetzigen 3iif^fl^^'^6^ "^^"^ nenen 9Jienfct)en gegenüber, ber ber nngcfnnbcn 
Sebeniroeife [einer ?[Rntter oieUeidjt ein [tcct)ey 2Qhtn oerbanfcn lüirb, ift il)r 
gar nid)t beronfst, nocl) weniger iljvent 93knne, ber al§ fleincr 33eaniter jraar 
aurf) über ba§ snnel^menbe ^an^freuj !Iagt, aber fid) in feiner 9Beife ,^n 
{)e(fen rceijs. §aben nid)t tanfenbe üon ^JJenfdjen itjre (Sntftefjnng unter 
fü(d)en 23er^ä(tniffen get)abt, unb raürbe nid)t fo mand)er rätfedjafte Rranf1)eit§= 
ober 2:übe5faU in ber ^ngenb burd) bie (Sinflüffc, bie «)ät)renb ber (Sd)iuangcr= 
fd)aft auf bie 9J]utter einioirften, erftärbar roerbcn? 

® r i tt e © e f d) i d) t e: ®ie Waiiki ift ©efc^äft^fvan. 2Bäf)renb ber 5D^ann 
©efd)äft§gänge beforgt, muf3 fie ben Saben I)üten, alle 5vunbcn empfangen unb 
befriebigen, Eintragungen m§ 33u(^ mad)en, ben §ou§^aIt leiten unb fid) ba» 
5iuifd)en um bie 5?inber befummern. Qmü 5?inber befud)en bie Sd)u(e, eiuel ift 
am (Sdjarlad) geftorben ; infolge ber oft anftrengenben Sabentätigfcit trat 
bann eine ^efjfgeburt ein, unb fe^t ift bie ^-rau roieber in anberen Hmftänbcn. 
©tunben(ange§ ©tefjen f)at jur STrampfaberbilbung gefüfjvt; ber ^ufsbobcu 
be§ l^aben§ ift fo faft, ha^ bie arme ^rau tagsüber bie falten ^üfse gar 
nid)t oerliert; Suft unb (Sonne finb feljr mangeHjaft, benu bie (Strafte ift enge, 
unb bie gegenüberftetjenben .^äufer finb !)od). 9Be(d)er ungcfunbe 2Iufentf)alt 
für einen gcfunben 9)^enfc^en unb mie oerberbenbringcnb DoHcubS für eine 
^rau, bie einem gefunben 5liube ba§ Seben fdjenfen miü! ^ie G)cficf)t^5farbe 
ber ^rau ift graublafä — fie fommt ja fo fetten \n§ ^reic! — , bie 23erbauung 
träge, bie Stimmung oft fd)mermütig. 9)]übe fiuft fie abcnbi3 auf§ Säger; 
md)t bie ©orge um ben merbenben 9}^ccnicf)cn bebrücft fie, fonbcrn nur bcr 
eine Kummer, ber eine ©ebanfe: „3(d}, nod) einmal ein *©od)cnbctt!!" 

S[ßie lauten bie 3Scrorbnungen ber Str^tin in bicfcm ^alle? ©inen 
[onnigen Saben mieten, I)crau^o an§ biefer büftcren Strafse? — 9?ein, benu 
bie§ erlauben if)re (£rmerb5oer()ä(tniffe für ben 3(ugcnblicf nicf)t, mof)! aber 
fann inner!^alb ber gegebenen 33erl)ä(tniffe menigfteng für bie smeitc .^ätfte 
ber ©d)iuangerfd)aft ctma^ getan mcrbcu, aUcvbing§ nidjt of)nc einige Cpfcr. 
@!§ lüirb ein Sabenmäbdjcn gemietet, mcldjc^ bie ^rau uutevftüljt unb ftunbcu= 
weife oertritt, menn aud) bie (Sinuafjmen etmay barunter teiben. '3)ann babcl 
bie ^rau morgen^, orbnet i()re ©efd)äfte, gibt bie nötigen ^hiftväge unb 
9et)t oor= unb nad)mittagy je jmei ©tunben in^^ J-rcie, fet3t fid) in bie Sonne, 
läuft fid) roarm. ©ine gan,^ ueränberte ^iät unb Sd)(afcn bei offenen 
^enftern werben gteid)5citig eingefü()rt; benu ber luerbenbe 'illJenfd) foU nid)t 
fd)on im Slhitterleibe an Sauerftoffmangct jugrunbe gcljen. *i\>eld)e 'J?cr= 
änberungen geljen nun mit biefer 5'r<^" ^^^^^"J 



284 SebcnSregcIn für bic ©djroaitgerf d)aft. 

3t)r 2ru§je^en beffert fi(^ auffadenb, ber (Stul)Igang wirb regelmäßig 
(o'^ue Slbfüljrniittel!), bie ^n'iße bleiben roarm, unb fie geiüinnt fo oiel neuen 
SJint, baß fie fogar ernftlid) bie Überfieblung in eine gefünbere SBoljnung 
überlegt. "3^ie Slr^tin I)at plötjtid) ba§ ©efiiljt ber 33evantroortung für i^re 
5^inber geroectt; fie raiU i{)nen ein gefünbere§ .^eini fd)affen. Unb fief)e ba! 
%a§ -öüngfte fontmt frifcf) unb gefunb gur ^elt; in einer neuen SBo^nung 
mit fonnigen 9iäumen unb einem luftigen ^ofrnum finben bie älteren Äinber 
nngetüoljnte 2tnnel)mli(^feiten, unb fo gebeifjt aud) ha§ jüngfte sur %xeut)z 
feiner ©Itern! — 

@efcf)id)ten biefer 2Irt an§ bem tägnd)en 2^htn fönnte man in§ Ungemeffene 
Dcrmet)ren, unb mürbe man rüdfic^t§Io§ ben (5ntftel)ung§urfa(i)en aller XoU 
geburten, alter ^^e^lgeburten, aller unglücflid) uerlaufenben (Sntbinbungen unb 
aller S^roäcf)e unb Seben§unfät)ig!eit ber lebenbgeborenen 5^inber nad)forfcl)en, 
man mürbe unglanblid)e Sßerfünbigungen gegen 9latur \u\i) 93ernunft unb 
beflagen§merten SO^ißbrami) ber ung gegebenen Strafte unb ^-äljigt'eiten 
entbecfen. 2ßenn ein üon i^inblieit auf franfer 93]enfd) ein l'ranfe§ S^inb l)at, 
fo raunbert man fid) nicl)t barüber; benu man tonnte nicl)t§ anbere!§ oon 
4l)m erroarten; roenn a^er ein gefunber 9)lenfd) elenbe 5^inber in bie Söelt 
fe^t, fo mirft eine außerljalb il}m liegenbe nrfad)e mit, ctma§, ba§ fid) in 
ben meiften ^-ällen befeitigen läßt. 9}kn beute nur an bie brei genannten 
33eifpiele unb roa§ fid) a\i§ bem Seben biefer g^rauen ansfdjalten läßt, 
bringen mir barum flare ^enntniffe über bie un§ umgebenben @efal)ren, 
befÄt)igen mir bie ^-rauen jum ^ompfe, unb bann merben mir eine 
anbere 9cad)fümmenfd)aft ju erroarten l)aben. 

Ceb^nsr^^eln für die Zeit der Sd^watigertchaft. 

1. '2)iät. '3)er üon Straten unb 9^id)tär5ten fo ^äufig gebraud)te 
(Baiy. „®ie gerool)nte SebenSmeife fortfe^en", l)at nur bann 23ot(gültigfeit, 
roenn biefe ;$?ebeu§roeife nid)t nur „gerool)nt" ift, fonbern auc^ geprüft unb für 
gut befunben rourbe. 

23iele gefunbe 9}'Jcnfd)en Ijaben l)iufid)tlid) be§ ®ffen§ fd)led)te 
@eroo^nl)eiten, bie mäbrenb ber (Sc^mangerfd)aft oon ungeal)uten Sßirhmgen 
begleitet finb unb mit 9\üclfid)t auf ta§ roerbenbe 5!inb burd)au§ nic^t 
feftgel)alten merben bürfen: ift bod) bie (Sd)roangerfd)aft ein ganj befonberer 
3uftanb, ber ganj anbere 3lnfürbevungen, a{§ unter gerooljulic^en Umftänben, 
an bie f^^rau ftellt. Über alle§, ma§ fie in biefer ^eit ißt unb trinf't ober 
nic^t genießt, foll fie fid) 9icd)cnfdjaft geben. 5)JJan betrad)te nur ben 
innigen 3iifai"nient)ang be§ 5^inbe^ mit ber 9)]utter! dJlan ftelle fid^ mit 
^ilfe unferer Slbbilbungen oor, roie jebe ^Introelle in ben ©efäßen ber 
SJiutter au6) eine 9^üd"roirf'ung auf ben 9J]uttev!ud)en unb burd) biefen auf 



2eben§rcgeln für bie ©d)n)anc(crfdiaft. 285 

bie ®e[ä$e be» ^iubeä I)aben map, uiib lüie be[onber!§ d)emii"d)e 3Serbinbungen, 
in bie ^glutbalju ber 9!Rutter aufgenommen, ober in i()r gebilbete h-anfl)a|te 
Stoffiüecf)i"eIprobufte auf tt^n !inblid)eu Crganic^muo infolge biefcr 3}erbiubung 
einiüivfen muffen. 5lanu e!§ bann g(eid)gü(tig fein, lua» bie SJiutter ifjt unb 
trinft? SiJian fiel)t fie täglid) met)rere (S>{a§ Sier, ftarfen 5laffee, 'i^vatcn, 
3öürfte, (£d)infen, reid)lid) G|figfa(at, i^äfe, Gier, ©emürje ufiu. oertilgen; 
benn fie ^at Iebl)aftcn '^Ippetit unb muf?, mte bie befovgten 5(ugc{)örigeii 
bel)aupten, entfdjicben „für ^roeie" effen! 3IIIcrbing§ fieljt fie n)oIj(genäl)rt 
an§ bei biefer ®iät; rote SSangen, nur ju Ieb[)afte Singen, oft ^n iank 
^eiterfeit mac'()en fiel) bemerfbar neben biefem „b(üf)enben ^cben", aber and) 
ungteid)er (Stut)I, erregtet -öerj, beangftigcnbe^5 träumen, uorübergebenbe 
fd)mer5l)afte Gmpfinbungen im Seibe, plöljtii^e^o, unbegrünbete§ 'Ä^einen mit 
3Ingftgefü!)len, I)äuftge Übclfeiten, gelegentlicher 5lopfbrucf, ber oerbrief3(id)e 
Stimmung beioirft, bann miebcr .^eif^Ijunger unb bie uuüernünftigften ©etüfte 
unb äl)nlid)e§ mel)r. 

3Son aÜebem foU eine gefunbe ©djrcangere nid^t» roiffen! 

@ul unb ot)ne 93efd)roevben gel)e bie 5Berbauung öon ftatten; rul)ig unb 
fräftigenb fei ber Sd)(af, g(eict)mäf5ig bie Stimmung, unb auf^cr getegent(id)cm 
2>oügefü()t im :2eibe unb leid)ter Seijinberung bei gemiffen t)äu!§(id)en 3Irbeiten 
foü fie iljre Sd)iüangerfd)aft nidjt fü()lcn. 93iete neroöfe ^-rauen merben 
biejen B^M'tan'^ meljr ober meniger üoüftänbig errcid)en, menn fie ftatt I)er5= 
erregenben Kaffee unb ^ier 5)]i(d), Slornfaffee, 'Jrud^tlimonaben trintcn, ftatt 
täglid) 5iüei= biä breimat ^^-Icifc^ ju effen, nur n)öct)entlid) brei= bi5 nicrmal 
gteifdjfpeifen genicf^en unb ftatt beffcn rcid)(id) grüne (i)emüfc aller 3lrt, 
Dbft nad) i^jatjresjeit unb "Steigung unb üerfcl)iebene Slörnerfrüdjte, luie 'J^ei^v 
93ud)iüei5en, ©rünfern, ^irfe, .^afergrü^e, ©riejs, leid)te 5!J?cl}lfpeifen, wie 
^Rubeln, 5vlüf3d)en, 'ipubbing ujiu., einfd)ieben, für tägliche 5^örperbeuicgung 
forgen unb 3:ag unb '3cad)t auf frifd^e :^uft unb nütjlidje -lätigfcit bcbad)t 
finb. S^rägt bie junge ^yrau oom beginn an einen 9^ocf träger (fiel)e %\q. HS), 
üermeibet alle bccngenben R(eibung§ftütfe, unb Ijat fie gepflegte, gefunbe ^-üf^e, 
wa§ fid) bnrd) gleid)mäf5ige ^^nirme berfclbcn unb ^eljlen jeglid)cr 3^uf;= 
franfl]eiten ändert, fo luirb fie fid) cinc^S glcid)mäf5igen 3r^ol)lbefinbeny erfreuen, 
unb bie (Sutmidlung ber %xü6)t roirb unget)inbert fortfd)reiten. Xer Stul)I= 
gang muf? täglid) erfolgen; bläl)enbc Speifcn, mie '-il'cin= unb l'liotfraut, 
Pflaumen, 9iettid)c unb anbere muffen oermiebcn merben, nid)t minber alle-o, 
roa§ erregenb auf ba§ 9]erüeufi)ftem luirft, luie ^-^icr, .V\affee, *J\>cin, aud) 
Stee (ficl)e ,vupite§ .Vlapitel, I. Jeil). 'bleiben bei foldier i'eben^^nicife bie 
9^erDen ruljig, fo ftellen fid) aml) feine abnormen (if^gelüfte ein, bereu 
53efriebigung bie 33erbauung ber £d)iuangercn oft fo fel)r fd)äbigt. '^n 
©taube, bafj fie burd)au§ befriebigt merbcn muffen, füt)rt nur ^nr 3d)äbigung 
ber @efunbl)eit; er läfjt fid) alfo in feiner 'iikMfe ftüUen, uielmebr muffen 
roir bringenb cmpfeljlen, alle Sclbftbeljerrfd)uiuj 5U entfallen uiib bie Urfadje 



286 ScbenSregeln für bic ©c^roangerfc^aft. 

biefer abfonb erliefen (S^gelüfte gu befäiiipfen. ^a ftnben roir benn, ba^ fie 
Oft im @ei'd)(ed)tlid)en roiivsefn. 

2. ©efd)Ied) trieben. S)te (£d)raangere ift oft trol} i()vem 3#a"^ß 
gcfd)Ied)t[id) erregt; [ie geraäfjrt i()rem 9)]anne nid)t mir bte geii3Ünfd)te 
S3efriebiguug, fonbern fie I)eif(i)t tioc^ mel)r oon i()m (fonimt gar nid)t fo 
feiten cor!), unb bie^ fc^äbigt t()re ©efuubtjeit unb ha§ ©cbeitjen be§ 5^inbe§. 
2öir I)aben fct)on raiebertjolt Ijeroorgeljoben, ba^ Erregungen im Drgani§mu§ 
ber 9)lutter immer aud) in ber 3^rud)t nac^füngen, unb mir finb überjeugt, ba^ 
üiele franffjafte ßrfdjeinungen ber (Säugünge nur auf förperü^e unb feelifd)e 
(Srlebniffe ber 9)]utter roä()renb ber (Sd)ir)angerfcf)aft ^urüct^ufüf^ren finb. ^n ber 
^öt)eren Stierroelt fef)en mir bie SBeibd)en ableljuenb gegen bie 9)Mnnd)en, menn 
fie bereits befrud)tet finb; ein gefd)(e(i)tlid)er 93erfel)r, roie oor ber (2d)mänge= 
rung, Ijört äroifdjen if)neu ooUftäubig auf. ®ie§ beutet barauf I}in, ba^ im raeib= 
Ii(i)en S;iere gef(i)Ied)t(id)e D^egungen oorübergcljenb erftorbeu finb, unb ha^ e^ 
feine Slräfte ganj ber neuen 2(ufgabe, ber 9^eifnng ber 2eibe§frud)t, mibmet. 

2;iefe 3lu|3erungen ftimmen and) mit ben pI}t)fiotogif(^en 2;atfa(^en, 
nad) meldjen beim fdjinangeren roeibtidjen ^nbiuibuum bie 2Ibftü|3ung ber 
(Sisetlen unterbrod)en mirb, überein. 9-^lan begegnet öfter bem ©tauben, ba^ 
e§ pr „fräftigen @rnäf)rung" be§ road)fenben 6ie§ beitrage, menn ber 
©efd)(ed)t§at't n)äf)renb ber erften ©d)mangerfd)aft5monate red)t I)äufig au§= 
geübt roirb, unb eS ift maljrfd^eintid) , baf3 robufte ^^rauen, wenn fie nic^t 
in teibenfd)aftiict) babei finb, aw&j feine (Sdjäbigung baburd) erleibeu; 
f^mäd}(id)e aber ober ncruöä erregte mögen fid) bauor Ijüten. ^ei ftrcnger 
unb aufridjtiger ©etbftprüfung rairb un§ bie 9)let)r§at)l ber ^^rauen beftätigen, 
bafs ba§ 2(ügemeinbefinben nad) oolt^ogenem @efd)(ed)t§üer!el}r immer ein 
fd)ted)tere§ ift, unb bafs oor allem Übelfeiten unb ba§ fdjmädjenbe ®rbred)en 
fo Ijäufig barnad) auftreten. Tlan lefe ba§ ^üd)Iein oon Dr. 9iofd) über 
„bie ©runburfad)en bermeiften d)ronifc^en i^ranfljeiten, befonberS 
ber beftänbigen Seiben be§ roeiblid)en ©efd)ted)t§". SSortrefftic^ 
fc^itbert er ben (Sinftufa be§ (Sefd)(ed)t§(ebeny auf ben ßiMiai^i^ ber ^yrau unb 
er3ät){t S3ci|piele am bem Seben, nad) iueld)en auffallenbe 93efferung bei iljr 
eintrat, al§ ber ju liebcuolle junge (5I)emann für einige DJIonate oon i()rer 
Seite entfernt mürbe. 

«Seine (£r5ät)(ungen tonnten mir burd) traurige Seifpiele oermeljren, 
menn mir auf bie 5aI}Ireid)en Stborte Ijinmeifen, bie junge ^-rauen oft auf fo 
lange Qdt \)\n clenb madjen. Sie finb nur eingetreten, rceil ber 9}]ann immer 
unb immer mieber 3(nfprüd)e an feine ^r^^^ ftellte, raeit er itjre 9iad)tru!)e 
ftörte unb baburd) ifjvem üicüeid)t jarten Drganismu» nic^t ^^it (ieJ3, fid^ 
für bie neue 2Iufgabe gu fammetn. %a ftarb \)a§ (Si unb ging ab; bie ^^rou 
aber Ijalte fd)niäd)enbe 53(utungcn unb trug eine djronifdje (Srfranfung ber 
(5)ebärmutterfd)Ieiml)aut baoon, bie fid) burd) monatelangen l)ä§Iid)en STueflu^ 
mit allen feinen unangenet)men Tiebenerfd)einungen äußerte. 9)]u^te bieä fo 



?cbeu§rcgclix für bic Sd)it>an9crfd)aft. 



287 



f ommcn, unb barf fic^ auf biefe ^^eije bie Siebe 3U bem ungeborenen ^inbe funb» 
Qihzn'? 97ein, gerci^ nid)t! llnroiffcnbe junge (Satten ober leidjtfmnige SJtcnfdjen, 
bie <ScIbftbef)errfd)ung §u roenig üben, finb e§, rcetdjcn fo(d)e§ llnglücf gci"d)ief)t. 
3Bcnn nic^t anbere ungünftige Umfiänbe mit einrairfcn, fo bvaud)t feine junge 
fyrau, fofern fie nad) unfern S^tegetn lebt, eine 5eI)Igeburt burd)5uniad)en. 

2)ie5 ebenfo 5ur Grmaljnung raie jur Grnnitigung junger 9Xiütter! 

3. '3^te .^autpftege. (iotl eine fd)rcangcre ^-rau bnben, unb lüie 
foU fie baben? (Sar oiele neljmen I)in unb roieber ein rcanneS S^oübab, 
in bem fie meift Übertang oerbteiben, unb glauben, jebe anbere ober eine 
l)äufigere 'Serüt)rung 
mit SBaffer mürbe 

il)rem 3iM"ifl^'5 f^o= 
ben. Unb bod) oer* 
t)ält e§ ftd) gerabe um= 
gefe^rt bamit. Sföir 
loiffen bereit», ba^ bal 
'JBaffer, befouberS in 
füfjlerer 3:emperatur 
al§ bal Stut ange= 
roenbet, auf öaut, 
•)leroen unb ©efäßc 
anregenb rairft, inbem 
e§ burd) ^ufQ^^^^^^^^' 
5ief)ung festerer, roel= 
^er eine um fo ftärfere 

(Srroeiterung fotgt, 
einereicf)(id)ere^urc^= 
blutung ber ©cmebe beroirft. 2i?i[I man baljcr ben Stoffmcdifcl einel 5lürper» 
teiles er^ötjen, fo braudjt man il}n nur öfters für einige SDhnutcn in füljlere^ 
Söaffer ju ftcrfen. ^infidjttid) ber 2eibe§frud)t bcbcutct aber „(Sr()öl)nng bei 
©toffroed)fet5" nid)t§ ©eringere» a(§ fräftigere? 9Sad)c^tum, bcffcre^S öcbeitjen 
berfetben, raeil bei flotterer 23erbauung unb unge{)emmter fyunftion fämtlid)er 
33aud)organe feinerlei Störungen unb 3toctungen in ber 53crf"cnböf}tc fiel) ent' 
midetn fönnen, unb ba§ rcadjfenbe Gi oon allen jenen ©cfabren üerfct)ont bleibt, 
bie 5roar uufidjtbar mirfen, aber bennod) ©efunbtjeit unb :?cben ber ^-vud^t fo 
Ijäufig untergraben. Satjer alfo muffen fd)mangere grauen Si^bäber mad)en, 
unb §mar täglid) ober breimal roöd)entlid) in ber erftcn .fiälfte ber Sdjuuinger- 
fc^aft. ^c nad) ber :Qa(jrc55cit beginne man mit 37° bi^ö 30" C, ucrmcilc etma 
fünf 2)]iiiuten unter leichten Streichungen bcy 33aud)e§ unb laffe bann faltet 
2öaffer fo lange nac^gief3en, bi5 bic Temperatur bc;? 53abcmaffcr5 etiua 25" 
bi5 20° C. beträgt, '^awn frottiere man 5\reu5 unb (2d)enfct fräftig unb mad)e 
53eroegung, um nid)t in ba§ fe^r fd)üblid)e ^röftetn 5U oerfaüen. 93ian mirb 




fj^ig. 179. Si^bnb einer 2d)tt)aitgcrcn. 



288 Sebensregclu für bie Sd)«) ang erf d)Qf t. 

beobad)ten, ba^ öer etii{)(gon9 bei fo(d)er ^sflege ooräüglid) bleibt, ba^ im 
Unter(eibe ein angenet)me§, Ieid}te§ ©efü^I Dorf)errid)t, bas üielen (2(i)raQngereu 
fel)lt, uub ba^ jcf)Ue^(id) nur bie ©i^bäber jene 9(?einIid)feit5oerf)äItniffe 
fc^affen, raie fie gerabe grauen in biejem ^uftanbe ftet§ erflreben foHten. 
©runb genug, um bie f(eine 3tn[trengung nid)t ju fd)euen. (©ietje ©ipab 
g-ig. 179.) a}^ad)t man nebenf)er nod) müd)entlid) ein= bi§ graeimal fü^Ie 
2Ibroa]d)ungen be§ gonjen 5^örperg ober ein 23 o üb ab, aber aud) nur von 
fünf gjlinuten ®auer unb mit 2lbfü{}(nng bi§ 24° ober 20*' C, ferner niemals 
i)ei|3er al§ rcie ^(uttemperatur, ba§ ift 37" C, fo f)at man allen 2(n= 
forberungen, bie an ©efunbe gefteüt werben fönnen, genügt. SBer an Suft= 
bäber gemi)t)nt ift, Dernadjläffige biefe ja ni^t; fie finb für fcf)iüäcf)Ii(^ere 
^erfonen fet)r ftärf enb unb erfe^en in ber smeiten ^pälfte ber (Sci)mangerfci)aft 
fogar bie SKafferbäber. 

4. ^Bewegung. 2ßäf)renb bie einen jebe 2(nftrengung möglid)ft meiben, 
muten bie anberen fic^ aud) Ungern o!)nte§ ju unb bringen fid) in Ieid)tfmniger 
Söeife in ©efafjr, fo 3. ^., loenn junge, rieüeidjt etmaig blutarme ^-rauen im 
britten unb oierten 9Jlonat 2:an541nterl)attungen mitmad)en ober eine 9Rad)t 
burd) gro^e 2öäfd)e roafd)en ober fid) einem anflrengenben 3(u5.f(ug aufd)Iie^en, 
^erge erfteigen unb bergteic^en. %a§ finb 3i""utungen, bie aud) ©efunben 
übet bekommen fönnen, wenn fie barauft)tn nid)t breffiert finb ober feinen 
jef)r n)iberftanb§fät)igen S^orper {)aben. ®erg(eid)en I)at eine fd)mangere ^^rau 
alfo 3u untertoffen! dagegen fei fie bemütjt, tägtid) in§ greie gu fommen 
unb bei jebem Setter Stuegänge ju mad)en, unb fie glaube nid)t, ba^ 
ermübenbe 5:ätigfeit im §aufe gleidjmcif^igeg @ef)en in frifd)er Suft erfe^en 
fönne. c^at fie aber (harten uub freie ^(ätje 5ur 5Berfügung unb erlaubt e§ bie 
i^aljresäeit, bann fi^e fie tägtid) aud) meljrere Stunben im ©rünen, mit ^anb' 
arbeiten ober leichter Seftüre befd)äftigt, ober oerridjte gur 2lbroed)ftung aud) 
einmal gerooljute ©artenarbeiten, 'iöer in I]äu§(id)eu Slrbeiten geübt ift, fetjt 
biefe natürlich fort, bod) niemals bi§ gur (£rfd)ijpfung, unb raer fd)on mef)r= 
ma(ö geboren t)at, mute fid) nic^t ju, fdjioere S^o()(eneimer gu f)eben, 9Sorf)änge 
§u ftecfen, l)oc^()äugenbe Ssäjdje ab5uue(}mcu unb berg(eid)en mefjr. ©efunbe 
STteufdjen, bie ein tätiget uub oernünftigey 2iUn führen, finb aud) bei 
fo(d)en 'itniäffen unbefangen, ru()ig unb nic^t ju 3(bfouberIid}feiten geneigt; 
fte fud)en na^ allen Seiten ba§ Sf^edjte unb oerftet)en e§, fid) oon Über* 
treibungen freijuljalten. ©0 raie aber geplagte ^-amilienmütter meift 5U roenig 
9vüc!fid)t auf i()ren ^uflanb neljmen, fo finb unu3cfel)rt üerraül)nte unb oerfetjrt 
crjogene ^raud)cn in übertriebenfter SBeife um fi^ beforgt unb roagen feineu 
Schritt oor ba§ .^auS, feinen ©d)lucf frifd)en 31>affer§, fein offene^ ^^enfter, 
ol)ne ängftUd) i()ren ^auSarjt 5U fragen, ob e§ if)nen aud) rairf(id) nid)t§ 
f^abe. ^a Ijanbelt e5 fid) alfo um grobe llnfenntnia in allen gefunbl)eitlic^en 
fragen, um anerjogene 2Beid)lid)fcit, um oft angeborene Unfelbftänbigfeit, 
unb ba l)eif5t e§ bcnn aud) energifd) auf 53eroegung im ^-reien unb oernünftige 



i^^CjejaiftT 



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5nuirlBh3" 9fb giw -tjfifw lacJi 




Idow 



lov doue hrißw9<J mgbnoa ,bn9ujldov/ flisz lun TIBtn »laiJKia 
29ri3ilslölq rioiub zarnmeQ zgb ngzziginia 2ßa .nglißlnU 
bnu n9d9W n9§ilbd igd zßb ,ääJ|jo~^ ngzagidozioV 

"^,1*^'. '^,^'^3?,do9d US n^l2§ilußri me . ngrioßwdae 

, ^t9afiH''^96^ aVbn^ zati'lfiggnuWoiwigV ,izuhoviulQ TjA-\&iz 
29i9bnß bnu 29bniH zgb zllisl n9ni9l>l 29ni9 ngllßhoV ,iunri • 
-n929wn/\ 9ib doiub gib ,9llß?nU naizdoündÖMa^ gib bniz irl;, 
-9d d32ßi i9bo l9Jüdi9v nii9n9d2hud9D ii9n9irißii9 ii>r 
ngidügg isws iim lun .glliH grioßlnig oiQ .ngbiav, 
siutioB tüQ -.1 bnu I .gil anu Jgigs .nsiriüluszuß 
bnu 922i9in» idorn nrij IqoH gJißd igb Jimßfa ,29fnm 
nyns-!od93 PgBlaaul ni mgnig igd zsTqoH 29b S""'^ 
-AMj'f/ ngJzgildöinis? .nsJzlIovJznu;! gigznu .sbnMH 3iQ 
19b ni doilmdamov ngdßd bnu gbnßtzux zgüß nggniiu 
" ' " ■' trigis c §n nl .nidßgfu/l 9?zois gllid 

'd fanuW. ngb ni VBU''ßrin'3 rfoiub IqoH 
»loihbdDßn giilßi;! vwsdo nov bnßH sido 

-'---■ j...J9§dDeM lob ^'" -^^")22uA Imu 5nu?.öIdJ 

rd6w^,;lDuib2uA i^ hnii ^ . lil jia;|yiJBfrTod9W 9* 

-i9l4uM-«gb gzaii; " T bnu d ,$ .§i' 

^^ -ißdgD igb ■Ab\' .J JllgJzneb zqI 

N^^'"^ gib yi -i^ Jst^ixis idDigilzigv i9^ 

ni ?.id . doi;-. . . jzßldJriounTÄbngdalzdood rfotl 

-Jrfounl z&h bnu jiz nngw Jzi^^ .(fcnid gbigriog eifa 

aiaJIsnr' ^- j,j jjiilzuA igb Mosnr .Izzgilldß igzaßw 

■"^msi ,i)rm9v gbnäH giganu ^ßW .glliidjzhoT 

bmi Jiuji^üij-i iad ,CR bnu 8If 9lig2 ,t»8I zid T81 -ail doon 

des Kopfes ^v^m^^^Mr 'nl^^^^'r^^'^"^-'''^ 







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Sd)n)angerfd)nft. 



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Die rLaturhchc Hilie, |j^^?m Rl^^ der Geburt, sowie diSr I 
Lösung der Nach^jfeburl (Mutförkuche'n) ^amt Eihäüteh üiuiF''^'''"'^^^ 
Nabelschnur, stellt uns diese Tafel dan Wohl kann eine g<Hi 
sund« Frau ganz allein*, alslo ohne Unterstützung, gcbärcÄi^.jV 
eine wohlüberlegte Hilfe aber wirkt, wie die Eriahrung,jhe-,%j. y| 
stätigt, nicht nur sehr wohltuend, sondern bewahrt aiich >^r, 
Unfällen. Das Einreissen des Dammes durch plötzlichfes"" ' 
Vorschiessen des Kopfes, das bei heftigen Wehen und 
schwachen Geweben am häufigsten zu beobachten ist, 'iaglid) 
starker Blutverlust, Verwicklungen des Kindes in der Nabf2|^- (,>[,; 
schnür. Vorfallen eines kleinen Teiles des Kindes und ^ndc^,^^ . -> 
mehr sind die gewöhnlichsten Unfälle, die durch die Anwcseii- . 
heil einer ertahrenen Geburlshelferin verhütet öder rasch be-'^ 

r; ke-.npft werden. Die einfache Hilfe, nur mit zwei geübten 
t Händen. auszuführen, zeigt uns Flg. 1 und 3: Dör Schutz ! 
des Dammes, damit der harte ,Kopii ihn nipht jainretsse vwrf i j 
die Lösung des Kopfes bei einem in Fusslagc geborenen^ . , ^,.. , 
Kindi;. Die Hände, unsere kunstvollsten, feinfühligsten Werk- 
>:c'.!ge, bringen alles zustande und haben vornehmlich in der 
Geburtshilfe grosse Aufgaben. In Fig. 3 zieht die linke Hand 
den Kopf durch Einhakung in den Mund heraus, währertü ; i 
, die rechte Hand von oben kräftig nachdrückt. Die allmähi liaifif" 
, ,Jich2 Ablösung und Ausstossung der Nachgeburt durch f<»i^r Li^ 
gesetzte Wehentätigkeit findet in Fig. 2 und 4 Ausdruck, wäh- ., 
riv.iri Fig. 5, 6 und 7 die veränderten Verhältnisse des Mültef-'^ 'l^ 
inundes darstellt. Dsr ursprünglich lange Hals der Qebäi*^^^'^' 
mutler verstreicht zuletzt (Fig. 7) vollständig, und die anfängt Tel) 
lieh hochstehende Fruchtblase wölbt sich schliesslich bi^,^;t 
die Scheide hinein. Erst, wenn sie springt und das Fruchir<„ 
wasser abfliesst, macht, der Austritt des Kindes schnellere /^ 
Forlschritte. Was unsere Hände vermögen, ^Deweisen ferner' 
noch Fig. J87 bis 189, Seite 318 und 319, b«i Fussgeburturtd-^!' 

;l)cii nad) allen vrajorangegangener Wendung. er|tet)en eS, firf) i: 
. . '';:iMi(i.tften. oo rjic ranu i^fiilugrc ^amiUenmüHoi; mcifr 







Austritt des Kopfes und 
Schutz des Dammes (Seitenlage.) 



Das Kind witxJ bei 
nachfolgendem Kopfe aus 
den GebuMswegen 
gezogen. 






Lösung des Kopfes (Winckelscher Handgriff.) 

''• erhalfen 6. ha'b geöffnet und veritn'chen 



Nachgeburt H. 

Der AAutterkuchen ist 

in der Ausstossung 

begriffen. 



gAnz gebffnel und V€'■^tric^«^ 







Die allmähliche Erweiterung des Gebärmutterhalses. 



Die Frau als Hausärztin. 



Tafel 9, 



Geburtshilfe. 

Siehe Tejit II. Teil. 



SebenSrcgeln für bie ©cfiroangerfc^aft. 289 

3:äti9feit im ^aufe bringen, bamit gefunbe 33erf)n(tni[fe gefdjQffen roerben, 
ecfrifc^eube .^autpjTege einfüljven unb eine aUju reicf)(id)e (5rnäf)ruug oerfjüten. 
3^uv fein 9Jiüf5igc(aug, feine Überfütternng; benn biefe fmb bie 
Cueüen 3af)Ireict)er Übet in ber (^-ronenroelt. 

^ r a u f ^ a f t e © d) iü a n g e r f cl) a f t unb i () r e 53 e t) a n b t u n g. Unfer 
erftev ©runbfa^ lautet: 5lranfe ^^rauen [otten übert)aupt nid)t 
)d)n)auger lüerben! Unfer ^roeiter: ^it ^§ gefrf)et)en, bann fanu 
nur naturgemäße Pflege, 3>erfe^en in gefunbe SebenSoertjält» 
niffe S)]utter unb S^inb nor (Scf)äbigung beuial)ren, menn bie SSerfjättniffe 
nid)t fo ernfte finb, bafs eine fün[tlid)e §rüf)geburt angezeigt fd)eint, raoburd) 
eine 35erfct)(immerung be§ 3ufianbe§ ber ?yrau uerfjütet unb ein elenbe§ 
SRenf^enfinb roeniger in bie SBelt gefeljt roirb. 

9}iit ber ^une^menbeu geiftigen unb roirtfc^aftlicl)en ©elbftänbigfeit ber 
grauen, mit ber aügemein befjer roerbcnben I}i)gieuifd)en 33i(bung werben bie 
traurigen %äik immer feltener merben, in meieren junge ^^rauen oI)ne Urteil 
über i^re förperlid)en 3u|"tönbe fid) ber ©efaljr ber ©mpfängni^ au^fe^en, 
ober auftänbige (S()emänner burd) Seid)t[inn it)re jungen, fd)iüäd)(id)en ^^^rauen 
jugrunbe ridjten. SJinn mirb lernen, über bie SSerantroortlidjfeit nadjp' 
benfen, iüetd)e bie (SItern|d)aft auferlegt; man mirb fid) prüfen, beoor man 
eine (S^e einget)t, unb man roirb i3elbftbel)errfd)uug unb 2>or[id)t in ber (SI}e 
üben. ®ie rooljttätige ^-olge roirb fein: roeniger franfe eVvauen unb feine 
elenben 5^inber! Unb "iia^ ift ein Sot)n, roeld)er ber ?[RüI)e wert tft. 

^n einem ftäbtijdjen ^ranfenljaufe [torb einmal eine arme 3^rau an aH* 
gemeiner (Sd)roäd)e bei angeblid) I)üd)grabiger 93lagenerroeiteruug nac^ jafjrc^ 
langem Seiben; fie fam ^ur ©eftion, unb SL^erfafferin root)nte biefer ai§ ©tu' 
bierenbe ber 9}lebi5in bei. 3It§ man ben ßeib öffnete, evbticften bie ^5efd)auer 
feineu erroeiterten SJIagen, fonbcrn eine bebeuteub oergröf^erte ©ebärmutter. 
5J?an fd)nitt biefe auf unb — l)üb einen fe^§ SJIonate alten ^ötu§ tjeraue. 

3Ba§ (ef)rte biefe graufige @efd)id)te? ®aj3 biefe arme ^rau tro^ großer 
Seiben i^rem SJianne roenige 9JZonate üor i^rem 3:obe nod) ju ^JBinen fein 
mußte, unb baß fie trot} it)rer (Sd)roäd)e bie 33efd)roerben einer (Sd)nianger= 
fd)aft ertragen mußte, bie i^ren 3u[l<inb äroeifelto§ fel)r üerfd)limmerte. ^ätte 
fie fid) baoor ,^u fd)ü^en gemußt, ober roäre il)r 9Jlann rücffid)t§Oüüer gegen 
fie geroefen, fo roären it)re Seiben nid)t fo große geiuorbeu. 

33efannte 33efd)roerben bei franfl)after ©^roangerfc^aft finb gefd)rooIIene 
53 eine. Sßenn biefe fid) roäf)renb ber ©d)roangerfd)aft cinftcden, (äffe mau 
fofort ben Urin untcrfud)en; ent()ä(t er (Jirociß, bann finb bie Spieren er^ 
franft, unb ber ^iif^tinb ber ^r^^^i ^Q"" ^^i 3>ernad)(äffigung ernft roerben. 
^ft ber. Urin aber normal, bann l)anbelt c§ fid) um äl^äfferigfeit be;§ iSlute^ 
(.^i)brämie), roeld)e meift fd)on cor ber ©d)roangcrfd)aft beftanb. ®iue rid)tig 
augepaßte ^iät, üerfd)icbene 53äber, je nad) bem ^nf^t^'i^ »^^r ?3-rau 5ufammen= 
gefteUt, fönnen root)t S3efferung bringen; bie .^eilung ift aber geroö^nlid) erfi 

3:1c ^rau aI9 ^auSärjttn. 19 



290 SebenSregeln für bie ©ciitüangerf (f)af t. 

nad) 33eenbtgung ber (Sd)roanger[d)oft mögli^. SJian ftetle fic^ unter gute 
är5ttict)e Seituug, bamit ni(i)t§ üer[äiimt werbe, um ha§ ©ebet^en be§ 5?inbeä 
einigermaßen §u fi^ern. ©tarfe ^ructrairfung uom 'Serfen au§ i[t aud) oft 
bie Urfad)e oon (3d)n)e(lungen, bie üollftänbig naä) ber ©eburt oerfi^roinben. 
^ur ®rleid)terung mögen foId)e grauen ben ^unogürtel tragen, für tag» 
lidjen n)eid)en (5tul)l forgen, bamit ber üoUe ®arm ja ni(^t bie ^ructroirfung 
er^öljt, unb täglicl)e Übergießungen madjen. ((Sief)e §ig. 372.) ®§ bleibt 
bann bie .^ersfraft beffer, unb bie Se[ct)n)erben werben geringer. 

@an§ äljnlid) ift bie ^eljanblung bei „S^rampf ab ern", bie mä^renb 
ber '3)auer ber ©^raangerfd^aft and) äuroeiten an ben ©e[c^(ed)t:§tei(en auf= 
treten, ©tü^t man ben fc^roeren Seib burd) ben ^uno=@ürteI, ober bei febr 
fd)roerem ^auc^ burc^ ben ^Iaten-@arm§f(^en, fo läßt ber %nid fofort 
nad), unb bie Ijeruorgetretenen 3tbern raerben bünner. <3i^bäber bei gteid)^ 
5eitiger Sleigung ju ©tuljberftopfung ober Übergießungen mie oben finb bann 
gteid)5eitig am ^la^c. Spannen unb fted)en bie gefc^moUenen S3eine ober 
bie £rampfabern beim ©teljen unb @ef)en, 'öann bleibe man nid)t etma liegen, 
um alle Slnftrengungen gu oermeiben, fonbern micfle ba§ ^ein, mie ^-ig. 263 
geigt, mit ber 2;eufelfd)en ®iafonbinbe, rooburd) man guten ^alt geminnt 
unb bie 93eine normalere ©eftalt erl)a(ten. S^ac^tä entferne man bie Stßidtel, 
unb morgend lege man fie ftetä na^ ber Übergießung an. S3eraegung braucht 
jebe (Sc^raangere, um gefunben ©toffroec^fel p erljalten; eine @d)roangerfc^aft, 
meld)e nur bnrc^ Siegen gu ®\\i)Q gefül)rt werben fann, ift eine traurige unb 
geftattet für bie ©efunbljeit be§ Slinbei feiten eine gute 3Sort)erfage. 

^la^t eine üorfpringenbe 3Iber unb tritt eine 33lutung ein, fo ift biefe, 
fofern fie gering ift, nur rooljltätig unb erleid)ternb; bauert fie aber ^u lange, 
fo muffen ^ettrul)e unb Slnraenbung eine§ ®rudoerbanb§ eintreten (fte^e 
^ig3]l), bamit bie 33lutung ftel)t. ^ommt fie raieber, fo muß oom Slrgt 
eine Umfted)ung oorgenommen werben, ba bie (Sefaljr ber SSerblutung, be= 
fonber§ bei cingeriffenen ©efäßen an ben ©d)amteilen, be[tel)t. §ält man 
jeboc^ eine milbe, leid)te 5?üft ein unb mad)t man gur 23erl)eilung ber fleinen 
2Bunbe laue 2Iuffd)läge bei eingehaltener l)ori§ontaler fiage, fo wirb operatiöeä 
(Singreifen feiten nötig werben. 

©el)r gefäl)rlid) fann aud) baä ©rbrec^en ©d)wangerer werben. (Srfolgt 
e§ täglid) nad) jeber -JlaljrungSaufna^me, fogar au^ bei leerem 9Jtagen infolge 
be§ üon ber ©ebärmutter a\\§ wirfenbpn ®rucfe§ unb Sf^eigeS, fo treten balb ^lu 
uel}menbe ^6)mä6)e, tiefe ©emüt^oerftimmung unb fc^ließlid) rafd)e SIbmagerung 
ein, bogu Ijeftige ©djmerjen in ber 9Jlagengegenb, Söiberwillc oor jeber SflaljrungS- 
üufnatjme, ftarfe§ ^urftgefüt)!, fd)led)ter ^ulä, enblic^ Dljnmac^ten, weld)e aud) 
in 'bm Xot) übergeljen tonnen, wenn nic^t rafd)e ^pilfe nod) eintritt, ^ie ^rud^t 
wirb pweilen in biefcv ^eit au§geftoßen; oft beffert fi^ ber ^itflanb auc^ oon 
felbft, wenn bie (Bd)wangerfd)aft in it)re gweite .^älfte tritt. 2tm gefäl)rlid)ften 
ift ba§ ®rbred)en, wenn e§ fic^ in bie gweite ^älfte ber ©(^wangerfd)aft fortfe^t. 



8eben§regeln für bic Sd)tDanger[d)aft. 291 

^iefe:? fogenannte „unflinbare Grbred)en" (Sd)iuangerer tritt oor^ug^^ 
lueife bei ^-raiten ber lüoljUjabeubeu .klaffen auf, oiel [eüeiier bei ^^-raiien au§ 
bem SSotfe, rcaS baraiif Ijinbeutet, baJB eine Derroeirf)(id)eube unb üppige SebenS» 
rceife gcroiffe ©vunbtageu baju fcf)afft; ^-rauen mit ()i)fteriid)en Stntagen ober 
Ijüljer uerjüfer ^lei^barfeit, ebcujü mit alten ??]agen= unb ©ebävmutter leiben, 
neigen auc^ bagu, I)äufig bie 3^o(ge ju reid)(id)en 51eifcl)= u»>5 2{Ifot)oIgenuffe§ 
ober 5U Ijäufiger gei(i)Ied)tlict)er ßvvegnngen. Stnbernng ber 2eben§Jüeiie ift 
ba§ erfte, wa§ man bei folc^em (£ibred)en ju tun f)at; Sd)(eim[uppen, i^ep{)ir, 
3(pfel[inen= unb ^i^^'onenfaft a{§ Simonaben, 2öur5e(brüt)en, Dr. Sal)mann§ 
9iä(jr[a(5bic^fuit, SetterSmaffer mit gequirltem (Simeif;, (Si5|"tücfct)en, menn bie 
Übetfeit ju quätenb rairb unb ba§ ^Bürgen untevbrürft raerben foll, atlel 
!alt unb in fteinen ^Fteugen gereid)t, je nad) ^Jleigung ber 'Patientin, mä()renb 
üüllftänbige ü^u^e im uerbunfelten ^i"^"^^'^ bcübact)tet lüirb, um aüe ^lei^e 
fern5ul}a(ten, fü(}ren oft rafd) jur 33e[ferung. ^a^u mad)t man fatte 'Ulageu' 
Eompreffen, ober menn ba5 6:rbrecE)en frampfavtigen Glpvafter annimmt, 
lege man bic Ijcifse ^au(^t^a]rf)e auf unb menbe eine 33einpad;ung mit 
t)eiJ3en ^ampffrufen an. Stäglid) meljrere Heine tu£)te 5^h)[tiere rairfen gut auf 
beu ^arm \u\:) ben S^räftejuftanb ein. 3:auf enbgulbenfrauttee, fräftig 
gefod)t, lüffelroeife gereid)t, axiä) ^reifelbeerfaft (ot)ne ^U'-'fer) finb gute 
(Segeumittet. ®ann ein I)ei^e§ ^ßollbab, von 35°bi§40°C. auffteigenb, 
fpäter füt)Ie Sflücfengüffe von etroa 25'' C. Ijaben oortreff(id)e SBirfung; 
bod) tft bei allen biefen Stnmenbungen är^tlidjc Leitung für fdjmere )^ä{k nic^t 
entbe{)rlid) ; roirb bod), raie bie ®rfaf)rung Ief)rt, gar ju kid)t ein ^D^iijgriff 
feiten§ ber nnerfatjrenen Umgebung gemad)t. 9Iüc^ füll barauf aufmcvtjam 
gemad)t merbcn, ba{5 aud) eine 9tücfmärt»(agerung ber fd)mangeren 
©ebärmutter bie Urf ad)e be§ unftiübaren ®rbred)en^ fein fann, unb baf3 
man fid) batjer burd) är^tUdje Unterfud)ung ftet^S Dcrgeanneru foü, ob bie 
(Gebärmutter in rid)tiger Sage ift. 2}ürfid)tige ^}{ufrid)tung unter beruliigenben 
(Streichungen be§ ^aud)C:§ unb, nad) (Entleerung be§ 2)armey burd) ein grofje» 
(Sntleerung§flqftier, ftart" abget'ül)lte Siljbäber üermögen in menigen 2:agen 
ben SRormaUuftanb l)er5uftellen, worauf ba§ (5rbred)en üerfd)iuinbet. '3)ie 
Sfiüctmärtsbeugung ber id)maugeren (Gebärmutter ift aber aud) eine Cluelle 
anberer 93efd)iüerben rcäl)renb ber erften 3}^onate. Sie I)at 'Oa^ 33eftreben, fic^ 
auf5urid)tcn, ba fie fid), im fleinen 'Werfen eingelagert, nid)t Dcrgröfjcrn unb 
ebenfomenig in^3 grof]e 'Becfen gelangen fann. (5v treten bann quälenbc ^)vüd'cn= 
fdjmerjen auf, 2)rucf nac^ unten, Stul)lüerftüpfung, fd)iuere (Gemüt^ouerflimmung, 
@efül)l ber (2d)uiere im Seibe, falte (5'üf3c ufm. Tiefe '■yefd)iüerben fomnten 
aüe oon ber falfd)en Sage ber (^3ebärmutter, bie fd)liefUid) ba^ "Jlbfterbeu be^^ 
(Sie^i beroirft. (S§ tritt bann nad) anl)altcuben '~-i3cid)iüerbeu 5el)lgeburt ein, 
roeldje aber auc^ oft uid)t glatt uerlänft. 

2öer bal)er gleid) in ben erften 'i'J^onaten ber (Sd)niangerfd)aft fid) 
clenb fü()lt, gel)e ju einem Str^t unb laffe bie Sage ber (Gebärmutter feft' 

i'j* 



292 8eben§regeln für bie ©c^rcangerfc^aft. 

[teilen. Stägli^e oorfid^tige 2lu[ri(i)timg, ©i^bäber roie angegeben, abracd)fe(nt) 
mit ^albbäbern imb S'tücEengiiffen, tägliche ®ntleernng be^ ';j)armeiv oox*= 
[id)tig[te 2)iät, ^ettrn^e ober ^eiüegnng je nad) bem 31llgemeinbefinben {)oben 
oft in fonm fünf biy ad)t Ziagen normalen 3"[tonb unb fd)lie]3licf) glüdlidje 
^eenbigung ber (Sd)roangerfct)aft f)erbeigefü{)rt. ®a foroo^I SJJntterbänber 
mie (Gebärmutter in gefülltem ^uftanb praller finb al§ im geroöl)nlict)en, ^ot 
le^tere au^ in l)ül)erem ©rabe bie 3Zeigung, bie aufrechte ©tellung beipbetjalten 
unb auf angemeffeue ^eljanblung einjugeljen. 9)lan jögere nur nidjt ju lange, 
fic^ in ärätticl)e ^ef)anblung ju begeben. 

^[t bie ©ebärmutter angemadjfen unb eine 9^id}tigftellung berfelben 
bal)er unmöglid), bann bleibt, loie beim unftiübaren (Srbred)en, a{§ le^te§ 
.SpilfSmittel nur bie fünftli^e ^rül)geburt übrig, bie mir ©eite 331 
befpred)en. Sie ift in allen jenen fällen geboten, in rce(cl)en bie ä>er= 
l)ältniffe fo liegen, ba^ ein natürlicher 23erlauf ber ©djroangerfc^aft unroal)r= 
fdjeinlic^ ift unb bie beftel)enben Ijeftigen Sefc^roerben auf feine anbere Sßeifc 
5U befeitigen finb. 

SSor zufälligen ®r fr an fangen ift eine ©cl)roangere aud) feine§roegl 
gefd)ü^t; fie fann 33lattern, ©umpffieber, Sungenentjünbung befommen, unb 
fic fann erliegen mie jebe§ anbere. häufiger aber mirb bie 3^rud)t baburd) 
abgeljen, unb bie ^rau mirb genefen. ^m iBoiU t)errf(^t ber ©laube, ba^ 
(3d)mangerf(^aft befonber§ uor ^nf^fliün^franf^eiten fd)ü^e, unb l)äufig genug 
blieben and) ?}rauen, bie guter Hoffnung roaren, unberül)rt, mät)renb alle§ 
um fie I)erum bem ^ranfl)eit§gift erlag. (S,§ ift, al§ mürbe il)r Organismus 
in biefem ^uflai^^ regere 2:ätigfeit entfalten unb bal)er ein befferer ©toff^ 
med)fel ftattfinben. Oft ift bieS aber aud) nid)t ber g^all. 

Über ©qpljiliS ber ©d)raangeren ift oiet gefd)rieben roorben. @ine 
gefunbe 3^rau fann, w^ml ber 3Sater fqpljilitifi^ mar, ein fqpl)ilitifd)e§ Slinb 
gebären, o^ne felbft je nennenSmerte 36id)en biefer furdjtbaren ^ranfl)eit an 
fi(^ SU tragen, ©ie erfranft aber, menn fie mäljrenb ber ©d)mangerfd)aft 
angeftecft mirb; il)r ^inb mirb bann nid)t immer nad)roei§bar fgpl)ititifd) fein, 
^anbelt e§ fid) nid)t mel)r um „blüljenbe" ©ijpljiliS ber ©Itern, fo merben 
meber 3luSfc{)lag noc^ ©efc^roülfte unb ©efdjmüre entfteljen, fonbern e§ werben 
bie 3^rüd)te mit einigen a)tonaten abgefjen, roeil bie SleimjeUen f^pl)ilitifc^er 
(Sltern meift an SßiberftanbSfraft einbüßen. (Sine ©eftion ber Hinb5leid)en 
mirb bann beroeifen, ob biefe felbft 3^^^^^^ «^^r ©i)pl)ili§ an fic^ tragen, 
ober ob bie Butter ju fdjmac^e ^yortpflansungSorgane ^atte, um bie ^-rüdjte 
auszutragen. 

3Iud) ^Jüerenf ranff)eiten fpielen eine befonbere Stolle mä^renb ber 
©d)roangerfc^ft. @S gibt eine fogenannte „©d)roangerfd)aftSniere", bereu 
©qmptome mit ^Beginn unb @nbe ber ©d)mangerfd)aft enge 5nfamment)ängen. 
©ie befteljen in (Simeijsausfdjeibungen mit bem .^arn unb in 3tnfd)mellungen 
Derfd)iebener Slörperteile, rcäljrenb babei baS 2ltlgemeinbefinben fd)manfenb ift. 



CebenSregetn für öic ScI)lDa^c^evfd)nft. 293 

SRon lefe über S3el)anblung ber TOerenfran?f)eiteu iiad), fei aber bei ©djraangeren 
be)'onber§ Dorl"td)tig. g-eudjtiüarme ^^actungen, bi§ (eid)te (5d)iüei^er5eiigung 
erfolgt tägticije SBafferanroenbungen, je nad) 2{(ter unb ^räftcjuftanb au§' 
gefü{)rt ftrenge 9)]ild)= unb Obftbiät, Sitftbäber, ©ct)(afeu in lhtftl)ütten roerben 
SOBunber loivfen, wenn t^a^ 9lieren(eiben nid)t fd)ün früher beftonb unb oie(= 
Iei(i)t fd)on unfjeilbar geiüorben luav. ^n fd)roeren ^^ällen tritt 3^rüf)geburt 
ein ober man ift gegraungen, burd) eine fiinft(id)e ^rül)geburt .gtitfe gu bringen. 
(Setbftrebenb foüten ^^rauen, bei u)elcl)en ber fd)n)angere Uteru§ fo fd)n)ere 
9^ei5erfd)einungen l^eroorruft, niemals mieber empfangen. 

Sbenfo Der'Ejätt e§ fid) bei 9leurofen unb ^^ft)d)ofen, \>a§ ift bei 
9]erDen= unb öcmütSerfranfungen. :^e^tere finb gar uid)t fo feiten, luie man 
Dielleid)t beuten tonnte. 9J^eIand)oIifd)e @emüt§ftimmung, SebenSüberbru^/ 
^offnnug§Iofigteit, @Ieid)gü^tigteit gegen 53lenfd)en unb ®inge, fd)tief5(id) eine 
(eibenfd)aftnd)e t3el)nfnd)t nai^ bem ^obe, meld)e p raol) (überlegten ©elbft= 
morbplänen füljrt, finb m\§ bei jungen ^-rauen, bie in glüct(id)en 2>erl)ätt= 
uiffen lebten, rcieberijolt begegnet. 9)]eift ift bei foI(^en erblid)e 33eran(agung 
§u ©eifteafranftjeiteu unb Stuberfulofe im ©piete, oieIIeid)t aud) eine ^orm 
ber fgpt)ilitifd)en ®ur^iend)ung, mie fie fid) auf bie unglücElii^cn ^cad)* 
fommen »ererbt, ©tatt ©lücE uub f^^reube bringt folc^e ©d)iüangerfd)üft nur 
(Sorge unb Stummer in bie Familien, unb bie arme junge ^rau ift bie Uit' 
g(üd'(id)fte oon ollen. (Sorgfältigfte 58el)anblung unter ärätlid)er Überu)ad)ung, 
natürlid)e, gefunbe Seben§üert)ältniffe, träftigenbe £uren uad) erfolgter (Sut= 
biubung tonnen .^ilfe bringen; jaljretauge ^^^aufen I)infid)tlid) abermaliger 
(Smpfängui§ ift aber ein bringenbeS ©ebot, roeun bie ?^rau er()alten merben 
foü. Slud) ift e» 5u üerantroortlid), einer ju ©eiftegtrantl)eiten ueigeuben 
^rau 9f|ad)tommeufd)aft gu raüufd)eu, roeil nur p oft bie gleid)e 33eranlagung 
bei beu Hinbern fid) einftellt unb baburc^ fd)lie^lic^ eine haiifc, un5ured)nung§= 
fähige ^öeoölferung entftel)t. Sllfo feine Hinber bei ©d)U}inbfud)t unb 0)eifte§= 
!rantl)eiten. 

50^et)r ober minber Ijeftige neroöfe Seiben finb bei fd)n)angeren grauen 
ber rool)ll)abenben (Stäube fel)r l)äufig. ^ie eine leibet immer an ©asbilbung 
im 9J]ageu, bie aubere au quälenber (5tul)lrierftopfung, bie Dritte an ^nr^«= 
fällen bei jcber Slnftrengung ober (Srreguug; bei oielen ift ber (Si^laf fe^r 
geftört; allgemeine (£rregtl)eit \u\b 5tngftlid)feit finb uorljanben, nid)t ju 
betämpfenbe Hreuäfdjmerjen, SBabenfrämpfe, neroöfer Ruften, 9kd)cutatarr(je, 
neroöfeS ^eräflopfen ufm. 2ßer äät)lt bie :?eiben alle, bie eine ucrfcbrte 
:^eben§raeife erzeugt unb bte fic^ naturgemäfj bei eintretenbcr Sd)mangcrfd)aft 
in oft unerträglid)er SCßeife fteigeru! (Sd)mer ift e§ bann, biefe ^iif^^'^"'^^' h^ 
befeitigeu, meil man au§ 9^üdtfid)t für X)a§ mac^fenbe @i bem Drganiö!mu§ 
nic^t ungemoljute Sluranraenbungen äumuten Darf; e§ f)ei|3t alfo meift: au 5= 
!^alten, mit (Sebnlb Unabänber(id)c§ ertragen, nad) erfolgter (Julbiubung 
aber für Kräftigung unb ©äuberung be» ;[jnbiüibunm§ fomoljl üon forper» 



294 iJettfaöen für gefunbe (Srftgebärenbe. 

I{d)en roie ö^^ft^Ö^" (Sd)(ad'en (Sorge p trage:). 31ufflärung über bie 33or= 
gänge im eigenen 5^örper fül)ren ^u einer geraiffen 9^uf)e be§ ©eifteä unb 
oerfd)eucI)en finbi[d)e SIngft; bod) borf bie 2tuff(nrung ni^t in ^ejdjreibnng 
fettener unb f^roerer Slranf()eit^5uftänbe befte!^en. Die oielIeid)t nocl) mit er- 
fc^recfenben 2(bbilbungen üer[el)en finb (nact) bem SJhifter geroiffer popuIdr= 
mebi5ini[d)er 33üd)er!), n)eld)e oon 5JlicI)täc5ten nur 5U tei^t mi^uerflanben 
werben. ®§ werbe oieIme!^r bie 9f^atürlict)feit unb ^^otroenbigf'eit geroifjer 
'Vorgänge betont unb beraiefen, roie unbegrünbet 2(ng[tlic^feit bei normalen 
9SerI)ä(tniffen ift. ^ann lernt aud) ein neroöä erregtet grausen, allem 
^ommenben mit rul)igem ©emüte entgegen^ufe^en, unb biefe @rrungen[(^aft 
fommt oft fd)on einer falben .^eilung gleid). 

ISD 

C^Ufaden für eine getunde erttgebärende. 

Dbrool)! aüe§ 9^ötige in ben oerfd)iebenen Slapiteln entt)alten ift, fo t)at 
bod) bie ©rfafjrung gelel)rt, \iOiS^ unoorbereitete junge SKütter, bie niemals 
©elegen'^eit Ijotten, bei anberen grauen bie Sßo^enpflege fennen 5U lernen, 
ratloä oor ben SSorgöngen am eigenen Körper ftel)en unb nidit imftanbe finb. 
Die in unferem 33ud)e gegebenen allgemeinen Set)ren auf fid) felbft an^n^ 
menben. liefen alfo geben roir im 91 ad) fiel) enben eine 3ufammenftellung 
alles beffen, roaS eine SHutter im 3luge betjalten mu^, bamit keinerlei 
(Störungen eintreten. 

®ie gefimbe ^^^rau get)t in ben legten 2Bod)en ber (Sd)roangerf(^aft QXi.^ 
roie t)ort)er, arbeitet in it)rem .^aufe roie oorl^er, babet imb i^t nad) ben 
Set)ren ber ©efunb^eitSpflege, fie ^at aber bie t'leine SluSftattung für ba§ §u 
erroartenbe ^inbd)en fertiggeftellt, oljne babei burd) fiunbenlangeS 9}|afd)inen-' 
nät)en fi^ angeftrengt gu Ijaben, unb fie l)at bem einfid)t§D ollen ©atten ben 
geroo!^nten SiebeSoerfe^r oerfagt, roeil er fd)äblid) für fie unb ben roerbenbeu 
SRenf^en unb Dat)er naturroibrig ift. ©ie l]at fid) aud) fd)on im 8. SRonat 
mit einer gut empfohlenen .^ebamme in Sßerbinbung gefegt, um bie ^-rau 
ftetB erlangen ju fönnen, roenn ba§ erwartete (greigni§ Dietleid)t früt)er, aB 
bered)net, eintreten follte. ®ie är§tlid)e Unterfud)ung, bie fie unb bie ^Ij^'^Ö^" 
über i^ren Körperbau auflTörte, ift längft, fi^on in il)rer iBrautäeit, oorge= 
nommen roorben. 3llfo fann fie ruljig allem entgegenfeljcn. 

§ür bie ®ntbinbung finb üorbereitet roorben: eine unburd)läffige Unter* 
läge für ba§ ^ett, ein Unterfd)ieber, SBunbroatte, ©aje, SJianbelöl, 9^umpf= 
pacfung, gcnügenbe Sßäfc^e, ein Irrigator, eine 9(^umpfbaberoanne unb eine 
t'leine ^inberroanne, enblid) ein 33 ab et l) er mometer unb ein neuer 33abe= 
fd)roamm. 3Kie fcl)on an anberer (Stelle auSgefüljrt rourbe, leitet fid) bie 
(Sntbinbung geroöljulid) mit leifen (Sdjmerjen im Slreuje ein, roeld)en balb 
Sie'^enbe (3d)mer5en nad) oorne folgen. 3"!^^^^^" l)aben biefe (Sdjmerjen 



S)er 9Jiutterfud)en. 295 



gro^c Raufen, suTDeileu fteigern fie fict) aiict) fü ]cf)ncü, 'üa^ foum 3eit f"^' 
ade SSorbereituugen bleibt. ®aviim mii^ Qtle§ auc^ gut üorgend)let fein. 
®ie ©ebärenbe bleibe fo lange al§ mög(irf) aujser Sett, roenu aber bie S(afc 
fpringt unb ein ftorfer Grgu^ einer gelblirfjen ^-lüffigfeit [tattfinbet, raäljrenb 
fic^ ein brängenbeä ©efütjl, bie fogeiuinnteu '^re^n)el)cn einfteüen, bann 
lege fie fid) unb net)me wöfjrenb ber Sßeljcn bie iljr angenefjmfte unb ben 
25organg begünftigenbe (Steüung ein. Senn ber Hopf burrf)gebrocf)en ift, 
raobei bie |)ebamme ju ftüljen Ijat, bann ift ber gröfjte 2:ei( ber QIrbeit ge= 
leiftet, unb bie (Sd)ultern folgen mcift fci)mer§to§. 5Jla(i) ber SIbnabelung 
tritt geiüöfjnlid) eine fteine 9f?ut}epau]e ein unb bann folgt bie Qlu'gfto^ung 
ber 9Rad)geburt. 9'iad)bcm ba» ^inb gcbabet, befleibet unb in ein burd)- 
iüärmte§ 93ettd)en gelegt ift, rairb bie äBocIjuerin geioafrfjen, mit neuer gleid)= 
faU§ burd)raärmter 2öäfd)e »erforgt unb mit marmer DJtitd) ober ©£rften= 
Eaffee gelabt, ©efunbe ^^^rauen macljcu bann gerne ein (Ed)Iäfd)en. SJlit bem 
31ntegen be§ 5linbe» an bie 'Sruft t'ann man roarten, bi§ ^a^^ ^inb unrutjig 
mirb, ober bie 33ruft üoÜ unb fd)roer geworben. ®ie§ gefd^ie^t bei normalen 
23erl)ä(tniffen innerl)a(b 24 Stunben. Sei STag lege man ba§ ^Neugeborene 
alle sroei Stuntmen an, nac^tä, oon 10 bi5 6 Ut)r, gebe man nic{)t§, roeit 3Kutter 
unb 5linb 9Rube brauct)eu. ®ie gefunbe SOBöct)nerin !ann täglid) fe^§ Heine 
SJlatjIseiten einnetjmen, beftet)enb au§ .^afergrü^fuppc, ©erftenfaffee, 5(pfel= 
mu§, 3iüiebac!; oom fünften 2:age an tonnen and) eine ^Butterfemmet, ^arte 
©emüfe, frifd)e§, nid)t faucre^ Obft, 9}]cl)Ifviict)te gercid)t raerben. (9)lan lefe 
ba§ äroeite Kapitel über bie (£rnä()rung nac^!) ?^-rifc^e Suft barf Sag unb 
9lacf)t im 2BücI)nerinnen5immer nid)t feljlen, aud) bie (Sonne nid)t, boc^ 
beroafjre man ben 3äug(ing oor grcücn SicE)teinbrüc!en. (Sine forgfältige 
^ebamme rcirb fd)on roäljrenb be§ @eburt§afte§ für ©ntteerung be§ "SDarme^ 
unb ber Stafe forgen, fie roirb baljer auci) raäfjrenb be§ Sod)enbette§ feine 
anljaltenbe ©tu()(üerftopfung eintreten taffen. ®a§ ängftüdje ©tiUtiegen 
mä()renb be§ Sßod)enbette^5 ift nidjt nötig, \a gefunbe g-rauen !önnen ba§ 
iöett fd)on nad) roenigen Ziagen fd)abIo§ oerfaffen. ®er btutige Slbgang 
nad) ber ©ntbinbung bauert einige 3Bod)en an, betäftigt aber eine gefunbe 
i^rau nid)t. ®ann lebt bie junge ?Jhttter ben ^:pf(id)ten für il)r 5linb, ift 
aber im übrigen roieber in normale 3SerI)ä(tniffe eingetreten. — %aB märe 
in grofjen ^^iQ^" ^^^ Sf^eitjenfolge ber mid)tigftcn 3Sorgänge, mic fie bei gc= 
funben unb t'räftigen ^^-rauen beobad)tet werben. 

Der Cßutterhuchen (die Plazenta). 

Stuf ^ig. 176 fe^en mir bie ^JJabetfd)nur mit fefttjängenber ^tascnla 
im oberen 3:eil ber ©ebärmutter unb f'önnen au§ ber @rö|3e ber ©eläv^ 
mutter eutneljmen, baJ3 ha§ reife 5tinb ben ^-rudjtljulter foeben oerlaffen 



296 



2)er ajiutterfucl)en. 



f)at. %a§ obere ©nbe bcr ^abelfdjnur, bie qii§ §u= inib abfütjreuben ©e* 
fü^en beftefjt t)ängt mit einem j^mammigen 5?örper gufammen, beii rcir im 
oberen ^eile ber (iebärmutterl)ü^le angeljeftet feljen. @r be[te(}t au§ üielen 
Heinen, eng aneinonberliegenben ;[?äppcl)en, bie ein reid)e§ ©efä^ne^ ent=» 
Ijatten, ba§ mit ben ©efä^en ber ©ebärmutterroanb oerbunben ift. 2tu§ 
ben üieten steinen ©e[ä^en be§ 9)lutterhtd)en§ entfieljen bie größeren ©efä^e 
ber 9^abelfd)nur, bie ben finblid)en i^örper revforgen. (S§ geljt an§ biefem 
^au beutli^ tjeroor, wie ha§ S3lut ber SHntter auf t>a§ i^inb überget)t 
unb n)etd)e 33ebeutung bie mütterlid)en 5?ranf{)eiten für ben finblid)en Drga= 
ni§mu§ I)aben muffen. %k (Siljäute, meldje ba§ 5?inb mit bem gru^t^ 
maffer umf^licf^cn, bebeden bie innere (Seite bes 9)lutterfud)en§; bie äußere, 
mel(i)e ber ©ebärmuttermanb aufliegt, ^t nur einen feinen ^autüberjug, 

4 




D'ii öem Si:inbe 5ugefel)rte Seite nadi ^k ber ©ebävmutteriDaub §u9efeE)rte 

bem 5lb5teljeu ber (Sif)äute. ©eite. 

f^ig. 180. SOhtttcrhtt^e« in ungefähr ein Sßtcrtcl nntürlic^er ©rößc. 
;ön bie 9labelfc^nur einmünbeiibe aSIutgefä^e: 1 Slrterien. 2 SScncn. 3 ß^i'ücfg^äogene 

(Si{)äute. 4 Sf^abelfdjuur. 

lappigen S3au unb ift Darum uneben, ^ig. 180 fleüt bie fid) im 9J]utter» 
fu(i)en oerteilenben @efäf3e bar, bie fid) in ber 9labe(f^nur gu einem 
Strange oerbidjten. %k eingeriffene (Siljant ift am Staube §ufammengerolIt. 
'2)ie groeite 3^i^i^"ng oeranfd)auUc^t un§ bie unebene, öireft ber Uteru§' 
manb aufUegenbe Seite be§ 9}]utterhtd)en§. 9]on biefer gingen urfprünglid) 
jene feinen ^^\i^n ab, bie in ^oI)Iräume, mit 33(ut gefüllt, tauften, t)on 
melct)en .au§ t)a5 mütterUd)e 58(ut in ben 9Jhittert'ud)en gelangte. 2{u§ 
biefen 3SerI)ä(tniffen erf'Iärt fid) ber ftarfe ^lutoerluft bei teilroeifer Qo§= 
(öfung ber ^lajenta unb (Eröffnung biefer 9iäume unb bie @cfal)r ber 
33erbtutung, menn fid) nad) erfolgter ©eburt bie ©ebörmuttermanb nic^t 
genügenb pfammensie^t. 

®er 9!}'^utterfud)en I)at im ausgereiften ^i'fionbe ein ©emidjt oon etroa 
500 ©ramm, bie 9labelfd)nur eine Sänge üon 50 3e»tii"ßter. 2Bie ein 
©(^roamm, ber feftgefaugt an ber 2öanb fi^t, fo erfdjeint auf ^ig. 184 bie 



^etjlgeburt. 297 

^(ajenta mit 9]QbeI[ci)nur unb ^inb an ber ©ebävniutter fi^enb. ^f)r 
geroö^nlid)er ©i^ ift bie oorbere ober I)intere ©ebärmutterroanb ; fe^t fie fid) 
tiefer an, [o fonn fie ju raieber^olten $8hitungen 21nla^ geben, roeil ber dlamn 
in ber fic^ nad) unten üerfd)niä(ernben ©ebärmutter gu Hein roirb. 2(ud) 
5um SIbfterben be§ ^inbe§ fann fie füfjren, inbem ber f)arte 5^opf be§ fid^ 
einfteEenben ünblic^en 5lörper§ ben 58[utau§tau[d) im 9}luttevfu^en burdj 
feinen %xnd unterbred)en fonn, roorauf ber ^er5fd)(ag be§ S?inbe§ au§fe^t. 
Über bie 2Iu§fto^ung ber ^tajenta ober „^^ladigebnrt" fprec^en roir 
aulfiü^rlic^er bei «Sc^ilberung be§ (Seburt§oorgange§. 

OS 

entttchuti^, Verhütung und Bebatidlung der fehlgeburt 

Blutarmut, allgemeine ©d)roäd)e, t'örpertid)e Überanftrengung, feyuelle 
unb feetifd)e 2lufregungen, 3Sern)ad)fungen unb 5!nidtungen ber ©ebärmutter, 
fd)n)ere fieber!)afte 5Tran!t)citen unb anbere§ mel)r finb bie gen)öf)nlid)en Ur= 
fadjen ber ^el)tgeburten. Q3ei fd)roäd)Iid)en grauen, bie nid)t bie notraenbige 
'Pflege f)aben, entmirfelt fic^ fogar eine ^rt oon gen)oI)nljeit§mä^igem SIbortuy, 
ba§ I)ei^t sroei= unb breimal gel)en ^riid)te im Htter üon jmei bi§ oiet 
9}lonaten ol)ne befonbere SSeranlaffung ob, ftet^ mit ^httoerluften unb grof3er 
©d)roäd)ung üerbunben. (Senkung, S^orfall, (Sd^Iafft)eit alter ^edenorgane, 
©tut)toerftopfung, gebrncfte @emüt§oerfaffung, blaffeS 2(u§fel)en entmicfetn 
fic^ fet)r batb. Sßerben bie ?^rüd)te aber älter unb gelingt e§ nid)t, bie im 
übrigen gefunbe g^ran gum 2tu§tragen ber ^rud)t gu befä()igen, fonbevn t)er= 
liert fie biefe met)rerema(e, bonn ift meift ©i)pl)i(i§ im ©piele, bie ber ?Jcann 
auf. bie «)eibtid)en S^eimgeUen übertragen ^t. ^n foId)em galle ift bann nur 
gu n)ünfd)en, ba^ übert)aupt feine (Sd)iüangerfd)nft eintrete. 

®ie ^el)(geburt leitet fid) buvd) eine ficfernbe ^Blutung ein, bie 
mitunter einige SCBod)en onljätt unb burc^ (angfame Slblöfung ber ^(agenta 
( 9J?utterf ud)en) entfielt ober burd) siel)cnbe (Sd)mer§en im Selbe unb Diiirfen. 
Da^ bur^ bie Stblöfung ber ^lagenta bie Srnäl^rung ber g-rud)t unterbrod)en 
luirb unb biefe langfam abftirbt, ift felbftoerftänblid). ©§ finb gäüc vov 
gefommen, in meld)en fd)mäd)(id)e junge ^-rauen oier SO^onate bie abgeftorbene 
?^rud)t mit fid) Ijernmtrugen, babci mel)r ober minber an binttgem 3(uc^f(u^ 
litten, ^röfteln, Unbet)agen, 5?opffct)mer5 , 9(ppetit(üfigfeit Ijatten, oI)ne ba^ 
bie Urfac^e if)re§ ^uftanbeS erfannt würbe. Gnblic^ ging bann ein bunfler, 
unfennt(id)er 5^Iumpen ob; eine ftörfere ^tutnng folgte unb lucnn immernoch 
nid)t bie rid)tige $öel}anbtung eingriff, blieb eine djronifdjc Gvfvanfung ber 
(Sebärmutterfc^[eimt)out, eine SSertagerung ober übermäfiig ftorfe 9J^enftruation 
jurücf. i^ronen aber, bie einen unüoütommenen 2(bortu§ Ijotten, wobei 
©itjoutrefte äurürfbüeben, fönnen monatelang an fdjmäc^enben 93(utungen 



298 f^clilgeburt. 

leiben, bi§ enblic^ eine 9?einignng ber ®ebärmutterl)ö^le eintritt, fei bie§ 
bnrct) anregenbe S3äber ober 9Jlafjage ober, at§ Iel3te§ SJIittel, burc^ eine 
2lu§fcl)abung. ®ann erft fd)lie^en ftd) bie ©efä^e, bie ©c^Ieim^ut !^eilt 
au§, 33(utung nnb ©cI)leimabgong pren auf. 

©teilen fid) bie angefüljrten 3ei^ß» eine§ beginnenben 2Ibortu§ ein, fo 
ijat man juerft alleS gu nerfuctjen, bie 93Iutung äum ©tillftanbe §u bringen, 
nnt ba§ 2lbfterben ber ^ruct)t jn oert)iiten (loenn e§ für bie 9Jiutter unb h^n 
jufünftigen 9JIenfd)en iüünfcl)en§ix)ert ift, baJ3 er guftanbe fonimt). dJlan lä^t 
bie g^rau 33ettrul)e einljalten, !)ält alle (Erregungen oon it)r fern, mad)t Über- 
gie^ungen mit 38° unb 24° C, legt §umeilen falte ^ompreffen auf ben Seib, 
bie man ^albftünbltcl) mect)felt, gibt Heine fül)le Sllgftiere, nacl)bem eine grünb* 
Iid)e 3lu§leerung be§ ®arme§ erfolgt ift, reicl)t nur füljle, gan^ reijlofe ^oft 
(9Jttld), grüne ©alate, Seeren, ^it^onenlimonabe, SCßurjelfuppen, 9^äl)rfal5= 
bi§fuit) unb forgt für frifcl)e Suft. klimmt bie 33lutung bennoc^ ju, bann 
ift bie 3^rucl)t meift fc[)on tot . unb bie 3lblöfung ber ^lasenta ni(i)t me^r 
auf5ul)alten. Um bie 3^rau oor 58lutoerluften gu fc^ü^en, empfieljlt es fid) 
bringenb, in fold)em ^^^alte bie 9lu§fio§ung be§ @ie§ ju befd)leunigen. 3« 
biefem ^wecte werben fräftige 2tnroenbungen am Werfen gemacl)t: alle ^mei 
(Stunben ein Ijeif^eS ©i^bab üon 40° 0., gelju S[Rinuten mit nad)folgenbem 
^reu§gu^ oon 16° C, unb, v)^nn bie SluSfto^ung immer noc^ gögert, eine 
energifd)e UternSmaffage. (S§ treten bann meift red)t fct)merät)afte 2ßel)en 
ein, meieren bie 2lu§fto^ung ber 3^rud)t folgt. 9Jlan befelje bie ©iljtäute 
genau, ob fie oollftänbig ober jerriffen fiub; im legieren Stalle beftel)t bie 
SJiogli^l'eit, ba^ fleine '^Qik berfelben in ber ©ebärmutterl)öl)le Ijängen 
blieben, meiere modjenlange Blutungen oerurfad)en fönnen. ^ft bie g^rudjt 
aber fc^on oor längerer ßeit abgeftorben ober erft mel)rere 3Bod)en alt, bann 
läf^t fid^ nid)t§ feftftellen. ©in fräftiger Uteru§ ftö^t felbfttätig oft nocl) nad) 
ad)t ober üierjelju Sagen ®it)autrefte au§ unb groar oljue nennen§iüerte 
Blutungen. SSermeljren fiel) biefe jebod), bann mu^ eine auf 2lu§fd)eibung 
l)inroir!enbe 33e^onblung, jebem 3^alle genau angepaf3t, eingeleitet roerben, 
rceld)e oft bie 9lu§fc!)abung überflüffig machen roirb. (Sin faltet ©i^bab dou 
17° C. waä) Dr. ^Ningler unmittelbar nad) ber 2lu§fto^ung ber 3^rud)t, 
3 — 5 9Jlinuten mit SKarmfrottieren im S3ette, roirb üor unangeneljmen 
93lutungen fc^üt3en. Sluf bie oerfd)iebenen formen unb (^efaljren be!§ 2tbortu§ 
t'ann l)ier ni^t nod) näljer eingegangen werben; mir roornen nur einbringlid) 
baoor, il)n gu leicht 5u ueljmen, unb raten, fofort ärjtlidje .^ilfe aufgufudjen. 
S!Jiand}e t)armlo§ begonnene ^eljtgeburt I)at infolge 2Sernad)läifigung ober 
Derfet)rter Slnmenbungen gu einer fc^roeren ©rfranf'ung ber ^-rau gefüt)rt, bereu 
folgen niemals raieber gan§ überraunben mürben. S3efonberS muffen grauen, 
bie eine leid)te ^el}lgeburt überftanben Ijaben, baoor gemarnt werben, ha§ 
S3ett fd)on am sroeiten ober britten Stage gu oerlaffen. lim ber (Gebärmutter 
5ur üoÜftänbigen 2lu§l)eilung Qüi gu geben, mufä fie eine 3Bod)e rnljig im Sctte 



Sd)it)augerfd)aft bei anberen SSöltcrn. 299 

anbringen. 9Bä()renb bie[er Jage gebe man nur Ieid)te, fIei[c^(o[e ^oft, mad)e 

raie bei jeber ^J5>üd)nerin falten Seibauf[d)(ag, ()a(te ade (Srregnngen fem 

unb fü{)re je nai^ bem fonftigen 53e[inben fu(j(e Si^btäber ober Über= 

gie^ungen aus. 

ISO 

Rlie es andere Volker mit der SchwangerTchaft halten. 

S3ei ben nieiften 23ü(fern arbeitet bie '^xaw bis jur ^t\i ber 9]ieberfunft ; 
bod) wirb if)r überatI bort, roo fie in it)rer Stetluiig aU ^rau unb SJJuttev 
2(ct)tung geniest unb iE)re 53ef)anblung feine rof)e i[t, eine geiniffe 9iücf[id)t juteil. 
Qe fultioierter ein 3So(f i[t, je reid)er unb nornetjmer bie Familie ift, rcelc^er 
bie ]d)iüangere 3^rau angel)ört, befto nie()r Scl)onung erfäljrt fie. ^zx ©rab ber^ 
felben rilltet fid) aud) nad) ber (5d)ä^ung, rae(d)e ba§ 5!inb befitjt, raa§ fid) 
bei S^aturoölfern ftarf ausprägt. '3)ie ^nbianer 2übamerifa§ unb Derfd)iebene 
;!3nfe(beroof)ner geftatteu ber ^-rau feine fdjioere 2(rbeit niel)r, loeun fie „guter 
Hoffnung" ift; auf ben ^aroünen^^nfeln bebient ber SHann feine ^rau in 
biefem ^iM^^^^"^ ^^""^ oeröoppelt feine ßä^-'t^i^Dfeit fi'ii-' fi^- Seiber uermögen roir 
nid)t 5u berid)ten, bafs es ber unbemittelteu europäifd)en ^rau ber ©egcuiuart 
aud) immer fo gut gef)t! "S^er 9}Iann au§ bem 2So(fe ift nur ?\u oft tro^ feiner 
„f)ö{)eren ^ulturftufe" auc^ n)ät)renb if^rer 3d)roangerfd)aft fo rot) raie Dort)cr 
mit iljr, unb 'ba^ 5linb rairb nid)t „gefd)ä^t", foubern mi ©(eid)güttigfeit, 
Kummer ober gar ©roll erraartet unb empfangen. 2]ermel)rung ber g-amilie 
ift ja im atten ©uropa oft fein ©d'icf me^r, ba§ man erftrebt, fonberu 
eine S3e(aftung, ein Unglücf, ba§ man mit aÜen 9)]itteln ju oerljinbern flrebt. 
®arnac^ fällt bann bie 53et)anblung ber ^yrau unb be§ 5liube§ au§! 

;^m alten ^nbien fd)on empfa[)(en bie Strjte ben (Sd)raangeren gröfste 
35orfid)t, oerboten il)nen, Saften ju tjebeu, raie jebraebe Überanftrcugung; 
bie (£f)inefen nennen 'bzw ^r^t, ber fd)roangere ^yrauen nberraad)t, „Sefd)ü^er 
ber Leibesfrucht"; er ratrb bei jebem Unmo()(fein gerufen. 3{(§ .^auptregel 
gilt bei ben (£f)inejeu: „5[Rä^ige S3eraegung, bie nid)t ju fc()r crmübet." 

2)ie 9fti3mer raaren überrafd)cnb f ortgefd)rittcn : fie oerboten 'hzw 
fc^roangeren grauen bie fo beliebten fatten 33äber, liefen aber in ben leisten 
?Dlonaten raarme neljmen, aud) Si^bäber, mit ober ot)ne 3fbfod)ungeu oon 
liD'Jatuen, ;5einmef)I unb anberem; aud) nmdjten fie (Sinfpritjungcn mit füfsem i!;l, 
um bie ©eburtsmege gcfd)meibi;.]cr ju mad)cn. Unb ba glauben mir ^ITJobcrucn, 
baj3 bie „9laturI)eitmet()obe" erft in unferen 2:agen erfunbeu raorben fei! 

^n einem beutfdjen .^ebammenbüd)(ein au§ bem SJIittelalter fagt Üiöjslin 
in feinem „'^zx fd)roaugeren ^raroen 9iofegarten": 

„^ie (2d)iuangcre folt nid)t faut uub müfiig fein, foü fanft einl}erget)cn, 
nnmäpigeg ^rücfen unb «Springen unterlaffen. ST^enn bie Gutbinbung nat)e 
ift, fotl fie I)o()e Stiegen auf= unb oblaufen, fingen ober rufen." ^aun mürbe 
bie (Sutbinbung eine Ieid)te fein. 



300 ©d)rcangerf(f)aft bei anberen S3öltern. 

3(uf öie ©rnäljrung neljmen aucf) niebere 33ölfer in auffaüenber SBeife 
9?üdfftc^t. 3Jianct)e „fefd)e SBienerin", nmn^e „fdjneibige Berlinerin" un[erer 
2;age fönnte fid) ein 9}lu[ter neljmen on bem ©vnft unb ber 3:;reue, mit rcetd)em fo 
niand)e %xan a\i§ nieberem 95olf§ftQmm iljren SDlutterpfüi^ten obliegt. ®em ©e- 
nu^ fd)äb(id)er 9?ei5mittel, loie 33ier, SBein, 5~^affee, ®[[ig, ©eraiirse, gu reichlicher 
?3-(eifd)nQt)rung u[iu., rairb nid)t Ieid)t[innig gefrönt, al§ lüäre e§ gleici)gültig, n)a§ 
man in biefer Qdt be§ Sßerben^ in ben mütterlid)en Körper Ijineinbringt; 
nein! ge!)orjam unb ergeben entfagen fie and) liebgeiuorbenen ©eroo^ntjeiten. 

.^ier einige Beifpiele au§ bem reid)I)Qltigen ^ert oon Dr. ^lo^: „'S)te 
^nbianerinnen Brafilieng entf)a(ten fid) raä()renb ber ©d)n)angerfd)aft über' 
()aupt be§ j^leifd)genuffe§, unb ba§ @(eid)e finbet in einigen ©egenben ^apan§ ftatt. 
3(uf ber nörblidjen ßanbjunge von ®elebe§ I)aben bie ^Iburenf rauen mäfjrenb 
ber (Sd)n)angerfd)aft fid) be§ @ffen§ oon ftarf ried)enben ^rüc^ten §u entljolten, 
ferner anü) ber i^rabben, (Seefrebfe, 2(ate. ®er fd)roangeren Qübin raerben in 
ber 33ibel fd)on SKein unb anbere ftarfe ©etränfe oerboten. Stuf ben i^aro' 
linen=^nfeln barf bie (Sd)n)angere al§ ©etränf nur bie SJIitd^ oon ^ofoS« 
uüffen 5u fid) neljmen". ^n einer mebi5tnifd)en ©d)rift ber ®t)inefen tft 
5u lefen: „®ie (Sd)roangere barf b(o|3 fü^e unb frifd)e ?^-rüd)te, meljr oegetabitifc^e 
aB animalifc^e 91at)rung, burd)au§ aber feine roibrigen unb fd)äblid)en ®inge 
genießen. (Snlljalten mu§ fie fid) ganj oorsüglii^ aller fetten »Speifen, aller 
bitteren, aller fi^arfen, gefaljenen, foinie aller fel)r ^ei^en ©erii^te. ©arten= 
gercäd)fe oernieljren bie (Softe iljrel 5^ürper§ unb mad)en ein leid)te§, fri3^= 
lid)e§ Blut." (^ört bie oerfpotteten ©Ijinefen, il)r fingen (Suropäerinnen!) 

®ie alten ^nber \)atkn für jeben einzelnen SRonat ber (Sd)«)anger» 
f(^aft i^re befonberen Siätüorfd)riften. '^n (3e§ruta§ 3ti)urüeba§ l)ei^t 
e§: „^ie (3d)roangere mu^ angenet)m unb fü^ fd)medfenbe, milbe aromatifd^e 
Speifen genicfseii." 

3Beld)e Überetnflimmung graif^en ben ©Ijinefen, ^nbern unb ^u=» 
Dianern! ä>ergleid)t man if)re Seben§geu)ül)nl)eiten unb 2lnfd)auungen mit 
ber nnroiffenl)eit ber mobernen grauen unferer 5?ultur in allen natürlid)en 
fingen, fo müd)te man bie Singen befd)ämt nieberfd)lagen. ^abei brängt 
fid) u\\§ fc^üd)tern bie ?yrage auf: ©inb mir mirflid) allen biefen SSölfern fo 
überlegen, mie mir m\§ e§ einbilben? (5inb bie Borteile unferer oielgepriefenen 
l)ot)en Slultur nid)t üielleid)t aufgeroogen burd) i^re offenen unb f)eimlid)en 
'Jiad)teile? @» mögen fid) bie Sefer felbft bie Slntroort barauf geben. 

©ef)r beleljrenb ift ferner für un§ ©uropäer 'i)a^ Ber^alten galjlreid^er 
Bölferfd)aften f)infid)tlid) be§ @efd)led)t§leben§. ^errfd)t oielleidjt and) bei 
Okturoölfern bie eigentümliche Slnfid)t, ba^ ber ©atte feiner fd)iüangeren 
?yrau red)t oft beiraofjuen muffe, um gur „Srnä^rung be§ götu^" etioaä bei= 
'lUtragen? Qwax |el)en mir bergleid)en nirgenb§ bei nocl) nic^t entarteten (Säuge= 
tieren/ ber menfd)tic^e ©eift ijat e» aber immer nod) getroffen, gu begrünben, 
mag tt)m enüünfd)t erfd)ien. „^atfäd)lid) gibt e§ eine gro^e Stnjafil oon 



Sd)n)anger[(^aft bei anbeten SSöIfcrn. 301 

^Bölfevn in allen ^Teilen ber beroo^nten Grbe, bei iüeld)en ber 58ei[d)(at 
mit einer (Sd)roongeren auf ba§ aUerftrengfte oerboten ift. 3" "^^u 
allermeiften ^äflen roirb ba§ ©ebot aucf) nid)t übertreten, fonbern mit ber 
gröjsten ^einlid)feit unb Strenge non ben (Sf)egatten eingefjalten." (.^ört, il)r 
beutf(J)en (Sf)emänner!) SSoIIftänbige ©ntfjaltfamfeit roäl^renb ber ganscn 
Sc[)roanger[d)aft üben bie ^nbtaner 9lorb=3(merifa§, bic 5(id)anti, bie Ginge* 
borenen ber 3Intiüen nnb anbere. 3:eitraeiie, bejonber§ com fünften SJJonat 
an, ift fte bei oielen 53ö(ferfc^aften übürf), ineit fie üon bem ri(i)tigen ©ebanfen 
geleitet finb, bafs gefcl){ec^t(id[)c Slufrcgnng ber >3-rau bem S^inbe fd)abe. Gin 
33eifct)(af naci) bem oierten 9Jlonat gilt bei il)nen fogar al^S tobc^5iüürbige§ 
SSerbre^en. 33ei ben SRebern unb ^^erfern mar geid)(ed)tUct)er Umgang mit 
einer Sd)roangeren burd) ein retigiöfe» ©efe^ oerboten. Übertretungen mürben 
fd)roer beftroft. ^ie D^abb in er ftedten im 2:a(mub fotgenbe ^e()rc auf: 
„3" "5^1^ ^x\kn brei 9Jlünaten nad) ber Gmpfängni» ift ber 5tüitu§ fomot)! 
für bie «S^roangeren a(§ auc^ für bie ^rudjt fet)r nad)teiüg; roer benfelben 
am neunjigften 3:age ausübt, bege[)t eine .^anblung, al§ mcnn er ein 9)]enfd)en- 
leben t)ernid)tet." So bie atten ^ubcn, bie fo üiele l)i)gieniirf)e Ginridjtungeu 
Ratten. 25er ben t)äufigen ^ef)(geburten nad)forfd)en mürbe, !önnte balb er* 
fai)ren, raie oft nur gefd)Ied)tlid)e Erregungen i()re llrfad)e finb; fie 
fmb bann aüerbingg „-öanblungen, aU raenn ein 9}]enfd)en(eben üernid)tet 
mürbe". 58ei ben Gljinefen mirb bie (Sd)roangerfd)aft a[§ „53ettrennung" 
betrad)tet. 2Iüerbing§ ^aben bie 9J^änner ber meiften nieberen 3SiJlfer 9Uben= 
ro eiber, meld)e if)nen bie Gntt)a(tfamfeit nid)t aüju befd)mcr(id) mad)en; yom 
eurüpäifd)en 9}lanne aber certangt bie 9?ioraI, baf] er mirftid) entljaltfam 
lebe. 9Bäre feine Gr^ietjung eine anbere, mürbe feine 3"9^"^ anber^ beein* 
fluf5t roerben, fo fönnte er aud) biefc§ 25crtangen Icid)t erfüllen, ^ie QnU 
^a(tfamfeit fd)abet iljm feinesfaüs; fie trägt nur ju feiner fürperUd)en Slrnftigung 
bei. ®ie aSietroeibcrei ftedt i()n bagegen auf eine moralifd) tiefe Stufe; fie 
nimmt it)m einen Seit feiner mcnfdjlidjen S[i>ürbe, meil eine eble, fraftuolle 
Siebe nur für ein ^Ä^eib mögltd) ift, ber 3>erEe[)r mit me()rercn 93}cibern, bic 
man nur ii)rer förpertid)en Öieije racgen fd)ä^t, feiner ^^^aublungc^meife aber 
einen tierifc^en Gf)arafter aufprägt. ®a anc^ in unferen ©egenben eine ge* 
I)eime unb üiel niebrigere ^ietmeiberei aU im Cricnt getrieben mivb, bie ben 
5IRann entfitt(ict)t, jo mufs man (eiber fagcn, bafi ber oricntalifdje ^\1]ann in 
oieler .^infic^t f)öt)er ftel)t al§ ber Guropäer, trotjbem er öffentlid) ni^t nur 
einer ^-rau ange[)ürt. ^a§ 2>er()ä(tni^3, in bem er sn oier bi^5 fünf ^^rauen 
ftet)t, bie i^m lieb finb unb bereu 5tinbcr er and) (iebt, ift ein bcbeutcnb 
fc^önereg unb natürlid)ere§ a(§ jene!, baS ein gebilbeter, aber unfittlidjer 
Guropäer in rterftecfter 3ßeife einget)t, inbem er 53orbeUe befuc^t ober ein ge» 
meinet, t)eimüd)e§ ?icbe§oert)ä(tniy mit einer unfittlid)cn ober gar be^ablten 
^rau anfnüpft. Gfiarafteroode 9J]änner, bie in fd)öner Gt)e mit i()ren ^-rauen 
leben, beren Se(bftad)tung gröfser ift alv il)re tierifd)en 2:riebe, entmürbigen 



302 SBinfe für Bräute unb junge ©Ijefrauen. 

ftc^ ai\6) niemals in biefer 2öeife; fie ertrogen fraftüoK bie @ntf)alt' 
famf eit au§ Siebe unb 9^ücffid)t für ^^rau unb ^inb. ^reifadjer So^n 
rcirb it)ncn bafür gu teil: bie Kräftigung be§ eigenen S^örper§, bie @efunbf)eit 
uiib 2Id)tung ber ©attin, ba§ ©ebeitjen beS geliebten Slinbe§! 

6in CClink für Bräute und junge 6befrauen, 

(Streng genommen foflte fid) fein 3Räbd)en t)erl)eiraten, o{)ne fic^ über 
tljren ^^örperbau 5?(arl)eit üerfdjafft ju t)Qben; benn nur ju I)äufig finb ^etjler 
ba, von meieren raeber bie ©Itern nod) raeniger bie 2;od)ter eine 3tl)nung 
l^aben. (5§ ift aber für bie ©efunbljeit ber (?l)efrauen nidjt gteii^gültig unb 
für bie gebeil)lid)e @ntn)ic£(ung be§ KinbeS nod) meniger, menn il^r 5^i3rper 
bie sur 9JJutterfd)aft unentbel)rlid)en (£igenfd)aften nid)t befi^t. ®al)er werben 
fhtge unb für bie 3iifit"ft forgenbe 9Jh'itter itjre oerlobten 3:üd)ter gur Slrjtin 
füf)ren, um fie einer grünblid)en llnterfu^ung ju unter5iet}en, ober reifere 
3)läbd)en raerben fclbft geljen, raeil fie roiffen roollen, ob fie ben beüorftel)enben 
5(nfürberungen, meld)e bie (Sfje an fie ftellt, and) gu genügen oermögen. 
^ie Unterfud)ung foH feftftellen: 1. ob ^ers unb Sun gen gefunb finb, 
2. ob bie IJBir bei faule feI}terto§ ift, 3. ob bie ©ebärmutter ridjtige 
Soge unb 3^orm I)at. Sisfe brei Strogen foll jebe ^^rout ber Slrjtin ftetlen; 
benn i^re günftige ^ßeantmortung gibt ber ^rogeftederin bie 33ürgfd)aft, bo^ 
bie ©runbloge p einer gefunben 9Jhitterfd)aft oorljonben ift. 3ßo e§ boron 
fe^It, ift minbeften§ eine eingreifenbe 5^ur cor ber SSer^eirotung §u empfef)Ien, 
eine 9]erfd)iebung ber |)od)5eit, ober — in befonber§ trouvigen ^^äüen — 
oud^ ein 3(ufgeben liebgeraorbener 95>ünfd)e bringenb onjuroten. Se^tere§ t'onn 
unter Umftöuben 'i)aä Seben§glürf ^meier SJJenfc^en retten, immer ober bie 
Seben§fäl)igf'eit eine§ fonft oie(Ieid)t geftäljrbeten 3)läbd)en§ filtern. 2((Ier= 
bing§ gibt e§ oufaer i^ranftjeiten ber genannten Drgone — .^erj, Sungen, 
SBirbelfäute, (Gebärmutter — noc^ 5lranft)eit§formen, meiere oud) bei ooll^ 
ftänbiger gefjlerlofigfeit ber genannten ©efunbbeit unb 9Dlutterfd)aft 5U 
untergraben uermögen; mir roeifen nur auf I)od)grabige 53(eid)fud)t, 9^erüen= 
fd)mäcl)e ober gar C)eifte:?frant1)eitcn Ijin; immerljin ift ober in ben meiften 
^^-öüen genug getan, roenn bie onberen nic^t nad)5uroeifen finb unb jeue oier 
fid) in gutem 3"ftflub befinben. ^ci ©eifte§= unb Ttcroent'ront'ljeiten ift bie 
SSeret)eIid)ung im odgemcinen oud) nic^t onjuraten. 

33ei 5lranH)eiten ber Sunge unb be§ .^erjen-g ift uid)t nur ge= 
fd)Icd)t(id)cr 33er!ef)r fe^r fd)uiäd)enb unb gefäljrlict), unb bie ©cburt, faü§ 
fte nidjt fe()r Ieid)t üerläuft, fogor ba§ Scben bcbroljeub, fonbern bie @efunb= 
^eit be§ 5linbe§ ift geiüö()nlid) oud) feljr fc^mod), ja ba§ 9tcugebürene ift 
meift äu (Siechtum unb früljem 2:üb ücrbammt. SI?eIcI)e gemifjenljafto 'J^rou 



2iJtnfe für 58väute un"!) junge Gbefraucn. 



303 



möcf)te lüiffcnb uuteL- jolc^en UniftnniDcn einem ^inbe bog 2^hen frf)enfen?! 
(3Kan lefe im III. 2;eile imd), na§ unter „.Oev^^ unb Suiigenfranf()eiten" 
gefügt ift.) vDic 3(rt be§ Seiben§ unb bie %xt feiner ^^cf)anb(ung finb für 
bie 3(u!?fi(i)ten ber 5\ranfen maf3gebeub. 9iicl)t jebe!§ Sungen= ober ^er5= 
(eiben ift Ijoffnimgslog; unter Umftänbeu, 5. 33. bei reiferen ^^erfonen unb 
roenn bie ^-rau gteidjjeitig eine fo(d)c ©ebärmutterfnicfnng liat, baf] 3)]utter^ 
fd^aft Qu§gefd)lüffen bleibt, fann eine ruljige, gtürflid)e (Slje feelifd) fo gut 
roirfen, ha^ bie ©rf^einungen beä ^erjfetjterä fogar juriidtreten. ^ei 
rererbter i^nigenfd)roäd)e aber finb Gntbinbungen lieber ju oerf)nten, nid)t 
nur, lüeil fie bie £röfte ber '^^•xan graufam 5erftören, fonbern roeil fie mit 
grof^er 3ßal)rfcljeinlirf)feit auc^ bem Svinbc antjoften merben; man beugt bann 
einer (5mpfängni§ üor, 
inbcm man nad) (Sin* 
I)oIung ciney är^tlic^en 
Urteile 'i)a§ paffenbfte 
unb färben "^an ber ^^-rau 

ftd)erfte 2]er^ütungg= 
mittel (fiefje bariiber im 
fiebenten 5^apitet, 1. 2:eil) 
au5roä[)lt. dJlan erfief)t 
barauä, bafs ba§ SSerbot 
ber 23ere()e(id)ung nid)t 
abfohlt für aüe ^-äüe gu 
gelten braud)t. 

33ei ^el)[ern ber 2öir» 
belfäule (fie^e „^eil= 

funbe") {)anbelt e§ fid) in erfter ;Öinie barum, ob bie ^ectenmafje baburdj 
beeinf(uf3t werben ober nid)t. %a§ S3ecten, ^-ig. 181 jeigt mv$ bie ©urc^^ 
meffer, bie man fid) oon beftimmten fünften au§ gejogen benft unb bie 
eine gcmiffe ©röfie befiljen muffen, um ben Snrd)tritt bc§ finblid)en 5Topfe§, 
ber fid) obertjalb ber engen 53eden()öl)(e mätjrenb ber leljten Sd)iüanger' 
fd)aft§monate befinbet, su ermi3glid)en. Sa^ fogenannte „platte 53edfeu" 
entfte()t burd) eine SSerfürjung be§ geraben ® urct)mcffer^3, ber uom 
©d)ambein jum Slreuäbein fü()rt, unb biefe 33erfür,ying mirb burd) eine ju 
ftarfe 5irümmung ber 2i>irbctfäu(e nad) nornc l)erbcigefüljrt. (Sine i^cr= 
fd)tebung ber 2Birbe(fäuIe nad) red)t^ ober linf^ fann biefe§ ^Isorfpringeu 
ber Rrcu5beingcgcnb (beä „'']?romüntorinm§") bemirfen. Ungcfd)icttC'o fragen 
fleiner Stinber, fdjioadjer Svnüd)cnban, fpätcr gemol)n()eitomäf3ige fd)iefe .C'^al^ 
tung bei (2d)uli unb ^anbarbeiten ^at bei fd)mäd)lic^en 5^inbern fel)r oft 
eine foId)e SSerbicgung jur Aotgc, bie niomanb bcad)tet, bie aber bennod) 
ben 'öedeneingang oerengt unb fpätcr fogar ein Ö)eburtyljinbcrni'3 luerbeu 
tann. %i%. 231 ftellt bie fd)iefe Haltung einea 5linbea bei feinen ©cl)reib» 




f^-ig. 181. ßitödjcrncg JBccfcn ntit '2)ur(f)mcffcnt. 

1 Querburd)niei"fcr. 2 Srl)räge Surd)meffer. 3 Öcrabcr 

Suvdjiuoner. 



304 



Sßinfe für SBräute unb junge (S^efrauen. 



arbeiten oor; f^ig. 228 ba§ 2;rageu eine§ ^inDeS bei gebogener 3BirbeIfäule. 
2ßirb nid)t red)täeitig ^eilgt^mnaftif eingeleitet ober ein ürtI)opäbifc[)e5 
^orfett angelegt, jo roäc^ft ber ^-eljler mit unb lüirb fcft, unb t)a§ platte 
$8eien roirb bei ber erften ®ntbinbung entbedEt, bie entroeber be[onber§ 
fdiraer ober bei jd)ted)tem ^räftejuftanb auc^ unmöglid) loirb. ®amit biefe 
(gntbeiiung aber redjtjeitig gemad)t roerben fönne, joden fid) 33räute äu^ev' 
lid) unterfud)en unb bie ^edenma^e feftftellen laffen. gig. 182 seigt un§ 
ba§ baju nötige ;3nl"trument unb bie Irt, wie bie ^ecfenbreite genommen 
roirb. 3^ad) "tim äußeren 3«t)Ien fann man auf bie inneren fd)lief3en. ^ie 
innere Unterfudiung, geftftellung be§ Tla^^§ nad) gig. 183, ift erft bei 
fortgejc^rittener (Sd)maugerfd)aft ausführbar unb bei Jungfrauen oI)ne SSer* 

le^ungen faft unmög(id). (Sine gut 
gemadjfene SBirbelfäutc , rid)tige 
äußere ^ecfenmafse geben aber fc^on 
S3ürgfd)aft, bajs aud) bie inneren 
''Dlajse gut finb, unb fönnen alfo in 
'ötn meiften %äikn beruljigeu. 

Dh ^nicfung ober SSer= 
(agerung ber ©ebärmutter 
üorliegt, (ä^t fi^ aud) bei Jung= 
frauen feftftelten, inbem rorfit^tig 
bei etraa§ gefpreisten 33einen unb 
fte^enb nai^gefü^lt roirb, joie ber 
(Sdjeibenteil liegt. ^a§ bereitet 
feinerlei ©(^meräen unb ift o^ne 
peinlid)e S^ebenumftänbe unb otjue 
2tu§!leiben bei jebem 9)^äbd)en mög= 
lid). 3ft ber ©ebärmutterfefjter bebeutenb, fo wirb Unfruc^tbarfeit in ber 
@t)e mat)rf^eintid) fein; ift er nid)t bebeutenb, fo fann eine mef)rioöd)ige 
^ur, beftetjenb in innerer DJiaffage na^ 2:^ure * ^ranbt (fielje biefe im 
III. S;eiO, oerfdjiebenartige ^äber ufro. nod) bebeutenbe ^efferung bringen. 
SBirb fie nid)t met)r erjiett, bann ift e§ fieser oorteilljaft, menn bie junge 
(£I)efrau üorljer fd)on \v^i% roa§ it)r beoorftefjt, unb ha^ fie oorauigfi^tUd) 
auf SJlutterglüdE oer^idjten mu^. ^ei feineren S3e(ienfeljteru aber fann 
burd) oorbeugenbe ^iät eine (eid)tere ©eburt erjielt roerben, inbem fie fo 
jufammengefe^t roirb, ba^ bie Slnodjen be§ 5^inbe§ roei^er bleiben. Sßir 
fpred)en an anbcrer (Steüe barüber. Über roelc!)e 9Jlittel roir nod) Der= 
fügen, um bie ©eburt gu erleid)tern unb bie 2BeI)entätigfeit jn uerftärten, 
bie gerabe bei ^ecEenenge fo au^erorbentlid) roid)tig ift, roirb unter „©c= 
burt" gefprod)en. 

da gibt aber noc^ anbere Umftänbe, roeld)e ta§ ©lücf bc§ ^inbe5 
gefä!)rben unb bie p oer^üten ober in itjrer üblen SBirhmg 5u erijötjen 




%XQ. 182. S:oftcrsti:Ie( äur SBerfcnmcffuttö. 



SBefampfung ber Unfrucf)tbarfcit. 



305 



auä) in ber ^anb ber G(terii liegt; bo§ finb jene, bei rae(c^en buvrf) beu 
SSater auf ba» 5^inb 5iraufl)eiten fürtgepflanst lüerben, trotjbem bie 9?hitter 
ganj gefunb xoav. Sß^ir ^ben I)ier oor allem bie im 2{(fü{)oIrau[d) gesengten 
Äiubcr im 2(uge. SBasS f)at bie %xan f)ier 5n tun, um oorsubeugen? 21 ug 
Siebe gu bem Un geborenen ))at [ie bcm ©atten, raenn er unter bem 
Ginfhi^ bes 3(lfot)ol5 [teljt unb in biefem franftjaften Dierocnsuftaub et)eli^e 
33ereinigung beget)rt biefe 5U oerroeigern. 2öir miffen fc^on au§ t)tn 
3{u5fii()rungen bei I. 2;ei(co, luie gerabe bie ^leroenseUe am fdjiüerften bur^ 
bie oergiftenbe ^Sirfung bei 2{(fül)ü(§ 
leibet unb ba^ Rinber, bie im 9^au[d) 
gejeugt rourben, eigeutümlid)e 3^ef)Ier an 
Hörper, Seele ober @ei[t mit in» 2zb^n 
bringen. Q§ \]t eine unoerscifjlidje (Sünbe 
ber Später, nur an if)re augenb(id"lid)e 
93efriebiguug ju benfen unb nii^t aud) 
an bie ?3-oIgen if)re§ furjen ©enuffeS; ber 
2I(fof)oI raubt aber Urteil unb ©eraiffen, 
unb barum muß eine pf(i(})ttreue ^rau in 
foldjen %ä[kn nid)t nad)gicbige 3c^iüäd)e 
geigen, fonbern sielberou^t Ijonbeln unb 
h^n Dorübergcfjeub gelä(]mten ©atten burrf) 
i(]re 91üc^ternt)eit ergäu5en. ^]t fie jebo^, 
oietIeid)t feiner ©rregtljeil unb be§ lieben 
gerieben! roegen gesroungeu, nad)5ugebcn, 
fo forge fie beizeiten für gute 23ert)ütungy- 
mittel, bamit fie fid) fpäter niemals fagen 
«ui^: ^d) bin au^ fd)ulb baran, ba§ unl 
ein unglücE(id)e» ^iub geboren rourbc! 
chatte \&) Stellung genommen, märe 

id) nidjt leidjtfinnig ober fc^mad) geroefen, fo märe e§ nid)t entftanben. 
9lid)t alle „Oiaufdjt'iuber" rocrben ^bioten, raol)l aber gibt e§ uneublid) 
oiete, bie in il)rer geiftigen (Sntroicflung jurücfbleibcn, in ber (Sd)ule baruni 
nid^t red)t fortfommen, bie mit fejueller Grregtljeit geboren merben ober 
eine auffaüeube moralifd)e (3c^rocäd)e seigen, bie :5äf)5orn ober 2BilIen§= 
fd)raäd}e fd)on in ben erften £'ebcn§jal)ren oerraten ufro. S3on gefunben 
(Sltern mären fie all gcfunbe itinber geboren roorbcn, menn ber '^Itoljol fie 
nid)t Dcrgiftet Ijätte! 





gig. 183. 6rcn5c it§ ftcincti 58ctfcn§. 
A Q^orberg, B oberer Üianb ber ©cfiams 
fuge, C unterer 9{anb ber <Sd)amfuge. 
A B obere ©renje beg fleinen 53ecfenö, 
A C ta^ iüid)tigüe ^erfentnaB 5ur ^-Bc« 
ftimmung ber Söecfentu'öpe, fogenannte 
Conjugata diagonalis. £ie beträgt 
12 '/o cm. 



CClas bat man fu tun, um Unfruchtbarkeit ^u bekämpfen? 

Sßenn ein ©Ijepaar einige ^a[]Xi lang Derl)civatet ift unb ber fcl)nlid)e 
SBunfd) na(^ einem lieben ^linbe fid) immer nod) nidjt erfüllte, bann gelje 

Ste ^rau al§ ^auSänttn. 



20 



306 SSefämpfung ber Unfruc^tb artet t. 



bie i^rau 511 einem beraäljvten ^^^rauenatät unb erbitte ein umfa[fenbe§ Urteil 
über il}re g-ortpflanjungSorgane. {Tlan lefe über „Unfruc^tbarfeit" nad).) 
£)ft wirb e§ t)eißen: „^\)mn fet)It uid)t§, Sie finb ganj gefunbl" ®ann 
get)e ber 9)'cann gu einem SpejiaUften unb oerlange basfelbe, unb wenn auc^ 
er gefunb befunben rairb, bann liegt c§ an ber ^efd)affen{)eit ber ^nnen^aut 
beg Uteru§ unb an bem 9ceroenIeben ber ^y^-au. SBie fd)on an anberer 
(Stelle au§gefül)rt raurbe, muB bie ^-rau fi^ bann einer 9\einigung§= unb 
(£rfri[c^ung§fur unteräie()cn, um günftigere 53ebingungen gu fdjaffen unb fic^ 
im übrigen in ©ebulb faffen. 5)lan t)at oiele ?^-älle beobaci)tet, in meieren 
nac^ ad^to ja fogar ämölfiäljriger ßl^e nod) ein ^inbd)en anrücfte, obraol)l 
feine ^ur oorauä gemad)t raorben mar. ^m Organismus l)atte fic^ etroal 
geänbert, ba§ mir nic^t fontroüieren fonnten. 

9^ur roer einen fd)roeren organifd)en 3^et)ler l)at, rcie eine alte ^nirfung, 
eine unentrcictelte, finblic^ gebliebene ©ebärmutter, ein ©emäi^g an ben 
^ecfenorganen ufro., gebe bie Hoffnung auf 9}]utter[d)a[t auf; benn fie ift in 
jol(^en gälten entroeber unmöglid) ober nicfjt münfd)en§mert. SRod) fei bemerlt, 
roaS man gu tun ober 5U laffen l)at, um unter normalen SSer^ältniffen bie 
S3efruc^tung§müglid)feit ju erl)ül)en. 

S)er @ef(^lecl)t§r)erfel)rfeinicl)t§u l}äufig; au§gerul)te Organe, 
größere SiebeiSroärme unb (Sel)nfud)t nacl) ber ^Bereinigung fdjaffen günftigere 
S3ebingungcn. ®ie 2eibenfcl)aft unb 9Jiittätigfeit beä raeiblid)en S:eile§ finb 
nic^t gleid)gültig bei bem Sitte. Wlan a(^te aud) barauf, ba^ ber OrgaS' 
mu§ bei 9}lann unb grau gleicljjeitig eintreten, raeil baburd) für ben Sintrilt 
be§ ©amen§ in ben Uteru§ am meiften 5luSfic^t oorljanben ift. (Selbftoer= 
ftänblic^ mad)e bie grau niemals gleich nad) ber ^Bereinigung eine 2lu5fpü(ung; 
bcnti rco^l in ben meiften gälten äiel)t fic^ ber ©amen erft nad)träglid) in 
bie ©ebärmutter Ijinein. "^ann roäl)le man bie für bie 53efrud)tung güuftigfte 
.Seit, ba§ ift bie erfte Sßod^e nad) ber SJienftruation, menn bie 
grau ba§ lebljaftefte fcruelle (Smpfinben t)at, unb tradjte fid) Dorther in 
einem feelifc^ ljormonifd)en unb förperlid) rul)igen ^nfl^nb ju ert)alten. ©0» 
fortig e§ (£infd)lafen nad) bem Slfte ift ber 53efrud)tung giinftiger al§ 
Unrube unb 53eroegung. (Sine mel)rmöd)'ge 9Jlaffagelur nad) 2:l)ure=» 
93 raubt erl)öl)t oft bie 2lufnal)mefäl)igtcit eine§ oiellcidjt Dorl]er träge 
gemefenen UteruS. 93ei gut gebilbcten Organen ift bie 9iüc!en=^aud)laQe 
für bie fiiebenben bie natürlid)fte unb fd)önfte, aber sumeilen erljüljt bie 
^aud)lage ber grau bie 33efrud)tungSmöglic^l:eit (coitus a posteriori), ^n 
l)artnäd'igen gätlen muf3 aüc§ oeriudjt racrben, raaS 2l..§fid)t auf ©rfolg l)at 
unb roenn oerfi^iebene Slnmenbungen gleidj^eitig §ufammeuiüivl'cn, fo bleibt 
biefer auc^ feiten au§. ®ie ^aud)lage ber grau fül)rt un§ auf tierifd)e 
S5erl)ältniffe surüc! unb ent[prid)t bem anatomifdjen ^au ber Seyuolorgane 
beiber ©ef(^led)ter beffer. 2)üd) ift fie roeniger äftl)etifd) unb fül)rt, längere 
3eit angeroenbet, allmäl^li^ ju einer ©utfrembung ber (Satten, ba fie ben 



9Bie gerotnnt man gefunbe unb fdiöne 5?inberY 307 

fecHfc^en 5?ontaft roäf)renb ber 23ereinigung faft auf()ebt. SDIe^rroüd)ige 
2;rennung ber (Sf)egatten oor ber SSereinigung, um bie £eiben[d)Qft ju 
fteigern, furse, falte Saud) b ab er ber ^rau, bie nur baä ^öecfen betreffen, 
finb aud) nod) ju entpfetjlen, um günftige Si^pofitionen gu [d)affeu. 

Ulie gewinnt man getunde und Tchöne Kinder? 

®ie erfte Sebingung basu bleiben natürlid) gefunbe, begabte unb gute 
(Srtern. ^ranfe, geiftig rcenig entroiifelte, bösartige ober oon böfen Seibeu' 
fd)a[ten oft beroegte (SItern f)aben wenig 9lu5fid)t, gefunbe, fd)üne unb begobte 
^inber ju erhalten. Sluf alle aber rairfen au^erbem aud) äufsere Umftänbc 
ein, günftiger unb ungünftiger SIrt; auf if)re 33ebeutung toollen roir I)inn)eifen. 
3m allgemeinen fieljt man unter ber ärmlid)en Seüi3(ferung, bie mit 9lot 
unb l^arter 2Irbeit ununterbrodjen §u fämpfen l)at unb eine q.[[z% oerfcinernbe 
©eiftelpflege nid)t feunt, wenig ober gar feine roirfUd) fdjönen 9jlenf^en, 
oiel me^r bagegen unter ber raol)(l)abenben S3eDölferung, raeldie angeborene 
^äl)igfeiten ganj anber§ gu entmideln oermag unb aud) oom SäugtingcHiIter 
an tüol)lbebad)te förperlic^e ^^flege geniejst. ©ort roirfen auf ©eift unb 
Körper nur ungünftige (Sinflüffe ein: (3d)mu^, f leine, bunlle 9\äume, un» 
genügenbe S^aljrung, 9iol}t)eit, .^ä^lic^feit, 2)umml)eit, ©leid)gültigfeit; l)ier 
eine l)etle oft reid) gefdjmücfte Umgebung, (Sorgfalt unb ^^^flege nad) allen 
Seiten, fd)i5nere 9JJenfd)en mit ebleren Umgangsformen unb oon feinerer 
©eiftelbilbung. Sß>ie Derfd)ieben finb bie täglid)en Ginbrürfe, bie eine yjtulter 
n)äl)rcnb ber SKevbeseit il)re5 5linbe§ ba unb bort empfängt, m\ü mie madjt» 
üoll biefe erften Ginbrücte, bie '^a^ G)el)irn ber Säuglinge fdjon treffen! 
a,^ ift nid)t gleid), raa§ bie 3^rau neun SJJonate fiel)t, benft, roünfd)t, unb 
e0 ift nic^t gleid), in roeld)er Umgebung ber Säugling aufn)äd)ft. 2;iefe oft 
erprobte Satfad)e mag ben einen Sroft fpenben, bie anberen aber anfpornen, 
i^ren ju erroartenben 5^inbern bie beften £eben§Derl)ältniffe gu f(^affen, bannt 
fie geiftig unb fiirperlid) fd)öne 5)]enfd)en roerb:n fiinnen. 

%\xi) Ijier fönnen roir oon ben alten ©ried)en etiuaS lernen. Sie 
legten befonberel G5eroid)t barauf, it)re fc^roangereii ^^rauen m eine fd)öne 
Umgebung ju oerfetjen, um fie überall bem Ginflu{3 ber Sdjönljeit unb ber 
^unft auläufeljen, unb rocr l)at fd)ünere 9)lcnfd)en gcljabt, roer ein fd)önere5 
5^unftibeal al§ bie Griei^en? Gin felbftbeobad)tetey S3eifpiel auy unferer 
3eit, ba§ foroül)l '^zw geiftigen (Sinflufj ber 9Jluttcr auf it)r ^inb, rcie ben 
(Jinflu^ iljrer Umgebung auf biefey beroeift, fönnen roir l}ier anveil)cn: (Sine 
jroaujigjäljrige, junge ^rau roar erfüllt oon il^rcr 33crantroortlid)t'eit iljrem 
noc^ nic^t geborenen ilinbe gegenüber; geiftig begabt unb funftfinnig fud)te 
fie fi^ rei^t oft fünftlerifd)en ©inbrüden auSjufeljen unb roünfd)tc lebljaft, 

20* 



308 2Bte geroinnt man gefunbc unb fdjöne Sit über? 

ein f(ä)öne§ unb begabte^ ^inb gu erjielen. Sin bie 9Banb if)re§ SelteS 
I)ing fie einen SlpoUofopf, auf ben morgend t!)r 33Iidf, raenn fie erraac^te^ 
guerft fiel; bann malte fie felbft f^öne ^Tauenfopfe unb bctracl)tele bie 
Sd^önl)eit 3(poUo§ and) unter Xaa,§ rec^t oft finnenb. ®a§ 5linb raar 
eine 2:od)ter, ha§ ju einem fd)önen 93]äbd)en I)eranroud)§, niel fd)öner 
al§ SSater unb DJIntter je geroefen, unb ba^ eine £ünftlerin rourbe. 2)er 
„flaffifd)e" (5d)nitt i()rer ©tirnpartie rourbe oft gerüf)mt. ®em 2Infd)ein 
na^ I)atte fie biefen SSorjug bem SIpolIo gu oerbanfen, raeld)em bie SD^utter 
fo äraedberou^t sugetan mar. 

®a^ e§ ein „33erfel)en" ber 9J?utter gibt, ift ein uralter ©laube. 
*5)arum beroa^^rt man f(^roangere ?^rauen gerne cor einem ^ä^Iidjen SInblict,. 
au§ 3tngft, er fönnte etroa§ SHjntic^eS an bem STinb jurütflaffen, unb jroar 
um fo fid)erer, je mef)r 3^urd)t unb ©d)verfcn fiel) babei einftellen. ®§ ift 
!ein Stberglaube, ha^ biefe roirfen, bafs ftavf'e feelifd)e (Sinbrüde auf bie 
9Jlutter roie auf ba§ S^inb (Sinflufs f)abcn, ba it)r ,3ufo"i"ie"I]0"9 ein fa 
inniger ift. ®iefe 2;atfacl)e follte fogar oiel roeitgeljcnbere ^eadjtung finben^ 
al§ bieg t)eutc ber %aa ift. Dbrooljl mit bem (£i unb ber (Samenseü? 
geroiffe ©runblagen gegeben fiub, bie roir fict)er nid)t mel)r gu beeinfluffen 
imftanbe finb, unb bie unter Umftänben unoercinbert bleiben roerben, fo 
rourbe bennod) mandjem llbo:! oorgebcngt roerben t'önnen, mancl)er 3Sorteil 
errei^t roerben, roenn roir bie 9)]ütter ftetä in bie gnnftigften Seben§= 
üer^ältniffe brädjten. SSir roollen biefer ^^orberung bie roeitgcljenbfte 33e* 
adjtung fdjenfen! Sffiir forbern alle liebcoollen 9}lütter auf, aüe» ^ä^idje,. 
rcel(^e§ tia§ 3Iuge ober ^ers üerleljt, roät^renb ber Söerbe^eit il)re§ 5^inbe^ 
ju meiben, nid)t minbcr aber aud) für ^nnftgcgenftänbe in il)rer näd)ften 
Umgebung §u forgen, beren Slnblict erljebenb roirft, feien e§ ©tatuen, ©e» 
mälbe ober gute 3cicf)itungen; ferner nur ebte Seftüre gu pflegen, unb 
aud) ben ^2(nbtitf be^ (2d)önen in ber Sf^atur anfäufud^en. 3i^^"i^ i»^^ ©roE 
unterbriMe fie, feclifd)cn 2lufregungen fodte fie nicmal§ au§gefel3t fein,, 
aber aüe§, roa§ if)r (Semüt beruljigt, itjre (Seele befriebigl, it]r .^erj erfreut,. 
fud)e fie auf. (£ie gel)e täglid) in bie freie illatur unb erljebe fid) im 
Slnblict il)rcr erl)abencn (Sd)ünl)citcn. ^armonifd) unb frieblid) fei 
bie Umgebnng einer ^yrau, bie einem neuen 3}]enfd)en ba§ Seben geben 
roill! 2luf ©runb einer oernünftigen Körperpflege, roie fie au§ bem ooran» 
ftetjcnben Ijeroorgeljt, l'ann bann ein ebenfo gefunber roie guter unb f(^öner 
SJienjc^ eutfteljen. 






i 



??DrmaIe 6-ntbinbunf(. 309 



Die Geburt. 



Die normaU Gntbindung. 

^te 3Iu§i'tof)Ung ber :?eibe!?friid)t a\i§ bem müttcrlict)en Crqnni§mu3 
nennt man bie ©eburt. Sic tritt nad) Stu^reifiing ber 5nirf)t foiüüf)I roie 
auci) üor5eitig ein, beoor erftcre bie ^ä()igfeit ,5n felbftänbigcm Safein erlangt 
f)at. ^n le^terem ^^ade fprid)t man von einer %xii\)' ober ^-eljlgeburt. 

^ie 2(u5[to^ung ber reifen Seibe5[rud)t tritt ein, racnn bieje erften^ 
bie ^ydtjigfeit erlangt I)at, aufjerljatb be§ meiblic^en Drganic^mu§ roeiter ,^u 
leben, -unb raenn fie jraeiten» fo gro^ geroorben ift, bo^ fie nic^t mel)r S^taum 
genug im 53e(fen ber 9)1utter finbct, roa§ baber gu gcraif[en Sf^eijerldjeinnngcn 
fiif)rt. Sieje D^eije finb iljrerfcit^ bie Urfadje fröftiger ^iM'ö^^i^ensieljungen 
ber ©ebärmutter, bie ja, lüie befannt, netjfiirmig itbereinanbergelagerte 
SD^usfetfafern befi^t. ^nx6) bic[e ^iifani^^cn^ieljungcn, bie im oberen 2:ei(e 
ber Gebärmutter beginnen unb fid) aUmä(}(irf) nad) unten fortfc^en, rairb ber 
finblid)e Körper batjin gebrängt, roo er ben geringften 35>iberftanb finbet, unb 
bicS.ift nad) unten, in ba§ fteine 33ecfen Ijinein. (SRan lefe im I. 3:eite nad), 
maB über ba§ fnüd)erne 53ed;en [ilef)e gig. 5] unb bie ©ebärmutter Seite 42 
unb 43 gefagt ift.) ^iefe 3i'1'i^i^"i^"3^ß^3"'^9C^^ '^'^^ (Sebärmutter merben bei 
fortfd)reitenbem SSorrücEen be§ ^inbe§ nad) unten immer I)eftiger unb burd) 
3ufammen5ie£)ungen ber 33aud)mu'3fu(atur nac^Ijaltig unterftütjt. 9}?an nennt 
fie „25el)en". (S5 fmb bie treibenben Gräfte, raeldje bie Slusftofsung ber 
Seibe5frud)t beroiifen. Selbftrebenb ift bie 5(u5fto^ung aber nur möglid), 
TOcnn bie ©eburtlraege feine .öinberniffe bieten, fo ba^ ber finblid)e 5^ürper 
nid)t auf ju gro^e SSiberftänbe ftöfst. Sßir f)aben alfo guerft mit §raei 
^aftoren gu rennen: ben treibenben 5lräften unb ben ©eburtä- 
10 e gen. Grftere muffen ausgiebig fein, te^tere günftig befd)affen. 51(5 
b ritt er ^^at'tor, ber mitunter übel mitfpiett, fonimt ber finbnd)e 
Körper felbft in 53etrad)t. (Sr barf rocber 5U grofj fein, uod) barf ber 
t)orangeI)enbe 3:eit ju t)art merben. ®§ entftef)t fonft ein 9)]if3i)erl)ältniä 
3roifd)en ber £cibe§frud)t unb ben ©eburtgroegen. iOetjtere befteljcn auy bem 
fleineu S3ed'en unb ben äufjcrcn 0efd)Ied)t5teiten be» 2\>eibc:3. 

SBie fd)ün an anberen ©teilen auc^cinanbergefe^t mürbe, ert)ebt fid^ bie 
gefüllte unb an Umfang juneljmcnbc Gebärmutter auä i()rcr urfpriing(id)cu 
Umgebung, bem f'leinen 33crfen, in baS grofje 33erfcn, moburd) itjr 
(Eingang, ber 9Jhittermunb, t)üt)er j^u ftetjen fommt. Gi» mujj baljer ber 
»oranbringenbe 5lopf be§ 5linbeä uid)t nur ben engen SRuttermunb ermeiteru, 
fonbern and) bie Ijärteflc unb engfle ©teile bc5 fnödjerncu 33ec!eny (fiel;c 



810 



iJlorntale ©ntbinbung. 



%{g,. 187 be§ SedenS mit ®urd)me[fern) überroinben unb burd) bie 58edEen» 
I)öt)Ic burcf), natürlid) in ber eriüeiterten (Sdjeibe ftectenb, ben Secfenboben 
unb bamit aud) ben (Sd}eibeneingang erreid)en. 2öät)renb bie Überroinbung 
be§ S3ecfeneingange§ meift oiele ©tunben bauert, finbet bie 2(u§[to^ung au§ 
©ebärmutter unb (£d)eibe oiel fd)neller unb rucfroeife ftatt. 33ei fräftigen 
SCBeljen wirb ber 5^opf meift fo energifd) I)erau5getrieben, baji bei ©rftgebärenben 
mit fd)road)en ©emeben nur burd) gefc^icft au§gefü!)rten '3)ammfc^u^ ein @in» 
reiben be§ "S^ammeS nerljinbert raerben fann. 2(uf Safel 9]r. 8 unb 9 roirb un§ 
ha^ ©infdjneiben be§ ^opfe§ bargeftellt, raie er avL§ ber geöffneten (5d)eibe 
l^eroortritt unb mit jeber SBet)e rceiter oorgebrängt mirb, ferner bie fc^ü^cnbe 
^anb ber ©eburtsf)e(ferin, bie feft auf ben 2)amm brücft, um ben ®ruct be§ 
garten £opfe§ nod) oben ab^ulenfen unb babur^ bie fd)arf gefpannte ©amm» 

f)aut §u entlaften. 
53ei fdjneti oor» 
bringenbem ^opf 
unb meieren ®e» 
roeben rei^t fte oft 
ein njte bünne§ 
Rapier, über bie 

®rt)altung be§ 
Hammel unb feine 
Sebeutung merben 
mir fpäter noc^ 
fpred)en. ^tg. 184 
geigt ben Staub 
ber Doüen ©ebär* 
mutter unb ben 
©i^ ber ^lajcnta. 
:^ft ber ^opf burd)- 

brod)en, mobei fid) ber ^rei^enben meift ein (Sd)rei entringt, raeit biefer 
Seil ber ©eburt§arbeit mit elementarer ^roft geleiftet rcirb, welcher bie 
^au roiberftanb§(o§ unterraorfen ift, bann brängen unter üerfc^iebenen 
Sßenbungen bie ©d)ultern nad), unb nun tritt aud) bie 2}]ögtid)feit ein, nad)» 
jufjelfen unb bie Stusfto^ung be§ S^inbe§ 5U befd){eunigen, inbem bie ^ebamme 
ba§ ^inb unter ben ©futtern fa^t, unb ben finbad)en Körper oorfic^tig 
l)erau§5iel)t. Oft fd)on rcäJjrenb biefe» 2(fte§ ober unmittelbar barnad), na^» 
bem Suft auf ba§ ^inb eingeroirft i^at, mad)t e§ bie erften Sttemjiige, ftö^t 
ben erften ©^rei au§, roa§ 'i)a§ dir ber erfc^öpften jungen 9Jiutter ganj 
eigentümli^ berührt. Schreit e§ nid)t roenige 9J]inuten nad) ber 2tu§fto§ung, 
bann muffen i{)m SJlunb unb 9^afe gereinigt roerben, bie juroeilen oon ©c^leim» 
maffen üerftopft finb, ober e§ muffen 58eIebungloerfud)e gemad)t roerben. 
fie^tere 9]otroenbigfcit pflegt nur nad) ferneren ©eburten, roeld)e für ba§ 




%iq. 184. 
®e65rtnittter mit 2KuttcrfM(^cn, 9ia6clfd^tt«r nnb Sittb. 



Slormalc (Sntbinbung. 311 



Seben be^ ^inbe§ bebro!)Ud) rourben, cinjutreten. S3ei normalen Gntbinbnngen 
jd)reit e» fo[oit uad) bcr 31ii5[to§ung, oljm nnfer ^^^tun; cbeufo raivb e§ 
o^ne jeglicl)e .^ilfe ober lluterftütjuiig an bay Sid)t ber 2öc(t gefeilt. %k 
Statur t)at alfo feine ^cbammen ober Strjte §ur ©eburt nötig; fie beforgt 
allein nnb oortrefflid), iüa§ ju niad)cn i[t, lucun man [ie nid)t I)inbert. 2S05U 
I)aben mir bann aber .^cbammen nnb „@eburt'5l)e(fcr"? '^6:}, meil e§ fe{)r 
l)änfig nicl)t normal sngcljt bei ber Gntbiiibiing nnb mcil oI)ne energii'd)e ^ilfe 
für ^Dhitter ober ^inb mancl)c§ 2tben geopfert mürbe. 3Bo e§ fid) aber 
nid)t um füld)e ©efaljreu Ijaubelt, ba i[t man bcmül)t, ber^ran bie anftrengenbc 
SIrbeit burd) ^tlfeleiftiingcu aüer Slrt gn erleid] tcru, fie oor ?D]iBgriffen ju 
beroa^ren, burd) ^^^flege unb (Sd)onung it)re Gräfte gu erl)aften unb ba§ Sf^eu» 
geborene fofort in bie güuftigften 23erl)ä(tniffe jn uerfc^en. ^ei jungen SJlüttern 
ift aufserbem bie UnfenntniS unb 5(ufregung oft fo grofj, baj3 93erul)igung 
nnb Unterftüijung feiten^ erfa{)rener, älterer ^^erfonen fe()r notroenbig finb. 
^arurn braud)en mir alfo Hebammen unb jroar red)t tüd)tige, roeldje fid) nid)t 
barauf befd)ränfen, bie ©öd)neriu gn reinigen unb "iia^ 5?inb anjutleiben, 
fonbern 2(uff(ärung unb Untcrftüljung neben rao(jlbebad)ter Körperpflege in 
reidjem ^Oca^e ju geraäl)ren. ^n S'öüen ber 9]ot ift jebe gefunbe 9)luttet 
imftanbe, allein ju entbiuben, ja and) bie S^abelfdjnur gu trennen, um ba» 
5linb an§ bem 3in"Q"ii^ici^f}^i^9 "^^t ber 9iad)geburt gu löfen, unb, rcenn e§ 
fein mu^, mit bem Kinbe im 2Irm ein ©tüd SS>eg jurücfsu legen. <So l)at 
e§ mand)e fräftige Bäuerin getan, bie im fyelbe nnerroartet fd)neü nicberfam, 
unb fo mad)en eg bie 2Bilben, bie im 53uid)e gebcireu unb bann i^rer 2;ruppe, 
bie fid) nid)t aufhalten läjst, nachlaufen. %k§ gur (Ermutigung aller ^ag^^ 
t)aften unb 3lngftlid)en, bie nod) fo roenig Gl)rfurd)t oor htn DIaturfräften 
Ijoben, ba^ fie beufen, oljne 5D]enfd)enl)ilfe unb 9?]enfd)enroei5^eit fomme nid)t§ 
juftanbe. Unb bod) bieten un» biefe nur eleuben ^Jiotbeljelf, raenn un» 9}luttet 
9latur einmal mirf'lid) im (Stid)e lä^t! 

■^ie Sage ber ©ebärenbeu fann oerfdjieben fein. (£d)iüad)e ^-ranen 
nefjmen nur 9tücfen= ober Seiten läge ein; fräftige bagcgen fönnen ben 
©eburtsoorgang burc^ eine natürlid)e Stellung unterftü^en, in rceldjer bie 
Sd)roere be§ i^tinbe^ nai) unten mirft. 2)a§ ift bie fuieenbe Stellung mit 
gefpreijten 93eincn. 2äi3t man fid) im Kreuje ftü^en, ^ebt man fid) fclbft am 
33ettgeftell unb prefst man tüd)tig nad) unten, bann fann bie ^luytreibung 
ber %xu6)t bei guten ©eburt^megen baburd) red)t befd)leunigt merben. 

@el)t alle-o, mie e§ geben foll, bann mirb and) bie 91ad]geburt (fiel)e 
^ig. 180), ha^i ift ber 9Jhitterhid)en famt '9iabelfd)nur, fd)on in ber erften 
SSiertelftunbe na^ ber ©eburt be^ Kinbeä au5ge|tof5en, ol)ne 'Dkc^blutung, 
ol)nc befonbere 33c[c^mevben. ^ie ?[Rntter ift fröl)lid), freut [id) il)rey 5^iiibeä, 
oerlangt ju effen unb mad)t barnac^ ein gejunbe^ Sc^läfc^en. ^ie ©eburt 
bauert 00m S3eginn ber 'Ä>el)en big jur Slugftojjung beg 5!inbe5 bei ©rft^^ 
gebärenben etma smolf Stunben; bei 9}^iel)rgcbäreubeu fünf bi» fed)g ober 



3X2 (Srfd)itierte ©ntbtnbung. 

micl) nur bvei (Stuuben. Steine 53UitüerIu[te, feine @rid)üp[ung, feine 
Ijeftigen (5cl)meräen betäftigen bie gefunbe 3BöcI)nerin. 

® a § i[t ber 9Ser(au[ einer normalen ©ntbinbung bei fräftigem ,5^örper-- 
bau, au§reid)enben Söetien unb oernünftiger Pflege! 

iSD 



Die ertcbwerte Bntbindung» 

3Im l^äufigften wirb fie f)erbeigefüf)rt burd) \6)xoa6)t ober fd)tecl)te 
SSetjen, raeld)e nict)t imftanbe finb, ben Söiberftanb ber @eburt§icege gu 
nberrainben. %a^^ 5^inb bleibt bann auf I}albem Scge fterfen, bie S3eid)roerben 
ber ^rau fonnen f)od)grabige werben, nnb lueun nic^t ba(b ^i(fe non an^en 
fommt, jo ftirbt ba§ 5linb ah. ^\\ bie Sage be§ 5?inbe§ aber normal, alfo 
rcie fie nötig ift, um ben ®urcf)gang be§ finblicl)en Slorperä am Ieicl)te[ten 
§u ermöglicl)eu, finb aud) feine f leinen Seile, mie 3lrmd)en ober 9]abel^ 
fd)nur, in bie ®eburt§roege gefallen, becor ber oorangeljenbe gro^e 2:ei(, rcie 
^opf ober ©teifj, oorgebrungen finb, fo fann bie (Sntbinbung sroar tagelang 
bauern unb nur fleine ^-ortfdjritte mad)en, beunocl) aber ju einem tebenben 
Slinbe füljren. ^n folc^en g-aÜen ift e§ nötig, ein ärstüdjes Urteil einsulplen 
unb eine Unterfucl)ung oornefjmen gu laffen, bamit bie eigentUd)e SSerjögerung 
ber (Sntbiubung feftgeftellt merbcn fann. 

daraus gel)t alfo Ijeroor, baf3 aud) bie Sage be§ 5^inbe§ ein be= 
beutenbeS @eburt§I)inberni§ bilben fann, unb bie§ ift ftet§ ber ^^-all, wenn 
fid) ber finbüd^e 5^örper mit gu großem £luerburd)meffer einfteltt unb bie 
fnödjeruen ©eburt^roege bie äiifserfte ©ren^e il)rer S^ladigiebigfeit erreid)t I)aben, 
alfo bei teilmeifen Querlagen, ober menn ein oorgefaKeuer 2Irm mit bem 
5!opfe gugleid) fid) einftedt ufro. (9Jlan ftubiere uufere S^afeln unb bie barauf 
bargeftellten £inbe§(agen.) 

(Sine weitere Urfod)e ber erfi^raerten (Sntbinbung liegt in ber 33ilbung 
beä S3e(fen§. S3ei moljigeformtem ft'inbe, fräftigen S£?eljen fann bie ©eburt 
bei S3e(fenfel)Iern entroeber \z\)x fdjraierig unb fdjmer3f)aft merben ober unter 
Umftänben nur auf operatioem Sßege möglid) fein, (©ielje erfte§ Kapitel 
im I. Seil unb «Becfenfeljler, ^-ig. 350 h\§> 352.) ^ie ^ranfengefd)id)te auf 
(Seite 330 fül^rt un§ eine (Sntbinbung bei 93ecfenenge oor, unb bie Setjanblung 
ber (Sc^raangerfd)aft bei engem 93ecfcn ift «Seite 322 bi§ 324 befproc^en. 
(Srreici)t bie 33ed:'enenge einen gemiffen (Srab, ober ifi bie Querlage eine ooU^ 
ftänbige, fo l)at mau e§ mit ab fo tuten (^eüurt§f)inberniffen ju tun, 
ioe(d)c bie natürliche (Seburt nidjt blofj erfdjroeren unb oerjögern, fonbern 
DoKftüubig unmogUd) mad)en. 

a) ®ie 2öet)en. Sßie fd)on gefagt, beftetjen fie in teife beginuenbem 
3ufammen5ie()en ber ©ebärmutter, bie in Ijalbftünbigen, fpäter in uiertel= 



G r f d) lu c r t e G n t b i n b u n g. 313 

ftünbigeu, ja trtiuuteulangen "ipaufcn eintreten, an Umfang unD -Jtuggiebigfeit 
rafc^ 5unel)men unb bem 2öiücn nid^t imtcriuorfen fmb. SKäljrenb it)rei* 
®auer roirb bie ©ebärmutter I)art, rid)tct [td) auf unb oerlängert fid) in 
i^rer Sänggadije. "Sie normale SCBet)e bauert GO— 100 Sefunben. ^m kiykn 
©tabium ber ©eburt tritt bie 9Jlitroir!ung ber 53aud)p reffe fiinju, ba-S 
ift bie 3uiQ"^"^^"5icI)ung ber 33aud)mu5feln, roeldje einen '2)rucf von oben 
nac^ unten ausüben unb anfangt unferer SBiüfür unterroorfen fmb. Stecft 
tjer 5^opf be§ £inbe§ bereite in ber <Sd)eibe, bann \)at bie ©ebärenbe Den 
lebhaften 2)rang „mitsupreffen" unb fetbft l)erau§5ubräugen, wa§ fid) fd)on auf 
bem 2Bege befinbet. (Sie gieljt baljer bie 53eine gerne an, beugt fid) im ünk, 
ftemmt bie %ü^^ trgenbmo an unb fafat mit ben SIrmen nad) einem feften 
(^egenftanb. 5[Reift reid)t bie ^ebamme it)r bie ^änbe unb I)ä(t fie fcft, fo 
ta^ bie ©ebärenbe einen Qua, au§üben fann. ^n biefer Stellung unb bei 
folc^er Unterftü^ung fäüt it)r ^a§ SJiitpreffen reid)ter. 

%k franfljafte 2Be{)e ift fd)mer5l)after unb meniger au^?giebig, aud) 
oft oon längerer ®auer. SSBenn bie (Srfd)öpfung ber Slreifjcnben junimmt, 
bleiben fie au6) raot)I ftunben= unb tagelang ganj ausi, um bann abermat» 
einsufetjen. 9J^aud)mal fd)ctnt bie ©eburt babei feine ^ortfd)ritte ju mad)en, 
bi§ ptö^lid) „^rei^roe^en" eintreten CüJütmirfung ber 33aud)pre[fc) unb baä 
^inb nun fid)tbar norrüd't. '2)abei fd)einen adcrbingä fcl)U)äd)(id)c 5^'^^iicn 
vov Slnftrengung faft ju oerge^en, ba bie 2Be^epaufen immer t'ürjer merben. 
3^re Slufregung fteigert fid), unb bie ncroöfen geben burd) angftoolIeS 
S^reien tt)rer inneren Qual beut(id)cn 2(u5brucf. Über ben ©eburt§= 
•fd^mer§ ift fd)on mand)ertei gefd)rieben rcorben, nid)t minber über bie Über= 
flüffigfeit be§ Schreiens n)ä()renb be§ ©ebärenS. Sßoburd) entftel)t ber 
©eburtsfdjmerj bei gefunben, gut gebauten ^yrauen? iQft ber Sdjmerj Siatur» 
notraenbigfeit? 

5!eineymeg§! 58ei fräftigen ^nbiüibuen, bie mit normalen Organen üer=' 
fe^en finb, wirb nur teife§ Stöljncn unb *^reffcn rcrncl)mbar, oerbunben mit 
tiefen SItemjügcn, mobei in meuigen Stunbcn bie öeburt^arbeit bciuättigt mirb. 
^einc Slufregung, feine Allagen, fein (3d)reien babei. ^^ fd)mäd)(id)cr unb 
neroöfer aber eine ^rau ift, bcfto mcljr mnd)fen bie Hufvcgung unb bie Sd)mer,^^ 
empfinbung babei, befto länger bauert ber 23ürgang unb um fo gröfjer ift bie 
babei fid) einftellenbe @rfd)üpfung. ®ie Sd)meräempfinbung rairb burd^ ^ruc 
auf garte ©eroebe unb ^leroen foroie burc^ bie auf3erorbenttid)c 3pann.u.ng ber- 
fetben beroirft. ©inb fie aber oon fräftiger 53efd)affenl)eit unb (eibct bie '^xan 
nic^t an framp[l)after Saeijbarfeit ober 9lngft(id)fcit, fo finb and) biefe gropen 
Seiftungen o^ne uennenSmerten (Sc^merj auö5ufü()ren. &§ gibt atfo tatfäd)lid) 
eine fd)mer5tofe (Sntbinbung, unb fie ift aiid) unter un§ nod) nid)t auci= 
geftorben; allein fie mirb allmäl)lic^ felbft au§ unfcrcm ö)cbäd)(ni§ fd)iuinDen, 
wenn bie iüeiblid)e ^ugenb auf bem 2?ege fortfc^reitct, ben fie jeljt betreten 
f)at. ®r fii{)rt 5ur förpcrtid)cn SSerfümmcrung, gur nnfäl)igfcit, ben ^.Ihittcr* 



314 



(5rfd)it)erte ©ntbinbung. 



pf(id)ten qerec^t p raerben. ®al}er: Slräfttgung, 3Ibf)ärtung, 21ufflärung ben 
S[Rtäbd)eu ! Steine üerirei^Iid)ten, blutarmen, untücljtigeu SRcibd)eu gro|35ief)en, 
fonberii in ber 5linbl)eit fc^on fie burd) alle Wütd fo beeinfluffen, ba^ einft 
gefunbe, Iei[tung§[äl)ige unb glücfltc^e 9J?ütter au§ if)nen werben füiinen. 

Siegt e§ in unferer $anb, franff)afte 2öel)en 5U beein» 
f Inf Jen? 3"^ßi[eI^o§, unb j^roar um fo mel)r, je frü{)er mir bie (3d)roangeren 
in Sef)anbtung nehmen. 93ei rid)tigem 2SerI)aIten raätireub ber (Scljroangerfc^oft, 
©i^- unb ^albbäbern, entfprec^enber (Snuäf)rung unb Bewegung lä^t fi(^ bie 
©eburt f^on raefentlid) beeinfluffen. dauert fie aber ju lange, finb bie 2Bet)en 
ju fd)mact) ober frampfartig, babei \^^x fd)meräl)aft, bann muffen mir fon)oI)( 

burd) roarme§ toie 
falte§353aff ergeben» 
fo au^ burc^ SJiof» 
fage mit einroirfen, 
um bie natürlidjen 
SSorgängeju unter' 
ftii^en, oorau§=> 
gefegt, ha'^ roeber 
eine falfd)e Sage 
nod) 33ecEenfe^Ier 
oorliegen. 3^ig. 185 
ftellt bie Slrätin 
bar, roie fie eine 
erfcböpfte junge 
^•rau, bei roeictier 
bie ©eburt nur 
langfame %oxU 
fcl)ritte mad)t, ftvctcljt, raobei biefe einfd)tummert unb neue 5?räfte fammelt. 
5öei äu f^raact)en 3Bel)en läjät man ber 5lrei^enben §uerft ^cit um 5?röfte 
ju fammeln; man bringt fie, roenn möglich, in§ ^reie ober fjeijt bei geöffneten 
^enftern, bamit immer neuer ©auerftoff suflie^en fann unb oerbraud)te Suft, 
bie fo fd)n)ädjenb rairft, fic^ nic^t anfammett; tro^ rcieberfcljrenber 3Be^en 
lä^t man fie f)atb- ober oiertelfliinbige ©pa5iergänge mad)en unb barnad) 
ruljen, joeit bie SO^usfelbemegung ben ©eburtSoorgang befd)(eunigt; unter 
S:ag§ unb befouberä §eitig abenbS forge man für ruijige Umgebung, 93er= 
bunfetung be§ ©djlafjimmerS, beru!)igenbeu 3"fpi'^iicl) , bamit etmaä (Schlaf 
eintritt, ber ftärfenber al§ a(Ie§ anbere roirft. S3ei fctjroädjüdjen ©rftgcbärenbeu 
bauert nämtid) bie ©cburt oft groei h\§ brei Zao^t mit mcljrftünbigen Unter^» 
bredjungeu, nad) meld)en bie 3ÖeIjen immer raieber ftärfer einfetjen. 'üftaä:) 
fotd)em ftärfenben (5d)Iäfc^en gibt man mit SSorteit com smeiten 2;agc an 
ein .r^albbab üon 35" mit 2Ibfiif}(ung h\§ 24° C. unb nur oon brei ?Jiinuten 
©auev, me(d)e§ ben ^((gemeinäuftanb fidjtüd) ^ebt unb bie (Stimmung beffert. 




5-ig. 185. 
f8ctiiff\qettt>e§ ©trcic^cii ber Sinuc bct einer ©cBörcttbeit, 



(Srfd)it>erte(5;ntbinbung. 315 



bie o[t eine fef)r gebrücfte ift. ©ie Umgebung befleifsige fiel), ru^ig, befonnen 
unb juoerfic^tlid) 311 er|d)etnen, bamit bie junge unb oft [et^r leibenbe %xan 
5?raft barau§ fc^öpfe. 2{lle Sngftlic^feit , lärincnbe Sätigfeit, erregte 53e=» 
ratungen, teilne^menbeS SBeinen ufro. oerbanne man au§ ber 9]äf)e einet 
©ebärenben, bie [0 oiel mit fiel) fe(b[t unb il)rem ^iiflanb 5U tun f)at, ta^ 
bie oon aujlen auf fie einbringenben (Erregungen ein unerträg(id)e§ 3uoie( 
für fte bebeuten, ha§ i^r ^raft raubt unb fie bal)er fdjäbigt. 2öer fid) nid)t 
bef)errf^en fann, bleibe bem ©ebärsimmer ferne. 33efuct)e, neugierige 
greunbinnen, ratenbe 2;anten, bie ftetg aÜeä beffer raiffen al§ .^ebamme 
unb Strjt, laffe man gar nid)t §ur jungen g^rau Ijcran, beun fie bringen 
nur Unruf)e in§ ^au^. 9Jiüd)te fid) in jebem ^aufe eine erfaf)rene energif^e 
SJlutter finben ober ein umfid)tiger ©atte, bie in bem angegebenen ©inne 
i\)x ^an§ für biefe ernften Sage befteüen! 9}]and)em Übel fönnte baöurd^ 
noc^ rechtzeitig oorgebeugt rcerben. 

®ie ®rnät)rung fei in biefer 3ett eine burd)au§ milbe unb Icid)te. (Sie 
befiele au§ faltet ober roarmer 3)]i(c^, bei DIeigung ju ©tu(j(träg^eit au§ 
fauret 9Jti(d) obet ^efit, SBurzetfuppen mit Ieid)ten Zutaten, wie 3^ubetn, 
(Siergräupc^en, 9?ei§, ©rie^, 20t>einmoft oon Sampe in 2öorm-3; grünen ©alaten 
mit 3iti^onenfaft unb Öl jubereitet, bie fef)r erfrifc^enb roirfen; guten Spfeln, 
3lpfelfmen ober frifd)em Seerenobft, raie (Srbbceren, .^eibelbccrcn, Himbeeren, 
S3i§fuit ober ^roiebacf ftatt 33rot, unb ba empfet)len mir bie oon Dr. Sa t) mann, 
SäcEet 5[Rucfe in ©reiben, raeil mit Sfläl^rfaljen zubereitet, füiuie anbere äl)n= 
nd)e gabrifate, beren 3Bo(j[ge[d)mac! unb Seid)töerbau(id)fcit erprobt fmö. 
Qüx ©titlung bei ®urfte§ gebe man reid)(ic^ frif(^ea 3Baffer mit 3itronenfaft 
unb Qudzx, rcetd)e Simonabe nid)t nur anregenb auf 9'iiere unb ^arm rotrft, 
fonbetn beren 3i^cEergef)alt befanntlic^ aud) a(§ rae()enftärfeube5 SJ^ittel 
gerühmt roirb, ba aufgelöfter Snd^x bie 9Jhi5fe(fraft er(}üt)t. 2öi(I man fic^ 
DOt aüen unangenet)men S^ebenroirfungen fd)ül3cn, fo gebraud)t man nid)t 
ben weisen SBürfelsucfer, fonbcrn ii^n reinen ultramarinfreien i^anbiyjucfcr. 
®aoon laffe man bie ©ebärcnbe trinfcu, fo oiet fie nur roiü! 23iel anbetet 
genieße fte nid)t, bamit SRagen unb Sarm nic^t angefüllt unb fomit alte 
SSorgänge bebeutenb er(eid)tert loerben. Sreten Ijeftige 9^ücfen= unb 5?reuj=« 
fd)met5en auf, fo mad)e bie ^^flegerin ober ^ebamme beru[)igenbc (Streid)ungen, 
inbem fie ben 9?ü(fen in langfamen (Strid)en oon oben nac^ unten flreid)t. 
%a bie fd)roangere ^rau 53aud)(age nid)t einnetjmen fann, (äf^t man fie etne 
©teUung einneljmen, roie fie ^-ig. 18G jeigt. a}kn fann bei ber SJlal'fage 
au^ no^ brücfen unb fd)ütte(n, mal fe^r gut mirtt. '3^ann lege man eine 
fü^Ie ^reugpadtung für eine bil sroei Stunben auf. 

©tcüt fid) (eid)ter ©tul)(gang nid)t oon fclbft cin= biy jmcimal tägfid) 
ein, bann mad)e man balb 5lh)fliere oon 35° C. mit etma§ Clzufal), roonad) 
nic^t nut ausgiebige Sntleetung erfolgt, foubern aud) mcnd)er(ei 53eid)roerbcn 
oetfd)n}inben. (Srgibt bie Unterfudjung ber ^ebamme ober bei Slrjtel, baf; 



81G 



(S r f cl] lü e r t e © n t b i u ö u u g. 



Der 5^op| tiefer ßetreten \\t uuD Da^ el ^Qit rcäre, bie ©eburt nn5utreibcn. 
Dann raenbe man I^eijse ©i^bäber an von 36° bi§ 40° C. unb jelju 
9Jlinuten ®aner. <Bd)x emp[iiiblid)e getanen oon Ieid)t erregbarem 2:empe= 
rament fe^t man gnerft in 35° C, [treid)t ben Seib oon allen ©ettcn nnb 
gie^t bann langfam t)ei|3e§ 3Ba[fer ju. 2IÜe §n)ei ©tunben fann man ein 
fo(c^e§ ^aii machen. 2Biü man nod) met)r antreibenb mirfen, bann mac^t man 
ber ©ebärenben einen falten 5^reu5= nnb Saud)gu^ unb bringt fte rafd) 
Darnacl) ui§ 93ett, meil bie 3Bet)en infolge be§ ixältcreije^ bann meift I)eftiger 

einfe^en nnb e§ oft plö^^ 
lid) fel)r rafd) üorroärtä 
gel)t. 9lud) S[öed)fel» 
fi^bäber unb ©i^^ 
bampf roerben bei trä= 
gem ©eburtSoorgang alB 
fel)r roirffam gerüljmt. 
33ei frampfarti' 
gen, f e l) r f d) nt e r 5= 
l)aften 9S>el)en, raeldje 
iDüt)l bie Gräfte oer» 
braud)en, aber bie (3^' 
burt nur wenig forbern, 
mu^ man beru'^igenbe 
SInroenbungen machen. 
%a§ finb roarme S3aud}= 
ftajd)e (nid)t 5U t)ei^!), 
laueS^reuäpacfung,roarme 
3Irmbäber unb «Si^bäber 
uon 35 ° C, se^n 9JIi= 
nuten. ®arnac^ legt fid) 
meift bie 2lufregung unb 
änbern bie Sel)en tl)ren 
©Ijarafter. ^n allen 
biefen ^^ällen ift ärjtlidje Seitung ni3tig, ba mir teiber nod) feine |)ebammen 
l)aben, roeld)e bie SBafferljeilfunbe licl)errfd)en ober gcnügenbe allgemeine SSor* 
bilbung für itjren oerantioortung^oüllen Seruf befitjen. 91el)men bie Gräfte 
ber S^reifjcnben fic^tli«^ ab, fd)eint e§ alfo nidjt geraten, no^ länger 
gusuroarten, ftef)t ber ^opf be§ ^inbe§ tief genug, um gefafst 3U roerben, 
unb l)aben alle genannten DJIittel nid)t genügt, bie Sßel}en §u cerftärfen 
unb bie ©eburt ju befd)leunigen: bann bleibt al§ letjtcg 9(iettungsmittel, 
l)a§ bie ^rau rafd) oon il)rer Dual befreit unb ein lebenbe§ ^uxi) fiebert, 
bie SInroenbung ber ^ange. ((3iel)e ©cite 328 unter „G)cburt§l)ilflid)C 
Operationen".) 




m- 186. 

9Kaffage bc§ giürfcn^ bei S^reusfdjmergen, bei g-ett« 

leibigen unb Sdjiuangeren. 



(Srfdjroerte Gntbinbung, 3x7 



®ie 9kturDö(fer fenncii mit eiuitjcu 2(u§nal}men boä SBaffer a[§ ^t'iU 
mittel nid)t, moljt aber ©qmnaftif unb SD^affage. ^ie DJlaffage foim 
jebeufallä nur barii: befielen, bie tätigen S^aturfräfte ju unterftüljen, alfo in 
ber a^iidjtung be^ geringfien Sibcr[tanbe§ ben 3(uytritt be§ finb(ic()en i^örperg 
§u be[ürbern. 9J^an rcirb bemgemäjl ben 53aud) ber ?ixan TOät)renb ber 
2öef)en mit beiben Rauben umfaffen unb bie ftcife ©ebärmutter frä[tig nad) 
unten brücten. Sabei ift jebo^ §u bead)ten, ba| man in bem SDrucfe mit 
ber 2BeI)e 5u= unb abnimmt, unb bafs man fic^ raof)I Ijütct, ben "T^rucf auf 
einzelne 2:ei(e in ungleid)er Starte au^^jnüben, roeil fonft (ei^t eine 93crjd)iebung 
ber normalen Slinbslage, ja ein 3?errutfci)en eine§ fleinen ^eile;§ eintreten 
fönnte. 2)arum foüen nur erfal}rene ^^erfonen fotd)e 9^ad]()ilfe leiften. 
Seiber muffen mir oft beobad)ten, ba§ ber gefpannte ^and) roäljrenb ber 
©eburt meift fo empfinblid) unb fdjmerjljoft ift, bafs nur menige ^^rauen 
ftarfen %xud ber S^än^Q 5U ertragen oermögen, fo er(cid)ternb unb beförbernb 
er anbcrfeitg anä:) roirft. Gr mufj batjer gefd)ic!t angeraenbet werben, leife 
anfd)iueUen unb nur auf ben oberen geraölbten 3:ei( ber Gebärmutter au^^» 
geübt merben. 2Iud) ha§ raid alfo geübt fein. ®a§ galten unb fräftigc 
3ie^en ber .^änbe ©ebärenber (mand)e fönnen e§ au&j nid)t ertragen!), 
ba§ Stemmen ber 33eine gegen einen feften ©egenftanb gibt Stüljen, @egen= 
brudE unb (Srleid)terung beim ^reffen. Seife§ fret^förmtgeä (Streichen 
be§ fdjmerjljaften 33au^e3, ber Sinne, ber 33eine (le^tere in langen Stridjen 
üon oben nad) unten) roirft fel)r berut)igenb unb erleid)ternb, ja fül)rt 5U 
l)i3d}ft roül)Uuenben 9\ul)epaufen, mit (Sd)[ummer oerbunben. 3lÜe Slr^te unb 
;^ebammen follten fid) barin üben, um bei fd)roeren ©eburten roirflid) fdjnierj' 
linbernb roirfen ju fönnen. ^om gleidjmütigen 3ufel]en, com tatcnlofen 
'5^anebenfit3en f)at eine in (Seburtyuöten baliegcnbe ^vau feinen Shiljen. 
„Reifen" mu^ ber 3(r5t fönnen, er leid) lern bie dual! 

23on biefer Überzeugung geleitet, fe()en roir e§ an6) a{§ "»^flid)! an, auf 
bie ^ilf^3mittel oon ^laturoölfern liinjuroeifen, bei roe(d)cn bie J^rauen meiften§ 
Ieid)t unb allein entbinben. 9]id)t nur gefünbere £eben§oerl)ältniffe finb 
bie ipaupturfad)e, fie befiljen aud) unfd)äblid)e 9)]ittel, bie roir fcnuen gu 
lernen unS bemüljen füllten. ®^ fei bal)er t)ier auf "öa^ ^Oiab = 2;o ber 
^nbianer f)ingeroiefen, ein ^^flanjenbrei au§ einer Söurjel bereitet, ben bie 
grauen 2 — 3 Sßod)en oor ber ©ntbinbung al§ 2:ee geniefsen. Dr. ;pei) in 
Hamburg 21, ber 93erfaffer be§ „5:ropenar5tc§", l)at e§ in (Suropa eingefüljrt 
unb laut ^crid)tcn fel)r gute ©rfolge bamit er-\ielt. Gr Ijebt l)eroor, bafj 
ba§ 9lab=2o nor allem ben (Stoffroed)fel bcförbere unb eine trampfmilbernbc 
Söirfung l)abe. ^atjer befd)leunige e§ bie (Sntbiubuug unb niad]e fie fd)merj= 
freier. SE^elc^e 2ßol)ltat für fo oiele fd)roäd}lid)c iDhitter, rocldje infolge it)rer 
üieijbarfeit ber Oieroen bei allen ©eburten fo oiel leiben muffen! '3)a ber 
2lufgu^ feinerlei fd)äblid)e ^eftanbteile entl)ä[t, fo fann jebe g'^^au nad) 
bricf[id)er ißerftänbigung mit Dr. ^eg S^erfudjc bamit mad)en. 



318 



(Srfdt)H)erte (Sntbtnbung. 



b) '^iz 5^inbe§lagen. ©er 2Iu§tritt be§ ^inbel au§ ben mütterlidjen 
©eburtöiuegen ift in jeber Sage mög(ic^, in raeli^er bie SängSadjfe be§ ^inbeg 
geftredt lüirb; er finbet am leidjteflen ftatt, raenn ber ^opf na^ unten liegt, 
toeil er ahS ber l}ärtefte Steil ben 2öeg am auSgiebigften baljnt unb ben 
nieiflen SSiberftanb erträgt. Oinb bie ^er^ältniffc ungeftörte, fo fel)en mir 
auc^ bei 98 7o aller ©eburten (S(i)äbellagen, alfo ben 5lopf nac^ unten, 
unb nur 2% finb (Stei§= ober ^u^lagen. Seüor ber ^opf in§ $8ecfen ein» 
tritt, ift ha§ 5linb gefrümmt, raie bie 2;afeln 9lr. 8 unb 9^r. 9 oorfü^ren; je 
tiefer e§ fic^ fc^iebt, befte met)r ftredt el fi^, fo t)a'^ e§ in fenfrec^ter Sage 
auö bem ©eburtäfanat ^erDorfd)ie§t (bie ^-rau fte^enb gebacl)t). 

®iefe (Stellung rairb aud) bei gu^lage eingef)alten, inbem ber 2Iu3* 
tritt mit bem anberen ^örpereube erfolgt, ©ie ©eburt in ^^u^lage ift aber 

fd)roieriger, roeil ber £opf na^folgt unb 
oft nur müljfam burd)gebra^t roirb, ^fi 
er jeboc^ flein unb l^at bie 9J^utter fc^on 
me^reremale geboren, bann !ann auc^ bie 
©eburt in ?5^u^lage anftanb§lo§ oerlaufen. 
Seid)t aber ftirbt baä ^inb babei ah, 
rcenn ber ^opf ju langfam oorroärtl 
fommt unb jraifdjen i^m unb ber Q3ecEen» 
roanb bie 9^abetfc^nur eingcflemmt 
wirb. (Solange ba§ ^inb nic^t atmet, 
mu^ nämli(^ ber 53lutlauf äroifd)en SJlutter» 
fud)en unb ^inbe^Eörper erhalten bleiben; 
e§ fann aber nod) nic^t atmen, folange 
ber 5?opf im ©eburt^fanat ftedt, unb e3 
barf alfo aud) feine S^labelfc^nur nic^t ah 
getrennt roerben, folange e^ ben burc^ baä 
Sltmen eingeleiteten felbftänbigen 58lut» 
frei§Iauf nod) ni^t l)at. ©g mu^ alfo ab fl erben, raenn bie 2ltmung 
nic^t eintreten !ann unb ber '43lut5uflu^ burc^ bie 91abelfd)nur geroaltfam 
unterbrücft roirb. — Um redjtjeitig fold)en SJlöglic^feiten oorjubeugen, 
empfiehlt e§ fii^ in folc^en fällen, einen Operateur ^injususie^en, ber burc^ 
oerfc^iebene ©riffe bie Operation befi^leuuigen fann. ^ig. 187 bi§ 189 
fül)ren alle 3^u^ lagen unb bie ©riffe öe)§ Slr^teä gur S3efc^teunigung Der 
©eburt cor. 

%k (Steißlage ift bie ©eburt mit oerfürjter 2äng§ac^fe, ba bie 
58eind)en l)inaufgefd) lagen finb unb fomit ben Ouerburc^meffer be§ Einblicken 
93ecfenl oergro^ern. Q\t baä ^inb gro^, fo fann bie ©tei^geburt rec^t 
fc^roer unb langfam cor fid) get)en; ift eä flein, ba§ mütterliche 33ecfen 
normal, finb bie 2iBel)en fräftig, bann get)t fie anftanb^log cor fic^. ((Sie^e 
i^ig. 191.) 2lud) Ijier fann ber Operateur burc^ ßeroiffe ©riffe nac^^elfen; 




f^tg. 187. 
SöeHbang bcö Sinbe^ auf bie fjügc. 



(Srfdjroertc (Sntbinbung. 



319 



im übrigen lä^t fid) nur burc^ antreibenbe SBafferainneubunßeii raeljeiioer» 
ftärfeub einroirfen. ^k 9Beid)l)eit oder Seile ermüölict)t ben 'S^uvdjtvitt 
tro^ ber SSerbreiterung. 

'2)ie ©efid)t§(agen fmb nur er[d)iuerte ©eburten bei (SdjiibeKage. Sie 
regulieren fid) oft non fclbft iüä[)renb ber ©eburt, inbem fid) ber ipinterfopf 
immer me^r Derid)iebt. 93ün SSidjtigfeit ift ba^ [tets ber 9iücfen be^ Slinbe» 
nac^ üben liegt unb nid)t ©e[id)t unb 53aud), olg bie raeid)eren, leid)ter oer» 
lesbaren Steile. ®ie ®rel)ung finbet raäljrenb ber ©eburt ganj oon felbft 
[tatt. ^amit bie» alle» redjtjeitig eintreten fanu, ift e» oon 3Bic^tigl'eit, büß 





S-ig. 183. 5-ig. 139. 

^Beübung hc§ ü'uxbeS auf btc ^ü^c unb {^u^gcburt. 



nid)t ron ungefdjictten .^änben „nQd)geI)oIfen" roirb, [ei e§ burd) äußeren 
%xnd, fei es burc^ iiürfd)nelle§ Slnäie^eu einjelner 2:eile oon unten, ba ba» 
burc^ 5u leid)t eine 23crfd)iebung normaler 23ert)ältniffe eintreten tann. 

©ie Querlage, beffer gcfagt (Sd)ieflage, roirb am I)äufigficn jnr 
©d^utterlage, inbeiu 9iücfen ober ^aud) fid) nac^ oorn brc()en, bie Sdjultern 
nad) unten gebräugt mcrben unb ber 5^opf gur Seite gcfdjobcn loirb. ^n 
biefer Stellung fann ba§ Slinb natürlid) nid)t geboren locrben. Sinb bie 
SGBeljen ftarf, änbert fid) bie Sage nid)t uon felbft ober tritt nid)t 5Tunftl)tlfe 
ein, fo tonnen ber l)arte liov>f unb bie Stelle, luo er fid) cinbol)rt, Überlegungen 
erleiben unb ju 931utungen in bie 33aud)l)i)l)le fül)ren. ®ie ^^-ig. 192 ftellt 
un!§ eine fold)e Sd)ieflage bar. ^[)xq llrfad)e ift oft nid)t nac^jumeifcn, 
meiften^i aber finb eä -iDIe^rgebäreube, bei meieren fie fid) eiuftellt; oft finb 



320 



Gr[(^rüerte Gntbinbung. 



el au^ gro^e ©emütSerregungen, Äleinljeit ber 3^ruci)t unb C5d)IaffI)eit ber 
inneren ©enitalien, bie 3Seran(af|ung ^ierp roaren. 

®a§ erfte, xüa§ man nad) ©ntbecEung ber fatfci)en Sage ju tun l)at, ift 
(£int)altung rotiftänbiger ^ettruf)e unb warme Seibauffc^läge. ®arnad) löft 
fid) oft ber frampfartige 3u[tanb ; ror^eitig eingetretene Sßel)en beruljigen ftd) 
raieber, unb nad^ 12 bi§ 24 ©tunben finben mir t)a§ ^inb in normaler Sage.. 
Sßar bieje ©elb[t{)ilfe jebod^ nic^t met)r p erreid)en, fe^en bie 2ßel)en immer 
I)e[tiger ein, bann barf man mit ber 5^un[tt)ilfe nic^t äögern, bamit burd) 
aSerfd)Ieppung be§ 3wftanbe§ ha^ Seben be§ ^inbe§ ni^t gefäf)rbet werbe. 
®er Slr^t mufs bann bie Söenbung aufben^opf au§[üf)ren (^ig. 193 
unb 194) ober, rcenn bieje ni^t me^r möglid) ift, bie Söenbung auf gu^» 




gig. 190. 
@e\iä)t§iaqe. 



^i%. 191. 
©tct^tagc. 



f^ig. 192. 
Duerloge (©(i^itltcrlogc). 



läge, ©ie Querlagen fiub rier^ältni§mä|ig fetten, aber unter ungünftigen 
Umftänben finb fie für SDlutter unb ^inb bebenflic^. 

^n sraei ooneinanber gefonberten ©bauten fefjen mir ^lüillinge neben- 
cinanberge(agert (3^ig. 197). ®a§ ^öpfdjen beä Iinf§[eitigen tleinen ®rben= 
bürgert fte^t fd)on über bem 33ecfeneingang; er rairb ber „©rftgeborene" 
fein, rceil feine j3-rud)tblafe fi(^ frütjer geftellt t)at. 

2(u§ 3^ig. 195 unb 196 finb bie 33eränberungen ber Kopfform erfidjt- 
li6), bie burd) bie üerfd)iebene ©inflcllung be§felben entfte()t. ®er ©pi^fopf 
ift fel)r oft §u beobadjtcu, ocriiert fid) aber fd)on in raenigen Stagen nad) 
ber ©eburt. 

3IÜe möglichen ^inbeSlagen fmb fjiermit erfd)öpft. 

c) 93ilbung be^ 33ecfenä. 3Bir liabcn fdjon an anberen ©teilen 
barauf l)ingerotefen, ta^ ^nod^enerfranfungen m ber ^ugenb ju Sedtenfe^Iern 
füt)ren, roeld)e bie SSeranlaffung fd)n)ever ©eburten werben ober au6) bie 
©eburte: möglid) feit ooUftänbig neljmen. ®er t)äufigfte 58e(fenfet)ler äußert fic^, 







mab Jirifiwad bnu azzäbO ahnstiHüic 
I9iri3ßij9a .h*9>frfDil39W9a aisii v 
02 .luoriozIsdeM 19h 9bn3 9is 

.91& jzzßbO 29UßId ni» bnu 9)9Xx . 

-US nsdouiisUulA ngfa ni fcjlS sJrfaußi/ 
US 9bniH mgb luO 29ll?i|»h6 ^grf-) ' ' 
SnudißT i9irii ni fngfaA öib rioiz naf 
sisJnü 9ii>- -ai asbrnjan naJm io 
-hriij} S19H 2fib ni ariaiaw .("ßf 
biii«, ^Wosjfaisv nag^i bnu i. 

„iimiwu isdaJ 19b oii9zi9iniH 

'^tujJ- nariozivs-S -.*n9vlrfoH 
si'üib^uf 



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jb Ivb 

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jffc izi i9d. 



mus 2id hr 

'9-irfl .J22ßh9Jniri 

Jri39i idoin H3oni,9l6i,d gid . 

US IqojiId9>l i9b~frnu 9?üibblir .__. 

-luß iunri32l9dßM 9ib daiub ztitvj\iuVd -jäö bfßdoa - .hid^?. 
-9d ,Jri9idD29ä n9dl92n9b gnunosiidA i9b <ifn Jioioz ^f,tJ ^öd 
doon 9diaIi9JiyM mi aib) 29bniH asfagnumiA sib Janig 
JJnJ 29 bno M5 i\m idam/ doiz asUüf ns^auJ sib ,(9jiün 
m929ib noV .nia egbniH 99b afußlzisi« mi gauisbnft «ms 
Irni n9d9j 29§ü)nßi2dl92 ni« bniH 2ßb hdüf nß 9;i3ildn98oR 
nnß;i bnu nadßj^guf. bnu njmdßnni3 ,l9irij9waol2 insnagis 
oiaJfcrfiQ -' . [gjiT naf, j^^g j^j^ 





Kind mit geöffnete 



(Verluuf 



820 



-^j; J <^»ö^ rte 05 it 1 5 i n b u n g. 




S'^'^ 



TAFEL 10 



VDl 



a]U 



m 



Zmährung des Kindes durch die Muttcf; Öie Nabelschnur 
enthält deshalb zu- und abführende Gelasse und bewahrt deni 
Kinde in dem Fruchtwasser freie Beweglichkeit. Betrachtet 
man auf unserem Bilde das pb^ei Eode der Nabelschnur, sp 
bemerkt msn zwei rpt gaz^^iclim^it,^ ,v>nd,e^ blaue^ Gefäss; die 
blauen leiten das verbrauchte Blut in den Mutterkifchch zu- 
rück, die roten führen frisches, arterielles Blut dem Kinde zu. 
(In Wirklichkeit unterscheiden sich die Ädern in ihr^r Färbung 
nicht so westntiich.) Die zwei roten münden in die untere 
aufsteigende htitcs (;,Bauchäorta"),;wclche in das Herz führt, 
auf dem Bilde aber von Leijer und Magen verdeckt wird. 
Die „Nabelvorc'^ geht an <lie Hinterseite der Leber und mit 
deren Bluiinhalt in die untere Hohlvene. Zwischen Lunge 
und Herz i.it ferner di2 ThymuaJrüse zu bemerken, jenes 
mcrkwürdl;^'« Organ, das langsam verschwindet und bis zum 
5. Lebensjahr meist keine Spuren mehr hmterlässt Ihre 
Bedeutung ist der Wissenschall bis heute noch nicht recht 
klar. Darüber ist die kleine Schilddrüse und der Kehlkopf zu 
sehen. — Sobald der Blutzufhiss durch die Nabelschnur auf- 
hört, was sofort mit der Abtrennung derselben geschieht, be- 
ginnt die Atmung des Kindes (die im Mutterleibe noch 
ruhte), die Lungen füllen sich mehr mit Blut, und es tritt 
eine Änderung im Kreisläufe des Kindes ein. Von diesem 
Äugenblicke an führt das Kind ein selbständiges Leben mit 
eigenem iStoffwßchscl, Einnahmen und Ausgaben und kann 
?» fitlb fie fütietat erst den Titel »Mensch«' erhalten. '""^' '"^1]^'*' 

^mpt ü-nciimnöer (]e)üuocUcu iimm 
m. 107). ^,Safe:&i5nWi 



«ir B'yininße n\ 




m 



(miaic 





iTe (1 



Redutf/ Naisarteru 
Rechte Hahverie 



LwiffenMf 
Mechier Limgenßiigel 

Leber 



Otdöj-me I 



Nai/eä^e/ie 



hehikopf 
Scfu/flMisr 
/.it/'tföhre 



Thymusdrüse 




Zurilckcfexjoge/w 
Eihäu/<- 



des Unkefi Lunten ■ 



Mcufe/i 
Galle/ i/^Uise 
inf.lfoMre/te 

Bawfitiorla 



//ar/v- 
M/er 



/kirnbkise 



Die Frau als Hausärztin. 



Tafel 10. 



Kind mit geöffnetem Leibe. 

(Verlauf der Nabelschnurgefässe.) 



(5rf(^rocrte (Sntbinbung. 



321 



a.l§ fogenannte§ „pfatteg SSecfen", "OaB in feinem geraben ^urdjmeffer etroaä 
üerfürät \]i, alfo in bem 9\aum sroifdjcn Sd)am= nnb S^reusbein. gig. 349 
füt)rt un§ ein fo(d)e3 oor. Qä erfc^iüert ben Gintvitt be§ S?opfe§ in ben 
^öedeneingang unb ift bnr^ ftärfere 5lrümnumg ber SBirbelfäute na6) oorne 
entftanben. ^m übrigen fann baä eiufad) platte 53ecfen fetjferloä fein. 

atnbere ^^el^Ier, befteljcnb in 9?erfd)iebungen unb 33crfrümmungen einjelnet 
iöecfenteile, füljren roir nid)t nätfer au§, ba bieg für unfere Seferinnen feinen 
praftif(i)en Sföert I)ätte. SBir raoücn un§ üie(mel)r bie g^rage beantworten: 
2ßie fönnen roir eine gefa!)rlofe (Sebuvt bei oercngtem 33ed"en ermögtidjen ? 
^anbelt e^ fiel) nur um eine ä>er£ür5ung von ein bi» jroei Zentimeter, [o ift 





\ 

JJig. 193. ^ig. 194. 

SBenbung bc§ JlinbcS auf ben Jlopf. 



eine glücf(ici)e ©eburt eineg lebensfäljigen 5?inbe§ noc^ möglid). ^it bie 2Ser» 
engung größer, bann bleibt nur ber „5laiferfd)nitt" übrig, roenn burd)au§ ein 
aufgetragene^, (ebenbe§ ^inb crjielt roerben foü. ^m anberen ^aüe ftirbt 
ba§ ^inb unter ber langen unb fd)mcr5!)aften ©ebuvt ah ober e§ mufj angebo[)rt 
unb ftüdroeife fierauggcjogen roerben Ciperforation). 2(uf unfercr 3eici)nung 
ift neben bem Umri^ be§ normalen S3ecEeneingangeä ein gerabe üerengteä 
(oon Dorn nad) Ijinten) unb ein fd)räg ü'erengteg bavgeftcdt. ^n beiben 
fällen fd)eint ber geljler nic^t fcljr bebeutenb; bod) genügt er, um bie ©eburt 
erl)eb(i^ 5u erfd)roeren ober auc^ bei grof^em 5iinbe mit Ijarten ^nod)cn 
unmöglid) gu madjeu. (Sielje (^ig. 349 unb 350.) 

'2)er Beeten au§ gang roirb burd) Steipeinfpit3e unb 'i)cn unteren 
SRanb beä Sd^ambeineg gebilbet unb ift buvd) 9)hi§feln, bie ben 33ccfenbübcn 
bilben, aufgefüllt. Sie ©teipeinfpi^e ift beroegli^, gibt alfo auf Sruc! nad). 



ate %rau. ali ^auSätitin. 



21 



322 



©rfc^roertc ©utbinbung. 




fyig. 195. 
Kopfform 

bel©tnter5aitpt= 

lage'ixiälirenbbcr 

©eburt. 



bic 2öeid)teile (Wlvi§Mn, iBänber, §äute) ftnb ei au6); batjer bilbet ber 

^ecfenboben feiten ein @eburt§f)tnbernig. (Stärkere ^Bedfenfe^Ier äußern ftd) 
naturgemäß foraof)! an ber ^irbelfäule rate am äußeren S3ecfen burd) ®in= 
falten ober ^eroortreten einer (Seite, ^ötjerftanb einer ^üfte, S^erfürjung eine§ 
S3eine§ bur^ 3>eränberungen in ber ©elenfpfaune am ^ecfeu (fief)e ©fetett, 
g-ig. 1), 33erbiegung ber SSirbetfäuIe, g-Iaditjeü ber '2)armfd)aufeln, nad) 
innen gefriimmte§, feftoerraa^feneg Steißbein ufra. ^-ür ben 
9]id)tar5t ift e§ faft unmögtid), biefe gelter alte su erfennen; 
trotjbem bürfte e§ ben meiften 9}]üttern gelingen, einige» Urteil 
p "geminnen, menn fie oerfdjieben gebaute 5^iuber auggelleibet 
nebeneinanberfteüen unb burc^ SSergleid) öoppelfeitiger Seile 
it)re Übereinftimmung feftsuftellen bemül)t finb. ^n un!laren 
Ställen gelje man gum ^(rjt. 

©ie .^ilf^mittel, um bei vzx= 
engtem Seelen bennod) ein lebenbe§ 
5linb äu erjielen, finb: 1. !ünft= 
tic^e 3^rül)geburt, 2. fünftlicl)e SSeid)erl)al= 
tung ber finb lid)en5^nod)en, 3. ^aiferfd)nitt. 
^ie fünftlicl)e ^rüljgeburt wirb oonnielen 
Straten befürraortet; mir empfeljlen fie jebod) ni d)t. 
(Sie beftel)t barin, t^a^ man vox noUftänbiger 
2ln§reifung ber ^-rudjt, fo lang alfo ber !inblid)e 
i^örper raeid)er unb Keiner ift, auf !ünftlict)em ^"Bege 
SBe^en erregt unb fiebeneinljalb ober *ad)t 3)lonate 
alte grüd)te auf biefe SKeife 5ur 
SSelt bringt, ^a man aber ber 
Statur ni(i)t d orgreifen barf, ftraft 

fie un§, inbem fol(i)e, bem S)lutterleib gu früf) entriffene Hinber 
überljaupt nicl)t leben§fäl)ig bleiben ober, menn e§ einer raffi= 
nierten ^^flege bennod) gelingt, fie ju erl)alten, zeitlebens burd) 
5^ränflid)feit geplagt finb. 9lerDenfd)U)äd)e ober üieroen* 
t'ranlljeiten begleiten biefe llnglücElic^en am l)äufigftcn. (S§ 
ift fdjon al;§ ein Hnglüif ju betradjten, mcnn zufällig ein nic^t 
aufgetragene^ ^inb am 2ch^n erljatten wirb; mit 2Billen 
fotlte itjre 3^^ Cib^^ "^^t oermef)rt rcerben, am menigften aber in einer ^eit, 
lüo mir and) ol)ne ^rüt)geburten fd)on genug elenbe .^inber befitjen. Sic 
fünftlidje ^^rüljgcburt ift oom moralifd)cn Stanbpnnt't auy nur bann beredjtigt, 
loenn fie im i^ntereffe ber (Srljaltung ber 9)hitter möglid)ft früt)äeitig 
au§gefül)rt mirb, unb graar beuor .^offnung beftcbt, ba§ 5^inb am Seben ju 
erl)alten. %k§ ift ber g^atl oor bem fiebenten 5D]ünat. 

®ie !ünftlid)e 2Seid)er!^altung ber finblid)en 5?nod)en bietet bagegen 
gan§ anbere 2tu§fid)ten: '^a§ üu\\) ift üollftänbig aufgetragen, unb bie 





g-ig. 197. 
3tt)tfltitgc ttt Sdjnbelfagc. 



g-tg. 196. 

ßo^fforin 

bei SBoTbcr= 

Öauptlagc 

roäftrenb ber 

®eburt. 



Grf(f)rcerte Gntbinöung. 393 



Haltung bet ^nocI)en roivt) bei vid)tiger (Srnnf)rung be§ ^inbeä in raenigen 
9Jlüuateu erhielt, ^^lad) üorliegenben Sertrf)teu 511 fdj(ic^en, üer(äuft bic 
weitere G'ntiuicfhtng be§ ümhe§ in giinftiger Sßeife. 3Bie wir fd)on aü§ 
uuferem erfteii 5^apite( bca I. 2:eile» raiffen, ift bie ^eftigfeit be§ 5liiüd)en» 
geroebeg burci) 3(ufna!jme oon ^olffafäeu bebingt, bic haB ü'nxb an§ bem 
mütterlici)en 33hite fcf)üpft; füljrt mau nun biefem burd) bie SfJaljrung ber 
?3lutter weniger Ralt ju, fo er{)ä(t aud) ba§ 5tinb weniger baoon. ^ie ^iat 
ber 5??utter barf ba^er nid)t S^laljruugsmittel entfjalten, bereu 9\eid)tum an 
erben befannt ift. betreibe, ^Dlild), Sßaffer ftnb reid) an S^alf; fie muffen 
alfo gemiebcn werben, nicl)t miuber öerfd)iebene 3^rücl)te unb ©euiüfe. ®er 
eugtifd)e 9(r5t ^rofeffor Dr. So Hing empfiehlt biefe 9)letIjobe unb t)at 
oiele (Erfolge bamit erjtelt. 2öir bringen im nad)fo(genben eine genaue 
"^liiät für grauen mit etwa§ nerengtem 33ed'en. 

®ie 5!nod)en be:§ 5liube:§ bteiben weidjer, unb — ein befonberer S3or=> 
teil! — infolge geringerer aJJeljhm^rung unb fel)r geringer Safferaufufjr ift 
ba§ ^inb nic^t aufgefd)wemmt, nid)t fett, fonbern fteiner unb Ieid)ter a{§ 
anbere 5liuber unb paf3t fiel) fomit ben engen ©eburt^wegen beffer an. 

®ie ®iät für fold)e ^yälle fei alfo etwa folgenberma^cn äufammengeftellt : 

^rüliftüc!: Slpfel unb 9^üffe ober 2(pf elfinen unh iUlanöeln (oI)ue 
^rot unb 5^ud)en!). 

SRittag: ©emifdjte Degetartfd)e (Suppen (nid)t bünn), yjfe()Ifrüd)te 
gebämpft (9f?ei§, Sago, §irfe, 33ud3wei5en, 93]ai^, leidjte 9}lel)(fpeifen), Oie« 
müfe, wie ©pargelu, (Surfen, grüne (Srbfen, 93oI]uen, Slumenfoljl, 9f{abic:od)en, 
:^flttid), Sellerie, ^nlje, grüne 5lol)lartcn, breimal wüd)entlid) bei großem 
ißerlangcn baruad) magerei§ ^-leifd) »on ©äugetieren (atfo ljauptfäd)Ii^ 
Üiinb), bie STage ba5wifd)en ein bi§ swei (Jier; ^lompotte üon ^irfd}en, 
33irnen, 9(prifofen, ^ruuetlen. bleibt bie Suppe weg, fo fann bei 23ers 
taugen baruad) eine feine füjse Speife sum i^ompott gegeben werben. ('J)erbe 
9}let)Ifpeifen mit ^efe finb au§geid)(üffen, unb wer einfadjer leben will, fann 
Suppe unb füf^e Speife aud) weglaffen.) 

2(benb: 9]ur Dbft je uad) ber ^a^reSjeit unb uad) üorliegenben Sü^ 
gaben §ufammengcftetlt. 

(5ineu bünncn ^afao, in 9JIi(d) atigcfoc^t,. genieße mau etwa afle Süun= 
tage pr 2(bwec{)ihtug, Stoggenfaffee (uicf)t (Serftc!) jwci^ bi^3 breimal 
wüc^cntüct) mit Qaijm (nid)t ^Diitd)). ?^ifd)e, weit fatjreid), ferner eingefallene 
Speifen, wie Sd)infeu, Satsgurfen unb anbere, ober ^äfe, aufjcr Ouarf, 
üermeibe man ooüftäubig, ebcnfo .fSaferpräparate, .r^ü(fenfrüci)te, Spinat, 
93Ui^ren, Äopffatat, 33eerenobft. Sie cutljalten befonber^ oiel lliatrou, 5^ali, 
^^()o§p^or ober ^ait, roeld)e nur in geriugften 9}^eugen jugefüljrt werben 
bürfcn. ^itronenwaffcr fann bei ftarfem ^urft mäf?ig geuoffen werben; 
übrigeng oerminbcrt fid) biefer, wenn 5^iod)ia(5 auf ba^ äuficrfte befd)ränft 
wirb unb man fid) gewö(jut, Dbftfcäfte, wie 5(pfc(fincn^, 5(naua§^, 9}leIouen- 

21* 



324 (grf(^n)crtc (gntbtnbung. 

5]3firfi^^, STraubenfaft bei ^i^e imb ^itrftgefül)t of)ne SBaffersufa^ p 
genießen. Kartoffeln effe man nur feiten unb in fteinen SJiengen, roeil fie 
ju oiel Kali enthalten. 

®ie empfol)lenen 9fJaI)rung§mitteI fmb nidjt etraa frei üon ©rben, raelc^e 
bie Knod)en ^art mad)en, fie enthalten nur weniger baoon; bie geringere 
50^enge genügt, um bie 9JIutter gefunb p erl^alten. ©benfo midjtig ift e§, 
md)t 5u üiel ©iroei^, 9Jle|I, SBaffer unb S^ett in ber 97a^rung beijube^alten, 
roeil biefe p aufgefdjroemmten Kinbern füf)ren. S)ie SJlutter trinfe unb 
falje bal)er nid)t, fie ^atte fnJ) oorrciegenb an faftreidje grücf)te unb Der» 
meibe me^treidje 3f|at)rung. ©ans fßi«c§ 2öei3enmef)t ift faljarm unb fann al§ 
^utat in fleinen SRengen genoffen raerben. S3ei Slberanfdjraellungen, 3^ettfud)t, 
S8lut= unb Kotftauungen ber 9JJutter ift eine noc^ oiel ftrengere Koft nötig, 
roeldje bie meiften gefod)ten ©peifen au§fci)[ie§t. ^iefe mu^ ber Strjt oerorbnen. 

^urd) ben Kaiferfd)nitt mirb ein neuer @eburt§raeg, burd) bie 
löaud)becten burc^, gefc^affen, unb man cerjidjtet auf Die natürlidje (5)eburt 
burd) ben iöed'enfanal. ®iefe 9)]et^obe, bie SJiutter oon Der %xviä)t p be» 
freien, tjeifst „Kaiferfd)nitt", meil biefer 9ftame üon ©äfar unb urfprüngli^ 
oon bem lateinifdjen caedere (fd)neiben) abgeleitet raurbe. ^efanntlid) mar 
ber römifd)e ®ittator ;3uliu§ ßäfar and) au§ bem Seibe feiner SO^utter ge» 
fc^uitten raorben. S3ei bem früljeren ©taube ber 3:ed)ni! mar fie für ha§ 
ßeben ber SRutter entfd)ieben eine gefäl)rlid)e Operation, Ijeute ift fie e§ bei 
einer im übrigen gefunben SJlutter nid)t me'^r. SKenn ©ebärunfä{)igEeit 
oon ben Strjten nad)geroiefen ift, fönnen mir jebem ©Ijepaar, ba§ oiellei^t 
fd)on fel)nlid)ft feit :Sat)ren auf ein Kiub märtet, nur raten, ben Kaiferfc^nitt 
oornei^men §u laffen, oorau§gefet3t natürlid), ba^ bie S^rau au^er bem ^Bedien» 
fe!^ler fonft feinen Körperfel)ler I}at. (Sine SBieberljolung be§ Kaiferfd)nitte§ 
aber, bie ja au(^ fd)on mit ©lue! auigefü^rt raorben ift, raten mir bennoc^ 
nic^t an. @§ mu^ bann oielmeljr in guoerläffiger 2öeife (Sd)roangerfd)aft§» 
oerljütung angeftrebt raerben. (©ielje (Seite 253.) 

d) ^er finblid)e Körper. Sluc^ biefer fann §u einem bebeutenben 
(Seburt§I)iuberni§ rcerben. 9^id)t nur gibt e§ fogenannte „S^iefenfinber", 
bie fünf bi§ fieben Kilogramm wiegen unb bei älteren g^rauen beobad)tet 
mürben, bie fd)on oielen Kinbern ba§ ;?eben gefd)enft l^atten, fonbern e§ 
gibt auc^ S[Ripilbungen, meld)e bie glüdlid)e ©eburt be§ KinbeS gar nid)t 
raünfd)en§roert mad)en. Unter biefen ift ber SOBafferfopf bie ^ufigfte. 
Konnte er oon au^en feftgefteflt raerben, fo barf im ^ntereffe ber SJlutter 
eine langwierige unb fdjmerjljafte ©eburt gar nidjt abgewartet weröen. 
9Jlan „punftiert" bann ben Kopf, ba§ ^ei^t man boljrt i^n an, bamit Die 
glüffigleit fic^ entleeren fann unb ber Umfang bei ©d)äbel§ fleiuer wirb. 
%ann erft lä^t man bie SBe^en weiter wirfen unb njeuDet bie 3o"S^ ^^/ 
wenn ber Kopf gcfaf3t werben fann unb ber Kräftepftanb ber g-rau eine 
Slbfürpng ber ©eburt wünfd)en§wert erfc^etnen lä^t. g-rüdjte mit SBaffer* 



(5rfd)n)erte Gntbinbunc^ 325 

föpfen fmb entroeber nid)t lebensfätitg, ober fte fmb [el)r fränflid) unb roerben 
nid)t alt. 5f)re (Srf)altimg i[t alfo burd)au§ nid)t roünfd)en5roett. Über bie 
Ur[ad)e if)rer @nt[te{)ung fann nur gefagt roerben, ba^ [oroof)! geroiffe ^rei^Iauf» 
ftörungen ber SRutter roie ein ju alter 3Sater, suroeilen auc^ fein greifbarer 
©runb 2Ba[ferföpfe oeranlaffen. %k übermäßige ©ntroicflung be§ ^inbe§ im 
2)]utterteibe !:nn man gurüdijalten, inbem man bie SRutter nid)t fo üppig 
leben läßt, roie e§ fo Ijäufig gejrf)iel)t. 9^ici)t „für ätoei" effen fotl fte, ni^t 
33ier, Unmengen oon 9JIeI)Iftoffen, ^ett unb ?^Ieif^ foll fie genießen, bamit 
„ber ^unge red)t fräftig unb groß roerbe", fonbern ein äußerft mäßiges 
Seben füt)re fie, um fo me^r, roenn fie ©rftgebärenbe ift unb ft^ eine leichte 
(Seburt fidjern roitl. ®ie fetten unb fd)roeren ^inber Ijaben burrf)au§ nic^t 
immer bie beften (Säfte unb oerurfadjen 9J^üttern große unb unnötige Seiben, 
bie mitunter oon monatelangem (5ieci)tum gefolgt finb. Sllfo feine großen 
^inber roünfd)en, roo^I aber eine muntere Butter mit gefunbem ©toffroe^fel! 
*J)ann gibt e§ aud) gefunbe ^inber. 

2Iuf anbere lIRißbilbungen, bie fef)r fetten finb, gel)en roir nic^t 
nä^er ein. 

9^ur ber 3wilting§geburt, al§ einer geburt§erfd)roerenben Urfac^e, 
erroät)nen roir nod); bann ber feltenen Q3aud)fd)roangerf(^aft. SD^eift ift 
ber ©eburtSoerlauf bei 3n)iüingen träge; feljr oft finb bie ^rüd)te auc^ falfd^ 
gelagert, unb i^re 2(u§ftoßung mad)t tro^ guter Soeben feine ^ortfd)ritte. 
2)ann muß erft bie 2öenbung gemad)t roerben, roorauf bie meift fleilieren 
^rüc^te Ieid)t geboren roerben. 2Senn bie Strafte ber SJiutter aber insroif^en 
oerfagten, fo muß aud) ba 5^unftf)ilfe eintreten! 

©enaue ärjtlidje Unterfud)ung muß oerlangt roerben, fobatb fic^ auf» 
fatlenbe @rfd)einungen einftellen, 5. '&. Seibelumfang roeit über 100 ßenti' 
meter, an gegenüber(iegenben ©teilen beutlid)e ^eroegung fteiner 2;eile, große 
93ef(^roerben ber SOlutter mit Slafe, '2)arm, S[Ragen ufro. Dft roerben 
3roillinge nid)t erfannt, oft roerben aud) roeldje oorauSgefe^t, roo boc^ nur 
ein ^inb fid) oorfanb, e0 ift alfo Sßorfidjt nötig. ®a§ fid)erfte 3^^^^" \^^ 
boppelte 5rüd)te ift boppetter .^erjfdjlag, an entgegengefe^ten (Seiten 
bes! ^aud)c§ beutlid) ju oerneI)men. *3)od) fmb aud) bamit fd)on Irrtümer 
üorgefommen. (Sinb bie 3^rüd)te bagegen flein geblieben, ober tritt bie ©eburt 
oorjeitig ein, bann bleibt bie 3iuilling§fd)roangerfd)aft meift unerfannt, bie 
5-rüc^te roerben leicht geboren unb fterben balb ah. 

©ine fogenanute 33aud)fd)roangerfc^aft liegt immer bann oor, 
roenn fid) ba§ (Si nic^t in ber @ebärmutterl)öl)le, fonbern außert)alb biefer 
in bem ©ileiter ober bem Gierftocfe anfiebelt. (©iel)e %\q. 198.) 3"iöeiten 
roirb bie ^rud)t aud) unter biefen 3>crljältniffen aufgetragen, fann aber 
natürlid) nid)t geboren roerben unb ftirbt ab. 23iel t)äufiger tritt jeboc^ eine 
Dorseitige (Siureißung bea ^•rud)tfadc§ ein mit met)r ober minber ftarfer 
93tutung. (Srgießt fic^ ba§ 58lut in bie 53aud)t)öljle, fo fann ber aSerblutungä» 



326 



® r f d) m e r t e (S u t b i n b u u g. 




(S e b ti r t § l) i I f I i d) e D p c r a t i n c n. 30 7 

tob erfolgen; füeBt e» bagegeu in einen abgefapfelten 9\aum, fo entfielen bie 
befanntcn ^hitge[rf)raiilfte (bie .i^ämnto5e(en), beren (Snt[tel)ung lange unflar 
blieb. 2)ie nbgeftorbeuen (yrücf)te löfen fidj auf, eitern I)erau§, raenn (Snt= 
Sünbung unb ^urc^brud) burd) bie Q3aucf)becfen eingetreten ift, ober oerfalfen 
im beften ^alle unb bleiben in ber Secfenf)i)()(e. Sa» finb bann bie Steine 
finber, bie mitunter bei 3eftiünen gefunben roerben. Über bie Ur[ad)en 
ber @ntftel)ung ber ^aud)fcf)raanger[ct)aft ift man fid) nod^ nid)t flar; fid)er 
lüirfen neriii3fe 3ii]'tönbe barauf ein. (g§ gibt grauen, meiere eine befonbere 
'Steigung baju Ijaben. 

2tuä bem ©efagten gef)t tjeroor, ^a^ ber 3uftanb für bie grau von 
mannigfad)en (Sefat)ren begleitet ift unb nid)t Ieid)t genommen rcerben bavf. 
Sie Serftung be§ ^•rud)tfacfe§ ift meift mit Cf)nmad)t ober roenigften» ftarfem 
(Srblaffen unb Unioofjtfein oerbunben; g(eid)3eitig treten f)artnäcfige Blutungen 
au§ ber ©ebärmutter auf. Sine ?^rau, bie e§ raei^/ 'i>a'iß fie eine 33aud)= 
fd)n)angerfcf)aft f)at (roa§ burd) Unterfud)ung feftsufteden ift), mu^ eine fe()r 
i)ürfid)tige Sebensiüeifc füljren ober fi^ lieber balb einer Operation unter= 
äiel)en, um allen @efal)ren oor§ubeugen. Stritt bie innere '^Blutung ein, beoor 
man geraupt, ba^ e» fid) um 33aud)fd)roangerf^aft gef)anbelt, bann muß eine 
monatelange, äu^erft rorfic^tige 33et)anblung eingeleitet unb ber 9^at oon 
minbefteng ^roei Straten eingef)olt roerben. ©eliugt el, ber 33erftung be» 
g-ruc^tfacfeg oor^ubeugen unb ba§ 2Ibfterben unb Sd)rumpfen be§ (£ie§ 5U 
erreid)en, jo ift ber natürlid)fte unb ungefäi)rlid)fte 3Iu§gang erreid)t. 

DU geburtshUfUch^n Operationen* 

Sa^u gel)ören: bie |3öii9engeburt, bie SBenbung, ber ^aiferfd)nitt, 
bie 5(nboI)rung be§ ßopfe^ (Perforation), bie (£ntt)auptung, bie fünft» 
lid)e S^rüljgeburt, bie manuelle (gjtraftion, b. i. ba§ ^^erauljieljen be5 
^inbe§ mit ben Ajänben, ober bie Si3fung ber 91 ad) geburt (fiel)e gig. 200) 
mit ber §anb, enblid) noc^ ber 33aud)fd)nttt bei ^aud)fd)roangerfd)aft. 
(Sie alle l]abcn t>^n ^mzd, bie nid)t felbftänbig eintretcnbe ©eburt ju einem 
gliidlid)en Gnbe p füljren. ^ebe§ (Singreifen in bie Seibe^ljöljle, jebe 33c= 
einfluffung be§ natürlid)en ©eburt^oorgangeö burd) Srucf unb Qua, bei^ 
finblid)en .^örperi im allgemeinen ift nur bann berechtigt unb geftattet, lucnn 
eine falfc^c 5^inbe§lage, ein Ijinbernber SUirperfel)ler ber ^Jtuttcr ober ein '4>er» 
fagen ber 91aturfräfte nac^roeisibar unb im Ütnfc^luJB baran ^Jhitter unb 5^iiib 
gefäl)rbet fmb. Ser ^wtd ber geburt§l)ilflid)cn Cperationen ift bcmnad) bie 
'-I'crljütuug ber ©efäl)rbung non 9Jlutter ober 5linb; fie finb rettcnb im uial)rcn 
(Sinne, lucnn mit 5]ürfid)t unb llmfidjt operiert roirb unb bie 9cad)bcl)anblung, 
bie üon größter 2Bid)tigfeit ift, in rid)tiger 2Beifc jur 9(u§fül)rung fommt. 
Gin lebenbeö ^inb roirb erhielt bei 3ö"Ö<?^ Sßenbung, 5laiferfd)nitt unb Gp 



328 ® eburt§f){lflt(^e Operationen. 

traüion (.^eraugjieljung); boc^ ftnb fte für bte SJlutter fcEjmer^ljoft, au(^ ge* 
fäljrltd) unb fteti mef)r ober minber mit 3e^t:et^ungen ber 2Beid)tei[e, großen 
S3tutDertuften, [d)roerem SBoc^enbett iinb großer ©d)n)äd)e oerbunben. 91ad) 
^otfer[(^nttt unb SBenbung I)at man e§ mit SSerrounbeten gu tun, bie forg» 
fättigfter Pflege bebürfen, bamit bie üielen ©nriffe am ©ebärmuttermunbe, 
an ber Sd)etbe unb bem ®amm foroie bie großen 2öunbf[äd)en in ber ©ebör» 
mutter ungeftört p I) J(en vermögen. 33ei 2tnbof)rung be§ ^c-pfe§, um feinen 
i^nljatt 5u entleeren unb baburd) feinen Umfang gu oerminbern, bei ®ntf)aup» 
tung, um ben Stumpf oljne ^opf mittelft ,^a!en l)erou§§u3ie[jen, bei ber fünft» 
Iid)en g^rü^igeburt '^ab^n mir e§ mit Operationen gugunften ber SJlutter §u 
tun, bei roeldjen ba§ ^inb gum Opfer fällt, ^e nad) bem ^räfte^uftanb ber 
fOlutter Ijat man roo^l p überlegen, §u raeldjer Operation man fic^ p ent» 
fdjeiben f)at, raenn bie ©eburt auf natürliche Söeife nid)t met)r oor fi(^ ge^t. 
%k ^erau§3iel)ung be§ ^inbe§ mit ben Rauben ift bie einfai^fte unb natürlidjfte 
.^ilfeleiftung, aber tciber nur bann mögtid), roenn man "ba^ ^inb f äffen fann. 
S3ei ©cfjäbetlage unb cerfagenben 3BeI)en ift bie§ teiber nicf)t möglid), ba 
mu^ bie S^^Q^ ol§ ©rfa^ ber ^änbe eintreten. 33ei %u^= unb (Steißlagen 
aber fann man, rcenn bie unteren 3:;ei(e fc[)on etraa§ corgetreten finb, biefe 
faffen unb baran ben finblid)en 5^örper au§ bem @eburt§fanat ^erau§3iel)en. 
®abei finben feiten 36treißungen ftatt, unb aud) ba§ ^inb mirb nii^t oer» 
(e^t, raenn ber ©eburtstjelfer fi^ feiner unric£)tigen ©riffe bebient unb nic^t 
brutal üorgeljt. 

%xixä) bie genannten Operationen, bie tüd)tige Schulung unb große 
©eroiffen^aftigfeit bei 2Ir3te§ Dorau§fe^en, ift unenblid) üiel (Segen geftiftet, 
finb galjlreic^e 9Kenfcf)enteben gerettet raorben; teiber muffen rair fjinpfügen, 
ha^ infolge ber (Sci)roierigfeit biefer Operationen unb infolge fel)r l^äufig 
mangelljafter 2Iu§bilbung ber Str^te avi6) fet)r oft unermeßlid)e§ Unheil bur^ 
biefelben angerichtet rourbe, an beffen 3^olgen bie 9}lutter entraeber pgrunbe 
ging ober lebenslänglich §u tragen l^atte. Unge[d)idt, unoorfid)tig ober gar 
nid)t rid)tig angepaßte Operationen, auci) üoreilig aufgeführte, beoor it)re 
^Rotroenbigfeit fic^ mit (Si(^erl)eit ergab, finb unoeräeitjlid) unb für bie 9)lutter 
meift red)t folgenfd)roer. 

9fli(i)tige Sel)anblung ber ©cf)roangerf(^aft, rechtzeitig üorgenommenc 
llnterfuc^ung, !Iare§ Urteil ber jungen g^rauen über alle einfdjlägigen ^yragen, 
über i^re Slufgaben unb möglici^en ©efa^ren raerben mand)er Operation üor= 
beugen unb Unheil r)erf)üten. ^arum, i^r jungen ^^-rauen, lefet eifrig ben 
II. 2;eil unfere§ S3uc!)e§! 

'S)ie ^ons^i^geburt. ®ie 3önge befielt au§ groei 2;eilen, roelcf)e roie 
ciferne .^änbe ben finblic[)en 5?opf umfpannen. (Soll bie ^auge unfdjäblicl) 
fein, fo muß ber ^opf erftenS tief fielen, graeitenS muß möglict)ft im 2tnfd)luß 
an bie 2Bet)en ein an» unb abfdiroellenber 3^9 ausgeübt raerben. SBirb 
gleichseitig burd) p ftarfen %xnd auf ben ^opf eingeroirft, fo rairb biefer 



®eburt§l)tlf It(i)C Operationen. 329 

9equetfd)t unb üerunftaltet. "3)ammri[fe ber 2Jiutter ftnb bei ©rftgebärenben 
unoermeiblid); bei jäljen 2Beirf)teilen , großem ^opf be§ ^inbe§ finbeu aud) 
nur 511 oft ßinriffe ber (Sd)eibe flatt. ^0 et) [taub bei ^opfe» üermet)rt 
bie ©efalireu ber ^Qi^S^^Ö^I^urt unb oerbietet fie meiften§; 3:iefftanb er^» 
leid)tert fie bebeutenb. ^m erftereu %a[[^ roirb man bitrdt) Ifjei^e ©i^bäber, 
falte ^reuägüfje bie SBe{)en ju oerftävteii fud)en, um 'üzn ^opf tiefer 311 
treiben unb bie „Qanq,^" ju ermöglidjen. SSerfagen bie Sßel)en, ftecft ber 
^opf bereite feft im ^ecfeneiugang, tavm er aber mit ber 3fl"S^ ^oc^ noc^ 
nid)t gefaxt roerben, bann ift bal ^inb nertoren unb muJ3 angebohrt werben, 
um bie 5Jlutter sn befreien, ©orgfame Übcrroad)ung ber ©eburt roirb e§ 
aber su einem fo traurigen 2Iu5gang nicf)t fommen laffen. 58ei eintretenber 
@efal)r roirb man, beoor ber ^opf nnberoeglicf) geroorbeu, bie 3Senbung 
mad)en, um baä ^inb in ?^u^Iage Ijerau^äu^ie^en. 

Sßenbung unb ©jtraftion. 9Jlan unter[d)eibet äußere unb 
innere SÖBenbung. (So lange bie ^rudjtblafe noci) ftefjt, b. f). fo lange 
"öa^ ^rucf)troaffer nod) nid)t abgelaufen ift, ift erftere nocf) mög(id) unb befteljt 
barin, ba^ man con au^en burd) bie 53au(i)becte burd) bei falfd)en 5linbe§' 
tagen einen entfpret^enben ®rucf ausübt, berart, ba^ beifpielSroeife eine £luer=» 
tage in eine Kopflage umgeroanbelt roirb. S)ie» gelingt oft, allein ber 
©rfotg ift nid)t immer oon Sauer: roenn ber '^xud na^täjit, tritt gerne bie 
atte, falfct)e ^age roieber ein. (Si^erer ift bagegen ber (Srfolg ber inneren 
SBenbung, bie roir in g-ig. 187 jur Sarftettung bringen. :5()re SSorbebingung 
ift bie genügenbe (Srroeiterung be§ 9}luttermunbe§, bamit bie ^anb be» 
Operateurs einbringen fann. ^ei DJleljrgebärenben unb nid)t allju umfang» 
reifer ^anb be§ StrjteS fann bie innere SCBenbung o(}ne 23erte^ungen ber 
9)lutter ablaufen; bei Grftgebärenben aber roirb bieg feiten möglid) fein. ®ie 
Umbrefjung be§ ^inbe§ fann überbie§ bei großem 5linbe unb fpannenber ©e» 
bärmutter, ferner roenn ber Operateur nid)t fef)r oorfid)tig umgef)t, aud) jur 
^errei^ung ber ©ebärmutter füdren, bie oft burd) ba§ 3tufbrücfen be» Ijartcn 
^opfe§ bei anfänglid) ftarfen 2^^el)en bünnere StcUen ert)ä(t. (Solange 3(u»' 
fid)t auf gute 9Be!)en oorijanben ift, fann nmn auf ben 5^opf roenbcn (^ig. 193 
itnb 194) unb ba§ roeitere ber 91atur überlaffen; man erreid)t bie§ burc^ bie 
fogenannte fombinierte Sföenbnng, bei roe(d)er ftatt ber gauscn .^anb nur 
jroei ^-inger burd) 'i)^n 9}luttermunb eingcfütjrt roerben unb burc^ äujsercn 
^rucf ber finblid)c i^orper 5ured)tgefd)oben roirb. 3ft bereite @rfd)üpfung ber 
3Rutter Dorljanben, ober finb bie ^öemüljungen, auf ben 5^opf 5U roenbcn, 
t)ergeblid)e geroefen, bann gögcre man nid)t, bie ^-ujslage I}cr5uftclleu, um 
baburd) eine gute .^aub(}abe, ba» 5^inb IjerauS^ujiefjcn, ju geroinnen. '^a§ 
2ßod)enbett oerläuft nad) SI>enbungen oft beffer, ah5 nad) 3o"9C"9(^burten. 

(Sobatb bei SBenbung roie bei Zangengeburt bie 'i^tavfofc ooUftänbige 
(Smpfinbungstofigfeit t)erbcigefü()rt Ijat, beginnt ber Operateur mit feinen (Sin- 
griffen. 2)ic ^rau fü^tt nichts baoon unb ift immer fe^r erftaunt unb begtürfi/ 



330 ®ebu rt§f)tlfltd)e Operationen. 

rceun fie beim @nt)acl)en ein 5Qppetnbe§ ^inbc^en oorfinbet, beffen @timmd)ett 
\i)x rcie ^immet§mufi! entgegenfdiallt. ©elbftoerftänbUc^ werben aUe ^Iut= 
[puren unb fonftige Beugen ber Operation raft^ befeitigt, bamit bie gefcE)roäd)te 
2Büd)nerin burd) feinen unangenef)men 3Inblic£ er[d)recEt werbe. 2Iu^er ber 
|)ebamme unb bem ©atten (offe man niemanb roöfjrenb ber Operation anroefenb 
fein, ber Stnbticf be§ 3Ser[af)ren§ ift gu aufregenb. 

%üv ba§ S^inb ift SBenbung nid)t gans gefa'^rloS; forao^t bei ber 
Umbreljung in ber ©ebärmutter, al§ aud) beim Quq^ nad) außen fönnen 
leicht 93erle^ungen an ben ©liebern ober an inneren Organen eintreten. 
Sro^bem bleibt bie ^Beübung aber Ieben§rettenb unb ift anberen Eingriffen 
üoräU3ief)en. 9lad)foIgenbe ©eburt§gefd)ic^te beroeift bie§ gleid)fafl§. 

Gine 29j;ät)rige, gart gebaute ^^-rau rcar feit fünf ^atjren oerljeiratet,. 
oljne ben felinlidjen SBunfd), ein ^inb gu befommen, erfüllt §u fe^en. ^m 
§raeiten Oal)r mar 2lbortu§ eingetreten, bem infolge t)er!el)rter 33el)anblung 
d)ronifd)e ©utjünbung ber @ebärmutterfd)(ciml)aut folgte, bie ftet§ oon 
ftarfem ^lutoerluft begleitet mar. ®nblid) fanb bie fränflid)e f^rau bie 
rid)tige är^tli^e ^e^anblung, rcurbe burd) Sßaffer unb innere SJIaffage au§= 
geljeilt unb fam ein ^aijx barnac^ in anbere Umfiänbe. ^^alb seigte e§ fi(^, 
ba^ bie (Gebärmutter immer nad) red)t!§ lag, mas bie ©efaljr einer (Sd)ief=» 
tage nal)e rüdte. ^n ben legten 3ßod)en befferte fi^ biefer 3uftanb, rool)l 
anc^ besljalb, meil bie ?^ran angeroicfen mürbe, nad)t§ üiel auf ber linf'en 
©eite p liegen, bamit bie (Gebärmutter meljr nad) ber 9J^itte finl'en fonnte. 
3ur erwarteten ^^it traten bie Sföeljeu ein; nad)bem fie 24 ©tunben lang 
angeljalten Ijatten, mar ber ^opf immer nod) nid)t eingetreten; genaue Unter* 
fud)ung ergab (Sd)ieflage, au§ ber trolj aller 53emül)ungen eine ©d)ulterlage 
mürbe (alfo Ouerlage). '"Tarn nerfudjte man bie äußere ^Beübung auf hm 
^opf (fie'^e %\Q. 193 unb 194); e§ gelang jeboc^ nur, bie (Sinfeilung ber 
©d)nlter in ben ^Seiteneingang gu üerljinbern unb ben finblid)en i^örper 
bewegli(^ gu er^lten. ^a ba§ 3^rud)tmaffer oorl)er fd)ün abgelaufen mar, 
märe bei eingetretener ©infeilung bie innere Söenbung unmöglid) geroorben. 
Um ein tebenbeS ^inb gu erlangen, mu^te man fid) gur inneren ^Beübung 
unb (Sjtral'tion entfd3lieJ3en, obrooljl man bie§ bei ©rftgebärenben nid)t gerne 
tut, meil fie p enge finb unb ftarfe ©inriffe baoontragen. ®ie ^^enbung 
gelang, unb aud) ba§ ^inb fam lebenb §ur Sßelt, aber bie ^^rau Ijatte 
(3d)eiben= unb 'i^ammri^ unb oerlor oiel 33lut. Sroijbem oerlief ba§ 2Bod)en= 
bctt fet)r günftig. 9lu^er einer leid)ten 3:emperaturfteigerung am nädjften 
2;ag bi§ 37,5" C. oerlief alle§ glatt. ®ie 33rüfte füllten fid), 3lppctit fteüte 
jtd) balb ein, bie genäl)ten SBunben l)eilten tabelloS. ^a§ 5linbd)en Ijatte 
reid)lid) mütterlid)e DIaljrung unb seigte nur iene§ 9lrmd)en etraaä ermübet, 
ba§ mäljrenb ber ©eburt uorgelegen Ijatte unb ftarf gebrüdt morben mar. 
(Strenge ^iät, befteljenb ax[§ ^aferfd)leim, {'alter 9Jtild), »erbünntem .^eibel= 
beerfaft, um ben ©tuljl nier 2;nge ber 9iiffc megen 5urüc!§ut)alten, barnacl) 



©eburtsf)ilf Iici)c Opera ti oneti. 331 

ahn 2(pfelmu§, grüner ©alat iinb ^ornfaffee mit ^i^i^t^QcE/ f^^ner jtoeU 
ftünbtid) j^u nierf)ielube falte ^eibaufic[)(äge unb täglid)e ©an5abroajd)unqen 
»on 18 ^ C. com üierten Sage an t)atten oortreffüd) geiüirft. ^n ber jineiten 
Sßodje fa| bie gtücflic^e junge ^rau bereite im ©arten! 

%k (5rtraftion fann aucf) in ^ec!enenblage erfolgen (oteiBgeburt), 
inbem ber Q)eburt5t)e(fer feine 3^i9en"ger §n)iid)en Sc^enfel unb ^aud) be§ 
^inbe§ einf)aft unb gleid)5eitig mit ben 2ße^en einen fräftigen ßug ausübt. 

£ünftlid)e ?yrüt)geburt. ^\)x Qm^d ift, 9}]utter ober i^inb oot 
®efat)ren ju beraaljren, bie bei fortbeftef)enber (5d)u)angerfcf)aft ober rerf)t» 
geitiger ©eburt fid) ergeben mürben, 'tfflan füf)rt fie aus bei engem Seden 
unb bei Ieben§gefä^rlid)er (Srfranfung ber SO^utter, roie mir fdjon erroäf)nten, 
unter Slufopferung be§ 5tinbe§. ^m ^nkxQ]iQ ber 9}?utter ift bie fünftlid)e 
^rüfjgeburt bem S^aiferfc^nitt oor5U5ieI)en, im ^"tereffe bes 5iinbe§ aber ber 
^aiferfdjuitt. Qux Einleitung ber f^üf)geburt merben folgenbe 9}lett)oben 
angeroenbet: ^er (giljautftic^ (bie ^•rud)tb(afe rairb eröffnet; nac^ 3Ibgang 
be§ ^-rud)troaffer§ fteüen fid) S£>el)en ein), ba§ ©in legen oon S3ougie;S, 
bie (Sinfül)rung be§ GoIpeurtjnterS (ein mit faltem Sföaffer gefüllter 
S3allon, ber rael)enerregenb roirft), bie ©djeibentamponabe, Si}cd)fel- 
fpülungen be§ ?^hitter^alfe§ unb mebi5inifd)e 9}littel 5um (Sinnel)men. 3^ie 
te^tgenannten ^J'ietljoben fiub milbe, bie mebi3inifd)en jebod) nic^t 5U empfeljlen; 
bie erftgenannten bürfen nur düu funbiger ärätlid)er .^anb unb mit aller 93ors 
fid)t au^gefü^rt merben, bo fie nid)t ungefäl)rlid) fmb. ^ie fünftlid)e %xn\)= 
geburt t)at in geraiffen ^ranf'ljeitsfällen ber 3Hutter l)ol)e 58ercd)tigung unb follte 
gugunften oon SJJutter unb 5linb oiel ^ufigere 2Inmenbung finben. ^lidjt immer 
tonnte bie (Sd)roangerfd)aft oer'^ütet merben, nid)t immer mar bie 9?erfd)lect)terung 
be§ mütterlid)en ^efinbenS rorau55ufel)en, bann ift e§ barbarifc^, bie 9Jhitter 
erft bem 3:obe nat)e fommen gu laffen, beoor man fid) jur Sofung ber ^rud)t 
entfd)ließt. Unb bod) märe biefe Ööfung aud) im ^ntereffe be» 5^inbe§, benn 
e§ I)at nic^t oiel (änU§ üon feinem Seben gu erraarten, rcenn fid) roäljrenb 
feinet 2öerben§ fd)roere 5tranf^eit§pro5effe im mütterlidjen Crganismu^ 
abfpielten. 2öir unterftütjen feinerlei (Sentimentalität: lieber rcenig ^inber 
unb biefe gefunb unb glürflid), al§ eine ©djar armfcligcr menfd)lid)er (^efdjöpfe, 
bereu einzige 2(ufgabe barin ju bcfteljen fd)eint, iljre Umgebung 5U beläftigcn 
unb fd)lie^lid) bie ?yriebt)üfe ju beoülfern. 

^üc^ mi^oerftelie man uns nid)t! 9]id)t ber etmaige 'i^nnfd) ber 
©Itern fei mafsgebenb l)infid)tlid) 'i^cfeitigung ber (2d)iüangcrfd)aft, fonbern in 
erfter Sinie ber förperlidje 3uftfl'^^ ^^^ 9)hittcr, bann ber be» 5tinbe§. 
(Sine gefunbe DJIutter l)at bie moralifd)e 'pflidjt, il)r 5tinb auszutragen; fie 
l)atte fid) oorl)er flar ju merben, ob fie eine§ mill ober nid)t. 

,£)ier ein traurige§ 33eifpiel aus ber *'^sraris: (l'ine bveiJ3igiäl)rige ^rau 
l)atte brei äuf^crft fd)mere (Geburten Ijintcr fid), mcld)cn meift müd)cnlangc5 
^ranfenlager folgte. 3iüci iiinber marcn geftorben, eineä lebte. (Sine foldje 



332 ® eburt§]^ilfli(^e Dperationen. 

%xan '\^ätt^ nie met)r rcieber in anbete Umftänbe tommen foUen. ^ätte fie 
einen geraiffentjoften unb liebeoollen SJlann gef)abt, fo raürbe biefer mit aller 
©nergie weitere (Sd)roangerfcl)aften oer^ütet f)aben. ®r raar aber gleidjgültig 
unb kUe nur fid) felber, bie ^rau raar nur §u feiner S3efriebigung ba. ©ie 
mu§te arbeiten, roenn fie fid) roieber erholt f)atte, unb i^m bienen. 5((Imä()(ic^ 
l^atte fid) eine 2Sern)ad)fung ber nad) rüd'roärtä gelagerten Gebärmutter gebilbet, 
unb bie arme ^rau rourbe pm oierten SJlale guter Hoffnung. '2)ie Seiben 
roaren oon ben erften 2öod)en an unerträglid)e — ^opffc^mergen, ©rbrei^en, 
gro^e (Sd)iüäc^e, Unterleib§befd)roerben aller 2lrt. 2ßäre e§ möglich geroefen, 
bie Gebärmutter aufjuridjten unb bie ^rau entfpred)enb §u pflegen, fo f)ätte 
fie bie ©d)roangerf(^aft oieüeidjt in erträglid)er SBeife überftanben; bie 
3Sent)ac^fung I)inberte aber bie 2lufric^tung. ^m <^inblicf auf bie geringe 
fieben^fraft ber ^inber (jraei waren oon brei al§ (Säuglinge geftorben!) unb 
bie Seiben ber 9)]utter, bie fie bei jeber Geburt in Seben§gefaf)r brachten, 
fonnte nur ein 2tu§raeg ber rid)tige fein: oorfi^tige Söfung ber ^yru^t unb 
33erl)ütung weiterer ®mpfängni§. 2tber fiel^e hal (S§ fanb fid) fein Operateur, 
ber \\6) biefer 2Iufgabe uuter§iel)en roollte. ®ie ^rau mar nod) nic^t elenb 
genug; t§ mu^te greifbare Seben§gefat)r oorljanben fein, bamit man fic^ 
bered)tigt glaubte, in biefem ©inne einzugreifen, ©o blieb bie 33ebauern§roerte 
fi(^ felbft überlaffen. ©ie l)atte §ur SJ^ilberung i^rer ^efc^roerben oerfd)iebene 
SGBafferanroenbungen gemad)t unb fid) baburd) ^efferung oerfd)afft. 9hm 
trat ©elbftt)ilfe ein. 2ll§ ha§ @i im oierten SJIonat am weiteren 20Bad)Stum 
in ber im Keinen 33edEen eingefeilten Gebärmutter oerl)inbert würbe, löftc e§ 
ft(^ oon felbft ab, natürlid) unter su großem ^lutoerluft unb langwierigen 
Seiben. '3)er füuftli^e 2Beg l)ätte biefen oorgebeugt unb weit rafd)er an§ 
3iet gefül)rt, unb biefen ein3ufd)lagen wäre man ber gefd)wäd)ten 3^rau 
gegenüber fd)ulbig gewefen. ^-rauen, bie in äljnlid)er Sage ftnb, raten wir, 
§wei oertraueniSwürbige Slrjte auf3ufud)en unb mit Gnergie in fold)em 
^r auf l)eit§f alle bie fünftlid)e 5-riil)geburt gu oerlangen. ©elbftrebenb ift bie^ 
bie Slufgabe pf(id)ttreuer Gl)emänner, welche tia§ Seben if)rer g^rauen p 
erf)alten bemüht fiub. ^e flarer unb entfd)iebener urteil§fäl)ige G^eleute 
in fold)en g^ällen Ijonbeln, befto eljer wirb ein Grunbfa^ in ber 2ir§tewelt 
ju %aU fommen, ber einer brutalen Gefinnung gegen bie ?^rau entfpringt 
unb in l)o^em Grabe fd)äblid) für bie 9la^fommenfd)aft ift; er ift oft 
Urfac^e, ba^ fied)e 9)]enfd)en unter unfagbaren Qualen ber SJlutter in§ Seben 
gefegt werben unb fo mand)e ^-rau in iugenblid)em Stlter m§ Grab finft. 
2Ber fid) nid)t baju eignet, eine lebensfähige 9lad)fommenfd)aft in§ 2Qhen gu 
fe^en, ber follte baoon fern ge'^alten werben. Ginem nü^lid)en 33erufe p 
bienen, feinen 3^amilienpflid)ten nad)3ufommen, ift ein größeres 33erbicnft, 
eine wertoollere Seiftung, a{§ unter Gefäljrbung beS eigenen Seben§ unb ber 
Gefunbl)eit ein armfeligeS ^inb gu gebären unb hann jaljrelang barnac^ 
al§ faft unbrauchbares Glieb ber menfd)lid)en Gefenfd)aft müt)felig weiter» 



® eburtS^ilf lid)e Operationen. 333 

juleben. ©0 loie man im prafti]"d)en 2tmerifa beginnt, Brautpaaren, bie mit 
2:uberfuIo[e, @eifte5!ran!I)eiten unb anberem bef)aftet fmb, bie SSer^eiratung 
ju oerbieten, bamit burd) fie feine fronte 5)^ad)fommenf^aft erjeugt roerbe, 
fo roirb bie 3^1^^"?^ f^^^r am^ m\§ ©efe^e bringen, roeli^e franfe ^^rauen in 
bem angegebeneu Sinne jd)ü^en roerben. 9)]i3d)te ifjuen bie aufgeflärte 
g^rauenroelt oorarbeiten. 

9iü^ eine ©eburt§gej(^id)te! ©ine Srgtin erjäfjlt au§ t{)rer ^rayig 
fotgenben intereffanten %aü, ber mandje junge ^yrau feffeln bürfte: „^m Tlai 
tarn ein (£f)epaar ju mir, ba§ in feiner jungen @f)e [d)on 2;raurige§ erlebt 
f)atte. %a§ erfte 5^inb mar im 9Jlutter(eib getötet raorben, "öa ber 5^opf 
loegen SSecfenenge ni^t geboren werben fonnte. '2)ie ^yrau mar fef)r elenb 
mä^renb unb nad) ber Operation unb [a^ mit Bangen einer graeiteu Dlieber^» 
fünft entgegen. 2Iber fie blieb nid^t untätig. (Sie la§ unb forfd)te na^ 
9f?ettung§mitte(n, unb al§ fie abermals guter Hoffnung mar, befuc^te fie 
üerfdjiebene Sräte unb ^'iaturfjeilfunbige, um SSerfjaltungsma^regeln unb 
einge{)enbere Beurteilung i^re§ 3"[t'^"'5ß» oon i£)nen gu empfangen. Seiber 
fagte ii)x jeber etioa» aubereä! 9]un f)atte man fie gu mir geroiefen. ^er 
Unterfud)ung§befunb ergab: anämifdje, f leine, fd)raäd)U(^e %xau Don 29 ^a'^ren, 
ändere Becfenma^e normal, ©ebärmutter nad) t)inten cerlagert, im groeiten 
SRonat fd)roanger, fd)(ec^te§ 2(llgemeinbefinben, geraber ®urc^meffer be§ 
Bedenk etroaS nerengt. (©ie ^atti fpät laufen gelernt, el mar alfo roo^l 
^nod)enf(})roäd)e oor^anben geroefen unb baoon bie ftärfere Krümmung be§ 
^^romontoriumg [25orberge§] ^urücfgeblieben. ©iel)e Bedfen 3^ig. 348 unb 349.) 
SDIeine 2Iufgabe beftanb gunädjft in ber 2Iufrici)tung ber ©ebärmutter unb in 
fräftigenben Bäbern, bamit ein 2(u§tragen ber ^rucf)t möglid) raerbe. 9lac^ 
roenigen S::agen fd)on f)atten mir ba§ S^d erreid)t, unb bie junge ^yrau fonntc 
bei gutem Befinben unb mit neuem 9Jlute in it)r ^eim jurüdreifen. ®er Uteru§ 
blieb in nd)tiger Sage, unb bie Befdjmerben roaren oerfd)it)unben. Brieffid^ 
blieb i(^ in Berbinbung mit i^r. ©ie mar mel}rjäf)rige Begetarianerin unb 
befolgte ba[)er mit Seid)tigfeit eine ^iät, bie ben Qwzd f)atte, bie finblid)en 
^nod^en roeict) gu ertjatten. (©iet)e ©eite 322.) Sltle fatf[)altigcn unb näfjr* 
foläreid)en 9kl)rung§mittel mürben oermieben, bagegen oiel fü^e 5rüd)te 
genoffen. 2Iu^erbem mad)te fie im ©ommer üiel Suftbäber unb faft täglid^ 
ein ©i^bab, oon 38° bi» 24° C. abgefüljtt. i^Ijr Befinben mar im ganjen 
ein fef)r gute§, il)re Gräfte nal)men gu. ®a id) bie 9]ieberfunft auf (B\\t>Q 
2)e5ember ober 3{nfang :3ö"it^^ ^'^ 2tuyfid)t fteüte, lie^ id) bie junge ^-rau 
fc^on am 20. ©ejember nai^ meinem 3Soljnort fommen, mo fie fid) in ruljiget 
^enfion einmietete. "iDort blieb fie unter meiner 3{uffid)t. S)er ^opf be§ ^ötu§ 
ftanb naü) ber SInfunft über bem Bedfeneingang, rcid) aber roieber ah; c§ tvakn 
iierfd)iebene ©djutcv^en ein; auvgefprod)ene SBetjen ftcütcn fid) aber erft am 
G. ;^anuar ein. (£ä rourbe alfo enblid) ernft, nad)bem fid^ ber fleine Bürget 
moglic^ft lange 3eit gelaffen fjatte. '2)ie 2Be^en roaren gut unb fjielten bie 



334 (Seburt§I)tIfncf)e Operationen. 

ganäe 9lfld)t au; ber ^opf aber trat iiicl)t in hai Werfen ein, tro^ lieiper 
(Bi^bäber unb Unterftü^ung ber 2Bef)en burd) ®rucf mittelft meiner öänbe 
von oben. ®ie ?yrau fing an, Hoffnung unb ©ebulb p oerlieren unb seigte 
3eicf)eu ber ®rfci)öpfung. "S^as ®t)epaar roün]d)te fe^n(id)[t ein 5^inb; beibe 
weinten über bie i'd)(ed)teu 3{u5fid)ten, unb nun f)ie^ eä balb, (Sntfc^Iüffe ju 
faffeu, um bie 9}lutter nidjt in ©efafjr gu bringen unb ein lebenbe^ £inb 
5u erzielen. %a gab ^§ nur ^raet Sßege: entroeber SSenbung unb ©eburt 
be^ Slinbeä in fün[t(id)er 3^u^(age ober S^aiferf d)nitt. 3)a§ erfte f)atte bie 
@efal)r, ba^ ta§> 5^inb bei §u großem 5lopfe abermal§ nid)t geboren werben 
fönnte, roeil e§ tro^ bes Q\iQ,t§ an ben ^-üf^en mit bem ju wenig nad)- 
gebenben ^opfe im engen Secfeneingonge ftecfen bleiben mürbe; ha§ groeite, 
tia^ man bei ber Slhitter einen nirf)t ungefäf)rlic^en (Singriff in ben Drganiä= 
nni§ mad)en mü^te, ber iljr nieüeicfit neue (id)mäd)e5uftänbe fd)affte; aüer:= 
bing§ märe bann ein lebenbe^ 5linb erhielt roorben. ^d) lie^ einen er= 
probten Operateur fommen, um mit beut Gljepaar atle „%üx" unb „3Bieber" 
gu be[pred)en unb il)ren (Sntfd)(u^ ju erleid)tern. '^a trat p(ö^Iid) um elf Ut)r 
oormittagS, nad)bem bie 2Se(jen oon ad)t Uljr abenb» angef)a(ten Ijatten, ^Iafen= 
fprung ein, unb e§ rourbe befd)(offen, no^ einige (Btunben gu warten. 2)ie 
Soeben oerftärften fid) unter bem abf(ief3enben ^ruc^twaffer unb tatfäd)tid) 
fent'te fid) je^t ber Stopf. 9tun wud)§ meine 3uüerfid)t, unb als um §wei U§r 
ber Operateur nod)maI§ nad)äufe^en fam, ba war ber 5topf 5war nod) nic^t 
feft im S3e(ien, aber bod) enblid) wirf(id) eingetreten, unb wir befd)(offen 
gemeinfam, für einen eoentuellen .^aiferfc^nitt in ber Älinif beä Operateur^ 
atleä oorsubereiten, üorläufig aber nod)mal§ abiuwarten. (S^ fonnten nod) 
weitere ?5ortfd)ritte, ober aber and) p(ö^lid)e (Srfd)üpfung unb SSef)enfd)wäd)e 
feiten^ ber Äreifenben eintreten, '^ann war ha§ .^inb mit @id)er^eit aber* 
malg oerloren, wenn man fid) nid)t jum Raiferfd)nitt entfdjloB. So ftanb 
e§ um 2 U^r. ®ie '»pre^wetjen na[)men oon nun an jeboc^ an ^eftigfeit oon 
93ierte(ftunbe gu 93iertelftunbe gu; bie ^^-rau (eiftete burd) Überwinbung ber 
(3d)wierigfeiten, bie ber Äopf fanb, eine ungeljeure 93tU5feiarbeit unb rief 
immer wieber, ba^ fie eä uid)t mel)r au§f)a(ten fönne. Um brei UI)r war 
unter äunef)menber 2Iufregung ber Slreifenben — ha^ 5linb t)a. ©in präd)tiger 
:3unge oon über fieben ^^^funb Q)ewid)t, fo rein, al§ ob er fd)on gebabet 
worben wäre. 2öar ha§ eine gr^ube, ein ©(üd:! ®ie g^au war feljr erfdjöpft, 
unb nun fd)ienen fid) neue <3d)wierigf'eiten einsufteüen: bie 9^ad)geburt 
äogerte. ^d) gab Iicifse ^aud)f(afd)en, bann falte 9TÜcfenabwaid)ung, t'atten 
Seibauffd)(ag, maffiertebie ©ebärmutter, e^^ {)a{f nid)t6. 2:rei Stunben waren 
üerfloffen, e§ mu^te ge^anbelt werben, loenn nid)t abermals ein operatioeä 
(Singreifen in 3(U'5fid)t genommen werben foüte. 'Ohm Itefs ic^ bie ?3-rau ent= 
fleibet com ©atten unb ber ^ebamme über eine (Bitjbabewanne f)a(ten unb go^ 
einen Ärug mit 42° C. auf ben ^aud), bann einen foId)en mit 14° C. 
Sie quidte get)i3rig babei, nannte mic^ aud) „furd)tbar energifd)"; aber eä 



??aci)geburt. 335 

I)alf unb voax bod) eutfcfjiebeii ein beffere» 23erfa^reu al? bie fün[t(id)C iiöfung 
ber ^(ajenta (3J]uttevhic!)eu) burd) bie .sjaub, rooiind) fo f)äufig frf)iücve 
Gvfranfuugeu beobacf)tet werben, ^aum roar fie im ^^ctte georbnet, fo lag 
and) fcfjon ein großer Slhimpen auf ber Unterlage: ber dii\^ be§ l)eif3eu unb 
falten Sß^afjerl ^atte bie etroaä fdjlaff geworbene ©ebärmutter ju neuer (gnergie 
befähigt. 'Oiun erft roar alle? guti 3eit bem 5>orabenb Ijatte bie SBöd)nerin 
nid)t§ genoffen al^ ^itronentimonabe, ^^irf^i'^uaffer unb 3I;i[elfinen|"ait; eine 
^urjeljuppe mit ©rünfernflocfen fd)mec!te il)r nicijt; je^t f tagte fie über 
junger. 93e[te rol^e ^^uljnuld) Ijatte \6) oorljer jdjon beftellt, unb nun fd)lürite 
fie biefe mit Sel)agen unb a^y einige Dläljvfalj^'^isfuit? baju. ^jcitten roir oorljer 
tattreirf)e 3pei]en oermieben, fo mußten roir fie je^t nirf)t nur §ur 5^räftigung 
ber ^rau roegen becorjugeu, fonbern auc^ um gute SJtilcf) für ben (Säugling 
gu erjeugen. 3lu^erbem befam fie am näd)ften 2^age nod) .ftafevgvü^fuppe 
(^5o^enlof)efd)e) unb frifrfje älpfel. 2;er 'S^arm roar burc^ met)rfad)e Silijftieve 
fd)on roäl)renb ber Sf^acEjt nal)e5u oollftänbig entleert roorben, unb tia^ ^udcx' 
roaffer (Slanbi^juder ober friftallifierter 9^of)r5U(ferfaft in Si>affer aufgelöft) 
Ijatte fidj gut beroät)rt; benn eö roaren bie iBQij^n fo fräftig, ha^ feine melden» 
erregenben Säber mel)r oon ein Uf)r nad)t» an nötig geroorben roaren. iBIutung 
liatte gar feine ftattgcfuuben, unb nun fam Der letjte Üfbfcf)nitt ber 
©eburt5gefd)id)te : bie 3:ätigfeit ber Sruftbrüfen. ^d) l)atte bie ';Ü>ar5en 
fd)on roodjenlang oori^er füljl baben unb einölen laffen, um bie ^aut roiber^ 
ftanbsfräftig gu erl)alten, ebenfo mußten fie täglid) ge§upft unb geftrid)on 
roerben. Sie roaren bal)er lang unb gut oorbereitet. 2^rü^ be» „fd)led)tcn 
Cutters" ber jungen ^rau, bei bem fo oiele ;^eute oerljungern 5u muffen 
glaubten (benn e§ fet)lte feit fo langer 3ßit ^^leifc^, 33ier, reic^lid) ?.1iet)lfpcifen), 
f)atte bie fleine, fd)roäd)lic^e grau genügenbe a)]ild) unb naljm fidjtbar an 
Straften 5U. ^er 5tleine mad)te sroar roäljrenb ber erften 3:age mit bem 3:rinfen 
•Unftänbe, ba er üon ber langen ©eburt etroa§ angegriffen fd)ien; enblid) aber 
befann er fid) eine§ befferen unb 5üg tüd)tig. 3{uf5er bem ^Jläbeld)en, t)a§ fd)lcd)t 
l)eilte, unb ben S^erbauung^befc^roerben ber ?Jlntter, roeld)e bie cüu{)mild) nid)t 
gut oertrug, ucvlief aüc^ nad) 'iCnmfd), unb nad) ^J^onntcn erl)ielt id) auy iljver 
,gieimat bie beften 9tad)rid)ten üon bem Sefinben ber ^''^hitter unb bes i^inbesj." 
Siefe (>3eburt§gcfd)id)tc bcroeift, ba^ and) bei fd)roäd)lid)em .Qörpcvbau unb auv» 
gefproc^enem itörperfeljler bnvd) umfic^tige ^lUelljoben nod) uiel 5U errcidjcn ift. 

Die Dachgeburt. 

3Bir bel)anbeln fie in einem befonbcren 5lbfd)nitt, roeil fie in bem ©eburtoa 
Derlauf eine grof3e 'Jiolle fpielt. 3tuf <3eite 29G ift an§gefül)vt roorben, roeld)e 
Sebentung ber 90^utterfnd)en, bie ''Jiad)gebnrt, bat, unb auf Stafet 3h*. 9 fel)en 



336 



IJlac^geburt. 



rcir bie teilroeife SIblöfung ber ^la^enta famt ben @if)äuten, foroie t^re coli» 
ftäubige 2Iu§fto^ung. ^ei gutem @eburt§oerIauf unb bei !räfttger ©ebärmutter 
treten nad) ber ©eburt beä ^tnbe§ [o fräftige 91aci)n3ef)en auf, ba^ bie S^ad)» 
geburt oI)ne jegtic^e Unterftü^ung in einer SSiertel- ober in einer falben ©tunbe- 
geboren rairb. ©rft wenn bie§ erfolgt, nimmt man bie Steinigung ber 2ööd)nerin 
oor, lä^t fie etroa§ genießen unb forbert fie auf, ein ©d^Iäfd)en §u mact)en. 
SBeber 33tutungen noc^ ©ci)mer3en treten bei gefunben g^rauen nact) 2tu§fto^ung 
ber ^laäenta ein; t)ielmel)r freut fie fic^ ber iiberftanbenen SDIü^en unb barf 
erft je^t ba§ @eburt§gefc^äft al§ oollenbet betrauten. (Sofort legt man il)r 
einen Seibauffcf)rag, in frif^eä Sßaffer getaud)t, auf, bamit bie 3i^['iK^tttßtt=' 

gie{)ung ber ©e^ 
bärmutter burc^ 
ben^ältereijfräfs 
tiger erfolge unb 

anberen ©tö= 
rungen üorge= 
beugt raerbc. @r 
mirb alle groei 
big üier ©tunben 
erneut, ^eij^rofts 
gefügt unb falter 
Öa{)re§5eit forge 
man für roarme 

33ebec!ung 
(3^eberbett), aucf) 
SÖBärmef(afd)e an 
bie 3^ü§e, unb 
üer^inbere be0= 
f)alb ben 3"ii^itt 

frifdjer Suft nid)t, inbem man bei glei(^mä^iger ^ei§ung immer eine f^enfter^ 
fpalte offen lä^t. %k ©ebärmutters^nnenfeite, bie anfangt au§ einer großen 
2öunbf(äd)e befielt, "Ha bie ®it)äute il)r boci) feft anhafteten, siet)t fid) immer 
meljr gufammen, fo ba^ bie offenen ©efä^rö^ren fic^ fc^tie^en unb fein 
93Iuten mel^r ftattfinben fann. 

3ögert jebocE) bie 9^acJ)geburt, fei e§ au§ injrotfcfien eingetretener SCBetjen» 
fd)n)äd)e ober allgemeiner ®rfci)öpfung, bann raenbet man ben ©rebefc^en 
^anb griff an (ftelje %i%. 199), ber barin beftef)t, ba^ man ben ©runb ber 
Gebärmutter mit ber ganjen ^anb umfaßt unb fie nac^ bem ^reujbein p 
brücEt, um it)ren :önl)att gleic^fam au§3uquetfcf)en. ®abei mu^ ber ®aumen 
auf itjrer oorberen SBanb, bie übrigen ^^inger auf ber I)interen liegen, unb 
ber ©rudf barf nur gteid)äeitig mit einer SOBeI)e ausgeübt merben. tiefer 
©riff ift, fräftig au§gefül)rt, fc^merg'^aft unb entringt ber 2ööci)nerin meiften§ 




JJtg. 199. 2)cr ßrcböft^e |»ottbgriff jutr ©ntferttung ber dlaä^Qtiuvt 



ii Ja^AT 



iuß znu ariubw »sloH mssihBnas'» aov 2jfcihf>qi9bmH laiV 
2ßW - .ns/injl •*i9bniH jbnuzaD, IsliqsH arlDisignßhraj ^ßb 
riauß rioiubßb bnu ngdiald bnu2sg sUi firrißb .noriadozss «^«'^"1 
9HD2ib92 bnu srijüdisl gib rioiz hazzuB «// bnu nabow nörijf. 
izi nsdoznalf nagiiuad loh UaAAoHgz'iH vfCT «•rtbdbnuüsO 
lafaniH onödoÄ doiWliw zzcb ,Ht.faiowLi 
ildal sbni>i maniH .ibi>1jv' -^ioflr; ■( . 
ariaihüißn sib ci-iiuhnB r; 
msb .ußdiabaili ) aJöimon .^.,;»,/i , ,j , 



n(>d32 

4 'f'i anis 

Ol ,»bnu2s§ oib 

u ttinb .slfühßßH 



laQ .wzu jl3uib?uA arioilbni;! riailbnusil .oiyligrf isb naJiaiy 
aSibnuJ zßb lij! Isbnil JiaHHo^normuJlii)! nab i9fnfnß( isnßg 
- \ AouihzuR non'isz llowiabniH nagiiusH i»b ni nodoz aguR 
,bniH sJjioßn zßb jjiijs fiDHoigbaHD allov ,uBdijqiöH n9güjßi>i 
-ßlogov noy bnu lisidio riolinngJkjM lun zßb ,n9d3b9n'=l zßb 
zuß srnrienJuA igniaz us ißw z3 .Imrnßiz msHS nsfansdsl ilazii 



h": 



-rißiniö Bvif) 
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-U9ST9 I. 

-MV — i9bi9l .rioilriw 
-rnu US }zi z^ nfl9b 



i9rißb .nabTüw 

J ^ußriaiub 

*a398ßb Jßijio^j 

«daziil iadßb 

^^Bb o'ih ,QÜiji-ii 

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.1 .griuJdaßiJi 

liyj nonial;! tii 

9ib ,9nöT nsj 



n9<-.,-<'-> ■. 
'jbaald aiii 
sHsixrtB c 

Iriaib ... 

J? 9Jb 19«1 



nu riozni Jzi dsdsldDizsD niv. 
>T nonb nislri^ußfl ni92 ladß 



nov isil ri3on Jzi ^zuidialioM lab nß .norijbshT 

Zßb Jzi mabni/l vAv nab nov 9l?.nörioz 2 jC 

•rd9Z >i'>»nbzuK fjhnonn?« nszgab ,n9ri3i^i 

tizaD 9ZZÜZ it^ 

. i-.,iü>Izßb ,Jll9riiy .■,^.,, ^„r,,„ 

.brnail ii>dß mdi Izi n9§nu[ n9bn9ri3ß( z9b 9rai9n3 »iü 



33'. 



TAFEL 11 



:! ao. 'iviii iucnu o\c5 'cx]Oio^i, nimmt mau tic yit^uiguuQ öer 'i. 

t fie etroc^ nentcficn iinb fnrbrrt.fu» twü .'i,. ,{?rMäf r-.,,,. ... 
Vier Kinderportrats von eigenartigem Keiz, welche uns au! 

das umfangreiche Kapitel „Gesunde Kinder" lenken. — Was 
• • -muss geschehen, damit sie gesund bleiben und dadurch auch 
'ii; schön werden und wie äussert sich die leibliche und seelische 
Gesundheit? Die Hässlichkeit der heutigen Menschen ist 
schon so hochgradig geworden, dass wirklich schöne Kinder 
eine immer grössere Seltenheit werden. Einem Kinde fehlt" 
die gesunde, rote Gesichtsfarbe, dem anderen die natürliche ■ 
HaarfüUc, dem dritten der kräftige normale GHederbau, dem' .' 
vierten der heitere, freundlich kindliche Ausdruck usw; ,^p€if. f 
ganze Jammer der Kulturmcnschheit findet für das kundige ,., 
Auge schon in der heutigen Kinder weit seinen Ausdruck! — 
Kräftigen Körperbau, volle Qliedcrchen zeigt das nackte Kind,' 
das Friedchen, das nur Muttermilch erhielt und von v6geta-''' 
risch lebenden Eltern stammt. Es war zu seiner Aufnahme aus 
dem Schlafe geweckt worden, daher schlecht aufgelegt — un^, 
wollte im Sonnenbad durchaus kein freundliches Gesicl^ .-). 
machen. Das vierte Porträt dagegen gibt uns das Bild einer 
gesunden Fröhlichkeit, dabei frische Augen, volle Wangen 
und eine blonde Haarfülle, die das liebe Kindergesichtchen 
um so anziehender erscheinen lässt. Das dritte Bildnis gcf 
winnt bei längerer Betrachtung. Ein herziger, etwa einjäh>- 
riger Junge dreht den kleinen Leierkasten und freut sich 
sichtlich über die feinen Töne, die seine Bewegungen erzeu- 
gen; sein Gesichtchen ist frisch und fröhlich, leider — ver- 
dient aber sein Bäuchlein einen Tadel, denn es ist zu um- 
fangreich. Friedchen, an der Mutterbrust, i^t noch frei von 
solchem Fehler! — Das schönste von den vier Kindern ist d^s 
dreijährige kleine Mädchen, dessen sinnender Ausdruck seh^, 
anziehend wirkt. Das süsse Gesichtchen wird durch strah- 
lende blaue Augen erhellt, das Körperchen ist zart und doc\C 
voll. Die Energie des lachenden Jungen ist ihttialjcrtteriid»'' 

tefir ftattfinben tarn. 









V V 







Die Frau als Hausärzlin. 



Tafel IL 



9J a d) 9 c b ii r t. 



33: 



einen (Sdf)rei, aber er ift aud) fel)r rorrffam. SSill man il)n einer r)te(Ieid)t 
nod) jnngen empfinb(id)en 9Böc!)nevin evfparen, bann luenbc man lieber ben 
2ßeci)fe[gnt3 anf hzn 53and) an. )Si\an Iäi3t bic }yxaii oon ,yüei '^l^erfonen 
über eine 2öanne t)a(ten unb 9icf3t jucrft einen Gimer oon 42" C, bann einen 
Don 14° C. Quf it)ren Seib; in ben meiften.^äden mirb barnad) bie ganje 
97act)gebnrt fd)mer3lo§ anf bie Unterlage [atlen, nnb bie ©ebärmntter roirb 
fid) barauf fräftig sufammenäie^en. SSie bie @eburt^gef(^id)te auf (Seite 333 
lefjrt, ift biefer 2ßed)fe(guf3 oon präd)tiger ^iöirhing. '2)er aÜQ Safferarst 
Dr. fingier empfie(}(t für bie 9iarf)geburt§periübe ba§ falte Si^bab 
Don 12° C. unb I)at au^gejeic^nete (Srfolge bamit errungen, ll^kn fann e» 
rutjig anrcenben, roenn ber Sßedjfelgnfa fid) 
al§ ungenügenb erroicg. 33(eibt aber and) 
ba6 (Si^bab rairfung§to§ unb finb feit ber 
©ebnrt beg ^inbe§ metjrere Stunben t)er= 
ftoffen, of)ne ba^ fid) ber 3}hitterfud)en 
löfle, bann bleibt nur bie :?öfnng mit ber 
^anb übrig, mit ber man nid)t lange 
raarten barf, roenn ununterbrod)en ^(ut 
fto|3. ^auu finb brei Stuubcn fc^tm jn 
lange! dagegen fann man and) über 
Sef)n (Stunben raarten, roenn feine 53tutung 
ftattfinbet. 9^iemat§ geftatte man ber 
.ipebamme, an ber 9]abelfd)nur gu jiefjen, 
benn biefe fann Ieid)t abreißen, ober ber 
3ug fann aud) gur Steilung bc§ ?3]utter= 
fnd)en§ fül)ren unb bei abermaliger ^(o^* 

(egung oon ©efä^en bie oorijanbcne Blutung nod) i)erincl)rcn. '43erraa(^fung 
be§ 9}]utterfud)enä nad) ent5Ünb(id)en 33orgängen in ber ©ebärmutterfd)Ieim= 
()ant, rae(d)e fid) burd) (Bd)mer5en unb Sfu^ifhifj niäfjvenb ber Sd)iüangcrfd)aft 
äufserte, ift geroüt)nlid) bie Urfacf)e ber 3iii-"iictf}nltnng bey 3}hittevfud)cn^3 nnb 
fommt leiber nid)t fetten cor. 33eftänbiger 5iatarrl) ber ©ebärmuttcr, 5u 
fjänfiger gefc^(ed)tlid)er 33erfe()r mä()renb ber (3d)raangeifc^aft, 3lnftecfnng 
feiten§ be-3 9J?anne§ burd) ^Trippcvgift unb anberey me{)r finb U>eranlaffung, 
ba^ bic (3(^teim{)aut ber ©ebännutter fid) d^ronifd) cnt^ünbet unb aud) mit 
ber ^lajenta fefter t)erraäd)ft, abS bie§ unter anbeven Umftänben ber )sa[[ 
ju fein pflegt, ^ann fann bie ^öfung aud) nur unter einer gcraificn 
©emaUanmeiibung ftattfinben: burd) ':}[b5iel)en nnb 5lbfd)aben miltclft 
ber Siiißer beS geübten SIrjteg. ^-ig. 200 ftellt bie manuelle i'öfung ber 
^lajenta burd) ben Operateur bar. ®ir fcl)eu bie uicr (Vinger be^^felbcu 
än:)ifd)en ©ebärmutterraanb unb (5il)äuteu fid) fortberaegen unb fönncn un5 
Ieid)t Dorftetten, bafs auf biefe 3Seife aud) feflueriüad)fcnc Stellen norfidjtig 
gelüft rocrbcn fönnen. 2)ie menfd)lid)e ^^anb ift ja ba§ feinfül)ligfte unb 

ütc A-rau ül9 C>au?änt(n. 22 




Söfung ber 9ind)gc6urt burd) bic .^niib 
bc'5 Cpcrntcur!?. 



338 91ad)geburt. 



oonfommenfte i^uftrument, oorauSgefe^t, ba^ fte bur(^ ein entraideltcä @c» 
l^irn geleitet roirb. 

9latürlid) t)at bie[e§ SSerfal)ren anä) feine ©efa^ren, wie alle (Singriffe 
in bie Seibe§l)öt)ten; (Sutjünbungen, lieber, (Sd)mer5en fmb t)äufige ?^oIgcn 
unb barum ift e§ unoerantroortUc^, ha'^ biefe SIrt ber Söfung oorgenommen 
wirb, raenn bie ^la^enta faum §roei ©tunben §ögert. 9^ur al§ äu^erfte 
2lnn)enbung, aB le^teä Hilfsmittel fei bie fogenonnte manuelle Söfung 
geftattet. ®a^ fie unter ^eobad)tung äu^erfter 9?einlid)feit feiten^ be§ 
5träte§ ausgeführt roerben mu^, bürfen mir at§ felbftoerftönblid^ t)orau§= 
fe^en; benn mürbe er o^ne ^ürftung unb SQBafferbab (in meldjem am beften 
©ubümatpaftillen aufgelöft raerben) in bie @ebärmutterl)öf)Ie eingeben, fo 
fönnte er nur gu leicht roin§ige ©d)mu^tei(d)en in il)re Sßunben übertragen 
unb baburd) (Sntäünbungen oeranlaffen. Qu gro^e ^einlic^feit beS SlrgteS 
in biefer ^infidjt fann alfo niemals fd)aben. 

3(ud) ber gefäl)rli(i)en SfZadjbhitungen muffen mir no(^ gebenfen, 
bie ftetS in ber DladjgeburtSperiobe auftreten. 9}langeII)afte ^iifanimen» 
gie^ung ber ©ebärmutter, baf)er Offenbleiben i^rer oerte^ten ©efä^e, ift bie 
Urfad)e; folglid) mirb bte ^eljanblung barin befte!)en, biefe ßufammen» 
Siet)ung mit allen SJtitteln gu erretten. Unfere erfte 2lnroenbung mürbe in 
ber 9)]affage beS ©ebärmuttergrunbeS beftel)en, roeld)e als ^reiSftrei(i)ungen 
lei^t, ol)ne ftarfen ®ruc!, auSgefül)rt merben mu^. SBenn eS fid) nid)t um 
größere SSerraunbungen, mie §. 53. nad) einer SBenbung, Ijanbelt, mirb fte 
faft immer auSretdjen, um bie Blutung jum ©tillftanb ju bringen. ^\i bieS 
ni^t ber gaü, bann üerfud)t man eS mit tl)ermifd)en Sf^eijen, inbem man 
eme fel)r Ijei^e (50" C.) ober eine fel)r !atte SluSfpüIung in bie ©^eibe 
oornimmt, rael^e rcof)l fc^merjljaft aber aud) roirf'fam ift. Slet)rt bie '^Blutung 
mteber, fo mu§ ber Slrgt etnge^enb fid) überjeugen, ob t)om SJiutterfuc^en 
etraaS Rängen geblieben, ob am SJluttermunb eine größere SKunbe entftanben, 
meld)e bie Urfad)e ber Blutung fein fönnte, ober ob ein (Sd)eibenri§ über=> 
fet)en rcorben ift. ^ft bteS alleS nid)t ber g^all, bann ift nur (S^laffljeit ber 
©ebärmutter M. "SJagegen rairl't baS ^inglerf(^e ©i^b ab öortrefflid^. 
Dr. fingier, ein begeifterter Sd)üler oon ^riejini^, fd)reibt in feinem 
S3u^e über „®te rationelle Slnroenbung beS falten unb temperierten SOBafferS 
bei ©d)mangeren, ^rei^enben unb 2ööd)nerinnen" über t)a§ falte (Si^bab 
in ber fünften ©eburtSperiobe folgenbcS: „%k ju ^abenbe mirb 
üon sroei ^erfonen auS bem 33ett get)oben unb fd)mebenb über bie ©i^babe= 
manne geljalten, raä^renb beffen bie .^ebamme iljre ^änbe in baS 2Bttffer 
taudjt unb bamit Unterleib unb Slüdfen ber Sabenben einreibt. 9^un tä^t 
man fie inS ^ab nieber; meljrere ^erfonen reiben fräftig im Söaffer ^iteuj, 
Senben, ^au(^, bann gibt bie ^ebamme auS ber ©ie^anne einen fräftigen 
©tra^t abroed)felnb auf bie ©d)o^* unb Senbengegenb, rcorauf biefe 2;eile 
roieber frottiert roerben. ^laä) je einer 3Jlinute roirb bie ®ufd)e oon neuem 



25od)enbett 339 

Qppüjiert, bann toirb bie ^-rou auf ba§ 33ett gelegt, gut getrocfnet unb 
erroärmt burd) (^-eberbetten unb ^-rottiereu mit beiben .Rauben. 9ied)t§ unb 
linf» üom 58ett feljt fi^ eine ^^^erfon, bie ruijig, ot)ne ju [c^iitteln u:ib bie 
^eic §u lüften, bie (2d)enfe( reibt, ^ie Griüärmung nad) tex ftarfen 
2tbfüt)(ung lege id) jebem Hr^t a[§ bringenbe ^^flid)t an» -öerj. ^a§ 53ab 
bauert brei bi:5 fünf ?,l]inuten unb \)at nad) beni crften fteinen Sc^recf fteti 
Söo^lbe^agen §ur ?yo(ge, fo ba^ felbft ängftüd)e SBö^nerinnen ausrufen: 
„2Ic^, raie gut!" ^c^ garantiere jeboc^ nid)t für ben (Srfolg, roenn bal 
Sßaffer roärmer als 10° K. ift." — So raeit ber alte, erfahrene 2öaffer» 
ar^t. 3^ber 93orurtei(5freie roirb fid)er bie Gnipfinbung t)aben, ba§ ein 
folc^e» Si^bab unenblid) oiel angeneljmer unb gefaljrlofer ift al^ bie ^üljr» 
fenfd)e 2:aniponabe ber ©ebärmutter, rce(d)e all le^te» SRittel gegen 
Uterusblutungen in ben Spitälern ausgefüljrt roirb. '3^ie 2Iu5ftopfung ber 
Gebärmutter beroirft nid)t nur Stillftanb ber 33lutung, fonbern erregt 
roirflid) ^iifantmensie^ung ber erfd)(afften ©ebärmutterroänbe, allein fie \]i 
aud) fel)r fd)mev5l)aft, erjeugt fel)r oft lieber unb geljört nid)t gu ben 
niilben 9}]itteln. 

^a^ bie l)]ad)bel)anblung nad) operatioen ©eburten befonberl oorfid)tig 
unb forgfältig fein mup, foU Ijier nod) befonberl ^erDorgel)oben roerben; bie 
@efal)r ^u 9]ad)blutuugen ift ha befonber» grop. 3Ir3t unb .^ebamme Ijaben 
nod) ftunbentang nac^ erfolgter Gntbinbung bei ber 23üd)nerin gu tun, biä 
fie enblic^ nad) längerer 33eoba^tung fagen fönnen: fie ift au^er @efal)r! 

SRüc^te bie t)orfid)tige 3Inrcenbung bes Sßaffer» eublid) fiegreid)en (Sinjug 
in bie ©eburt5l)ilfe l)alten unb gum 2öof)t be§ roeiblid)en ©efd)led)te» bie 
Operationen jum Seil oerbröngen. 

Das wocDenbett. 



®a§ normale 2öoc^enbett. '2)en ^^it^Mc^^t^t com 2rbfc^Iu|3 ber 
©cburt h\§ 5ur ooüftänbigen SBunbl)eilung unb 9?ücfbilbung ber burc^ 
Sc^roangerfi^aft unb ©eburt oeränberten ©efd)led)t§organe nennt man 
„©oc^enbett". ©iefe ^^it bauert bil über fed)§ ^ßoc^en, ift aber feincy= 
roeg^ mit ^ranffcin oerbunben. 'S^ie gefunbe '©öd)nerin ift nad) ber ©cburt 
rooljl ermübet unb rul)ebebürftig; auf5cr einigen 9]ad}roel)en t)at fte jebod) 
roeber Sd)mer5en noc^ ernfte 53eid)roerben. ^-£}enn Ictjtere fic^ bcnnod) ein= 
(teilen, bann ift, fofern bie ©ntbinbung eine leichte mar, nur bie falfd)e "^^fl^gß 
im ^JCßüc^cnbett fd)ulb. SScnn man fid) bicfe unb jene 5lrünfcugefd)id}te Don 

22* 



340 aS d) e n b e 1 1. 



fd)raeren SBocf)enbetten erjagten lä^t, ba f)ürt mon allerbing§ bie fonberbarflen 
S)tnge über ba§, roal einer 2ööd)nerin angeblid) not tut, unb ba§, roaä il}r 
fc^abet. 2(ud) in gebilbeten Slreifen begegnet man nod) großen SSorurteiten 
unb üerfe'fjrten @erao!)nf)eiten. Unraiüfurlid) fd)raeift ber 331ic! u\§ SDIittelalter 
jurücf, unb wir jef)en im I)od)getürniten 93ette, in niebriger, bumpfer ©tubc 
— Suft unb Sicl)t fd)aben angeblid) einer 3Büd)nerin! — eine ^-rau in ^eberu 
[c^rai^en, bie fid) in bem beneiben§roerten ^uftanb einer 2ööd)nerin befinbet! 

©in ';Iöa[ferfüppd)en ift bie 91al)rung ber 2Böd)nerin (ba^ raar nod) ba^ 
befte in ber gansen @inrid)tung), unb eine 33erüf)rung ber ^aut mit 3Baf|er 
mürbe ül§ eine ©efäljrbung i^re§ 2eben§ betrad)tet merben. 

Sflidjt oiet befjer mad)t man eä f)eute noc^ in oiefen ©egenben mit if)r. 
2tnber§ bagegen (el)rt un§ bie fortgeid)rittene ^eitfunbe, bie 3(uff(ärung auf 
I)i)gieniid)en ©ebieten. 23ie( Suft unb Sid)t u\§ 3Bod)enbett5immer, fofort 
falten 2tuffd)lag auf h^n Seib, ber fo raunb unb ermübet ift, füt)Ie 
9lbraafd)ungen be§ ganjen ^örper§, laue Übergießungen, Cbft unb 9J?i(d)- 
biät; fein 93rot, fein ?y(et]d), feinen S^affee ber äßöd)nerin, bi§ btc erfte 'il>üd)e 
«orüber ift. ^ctfen nötigenfalls nod) laue 0t)ftiere nad), raenn ber ©tu^U 
gang jögert, bann finb feine 3(bfül}rmittel nötig; bie ^Berbauung mirb Dor= 
güglic^. ©d)(af unb ©timmung bleiben g(eid)faüS gut, unb iljuen entjpred)ent> 
er^öt)t fid) oon 3:;ag §u 2:ag bie 9Jli(d)abfonberuug. ^ei jeber normalen 
3^rau ftellt fie fid) ein unb trägt mefentli^ ^ur 6rl)altnng il)rer @efunbl)cit 
bei. ©ie oerfiegt bei S'iß^^i^/ ober cerjögert fid) nad) ftarfen ^lutoerhiften; 
fie roirb üon ©djmerjen unb ©d)mel(ung ber Prüfte begleitet, menn ber 
©äugling ju roenig trinft unb bie 't[RiId)brüfen ju ftarf gefüüt finb. 2Birb 
bem 5^inbe au5 irgenb me(d)en ©rünben bie natürlid)e, mütterliche Ülaf)rung 
uerfagt — bie» bebeutet immer ein fd)it)ere» Unredjt gegen ba^o 'Oieugeborene; 
benn nid)t§ fann i()m t^n ©enuß an ber SJlutterbruft unb bie 93ortreff(id)feit 
ber 9JluttermiId) erfe^en — , fo leibet bie SRutter fdjmer borunter, ^ie 
©d)raenung ber Prüfte nimmt fo ju, baß bie 2Böd)nerin bie Strme faum 
beroegen fann unb Ijcftige ©d)mer5en im 9lü(fen unb in ber 33ruft, oft mit 
^-ieber begleitet, eintreten. 2:ro^bem roirb biefe Unterbrücfung einer uatür= 
Iid)en 2;ätigfeit auf Sloften ber ©efunbljeit be§ TtinbeS fo oft geübt, unb nur 
mit ©d)mer5 benfen mir an bie roeiteren ^-olgen biefeS törid)ten, unoerant- 
roort(id)en ©ebarenä. 

Sie S^ürfb Übung ber ©ebärmutter ift gleid)fan^5 ein SSorgang 
oon gröfiter 53ebeutung für bie ©efunbljeit ber ^^-rau. 3{u§ ^-ig. 176 ift il)re 
^orm unb ©röße unmittelbar na6) ber ©eburt erftd)tlid). Soroie bie ^ad)' 
geburt au§geftof3en ift, gieljt fie fid) jufammen unb nimmt al(mä()lid) il)re 
urfprüugtic^e ©eftalt roieber an. 'äi§ große Ijarte i^ugel ift fie in ben erftcn 
2;agen nad) ber ©eburt burd) bie 33aud)bed"e burd) ju füljten; immer fteiner 
roirb fie, b\§ fie enblic^ am groölften S^age im f (einen ^ecfcn roieber 
»erfdjroinbct. Sie in biefer 3eit befonber§ bei 9J]eIjrgebärenben auftretenben. 



^Eorfienbett. 3 41 

oft red)t fd) m erst) af teil 9'lad)roet)en tragen jur D^ücfbilbung ter ©ebärmuttcr 
iiod) bei. Grft nac^ fed)y 23oc^en i[t bie ©ebärmuttcr im alten ^uftanb, 
obgleid) etroas üergröfsevt, fo ha]^ fie fid) oon einer jungfräulichen beut(id) 
unterfd)eibet. '2^ie geroaltige 2(u5be!)nung, iüelcf)e bie Gebärmutter roät)renb 
ber Sdjroangerfdjaft crleibet, bleibt nic^t oI)ne ^yolgen auf if)re ©röBe 
unb ^orm. 

^er 2Bod)enfIu^ (2od)ien) entfte!)t burc^ bie 3Ibfonterungen ber 
Söunbf(äci)eu ber Gebärmutter unb ertifcf)t naturgemäß mit ber 2(u5f)ei(ung 
ber ©ebärmutter; bie» gefdjieljt nact) oier bii= fe(^§ Sß>od)en. ©r ift in ben 
erften XaG,tn nac^ ber Geburt blutig unb Ijellt fid) immer mef)r auf. kräftige 
3^rauen, bie nie unterleibsleibenb rcaren, f)aben geringen 9I>od)erffuß; 
fd)raäd)lid)e, bie ju ^Blutungen neigen, '\:}ah^n §u reid)tid)en unb §u buitigen 
^tbgang. ^ei guter a3erbauung, falten £eibauffd)(ägen v.at) Dorfid)tiger 
(Srnäljrung f)ot ber 2Iu5f(uß feinen üblen ©erud); e§ fe'^Ien Seibfdjmerjen, 
unb aud) ba§ SBunbmerben an ben ©efd)ted)t5teiten tritt nid)t ein. 

^^n{§ unb $i;emperatur ber gefunben 55öd)nerinnen jeigen fteine 
iSc^roanhingen, aber raeber „?[Ri(d)ficber" nod) ^eräfd)mäd)e jeigen fid). 

^er ©tuf)Igang ift in ben erften 2'agen meift angeljotten, tei(:§ roeil 
man fd)on üor ber (Sntbinbung ben '^arm entleert I)at, tei(§ ineil bie S3aud)^ 
preffe fraftloS ift unb man otjuebiec^ einige Stage lang roeniger genoffen f)at. 
S3ei fIeifd)Iofer, Ieid)ter ®iät, roie bereits angegeben, unb ben anregenben 
falten 3Iuffd)tägen ftellt fid) ber Stuljtgang von fe(bft ein, unb ^armbefd)roerben 
bleiben au§. '^a§ übliche SiijinuSöf, ba§ oiele 9Böd)nerinnen fo fd)n)er nehmen, 
ift gans überftüffig, roenn man 3(pfelmu§, 5^irfd)en, garten (Batat ufro. gibt 
unb barmfüüenbe, oerftopfenbe Opeifen oermeibet. ^ft bie 33erbauung bennod) 
ctmal träge, bann genügt ein roarme» S^(i}ftier mit öl. 

3iem(icf) einig ift man barüber, raie lange eine Sßüd)nerin nad) ber 
(Sntbinbung liegen fotl; im adgemeineu fo lange, h\§ bie Gebärmutter in 
bie fteine 53ec!en{}üf)[e surücfgefunfen ift unb bie 33ettn)ärme unb $8ettrut)e 
unangenef)m ju roerben beginnt, ^ann brängt e§ bie 9}hitter au6 bem 
33ette f)erau5. "S^ieB ift gemöl)nlid) am od)ten h\§ gefjnten Stage ber ^all. 
3ft aber grofse (Sd)it}äd)e üort)anben, bie 9?uf)e unb <2d)onnng erl)eifd)t, geljt 
immer nod) §u oiet 33(ut ab, ift bie SÖüd)nerin überf)aupt fd)mäd)Iid)cr 
9ktur, bann bleibe fie ruf)ig fo lange liegen, al§ il)r bie 53ettrul)e mol)( 
tut, unb roenn e» 14 Stage fmb. ^ebiuebe ^ranfenpflege mufj mol)l üon 
allgemeinen ^'rin5ipien geleitet, aber ftetiS ben 25erl)ältniffen ber Traufen 
angepafst merbeu. 

®ie ^yrage: SS^ie lange muß bie ^-rau nad) einer ©ntbinbung 
fejuell gefc^ont m erben? mirb ber ^Irjtin oft geftellt. Sic ift furj 
folgenbermaf5en ju beaulmorten: fo lauge, bi§ bie ^^-rau bie alte 5!raft unb Gc* 
funbl)eit Dollftänbig roiebererlangt Ijat. 33cfanutlic^ merben im allgemeinen fed)S 
Socken jur Sföieberl)erftellung ber iDeiblid)en Organe in 9fnfprud) genommen ; 



342 2Ö cE) e n b e 1 1. 

[elbftocrftänblid^ mü^te ftd) jebe ©ntbunbene oud) mtnbeften§ eben[ü(ange 
be^ eI)eUd)en Umganges enttjolten. Sinb ber ©ntbinbung aber fran!^afte 
©törungen gefolgt, bie ärjtUdje (Singriffe nötig ntadjten, bann genügen nid)t 
fed)§ 2Bo(^en 9?uf)e, fonbern e§ fmb SJionate nötig, ^m ^beal§uftanb ober 
wirb bie ^-rau fo lange ben Tlann meiben, al§ fie fii^ bem ^inbe gu roibmen 
I)at, alfo folange fie ftitit. (?S ift teid)t t3erftänblid), ba^ Ijöufige fejuelle 
9^eisnngen, insbefonbere bei fct)n)äcf)Ii(i)en ^^rauen, bie 9JliId)er5eugung unb 
53efd)affenl)eit beeinfluffen, ja fogar ein fd)neüere§ 9?erfiegen ber bem S^eu» 
geborenen fo roertooKen 9f|a!^rung§que(Ie red)t Ijäufig §ur ^-olge fjaben. Slnc^ 
ber früt)äeitige Söiebereintritt ber 9)]enftrnation ift in ben meiften g-ätlen nur 
auf eine fd)iüäcl)enbe 2Inftrengnng ber ©enitalien prüdsufüfjren unb Derbraud)t 
eine fc^iüäct)(icl)e ^rau mäfjrenb ber Stitlungg^eit ^oc(}grabig. 

®arf bei Sßiebereintritt ber 9Jionat§bIutung loeitergeftiHt 
werben? äBenn $8au unb ^räftejuftanb ein guter finb, §um 2öof)Ie be§ ^inbe§ 
unbebingt. ©d)raäc})Iid)e 9JIütter raerben fid)er aber barunter leiben; rcit 
empfef)(en bal)er eine langfame 2Ibgen)öf)nung, roeldje fid) auf brei biä oicr 
?[Ronate erftredten fann, forgfältige Pflege ber SDlutter unb teilraeife fünftlici)e 
®rnä[)rung ber ©äugtingS. .^auptforge bleibt e§, burd) rid)tige Sebeibo= 
meife ben frül^seitigen SGBiebereintritt ber ^eriobe gu oerI)üten. 

®arf man roeiterftillen, menn fid) eine neue Sc^raangerfc^aft 
ctnftellt? 2Iuf bem 2a\\i)^ fieljt man fräftige QSäuerinnen fe^r I)öufig "öa^ 
bereits laufenbe ^üngfte nod) an ber 33ruft ernäf)ren, n)ä!)renb ftc^ unter 
iljrem .^er^en ein neue§ Seben fd)on merflic^ regt, ©eroöbntid) tut fie 
bie» fdjabloS, allen fd)roa(i)en grauen roiberraten mir foldje ^oppeKeiftimgen 
aber auf baS entfdjiebenfte, ©elbft bei fräftigen g^rauen beobad)tete man 
oft, ba^ ba§ nad)geborene 0nb, ha§ nii^t bie ganje ^raft feiner SJf^uttcr 
empfing, fc^roä(})Iid) raurbe. ^ft bie 3^rau aber nid)t n)iberftanb§fäl)ig unb 
I)at fie t)a§ llnglüd, beoor ba§ ^^üngfte entroöljnt ift, abermals in ©^manger» 
fd)aft 5U fommen, bann mu§ fie fid) fofort ber neuen 3lufgabe mibmen unb 
baS geborene 5^inb an anbere Diatjrung geiüöt)nen. ©ie fann e§ forgloS tun, 
wenn ba§ :Süngfte fed)ä ober gar neun 9Jlonate taug bie ^ruft gehabt !E)at. 

®a§ Rör per gern id)t einer gefunben 2öüd)nerin erreid)t fel)r balb 
feine alte ^ül)e, bie eS oor ber ©d)roangerfd)aft befa^, unb überfteigt eS nac!) 
fedjS bis ac^t 2öod)en, roenn bie ^^^rau i\)X ^inb fetbft ftidt. 53tübenbcr 
unb frifc^er al§ je §uDor fel)en mir mandje 3^rau in biefer Qi'it unb fmb 
bann üon ber Überjeugung burd)brungen, ba^ baS 5^inbbett il)r gut getan 
unb baf3 bie 9}]utterfc^aft unter natüvli^en 2Serl)ältni[fen roeber fied^ noc^ 
ungtiirf(icl) ober unfd)ön ntad)t. 



ISD 



Rinbbettfieber. 343 



Das KindbettfUber. 

^a§ t^tebcr, ba§ balb nad) einer ©ntbinbung eintritt unD burd) @nt=» 
jünbung§5u[tänt)e ber ^Sedenorgone entfteljt, boljer mit 9^ed)t fel)r gefürdjtet 
ift, ^ei^t „^inbbettfieber". ^ebe Gutbuubene i[t eine 33ern)unbete unb 
bietet bal)er all fold)e ©e(egenl)eit ju 2Bunb!ranf Reiten, bie burd) ba5 
©inbringen oon ^rembförpern in bie S5>unben, juroeilen aud) burd) Silbung 
üon (Selbftgiften in ber S(ntbat)n ber 2Bü^nerin f)erDorgernfen lüerben. 

(Srft in hin Dierjiger Q^fji'en be§ neun5e()nten 3at)rt)unbert» fam man 
barauf, bo^ bie in htn Spitälern auftretenben (Spibemien oon ^inbbettfieber 
auf SSergiftung ber 2ööd)nerinnen burd) Stubenten unb Srjte 3urücf5ufüt)rcn 
fmb unb bafjer gu oevljüten raären. ^tx SÖiener 3Ir5t Dr. Scmmelraeifj 
ftetlte ben ©a^ auf, baJ3 jebeä ^Puerperalfieber (^inbbettfieber) burc^ 3luf=' 
faugung eine^ serfeljten tierifd)=organifcI)en Stoffel entftcf)t, ber bei 
operatioen (Singriffen foraie burd) unfaubere '^]i^Q,^ in ben Organismus ber 
gicauen gebrad)t raurbe. SSerben biefe Stoffe abgetötet, beoor bie 2Bi3d)nerin 
berül)rt roirb, fo !ann feine ^nfeftion (Übertragung) ftattfinben. 

SBeoor biefe Sel}re %n^ fa^te — anfangt rourbe fte unbegreif(id)erroeife 
^eftig angegriffen — ftarben an einjelnen 5l(inifen oon .^unbert 10 bil 26 
flauen an ^inbbettfieber. %a§ rcaren für^terti^e 3a¥en! 

Semmelroei^ raurbe ai§ „2öoI)Itäterber 9)Jenfd)()eit" gepriefen, benn il)m 
oerbanfen rair I)aupt]äd)lid) bie „2(ntifepfi§ im 2öod)enbett", baS ift bie 5orbe= 
rungber abfoluten 9ieinlid)feitunb 5^eimfreif)eit aller ^änbe unb©erätc, 
bie mit ber 2!öüd)nerin in S3erü{)rung fommen. 2)ie SOf^ortatität (Sterblid)feit) 
fan! hierauf ganj bebeutenb, unb e§ begannen grojse Ü^eformen in ber Sef)anb(ung 
ber ©ebärenben. ^od) roar man nod) lange nid)t beim 9^ed)ten angelangt, ©ie 
2Intifepp (^-äulniSroibrigfeit) oerfiKjrte gu einem anberen foIgenfd)raeren Irrtum, 
nämlic^ §ur übermäßigen 9]erraenbung feimtötenber SOlittel, roe(d)e bie armen 
3^rauen in neue ©efat^ren ftürjten. SJJan übergoß SJJenfdjen unb ©eräte mit 
Karbol unb Sublimat, mit meieren man aud) alle SSerraunbeten in ben fieb- 
jiger ;5al)ren überfc^raemmte. '3^iefe» neue 93erfa()ren fanb fräftigc lluterftüt3ung 
burd^ben englifdjenSIrjt Sifter, raelcl)crbie antifeptifd)e 2öunbbel)anblung 
im allgemeinen gleidjjeitig eiufül)rte unb baburd) ba§ 2>erftänbniy für bie Sem» 
meln)eißfd)e 2;l)eorie raefentlid) forberte. @rft nad)bem unsäljlige 9J?enfd)en 
burd) 33ergiftung mit S^arbol ober Sublimat Sd)aben gelitten l)attcn ober 
geftorben raaren, entftanb allmäljlid) bie 2lfepfi§, ba§ ift bie 5leimfreil)eit 
o^ne Stnrcenbung ber genannten ©iftftoffe, unb nun cxii fanf bie Sterblid)feit 
ber 9Böd)nerinnen auf faum ein ^n-ojent. ^er 3Beg jur 2öal)rl)eit mar lange! 

;5e^t roar e§ sur ftrengen gorberung geroorben, baji 'Jirjte unb 
Pflegerinnen il)re ^änbe mit dürfte, Seife, Soba ober ttma^ Sublimat 
bearbeiten mußten, um nur im ^uftanbe abfoluter 9ieint}eit bie 'ffiöd)nerin 
ju berüt)ren; baß man let3tcre oor ber ©eburt ein 9^einigungSbab nehmen 



344 Jtinbbcttfieber. 



Itef3 unb Die äußeren @e[d)(e^t§teite mit ©eifennjoffer reinigte uiib ju 2(u§» 
jpühtngeu nur Qbgefod)te§ 2öa[jer ober Iiüd)ften§ fd)raac^e 9Jiijd)ungen mit 
Si)fol oerraanbte. ^nftrumeute unb 93erbanbmittel würben au§ge!od)t unb 
forgfältig aufbeiuoljrt. Unterfu (jungen von 2ßüd)n er innen burften 
nid)t met)r oorgenommen loerben, lüenn manoor{)er mit Seichen 
ober anftecfenben £ranfl)eiten gu tun gehabt Ijatte. %a§ roar ba§ 
5raeite |)auptgebot. ^er Srfolg biefe» 33er[a[)ren§ mar großartig! 

Sßenn bei biefer 33eljanblung eine ^rau nod) Slinbbettfieber bef'ommt, 
bonn ift e§ bie 3^oIge oon [d)n)eren Operationen, oon prüif gebliebenen, in 
^äulnig geratenen @it)autreften o"ber non !ranflja[ten ©toffraei^felprobuften, 
bie burc^ bie ®rf(ä)ütterung ber (Seburt frei mürben unb ha^ 5'ieber l)eroor:= 
riefen. ®er le^te ^aE ift fetten, fommt ober oor, roenn bie g^rau frauf ift 
ober einige Qüi oor ber ©eburt mit Sripper infiziert rourbe unb nac^ ber 
Gntbinbung eine (Sntjünbung ber Gebärmutter befommt. 

®ie geburt§l)ilflid)en Dperotioneu bilben für bie Sfööc^nerinnen 
ftet§ bie größte (Sefa^r, auc^ menn fie fo afeptifd) aB möglid) au^gefü^rt 
luerben, finb fie bod) faft immer ron Ieid)tem ^-ieber gefolgt, meil bie 3Ser=» 
munbungen unb @rfd)ütteruugen be§ 9?erüenfi)fiem§ 5U gro^e babei finb. 9ftid)tig 
angepaßte SBafferbeljanblung rairb es; aber in mäßigen ©renjen Ratten. 

©inb (Si^autrefte gurücfgebüeben ober in g-äulni5 übergegangen, bann bleibt 
nur, roenn DorI)er nod) nichts anbere§ getan mürbe, um bie Selbfttätigfeit be§ 
Organismus anzuregen, bie Stusräumung ber (Gebärmutter übrig, bie bei ein» 
fid)t§ooUen ^^rauen balb nat^ ber ©ntbinbung in oorfi^tiger Söeife auc^ o^ne 
l^larfofe auSgefüIjrt roerben fann. W\t entfpred)enben ^^^fi^'un^enten roerbeu 
bie fauligen 9iücfftänbe IjerauSge^oIt unb mirb bie ©ebärmutter-^nneuljout gart 
abgefd)abt. Blutungen, g-ieber fd)roinben bann um fo rafd)er, je entfd)iebener 
man mit faltem (St^bab unb faltem Seibauffd)(ag bei reijlofer 'S)iät einwirft. 

(Sin fd)roere§ ^inbbettfieber entroicfelt fid) nad) Operationen immer 
nur bann, menn man nid)t afeptifd) üorging, roenn man brutal operierte unb 
babei bie g^rau ju fel)r oerrounbete, ober roenn, roie fd)on erroät)nt, gleichzeitig 
befonbere Steigung gu (SutjünbungSsuftänben üorl)anben roar. 

Singer einem leichten SieforptionSfieber (infolge Stuffaugung oon 
SBunbfefreten) fann Mnbbettfieber infolge einer (Sebärmutterentäünbung, 
eines fogenannten *ipuerperalgefd)roür§ an ben äußeren (Senitalien, einer 
eitrigen (äntäünbung beS ^ecfeubinbegeroebeS (^^arametritiS) , einer (Snt» 
SÜnbung beS S3aud)felleS (Peritonitis) unb fd)lief3lid) in feiner gefäljr- 
lid)ften, oft töblid) oerlaufenben f^orm infolge allgemeiner SepfiS, baS 
ift 33ergiftung beS ganjen 5^örperS burd) SSerbreitung beS ^nfeftiouSftoffeä 
auf ben (Sefä^roegen, entfteljen, roaS bei ausgebreiteten 9Bunbfläd)en unb 
geöffneten 33lut= unb St)mpl)gefä^en fel)r leid)t gefd)el)en fann. 2)iefe le^tere 
ift biejenige f^^orm, ber früljer fo oiele a^nungStofe j^rauen in ben STranfen» 
pufern in brei bis oier Stagen jum Opfer fielen. 



S8ef)anbtung ber SSrü^te. 345 

©euaue 53eobad)tiim3 unb teiüucii'c niitcr[ud)ung ber fraufen Sßöd)nerin 
rcerben balb 3lu[i"c!)Iiif3 bringen, üb ber eine ober anbcrc '^a\l bie Ur]ad)e be§ 
5ieber§ ift, unb raerben barnad) bie 33el)anb(ung beftimmen. i^ft ein l)ä^(i(^ev 
S[u§f(u^ entftanben, gran, übelriedjcnb, beifsenb, bann mad)e man 3Iu§[pü(ungen 
mit abgeforf)tem SBaffev, (ege reinfte SBunbroatte, in abgefoc^teä SGBaffer 
getaud)t in bie (Sd)eibe, unb roenbe fofort 9ftumpfparfungen an, bie man 
ftünblid) erneuert unb in ^iöaffer oon etroa 20" C. taud)t. 33ei lieber über 
38° C. muffen a\\<i) tii\)h (5)an5pad'ungen ober falte 2öabenroicEeI, 
ferner Übergießungen be§ ganjen 5lörper§ mit 35'' ober 23° C. au§= 
geführt roerben. ^ei 33c(ieneiterungen mad)t man f(eif5ig geroec^felte !atte 
Seibauffcl)(äge unb 33einbampfpac!ungen mit f altem i^niegit^, aud) 
© ans^Settbampfbäber ufm. 5^ül)le, f leine .'!^h)ftiere roirfen fef)r 
tüoljltuenb, ebenfo pffige 5^oft, an§ faltet, rofjer W\l<i), aucl) faurer SJlilc^, 
Dcrbünnten Gbftfäften, SS^urjelbrüljen, 9lpfeltee mit 9fläl)rfal3=Si§fuit (^ot)en^ 
lo^efdje, nad) Dr. ;^al)mann unb anbeten) ufro. beftel)cnb. 2öa§ fonft 
nod) 5u mad)en ift, entjrf)cibct ber einjelne ?^all; bei ber SJiannigfaltigfeii 
bct 3iifiänbe gibt e§ fein Üiejept, t)a§ füt alle an 5^inbbettfiebet Stftanften 
paßt. 2Bit fügen nocl) Ijinju, baß nad) einem unüollfommenen 3Ibottus 
feptif(^e (Snbomettitiy (faulige (Sntjünbung ber ©d)leiml)aut ber @ebät=' 
mattet) mit g^iebet aud) red)t Ijäufig ift, meil bie jutücfgebliebenen 9?efte bet 
'»Plazenta in ?3-äulni§ übergingen unb 9tu§fluß unb ^-ieber erjeugten. ^ilft ita 
eine energifd)e innere ^Jlaffage mit falten ©üffen ni^t mel)r, bann bleibt nur 
bie 2Iu5frat3ung übrig. 



Die Behandlung der Brühe. 

f^ig. 29 im evftcn i^Uipitel bc§ I. 3:eile§ unfere§ 33ud)e§ briiujt un§ ein 
anatomifc^e^ 93ilb oon ber meiblict)en S3ruft; anbete 'Satftellungen betfelben, 
bie un§ il)ten ^5au flat mad)en, finb ^ig. 201 unb 202 mit gefüllten 
unb leeten ^tüfenttäubdjen. Sie 9Jatut \)at e§ unenblid) roeife eingerid)tet, 
baß fie hin Seib ber 9J^uttet aud) jut 33ilbung5ftätte bet finblid)en 9?al)tung 
mad)te unb un§ baburd) aller 9ial)rung5fürge füt 'i)a§ 9]eugebotene enthebt, 
^ißie nitgenb§ fonft, fo gebeil)t ba§ 5^inb an bet üollcn 9)]uttetbtuft; unfete 
9Iiifgabe mitb uut batin bcftel)en, bie natürlid)c ^JJildjiiuclle be^ 5tinbe§ 
gefunb unb ergiebig ju erljalten. SBie etteid)cn mir bie^o? (Stften§ burd) 
tic^tige (Jrnäljrung unb *'^^flcge ber 9}htttcr, ,yucitcn§ burd) überlegte Scl)anb= 
lang bet 33tüfte, bie oft fcl)t ga 5U'aufl)citcn geneigt finb. 

©^ gibt ^taaen, bie fo gute Timmen finb, baß fie am\) bei fpätlid)ct 
unb fd)lcd)tet 9]al)tung tctd)üd) 'i'JJild) erzeugen; anbere bagcgen l)aben trotj 
aller 33emüt)ungen unb reic^lic^fter 9Jal)rung faum fo oicl ^Jlild), ha\] ber 



346 



S3ef)Qnblung ber Sörüfte. 



©äugling brei SJlonate bamit gefättigt roerben fann. %k§ liegt teil§ an bcm 
58au be§ 9}]i{d)organ§, teit:§ an bem (5toffit)ed)jel ber SOlutter, ber oft ttic^t 
lebhaft genug ift, um bte SRildjerjeugung im ©ange §u erhalten. Seibet 
muffen mir e§ I)ier au§fpred)en, ba§ bie Qai^l ber grauen, bie r\aä) ber 
©ntbinbung leere Prüfte befjalten ober nur fpärli^en ^i^i^i^a^^S ^ben, in 
unferen ©tobten immer größer wirb; bie 9}lil^brüfc oerfümmert 
langfam! 2)urd) f^äbtidje ^leibung (5^orfett!), burd) fatfd)e ©mö^rung 

(^leifd) uub 2tlfoI)oI), burc^ Un» 
tätigfeit ber 9Jlu§Eeln be§ Ober» 
förperä finb roof)! ^ettbrüftc 
entftanben, nic^t aber leiftungg» 
fähige SRitd^organe. ®er 33erluft 
ber natürlidjen 9Tat)rung be§ 
(Säugling^ aber bebeutet (BnU 
artung ber 9lad)fommcn=» 
fd)aft, Ijotie 6terblici)feit ber 
^fleugeborenen, oerme^rtel ©ied)' 
tum unb ^ranfi)eit ber ^eran= 
roadifenben £inber. @g fe'^ttc bie 
»on ber Statur für fie beftimmte, 
für i^r SCBaci)§tum üollftänbig 
au§rei(^enbe Sflaljrung, unb fie 
mußten mit unootifommen unb 
fa(fd) äwffli^ntßugefe^ten, fünft» 
Iid)en 9^af)rung§mittetn oorlieb 
nef)men. (©iel)e ©eite 368.) 93on 
u)eld)er großen 33ebeutung ift e§ 
atfo für bie sufünftige SJienfc^^eit, 
t)a^ alle jungen SJlütter i^re 
9JIutterpfIid)ten aud) mirflii^ nad^ 
allen ©eiteu Ijin §u erfüllen oer» 
mögen! 2ßenigftenl foll man öon 




m- 201. 

©cttfre^lcr (Sdjuitt bitrt^ btc SBruftbrüfe. 
>5roei S)rü[en finb borgefteüt, mdd)e mit if)ren 
2lu§füf)rungSgängen an bev SBarge neben bcn 
2lu§füf)rung§gänBen ber übrigen bier nid)t bar* 
gefteüten 9J]itd)brüfen nn'inben. Tlan [ie^t bie 
Ulnfcijuietlung ber STJiId)gänge (9hi§fübrung§= 
gänge) furj üor itjrem ©intritt in bie Sßarse. 



t'^nen fagen fönnen: fie l^abcn 
md)t§ imterlaffen roäljrenb nnh nad) ber ©d)roangerfd)aft, um bie 9Jiild)= 
Organe ju fräftigen uub um erfaunte ©d)raöd)e5uftänbe gu befämpfen. 3ft eine 
junge ^rau bann benuod) unfäfjig geblieben, il)r 5^inb ju ernäl)ren, bann ift 
fte roenigftenS nid)t felbft fd)ulb baran, foubern i!^re SSorfa^ren. SSieHei^t 
}^at fie einen truuffüd)tigen SSater gel)obt (ber 2llfol)ol gerftört allmä^li^ 
bie 9^ä^rfät)igfeit ber 9Jcütter, raie ftatiftifc^e HuffteKungen beroeifen), fd)n)inb* 
füc^tige 33orfa^ren, fr)pl)iHtifd)e Altern ufm., unb i^r ^au foraie il)re ©d)rocid)e 
fmb logifc^e ^^olgen ber Seben^meife if)rer 9Sorfal)ren, nid)t minber bie Urfai^e 
ber £eben§un[äl)igfeit il)rer 9f|ad)fommen, bie oft if)ren SInfang mit ber 



5? e Ii a n b l u n g b e r 53 r it ft e. 



347 



Entartung ber mütterlicfjen S^äfjrorgane nimmt. (Sine 5!ette trourigfter ©r» 

fd)einuiu3en! ^m aügemeinen fef)en rair fräftig arbeitenbe ^Jraueu bei cin[ad)er 

©rnä^rung ani) mit Dortrefflidjen 9)]i(d)organeu oerjeljen; oft fann eine jold)e 

iBauernfrau gtoei ^inber gleid)5eitig fättigen, fo gro^ i[t if)r SRildjuorrat. 

2I(§ 2Räbd)en ging fie aber aud) ntd)t in engem Worfelt ein(}er, mar nid)t 

mit SÖeipflicferei ober 9lä^maid)ine befc^äftigt, fonbern mnJ3te ftunbenlang 

fdjroere 2lrbeit auf bem j^elbe leiften, in reinfter, befter Suft, bei berbem Sdjroar^» 

brot,2Jli(d)ober23loit 

unb 3(p[e(n. W\t 

£eid)tigfeit gebar fie 

i^r er[te§ Äinb, unb 

ber 5[Ri(d)[üüe roufite 

fie fid) füum 5U er» 

wehren. 

^arurn oerroeifen 
roir immer mieber auf 
bie :[jugenb. Saffet 
bie jungen SUIäbdjen 
oernünftigen Sport 
treiben unb aud) bie 
anftrengenben §au»- 
arbeiten nid)t fdjeuen, 
fleibet fie locfer unb 
I) ortet fie ab, unb 
leiftungsfätjige 5IRüt= 
ter roerben ber Soljn 
biefer S3emü{)ungen 
fein. (SSir üerroeifen 
auf ben I.Seil unfere» 

S3ud)Cy, ber bie I)ie5u nötigen 2ln(eitungen gibt.) ^ie 33 rufte bürfen 
niemals gebrücft roerben; unbet)inberte 2(temtätigfeit erweitert hm 
SBruftfaften, unb fräftigenbe 2(rbeiten, mit ben Strmen oerridjtet, ftärfen bie 
SD^Iuöfetn ber 33ruft unb be§ S^ücten;^ ; bann gibt cl feine oerfümmerten iH-üfte, 
fonbern fc^öne, ootle lüften, ßcis^n fid) bei 9}^äbd)en eingebogene ober ju 
fleine Söarjen, fo muffen biefe bel)anbelt roerben. ^ie ??hitter jupfe fie täglid) 
einige SJlinuten lang, bamit fie I)crau§treten unb normale ^-orm anueljmeu. 
(5inb fie oerroadjfcn, fo I)ü(e man bei einem (SI)irurgen 9^at ein. Dft genügt 
ein ^autfdjnittd)en, um bie 33erroad)fung 5u löfen unb braurf)bare ?3]i(d)organe 
3u fd)affen. Se^r fd)(imm ift e5 für bie 33lutler unb nod) oict mel)r für ba5 
^iub, roenn erft nad) feiner ©eburt entbecft roirb, bafj bie 'IBarjen oer» 
früppe(t finb unb ba» {juiigrige 5^inb tro^ aücr 33emü()ui!gcn unb über» 
DoUcr S3riift bie 'Bargen nic^t faffcn fann. ^k rocrtuoKe "iDIild) Iüu;t 




gig, 202. a)liltf)brflfcn ciiiCi^ aScibc:^ »äljrcnb bc§ ^tiücnd. 

33on ber unteren ^ülfte ift t>k ^aut entfernt. "Sflan fte^t 
bie Srüfenbeeren mit ifircn aiusfü^rungggängcn unb bie 
ainfdirceüung ber ©auptmildigänge oor ilnem Eintritt in 
bie 2öar5e. Sie inetften Srüfenbeercn finb burd) hm iSdjnitt 
eröffnet. 



348 



iSer)anbIung ber 33 rufte. 



bann ungenii^t ah; bie SJhttter erteibet ©dimerjen; benn 33ruft unb 9iü(Jen 
fd^raellen an, unb fie mu^ bo^ rut)ig sufeljen, bi§ bie gütle fid) oerltert, 
lüoBei lieber unb (Sdjiaftofigf'eit ent[tel)en unb ha§ arme ^inb baneben 
faft oerijungert. Unb al(e§ nur, raett bie ^-rau roeber al§ ?JläD(^en, nod) 
lüöfjrenb ber (Sc[)ioangerfd)aft fid) um i^re S^örperbef^affentjeit befümmerte 
unb gleici)gültig allem ^ommenben entgegenfat)! 

(Sd)einen bie Prüfte bei einer ?yrau, roeld)e fd)on in anberen Umftänben 
ilX 5U flein, fo trad)te fie bie Drgnne ju fräftigen, inbem fie biefe täglic^ 





B-ig. 203. 



®tt§ breicrftgc Srufttitc^. 



5-ig. 204. 



fetbft maffiert (fielie 2;afe( 9ir. 28) unb täglid) !ül)le 2Ba[d)ungen ober, roeun 
angeäeigt, auc^ folte ©üffe anroenbet. ©rötere SSlutfüUe, üermel)rte SKiber^- 
ftanb§!ra[t ber ©emebe, 3iii^Q^i^^ß '^^^ Umfange§ finb bie ^-olge foI(^er 
'öefjanblung. Soft eine §arte SJtafjage aber 5ie!)enbe ©c!)mer5en im Unter» 
leibe au§, bann mu^ fie unterlaffen raerben. ©in menig ^^ipfen unb taglidje 
S[Baf(^ungen raerben fc^on fyortfi^ritte bringen. 

9Jl i I d) e r m e I) r u n g. SSiete junge unb graar bef onberS magere ?^rauen 
tiaben oft erft am sraeiten 3:age nad) ber Gntbinbung fid)tbaren unb fül)!» 
baren 9Jii(d)einfd)u^. S3egreif(id)ermeife rairb bann bie 53efürd)tung taut, 
ba^ fie gum (Stitten übertjaupt feine 33efä^igung I)abe. '?^an laffe fid) aber 
nic^t entmutigen, benn bei rid)tiger ^eljanbtung ber Sööc^nerin erhielt man 
fetbft bei fd)mäd)lid)jn grauen gro|3e (Srfolge. S)tan forge fid) aud) nid;t 
um ben ©äugling, nod) roeniger füt)re man ilim fd)on einige ©tunben nad) 
ber ©eburt Stee ober bergleid)en gu. ^n ben erften 24 (Stunben t)at er 
überl)aupt feine 9ial)rung§aufnat)me nötig. SEirö er bann unrut)iger unb 
fd)eint t>a§ ©d)reien rairftid) oon junger !^er§urül)ren, bann gebe man i^^ni 



5Bef)anb[ung ber 58 rufte. 349 



Qtma§ 2Jli(d)5uc!er in (auem 2öaffer, unb lege it)n alle ^raei ©tunben an bie 
iuütterlici)e SBruft, aud) iDcnu fie leer frf)eint. '^a§ ^läufige Saugen regt bie 
9Jliid)er5eugung an, unb raenn ber Säugling aud) nur fleine a}leugen ber= 
jenigen glüffigfcit ber 53ruftbrü[e erl)ält, bie fid) anfänglid) in jeber 3J?iId)= 
briife nad) Seenbigung ber Sd)roangerfd)ait bilbet (fie f)eiBt Colostrum), fo 
ift bieg für ilju fel)r rooljltätig, benn fie rairft reinigenb auf feine S3er= 
bauunggorgane. ferner gebe man ber Söödjnerin nad) bem erften (5d)lcifd)eu 
fofort ein roarme» unb näl)renbe§ ©etränf, bag man in 91otfällen aud) alle 
jraei (Stauben reid)en fann. Sie Sßirfung ift oft überrafd)enb, allerbing-^ 
oorau»gefe^t, bap ber 3Süd)nerin ber 2d)laf nid)t fel)lt. 

2ßie fd)on an anberer Stelle ern)äl)ut rourbe, ift ber (Senu^ lu armer 
guter ^ui)mild) ba§ befte Sflalirungsmittel, um auc^ ber 9JIutter reid)lid) 
3Jiild) 5U fd)affen. 9}cac^t fie jebod) läftige 3>crftüpfung ober roirb fie nid)t 
gerne getrunfen, bann oermi